Rezension: Was du im Himmel nicht mehr tun kannst
Ein Buch von Mark Cahill

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 31.07.2013, aktualisiert: 01.10.2018

Mark Cahill:
Was du im Himmel nicht mehr tun kannst

224 Seiten, Paperback
Preis: 7,95 €
Daniel-Verlag, Retzow
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Vor kurzem erschien im Daniel-Verlag das Buch Was du im Himmel nicht mehr tun kannst von Mark Cahill. Es gliedert sich in 14 Kapitel und richtet sich an alle, die die Notwendigkeit des Zeugnisgebens und der Evangelisation bisher noch nicht richtig gesehen haben oder nicht wissen, wie sie selbst Zeugnis geben können.

Mark Cahill versteht es, den Leser am Lesen zu halten. Er zeigt in den ersten Kapiteln die dringende Notwendigkeit auf, den Menschen das Evangelium zu verkündigen. Dabei macht er klar: Es geht nicht darum, dass wir das Evangelium verkündigen müssen, sondern dass wir es dürfen, und dabei können wir nur gewinnen und niemals verlieren, selbst wenn die Botschaft abgelehnt wird. Mark Cahill stellt einige Entschuldigungen vor, die uns schnell einfallen, damit wir möglicherweise nicht Zeugnis geben. Der Rest des Buches beschäftigt sich hauptsächlich mit Beispielen, wie man das Evangelium weitersagen und mit Leuten ins Gespräch über ewige Dinge kommen kann. Hieraus kann man wirklich gute und wertvolle Ideen entnehmen. Gerade für ungeübte Gläubige, die es jedoch auf dem Herzen haben, das Evangelium weiterzusagen, kann dies eine großartige Hilfe sein. Mark Cahill greift die wesentlichen Argumente ungläubiger Menschen auf und gibt griffige Tipps, wie man auf diese Argumente reagieren kann; zum Beispiel für die Arbeit an Büchertischen ein fast unverzichtbarer Leitfaden. Allein der Platz dieser Rezension reicht nicht aus, die hervorragenden Passagen des Buches entsprechend zu würdigen – dazu muss man das Buch schon selbst lesen.

Wenn ich nun auch etwas Kritisches schreibe, dann möchte ich vorausschicken, dass es mein großer Wunsch ist, dass jeder Christ dieses Buch einmal lesen würde. Das Gute des Buches überwiegt bei weitem, und es ist sehr erfrischend, zu lesen, wie Bruder Mark Cahill den Dienst des Evangelisten mit ganzer Hingabe ausfüllt. Wenn wir alle so hingegeben leben würden, wäre das schon sehr viel wert. Es ist verhältnismäßig einfach, sich bequem in den Sessel zurückzulehnen, um einige Kritikpunkte zu finden und diese Rezension zu lesen, dabei sollten wir jedoch bedenken, dass Mark Cahill wirklich an die Front geht, um Menschen mit der guten Botschaft zu erreichen. Bevor wir ihn also für manche Punkte zu stark kritisieren, sollten wir unsere eigene Hingabe an den Herrn – wenn auch vielleicht in einem anderen Dienst – überprüfen.

Wenn man das Buch gelesen hat, bleibt der Eindruck hängen, dass es eigentlich nur Evangelisten geben könne. Demnach müssten wir Epheser 4,11 umschreiben in: „Und er hat die einen gegeben als Evangelisten und andere als Seelengewinner und andere als Menschenfischer.“ Das ist natürlich etwas überspitzt ausgedrückt. Aber für Mark Cahill scheint es nichts Höheres zu geben, als sich um die Errettung verlorener Menschen zu kümmern. Selbst eine Bibelstelle wie Kolosser 4,3, wo es um die Verkündigung des Geheimnisses geht, wird so ausgelegt, als wäre das Geheimnis in erster Linie die Verkündigung des Evangeliums an verlorene Menschen.

