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Leitverse: 1. Timotheus 2,9; 1. Petrus 3,3-4; Titus
2,5; 5. Mose 22,5ff.; Römer 14,13-16
Inhalt
Einleitung Der „biblische Grundsatz“ Was sagt uns die Bibel zum Thema Kleidung? Anstoß geben Ein Schwacher muss nicht schwach bleiben Sind wir ein Anstoß für Außenstehende? Schon mal drüber nachgedacht? „Bekleidet und vernünftig“ — Markus 5,15 Die Kultur entscheidet über „Mannszeug“ und „Frauenkleidung“ Anmaßung Wie muss man 5. Mose 22,5 denn richtig auslegen? Kleidung ist kein Hauptthema Woran erkennt man ein Hauptthema oder eine Nebensächlichkeit? Schlussgedanken
Das Thema „angemessene Kleidung“ hat schon viele Gemüter von
Christen erhitzt, und für manche ist es überhaupt kein Thema (mehr), und
wieder andere
haben, so scheint es, ihre ganze gruppenspezifische Identität daran gehängt.
Bei der ganzen Diskussion wollen wir es jedoch noch einmal wagen, die Frage zu
stellen, ob die Bibel diese Frage eindeutig beantwortet. Wo fängt die
christliche Freiheit an und wo hört die christliche Freiheit auf? Was ist mit
den „schwachen“ Geschwistern, die Anstoß nehmen an diesem und
jenem, wie weit müssen wir darauf eingehen, und wo geht man einfach zu weit?
Sicher wollen wir hier keine genauen Zentimeterangaben bei Röcken vorschreiben oder
die Stoffart der Hosen bestimmen oder das elfte Gebot einführen: Du sollst (als
Frau) keine Hose tragen. Wir wollen uns lediglich einmal die Frage
stellen, welchen Stellenwert die Bibel dem Thema „Kleidung“ beimisst.
Wir sind uns durchaus bewusst, dass dieser Artikel für manche Christen nicht
mehr als ein argwöhnisches Schmunzeln auslöst, aber vielleicht sollten gerade
auch diese Leser, die meinen, Gott hätte über dieses Thema gar nichts zu
sagen, trotzdem weiterlesen. Vielleicht kann der eine oder andere ja doch noch
etwas entdecken, worüber er sich vorher keine Gedanken gemacht hat.
Die Botschaft der Bibel gilt für alle Menschen.
Deshalb muss die Botschaft auch von allen verstanden werden können. Ob es
Inuits in Alaska oder Schwarze im Kongo sind, ob „durchschnittliche“
Deutsche oder „moderne“ Amerikaner, das Evangelium gilt für alle
gleich. Es gibt aber auch Bereiche, wo uns das Wort Gottes keine spezifischen
Angaben macht. So finden wir im Neuen Testament keine detaillierten Angaben zu
Nahrung, Kleidung, Gottesdienstgestaltungen, Umgang mit Krankheiten etc. … Das
bedeutet sicherlich, dass diese Bereiche auch durch den jeweiligen sozialen,
kulturellen und historischen Hintergrund des Bibellesers bestimmt werden.
1Tim 2,9: Ebenso auch,
dass die Frauen sich in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und
Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder
kostbarer Kleidung, sondern was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht
bekennen, durch gute Werke.
Die ersten drei Begriffe beziehen sich auf das Verhalten wie auch auf die
Kleidung, speziell für die Frauen, sicherlich auch mit Bedeutung für den Mann.
Dennoch sollte unbedingt erwähnt werden, dass es in dieser Stelle
hauptsächlich um das Verhalten, also um innere Werte geht, die allerdings auch
in Äußerlichkeiten ihre Widerspiegelung finden sollen, wie der Ausdruck „Äußeres“ auch anzeigt. Jeder kann sich selbst fragen: Was bedeutet
für mich Schamhaftigkeit, oder vielleicht etwas einfacher: Was bedeutet
für mich „schamlos“? Sind für mein Empfinden kurze Hosen schamlos?
Oder Miniröcke oder Jeans oder enge oder weite Hosen? Sind Badesachen sittlich
oder nicht? Würden wir eine Umfrage starten, die Meinungen wären wohl sehr
unterschiedlich. Doch sollten wir uns einmal überlegen, ob es bei dieser Frage
wirklich um unsere Meinung geht. „Schamhaft“ muss nicht in erster
Linie wegen mir sein, sondern weil ich Menschen um mich her habe, die mich
sehen, auf die ich einen Einfluss habe. Es gibt afrikanische Stämme, da gilt es
nicht als unsittlich, wenn eine Frau mit entblößten Brüsten tagaus tagein
lebt. Unsere Gefühle wären jedoch total verletzt.
Das Äußere soll bescheiden sein. Es sollen nicht die teuersten Kleider
sein, nicht zu jedem Fest ein neues Kleid oder Anzug. Es soll nicht auffallen
— das gilt natürlich sicher genauso für den Mann. Das muss nicht alt, verwaschen und vergammelt sein, sondern sauber, schmuck
und hübsch. Denn man kann auch durch Prahlen mit Bescheidenheit hochmütig
sein.
