Was sagt die Bibel zum Thema Frauenhaare?
... oder ist das in deiner Gemeinde keine Frage mehr?

SoundWords

© SoundWords, online seit: 23.05.2002, aktualisiert: 14.09.2018

Leitverse: 1. Korinther 11,6.15

1Kor 11,6.15: Denn wenn eine Frau nicht bedeckt ist, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten [keiro] oder sie geschoren [xuaro] werde, so lass sie sich bedecken. … wenn aber eine Frau langes Haar [komä] hat, es eine Ehre für sie ist?

Einleitung

Die oben genannte Bibelstelle ist eine der wenigen, wo wir etwas über das Frauenhaar erfahren. Oberflächlich gesehen müsste das doch die Thematik einfacher machen, so denkt man. Und doch hat gerade diese Bibelstelle schon zu ganz unterschiedlichen Ansichten und Praktiken geführt. Die einen wollen diese Stelle als kulturabhängig und zeitbedingt abtun; die anderen wollen daraus ein Gebot machen, dass die Frauen keinen Millimeter vom Haar abschneiden dürfen; und andere wieder sehen in dem langen Frauenhaar eine von Gott vorgegebene Darstellung der Schöpfungsordnung, die es zu berücksichtigen gilt. Jedenfalls scheint dieses Thema nicht ohne Belang zu sein, sonst hätte der Heilige Geist es wohl nicht für nötig erachtet, uns diese Verse mitzuteilen.

Schöpfungsordnung

Zuerst müssen wir uns die Frage stellen, warum Gott dieses Thema so wichtig war, dass Er uns seine Gedanken mitgeteilt hat. Wir glauben, dass dieses Thema deshalb eine gewisse Bedeutung hat, weil die Schöpfungsordnung Gottes aufrechterhalten werden sollte. Von jeher war es nach Gottes Gedanken, dass der Unterschied zwischen Mann und Frau gesehen wurde. Das sollte unbedingt zuerst im Verhalten sichtbar werden, wobei natürlich die Kleidung auch nicht davon ausgeschlossen ist. Ohne jetzt in die Tiefe zu gehen, hatte Gott auch schon im Alten Testament dem Mann andere Aufgaben zugedacht als der Frau. So finden wir das auch durchgängig im Neuen Testament. So zeigt uns 1. Korinther 11, dass dies im rein äußerlichen Verhalten auch sichtbar werden sollte, wie uns zum Beispiel auch 1. Petrus 3 zeigt, dass dieser Unterschied auch im Verhalten der Frau dem Mann gegenüber gesehen werden sollte. Denken wir auch noch daran, dass Gott Mann und Frau schuf, dass Er der Schöpfer ist. Alles war sehr gut, wie es uns die Bibel mehrfach in 1. Mose 1 berichtet.

Doch der paradiesische Zustand hielt nicht lange an; der Mensch übertrat das einzige Gebot, das Gott ihm gegeben hatte. Die Frau verließ ihre Position, die Gott ihr mit auf den Weg gegeben hatte, und ergriff zum falschen Zeitpunkt die Initiative, indem sie auf den durch die Schlange sprechenden Gegenspieler Gottes hörte, und der Mann – nicht besser als die Frau! – folgte ihr darin (s. 1Mo 3). Die Sünde kam in die Welt, und es erfüllte sich genau das, was Gott dem Menschen vorhergesagt hatte: „Aber von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du gewisslich sterben.“ Seitdem ist nicht nur die Sünde und der Tod in der Welt, sondern auch jegliche Bereitschaft im Menschen, sich den Anordnungen Gottes zu widersetzen. Der Zustand des Menschen ist so hoffnungslos, dass es in Römer 8,7 heißt: „weil die Gesinnung des Fleisches [= des natürlichen Menschen] Feindschaft ist gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht“. In unserem Fall bedeutet dies auch, dass eine Kultur ohne Gott – bewusst oder unbewusst – auch die Schöpfungsordnung bezüglich Mann und Frau ins Gegenteil verkehren wird (auch hinsichtlich äußerer Dinge wie den Haaren). Der Mensch von seiner natürlichen Veranlagung steht nicht mit Gott in Verbindung. Die Bibel sagt in Epheser 2,1-3:

  • Eph 2,1-3: … auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, … indem wir den Willen des Fleisches [= des natürlichen Menschen] und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren, wie auch die übrigen.