Der verherrlichte Herr hat nicht nur die Gabe des Evangelisten geschenkt, sondern auch die Gaben als Apostel, Propheten, Lehrer und Hirten (Eph 4,11). Es geht im Leben eines Christen nicht nur um die Weitergabe des Evangeliums, sondern in erster Linie um die Verherrlichung Gottes. Diese Verherrlichung Gottes wird dadurch erreicht, dass der Gemeinde Menschen als Anbeter hinzugefügt werden (durch den Dienst der Evangelisten), aber auch dadurch, dass Menschen in Christus erwachsen werden (durch den Dienst der Lehrer) und abgeirrte, entmutigte und depressive Christen wieder mit dem guten Hirten in Verbindung gebracht werden (durch den Dienst der Hirten).

Christen, die ein Herz für das Evangelium haben und ihre Hauptaufgabe bisher in diesem Bereich gesehen haben und auch denken, dass eigentlich alle Gläubigen Evangelisten sein müssten, werden natürlich durch dieses Buch in ihrer einseitigen Meinung gestärkt werden. Jemand, der seine Gabe vom Herrn in einem anderen Bereich sieht, wird sich nach der Lektüre möglicherweise etwas eingeschüchtert fühlen. Das ist meines Erachtens die Tragik dieses Buches. Eine derart starke Konzentration und beinahe schon Verabsolutierung Cahills auf das Evangelium und die Anwendung suggestiver Mittel ist die große Schwäche des Buches – liegt aber vielleicht auch in dem stark amerikanischen Stil begründet. Dennoch sollte dies keinen abhalten, dieses Buch zu lesen.

Natürlich sollte jeder Christ eine evangelistische Gesinnung haben („Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist“; 1Pet 3,15), aber ebenso sollte jeder Christ ein Herz für gesunde Lehre haben und auch bemüht sein, entmutigte Christen zu ermuntern. Sicherlich wird dann der Herr jedem klarmachen, wo er vielleicht eine besondere Gabe erhalten hat und wo sein Hauptbetätigungsfeld ist. Wir neigen dazu, zu denken, nur weil der Herr uns selbst eine bestimmte Aufgabe auf das Herz gelegt hat, dass diese Aufgabe nun jeder andere auch ausüben sollte.

Paulus war mit Sicherheit einer der größten Evangelisten, die es je gegeben hat, aber er war sehr ausgewogen in seiner Verkündigung und weit davon entfernt, den Fokus einseitig auf die Verkündigung des Evangeliums zu legen. Diese Ausgewogenheit sucht man in dem Buch von Mark Cahill vergeblich. Wenn man die Schriften des Apostels Paulus liest, bekommt man den Eindruck, dass er die Errettung nicht als das große Ziel oder die wichtigste Aufgabe des Christen gesehen hat, sondern als die Tür, um in Christus „vollkommen dargestellt“ zu werden (Kol 1,28). Man könnte sagen: Wenn jemand errettet wurde, dann konnte die eigentliche Arbeit beginnen.

Ein weiteres Manko, das nicht unerwähnt bleiben sollte: Der Schwerpunkt wird derart auf die menschliche Verantwortung gelegt, dass die Seite der Souveränität Gottes nahezu vollkommen außen vor gelassen wird und die Seite Gottes bei der Errettung eines Menschen so gut wie gar nicht vorkommt. Cahill schreibt zwar sinngemäß, dass auch er nur einen Samen säen und dass Gott es ist, der diesen zum Keimen bringen muss, aber grundsätzlich scheint er wohl wirklich zu glauben, dass wir daran schuld sein könnten, wenn jemand nicht zum Glauben kommt, weil wir ihm nicht das Evangelium verkündigt haben (siehe das Gedicht auf Seite 49-50 und auch Seite 168).