1Pet 3,3-4: … deren Schmuck nicht der äußere
sei durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von Kleidern,
sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unverweslichen Schmuck des
sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist.
Wieder wollen wir betonen, dass auch diese Stelle von inneren Werten, von
Charaktereigenschaften spricht und eigentlich erst im Gegensatz dazu von den
Äußerlichkeiten. Nun, wir alle sollen uns schmücken. Nicht mit Gold,
spektakulären Ohrringen und satt-violettem Lippenstift. Der Blick der Menschen
soll auf unser Inneres gelenkt werden. Das innere Aussehen zählt auch vor Gott.
Wie steht es mit unserer Treue zu Gott und Menschen, wie steht es mit unserer
Langmut, Freundlichkeit und Sanftmut? Wenn jemand dich sieht, wodurch willst du
dann als Frau schön erscheinen? Durch den äußerlichen Schmuck? Oder ist man
zuerst beeindruckt von deinem sanften und stillen Geist, auch wenn so etwas bei
manchen in unserer von Satan regierten Welt heute verpönt ist? Unsere wahre
Gesinnung zeigt sich in unserem Verhalten, nicht in unserem Aussehen. Das heißt
natürlich auch nicht, dass wir unser Äußeres vernachlässigen sollen. Nein,
es soll gepflegt und sauber sein. Unser Wandel und Auftreten soll ein Zeugnis
für den Herrn sein und nicht ein Zeugnis für uns (1Pet 3,1).
Tit 2,5: … auf dass sie die jungen Frauen
unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch
(rein), mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, den eigenen Männern
unterwürfig zu sein, auf dass das Wort Gottes nicht verlästert werde.
Die griechischen Ursprungswörter für „keusch“ bedeuten vor allem
sittliche Reinheit, Lauterkeit, Tadellosigkeit, unschuldig, im engeren Sinn die
Beherrschung des Leibes, vor allem im Blick auf das Geschlechtsleben
(Rienecker). Es fällt wieder auf: Es sind die inneren Eigenschaften, die Gott
gefallen und die Er sehen möchte. Aber auch auf die Kleidung lässt sich eine
Anwendung machen: Sie soll nicht aufreizend sein, soll auch nicht sexuelle
Phantasien und unreine Gedanken provozieren. Es ist klar, dass die Frau mit ihrer
Kleidung einen starken Einfluss auf die Empfindungen und Gedanken des Mannes
hat. Das hebt die Verantwortung des Mannes natürlich nicht auf.
Nachdem wir kurz eine
biblische Einleitung gegeben haben, möchten wir nun auf bestimmte
Problemfälle, mögliche Argumentationen und auch manche Missverständnisse
eingehen. Das erste Missverständnis entsteht bereits bei dem Wort „Anstoß
geben“. Viel zu schnell wird mit Bezug auf Römer 14 gesagt: Du bist
mir ein Anstoß und deshalb musst du dieses oder jenes unterlassen! Aber
was bedeutet nun wirklich das Wort „Anstoß geben“?
Was die Auslegung bzw. Anwendung von Römer 14 betrifft, so denken wir, kommt
man nicht an einer sorgfältigen Erklärung der Begriffe „Anstoß“ und „Ärgernis“ vorbei. Das ist der Kernpunkt dieses Kapitels.
Wir zitieren nach Menge-Güthling, Langenscheidts Großwörterbuch,
Altgriechisch-Deutsch:
1. Anstoß [proskomma]
a) Verstoß, Fehltritt, Beleidigung.
b) Ärgernis, Anlass zur Sünde, Verführung; Hemmung,
Hindernis.
c) Feindschaft.
d) Unwille
2. Ärgernis [skandalon]
Fallstrick, Anstoß, Ärgernis, Verführung.
Eig. Stellholz (an der Falle).
Das Verb skandalizo = „Anstoß oder Ärgernis
geben, ärgern, irremachen, zur Sünde verleiten“
Wenn wir also jemand ein Anstoß oder ein Ärgernis sind, so sind wir der
Anlass, dass er in seinem Glaubensleben zu Fall kommt, Schaden leidet, „verdorben“ (Röm 14,15) wird, umkommt (1Kor 8,11).
Wo das also der Fall ist, können wir Römer 14 und 1. Korinther 8 anwenden.
Es mag angebracht sein (aus geschwisterlicher Rücksichtnahme bei speziellen
gemeindlichen Hintergrund!), (als Frau) keine Hose anzuziehen, doch ob der „anstoßnehmende“ Bruder/Schwester dadurch im Glaubensleben zu Fall
kommen könnte, entscheidet darüber, ob Römer 14 anwendbar ist oder nicht, und
nicht, ob ihm das einfach nicht gefällt und er sich darüber ärgert. Wiewohl
mich meine Liebe zu dem Bruder oder zu der Schwester auch dazu führen kann,
dass ich noch nicht einmal ein „Ärgernis“ in dieser abgeschwächten Form
sein möchte — ein provozierender Geist ist sicherlich auch nicht mit der
Gesinnung des Herrn in Übereinstimmung zu bringen. Über seine Beweggründe
muss sich jedoch jeder selber vor dem Herrn klarwerden, der der Beurteiler
unserer Gedanken und Beweggründe ist.
