Die Schöpfungsordnung von Mann und Frau
1. Mose 1–3

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 27.12.2020, aktualisiert: 04.02.2021

Leitverse: 1. Mose 1–3

Einleitung

Vor einiger Zeit habe ich eine Buchkritik zu dem Buch von Philip Nunn Sollten Schwestern schweigen? geschrieben. Meine Buchkritik hat den Titel Sollten Schwestern schweigen? – Prüfe die Argumente. In diesem Buch gehe ich auf jene Bibelstellen im Neuen Testament besonders ein, in denen das Thema der Rolle der Frau im Kontext der Gemeinde bzw. im christlichen Zeugnis behandelt wird: Apostelgeschichte 2; 1. Korinther 11; 14 und 1. Timotheus 2.

Ich ging damals nicht auf 1. Mose 1 bis 3 ein, weil ich dachte, dass hierin weitgehend Konsens bestehe. Auch in dem Buch Gemeinsam gesegnet von Ulrich Neuenhausen fand ich überwiegend viel Übereinstimmung im Blick auf 1. Mose 1 bis 3. Allerdings kommen beide Brüder zu völlig anderen Schlussfolgerungen, weshalb ich versuchen möchte, einige Gedanken in diesem Artikel noch zu diesem Bibelabschnitt zu schreiben, soweit sie die Schöpfungsordnung von Mann und Frau betreffen. Denn mein Eindruck ist, dass wir zwar viele Dinge ähnlich beurteilen, dass es aber vielleicht doch noch Dinge gibt, die darüber hinaus von existentieller Bedeutung sind. Eines muss jedem aufmerksamen Bibelleser klar sein: Wer die obigen Bibelstellen im Neuen Testament verstehen will, wird zumindest eine große Unterstützung erhalten, wenn er sich gründlich mit 1. Mose 1 bis 3 beschäftigt. Besonders Paulus argumentiert in der „Frauenfrage“ häufig mit der Schöpfungsordnung und sogar mit dem Sündenfall – übrigens nicht nur in der „Frauenfrage“.

Wir haben in den ersten Kapiteln der Bibel mit den Anfängen der Schöpfung zu tun und können erwarten, dass uns hier grundlegende Elemente für das Zusammenleben als Mann und Frau offenbart werden. Dabei handelt es sich um Grundsätze, die einfach in diese Schöpfung mit hineingelegt wurden. Wenn wir diese Kapitel gut verstehen, dann werden uns die schwierigen Stellen im Neuen Testament bezüglich Mann und Frau im Kontext der christlichen Gemeinde verständlicher erscheinen.

Die Schöpfungsordnung von Mann und Frau

1Mo 1,26: Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf der Erde regt!

Am sechsten Schöpfungstag schuf der dreieine Gott den Menschen. Wie geheimnisvoll sind diese Worte: „Lasst uns … in unserem Bild, nach unserem Gleichnis“. Hier dürfen wir sicherlich an die drei Personen der Gottheit denken: Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der Heilige Geist.

Aber es gibt noch weitere Gedanken, die hoffentlich unser Herz bewegen werden und die wir nur fassen können, wenn wir Christus hineinbringen. Das hebräische Wort für „Menschen“ in Vers 26 ist „adam“ (Einzahl!). Eigentlich steht hier: „Lasst uns Adam machen.“ Wenn Gott den Menschen „machen“ wollte, dann sollte in diesem Menschen, in Adam, auch die Frau eingeschlossen sein. Hier stehen also nicht zuerst zwei unterschiedliche Menschen vor uns, sondern der Mensch als Mann und Frau. Später, nach dem Sündenfall in Kapitel 3, heißt es: „Denn Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren“ (1Mo 3,19). Obwohl Eva aus der Rippe des Mannes geformt wurde, gilt für sie dieser Vers in gleicher Weise, denn sie war ein Teil von Adam und somit ebenfalls aus Staub. So lesen wir es dann auch im nächsten Vers:

1Mo 1,27: Und Gott schuf den Menschen [adam] in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.

Der Mensch im Schöpfungswerk Gottes ist also einer, „im Bild Gottes schuf er ihn“, aber darin sind Mann und Frau eingeschlossen. Wie großartig, dass wir in Römer 5,14 lesen, dass Adam „ein Vorbild des Zukünftigen ist“. Als der Mensch [Adam] geschaffen wurde, gab es noch keine Eva, er war zuerst noch unvollständig. Erst am Ende von 1. Mose 2 lesen wir von der Erschaffung der Frau. Aber schon in 1. Mose 1,27.28 war die Frau bereits mit in den Segen und die Regierung eingeschlossen.

So war es auch bei dem „letzten Adam“ (1Kor 15,45), dem Herrn Jesus, und den Gliedern seiner Gemeinde. Natürlich lernen wir aus dem Epheserbrief, dass nicht die Gemeinde an sich vor Grundlegung der Welt auserwählt wurde, sondern der Gläubige ganz individuell. Dennoch finden wir hier einen ähnlichen Gedanken, nämlich dass die Gläubigen der Gemeinde bereits vor aller Zeit „in Christus“ eingeschlossen waren (vgl. Eph 1,4). Bevor der Gläubige überhaupt geboren war, hatte Gott ihn bereits in Christus erwählt und in Christus sollte er gesegnet werden. Christus würde einmal das Haupt über alles sein, er würde nach Psalm 8 nicht nur die Herrschaft über alles auf der Erde antreten, sondern auch über alles in den Himmeln, wobei die Gemeinde, der Leib Christi, dann „die Fülle dessen [ist], der alles in allem erfüllt“ (Eph 1,23). So wie Christus einmal seine Herrschaft über alles antreten wird, wird auch die Gemeinde, „die sein Leib ist“ (Eph 1,23), mit Ihm diese Herrschaft teilen. Diesen Plan, was die Herrschaft über die Erde betrifft, hatte Gott bereits mit dem ersten Adam, aber verwirklicht ihn in dem „letzten Adam“ (Christus). Es fällt uns nicht schwer, anzuerkennen, dass der Herr Jesus in dieser Herrschaft einen Platz des Vorranges einnimmt (vgl. Kol 1,18). Das ist nicht unwichtig, wenn wir diesen Tatbestand auf die Rolle von Mann und Frau übertragen.