Natürlich gibt es die Seite der Verantwortung des Menschen, und es mag für den einen oder anderen auch hilfreich sein, sich einmal in dieses Licht stellen zu lassen. Doch es besteht die Gefahr, dass sensible Christen durch das Buch verunsichert werden und sich möglicherweise als schlechte Christen fühlen, weil sie das Evangelium nicht in der Weise verkündigen können, wie Mark Cahill es tut. Das kann zwar auch hier und da einmal ganz heilsam sein, kann aber auch leicht zur Entmutigung führen. Durch die Einseitigkeit des Buches entsteht so eine suggestive Einschüchterung, die vermieden werden könnte, wenn man nicht nur die eine Seite der Medaille vorgestellt hätte, sondern beide Seiten. Die andere Seite der Medaille lautet zum Beispiel so: „Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ (Joh 6,29) – es ist also das Werk Gottes, wenn ein Mensch zum Glauben kommt, es ist „Gottes Gabe“ (Eph 2,8), es ist das „Ziehen des Vaters“ (Joh 6,44), und es liegt nicht „an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott“ (Röm 9,15; vgl. Eph 1,4.11; Röm 8,29; 9,23; 2Tim 1,9; Joh 1,13). Diese Stellen nehmen nichts von der Verantwortung des Menschen weg, sich zu bekehren, und es nimmt nichts von der Verantwortung von uns Christen weg, den Menschen das Evangelium zu verkündigen – es sollte nur mit berücksichtigt werden, um bei der Evangeliumsverkündigung nicht nur noch philanthropisch zu handeln, d.h. nur noch den Menschen und seine Not im Blick zu haben anstatt Gott und seine Belange.

Wenn wir die Wahrheit einseitig verkündigen, entsteht die Gefahr, dass wir einseitige Christen bekommen und im schlimmsten Fall solche, die das Evangelium nur deshalb weitersagen, um nicht hinter diesem von Mark Cahill gelegten Maßstab zurückzubleiben und als ungeistlich zu gelten, oder die das Evangelium einfach aus schlechtem Gewissen weitersagen.

Es entsteht der Eindruck, dass die Errettung eines Menschen im Prinzip von uns abhängt. Und tatsächlich ist es auch so, dass wir in Römer 10,14 lesen: „Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger?“ – Und dennoch liegt es nicht an uns, ob ein Mensch zum Glauben kommt, sondern „dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat“ (Joh 6,29). Ein Mensch geht nicht verloren, weil wir ihm nicht das Evangelium verkündigt haben, und auch nicht deshalb, weil Gott nicht gewollt hätte, dass dieser Mensch zum Glauben kommt, sondern ein Mensch geht wegen seiner eigenen Sünde und seines Unglaubens verloren. Gott will uns bei der Errettung anderer Menschen gebrauchen, aber Er hat uns durchaus nicht nötig. „Also liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott“ (Röm 9,16). – Keiner muss verlorengehen, weil wir es versäumt haben, ihm das Evangelium zu verkündigen.

Natürlich werden wir am Ende vor dem Richterstuhl Christi nach unserer Treue beurteilt; natürlich müssen wir auch Rechenschaft darüber ablegen, wenn wir uns um weltliche oder zu viel um irdische Dinge gekümmert haben statt um Christi Dinge. Aber Gott wird genauso viele „Söhne“ in seine Herrlichkeit führen (Heb 2,10), die „zum ewigen Leben bestimmt waren“ (Apg 13,48) – durch unsere Treue oder trotz unserer Untreue. Diese Seite der Souveränität Gottes kommt in Mark Cahills Buch so gut wie gar nicht vor. Es ist nicht Gottes Weise, Menschen einseitig zu belehren und sie so möglicherweise in große Seelennöte zu bringen, die bei einer gesunden Belehrung nicht gekommen wären.

Wenn man sich vor dem Lesen über diese Kritikpunkte im Klaren ist, kann das Buch für viele eine echte Hilfe sein, und man wird das Buch sicher mit viel Gewinn lesen. Ich hörte von jemand, der das Buch gelesen hatte, dass er derart ermutigt war, dass er gleich damit begann, in seinem Umfeld mehr Zeugnis zu geben; prompt bekehrte sich ein Arbeitskollege. Ich selbst war wieder derart motiviert, dass ich gleich mit dem ersten Kunden auch über das Evangelium reden konnte.