„Anstoß geben“ bedeutet also, dass ein anderer durch unsere
vermeintliche „Stärke“ zu Fall kommt, das heißt, dass er etwas tut, was
nicht aus Glauben ist. Aber viele, die schnell sagen: Du bist mir ein Anstoß,
weil du eine Hose trägst oder keine Krawatte trägst oder oder oder, sind
oft gar nicht so schwach, denn sie würden das niemals selbst tun, woran sie
sich angeblich stoßen. Eine Schwester, die eine andere Schwester (wegen deren
Hose) anspricht, hat in der Regel überhaupt keine Ambitionen, nun selbst jetzt auch Hosen
anzuziehen. Deshalb fällt dies noch lange nicht unter die Kategorie „Anstoß
geben“, nur weil jemand anders etwas anders aussieht oder
andere Gewohnheiten hat.
Etwas anderes wäre es, wenn eine Schwester nun zu
etwas verleitet wird, was sie mit schlechtem Gewissen tut; dann sollten wir
sicher Rücksicht nehmen. Wenn es diesen Fall vielleicht auch gibt, so haben wir
es doch noch nie erlebt, dass z.B. eine Schwester wirklich tief berührt und
geübt sagt: Weißt du, ich habe gesehen, dass du Hosen trägst, und ich wollte
das nun auch machen, aber jedes Mal, wenn ich die Hosen trage, dann habe ich ein
schrecklich schlechtes Gewissen (vor Gott; ein schlechtes Gewissen vor Menschen
wäre Menschenfurcht und die legt einen Fallstrick, s. Spr 29,25), aber
jedes Mal wenn ich dich in Hose sehe, dann wünschte ich mir, ich könnte dies
auch so frei tun. — Wenn jemand in dieser Gesinnung zu uns käme (wie gesagt, wir
haben dies noch nie erlebt), würde da nicht jeder gerne Rücksicht nehmen und
wenn es eben geht, keine Hose in ihrer Gegenwart tragen?
Dennoch kann man und sollte man darüber reden und
versuchen, den anderen zu verstehen und auch anhand der Schrift zu überzeugen.
Schließlich versuchte auch Paulus immer wieder klarzumachen, dass es nicht
verkehrt ist, Fleisch zu essen. Ein wirklich Schwacher muss ja nicht immer ein
Schwacher bleiben, sondern er wird auch im Glauben wachsen, wenn er es zulässt
und offen ist für das Wort Gottes. Fragen wir uns also, ob ich es zulassen
will, die Argumente anderer Geschwister zu hören, oder ob es mir im tiefsten
Inneren gar nicht um das Wort Gottes geht, sondern vielmehr um die Identität
meiner speziellen Gruppe und darum, dass man es halt „immer schon“ so gemacht
hat. Wir müssen immer bedenken: Wer weiter geht als Gottes Wort, steht im
Begriff, eine Gemeinde zu einer Sekte zu degradieren. Auf der anderen Seite gilt
natürlich auch: Wer hinter dem Wort zurückbleibt, besteht in Gefahr, lau und
gleichgültig gegenüber der Welt zu werden, und dieser Zustand ist für
unseren Herrn genauso „ekelerregend“ (siehe Sendschreiben an Laodizea).
Nun kommt aber noch ein anderer wichtiger Aspekt: Haben wir auch mal daran gedacht, dass
wir — indem wir peinlichst darauf achten, den Geschwistern, die denselben kirchlichen
Weg mit uns gehen, keinen Anstoß zu geben — gerade solchen Geschwistern, die
nicht diesen Weg gehen, tatsächlich ein Anstoß sind? Sind wir nicht
denen, die gerne kommen würden, zum Anstoß, indem wir ihnen den Zugang zu
unserer Gruppe sehr schwer machen? Sind wir auf diese Weise nicht ein Hindernis für die
Einheit im Volk Gottes und Förderer von Spaltungen und Trennungen in der
Christenheit? Und hindern wir nicht dadurch andere, dorthin zu kommen, wo sonst
vielleicht in aller Schwachheit und Einfachheit versucht wird, nach
neutestamentlichen Grundsätzen zusammenzukommen? Haben wir es nicht schon oft
so erlebt, wie wir in Gesprächen hören mussten: Ja, die Lehre ist bei euch ja
ganz gut, wenn nicht die ganzen Äußerlichkeiten wären, auf die bei euch so
viel Wert gelegt wird. — Wenn wir noch nicht selbst „dabei“ wären,
hätten wir selbst wohl Ambitionen, z.B. zu einer „Rock-Zopf“-Gruppe
dazuzugehören? Seien wir doch einmal ehrlich: Hätten wir dann nicht auch
große Angst, in eine Sekte zu kommen? Wir sagen nicht, dass solche Christen
eine Sekte bilden, aber gerade das Äußere könnte für Außenstehende zu dieser
Vermutung Anlass geben, da sie das innere Leben, wo echte Hingabe vorhanden sein
mag, nicht sehen können.
