Wer sollte eine Gemeinde leiten?
Was sagt die Bibel dazu?

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 11.01.2021, aktualisiert: 04.02.2021

Man könnte nun fragen: „Wenn wir für Zusammenkünfte zusammenkommen sollen, so wie es im vorherigen Kapitel („Wohin soll ich denn gehen? Welcher kirchliche Weg ist der richtige?“) empfohlen wurde, wer sollte diese Versammlungen dann leiten?“

Unsere Antwort darauf: Wenn wir wirklich glauben würden, dass der Herr Jesus in der Mitte ist, wie Er es verheißen hat, dann würden wir uns von Ihm durch den Geist leiten und lenken lassen wollen. Als Christus in den Himmel auffuhr, sandte Er den Heiligen Geist in die Welt, damit Er genau zu diesem Zweck in der Gemeinde wohnen sollte (vgl. Joh 7,39; Apg 2,1-33). Die Hauptaufgaben des Heiligen Geistes im Christentum sind: Christus verherrlichen, die Glieder des Leibes Christi auf der Erde durch seine innewohnende Gegenwart mit dem Haupt im Himmel verbinden und die Gemeinde in allen Dingen leiten, sei es in Anbetung (Phil 3,3), im Gebet (Eph 6,18; Jud 20; Apg 4,31), im Dienst (Joh 14,26; 16,13-15; 1Kor 12,11) oder in der Evangelisation (Apg 8,29; 13,1-4; 16,6.7). Von dem Augenblick an als der Geist Gottes zu Pfingsten in die Welt gesandt wurde, suchen wir im Neuen Testament vergeblich nach einem Gemeindevorsteher – mit der Ausnahme, dass der Heilige Geist souverän leitet! Er ist es, der die Zusammenkünfte der Gemeinde leiten soll.

Alle kirchlichen Gruppen werden sagen, dass sie die Gegenwart des Geistes besitzen, aber der Beweis dafür, dass wir wirklich an die Kraft und Gegenwart des Geistes glauben, wird sich darin zeigen, ob wir Ihm erlauben, die Dinge in den Zusammenkünften der Gemeinde zu leiten! Was die Heilige Schrift von uns verlangt, ist Glaube an die Gegenwart des Geistes. Dieser Glaube wird dadurch bewiesen, dass wir Ihm das Ihm gebührende Recht überlassen, in den Zusammenkünften den zum Reden zu gebrauchen, wen Er will. Für alle, die sich gemäß der biblischen Ordnung Gottes versammeln wollen, wird Glaube erforderlich sein. Aber das sollte uns als Christen nicht überraschen, denn jeder Schritt auf unserem Weg sollte im Glauben geschehen: „Was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Und wiederum: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Gal 3,11).

Wenn Gott durch die Kraft des Geistes die Welt und alles in ihr geschaffen hat (vgl. Hiob 26,13; 33,4; 1Mo 1,2), dann sollte Er sicher in der Lage sein, eine Gruppe von Christen anzuleiten, die zur Anbetung und zum Dienst am Wort versammelt sind! Mit jemand, der so groß und kompetent ist wie diese göttliche Person, die inmitten der versammelten Heiligen anwesend ist, ist es nicht nötig, dass wir einen Mann einsetzen, damit er die Arbeit des Geistes tut, ganz gleich, wie begabt er sein mag. C.H. Mackintosh sagt:

Wenn Christus in unserer Mitte ist (Mt 18,20), warum in aller Welt sollten wir dann überhaupt daran denken, einen menschlichen Vorsteher einzusetzen? Warum sollten wir Ihm nicht seinen rechtmäßigen Platz einräumen und dem Geist Gottes erlauben, in der Anbetung und im Dienst [am Wort] zu führen und zu leiten? Menschliche Autorität ist nicht nötig.[1]

Dessen ungeachtet haben die Denominationen einen Mann (einen „Pastor“ oder „Geistlichen“) für die Leitung des Gottesdienstes eingesetzt. In der Bibel finden wir jedoch nicht, dass Gott irgendwo einen Pastor oder Geistlichen eingesetzt hat, damit er den Gottesdienst der Kirche leite. Um es mit den Worten von W.T.P. Wolston auszudrücken:

In der Christenheit gibt es die Vorstellung, dass ein „Pastor“ ein Mann ist, der zur Leitung einer Gemeinde gesetzt ist. Diese Vorstellung existiert in den Köpfen der Menschen, aber nicht in der Heiligen Schrift![2]

Wenn es nicht Gottes Anordnung ist, dann ist es klar, dass es eine menschliche Erfindung sein muss. Einen Mann in der Zusammenkunft einzusetzen, damit er das Abendmahl des Herrn „austeilt“, ist wahrlich ein gewaltiger Fehler, denn es gibt im Wort Gottes nicht einen einzigen Hinweis darauf, dass ein Mann, selbst ein Apostel, für so etwas eingesetzt worden wäre. Die Schrift sagt einfach: „Wir waren versammelt, um Brot zu brechen“ (Apg 20,7).

Dennoch ist diese menschliche Einrichtung im Christentum so weit verbreitet, dass man sie vom Petersdom in Rom bis zum kleinsten evangelischen Kirchlein sehen kann. Anstatt dass die Gläubigen sich allein im Namen des Herrn zur Anbetung und zum Dienst [am Wort] versammeln und auf die Leitung des Geistes warten, kann man kaum eine Gebetsversammlung finden, ohne dass jemand (ein Gebetsleiter) ernannt wird, der sie leitet. Was ist das anderes, als dass der Mensch die Stelle des Heiligen Geistes an sich reißt! Es ist die traurige Frucht davon, dass man nicht glaubt, dass Er inmitten der Heiligen persönlich gegenwärtig ist. Einen Mann, so begabt er auch sein mag, einzusetzen, damit er eine Versammlung leite, ist eine praktische Leugnung der Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes. Es ist wirklich Unglaube oder Unkenntnis in Bezug auf die Fähigkeit des Heiligen Geistes, die Zusammenkünfte zu leiten. Wie traurig, dass eine solche menschliche Einmischung die Einfachheit der göttlichen Ordnung außer Kraft gesetzt hat. Möge der Herr sein Volk von einem solchen System befreien, das seinen Gedanken so widerspricht.

Das allgemeine Priestertum

Die Grundbedeutung des Wortes „Priester“ ist: „Einer, der opfert“ (Heb 5,1; 8,3; 1Pet 2,5). Ein Priester ist jemand, der das Vorrecht hat, im Namen des Volkes in die Gegenwart Gottes zu treten. Im Christentum übt ein Priester sein Priestertum aus, indem er Gott die Opfer des Lobes darbringt und Fürbitte an Gott richtet (Heb 13,15; 1Joh 5,14.15). Einer der Gründe für die Schwachheit und Verwirrung, die in der bekennenden Kirche vorherrschen, ist jedoch, dass das Priestertum in vielen Fällen beansprucht worden ist als das Recht einer privilegierten Klasse von Personen, von denen einige nicht einmal errettet sind!

Die Wahrheit ist, dass alle Christen Priester sind! Das lehrt die Heilige Schrift. Im Buch der Offenbarung heißt es, dass sie durch den Glauben an das Werk, das Christus am Kreuz vollbracht hat, „zu Priestern seinem Gott“ gemacht sind (Off 1,6; 5,10). Der Petrusbrief bestätigt das und sagt: „Werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“ (1Pet 2,5.9). Darüber hinaus ermutigt der Hebräerbrief die Christen als Gesamtheit, durch den Vorhang hin ins Heiligtum einzutreten (vgl. Heb 10,19-22; 13,15.16)!

Keine Bibelstelle im Neuen Testament, in der das Priestertum behandelt wird, erwähnt oder deutet auch nur an, dass nur einige der Heiligen Priester sind. Auch in keiner anderen Textstelle im Neuen Testament ist ein solcher Gedanke enthalten. Wenn das Neue Testament von Priestertum spricht, bezieht es sich im selben Atemzug darauf, dass alle Gläubigen als Priester eingesetzt werden. Darüber hinaus sagen uns diese Verse nicht nur, dass alle Christen Priester sind, sondern wir lernen zudem, dass sie Priester mit Vorrechten sind, die diejenigen der alttestamentlichen Zeit übertreffen! Ein Priester im Christentum hat das Vorrecht, in die unmittelbare Gegenwart Gottes „einzutreten“: in das Allerheiligste. Das ist ein Ort, an den kein Sohn Aarons Zutritt hatte. Selbst als Aaron, der Hohepriester in Israel, einmal im Jahr durch den Vorhang trat, kam er nicht so freimütig, wie wir es jetzt können. Am Versöhnungstag ging er mit Todesfurcht hinein, aber wir können „in voller Gewissheit des Glaubens“ eintreten (Heb 10,22). Außerdem hatten die aaronitischen Priester weitgehend keine Einsicht in ihren Dienst. Sie wussten nicht, warum sie die Dinge, die ihnen befohlen wurden, tun sollten. Wir aber haben einen „vernünftigen [Gottes-]Dienst“ (Röm 12,1). Wir können unsere priesterlichen Handlungen ausführen und verstehen alles, was wir in Gottes Gegenwart tun.