Wenn ich einen Wunsch an den Verlag richten darf, dann wäre es dieser, dass man dem Buch in der zweiten Auflage ein Vorwort voranstellt, das das Buch zum einen würdigt, aber auch auf problematische Punkte hinweist.

Fazit: Unbedingt lesen! Und nachher folgende Punkte zur Kenntnis nehmen …

Das Buch kann hier bestellt werden …


Wer das Buch gelesen hat, und nur der :-), kann die detaillierte Auflistung mancher Problembereiche studieren. Bitte beachte, dass diese Liste zwar lang erscheint, aber deshalb nicht das viele Gute wegnimmt, sondern nur begründet, was ich oben geschrieben habe.

Titel des Buches und S. 13
Der Titel des Buches mutet etwas seltsam an, auch die Argumentation von Cahill in diesem Zusammenhang im Buch. Man wird viele Dinge im Himmel nicht mehr tun können, auch die Gabe des Lehrers oder des Hirten wird es im Himmel nicht mehr geben.

S. 8
Cahill stellt sich vor, mit Petrus oder Paulus Zeit zu verbringen und was für einen Rat sie uns mit auf den Weg geben würden. Cahill schreibt: „Ich bin überzeugt, dass sie uns sagen würden, dass wir uns selbst ganz hingeben sollten, um die Verlorenen zu erreichen, koste es, was es wolle.“ Davon wäre ich nicht überzeugt. Paulus kam vor allen Dingen deshalb ins Gefängnis, weil er das Geheimnis des Christus verkündigte (Eph 3,1). Paulus hatte einen großen Kampf, nicht um den Menschen allein das Evangelium zu verkündigen, sondern damit wir „zu allem Reichtum der vollen Gewissheit des Verständnisses, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes“ (vgl. Kol 2,1-3) kämen. Er gab sein Leben, „koste es, was es wolle“, besonders auch für den Dienst an der Versammlung, und wurde so Nachahmer Christi, der sich selbst für die Versammlung hingeben hat (Eph 5,25).

S. 23
Zum Thema Anbetung fällt Mark Cahill nicht mehr ein, als dass Psalm 150 „ein gutes Beispiel“ dafür wäre, „wie wir Gott anbeten sollten“. Die Anbetung in Geist und Wahrheit ist das jedenfalls nicht. Bei der Anbetung in Geist und Wahrheit ist die Form der Anbetung eben gerade an geistige Dinge gebunden und nicht an stoffliche (Instrumente etc.), und wir dürfen in Wahrheit anbeten, so dass der Inhalt der Anbetung auch der Offenbarung entspricht, die Gott von sich gezeigt hat. Wir beten eben nicht den Jahwe des Alten Bundes an, sondern den Vater, wie Er sich in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat.

S. 27
Zitat von C.H. Spurgeon: „Wenn es irgendetwas gibt, wo die christliche Kirche ihren Eifer weißglühend halten sollte, dann in Bezug auf die Mission.“ Dieses Zitat enthält eine gewisse Einseitigkeit, die der biblischen Lehre widerspricht. Natürlich hat Spurgeon recht, dass wir uns keine Lauheit beim Verkündigen des Evangeliums leisten dürfen, aber genauso gilt dies doch für die Verkündigung des Geheimnisses von Christus und seiner Versammlung oder auch der Verkündigung des Todes des Herrn (um mal nur einige Beispiele zu nennen).

S. 45
Zitat von C.H. Spurgeon: „Ich würde lieber einen Sünder zu Jesus Christus bringen, als alle Geheimnisse im Wort Gottes zu enträtseln, denn die Errettung ist die eine Sache, für die wir leben sollten.“ So einen Vergleich würde ich nicht ziehen. Wir sollten für Christus leben und nicht für die Errettung. Das sind suggestive Mittel, die mit gesunder biblischer Auslegung nicht vereinbar sind.