Solche, die in einer bestimmten Gruppe groß geworden sind, haben sicher überhaupt keine Probleme damit,
wenn Männer und Frauen getrennt sitzen oder
wenn von Schwestern verlangt wird, ein Kopftuch in den Zusammenkünften zu
tragen, oder wenn man verbietet, vom Frauenhaar auch nur einen Millimeter abzuschneiden
zu lassen oder Hosen anzuziehen, oder wenn man sagt, dass die Brüder keinen Bart haben sollten (was allerdings eher selten geworden ist) oder unbedingt eine Krawatte und ein Sakko tragen müssen. Solche, die
darin aufgewachsen sind, können gut damit leben, denn es gibt für manche dieser
Punkte ja auch praktische und auch zum Teil sinnvolle Überlegungen. Diese wollen
wir auch nicht einfach vom Tisch fegen, und wo manche dieser Punkte wirklich in
aufrichtiger Überzeugung und Liebe zum Herrn praktiziert werden, wer sind wir, dies
zu verurteilen?
Aber sind es wirklich immer diese Überzeugungen und diese Liebe
zum Herrn? Fragen wir uns und beschäftigen wir uns neu mit diesen Dingen anhand
des Wortes Gottes. Wir sind davon überzeugt, dass manche staunen werden, welch
eine Freiheit die Bibel uns lässt und welche Richtlinien sie durchaus fordert,
die oftmals übersehen werden, gerade von solchen, die auf bestimmte
Äußerlichkeiten (bei Frauen und in der Gemeinde) großen Wert legen. Zum
Beispiel macht es manchen nichts aus, ein dickes Auto zu fahren und auch
ansonsten recht üppig zu leben, obwohl die Bibel doch voll ist an Ermahnungen
zur Bescheidenheit. Gerade jene sind oftmals sehr unbarmherzig, wenn es um
bestimmte Äußerlichkeiten bei den Frauen oder in der Gemeindestunde geht. Ist
das nicht ein Missverhältnis, das in höchstem Maße unglaubwürdig ist?
Aber denken wir noch mal an solche, die noch keine Gemeinde gefunden haben
oder die vielleicht überhaupt noch gar keinen Glauben haben. Dürfen wir denen
durch „eiserne Gesetze“ den Eingang schwer machen und Mauern und
Zäune von Traditionen aufbauen, die nicht angetastet werden dürfen? Wir wollen
nicht falsch verstanden werden: Auch wir schätzen gute Traditionen. Aber wir
wollen diese nicht um jeden Preis verteidigen und schon gar nicht, wenn es um
die Einheit unter den Kindern Gottes geht. Es gibt leider in der Christenheit
genug Dinge, die uns von vielen lieben Kindern Gottes trennen, und da müssen wir
nicht noch weitere Dinge ersinnen, die unbiblisches Getrenntsein und unbiblische
Trennungen zur Folge haben. Auch möchten wir dafür eintreten, dass ein
Ungläubiger nicht einen „Kulturschock“ bekommt, wenn er unsere Gemeindetür
durchschreitet, sondern wirklich erkennt: Hier ist der Ort, wo Gott wohnt, hier
wird der Herr Jesus Christus groß gemacht (vgl. 1Kor 14).
Wenn allerdings ein Schriftwort deutlich nicht respektiert wird und z.B. die
Schamhaftigkeit nicht berücksichtigt wird, dann geht es nicht um reine „Äußerlichkeiten“, sondern um ein klares Schriftwort. Sicher gibt es
auch hier Grenzen, die nicht immer hundertprozentig definiert und als Gesetz festgelegt
werden können.
Wohin
würde es eigentlich kommen, wenn wir auf alles Rücksicht nehmen wollten, was
andere gleich als Anstoß oder Ärgernis darstellen? Dem einen gefällt der
Bart nicht, dem anderen die Farbe des Sakkos nicht, wieder einem anderen
gefällt nur die Farbe Schwarz, und wieder ein anderer kann nur damit leben, wenn Brüder
ganz kurz rasiertes Haar haben. Vielleicht meint auch jemand, Frauen sollten nur
Kopftücher einer bestimmten Machart tragen und auch auf keinen Fall einen Hut
usw. Was wir damit sagen wollen, ist wahrscheinlich schon jedem klar: Wir
würden zu einer uniformierten Armee werden, wir könnten uns zwar alle vom
Aussehen alle als
Christen einer bestimmten Gruppe identifizieren, aber der eine
Leib, der aus der Vielfältigkeit und Vielseitigkeit besteht, würde nicht
gesehen werden, sondern lediglich die Einheit einer Partei.