Der gleiche Brief zeigt uns jedoch auch die Lösung und die Rettung vor diesem Eigenwillen und Zorn:

  • Eph 2,8: Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittelst des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es.

Oder wir denken an:

  • Röm 6,2: Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.

Wenn wir an Christus glauben und unsere Schuld (= ein Leben ohne Gott gelebt zu haben) zu Ihm bringen, schenkt Er uns ein neues Leben, eine neue Natur, mit der es möglich ist, die Anweisungen Gottes zu verstehen und sie gerne zu unserer und seiner Freude auszuführen. Und dann sind wir nicht mehr Kinder des Zorns, sondern Kinder Gottes, eines Gottes, der „so sehr die Welt geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe“ (Joh 3,16).

Kulturabhängig?

Wir wollen zuerst sehen, ob das Argument, dieses Thema sei kulturabhängig, wirklich stichhaltig ist und einer genauen Betrachtung standhält oder ob man bei diesem Argument am Ende mehr Fragen als Antworten hat.

Der Heilige Geist hat in der Apostelgeschichte darauf hingewiesen, dass die ersten Christen alles verkauften und auch alles zusammenlegten, und doch hält man sich heute kaum noch an diese Handhabung. Man argumentiert zu Recht, dass diese Handhabung zeitbedingt gewesen sei. Selbst der Apostel Paulus scheint den Unterschied zwischen Reich und Arm völlig respektiert und auch als von Gott zugelassen angesehen zu haben (1Tim 6,17). Aber kann man dies auch auf das lange Frauenhaar anwenden? Können wir einfach sagen, dass es in der damaligen Kultur einfach so war und dass man das Frauenhaar in der heutigen Zeit eben auch an dem entsprechenden Schnitt erkennen kann, wobei es dann möglich ist, dass die Haare sehr kurz gehalten sind?

Wir glauben, dass es zu einfach ist, 1. Korinther 11 mit dem Kulturargument aus der Bibel auszuradieren. Und wir glauben weiter, dass wir dafür einen zu deutlichen Hinweis gerade in diesem Abschnitt haben. In 1. Korinther 11,10 heißt es, dass die Frau ein Zeichen der Macht auf dem Kopf haben sollte „um der Engel willen“. Sollte die Kopftuchthematik oder auch die Lange-Haare-Thematik wirklich kulturabhängig gewesen sein, dann würde der Vers 10 („um der Engel willen“) keinen Sinn ergeben, denn es ist wohl kaum anzunehmen, dass Engel „kulturabhängige Wesen“ sind. Aus diesem eigentlich ganz simplen Grund werden wir diesen Gedanken nicht weiter verfolgen. Wir haben im Gegenteil den Eindruck, dass man sich des elften Kapitels oftmals entledigen möchte, weil sein Inhalt heutzutage für manche Frauen recht problematisch ist. Jedenfalls möchten wir dem Wort weder etwas wegnehmen noch etwas hinzufügen. Das ist die heilige Verantwortung eines jeden Bibelauslegers, aber auch Bibellesers.

Es sei jedoch auch noch auf einen ganz bemerkenswerten Sachverhalt hingewiesen, der so nur im ersten Korintherbrief zu beobachten ist, also gerade in dem Brief, der im Laufe der Geschichte so sehr umstritten war und ist. So heißt es direkt im zweiten Vers: „den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen“ (1Kor 1,2), und in 1. Korinther 4,17: „gleichwie ich überall in jeder Versammlung lehre“, und in 1. Korinther 7,17: „Und also verordne ich in allen Versammlungen“, und in 1. Korinther 14,37 zum Thema „Schweigen der Frauen“: „Das, was ich euch schreibe, ist ein Gebot des Herrn“, und zuletzt in 1. Korinther 16,1: „Wie ich den Versammlungen von Galatien verordnet habe, also tut auch ihr.“

Natürlich ist es wichtig, den jeweiligen Zusammenhang gut zu beachten, aber will der Heilige Geist uns hier nicht etwas mitteilen? Kann man nun wirklich dieses elfte Kapitel mit dem Argument „kulturabhängig“ beiseiterücken? Woher sollten wir wissen, dass das Brotbrechen, das ja im gleichen Kapitel von Paulus bestätigt wird, dann nicht auch bloß „kulturabhängig“ war?