S. 51
Cahill erweckt den Eindruck, dass die Annahme des Evangeliums eine „machbare“ Aufgabe ist: Wir müssen nur oft genug die Leute mit dem Evangelium konfrontieren, und dann werden sie in der Regel nach dem siebten bis achten Mal zum Glauben kommen. Das ist zwar ein wenig überspitzt von mir ausgedrückt, aber es soll deutlich machen, dass die Annahme des Evangeliums keine „machbare“ Sache für uns Menschen ist, sondern es bleibt allein das Werk Gottes (Joh 6,29). Es ist an sich nicht grundfalsch, aber eben einseitig dargestellt. (Fairerweise muss man sagen, dass er auf S. 200 auch erwähnt, dass er sicherstellen möchte, dass wirklich ein Werk des Geistes Gottes in der Seele stattgefunden hat!)

S. 52
Auch hier wird es so dargestellt, als wäre es das Wichtigste auf der Welt, wenn ein Mensch zum Glauben kommt. Natürlich ist das sehr wichtig, und der ganze Himmel freut sich, aber die Bibel kennt noch viele andere wichtige Dinge. Der Sohn kam auf die Erde, um zu suchen und zu erretten, was verloren ist – das hat sicher höchste Priorität, aber sucht der Vater nicht solche als seine Anbeter? Hat das weniger Priorität? Es heißt in Johannes 4,23: „Es kommt aber die Stunde und ist jetzt [nicht erst im Himmel!], da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter.“ Mancher hätte hier vielleicht eher „sucht Menschenfischer“ gelesen.

S. 55
An sich ist hier nichts einzuwenden, außer dass es zu einseitig ist. Es gibt noch andere Methoden als „Zeugnisgeben“, um das Evangelium zu verkündigen. Auch der Wandel eines Christen kann eine Verkündigung des Evangeliums sein, siehe 1. Petrus 3,1: „Ebenso ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter, damit, wenn auch einige dem Wort nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Frauen ohne Wort gewonnen werden mögen.“ Das ist ebenfalls eine Verkündigung, die aber lautlos geschieht. Auch intensives Beten für eine Person, an die man selbst nicht herankommt, ist eine gute evangelistische Möglichkeit. Es gibt außerdem viele Fälle, wo Menschen nicht durch eine Predigt, durch Verkündigung, sondern durch das Lesen der Bibel gläubig wurden (das bestätigen auch zahllose Berichte der Gideons).

S. 76–77
Es würde dem ganzen Buch guttun, über die Freundschaft mit Ungläubigen mehr zu sagen, als es Mark Cahill tut. Die Freundschaft mit Ungläubigen ist ein schwieriges Thema, besonders für junge Menschen; da kann man schnell über die biblischen Aussagen von 2. Korinther 6,14-18 oder Jakobus 4,4 hinausgehen. Wenn Jakobus sagt, dass die „Freundschaft der Welt Feindschaft bei Gott ist“, und der Apostel Paulus uns ermahnt, nicht in einem „ungleichen Joch mit Ungläubigen“ zu sein, dann kann ich mich nicht einfach „zum Wohle“ eines Ungläubigen darüber hinwegsetzen. Möglicherweise meint Cahill aber auch mehr eine Bekanntschaft, die man nur zu dem Zweck pflegt, um den Ungläubigen zum Heil zu führen, und er nennt das nur fälschlicherweise Freundschaft. Aber man muss sich auch weiter fragen: Muss man wirklich die Partys Ungläubiger besuchen, um jemand das Evangelium zu verkündigen? Und wenn in einem Einzelfall der Herr einem besonderen Diener dazu mal einen Sonderauftrag geben sollte, muss man nicht grundsätzlich eher davor warnen? Sind nicht die meisten jungen Leute eher in Gefahr, von diesen Veranstaltungen fortgerissen zu werden (Beispiele ließen sich leicht finden)?