Gedanken von W. Kelly:
Eine militärische Ordnung ist so weit wie nur irgend
möglich von dem entfernt, was das geschriebene Wort der Kirche Gottes
vorschreibt. Anstelle einer vorschriftsmäßigen Einheitsnorm herrscht in der
Versammlung die größtmögliche Vielfalt vor — es gibt Hohe und Geringe,
Starke und Schwache und sogar Unehrbare (1Kor 12) (aus: Christliche
Einheit und Gemeinschaft, S. 28).
Wie schön ist es aber, wenn der Geist Gottes uns den
Glauben schenkt, diese Verschiedenartigkeiten im Werk des Herrn zu sehen und
anzuerkennen! Auf der anderen Seite werden diese göttlichen Züge fast immer
von der Natur, wenn ihr Raum gelassen wird, verwischt. Durch einen
Gleichmachungsprozess werden sie einander angepasst; die zarten Linien und
verschiedenartigen Wirkungen des Geistes Gottes gehen verloren (aus: Die
Lehre des Neuen Testamentes über den Heiligen Geist).
Es wird des Öfteren gesagt, dass der Vers in Markus 5,15 („Und sie
kommen zu Jesu und sehen den Besessenen sitzen, bekleidet und vernünftig, den,
der die Legion gehabt hatte; und sie fürchteten sich“) etwas mit einer
vernünftigen Bekleidung zu tun hat. Hierbei müssen wir jedoch die Schrift
genau lesen. Es heißt natürlich nicht, dass der ehemals Besessene nun „vernünftig
bekleidet“ war, sondern dass er überhaupt (im Gegensatz zu vorher)
bekleidet war, und zusätzlich war er auch vernünftig geworden (im Gegensatz zu
vorher).
Nun ist es interessant, wie das Wort „vernünftig“ (griech. sophroneo)
noch übersetzt werden kann. Es könnte z.B. übersetzt werden mit „vernünftig
sein“, „von geistiger Gesundheit sein“ oder „bei Sinnen sein“
(lt. Walter Bauer, Wörterbuch zum NT). Dies zeigt sehr deutlich, dass es um
seinen allgemeinen Zustand und sein allgemeines Verhalten ging, wobei natürlich
auch sein äußeres Erscheinungsbild mit inbegriffen war. Es verdeutlicht erneut
die große Klarheit der Schrift, dass Gott die innere Haltung sieht, das
Verhalten, die Gesinnung, und dass Er hierauf seinen Schwerpunkt legt. Es ist hierbei wie
mit dem Reden: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund.“ Und so
erwartet der Herr unser Äußeres: Es soll ein Spiegelbild der inneren
Qualitäten sein.
In der heutigen Kleidungsdiskussion geht es auch immer wieder um die
Auslegung und Bedeutung von 5. Mose 22,5 wo geschrieben steht: „Es soll
nicht Mannszeug auf einer Frau sein, und ein Mann soll nicht das Gewand einer
Frau anziehen; denn wer irgend solches tut, ist ein Gräuel für den Herrn,
deinen Gott.“
Wer entscheidet aber darüber, was „Mannszeug“ und was „Frauenkleidung“
ist? Diese Frage ist eigentlich recht einfach zu beantworten. Da uns in der
Bibel keine speziellen Kleidungsstücke empfohlen werden, müssen wir fragen,
was unsere Kultur als „Frauenkleidung“ oder „Mannszeug“
ansieht. Wir wollen es noch deutlicher sagen: Eben nicht die Bibel legt fest,
was Männerkleidung oder Frauenkleidung ist. Es ist also eigentlich eine
außerbiblische Frage. Und wir wissen, dass bei einem außerbiblischem Problem
das Fundament „Es steht geschrieben“ nicht vorhanden ist. Und allein
dieser Gesichtspunkt sollte uns alle zu großer Behutsamkeit und Zurückhaltung
bei einem solchen Thema veranlassen.
Zu biblischer Zeit trugen bekanntlich Männer und Frauen Gewänder (Röcke!),
und diese waren einander viel ähnlicher als Rock und Hose heute, auch wenn es
gewisse Unterschiede gab.
Das Große Bibellexikon (R. Brockhaus & Brunnen) schreibt
dazu:
Frauen trugen im Wesentlichen dasselbe wie Männer.
Doch muss der Unterschied erkennbar gewesen sein, denn es war den Männern
verboten, Frauenkleidung zu tragen und umgekehrt (5Mo 22,5). Der
Unterschied liegt wohl in feinerem Material, mehr Farben und dem Gebrauch
eines Schleiers und einer Art Kopftuch […], das auch zum Tragen von Lasten
benutzt werden konnte (Bd. 3, S. 1230).