Keinen Millimeter abschneiden?

Nun fordern andere, weil sie auch das Kulturargument ablehnen, die Frau dürfe aber keinen Millimeter von den Haaren abschneiden. Jede Frau solle also ihr Haar „frei wachsen lassen“. Auch hier wollen wir uns wieder ganz eng an Gottes Wort binden und nicht weitergehen, als die Schrift uns sagt. Wir wissen um Argumente, wo man über bestimmte Schlussfolgerungen zu dem Ergebnis kommen könnte, dass die Frau wirklich keinen Millimeter vom Haar abschneiden sollte. Ein Argument ist zum Beispiel die Anwendung des Nasiräers, seine Stellung und Hingabe und das damit verbundene Gebot, die Haare niemals zu schneiden. Dies ist jedoch lediglich eine Anwendung, und an anderer Stelle haben wir schon darauf hingewiesen, dass man Anwendungen niemals auf die gleiche Stufe mit der Lehre der Schrift setzen darf und deshalb sehr behutsam damit umgehen muss. Dennoch respektieren wir natürlich jede Frau, die dies so für sich aus der Schrift liest und es aus Liebe zum Herrn auch so praktiziert. Aber wir wollen uns in der Folge damit beschäftigen, was nun wirklich in 1. Korinther 11 steht.

Wir kommen dabei nicht an einer etwas technischen Betrachtungsweise vorbei. Wir müssen untersuchen, wo die Worte „abgeschnitten“ (griech. keiro) und „geschoren“ (griech. xuaro) noch im Neuen Testament vorkommen, um ihre Bedeutung zu erfassen. Jedenfalls könnte man nach der Elberfelder Übersetzung wirklich zu dem Schluss kommen, dass eine Frau keinen Millimeter vom Haar abschneiden sollte, wenn man das Wort „geschoren“ gleichsetzt mit „Haare komplett entfernen“ und dann argumentiert, dass das Wort „abgeschnitten“ dann wohl bedeuten müsse, dass von den Haaren noch etwas stehenbleibt. Bei einer genaueren Wortstudie wird diese Schlussfolgerung jedoch eher fragwürdig.

Was heißt „abgeschnitten“ (griech. keiro) wirklich und wo kommt dieses Wort im Neuen und Alten Testament vor?

Im Neuen Testament

Vorkommen im NT

Bedeutung

Apostelgeschichte 8,32

Die Stelle der Schrift aber, welche er las, war diese: „Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer [keiro], also tut er seinen Mund nicht auf.“

scheren, geschoren

Apostelgeschichte 18,18

Nachdem aber Paulus noch viele Tage geblieben war, nahm er Abschied von den Brüdern und segelte nach Syrien ab, und mit ihm Priscilla und Aquila, nachdem er zu Kenchreä das Haupt geschoren [keiro] hatte, denn er hatte ein Gelübde.

scheren, geschoren

1. Korinther 11,6 (2x)

Denn wenn eine Frau nicht bedeckt ist, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber für ein Weib schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten [keiro] oder sie geschoren werde, so lass sie sich bedecken.

Mit „abschneiden“ übersetzt (im ersten Fall würde auch sehr gut das deutsche Wort „geschoren“ passen! Das würde den Unwillen des Paulus in dieser Stelle noch unterstützen).

Wir sehen schon, dass eine Argumentation allein aus dem Neuen Testament sehr schwierig werden würde, da es nur sehr wenige Stellen gibt, wo das gleiche Wort noch einmal vorkommt. Jedoch halten wir fest, dass in den beiden Stellen – neben 1. Korinther 11 – die Bedeutung beide Male „geschoren“ ist, was so viel bedeutet wie „Haare komplett ab“.