S. 82
Muss ich wirklich so weit gehen, dass ich mit in Kneipen und Bars gehe, wo viel Alkohol im Spiel ist? Ist das die richtige Atmosphäre, den Menschen das Evangelium zu sagen? Ich halte das für gefährlich. Es mag sein, dass manche diesen Auftrag haben, aber das ist sicher die Ausnahme und nicht die Regel.

S. 86
Hier wird eine Geschichte von einer Frau erzählt, die scheinbar gläubig war und trotzdem die Gewohnheit hatte, mit Freunden auf Partys herumzuhängen. Das ist m.E. ein falsches Signal für die Jugend (und nicht nur für sie).

S. 112–113
Die Gesetzestheologie von Cahill ist nicht ganz richtig. Hier wird das Gesetz so dargestellt, als wäre es der Erzieher auch von Menschen aus den Nationen gewesen. Das Gesetz war aber an Israel gerichtet. Aus Römer 2,15 folgert Cahill, dass das Gesetz in das Herz des Menschen geschrieben wurde. Das steht aber nicht dort, hier heißt es vielmehr: „solche, die das Werk des Gesetzes geschrieben zeigen in ihren Herzen“. Das Gesetz wird im neuen Bund im Tausendjährigen Friedensreich tatsächlich auf das Herz des wiedergeborenen Menschen geschrieben: „Indem ich meine Gesetze in ihren Sinn gebe, werde ich sie auch auf ihre Herzen schreiben“ (Heb 8,10). Das Gesetz bei der Evangeliumsverkündigung zu gebrauchen, ist jedoch eine einfache Möglichkeit, den Menschen mit Gottes Mindestanforderungen bekannt zu machen. Auch der Apostel Paulus schreibt dem Timotheus: „Für einen Gerechten ist das Gesetz nicht bestimmt, sondern für Gesetzlose und Zügellose, für Gottlose und Sünder, für Unheilige und Ungöttliche, für Vaterschläger und Mutterschläger, für Menschenmörder, Hurer, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige und wenn etwas anderes der gesunden Lehre entgegen ist, nach dem Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes, das mir anvertraut worden ist“ (1Tim 1,9-11).

S. 170
Die Verheißung von Offenbarung 2,10 („Sei getreu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben“) wird auch hier wieder nur einseitig dazu verwendet, ob jemand treu die Eintrittskarten zum Himmel verteilt hat. Die Frage ist, ob diese Stelle überhaupt ansatzweise damit in Verbindung steht. Das sind suggestive Mittel.

S. 171
Christen, die nicht die Gabe des Evangelisten haben, könnten hier (im Kapitel „Eintrittskarten für den Himmel“) glauben, dass es Lohn nur für solche gibt, die das Evangelium fleißig verkündigt haben.

S. 172
Zitat John Wesley: „Du brauchst gar nichts zu tun, außer Seelen zu retten. Darum setze dich dafür ein und lass dich für dieses Werk einsetzen.“ Dieses Zitat zeigt erneut eine gewisse Einseitigkeit. Natürlich sagt die Schrift auch: „Der Weise gewinnt Seelen“, aber ist damit nur das Evangelium gemeint? Wenn ein Hirte jemand auf den richtigen Weg zurückführt, ist er nicht auch ein „Seelengewinner“?

S. 173
Zitat eines Freundes von Mark Cahill: „Bedenke, dass du, wenn du nicht fischen gehst, auch nicht nachfolgst.“ Auch hier wird suggeriert, als würde Nachfolge lediglich bedeuten, Menschenfischer zu sein. Was war mit Johannes? Er besserte die Netze aus … Natürlich hat echte Nachfolge auch damit zu tun, dass wir ein großes Herz für verlorene Menschen haben, aber das ist bei weitem nicht alles.