Es handelte sich also lediglich um Unterschiede in Stoff, Farbe und eventuell
Schnitt, nicht um eine völlig andere Art von Kleidungsstück (wie im Falle von
Rock und Hose). Wenn man eine so extreme Differenzierung wie die zwischen Rock
und Hose verbindlich festschreibt (nach dem Grundsatz: Männer und Frauen
müssen sich so unterschiedlich wie möglich anziehen), geht man über die
biblischen Gewohnheiten somit deutlich hinaus. Der Unterschied zwischen
Herrenhosen und Damenhosen käme der biblischen Größenordnung weitaus näher;
heutzutage sind Hosen für Männer und Frauen ja so unterschiedlich geschnitten,
dass kein Mann Damenhosen tragen würde (wenn sie „Mannszeug“ wären,
könnten Männer sie ja ohne Probleme anziehen). Kein Mann würde jemals auf die
Idee kommen, in der Frauenabteilung nach einer Hose für sich zu suchen, und das
nicht nur, weil er sich schämt, dort nach einer Hose zu suchen, sondern weil es
in der Regel völlig unpassend und lächerlich wäre, wenn ein Mann eine
Frauenhose anziehen würde, da sie von der Art, Form und Schnitt völlig
verschieden von einer Männerhose ist.
Da wir auch glauben, dass Gott grundsätzlich an einer Unterscheidung von
Mann und Frau interessiert ist (1Kor 11.14; 1Tim 2; 1Pet 3; Tit 2 u.v.a.m.), nicht nur, wenn es um Äußerlichkeiten geht (!), so sollte sich
vielleicht jede Frau, die sich eine Hose kauft, die Frage stellen, ob der
Unterschied wirklich gesehen wird oder nicht. Und wenn dann ein Bruder kommt und
sagt: Das ist aber Männerkleidung, dann sollte man diesen Bruder auffordern,
diese Hose eine Woche lang zu tragen, dann würde man ihm abnehmen, dass es sich
tatsächlich um „Mannszeug“ handelt :-). Jeder Mann, der für eine möglichst deutliche Unterscheidung der
Geschlechter eintritt, sollte sich auch fragen, warum er (oftmals) das Zeichen
seiner Männlichkeit — den Bart — jeden Morgen abrasiert.
Noch vor sechzig Jahren war es auch in der Welt verpönt, wenn eine Frau
Hosen anzog. Es war sogar ein Zeichen der Emanzipation. Aus diesem Grund kann
man heute des Öfteren hören, dass die Hose als Kleidungsstück bei der Frau
als Zeichen der Emanzipation eingeführt wurde und daher grundsätzlich
emanzipatorischen Charakter bei ihr habe und aus diesen Gründen nicht von einer
Christin getragen werden dürfte. Solche Extrapolationen aus einer Vergangenheit
von vor bald sechzig Jahren auf heute sind natürlich völlig daneben. Die
Verwendung eines Gegenstands in dem ursprünglichen Zusammenhang braucht nichts,
aber auch rein gar nichts mit dem aktuellen Zusammenhang zu tun haben und hat es
sicher auch bei dem Thema „Hose“ heute in den wenigsten Fällen. Wenn
es nämlich so wäre, müsste man auch den Wein beim Abendmahl verbieten, weil
er vor der Einführung durch den Herrn bei vielen Götzenmahlzeiten gereicht wurde.
Manche Beispiele ließen sich hier noch anführen.
Ein anderes Beispiel ist die Jeanshose: Eine Jeanshose war noch vor einigen
Jahren das Symbol für „Arbeiterhose“. Heute tragen bereits
Geschäftsleute auf Messen eine Jeanshose, weil sie es als passend ansehen. Hier
sieht man, wie sich das Empfinden gegenüber einem „Fetzen Stoff“
ändern kann.
Oftmals wird auch angeführt, dass ja schließlich auf den Toiletten auch
Mann und Frau ganz deutlich voneinander durch Hose und Rock unterschieden
werden, dass sogar, so wird argumentiert, die Welt den Unterschied deutlich
erkennt. Nun, man fragt sich dann, ob man sein Christenleben jetzt schon von
einem Symbol auf einem Toilettenhäuschen abhängig machen will und ob es dann
nicht auch besser wäre, dass die Männer immer einen Zylinder auf dem Kopf und
eine Pfeife im Mund tragen sollten, da die Männchen auf den Türen oftmals so
dargestellt werden. In unserer Kultur weiß man eben, dass das Symbol einer
Person mit Hose auf einer Tür „Herrentoilette“ bedeutet; man muss
dies nicht erst von Fall zu Fall mühsam entschlüsseln (Person mit Hose?
Was könnte das bedeuten? Ein Mann? Ja, das muss ein Mann sein! Also zur anderen
Tür hinein!). Wir denken, dass wir mit solcher Art von Argumentation
nicht wirklich weiterkommen.