An dieser Stelle können wir schon etwas über Herrschaft und Hauptschaft lernen. Das sind zwei Begriffe, die wir besonders bei dem uns beschäftigenden Thema nicht verwechseln dürfen. Bei dem Wort „Herrschaft“ geht es grundsätzlich um Gehorsam und im ungünstigsten Fall auch dann, wenn ich nicht verstehe, warum ich gehorchen soll – das trifft besonders in dieser Zeit zu, wo die Sünde in der Welt noch nicht beseitigt ist. Wir müssen der Obrigkeit gehorchen, denn sie hat die Herrschaft über uns von Gott erhalten, auch wenn uns das nicht immer passt und wir manches nicht verstehen (vgl. Röm 13,1-8). Wenn wir jedoch von „Hauptschaft“ reden, denken wir mehr an eine organische Verbindung. Wenn mein Kopf (Haupt) zu meinem Arm sagt: „Tue dieses oder tue jenes“, dann will mein Arm genau das und weiß auch sofort, was der Kopf meint. Da ist völliges, gegenseitiges Verständnis. So ist die Beziehung des Herrn Jesus zu seiner Gemeinde – Er ist das Haupt, wir sind die Glieder und so ist es im besten Fall auch mit Mann und Frau.

In Bezug auf unser Thema wollen wir festhalten, dass Mann und Frau ein Abbild von Christus und der Gemeinde sein dürfen (Eph 5,32). Es ist wunderbar, dass Gott bereits in dem ersten Ehepaar, gleich auf den ersten Seiten der Bibel, dieses Geheimnis verborgen hat. Deshalb geht es in dem Verhältnis eines christlichen Mannes und einer christlichen Frau immer um Hauptschaft und niemals um Herrschaft. Denn sie sollen etwas von den ewigen Ratschlüssen von Christus und seiner Gemeinde offenbaren.

Wir lesen in Epheser 5,24: „Aber wie die Versammlung dem Christus unterworfen [untergeordnet] ist, so auch die Frauen den Männern in allem.“ Es hat ja kein aufrichtiger Christ damit Probleme, wenn wir freudig anerkennen, dass die Gemeinde dem Christus untergeordnet ist. Kann nicht die Gemeinde überaus dankbar und froh sein, diese Position von Gott erhalten zu haben? Hat die Position der Unterordnung nicht auch ihre Vorteile? Kann es zum Beispiel in einem Unternehmen nicht auch ein Vorteil sein, wenn man nicht die ganz große Verantwortung trägt und keine Leitungs- und Führungsaufgaben innehat? Ist das wirklich jedermanns Sache? So etwas ist nicht einmal für jeden Mann etwas! So darf auch die christliche Frau freudig anerkennen, dass Gott ihr eben nicht den Platz der Verantwortung, des Hauptseins und der Führung und Leitung zugedacht hat. Der Mann darf sich selbstverständlich auch freuen, dass er an einen Platz gestellt wurde, um Christus zu repräsentieren („Christus  [ist] das Haupt eines jeden Mannes“ – 1Kor 11,3.7). Dennoch wird er gleichzeitig die Bürde und Verantwortung fühlen, die mit dieser Position verbunden ist.

Wir verstehen natürlich die Spannung, die in diesen Versen liegt, weil wir Männer oft nicht unserem großen Vorbild entsprechen. So haben Männer leider viel Anlass gegeben für die Rebellion mancher Frauen. Wie schön wäre es, wenn in jeder christlichen Ehe etwas von diesem wunderbaren Geheimnis sichtbar würde, dass Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, und wenn man an jeder Ehe sehen könnte, wie die Frau ihren Platz der Unterordnung gerne einnimmt und den Segen empfängt, der damit verbunden ist. Oder empfängt die Gemeinde keinen Segen durch Christus, ihrem Haupt?

Wir haben gelesen: „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild.“ Der erste Mensch sollte eine sichtbare Darstellung Gottes im ganzen Universum sein. Aber wenn wir die Geschichte überblicken, wurde der erste Adam dieser Aufgabe nicht gerecht. Dennoch erreicht Gott seinen Plan, und zwar in Christus, „der das Bild des unsichtbaren Gottes ist“ (Kol 1,15). Christus hat Gott völlig offenbart. In Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kol 2,9). „Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, der hat ihn kundgemacht“ (Joh 1,18).

1Mo 1,28: Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf der Erde regen!

Gott segnete den Menschen und wir haben gesehen, dass die Frau ihre Segnungen allesamt in Adam empfing. Wir finden hier keine unabhängige Regierung, sondern die gemeinsame Regierung des ersten Menschenpaares. Das Wunderbare ist, dass nicht die Frau ein wenig regierte und der Mann ein wenig, sondern dass sie in der Regierung miteinander verbunden waren. Hierbei nahm der Mann einen Platz des Vorranges ein, wie wir noch in 1. Mose 2 sehen werden und auch der Apostel Paulus in seinen Briefen mehrfach bestätigt (vgl. 1Kor 11,8-12; 1Tim 2,13).