S. 198
Zitat: „Dein Licht kann in der Gemeinde leuchten, aber es wird viel heller leuchten bei der Arbeit, in der Schule, im Einkaufszentrum, am Strand oder im Barviertel der Stadt.“ Sollte man das wirklich so gegeneinander ausspielen? Wird die Gemeinde dadurch nicht herabgestuft, oder wird es hier nicht zumindest suggeriert, dass die Gemeinde gut und schön ist, dass es aber besser ist, wenn wir in die Dunkelheit gehen, weil da das Licht heller leuchtet? Hat Christus nicht sein Leben für die Versammlung/Gemeinde gegeben? Hier werden meines Erachtens falsche Gegensätze aufgebaut.

S. 202
Hier scheint Cahill als Auftrag für die Gemeinde nur das Verkündigen des Evangeliums zu kennen. Natürlich ist die Gemeinde ein „Brief Christi“ (2Kor 3,3), und wir sind „eine königliche Priesterschaft, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden dessen verkündigt, der euch berufen hat aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1Pet 2,9). Aber das ist doch etwas anderes, als eine Interessengemeinschaft bezüglich der Verkündigung des Evangeliums zu sein – zumal man doch bedenken sollte, dass es in 1. Petrus 2,9 nicht direkt um die Gemeinde geht und „die Tugenden [Gottes] verkündigen“ etwas anderes ist als die Verkündigung des Evangeliums. Die Gemeinde ist vor allen Dingen dazu da, Gott Ehre zu bereiten und die Verherrlichung Gottes zu suchen; und wenn sie zusammenkommt, dann steht die Auferbauung des Leibes und die Anbetung Gottes im Vordergrund (1Kor 10–14). Evangeliumsverkündigung ist ein Dienst, und der wird immer an ausgewählte Diener gegeben; Zeugnisgeben von meinem persönlichen Glauben ist eine persönliche Verantwortung und kann nicht geteilt werden.

Wir sind Söhne Gottes geworden – wozu? Es heißt in Epheser 1,5: „… und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst.“ Die Gemeinde ist „ein geistliches Haus“, eine „geistliche Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“ (1Pet 2,5).

Die Konsequenzen Cahills aus der „Killerliste“ sind höchst zweifelhaft. Sollte das wirklich unser Ziel sein, auf die „Killerliste“ Satans zu kommen? Ist das nicht der falsche Ansatz? Unser Ziel sollte immer und zu jeder Zeit die Verherrlichung Gottes sein: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1Kor 10,31). Es ist möglich, dass uns das auf die „Killerliste“ Satans führt, aber das ist nicht unser Ziel. So suchte der Herr Jesus die Verherrlichung Gottes des Vaters, und das führte dazu, dass Er auf die „Killerliste“ Satans kam. Wir dürfen getrost sein, dass Gott stärker ist als der Satan und dass wir in seiner Hand sind. Auch konnte niemand das Leben des Herrn Jesus nehmen (vor der Zeit), sondern Er ließ es freiwillig (Joh 10,18).

S. 204
Es ist doch allzu menschlich, wenn Cahill schreibt: „Setze dich stattdessen dafür ein, dass Menschen dir einmal danken, dass du ihnen geholfen hast, die Tore des Himmels für alle Ewigkeit zu betreten.“ Aber ist das wirklich die richtige Motivationsgrundlage? Ich habe manche Verkaufsmotivationstrainings in der Welt mitgemacht, und dort wendet man ähnliche Mittel zur Motivation an.

S. 205
Ist es wirklich die größte Sünde, wenn man es versäumt hat, einem Menschen das Evangelium zu verkündigen? Wo steht das in der Bibel?

S. 218
Die Anrede „Lieber Satan“ empfinde ich als unangemessen.

S. 219
Das Übergabegebet klingt so, als könnte man nur gerettet werden, wenn man sofort gelobt, in der Förderung des Reiches Gottes zu dienen, täglich in seinem Wort zu lesen und dem Gelesenen zu gehorchen. Wir wollen daran festhalten, dass allein der Glaube rettet, wenn es auch wahr ist, dass echter Glaube Folgen haben wird.

Lies auch den Artikel „Abhängigkeit und Ausgewogenheit im Dienst für den Herrn“.

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