Da die Schrift also lehrt, dass alle Christen Priester sind und dass wir alle das gleiche Vorrecht haben, unser Priestertum in der Gegenwart Gottes auszuüben, ist klar: Es ist nicht nötig, dass ein Geistlicher vor den anderen Gläubigen herausgehoben wird, um diese Vorrechte im Namen der anderen auszuüben. In Zusammenkünften zur Anbetung und zum Gebet (wo Christen ihr Priestertum ausüben) brauchen wir nur auf den Geist Gottes zu warten, damit Er die Gebete und den Lobpreis der Heiligen anführt. Wenn wir Ihm erlauben, in der Versammlung zu leiten an dem Platz, der Ihm gehört, wird Er einen Bruder hier und einen anderen dort leiten, dass er die Anbetung und den Lobpreis als Mund der Versammlung zum Ausdruck bringt. (Wir wissen natürlich, dass wir unser Priestertum nicht nur dann ausüben, wenn wir als Versammlung zusammenkommen. Zu jeder Zeit kann ein Christ als Priester in die unmittelbare Gegenwart Gottes zu Gebet und Anbetung eintreten. Aber im Zusammenhang dieser Abhandlung geht es um Christen, die sich zu Anbetung und Dienst am Wort versammeln.)

Wenn wir die innige Verbindung sehen, die alle Christen als Teil des Leibes und der Braut Christi haben, können wir verstehen, wie völlig unvereinbar das mit der Vorstellung ist, dass eine Priesterkaste Gott näher stehen sollte als die Übrigen (vgl. Eph 2,13; 5,25-32). Wenn wir eine solche Klasse für uns als Christen haben wollen, dann leugnen wir damit, dass wir als Priester befähigt sind, geistliche Opfer vor Gott darzubringen! Es leugnet wirklich die Vorrechte des Christentums und stellt in gewissem Sinn das Judentum wieder her oder bringt uns zumindest auf diese Stufe zurück. Während wenige Kirchen so weit gehen, einen Geistlichen mit dem Titel „Priester“ zu bezeichnen (was andeutet, dass die anderen in dieser Kirche es nicht sind), nennen die meisten evangelikalen Gemeinden ihre Geistlichen „Pastor“ oder „Pfarrer“. Das macht keinen großen Unterschied, denn diese Stellung in der Gemeinde – ob man sie nun „Pastor“ oder „Priester“ nennt – ist nicht in Übereinstimmung mit der Wahrheit der Heiligen Schrift. Es ist lediglich ein von Menschen geschaffenes Amt.

Der Unterschied zwischen Priestertum und Gabe

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Priestertum und Gabe zu verstehen. Das sind zwei verschiedene Dinge in der Heiligen Schrift: Ein Priester geht im Namen des Volkes zu Gott; jemand, der seine Gabe ausübt, geht im Namen Gottes zu den Menschen.

Gaben

Gaben sind das, was der Herr als das aufgefahrene Haupt der Gemeinde den Gliedern seines Leibes gibt, damit sie in der Lage sind, den Platz am Leib auszufüllen, den Gott ihnen zugewiesen hat. Die Bibel lehrt, dass jedes Glied des Leibes Christi eine Gabe erhalten hat (vgl. 1Kor 12,7; Eph 4,7; 1Pet 4,10; Röm 12,6-8). Allerdings haben nicht alle Glieder des Leibes Christi eine Gabe, mit dem Wort zu dienen. Einige haben vielleicht eine Gabe, die deutlich erkennbar ist, wie z.B. als Evangelist, Hirte (Pastor) oder Lehrer (vgl. Eph 4,4-16; Röm 12,4-8; 1Kor 12,4-31); bei anderen mag es etwas weniger Ausgeprägtes sein, wie z.B. „Barmherzigkeit üben“ (Röm 12,8). Ob es nun Evangelisation oder „Hilfeleistungen“ (1Kor 12,28) sind, eines ist sicher: Wir alle haben eine Aufgabe im Leib Christi. Der Zweck der Gaben: Sie sind „zur Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Mann, zu dem Maß des vollen Wuchses der Fülle des Christus; damit wir nicht mehr Unmündige seien, hin und her geworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre, die durch die Betrügerei der Menschen kommt, durch ihre Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum; sondern die Wahrheit festhaltend in Liebe“ (Eph 4,12-15). Das zeigt uns, dass die Gaben zum geistlichen Nutzen der Gemeinde sind.

Der Unterschied zwischen Begabung und Gabe

In Matthäus 25,14-30 macht der Herr einen Unterschied zwischen [natürlicher] „Begabung“ und „Gabe“ [von dem Herrn]. Er erzählt die Geschichte von einem Mann, der in ein fernes Land reiste, und bevor er abreiste, gab er seinen Dienern Talente (eine Geldsumme), mit denen sie handeln sollten, bis er zurückkehrte. Einige bekamen mehr und andere weniger. Das ist eine offensichtliche Anspielung darauf, dass der Herr seinem Volk Gaben gibt, die sie in seiner Abwesenheit für Ihn einsetzen sollen. Eines Tages wird Er wiederkommen und wir werden Rechenschaft darüber ablegen, was wir mit dem getan haben, was Er uns als Gabe gegeben hat. An jenem Tag werden diejenigen belohnt werden, die ihren Dienst treu erfüllt haben (vgl. Mt 25,19-23).

Es ist bemerkenswert, dass der Mann „jedem“ Talente (eine Gabe) gab „nach seiner eigenen Fähigkeit“ (Mt 25,15). Hier unterscheidet der Herr zwischen diesen beiden Dingen. Beachte: Diese Diener hatten ihre verschiedenen Fähigkeiten [natürliche Begabungen], bevor der Mann sie zu sich rief, um ihnen die Talente zu geben.

Begabung ist etwas, was einem Menschen gegeben wird, wenn er in die Welt geboren wird. In seiner Vorsehung wählt Gott das Gefäß für seine Zwecke aus und formt es, lange bevor er oder sie überhaupt errettet wird. In seiner Schule gibt und formt Er die geistigen Kräfte und Fähigkeiten einer Person, sogar wenn sie noch unbekehrt ist. Eine Gabe hingegen ist etwas, was jemand vom Herrn durch den Geist gegeben wird, wenn er errettet wird. Während Begabung eine natürliche Sache ist, ist die Gabe eine geistliche Sache. Eine Gabe wird jemand gegeben, damit er seinen Dienst im Leib Christi ausfüllen kann. Die Weisheit des Herrn zeigt sich hier darin, dass Er Gaben entsprechend unseren [natürlichen] Fähigkeiten gibt. Zum Beispiel gibt Er die Gabe eines Evangelisten nicht einer Person, die zurückhaltend ist und der es an kommunikativen Fähigkeiten mangelt. Wahrscheinlich wird eine solche Gabe jemand gegeben, der von Natur aus gerne mit Menschen zusammen ist und redefreudig ist. Ebenso erfordert die Gabe des Lehrens ein gewisses Maß an natürlichen Begabungen auf dem Gebiet geistiger Fähigkeiten.

Wir erwähnen das, weil es heute im christlichen Bekenntnis eine große Verwirrung in diesem Punkt gibt. Wir hören oft, dass Christen über berühmte bekehrte Musiker oder Sportler sagen, deren natürliche Fähigkeiten seien „ihre Gabe“. Gabe ist jedoch eine geistliche Manifestation im Leib Christi. Sie hat mit geistlichen Dingen zu tun (vgl. 1Kor 12,1; 14,1). Wir sehen in der Schrift auch nicht, dass Gott möchte, dass die Gemeinde Zusammenkünfte abhält, in denen solche Personen ihre natürlichen Fähigkeiten zeigen können. Oft werden diese berühmten Persönlichkeiten für nicht viel mehr als zur Unterhaltung benutzt. Wir fragen: „Werden Gläubige durch solche Zusammenkünfte in der Wahrheit gegründet?“ Die Gaben sind nicht zur Unterhaltung der Heiligen Gottes gedacht, sondern zur Erbauung der Heiligen im „allerheiligsten Glauben“ (Jud 20). J.N. Darby sagt:

Es ist ein völlig falscher Grundsatz, dass natürliche Fähigkeiten Grund genug seien, sie zu benutzen. Ich mag erstaunliche Kraft oder Schnelligkeit beim Laufen haben; mit dem einen schlage ich einen Mann nieder, mit dem anderen gewinne ich einen Pokal. Musik mag eine anspruchsvollere Sache sein, aber der Grundsatz ist derselbe. Dieser Punkt ist meiner Meinung nach jetzt von allergrößter Bedeutung. Die Christen haben ihren moralischen Einfluss verloren, indem sie die Natur und die Welt als harmlos [in die Gemeinde] eingeführt haben. Alle Dinge sind mir erlaubt. Aber wie gesagt, man kann Fleisch und Geist nicht mischen.[3]

Was ist Dienst?