Nun wissen wir, dass das Alte Testament zum größten Teil in hebräischer Sprache geschrieben wurde, so dass uns auch hier scheinbar keine Bibelstellen weiterhelfen werden. Doch hatte die sog. Septuaginta [AT-Übersetzung in griechischer Sprache] bei den Juden einen sehr hohen Stellenwert, so dass sogar der Herr Jesus einige Male aus der Septuaginta zitiert. Also wollen wir auch einmal dort nachforschen, wo das Wort keiro in der Septuaginta auftaucht:

Im Alten Testament

Vorkommen im AT (Septuaginta)

Bedeutung

1. Mose 31,19:

Und Laban war gegangen, um seine Schafe zu scheren [keiro]; und Rahel stahl die Teraphim, die ihr Vater hatte.

scheren

1. Mose 38,12:

Als der Tage viele geworden, da starb die Tochter Schuas, die Frau Judas. Und als Juda getröstet war, ging er zu seinen Schafscherern [keiro] hinauf, er und Hira, sein Freund, der Adullamiter, nach Timna.

scheren

5. Mose 15,19:

Alles männliche Erstgeborene, das unter deinen Rindern unter deinem Kleinvieh geboren wird, sollst du Jahwe, deinem Gott, heiligen. Du sollst mit dem Erstgeborenen deines Rindes nicht arbeiten, und du sollst das Erstgeborene deines Kleinviehes nicht scheren [keiro].

scheren

Hohelied 4,2:

Deine Zähne sind wie eine Herde geschorener [keiro] Schafe, die aus der Schwemme heraufkommen, welche allzumal Zwillinge gebären, und keines unter ihnen ist unfruchtbar.

geschoren

Jesaja 53,7

Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamme, welches zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern [keiro]; und er tat seinen Mund nicht auf.

scheren

2. Samuel 14,26

Und wenn er sein Haupt scheren ließ – es geschah nämlich von Jahr zu Jahr, dass er es scheren [keiro] ließ, denn es war ihm zu schwer, und so ließ er es scheren [keiro] –, so wog sein Haupthaar zweihundert Sekel, nach dem Gewicht des Königs.

scheren

Hiob 1,20

Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor [keiro] sein Haupt; und er fiel zur Erde nieder und betete an.

scheren

Micha 1,16 (zweites Wort; in Verbindung mit Glatze)

Mache dich kahl und schere [keiro] dich um der Kinder deiner Wonne willen, mache deine Glatze breit wie die des Geiers; denn sie sind von dir hinweggeführt.

scheren

Wir sehen aus dieser Vielzahl von Stellen, dass bei keinem Vorkommen daran gedacht wurde, dass irgendetwas nur „ein wenig abschnitten“ wurde, sondern es immer bedeutete, dass „alles abgeschnitten“ wurde. Also halten wir fest, dass man allein aus dem Wort Gottes (ohne Schlussfolgerung) nicht zu der Erkenntnis kommt, dass die Frau keinen Millimeter vom Haar abschneiden darf. Wir sagen damit nicht, dass eine Frau verkehrt handelt, wenn sie keinen Millimeter vom Haar abschneidet. Aber jedenfalls würde man verkehrt handeln, wenn man von einer Frau dies aufgrund von 1. Korinther 11,6 verlangen würde. Das würde bedeuten, dem Wort etwas hinzufügen.

Was heißt „geschoren“ (griech. xuaro) und wo kommt dieses Wort vor (im AT und NT)?

Um jedoch unsere Wortstudie zu vervollständigen, wollen wir auch noch sehen, an welchen Stellen das zweite Wort „geschoren“ (griech. xuaro) sowohl im Neuen Testament wie auch in der Septuaginta vorkommt (wiewohl dieses Wort schon in der deutschen Bedeutung eigentlich klar ist; es bedeutet: „alles ab“).

Vorkommen im NT

Bedeutung

Apostelgeschichte 21,24

Diese nimm zu dir und reinige dich mit ihnen und trage die Kosten für sie, damit sie das Haupt scheren [xuaro] lassen; und alle werden erkennen, dass nichts an dem ist, was ihnen über dich berichtet worden, sondern dass du selbst auch in der Beobachtung des Gesetzes wandelst.

scheren; dieselbe Handlung wie Apg 18,18 (s.o.)