Wir haben es in diesem Vers mit zwei Dingen zu tun: Fruchtbarkeit und Vermehrung. Der Mensch sollte nicht nur eine Darstellung Gottes im Universum sein, sondern der Mensch sollte sich auch vermehren. Es sollte eine Welt der Frucht für Gott entstehen. Gott möchte keinen Stillstand. Er ist an Vermehrung interessiert. Auch hier finden wir die Erfüllung wiederum in Christus, dem „letzten Adam“. Er wird die volle Frucht bringen, denn Er ist das Weizenkorn, das in die Erde gelegt wurde und gestorben ist, und es wird viel Frucht bringen und hat bereits viel Frucht gebracht (vgl. Joh 12,24). Jede Bekehrung ist eine Frucht seines Werkes auf Golgatha und ist eine wunderbare Vermehrung der Frucht für Gott. Der Herr Jesus wird einmal „viele Söhne zur Herrlichkeit“ bringen (Heb 2,10).

Wenn wir also etwas über Mann und Frau in diesen Versen lernen wollen, dann, dass Mann und Frau gleichermaßen gesegnet wurden.

Wenden wir uns jetzt den nächsten Bibelstellen in 1. Mose 2 zu, wo wir weitere Details der Schöpfungsordnung Gottes in Bezug auf Mann und Frau lernen können. Dabei wäre es gut, wenn wir es noch einmal schaffen würden, ohne Vorurteile an den biblischen Text heranzugehen – ohne das ganze Wissen von dem Versagen des Mannes und der Frau über die Jahrhunderte hindurch.

Die Erschaffung des Mannes

1Mo 2,7: Und Gott der Herr bildete den Menschen, Staub vom Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; und der Mensch [Adam] wurde eine lebendige Seele.

Für unser Thema ist es besonders interessant, dass Gott Mann und Frau nicht auf die gleiche Art und Weise bildete. Er hauchte lediglich in den Mann den Odem des Lebens und auch nur Adam wurde aus Staub gebildet. Dies wiederholte Er offensichtlich nicht bei der Frau. Gott bildete den Menschen (Adam) zuerst; diese Tatsache mag für uns vielleicht ein unwichtiges Detail sein, aber zum einen hat der „Erstgeborene“ im Judentum eine besondere Bedeutung, und zum anderen verweist auch der Apostel Paulus zweimal in seiner Argumentation in „Frauenfragen“ auf diese Tatsache (vgl. 1Tim 2,13; 1Kor 11,8-12). Wir müssen uns hier also im Geist wirklich unter die Zucht des Wortes Gottes nehmen und nicht so sehr auf das achten, was wir bei dieser Darstellung empfinden – denn es mag schnell als Ungerechtigkeit empfunden werden, wenn der Mann seine bevorrechtigte Position von seinem Vorzug bei der Erschaffung herleitet. Damit der Mann sich nicht erhebt, erinnert der Apostel Paulus in diesem Zusammenhang auch zum Ausgleich an Folgendes: „Dennoch ist weder die Frau ohne den Mann noch der Mann ohne die Frau im Herrn. Denn so wie die Frau vom Mann ist, so ist auch der Mann durch die Frau; alles aber von Gott“ (1Kor 11,11.12). Wer diese Schriftstellen mit Christus in Verbindung bringt, hat keine Mühe damit, dass der „erste Adam“ den Vorzug erhielt, denn er ist ja ein Bild des „letzten Adam“ und natürlich sollte Christus in allem den Vorrang haben. Wir leben in einer Zeit, wo man es einfach nicht ertragen kann, wenn die Bibel so über gewisse Unterschiede zwischen Mann und Frau spricht. Das liegt natürlich auch daran, dass man bestimmte biblische Zusammenhänge derart in Misskredit gezogen hat, dass man heute dazu neigt, alles in Bausch und Bogen abzulehnen.

In der Folge des zweiten Kapitels wird Adam in einen Garten gesetzt und er darf ihn bebauen. In den Versen 1. Mose 2,18-20 brachte Gott alle Tiere des Feldes zu Adam, „um zu sehen, wie er sie nennen würde“. Dabei stellte Adam möglicherweise fest, dass alle Tiere ein Gegenüber hatten (männlich und weiblich), aber für sich selbst fand er keine Entsprechung. Adam durfte den Tieren Namen geben, das ist ein sehr wertvoller Hinweis für unser Thema. Denn wer einem anderen den Namen gibt, der hat auch Autorität über ihn und steht in der Hierarchie über dem anderen (dabei geht es nicht um Wert und Würde, sondern um Position und Stellung). Wir finden das bei dem Pharao, der Joseph einen neuen Namen gab. Ebenso bei Nebukadnezar, der Daniel und seinen Freunden neue Namen gab. Aber wir finden es auch bei dem Herrn, der den Jüngern zum Teil ebenfalls neue Namen gab. In der Folge würde Adam auch seiner Frau den Namen „ischa [Frau]“ geben, und nach dem Sündenfall gibt er ihr den Namen „Eva [Leben]“.