In den Vorstellungen der meisten Leute ist „der Dienst“ das, worin sich Pastoren und Geistliche befinden, während sie ihre Arbeit als das Haupt einer kirchlichen Gruppe ausüben. Die Bibel lehrt jedoch, dass Dienst die Ausübung der eigenen Gabe ist (vgl. 1Pet 4,10,11; 1Tim 4,6; Eph 4,11.12). Da alle Christen eine Gabe haben, sind alle Christen im „Dienst“! Wie wir bereits gesagt haben, haben vielleicht nicht alle eine Gabe, das Wort Gottes öffentlich zu verkündigen, aber alle haben irgendeinen Dienst zu erfüllen. Dienst bezieht sich nicht immer auf das öffentliche Reden, wie viele denken. Ein großer Teil von Dienst ist Dienst für das Volk des Herrn, bei dem wenig oder gar nicht gesprochen wird.

Das Problem in der Gemeinde heute ist, dass es viele wie Archippus gibt, die ihren Dienst nicht erfüllen. Der Apostel musste ihn ermahnen: „Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst“ (Kol 4,17). Das ist eine dringende Ermahnung auch für uns heute. Und einer der Gründe, warum viele ihren Dienst nicht erfüllen, ist, dass es in der Kirche ein riesiges, von Menschen gemachtes klerikales System gibt, das sie daran hindert. In einer üblichen Kirchenordnung in einer typischen konfessionellen Kirche würde jemand, der eine Gabe für den öffentlichen Dienst hat, zurückgehalten werden, wenn der Geist Gottes ihm ein Wort geben würde, und er könnte seine Gabe nicht ausüben. Wenn er weitermachen würde, wäre das eine Störung des laufenden Gottesdienstes.

Die gängige Vorstellung in der Christenheit ist heute, dass jemand, der sich „zum Dienst berufen“ fühlt, ein Ausbildungssystem durchlaufen muss, durch das er den Status eines „Geistlichen“ oder „Pastors“ erwirbt. Und selbst dann kann er seine Gabe nicht ausüben, bis eine Gemeinde ihn (gewöhnlich durch einen Rat von Diakonen [bzw. Presbytern]) zu ihrem Pastor auswählt! Viele, die gute Absichten haben, Gottes Ordnung jedoch nicht kennen, glauben, sie müssten sich diesem Prozess unterwerfen und eine Ausbildung absolvieren, wenn sie mit dem Wort Gottes dienen wollen. Da die Tradition dies so festgelegt hat, glauben viele, Gott schicke sie zu diesem Zweck wirklich in eine theologische Ausbildungsstätte. Und das scheint ihnen ganz logisch zu sein, da dies der übliche Weg ist, „Geistliche“ auszubilden. Ohne den Einzelnen für seine Aufrichtigkeit zu tadeln, müssen wir sagen, dass diese ganze Ordnung nicht in der Heiligen Schrift zu finden ist.

Die Bibel lehrt: Wenn jemand eine bestimmte Gabe hat, dann ist schon allein der Besitz dieser Gabe eine göttliche Legitimierung, sie einzusetzen. Es heißt: „Je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dient einander damit als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes“ (1Pet 4,10). Die Heilige Schrift sagt nicht: „Je nachdem jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so soll er sich in einem Seminar ausbilden und ordinieren lassen, um dann zu dienen.“

Die Heilige Schrift sagt: „Wenn jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so sei es als aus der Kraft, die Gott darreicht“ (1Pet 4,11). Beachte fernerhin, dass es nicht heißt: „Lass ihn eine Ausbildung machen und dann lass ihn reden.“

Und weiter: „Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maß des Glaubens; es sei Dienst, so lasst uns bleiben im Dienst; es sei, der lehrt, in der Lehre; es sei, der ermahnt, in der Ermahnung; der gibt, in Einfalt; der vorsteht, mit Fleiß; der Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit“ (Röm 12,6-8). Auch hier steht kein Wort darüber, dass jemand eine Ausbildungsstätte besuchen muss, bevor er seine Gabe einsetzt.

Außerdem sagt die Schrift: „Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung“ (1Kor 14,26). Auch hier finden wir keinen Hinweis darauf, dass eine Person eine Ausbildung absolvieren müsste, bevor sie ihre Gabe in der Versammlung ausüben kann. Es heißt einfach, dass, wenn wir eine Lehre (eine Belehrung) usw. haben, „alles zur Erbauung geschehe“.

Nun ist es wahr, dass die Gabe einer Person entwickelt werden muss. Das braucht Zeit und Übung (vgl. Apg 9,20-22; Gal 1,17; Apg 9,30; 11,25.26; 13,1-14). Je mehr ein Mensch in göttlichen Dingen reift, desto brauchbarer wird er im Dienst sein (vgl. Apg 18,24-28; Mk 4,20). Der biblische Weg, wie eine Person in göttlichen Dingen gelehrt wird, ist durch Zusammenkünfte jener Art, wie wir sie weiter vorne (im Buch) behandelt haben. Der Herr gebraucht diese Zusammenkünfte, die von der souveränen Führung des Heiligen Geistes geleitet werden, um uns die Wahrheit zu lehren. Er benutzt auch Lehrbücher (oder Vorträge) von begabten und erfahrenen Personen, die fähig sind, uns die Wahrheit zu lehren. Aber wir werden in der Schrift vergeblich nach einer Vorstellung davon suchen, dass eine Person auf eine Bibelschule, ein Seminar geht [bzw. Theologie studiert], um für eine Stellung als „Geistlicher“ oder „Pastor“ einer Kirche ausgerüstet zu werden. Wie wir bereits gesagt haben, ist das eine rein menschliche Erfindung, einen Menschen für eine Position in einem von Menschen geschaffenen System vorzubereiten. Biblisches Christentum braucht solche Ausbildungsstätten einfach nicht. Ein großer Teil der Belehrung an diesen Seminaren besteht darin, die angehenden Pastoren darin auszubilden, wie man eine Gemeinde nach diesem klerikalen System führt, das nicht in der Bibel zu finden ist!

Dienst in der Gemeinde

Wenn wir uns dem ersten Brief an die Korinther zuwenden (vgl. 1Kor 11,17–14,40), sehen wir, wie die Gaben eingesetzt werden sollen, wenn die Kirche an ihren jeweiligen Orten versammelt ist. Dieser Abschnitt der Schrift beginnt damit, dass der Apostel sagt: „Zuerst einmal, wenn ihr als Versammlung zusammenkommt …“ (1Kor 11,18). Bevor er über den Dienst spricht, spricht der Apostel Paulus zuerst über das Vorrecht des Abendmahls, das vielleicht die herausragende Zusammenkunft der Gemeinde ist. Diese Zusammenkunft dient nicht der Ausübung von Gaben, sondern dem Gedenken an den Herrn in seinem Tod. In dieser Stunde können wir unser Priestertum ausüben, indem wir dem Vater und dem Sohn Anbetung und Lobpreis darbringen.

Nachdem Paulus verschiedene Dinge bezüglich des Abendmahls angeordnet hat, beschreibt er in den folgenden Kapiteln 12 bis 14 die Ordnung für den Dienst in der Versammlung:

  • In Kapitel 12 erhalten wir die großen Grundsätze des christlichen Dienstes.
  • In Kapitel 13 finden wir den Geist, in dem dieser Dienst ausgeübt werden soll: die Liebe.
  • Und Kapitel 14 beschreibt die Ordnung der Gaben in der Versammlung, damit der Dienst zur Erbauung aller dient.

Christus muss in jeglichem Dienst verherrlicht werden

Wenn wir 1. Korinther 12 genauer betrachten, sehen wir: Der erste große Grundsatz allen Dienstes ist die Verherrlichung Jesu als Herr. Der Beweis für die Leitung des Geistes im Dienst ist, dass Christus immer verherrlicht und dass niemals abfällig oder geringschätzig über Ihn gesprochen wird. Paulus sagt: „Deshalb tue ich euch kund, dass niemand, der im Geist Gottes redet, sagt: Verflucht sei Jesus!, und niemand sagen kann: Herr Jesus!, als nur im Heiligen Geist“ (1Kor 12,3). Johannes schreibt: „Er [der Heilige Geist] wird mich verherrlichen“ (Joh 16,14).