1. Korinther 11,5

Jede Frau aber, die betet oder weissagt mit unbedecktem Haupte, entehrt ihr Haupt; denn es ist ein und dasselbe, wie wenn sie geschoren [xuaro] wäre {w. sie ist … wie die Geschorene}.

geschoren

1. Korinther 11,6

Denn wenn eine Frau nicht bedeckt ist, so werde ihr auch das Haar abgeschnitten; wenn es aber für ein Weib schändlich ist, dass ihr das Haar abgeschnitten oder sie geschoren [xuaro] werde, so lass sie sich bedecken.

geschoren

Vorkommen im AT (Septuaginta)

Bedeutung

1. Mose 41,14

Da sandte der Pharao hin und ließ Joseph rufen; und sie ließen ihn eilends aus dem Kerker gehen. Und er schor [xuaro] sich und wechselte seine Kleider und kam zu dem Pharao.

scheren

3. Mose 13,33

… so soll er sich scheren [xuaro]; aber den Schorf soll er nicht scheren; und der Priester schließe den, der den Schorf hat, zum zweiten Male sieben Tage ein.

scheren

3. Mose 14,8

Und der zu reinigen ist, soll seine Kleider waschen und all sein Haar scheren [xuaro] und sich im Wasser baden; und er ist rein. Und danach darf er ins Lager kommen, aber er soll sieben Tage außerhalb seines Zeltes bleiben.

scheren

3. Mose 21,5 (in Verbindung mit Glatze; s. Micha 1,16)

Sie sollen keine Glatze auf ihrem Haupt machen, und den Rand ihres Bartes sollen sie nicht abscheren [xuaro], und an ihrem Fleische sollen sie keine Einschnitte machen.

scheren

4. Mose 6,9.18.19

9 Und wenn jemand unversehens, plötzlich, bei ihm stirbt, und er das Haupt seiner Weihe verunreinigt, so soll er sein Haupt an dem Tage seiner Reinigung scheren [xuaro]; am siebten Tage soll er es scheren.

18 Und der Nasir soll an dem Eingang des Zeltes der Zusammenkunft das Haupt seiner Weihe scheren [xuaro] und das Haar des Hauptes seiner Weihe nehmen und es auf das Feuer legen, das unter dem Friedensopfer ist.

19 Und der Priester nehme den gekochten Bug von dem Widder und einen ungesäuerten Kuchen und einen ungesäuerten Fladen aus dem Korbe und lege sie auf die Hände des Nasirs, nachdem er das Zeichen seiner Weihe geschoren [xuaro] hat.

scheren

5. Mose 21,12

… so sollst du sie in das Innere deines Hauses führen; und sie soll ihr Haupt scheren [xuaro] und ihre Nägel beschneiden

scheren

Richter 16,17

Und er tat ihr sein ganzes Herz kund und sprach zu ihr: Kein Schermesser ist auf mein Haupt gekommen, denn ein Nasir Gottes bin ich von Mutterleibe an; wenn ich geschoren [xuaro] würde, so würde meine Stärke von mir weichen, und ich würde schwach werden und würde sein wie alle Menschen.

scheren

2. Samuel 10,4

Da nahm Hanun die Knechte Davids und ließ ihnen die Hälfte des Bartes abscheren [xuaro] und ihre Oberkleider zur Hälfte abschneiden, bis an ihre Gesäß; und er entließ sie.

scheren; das Wort „abschneiden“ in diesem Vers ist nicht gleichbedeutend mit dem Wort „abgeschnitten“ in 1. Korinther 11,6!

1. Chronika 19,4

Da nahm Hanun die Knechte Davids und ließ sie scheren [xuaro], und ihre Oberkleider zur Hälfte abschneiden bis ans Gesäß; und er entließ sie.

scheren; das Wort „abschneiden“ in diesem Vers ist nicht gleichbedeutend mit dem Wort „abgeschnitten“ in 1. Korinther 11,6!

Jesaja 7,20

An jenem Tag wird der Herr durch ein gedungenes Schermesser, auf der anderen Seite des Stromes, durch den König von Assyrien, das Haupt und das Haar der Beine abscheren [xuaro]; ja, auch den Bart wird es wegnehmen.

scheren

Jeremia 16,6

Und Große und Kleine werden in diesem Lande sterben, ohne begraben zu werden; und man wird nicht um sie trauern, und sich nicht ritzen und sich nicht kahl scheren [xuaro] ihretwegen.

scheren

Hesekiel 44,20

Und sie sollen weder ihr Haupt kahl scheren [xuaro], noch auch das Haar frei wachsen lassen; sie sollen ihr Haupthaar schneiden.

kahl scheren; das Wort „schneiden“ kann in der Septuaginta nicht nachgeschlagen werden, da dieser Versteil dort ziemlich anders übersetzt ist.