Es wäre doch ein gewaltiger Hochmut, wenn wir als Bruchteil der
Weltbevölkerung und auch Bruchteil von Westeuropa und dann als Bruchteil der
Christenheit von Westeuropa uns anmaßen wollten, festzulegen (dann natürlich
wieder für die ganze Welt!), was „Mannszeug“ ist und was nicht. Haben
wir wirklich ein Anrecht dazu, oder bestimmt dies nicht eben doch die Kultur, in
der wir leben, so wie ein Schottenrock eben nicht unbedingt in allen Fällen
Frauenkleidung ist? Das aber hat eben die Kultur festgelegt! Und die Definition
(von Hose oder Mannszeug) können nicht irgendwelche Brüder geben oder eine „Kirche“ festlegen, sondern die finden wir im Duden (oder im
Brockhaus-Lexikon). Natürlich wollen wir auch keinen falschen Gedanken Raum geben: Die Kultur
ist nicht der alleinige Maßstab dafür, ob etwas „vernünftig“ oder „normal“ oder
„schamhaftig“ ist nach der Schrift. Denn ein Minirock oder ein T-Shirt, das nur bis zum Bauchnabel geht, ist heute auch schon
fast normal, aber eben nicht unbedingt schamhaftig. Sie definiert aber sehr
wohl, was als Männerkleidung gilt und was als Frauenkleidung gilt.
Das hängt davon ab, worin man die Intention dieser Stelle sieht; hierüber
sind die Ausleger nämlich durchaus geteilter Meinung. Da das Wort „Gräuel“ in der Bibel fast immer mit heidnischem Götzendienst in
Verbindung steht, beziehen einige den Vers lediglich auf heidnisch-rituelle
Transvestismuspraktiken; in diesem Fall wäre klar, dass diese Stelle nichts
mit einer möglichst starken Unterscheidung der Geschlechter zu tun hat (wenn es
auch andere Bibelstellen gibt, woraus eine klare Geschlechtertrennung hervorgeht
z.B. 1. Korinther 11; 14). Andere — wie auch wir — sehen in dem Vers ein
allgemeines Verbot, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu verwischen;
wenn die Kleidung identisch wäre, würde ein Tausch ja gar nicht auffallen, da sie
aber nicht identisch ist, gibt sich ein Mann äußerlich wie eine Frau, wenn er
Frauenkleidung trägt und umgekehrt. Die Frage ist dann jedoch, wie groß die
Unterschiede sein müssen. Und wie groß diese Unterschiede waren, haben wir ja
oben schon beschrieben — sie kommen der heutigen Frauenhose im Vergleich mit
einer Männerhose nahe. Diese Stelle jedoch nur buchstäblich aufzufassen, ist unseres Erachtens nicht
der biblische Weg, da es natürlich zum einen zum Gesetz gehört und wir zum
anderen dann auch nicht Wolle und Leinen zusammen anziehen dürften, womit wohl
heute keiner mehr Schwierigkeiten hat. Denn dies wird im gleichen Kapitel nur
sechs Verse weiter gesagt!
Wir haben gesehen, dass Gottes Maßstäbe über die Kleidung und das Äußere
hinausgehen und vor allen Dingen unser Verhalten im Blick hat. So kann man nicht
herum, 5. Mose 22,5 geistlich anzuwenden: Ein Bruder, der in den Zusammenkünften der Gläubigen nie ein Gebet spricht,
nie einen Gedanken mitteilt (s. 1Kor 14), verhält sich wie eine
Schwester, denn das Schweigen in der Gemeinde wird ja den Schwestern aufgetragen
(s. 1Kor 14,34.35). Trägt solch ein Bruder nicht Frauenkleidung? Und auch umgekehrt: Wenn eine Frau einen Predigtdienst ausführt oder in
irgendeiner Weise öffentlich lehrt, hat sie nicht „Mannszeug“ an? Die
Frau ist ein Bild der Gemeinde Gottes, wie sie dem Christus unterworfen ist
(Eph 5,24). Gerade in dieser Hinsicht ist der Zustand der Gemeinde Gottes
heutzutage sehr schlecht. Das spiegelt sich auch darin wider, dass die Frau
oftmals den ihr von Gott angewiesenen Platz nicht mehr einnimmt und dass es dem
Widersacher Gottes mehr und mehr gelungen ist, den Unterschied der Geschlechter
zu verwischen. Diesen Aspekt müssen wir bei aller Freiheit, die Gott uns
geschenkt hat, deutlich hervorheben.
Auch möchten wir zu bedenken geben, ob ein Beruf, in dem fast
ausschließlich Männer arbeiten, wirklich der richtige Beruf für eine Frau ist
und ob das nicht doch „Mannszeug“ ist. Zum Beispiel werden heutzutage
Frauen in der Bundeswehr rekrutiert. Dies finden wir eine wirkliche Missachtung
der geistlichen Anwendung von 5. Mose 22.
Ein Problem ist doch auch, dass manche Frage der „Äußerlichkeit“
einen Spaltpilz in die Gemeinde Gottes gebracht hat, weil man solchen, die aus „Äußerlichkeiten“ ein Hauptthema gemacht haben, nicht schon früh
genug gewehrt hat. Man darf u.E. gar nicht zulassen, dass solche Themen einen so
großen Stellenwert einnehmen (geistliche und einsichtsvolle Brüder sollten
dafür sorgen), da wir ansonsten, ehe wir uns versehen, zwei getrennte Wege
gehen, weil jemand aus einer bestimmten Äußerlichkeit oder einem
Weihnachtsbaum ein Schibboleth (siehe auch „Jephtah
— ein gesetzlicher Richter …“) gemacht hat. Manchmal kann man sogar
hören, dass Dienstgemeinschaft gerade wegen der Äußerlichkeiten abgelehnt
wurde oder gar Geschwister nicht am Abendmahl teilnehmen konnten, weil sie eine
etwas andere Sichtweise zum Thema Kleidung hatten als die, die in der Gemeinde
vorherrschend war.