Die örtliche Versammlung hat nötig, dass alle mit ihren Gaben etwas beitragen

Das zweite große Prinzip in diesem Kapitel über den christlichen Dienst: Christus hat den verschiedenen Gliedern seines Leibes durch den Geist Gaben ausgeteilt; und weil diese Gaben nicht nur ein Einziger hat, haben wir es nötig, dass in den Zusammenkünften alle etwas beitragen, die eine Gabe dafür bekommen haben. Der Apostel sagt: „Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist“ (1Kor 12,8; vgl. 1Kor 12,4-10.29.30). Aus dieser Stelle geht deutlich hervor, dass die Gaben nicht in der Hand eines einzigen Mannes liegen. Wenn dem so ist, dann ist es offensichtlich, dass die Gemeinde mehr als nur einen Mann braucht, der dient, wenn sie den vollen Nutzen der Gaben, die in ihrer Mitte sein mögen, erhalten will!

Manche sagen vielleicht: „Aber unsere Gemeinde hat nicht nur einen einzigen Mann als Geistlichen. Wir haben zwei oder drei Pastoren.“ Das geht aber immer noch am Sinn dieser Schriftstelle vorbei. Gottes Absicht ist es, dass die Kirche sich durch jedes Glied erbaut, nicht nur durch zwei oder drei (vgl. Eph 4,16). Es ist wahr: Nicht alle haben die Gabe, das Wort öffentlich zu verkünden, aber die Schrift weist darauf hin, dass alle, die dazu fähig sind, in der Versammlung die Freiheit haben sollen, zu dienen. Sie sagt: „Ihr könnt einer nach dem anderen alle weissagen, damit alle lernen und alle getröstet werden“ (vgl. 1Kor 14,24.31).

Es ist auch wahr, dass jemand mehr als nur eine einzige Gabe haben kann, aber die Schrift ist eindeutig, dass eine Person nicht alle Gaben hat. Genau genommen warnt der Apostel vor der Gefahr, die verschiedenen Gaben, die Gott dem Leib gegeben hat, nicht zu beachten. Er sagt: „Das Auge aber kann nicht zu der Hand sagen: Ich brauche dich nicht; oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht“ (1Kor 12,21). Das zeigt, dass alle Glieder des Leibes etwas beizutragen haben, auch wenn sie uns vielleicht als unbedeutend erscheinen. Die klerikale Ordnung in den Kirchen ist jedoch ein System, in dem eine oder zwei Personen („Pastoren“ oder „Geistliche“) den Dienst verrichten. Es ist ein System, das (vielleicht nicht absichtlich) die anderen Gaben daran hindert, in der Kirche zu wirken, und das im Wesentlichen sagt: „Ich brauche dich nicht.“

Wer so ein geistliches Amt in der Kirche einnimmt, wird energisch Einspruch dagegen erheben, weil er die Menschen in seiner Denomination ermutigt, ihre Gaben in Hauskreisen usw. auszuüben. Aber der Kontext dieser Kapitel ist die Ausübung der Gaben in den Gemeindezusammenkünften (vgl. 1Kor 11,17.18.20.33.34; 14,23.26). Die Frage ist: Lassen die „Geistlichen“ oder „Pastoren“ die Freiheit der Gaben in der Gemeinde zu? Wie wir bereits gezeigt haben, tun sie das nicht.

Der Geist Gottes sollte zum Reden gebrauchen, wen Er will

Der dritte große Grundsatz des christlichen Dienstes im zwölften Kapitel des ersten Korintherbriefes: Wenn wir in der Gemeinde zusammenkommen, muss der Geist Gottes das Ihm gebührende Recht haben, den zum Reden zu gebrauchen, wen Er will. Wir haben schon im Zusammenhang mit dem Priestertum gezeigt, dass der Geist in der Versammlung frei sein soll, in der Anbetung und im Gebet zu gebrauchen, wen Er will; in gleicher Weise sollten wir uns auch darauf verlassen, dass Er die verschiedenen Gaben im Dienst lenkt.

Das Kapitel sagt deutlich, dass die Gaben in der Gemeinde durch denselben Geist wirken sollen, der die Gabe an den Einzelnen ausgeteilt hat, als er errettet wurde: „Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere austeilend, wie er will“ (1Kor 12,7.11). Das Neue Testament kennt keine andere Ordnung des Dienstes als nur die souveräne Leitung des Heiligen Geistes. Die Heilige Schrift setzt voraus, dass wir der Leitung des Geistes vertrauen. Wenn wir Ihm erlauben, in der Versammlung zu leiten, wird Er die Gaben, die da sind, nehmen und sie für die Erbauung der Heiligen im Dienst einsetzen.

Der Grundsatz ist also einfach: Der Heilige Geist ist in der Versammlung und gebraucht die Gaben so, wie Er es für die Erbauung aller für richtig hält. Das ist Gottes Ordnung für den christlichen Dienst. Nun fragen wir: „Wie soll der Heilige Geist dann jedem das austeilen, wie Er will, wenn die Kirche eine Ordnung eingeführt hat, in der ein Mensch diese Führungsrolle in der Versammlung einnimmt?“ Der Vorsitz des Heiligen Geistes wird in der Praxis geleugnet! Er möchte vielleicht diesen oder jenen zum Dienst berufen, aber das wird durch die menschliche Ordnung blockiert und behindert. In vielen Gemeinden werden die Gottesdienste vorher abgesprochen – manchmal Tage im Voraus! Doch einen solchen Gedanken finden wir in der Heiligen Schrift nicht. Es mag mit guten Absichten geschehen, aber es ist sicher nicht die Ordnung Gottes.

Die Gaben müssen durch Liebe und Urteilsvermögen reguliert werden

Nachdem der Apostel in Kapitel 13 des ersten Korintherbriefes über das Motiv für den Dienst gesprochen hat – Liebe –, gibt er in Kapitel 14 die einfachen Grundsätze an, die den Dienst in der Gemeinde bestimmen sollen. Der erste Teil des Kapitels betont die Sorgfalt, die die Liebe haben sollte, damit sichergestellt ist, dass man keine Zeit damit verbringt, über Dinge zu sprechen, die die Anwesenden nicht verstehen können. Genau das geschah in Korinth. Manche Leute redeten mit der Gabe der Sprachenrede, ohne dass ein Ausleger da war. Folglich wussten die Anwesenden in der Versammlung nicht, was gesagt wurde. Der Apostel zeigt: Wenn jemand zur Erbauung aller spricht, ohne gottgemäße Sorgfalt walten zu lassen, ist er in Wirklichkeit wie eine Trompete, die einen undeutlichen Ton von sich gibt. Die Menschen wissen nicht, wie sie darauf reagieren sollen, weil sie nicht wissen, was gesagt wird. Im Fall der Korinther war es der Missbrauch der Gabe der Sprachenrede; aber gleichgültig, um welche Gabe es sich handelt, der Grundsatz ist derselbe und er ist eine Anleitung für uns heute. Vielleicht beteiligt sich jemand in einer Art und Weise in unseren Zusammenkünften, dass die Leute nicht verstehen können, was gesagt wird. Wenn die Dinge, die jemand zu sagen hat, nicht „zur Erbauung und Ermahnung und Tröstung“ (1Kor 14,3) aller dienen, dann wäre es gut, wenn er nicht sprechen würde. Die Liebe und die Sorge um das Wohl der anderen wird das regeln (vgl. 1Kor 14,1-11).

Der zugrundeliegende Grundsatz, der die Versammlungen leiten sollte, ist also: Unser Dienst muss zur Erbauung aller dienen. Paulus sagt, dass es besser ist, in der Versammlung nur wenig zu reden („fünf Worte“), und alle verstehen es und haben Nutzen davon, als zu viel zu reden („zehntausend Worte“), und niemand versteht es (vgl. 1Kor 14,12-17).

Er zeigt auch: Wenn die Gemeinde nach Gottes Ordnung zum Dienst [am Wort] zusammenkäme, wo der Geist Gottes seinen rechtmäßigen Platz in der Versammlung hat und den Dienst leitet, dann wäre das ein kraftvolles Zeugnis für die, die zu solchen Zusammenkünften kommen (vgl. 1Kor 14,23-25).