Wir können aus dieser Beschreibung lernen, dass Adam zuerst gebildet wurde, dass er einen Verantwortungsbereich im Garten zugewiesen bekam und die Autorität bekam, den Tieren und seiner Frau einen Namen zu geben. All das spricht davon, dass Adam als das Haupt den Platz der Führung, Leitung und Verantwortung innehatte. Der Apostel Paulus kann demnach auch sagen: „das Haupt der Frau aber der Mann“ (1Kor 11,3; vgl. Eph 5,23) – dass Gott das Haupt von Christus und Christus das Haupt des Mannes ist, das hatte Paulus sehr wahrscheinlich offenbart bekommen. Aber dass der Mann das Haupt der Frau ist, konnte er in der Schöpfungsordnung finden. Es ist beeindruckend, wie oft der Apostel Paulus sich in seinen Schriften auf die ersten drei Kapitel der Bibel bezieht, nebenbei auch in 1. Korinther 11.

Die Erschaffung der Frau

1Mo 2,18-22: 18 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. … 21 Und Gott der HERR ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er entschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch; 22 und Gott der HERR baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau, und er brachte sie zu dem Menschen.

In der Erschaffung der Frau werden wir wieder etliche Puzzleteile für unser Bild von Mann und Frau in der Schöpfungsordnung Gottes sammeln können, und wieder können wir diese Punkte am besten verstehen, wenn wir sie im Blick auf Christus auslegen.

Wir haben schon gesehen, dass Adam ein Bild des letzten Adam ist (vgl. Röm 5,14). Und bereits in der Ewigkeit erging dieser Ruf: „Es ist nicht gut, dass der Mensch [Adam] allein sei.“ – So war es in der Tat nicht gut, wenn Christus allein blieb, Er sollte ein Gegenüber haben, das Ihm entsprach. All das ist in der Gemeinde Wirklichkeit geworden und war lange vor der Zeit fest in Gottes Vorsatz verankert (vgl. Eph 3,11). Und so wie Gott einen tiefen (Todes-)Schlaf auf Adam fallen ließ und es tatsächlich heißt, dass er „entschlief“, stieg Christus in die Tiefen des Todes hinab, um sich eine Braut zu erwerben.

Es ist oft gesagt worden, dass Gott zum Formen der Frau nicht etwas aus dem Kopf von Adam nahm, damit sie über ihn herrschen könnte, und auch nicht aus den Füßen, damit er über sie herrschen könnte. Nein, Er nahm es aus der Seite des Menschen. Von dem Ort, der dem Herzen am nächsten ist. Die Ehe ist von Anfang an auf Beziehung angelegt. Die Frau ist ein Teil vom Mann, wie auch die Gemeinde ein Teil von Christus ist. Die Frau sollte weder über noch unter dem Mann stehen. Sie sollte in Wert und Würde völlig gleichgestellt sein. Doch wird durch diesen Schöpfungsakt auch völlig klar, dass Mann und Frau unterschiedlich sind und die Frau gerade deshalb erschaffen wurde, um einen Mangel bei dem Mann zu beheben. Der Apostel Paulus drückt es so aus: „Denn der Mann wurde auch nicht um der Frau willen geschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen“ (1Kor 11,9).

Im Vers 18 haben wir ein Wort, womit Frauen mit einer modernen Weltanschauung beim Lesen sicherlich ihre Mühe haben, denn es heißt: „Denn ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.“ Die Erschaffung des Menschen wird am sechsten Tag mit den Worten „Es war sehr gut“ abgeschlossen. Aber dass der Mensch allein sein sollte, war nicht gut. Denn der Mensch merkte, dass ihm etwas fehlte. Er war nicht vollständig. Wenn wir wieder an das Bild von Christus und die Gemeinde denken, dann werden wir innerlich bewegt, dass Christus als das Haupt nicht vollständig wäre ohne seinen Leib. Die Gemeinde ist die „Fülle dessen, der alles in allem erfüllt“ (Eph 1,23). Er sollte eine Hilfe bekommen, und das konnte nur etwas sein, was Ihm selbst entsprechen würde. Wiederum dürfen wir uns glücklich schätzen, dass der Herr der Herrlichkeit in seiner Gemeinde das entsprechende Gegenüber gefunden hat. Niemand würde je auf den Gedanken kommen, sich über diesen wunderbaren Ratschluss zu beschweren. Wie wunderbar diese Aufgabe der Frau ist, können wir vielleicht ein wenig ermessen, wenn wir uns anschauen, wo das hebräische Wort für „Hilfe“ noch im Alten Testament vorkommt: Psalm 20,3; 33,20; 70,6; 115,9-11; 121,1; 124,8; 146,5. Die Frau braucht sich also überhaupt nicht geringgeachtet oder als weniger wert vorkommen – sie hat einfach eine andere Aufgabe, in der sie im besten Fall völlige Befriedigung finden kann. Leider hat die Geschichte der christlichen Kirche hier derartig schlimme Auswüchse offenbart, dass die Schönheit dieser Verse kaum mehr gesehen wird.

Wir lernen aus diesen Versen ebenfalls, dass, obwohl Mann und Frau an einem gleichen Platz des Segens und der Regierung gebracht wurden, es dennoch gewaltige Unterschiede gab, und das nicht nur in der äußerlichen Beschaffenheit. Der Mann wurde aus dem Staub der Erde gemacht und ist vielleicht etwas materieller und erdbezogener orientiert, und die Frau wurde aus der Seite des Mannes gebildet, so dass sie vielleicht eher auf Beziehungen und Zuneigung anspricht. Aber auch die Tatsache, dass Adam als Haupt bestimmte Verantwortungsbereiche übertragen bekommen hat, führte dazu, dass er einen tiefen Mangel in seinem Dasein empfand und sich deshalb nach Komplettierung und einer Entsprechung sehnte. Diese Entsprechung kann man vielleicht mit zwei Puzzleteilen vergleichen. Es waren nicht zwei gleiche Puzzleteile erforderlich, sondern zwei, die zueinander und ineinander passen.