Micha 1,16

Mache dich kahl [xuaro] und schere dich um der Kinder deiner Wonne willen, mache deine Glatze breit wie die des Geiers; denn sie sind von dir hinweggeführt.

kahl (erstes Wort; in Verbindung mit Glatze)

Ergebnis der Wortstudie

Bei einer genauen Betrachtung der obigen Tabellen fällt auf, dass die Worte „abgeschnitten“ und „geschoren“ in 1. Korinther 11,6 dasselbe bedeuten. Sie sind durchaus austauschbar. Damit stellt sich natürlich die Frage: Warum benutzt der Heilige Geist hier zwei verschiedene Wörter für ein und dieselbe Sache? Eine mögliche Antwort wäre, dass der Apostel Paulus hier seine Aussage verstärken möchte, so wie wir zum Beispiel sagen: „Wir leben in einer argen und bösen Welt“, oder: „Das ist aber ungeheuerlich schlimm.“ Man könnte auch lesen: „Wenn es aber für eine Frau schändlich ist, dass ihr das Haar geschoren (keiro) oder rasiert (xurao) wird, so lass sie sich bedecken.“ Interessanterweise werden diese Ausdrücke (griech. keiro und xurao) auch beide so in Micha 1,16 für ein und dieselbe Sache verwendet. „Mache dich kahl {geschoren = xuaro} und schere {abgeschnitten = keiro} dich um der Kinder deiner Wonne willen, mache deine Glatze breit wie die des Geiers; denn sie sind von dir hinweggeführt.“ Beide Worte werden in Verbindung mit einer Glatze gebraucht!

Eine andere Möglichkeit, warum der Apostel hier verschiedene Wörter gebraucht, könnte sein, dass er auf die verschiedenen Werkzeuge (in jener Zeit) beim Scheren hinweisen möchte: auf das (komplette) Abschneiden der Haare mit einer Art Schere und das Kahlscheren/Rasieren mit dem Schermesser.

Wörterbuchdefinition „abgeschnitten“ = keiro

Im griechischen Lexikon heißt es über das Wort keiro: scheren, abschneiden, abmähen (stets in Verbindung mit Schafschur oder in Verbindung mit einem Gelübde, wobei derjenige, der das Gelübde tat, sich seinen Kopf kahl scheren ließ).

Hesekiel 44,20

Spricht Hesekiel 44,20 für die These, dass es sich in 1. Korinther 11,6 darum handelt, dass eine Frau keinen Millimeter vom Haar abschneiden sollte?

In Hesekiel 44,20 werden drei Dinge in Verbindung mit dem Haareschneiden gebracht: „Und sie [die Priester] sollen weder ihr (1) Haupt kahl scheren noch das (2) Haar frei wachsen lassen; sie sollen ihr (3) Haupthaar schneiden.“

Man sagt: Grundsätzlich gibt es folgende drei Möglichkeiten:

  1. das Haupt kahl scheren
  2. das Haar frei wachsen lassen
  3. das Haupthaar schneiden

Nun wird argumentiert, eine Frau dürfe ihr (1) Haupt nicht kahl scheren und (3) ihr Haar nicht schneiden (siehe 1Kor 11,6: „abschneiden“ und „geschoren“). Folglich sollen die Frauen (2) ihr Haar frei wachsen lassen (d.h., man meint: keinen Millimeter schneiden!), denn eine andere Möglichkeit gäbe es schließlich nicht. Bei dieser Auslegung bleibt aber zu beweisen, dass das Wort für (3) „Haupthaar schneiden“ das gleiche ist wie in 1. Korinther 11,6 („abschneiden“ oder keiro). Das kann leider nicht anhand der Septuaginta nachgeprüft werden, da dieser Vers in der griechischen Septuaginta nicht so enthalten ist. Nach unserem Dafürhalten würde dort jedoch nicht dasselbe Wort stehen können, da die ganze Schrift (ohne Ausnahme) zeigt, dass das Wort „abgeschnitten“ (keiro) (aus 1Kor 11,6) immer die Bedeutung von „scheren“ hat (siehe oben).