Paulus fährt fort und zeigt, dass bei den Zusammenkünften der Heiligen „jeder“, der etwas beizutragen hat, die Freiheit haben sollte, in der Versammlung zum geistlichen Gewinn aller zu dienen. Das Problem bei den Korinthern war, dass es in ihren Zusammenkünften ein Gerangel gab. Sie alle wollten reden und nicht auf die Gabe und die Leitung des Geistes warten (vgl. 1Kor 14,26). Um das zu korrigieren, sagte Paulus ihnen, dass, obwohl alle etwas beitragen könnten, das nicht bedeutete, dass alle sprechen sollten. Sie müssen auf die Leitung des Geistes warten. Zu verschiedenen Anlässen können verschiedene Personen reden, wie der Geist sie führt. (Vgl. 1Kor 14,27.28.30.31; das Wort „weissagen“ bedeutet hier nicht, zukünftige Dinge vorauszusagen, wie manche annehmen könnten, sondern Gottes Gedanken für den jeweiligen Augenblick auszusprechen.)

Es kann sein – und manchmal ist es auch so –, dass jemand, der vom Fleisch geleitet wird, sich hineindrängt und Zeit mit nutzlosem Reden beansprucht, das die Heiligen nicht erbaut. Die Versammlung ist jedoch keine Plattform für das Fleisch. Der Apostel sagt: „Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan“ (1Kor 14,32). Das bedeutet: Die Person sollte wissen, wie sie sich in Selbstbeherrschung übt, und bei solchen Gelegenheiten das Reden unterlassen. Ungeachtet dieser Ermahnung denkt so jemand oft, dass das, was er sagt, gewinnbringend und erbaulich sei, und besteht folglich darauf, zu reden. In diesem Kapitel zeigt Paulus, dass die Gemeinde Einspruch einlegen kann. Der Apostel sagt: „Propheten aber lasst zwei oder drei reden, und die anderen lasst urteilen“ (1Kor 14,29). Eine schriftgemäße Versammlung ist dafür verantwortlich, den Dienst in ihrer Mitte zu „beurteilen“. Und wenn dieser Dienst nicht gewinnbringend ist, hat die Versammlung die Autorität, göttliche Zucht auszuüben, indem sie einen solchen Menschen auffordert, in den Zusammenkünften zu schweigen (vgl. 1Kor 14,27-33).

Diese Anweisungen sind besonders wichtig für Christen, die sich gemäß der Heiligen Schrift versammeln, denn wenn es in den Zusammenkünften Freiheit gibt, kann diese Freiheit missbraucht werden. Diese Anweisungen finden auf das gewöhnliche konfessionelle (klerikale) System kaum Anwendung, weil die Christen dort in ihren „Gottesdiensten“ keine Ordnung kennen, wo es Freiheit für einen solchen Dienst gibt. Dennoch sollten wir daran denken: Die Freiheit des Geistes ist nicht (wie manche fälschlicherweise denken) die Freiheit der Heiligen, in den Zusammenkünften zu sprechen, wie sie wollen; es ist die Freiheit des Geistes! Wir sollen nicht sprechen, wenn wir vom Geist nicht dazu geleitet werden.

Schließlich zeigt der Apostel in den Versen 1. Korinther 14,34-40 den Platz, den die Schwestern in den öffentlichen Zusammenkünften einnehmen sollen. Mehr dazu wird in einem späteren Kapitel [dieses Buches] gesagt. Dann schließt er das Kapitel ab, indem er ein letztes Leitprinzip angibt: „Alles aber geschehe anständig und in Ordnung“ (1Kor 14,40).

Die örtliche Versammlung muss gesunde Lehre aufrechterhalten

Schließlich betont der Apostel in Kapitel 15 des ersten Korintherbriefes, dass in der Versammlung gesunde Lehre aufrechterhalten werden muss. Die Korinther waren in der Lehre über die Auferstehung in die Irre gegangen, und er korrigierte ihre Missverständnisse. Das ist ein wichtiger Grundsatz für uns. Wir müssen auch in der Versammlung eine gesunde Lehre aufrechterhalten.

Wir haben also Gottes Ordnung für den Dienst in der Gemeinde. Aber beachte: Wir finden nichts darüber, dass ein oder zwei Männer (Pastoren) eingesetzt werden, damit sie den Dienst für die Übrigen tun. Wenn Gott beabsichtigt hätte, dass das der Weg für den Dienst in der Gemeinde ist, dann hätte Er es in diesen Kapiteln, die sich mit diesem Thema beschäftigen, erwähnt. Aber es gibt hier kein einziges Wort darüber.

Wenn außerdem nur einige wenige den Platz des Dienstes in der Gemeinde haben sollten (d.h. der Klerus), dann wären die Kapitel über den Dienst eigens für sie geschrieben worden – so wie im mosaischen System, wo der HERR der besonderen Gesellschaft von Personen (den aaronitischen Priestern), die vom Rest des Volkes abgesondert waren, spezielle Anweisungen für die Dienste in der Stiftshütte gab. Aber davon ist hier in diesen Kapiteln nichts zu finden. Im Gegenteil, die Anordnungen dieser Kapitel wurden der ganzen Kirche gegeben.

„Heißt das, ihr glaubt nicht daran, dass ihr einen Pastor haben solltet?“

Manche schließen vielleicht daraus, dass wir nicht daran glauben, dass wir Pastoren haben sollten, doch wir glauben sehr wohl daran, dass wir Pastoren [Hirten] in der Gemeinde haben, denn die Bibel spricht davon (vgl. Eph 4,11). Ein Pastor ist eine Person, der die Gabe gegeben ist, die Herde Gottes zu hüten. Sie ist eine der vielen Gaben, die Christus der Gemeinde gegeben hat. Wogegen wir uns wenden, ist, was die konfessionellen Kirchen als „Pastor“ bezeichnen. Sie haben die Gabe eines Pastors zu etwas gemacht, was nicht in der Heiligen Schrift zu finden ist. Sie haben einen biblischen Begriff genommen und ihn an die Stellung eines Geistlichen [Klerus] geknüpft, was in der Bibel nicht zu finden ist. Und was an dem Ganzen so verwirrend ist: Jemand kann diese Stellung einnehmen und hat nicht einmal die Gabe eines Pastors [Hirten]! Er könnte die Gabe eines Evangelisten oder Lehrers usw. haben und dennoch den Titel „Pastor“ tragen! Was für eine traurige Verwirrung hat das in das Haus Gottes gebracht.

Schmeichelhafte Titel

Die kirchlichen Organisationen in der Christenheit haben nicht nur eine Position geschaffen, die im Wort Gottes nicht existiert, sie haben auch verschiedene Titel an diese Position geknüpft, die ebenfalls nicht im Wort Gottes vorhanden sind. Titel wie „Geistlicher“, „Pastor“ oder „Doktor der Theologie“ sind in den meisten Konfessionen weit verbreitet.

Es stimmt, dass das Wort „Hirte“ [die deutsche Übersetzung für das griechische Wort pastor] in der Bibel erwähnt wird, aber es wird nie als Titel verwendet. Wie wir bereits gesagt haben, ist ein Hirte (Pastor) die Beschreibung einer Gabe, nicht ein Titel eines Geistlichen. Tatsächlich sagt das Wort Gottes: „Dass ich nur ja für niemand Partei nehme! Und keinem Menschen werde ich schmeicheln. Denn ich weiß nicht zu schmeicheln: Sehr bald würde mein Schöpfer mich wegnehmen“ (Hiob 32,21.22).

Der Herr Jesus sagt: „Ihr aber, lasst euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Nennt auch niemand auf der Erde euren Vater, denn einer ist euer Vater – der im Himmel ist. Lasst euch auch nicht Meister [Lehrer] nennen; denn euer Meister ist nur einer, der Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer aber sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden“ (Mt 23,8-12). Doch trotz einer so eindeutigen Schriftstelle nennen einige Konfessionen ihren Geistlichen „Vater“. Andere kirchliche Organisationen verwenden den Titel „Doktor“. Das Wort „Doktor“ kommt vom lateinischen docere, was „lehren“ bedeutet. Folglich ist ein Doktor ein Lehrer. Aber der Herr hat gesagt, dass wir einander nicht so nennen sollen! Wenn ein Mann den Zuhörern als „Doktor“ vorgestellt wird, haben seine Worte aufgrund seines Studienabschlusses folglich zusätzliche Autorität. Das findet natürlich keine Grundlage in der Schrift. Wir sagen nicht, dass es falsch ist, den Titel „Doktor“ in säkularen Bereichen zu tragen, aber in den Dingen Gottes hat er keinen Platz.

Andere Denominationen gehen so weit, dass sie den Titel „Reverend [Hochwürden]“ verwenden. Doch die Bibel sagt, dass „Reverend“ einer der Namen des Herrn ist! „Heilig und furchtbar [engl.: reverend, Darby-Übersetzung] ist sein Name“ (Ps 111,9). Sollten Menschen den Namen des Herrn nehmen und ihn zu ihrem eigenen hinzufügen? Sicherlich nicht.