Für unser Thema bedeutet das, dass wir auch im Neuen Testament danach ausschauen sollten, dass Männer und Frauen nicht die gleichen Aufgabenbereiche haben, sondern durchaus unterschiedliche – es ist dabei nämlich überhaupt nicht verwunderlich, wenn wir in 1. Korinther 12 bei den Gaben eines Lehrers zuerst an die Männer denken sollten und bei der Gabe der Hilfeleistungen in erster Linie an die Frauen, um mal nur ein Beispiel zu nennen. Die Gleichmacherei unserer Tage entspricht eher dem Geist des Gendermainstreamings als dem Geist der Heiligen Schrift. Gott legte also etwas in die Schöpfung hinein und jede Zuwiderhandlung würde letztlich nur zum Schaden für den Menschen sein – leider sehen wir das heute an allen Ecken und Enden. Man sagt, dass jede zweite Ehe heute geschieden wird, Homosexualität wird zur Modeerscheinung und Kinder werden groß, ohne zu wissen, welchem Geschlecht sie angehören (wollen).

Während der Mann also das Vorrecht hatte, zuerst gebildet worden zu sein, so hat die Frau das Vorrecht, den Mann zu komplettieren. Der Mensch sollte die Krone der Schöpfung sein. Diese Schöpfung war erst vollendet, nachdem die Frau geschaffen wurde. Wie oft hat der Mann diese Tatsache vergessen und die Frau abschätzig behandelt. Christus bekommt seine Braut als Abschluss und Krönung seines vollbrachten Werkes (seines [Todes-]Schlafes), aber Er weiß seine Frau wertzuschätzen, denn Er hat sie geliebt und sich selbst für sie hingegeben (Vergangenheit), Er reinigt sie durch die Waschung mit dem Wort (Gegenwart) und Er wird sie sich einst verherrlicht darstellen (Zukunft; vgl. Eph 5,25-27).

Zwischenfazit

Ich habe den Eindruck, dass diese wunderbare Schöpfungsordnung Gottes im Blick auf Mann und Frau viel besser zu verstehen ist, wenn wir sie mit Christus und seiner Gemeinde in Verbindung bringen. Kein Heiliger in Christus würde wahrscheinlich je auf die Idee kommen, sich als Teil der Gemeinde eine andere Position zu wünschen. Vielleicht kann eine Frau, gerade beim Betrachten dieses Bildes, es ebenso lernen, ihre Position in der Schöpfungsordnung mit Freuden aus der Hand Gottes anzunehmen. Der ganze Himmel jubelt, wenn auf der Erde etwas von den ewigen Ratschlüssen Gottes sichtbar wird. Bedenken wir es gut: Wir sind ein Schauspiel für Myriaden von himmlischen Wesen (vgl. Eph 3,10.11). All das sagen wir natürlich auch Richtung Mann, der eine großartige wie schwierige Aufgabe vor sich hat, nämlich Christus zu repräsentieren und seine Frau zu lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat.

Es entspricht also den Belehrungen der Heiligen Schrift, wenn wir aus 1. Mose 1 und 2 die Lehre ableiten, dass Mann und Frau in der gemeinsamen Herrschaft über diese Schöpfung nicht die gleichen Aufgaben auszuführen haben. Noch weniger kann man daraus ableiten, dass die Frau in der heutigen Gemeindezeit alle Aufgaben ebenso erfüllen könnte oder sollte wie der Mann, was das Lehren und Leiten anbetrifft. Nebenbei sollte der Mann auch nicht meinen, die Aufgaben der Frauen nur halb so gut bewerkstelligen zu können wie eine Frau. Wenn wir 1. Mose 1 und 2 überdacht haben, wird es uns überhaupt nicht überraschen, dass wir auch im Neuen Testament unterschiedliche Aufgaben für Mann und Frau im Bezug auf Gemeinde und Familie entdecken. Diese werden nicht selten mit der Schöpfungsordnung der ersten zwei Kapitel der Bibel begründet. Wir lernen aus dem Schöpfungsbericht sehr deutlich, dass der Mann das Haupt der Frau ist und die Frau nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrer Aufgabe vom Mann unterschieden wurde, und zwar bevor der Sündenfall stattfand.

Hat der Sündenfall alles verändert?

Nun, diese Frage können wir jetzt bereits beantworten. Nein, der Sündenfall hat nicht alles verändert, denn die grundsätzliche Schöpfungsordnung Gottes kann, objektiv betrachtet, nicht verändert werden. Es handelt sich um etwas, was Gott in diese Schöpfung hineingelegt hat, ob man das nun wahrhaben will oder nicht – die Schöpfungsordnung ist zeitlos gültig, solange die Schöpfung besteht. Wir können sagen, dass diese Grundsätze auch in Ewigkeit in Christus und der Gemeinde sichtbar sein werden. Aber natürlich hat der Sündenfall etwas verändert. Tatsächlich wird in der Regel mit dem Sündenfall so argumentiert, dass es nicht Gottes Wille sei, dass der Mann über die Frau herrscht bzw. Autorität ausübt, und dass dies ein Fluch wäre und eben nicht Gottes ursprünglicher Wille.