Im Weiteren muss nachgewiesen werden, dass das Wort „frei wachsen lassen“ (Hes 44,20) wirklich bedeutet: „keinen Millimeter abschneiden“. In der ersten Bedeutung wird dieses Wort mit „aussenden“ oder „wegschicken“ oder „ausstrecken“ übersetzt. Nur in Hesekiel 44,20 wird dieses Wort mit „frei wachsen lassen“ übersetzt.

Was bedeutet „langes Haar“ in 1. Korinther 11,15?

Bedeutet „langes Haar“ (griech. komä) „frei wachsendes Haar“ (also keinen Millimeter schneiden)?

Vorkommen im NT

Bedeutung

1. Korinther 11,14

Oder lehrt euch nicht auch selbst die Natur, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Unehre für ihn ist …


Elberf.: Langes Haar
Luth: Haare lang wachsen lassen

1. Korinther 11,15

… wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Weil das Haar ihr anstatt eines Schleiers gegeben ist.


Elberf.: Langes Haar
Luth: Langes Haar

Vorkommen im AT (Septuaginta)

Bedeutung

3. Mose 19,27

Ihr sollt nicht den Rand eures Haupthaares rund scheren, und den Rand deines Bartes sollst du nicht zerstören.


Haupthaar (gemeint ist das geschnittene Haar des Priesters!)

4. Mose 6,5

Alle die Tage des Gelübdes seiner Absonderung soll kein Schermesser über sein Haupt gehen; bis die Tage erfüllt sind, die er sich für Jahwe absondert, soll er heilig sein; er soll das Haar seines Hauptes frei wachsen lassen.

Haupt (allgemeine Bedeutung ohne eine Angabe, ob geschnitten oder ungeschnitten)

Hiob 1,20

Da stand Hiob auf und zerriss sein Gewand und schor sein Haupt; und er fiel zur Erde nieder und betete an.

Haupt (Hiob stand auf und schor sein Haupt; er wird sicherlich vorher kein frei wachsendes Haar gehabt haben!)

Hesekiel 24,23

Und eure Kopfbunde werden auf euren Häuptern sein, und eure Schuhe an euren Füßen; ihr werdet nicht klagen und nicht weinen, sondern werdet hinschwinden in euren Missetaten, und seufzen einer gegen den anderen.

Häuptern (allgemeine Bedeutung)

Hesekiel 44,20

Und sie sollen weder ihr Haupt kahl scheren, noch auch das Haar frei wachsen lassen.


Haar – in diesem Fall übrigens auf einen Mann bezogen – (wie 4Mo 6,5)

Wörterbuchdefinition „langes Haar“ = komä

Walter Bauer übersetzt in seinem Wörterbuch zum Neuen Testament (5. Aufl. 1971) komä mit „Haar v. Frauenhaar“ und komao (nach der Elberfelder Übersetzung das griechische Wort für „langes Haar haben“) mit „langes Haar haben, sich das Haar lang wachsen lassen“.

Wir sehen also auch hier, dass (1) das Wort für „langes Haar“ nicht unbedingt „frei wachsendes Haar“ (also keinen Millimeter ab!) bedeuten muss; dass es (2) sogar die Bedeutung hat von „überhaupt Haare (haben)“ im Gegensatz zu „überhaupt keine Haare (haben)“ (Hiob 1,20) und dass (3) dieses Wort sogar eine komplett andere Bedeutung haben kann, wie aus Hesekiel 24,23 zu ersehen ist. Der Zusammenhang muss also jeweils entscheiden, was gemeint ist.

So halten wir wieder fest: Die Schrift lehrt, dass es für eine Frau eine Schande ist, wenn sie sich die Haare komplett abschneiden/abrasieren lässt (1Kor 11,6). Im Gegenteil ist es eine Ehre für die Frau, wenn sie langes Haar hat (1Kor 11,15). Dies stimmt mit der Schöpfungsordnung Gottes überein (siehe oben). So kann 1. Korinther 11,6 nicht als Argument für die Theorie herhalten, eine Frau dürfe keinen Millimeter von ihren Haaren abschneiden, zumal ein deutlicher Hinweis in der Schrift fehlt, dass selbst eine AT-Frau grundsätzlich unbeschnittenes Haar haben musste.