Als die Lykaonier versuchten, Barnabas und Paulus erhabene Namen zu geben, lehnten diese das ab und sagten: „Männer, warum tut ihr dieses? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen wie ihr“ (Apg 14,15). Die Diener des Herrn sollten auch heute diese schmeichelhaften Titel ablehnen. Das Wort Gottes lehrt, dass Pastoren [Hirten] nur eine von vielen Gaben sind, die Christus gegeben hat (vgl. Eph 4,11). Warum sollte man diese eine Gabe in der Gemeinde mit einem offiziellen Titel ausstatten, als hätte sie Vorrang vor den anderen Gaben? Es gibt nicht einen einzigen Vers in der Heiligen Schrift, der darauf hinweist, dass die Gemeinde so etwas tun sollte.

Die Wahl eines „Pastors“

Die heutige Praxis der Kirche bei der Wahl eines sogenannten „Pastors“ ist ebenfalls etwas, was der Schrift widerspricht. Wir beziehen uns auf den Vorgang, wie ein Geistlicher schließlich in einer örtlichen Kirchengemeinde den Vorsitz bekommt. Das übliche Verfahren ist, dass der angehende „Pastor“ oder „Geistliche“ in eine sogenannte Kirche eingeladen wird, wo ihm die Gelegenheit gegeben wird, sich zu beweisen, indem er einige Predigten hält. Wenn seine Predigten für die Menschen in der Kirche akzeptabel sind, werden sie ihn zu ihrem „Pastor“ wählen. All dies ist weit entfernt von Gottes Ordnung.

Zunächst einmal gibt das Wort Gottes, das uns immer leiten soll, keine Anweisung für so etwas. Tatsächlich gibt es in der Bibel nicht eine einzige örtliche Versammlung, die einen Pastor wählte! Nicht eine! Ebenso wenig ernannte ein Apostel zu irgendeiner Zeit einen Pastor für eine Ortsgemeinde. Die Schrift warnt sogar davor, dass die Gemeinde ihre Lehrer wählt, indem sie sagt: „Es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt“ (2Tim 4,3).

Zweitens: Die Idee, einen „Pastor“ zu ernennen, ist ein rein weltliches Demokratieprinzip. Die Kirche ist keine Demokratie. Es ist eine unheilvolle Sache, die Macht einer Abstimmung in die Hände von jungen Leuten und Neubekehrten zu legen. Sie sind einfach nicht in der Wahrheit gefestigt noch erfahren genug in göttlichen Dingen, um sich ein geistliches Urteil von solchem Ausmaß bilden zu können.

Außerdem bringt es den Mann in eine sehr unangenehme Lage. Wenn er diese Position in der Organisation unbedingt will, ist er versucht, den Leuten das zu geben, was sie hören wollen. Normalerweise sind das Themen wie „Liebe & Ehe“ oder „Prophetie“. Jede Art von Dienst am Gewissen wird wahrscheinlich ziemlich weit unten auf seiner Liste stehen. Selbst nachdem er die Stellung in der Gemeinde bekommen hat, ist er ständig damit konfrontiert, die Wahrheit um der Menschen willen zu beeinträchtigen, weil er weiß, dass seine Stellung und seine Arbeit auf den Prüfstand gestellt werden, wenn die Besucherzahlen zurückgehen. Er muss die Gemeinde bei Laune halten. Das Ergebnis ist, dass die Leute die Person und die Art des Dienstes, den sie hören wollen, kontrollieren/steuern können und das auch oft tun! Wenn er unter dieser Art von Verpflichtung lebt, wird er wirklich zu ihrem „Pastor“ (vgl. Ri 17,7-13: „mein Priester“). Auch das ist weit entfernt von der Art und Weise, wie die Diener des Herrn in der Bibel dienten.

Der Herr der Ernte leitet die Gaben

Wenn die Schrift davon redet, dass Christus das Haupt ist, dann ist Er das in Bezug auf die gemeinschaftlichen Angelegenheiten der Gemeinde; wenn sie davon  redet, dass Er der Herr ist, dann in Verbindung mit seiner souveränen Leitung der einzelnen Gläubigen. Daher lesen wir nicht, dass Christus der Herr der Gemeinde ist. Die Schrift sagt jedoch, dass Er der „Herr der Ernte“ ist (Mt 9,38). Er, nicht die Gemeinde, sendet seine Arbeiter dorthin aus, wo Er sie im Dienst gebrauchen möchte. Wenn Christus Gaben gibt, dann sind sie in ihrem Dienst direkt Ihm verantwortlich. Wie wir bereits gezeigt haben, fließen die Gaben von Christus im Himmel herab und dienen zum geistlichen Nutzen seines (ganzen) Leibes. Jemand mit einer bestimmten Gabe sollte versuchen, der ganzen Gemeinde Gottes zu dienen, zumindest dann, wenn er das tun kann, ohne bei den biblischen Prinzipien Kompromisse zu machen. Er sollte sich niemals auf eine bestimmte Konfession [Gruppe] beschränken, die von Menschen gemacht wurde. Seine Gabe ist für die Erbauung des ganzen Leibes.

Christus ist nicht nur die Quelle dieser Gaben, sondern Er ist auch der Leiter dieser Gaben. Da die Diener in Gemeinschaft mit dem Herrn stehen, wird Er sie in ihrem Dienstbereich leiten. Da die Quelle und Leitung der Gaben, nämlich Christus, im Himmel ist, stehen die Gaben außerhalb jeder Kontrolle durch irgendeine irdische religiöse (menschengemachte) Organisation, wie es so oft in den Kirchen der Christenheit der Fall ist. Wir hören oft Leute sagen, „Pastor Soundso“ sei von einer bestimmten kirchlichen Organisation ausgesandt worden, damit er einen bestimmten Dienst tut. Aber in der Heiligen Schrift gibt es nichts dergleichen, dass die Gemeinde oder eine Organisation innerhalb der Gemeinde/Kirche jemand mit einer Gabe an einen bestimmten Ort sendet, damit er dort dem Herrn dient. Die Schrift sagt: „Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende“ (Mt 9,38). Und weiter: „Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie berufen habe. Da entließen sie sie, nachdem sie gefastet und gebetet und ihnen die Hände aufgelegt hatten. Sie nun, ausgesandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleuzia, und von dort segelten sie nach Zypern“ (Apg 13,2-4).

Aus diesen Versen wird deutlich, dass der Herr durch den Geist derjenige ist, der seine Diener sendet. Die Gemeinde sollte eine Gabe als vom Herrn gesandt erkennen und einem solchen Menschen „die Rechte der Gemeinschaft“ (Gal 2,9) geben, was eine praktische Gabe in Form einer finanziellen Hilfe einschließen könnte. Aber die Gemeinde sendet so jemand nicht aus. Die Gemeinde in Antiochia hatte in der Angelegenheit, dass Barnabas und Saulus vom Herrn gesandt waren, nichts zu sagen. Sie „entließen sie“ einfach, weil sie erkannten, dass der Herr sie durch den Geist ausgesandt hatte [vgl. Apg 13,2.3]. Ein geachteter Ausleger des Wortes Gottes, Clarence Esme Stuart, sagt:

Wir können hier einen Moment innehalten, um das Werk [in der Apostelgeschichte] zu betrachten. Samaria wurde evangelisiert, Heiden in Cäsarea in das Reich Gottes aufgenommen, Griechen in Antiochia bekehrt: Das ist der Bericht in Kürze. Außer der Arbeit in Judäa und in Jerusalem wurde alles ohne apostolische Leitung oder menschliche Autorität durchgeführt. Der Heilige Geist eröffnete, wie wir gesehen haben, Arbeitsfelder unabhängig von einer menschlichen Leitung. Was Er damals tat, können wir auch heute noch von Ihm erwarten. Es wäre sehr weise, Ihn wirken zu lassen, wie Er will, und dann, wie die Apostel, gerne anzuerkennen, was Er getan hat. Die Ausübung des Dienstes am Wort war in den frühen Tagen der Christenheit nie der apostolischen Leitung unterworfen. Wir fragen uns: Sollte dieser Dienst jetzt Menschen untergeordnet werden, wie fromm und ernsthaft sie auch sein mögen? Der Leser kann die Frage sicher selbst beantworten.[4]

Wenn der Herr jemand mit der Gabe eines Pastors [im Sinne eines Hirten] unter uns sendet, dann müssen wir diese Gabe anerkennen und ihn als solchen dienen lassen. Wir sollen nicht darüber abstimmen, ob wir ihn als unseren „Pastor“ haben wollen oder nicht, und – falls er für uns akzeptabel ist – ihn in ein „Amt“ in der Gemeinde einsetzen, das im Wort Gottes nicht existiert! Er ist nicht unser Diener. Er ist der Diener des Herrn. J.N. Darby sagt:

Wenn Christus es für richtig gehalten hat, mir eine Gabe zu geben, dann soll ich mit meinem Talent als sein Diener handeln, und die Gemeinde hat nichts damit zu tun: Ich bin keineswegs ihr Diener. […] Ich lehne es kategorisch ab, ihr Diener zu sein. Wenn ich als Einzelner etwas tue oder sage, was Zucht verlangt, ist das eine andere Sache; aber wenn ich mit meinem Talent handle, handle ich weder in einer Versammlung noch für eine Versammlung. Wenn ich hingehe, um zu lehren, gehe ich persönlich hin, um meine Gabe auszuüben. […] Jene, die diese [verkehrten] Ideen vertreten, leugnen damit, dass Christus [über den Diener] Herr ist; sie wollen die Versammlung oder sich selbst zu Herren machen. Wenn ich Christi Diener bin, soll ich Ihm in der Freiheit des Geistes dienen. Sie wollen die Diener Christi zu Dienern der Versammlung machen und leugnen, dass der persönliche Dienst allein Christus gegenüber verantwortlich ist. […] Ich bin frei, ohne Rücksprache mit ihnen in meinem Dienst für Christus zu handeln: Sie sind nicht die Herren der Diener des Herrn.[5]

Es ist klar: Ein Diener des Herrn, der die Gedanken Gottes über die Gemeinde kennt, kann nicht ein Diener einer bestimmten Konfession sein, ohne Kompromisse in Bezug auf die Wahrheit zu machen. Wenn er zufällig solchen begegnet, die mit den Konfessionen [verschiedenen Gruppierungen der Christenheit] verbunden sind, kann er ihnen dienen, weil sie Glieder des Leibes Christi sind. Aber wenn er wünscht, vom Herrn geleitet zu werden, kann er sich nicht auf eine Sekte [Gruppe] beschränken, denn dann kann er nur innerhalb ihres autorisierten Kreises von Gemeinden dienen. Der Boden ist zu eng. Alexander Hume Rule sagt:

Der Herr hat die ganze Kirche vor sich, und wenn der Diener Ihm gegenüber verantwortlich ist, wie kann er sich dann einer Sekte [einer bestimmten Konfession] unterordnen und sowohl ihr als auch dem Herrn treu sein? Es ist unmöglich. Wenn ein Mann ein presbyterianischer Pastor ist, ist es klar, dass er kein baptistischer Pastor ist. Wenn er ein Pastor irgendeiner Sekte ist, schließt ihn das von allen anderen aus und sein Dienst ist notwendigerweise auf die Sekte beschränkt, in der er ist, oder auf ihre Interessen.[6]

Der Diener des Herrn darf sich nicht von einer menschengemachten konfessionellen Organisation binden und fesseln lassen. Der Apostel Paulus erlaubte nicht, dass er unter die Macht irgendeiner menschengemachten Organisation geriet. Er sagte: „Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht“ (Gal 1,10). Er sagte auch: „Der als Sklave im Herrn Berufene ist ein Freigelassener des Herrn; ebenso ist der als Freier Berufene ein Sklave Christi. Ihr seid um einen Preis erkauft worden; werdet nicht Sklaven von Menschen“ (1Kor 7,22.23).

Der Mensch darf den Diener Gottes nicht anstellen

Verbunden mit der falschen Praxis, einen „Pastor“ zu wählen, ist die Anstellung dieser Person mit einem Gehalt. Die Bibel deutet dies nirgends an. Der Mensch (oder eine Organisation von Menschen) darf den Diener Gottes nicht gegen Bezahlung anstellen, denn dieser steht im Dienst eines höheren Meisters, wie wir bereits gesehen haben. Es kann gefährlich sein; denn wenn jemand sein Gehalt von einer bestimmten Organisation bekommt, neigt er dazu, der Diener dieser Organisation zu werden.

Natürlich betrachten die kirchlichen Organisationen ihre angestellten Geistlichen nicht als angestellt, aber es könnten viele Dinge angeführt werden, die zeigen, dass es in der Praxis tatsächlich nichts anderes ist als ein Angestelltenverhältnis. Ein Beispiel dafür ist ein Brief, den wir kürzlich von einem Mann erhielten, der eine Visitenkarte beilegte, die ihn als „pensionierten“ Pfarrer einer bekannten Konfession auswies. Wenn es einen Zeitpunkt gab, als er aus dieser Stellung ausgeschieden ist, bedeutet das zwangsläufig, dass es einen Zeitpunkt gab, als er eingestellt wurde. Aber stellt Gott seine Diener ein und verabschiedet Er sie in den Ruhestand? Das klingt wie eine Geschäftstätigkeit. Auch wenn wir ihre Motive nicht in Frage stellen wollen, so hinterlässt es doch genau diesen Eindruck vor der Welt. Dinge wie diese lassen einen fragen, ob diese falsche Position in der Gemeinde in Wirklichkeit nicht doch einer Anstellung für einige Geistliche gleichkommt. Uns ist klar, dass es viele gibt, die diese Stelle mit eifrigem Dienst für den Herrn ausfüllen und vielleicht nicht darüber nachgedacht haben, dass diese Stellung nicht schriftgemäß ist.

Ebenso wenig wollen wir die Tatsache leugnen, dass sie ihren Gemeinden wirklich mit dem Wort Gottes dienen können und für ihre Motive und ihren Dienst an einem kommenden Tag belohnt werden, wenn der Herr es für richtig hält, eine Belohnung zu geben. Wir wollen hier nur darauf hinweisen, dass die ganze Position eines angestellten Geistlichen nicht durch das Wort Gottes gestützt werden kann.

Wie sollten die Diener des Herrn finanziell unterstützt werden?

Es könnte die Frage gestellt werden: „Wie sollten die Diener des Herrn denn finanziell unterstützt werden? Wenn sie kein Gehalt erhalten sollen, wie sollten sie dann unterstützt werden?“

Wir müssen uns wieder dem Wort Gottes zuwenden, um die Antwort zu finden. Wir finden dort, dass der Apostel Paulus und andere, die gemeinsam mit ihm dienten, ein Beispiel dafür sind, wie die Diener des Herrn ihren Dienst für Ihn tun sollen (vgl. 1Tim 1,16; Phil 3,17). Sie waren „Knechte Jesu Christi“, nicht Diener einer Sekte oder Abspaltung in der Gemeinde (Röm 1,1; Phil 1,1; 2Pet 1,1; Jud 1 usw.). Sie glaubten, dass der Herr sie zu ihrem Werk ausgesandt hatte und dass, wenn Er sie ausgesandt hatte, Er sich auch um sie kümmern würde. „Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold?“ (1Kor 9,7). So zogen sie aus und „nahmen nichts von denen aus den Nationen“, weil sie darauf vertrauten, dass Gott all ihre Bedürfnisse stillen würde (vgl. 3Joh 7; Phil 4,19). Um das zu tun, braucht es den Glauben des Dieners. Hudson Taylor sagt:

Gottes Werk auf Gottes Weise getan, wird nie Gottes Versorgung missen.[7]

Zu Beginn der Gemeinde gab es zwei Wege, wie die Diener des Herrn finanziell unterstützt wurden:

  1. Sie versorgten sich selbst, indem sie mit ihren Händen arbeiteten. Der Apostel Paulus ist ein Beispiel dafür. Er arbeitete als Zeltmacher, während er dem Herrn diente (Apg 18,3). Er sagte zu den Ältesten in Ephesus: „Ihr selbst wisst, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch in allem gezeigt, dass man, so arbeitend, sich der Schwachen annehmen und der Worte des Herrn Jesus gedenken müsse, der selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen“ (Apg 20,34.35; 18,3). Zu den Thessalonichern sagte Paulus auch: „Noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um nicht jemand von euch beschwerlich zu fallen. Nicht, dass wir nicht das Recht dazu haben, sondern damit wir uns selbst euch zum Vorbild gäben, damit ihr uns nachahmt“ (2Thes 3,8.9).

  2. Die Diener des Herrn wurden unterstützt durch die Gaben der Heiligen, die ihre Verbundenheit mit dem Werk zum Ausdruck bringen wollten, in dem die Diener tätig waren. Diese Gaben kamen aus zwei Quellen: von den örtlichen Versammlungen, wie Paulus z.B. zu den Philippern sagte: „Doch habt ihr recht getan, dass ihr an meiner Drangsal teilgenommen habt“ (Phil 4,14-17); und von Einzelpersonen, wie er z.B. zu den Galatern sagte: „Wer in dem Wort unterwiesen wird, teile aber von allem Guten dem mit, der ihn unterweist“ (Gal 6,6; vgl. Heb 13,16; 1Tim 6,17-19).