Es mag sein, dass diese Interpretation auf den ersten Blick etwas Bestechendes hat, aber wenn wir uns die Bibelstelle genauer ansehen, werden wir feststellen, dass die Argumentation auf mehr als wackeligen Beinen steht.

Um folgende Bibelstelle soll es nun gehen:

1Mo 3,16-18: 16 Zu der Frau sprach er: Ich werde die Mühsal deiner Schwangerschaft sehr mehren, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären; und nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen. 17 Und zu Adam sprach er: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und gegessen hast von dem Baum, von dem ich dir geboten und gesprochen habe: Du sollst nicht davon essen! – so sei der Erdboden verflucht um deinetwillen: Mit Mühsal sollst du davon essen alle Tage deines Lebens; 18 und Dornen und Disteln wird er dir sprossen lassen, und du wirst das Kraut des Feldes essen.

Zuerst wollen wir uns fragen, was denn nun der Wille Gottes an dieser Stelle ist. Können wir wirklich sagen, dass die Folgen der Sünde den ursprünglichen Willen Gottes beseitigt haben?

Wie wir oben bereits gesehen haben, sollte der Mensch (Mann und Frau) über die ganze Erde herrschen. Der Mann würde in der Beziehung zu seiner Frau den Platz des „Zuerst-Gebildeten“ einnehmen oder wie Paulus es ausdrückt: „das Haupt der Frau sein“ (vgl. 1Kor 11,3; Eph 5,23). Gott nimmt nach dem Sündenfall den Auftrag von 1. Mose 1,28 und die grundsätzliche Einrichtung von Hauptschaft und Unterordnung nicht zurück. Durch den Sündenfall wurde alles lediglich schwieriger.

Wir müssen uns darüber klarwerden, was genau beim Sündenfall geschah. Auch hier müssen wir die Problematik ungeschminkt zur Kenntnis nehmen und unsere Vorprägungen versuchen hintenanzustellen, sonst werden wir die Tiefe der Katastrophe nicht verstehen. Mir ist bewusst, dass der ein oder andere bei einigen der folgenden Aussagen tief Luft holen wird. Ich habe das selbst auch so erlebt, aber wir wollen uns ernsthaft fragen, ob nicht genau das in diesen Versen steht.

Wenn wir tief ins Herz fassen, was wir bisher gelernt haben, dann haben wir verstanden, dass der Plan Gottes für Mann und Frau darin bestand, dass der Mann das Haupt sein und der Frau Führung und Leitung geben sollte. Auch haben wir verstanden, dass die Frau eine Entsprechung für Adam war und einen Mangel bei ihm behob. Sie sollte ihm eine Hilfe sein.

Was passierte nun beim Sündenfall? Zuerst halten wir fest, dass Adam seiner Frau offensichtlich von dem Gespräch mit Gott erzählt hat. Denn seine Frau wusste, dass sie von dem Baum in der Mitte des Gartens nicht essen durfte. Als die Schlange dann auf die Frau zukam, ließ sie sich von der Schlange verführen. Zuerst eine scheinbar harmlose Frage: „Hat Gott wirklich gesagt?“, und dann offener Widerspruch: „Ihr werdet durchaus nicht sterben.“ Die Listen des Teufels haben sich auch heute nicht verändert – man kann das gleiche Prinzip in aktuellen Diskussionen (und sogar Buchtiteln) immer wieder finden.

Wie hätte die Frau denn reagieren sollen? Was war hier eigentlich das Problem? Wenn die Frau die Hauptschaft des Mannes anerkannt hätte, würde sie wahrscheinlich zur Schlange gesagt haben: „Ich sehe, dass du an den Worten Gottes zweifelst und ich vertraue meinem Mann, denn Gott hat persönlich mit ihm darüber gesprochen. Ich habe keinen Zweifel, dass alles seine Richtigkeit hat.“

Was hier also passiert, ist, dass die Frau sich aus der Führung und Leitung des Mannes wegbewegt und dadurch zu Fall kam. Hätte sie die Schöpfungsordnung freien Herzens akzeptiert, dann wäre es nicht zur Katastrophe gekommen. Im Tiefsten ging es eigentlich darum: „Ich kann das sehr gut allein entscheiden, dazu brauche ich nicht die Zustimmung meines Hauptes.“ Sie will eigentlich selber bestimmen über das, was sie tun und lassen möchte. Eigentlich hat sie im Kern die Führung an sich gerissen, die Gott dem Mann als Aufgabe zugedacht hatte. Nebenbei ist es sehr interessant, dass der Mann möglicherweise aus gutmeinender Zuneigung zu seiner Frau die Frucht aus ihrer Hand angenommen hat. Hier hatte er für einen Moment seine Führungs- und Verantwortungsposition aus dem Auge verloren. Der Teufel möchte immer das umkehren, was Gott geschaffen hat. Wie ist ihm das gelungen und wie oft gelingt es ihm heute noch. Die Frau ergreift die Initiative, wo sie sich besser untergeordnet hätte. Der Mann tritt in die Domäne der Frau ein, was die Beziehungs- und Zuneigungsebene betrifft, und vergisst, dass er der Frau Führung und Leitung schuldig ist. Im Neuen Testament werden wir sehen, dass Adam als das Haupt der Frau und der Schöpfung zur Verantwortung gezogen wird (vgl. Röm 5,14; Hos 6,7), womit einmal mehr deutlich wird, dass Adam das Haupt der Frau war.