Tut alles zur Ehre Gottes!

Auf der anderen Seite dient das kurze Haar der Frau ihr nicht zur Ehre. Manchmal hört man das Argument: „Es ist ja nicht so schlimm, wenn ich als Frau kurzes Haar trage, denn Gott hat das ja nicht verboten, es ist mir nur nicht zur Ehre.“ In allen Dingen wollen wir uns aber in Erinnerung rufen, dass es auch im ersten Korintherbrief nur ein Kapitel vorher heißt: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgend etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1Kor 10,31). Ist es da wirklich zur Ehre Gottes, wenn eine gläubige Frau etwas tut (wenn sie sich bewusst entehrt), wovon Gott sagt, dass es eine Schande für eine Frau ist? Wenn sie zudem ihr eigenes Haupt entehrt, entehrt sie dann nicht damit auch ihren Mann, der schließlich „ihr Haupt“ ist und für sich genommen wiederum Christus in der Schöpfungsordnung Gottes repräsentiert?

Eine Frau sollte auch in diesen Dingen treu sein und nicht denken, dass dies ein Bereich ist, wo sie tun und lassen kann, was sie will, sondern eine geistliche Frau wird immer zuerst nach dem Willen Gottes fragen und nach seiner Ehre Ausschau halten. Dann fragt sie nicht danach, was Gott verboten hat, sondern was der Vater von ihr wünscht. Und wir können es nicht anders sehen, als dass – wenn Gott der Frau das lange Haar zur Ehre gegeben hat – es nicht zur Ehre und Freude Gottes ist, wenn sie dieses Geschenk ablehnt. Ist es nicht auch eine Gnade, dass Gott uns sogar über solch scheinbare Nebensächlichkeiten nicht im Unklaren lässt? Und dass Er uns hierbei eine weitere Möglichkeit gibt, seinen Willen zu respektieren und aus Liebe zu Ihm ihn auch zu tun?

Ist es nicht auch ganz eigenartig, dass im ganzen Tierreich die männliche Seite in der Regel der schönere Teil ist (z.B. Löwen, Enten usw.) und dass das bei den Menschen – in der Regel – genau umgekehrt ist? Und ist es da nicht auch schön, zu sehen, dass Gott diese Schönheit und Herrlichkeit besonders in dem langen Haar sieht? Liebe Schwestern, liebe Teenies, freut euch darüber, dass der Schöpfer euch das lange Haar gegeben hat.

Noch ein anderes Argument kann man manchmal hören: „Meine langen Haare haben so viel Spliss und sehen gar nicht gut aus, und das soll eine Ehre für mich sein? Meine Kurzhaarfrisur dagegen sieht wirklich gut aus, das ist viel mehr eine Ehre für mich.“ Wir haben menschlich gesprochen natürlich Verständnis für solch eine Aussage, aber ist einer Frau wirklich klar, was sie damit sagen würde? Damit kann jede Frau für sich festlegen, was ihr zur Ehre gereicht und was nicht. Man setzt sich über den Maßstab Gottes hinweg und bestimmt selbst, welchen moralischen Wert eine Angelegenheit hat. Die Frau, die so argumentiert, stellt sich damit letztlich über Gott (sicher oft unbewusst). Es geht ja auch gar nicht um Ehre vor der Welt, da mag eine Kurzhaarfrisur vielleicht besser ankommen. Es geht um die Ehre vor Gott, den Engeln und den Mitchristen.

Wenn Gläubige trotz der oben gegebenen Erläuterungen glauben, dass die Heilige Schrift lehre, eine Frau dürfe unter keinen Umständen etwas von ihren Haaren abschneiden, dann sollte es jedoch darüber keine Streitigkeiten geben, denn „diese Gewohnheit haben wir nicht noch die Versammlungen Gottes“ (1Kor 11,16).

Weitere Artikel in der Kategorie Fragen (96)

Weitere Artikel des Autors SoundWords (95)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...