Die Diener des Herrn waren jedoch darauf bedacht, „nichts von denen aus den Nationen“ zu nehmen, unter denen sie das Wort Gottes predigten (3Joh 7). Die „Nationen“ sind hier die ungläubige Welt, unter der sie predigten. Die Diener nahmen deshalb kein Geld von den Ungläubigen, um zu verhindern, dass die Welt denken könnte, das Evangelium sei etwas, was man kaufen könne. Wir glauben, dass das auch heute noch das Vorbild für Diener Gottes ist.

Parakirchliche Organisationen – Hilfe oder Hindernis für das Evangelium?

William MacDonald sagt:

In den letzten Jahren hat es in der Christenheit eine organisatorische Explosion von solchem Ausmaß gegeben, dass einem schwindelig wird. Jedes Mal, wenn ein Gläubiger eine neue Idee hat, um die Sache Christi voranzubringen, gründet er einen neuen Verein, eine Missionsgesellschaft oder eine Institution! Eine Folge davon ist, dass fähige Lehrer und Prediger von ihrem eigentlichen Dienst weggerufen wurden, um Verwalter zu werden. Wenn alle Verwaltungsmitarbeiter eines Missionswerkes auf dem Missionsfeld dienen würden, würde das den Bedarf an Personal dort stark senken. Ein weiteres Ergebnis der Ausuferung von Organisationen ist, dass riesige Geldsummen für Verwaltungskosten benötigt werden und auf diese Weise von der direkten Evangeliumsarbeit abgezweigt werden. Der Großteil jedes Dollars [Euros], der vielen christlichen Organisationen gespendet wird, wird für die Kosten der Aufrechterhaltung der Organisation verwendet anstatt für den Hauptzweck, für den sie gegründet wurde.[8]

Zusammenfassung der Hauptirrtümer des klerikalen Systems

Wir glauben, mit dem Vorangegangenem schlüssig gezeigt zu haben, dass das Konzept des klerikalen Systems, bei dem ein sogenannter „Pastor“ oder „Geistlicher“ über eine Gemeinde von Christen gesetzt wird, im Neuen Testament keine Stütze findet. So etwas hat nicht nur keine Grundlage, sondern es widerspricht der Lehre des Neuen Testamentes. Die folgenden Punkte sind eine kurze Zusammenfassung der Grundsätze, die wir bis hierhin behandelt haben und die zeigen, warum es nicht dem Wort Gottes entspricht, wenn ein Geistlicher eingestellt wird:

  • Dem Geist Gottes wird nicht der Ihm gebührende Platz des Leiters in der Versammlung gegeben. Da Er die Vorgänge leiten und regeln soll, verdrängt die ganze Idee, einen Geistlichen an diese Stelle zu setzen, praktisch den Heiligen Geist.

  • Es verstößt gegen das Prinzip des Priestertums aller Gläubigen (vgl. 1Pet 2,5; Off 1,6; 5,10; Heb 13,15.16).

  • Es verhindert die freie Ausübung der Gaben in der Versammlung, indem es den Dienst willkürlich auf eine Person (den sogenannten Pastor) beschränkt, die ein offizielles Recht darauf hat (vgl. 1Kor 12; 14).

  • Wo es einen oder zwei Männer gibt, die hauptsächlich für die Lehre in der (örtlichen) Gemeinde verantwortlich sind, wie es bei einem sogenannten „Pastor“ oder „Geistlichen“ der Fall ist, gibt es keine Möglichkeit, die Lehre zu hinterfragen und auszugleichen. Folglich besteht die Gefahr einseitiger Auslegungen, wenn nicht gar falscher Lehre selbst. Wo der Heilige Geist dagegen die Freiheit hat, durch verschiedene Gaben in der Gemeinde zu sprechen, werden mehr Facetten der Wahrheit ans Licht gebracht. Wo alle Gläubigen eifrig Schrift mit Schrift vergleichen (vgl. 1Kor 14,26-32), sind sie außerdem weniger empfänglich für Irrtümer.

  • Wo ein Geistlicher angestellt wird, besteht die Tendenz, dass unter den Gemeindemitgliedern Untätigkeit gefördert wird. Da das System den Menschen keine Freiheit lässt, sich in den Dienst einzubringen, entsteht oft ein Mangel an Übung in göttlichen Dingen. Viele haben den Eindruck, dass sie sich nicht selbst um den Dienst kümmern müssen, da die Gemeinde jemand (den Geistlichen) dafür bezahlt, diesen Dienst für sie zu übernehmen. Folglich wird die Entwicklung der geistlichen Übung und des Wachstums in den Heiligen durch diese Ordnung behindert (vgl. 1Kor 3,1-4; Heb 5,11-14).

  • Es sorgt dafür, dass Menschen sich um einen begnadeten Redner versammeln, und verstößt damit gegen die Grundsätze Gottes, dass Christen sich durch den Geist allein zu dem Namen des Herrn Jesus Christus versammeln sollen (vgl. 1Kor 1,12.13; 3,1-4; Mt 18,20).

  • Es greift in die unmittelbare Verantwortung des Dieners bei der Ausübung seiner Gabe gegenüber dem Herrn ein. Die Person (der Geistliche) ist der menschengemachten Organisation gegenüber verantwortlich, die über ihm steht und sein Gehalt bezahlt. Er ist dafür verantwortlich, ihre Vorgaben und Methoden des Dienstes zu erfüllen und die Ziele zu erreichen, die die Organisation für ihn festgelegt hat; und so neigt er dazu, eher von der Organisation als vom Herrn geleitet zu werden (vgl. 1Kor 7,22.23; Gal 1,10).

Was denken „Pastoren“ und „Geistliche“ über diese Dinge?

Vielleicht werden einige ihren „Geistlichen“ oder „Pastor“ ihrer Konfession über diese Dinge befragen, und sie werden dann wahrscheinlich hören, dass wir nicht richtigliegen. Das ist durchaus verständlich. Höchstwahrscheinlich wird er diese Wahrheiten nicht akzeptieren, weil sie genau die Stellung verurteilen, die er einnimmt. Wenn diese Dinge hier wahr sind (und das sind sie mit Sicherheit), wohin führt es dann einen Mann, der die Position eines „Pastors“ einnimmt und „den Dienst“ als Beruf ausübt? Wenn er diese Wahrheit anerkennt, dann hat das ganz praktische Konsequenzen, nämlich dass er seinen Job los ist! Wir wollen ihm nicht unterstellen, dass er nur wegen eines Jobs im „Dienst“ ist. Er mag seine Arbeit gewissenhaft und nach bestem Wissen und Gewissen tun. Aber seinen Platz auf diesem Posten aufzugeben, wird ihn eine Menge kosten. Wenn ein normaler Christ die menschengemachte Ordnung in den Kirchen aufgeben möchte, um wahres biblisches Christentum zu praktizieren, hat er nicht so viel zu verlieren wie jemand, der ein Geistlicher in diesem System ist. Doch wenn ein Geistlicher [der dem Klerus angehört] dem Wort Gottes treu sein will und im Gehorsam gegenüber dem Herrn handelt, wird Gott es ihm vergelten, denn Er hat gesagt: „Die, die mich ehren, werde ich ehren“ (1Sam 2,30; 2Chr 25,9).


Engl. Originaltitel: „Who should lead the congregation?“,
aus God’s Order for Christians Meeting together for Worship and Ministry: The Biblical Answer to Church Traditions, S. 78–105 
Christian Truth Publishing 1999

Übersetzung: Stephan Isenberg

 

Anmerkungen

[1] C.H. Mackintosh, Miscellaneous Writings, Buch 2: „The Assembly of God“, ca. 1868, S. 23.

[2] W.T.P. Wolston, The Church: What is it?, 1905, S. 173.

[3] J.N. Darby, Letters, 1881, Bd. 3, Nr. 351; S. 476.

[4] C.E. Stuart, „9: The Gospel at Antioch, and Peter’s Deliverance at Jerusalem. Acts 11:19—12:25“ in Tracings from the Acts of the Apostles Or, Thirty Years of Christian Work, 1894.

[5] J.N. Darby, „Gift as to the Assembly; Lordship of Christ“, in Letters, November 1870, Bd. 2, Nr. 56, S. 92f.

[6] A.H. Rule, „A Few Thoughts on the Church: As Seen in the Word of God With Reasons for Standing Apart from Sects“ in Selected Ministry of A.H. Rule, Bd. 1, S. 120.

[7] Howard & Geraldine Taylor, Das geistliche Geheimnis Hudson Taylors, Bad Liebenzell 1980, S. 86.

[8] W. MacDonald, aus dem Online-Artikel „Parachurch Organization“.

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