Ich möchte kurz an das Vorbild des Herrn Jesus erinnern und daran, dass die Frau ein Bild von der Gemeinde ist. Denn wenn wir an Christus und die Gemeinde denken, dann sehen wir eigentlich die Katastrophe und das Ausmaß dieses Versagens. Wenn die Gemeinde nicht mehr ihrem Haupt (Christus) vertraut, dann ist alles verloren, und wenn die Gemeinde sagt: „Wir können das auch ganz gut ohne das Haupt schaffen und unsere Entscheidungen selbst treffen“, dann führt das in eine ähnliche Katastrophe und das ganze Bild ist zerstört. Paulus ermahnte die Kolosser: „Niemand bringe euch um den Kampfpreis, der seinen eigenen Willen tut in Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht … und nicht festhaltend das Haupt“ (Kol 2,18.19).[1]

Der Apostel Paulus greift das Versagen der Frau auf, wenn er sagt: „Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu lehren noch über den Mann zu herrschen, sondern still zu sein, denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva; und Adam wurde nicht betrogen, die Frau aber wurde betrogen und fiel in Übertretung“ (1Tim 2,12.13). Paulus bringt hier zwei Argumente; das eine hat mit der Schöpfungsordnung vor dem Sündenfall zu tun und das andere mit dem Sündenfall selbst.

Warum sollte die Frau weder lehren noch über den Mann herrschen? Nun, vielleicht können wir uns das jetzt schon selbst beantworten. Paulus will hier sagen: „Lieber Timotheus, schau dir bitte die Schöpfungsordnung Gottes vor dem Sündenfall an. Adam ist das Haupt, er wurde zuerst gebildet, er ist dafür da, Führung und Leitung zu geben. Deshalb ist es nicht gut, wenn die Frau lehrt, weil sie dann die Position der Leitung und Führung übernimmt. Aber beachte bitte zusätzlich, dass, als sie einmal die Führung übernommen hat, sie sich hat betrügen lassen und der Sündenfall war geschehen. Also, lieber Timotheus, es geht nicht, wenn die Frau lehrt und über den Mann Autorität ausübt. Das widerspricht der Schöpfungsordnung Gottes und hat zu einer Katastrophe in der Geschichte der Menschheit geführt.“

Was sind nun die Konsequenzen des Sündenfalls? Zum einen spricht Gott einen Fluch über die Schlange und über den Erdboden aus. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Gott eben nicht Adam und seine Frau verflucht. Auch werden die erschwerten Lebensbedingungen nicht ein Fluch genannt, obwohl sie zum Teil natürlich die Folgen des Fluches über den Erdboden sind, wenn man an das mühevolle Arbeiten denkt. Zum anderen werden uns einige Folgen des Sündenfalles genannt: die Schmerzen der Frau beim Gebären der Kinder, das Verlangen nach dem Mann, das Herrschen des Mannes und die mühevolle Arbeit.

Für unser Thema sind vor allem zwei Punkte sehr interessant, die wir näher anschauen müssen. Es geht um das Wort „Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein“ und um den Zusatz „Er aber wird über dich herrschen“ (1Mo 3,16). Im Prinzip gehören diese beiden Dinge direkt zusammen. Es ist sicherlich nicht immer ganz einfach, diese Aussagen richtig zu deuten. Aber im Grunde müssen wir im Auge behalten, dass diese zwei Punkte von offensichtlichen Folgen des Sündenfalls eingerahmt sind. So müssen wir auch hier annehmen, dass es sich um Folgen handelt, die der Sündenfall mit sich gebracht hat. Deshalb entnehme ich den Punkten folgende Bedeutung: „Liebe Eva, du hast deinen dir zugewiesenen Platz in der Schöpfungsordnung verlassen und hast der Schlange dein Ohr geliehen. Du hast den Worten deines Mannes und letztendlich damit auch meinen misstraut. Du hättest deinen Mann um Rat fragen können oder der Schlange wenigstens nicht Gehör schenken sollen. Sofort warst du bereit, die vorgetragene Sichtweise der Schlange zu übernehmen. Das wird in Zukunft einige Konsequenzen mit sich bringen. Die Geburten deiner Kinder, eigentlich charakterisiert durch überschwängliche Freude, werden mit Schmerzen verbunden sein. Und in Zukunft wird es nicht mehr so leicht sein, sich der Führung und Leitung deines Mannes zu entziehen; du wirst dich stets nach liebvoller, inniger Gemeinschaft mit deinem Mann sehnen. Und so wird es dir auch nicht leicht sein, dich der Führung und Leitung deines Mannes zu entziehen, auch wenn du die Führung deines Mannes eher als Herrschaft, statt als Hauptschaft empfindest und er eher durch Stärke herrscht, als durch Liebe leitet.“

Wir merken schon, dass Gott hier nicht seine ursprüngliche Idee einer gottgewollten Partnerschaft zwischen Mann und Frau vor Augen hat. Es handelt sich um die Folgen des Sündenfalls, nicht um den eigentlichen Plan bei der Erschaffung des Menschen, wie wir das in 1. Mose 1 und 2 gefunden haben. Letztlich wird durch diese neue Ordnung der Eigenwille des Menschen gebremst, damit nicht noch schlimmere Dinge geschehen. Jetzt merken wir vielleicht, was für eine Katastrophe der Sündenfall war, dass Gott zu solchen Anweisungen greifen musste. Es ging jetzt nicht mehr allein um eine liebevolle Beziehung zweier Menschen, die den Segen Gottes verwalten und über die Schöpfung gemeinsam herrschen sollten. Wir brauchen nur in die Geschichte des Menschen hineinzusehen, um ein wenig ermessen zu können, was die Folgen des Sündenfalles in Bezug auf Mann und Frau waren und auch heute noch sind. Von einer ungetrübten Partnerschaft konnte seit dem Sündenfall nicht mehr die Rede sein.