Es gibt Dinge in dem Wort Gottes, die uns buchstäblich und klar aufgezeigt
werden (z.B.: Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen). Hier
heißt es dann ohne Einschränkung: Es steht geschrieben! Anderes wird uns
(besonders im AT) im Bild vorgestellt, und wir dürfen Anwendungen daraus ziehen.
Aber einer solchen Anwendung darf nicht der Stellenwert der eigentlichen reinen
Lehre der Schrift beigemessen werden. Es gibt viele Punkte in der Schrift, die
thematisiert werden und aus denen es nicht schwer ist, Schlussfolgerungen zu
ziehen. Dann gibt es Dinge, die so gut wie gar nicht in der Schrift angesprochen
werden, z.B. die Kleidungsfrage, und wer solche Lücken füllt, beschäftigt
sich u.E. mit Nebensächlichkeiten und Äußerlichkeiten. Und wenn jemand trotz
guter Belehrung und viel Geduld immer noch aus einem Weihnachtsbaum oder einer
Hose ein Thema machen möchte — wobei eine Entzweiung zwischen Brüdern und
Schwestern oder ganzer Gemeinden entsteht, wenn es auch nicht gleich zu einer
äußerlichen Trennung kommen mag —, dann verhält sich solch ein Bruder, solch
eine Schwester oder solch eine Gemeinde eindeutig sektiererisch. Und einen
sektiererischen Menschen sollen wir nach Titus 3,10 abweisen. Wenn wir uns auch
nicht gleich von solch einem Bruder trennen müssen, dürfen wir ihn aber
einfach nicht noch auf seinem sektiererischen Weg bestärken, indem wir auf eine
solche Diskussion eingehen. Einschränkend muss gesagt werden, dass es
sicherlich auch Geschwister gibt, die in der Kleidungsfrage für sich selbst eine sehr
strenge Einstellung haben, aber sie würden darauf niemals einen Streitpunkt in
der Gemeinde machen. Denn entscheidend ist wohl auch, ob jemand daraus ein „Thema“ machen möchte. In allem gilt das Wort:
„… mit aller Demut
und Sanftmut, mit Langmut, einander ertragend in Liebe“ (Eph 4,2).
Denn so wie wir den anderen ertragen müssen, müssen auch die anderen
vielleicht uns ertragen.
Die vorliegenden Gedanken betreffen vielleicht nur kleinere Gruppen von
Christen aus der gesamten Christenheit. Die allermeisten Christen
haben mit den angesprochenen Punkten wahrscheinlich keine Schwierigkeiten und
schmunzeln vielleicht über diese ganze Diskussion. Dennoch möchten wir alle
zum Nachdenken anregen, ob nicht auch eine gewisse Gefahr besteht, dass der
Unterschied zwischen den Geschlechtern heutzutage nicht doch zu sehr verwischt wird,
und ob wir nicht doch auch in der Gefahr stehen, uns dieser Welt
anzupassen in einer Weise, die nicht mit dem Wort Gottes zu vertreten ist. Und
da sprechen wir nicht zuerst über die Äußerlichkeiten, sondern über unsere Gesinnung. Der Apostel Paulus schreibt in Römer 12,2: „Und seid
nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung
eures Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und
vollkommene Wille Gottes ist.“
Wir möchten uns auch in keiner Weise über solche stellen oder gar lustig
machen, die in dieser Frage eine völlig andere Auffassung haben, aber doch auch
empfehlen, vorliegende Gedanken ernsthaft vor dem Herrn zu erwägen. Dies ist
lediglich ein Versuch, mehr Verständnis füreinander zu gewinnen und aus
diesem Thema nicht allzu schnell ein Streitthema zu machen. Das sollten sowohl solche
bedenken, die in der Kleidungsfrage eher offener sind, als auch solche, die hier
einen engeren Standpunkt vertreten. Römer 14,5 sagt: „Ein jeder aber sei
in seinem eigenen Sinne völlig überzeugt.“
„Geliebte, lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und
jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott“ (1Joh 4,7).
Über allem stehen die Worte: „Ob ihr nun esset oder trinket oder
irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1Kor 10,31-32). Und: „Denn sei es, dass wir leben, wir leben dem Herrn“
(Röm
14,8).
Bei aller Freiheit, die uns Gott, unser Vater, gewährt: Es gibt keinen Bereich in unserem Leben, wo wir
tun könnten, was wir wollen. Selbst die
scheinbar nebensächlichsten Dinge, wie Essen oder Trinken oder eben auch die
Kleidung, sollten zur Ehre Gottes beitragen, und wir sollten diese Dinge im Licht
des zukünftigen Tages des Richterstuhles Christi bedenken.
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