Eine große Ermutigung zum Schluss

All das wäre sehr entmutigend, wenn wir nicht die frohe Botschaft des Neuen Testamentes hätten. Der Herr Jesus hat für uns den Fluch Gottes getragen, was nicht heißt, dass alle Folgen der Sünde nun verschwunden wären – leider ist dem nicht so. Und trotzdem können wir dadurch, dass wir ein neues Leben erhalten haben, zu neuen Menschen werden: „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2Kor 5,17). Ja, es ist „Neues geworden“. Es ist noch nicht alles neu geworden, da wir in der Welt noch unter den Folgen des Sündenfalls leiden. Trotzdem können wir in Christus manches überwinden:

  • Was die Schmerzen bei der Geburt eines Kindes angeht, heißt es: „Sie wird aber gerettet werden beim Kindergebären“ (1Tim 2,15).
  • In Bezug auf das Verhältnis von Mann und Frau (siehe „nach deinem Mann wird dein Verlangen sein“ und „er aber wird über dich herrschen“ [1Mo 3,16]) dürfen christliche Paare zur Anerkennung der ursprünglichen Schöpfungsordnung Gottes zurückkehren. Der Mann nimmt sich ein Vorbild an Christus und liebt seine Frau, wie Christus die Versammlung geliebt hat, und die Frau findet zur einsichtsvollen Unterordnung unter den Mann zurück, weil er nicht über sie herrscht, sondern seine Hauptschaft von Christus herleitet.
  • Und was die mühevolle Arbeit betrifft, so dürfen christliche Arbeitnehmer doch schon heute erfahren, dass der Herr sehr gnädig ist und oft auf erstaunliche Weise geholfen hat, wenn wir bereit waren, unsere Arbeit „als dem Herrn“ (Kol 3,23) zu tun.

Es ist hier nicht der Raum, um nun auch eine gewissenhafte Auslegung über die Bibelstellen im Neuen Testament zur „Frauenfrage“ folgen zu lassen. Ich weise aber gerne auf ein Video hin, dass man unter folgender Internetadresse aufrufen kann: https://www.soundwords.de/a11975.html.

Ich glaube zwar nicht, dass man diese Studie über 1. Mose 1 bis 3 zwingend benötigt, um die neutestamentlichen Stellen über die „Frauenfrage“ verstehen zu können. Dennoch ist mein Eindruck, dass uns diese Ausführungen eine Hilfe sein können, um darin eine Bestätigung für die neutestamentlichen Stellen zu finden. Nach meinem Dafürhalten sind auch die besagten Stellen im Neuen Testament nicht schwer zu verstehen. Ich habe großes Verständnis dafür, dass man sich in einer Zeit des Gendermainstreamings, der Emanzipation und Diskussionen über Frauenquoten sehr schwer damit tut, dieses biblische Modell für Mann und Frau zu akzeptieren. Besonders für junge Menschen ist das eine große Herausforderung, weil sie tagein tagaus damit konfrontiert werden. Es ist nicht von ungefähr, dass der Apostel Paulus den Gläubigen in Rom schreibt: „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“ (Röm 12,2). Jede Zeit hat ihre ganz spezielle Herausforderung und heute stehen Gläubige in der Gefahr in diesem Punkt dem Zeitgeist zu erliegen. Persönlich zweifle ich nicht daran, dass solche, die in der Frauenfrage eine abweichende Sicht vertreten, oft gute Beweggründe haben. Es geht in diesem Artikel nicht darum, die Beweggründe anderer Mitchristen zu beurteilen, sondern ihre Argumentation. Zudem rechtfertigen gute Beweggründe allein niemals ein bestimmtes Handeln. Ich richte mich vor allem an solche, die sich über diesen Punkt ernsthaft Gedanken machen und um einen schriftgemäßen Weg in dieser Frage ringen und nach Antworten suchen. Es liegt mir fern über diesen Punkt zu streiten.

Meine große Sorge ist, dass wir alle mehr oder weniger stark in der Gefahr stehen, es an der nötigen „Einfalt gegenüber dem Christus“ (2Kor 11,3) walten zu lassen. Paulus schreibt an die Korinther: „Ich fürchte aber, dass etwa, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so euer Sinn verdorben und abgewandt werde von der Einfalt gegenüber dem Christus“ (2Kor 11,3). Ist es nicht interessant, dass der Apostel gerade unseren Mangel an einfältigem Gehorsam wiederum mit 1. Mose 3 in Verbindung bringt? Wie wichtig sind also die Belehrungen der Anfänge der Schöpfung!

Wir haben jetzt die absolute Grundlage für die Beziehung zwischen Mann und Frau besprochen und sind so weit wie möglich zurückgegangen. Natürlich wird uns in der Schöpfungsordnung noch nicht jedes Detail des Verhaltens von Mann und Frau mitgeteilt. Viele Zeitepochen enthalten ihre ganz eigene Ausgestaltung und doch befindet sich alles im Rahmen dessen, was sich Gott mit der Schöpfungsordnung ausgedacht hat. Diese Ordnung wird auch in Ewigkeit noch an Christus und seiner Gemeinde sichtbar sein.

 

Anmerkungen

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