Das bedrückende Buch
Die Klagelieder Jeremias

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© SoundWords, online seit: 06.05.2011, aktualisiert: 25.01.2018

Wenn es ein Buch in der Bibel gibt, das alle sprichwörtlichen Jubeljahre nur ein Mal gelesen wird, dann sind es die Klagelieder des Jeremia.

Der Titel klingt wenig einladend, denn wir Menschen neigen dazu, allem aus dem Weg zu gehen, was uns niederdrücken könnte. Wir klammern uns mit törichter Blindheit an unseren kindischen Traum, dass das Glück mühelos zu erreichen sei. Wenn die Kindheit vorbei ist und wir ins Leben starten, ist es jedoch erforderlich, uns zu entwöhnen von diesem Verlangen nach mühelos erreichbarem Glück. In der Konfrontation mit den realen und unvermeidlichen Situationen des Lebens werden wir dann durch Gottes Gnade fähig zu einer reifen und dauerhaften Freude.

„Happiness“ (Glücklichsein) hängt ab von dem, was „happens“ (geschieht, passiert). Freude hängt ab von unseren echten geistlichen Reichtümern und bleibt unveränderlich bestehen, was auch immer geschieht.

Diesen Wert wollen die Klagelieder vermitteln. Bis zum Vers 21 des 3. Kapitels ist kein Hoffnungsschimmer zu finden. Zwar betrifft uns die Ursache von Jeremias grenzenloser Trauer nicht mehr, und viele Jahrhunderte haben eine fast unüberbrückbare Kluft zwischen ihm und uns entstehen lassen. Und doch spricht seine Klage eine universale Sprache, da sie mit größter Einfachheit den tiefen menschlichen Schmerz beschreibt und ihn mit Schluchzen unterstreicht. Es ist eine Sprache, die jeder versteht, der bittere Erfahrungen gemacht hat.

So schreibt A.F.S. Pollock in einem Artikel über dieses Buch und trifft damit sicher voll den Punkt, warum dieses Buch nicht nur wenig bekannt ist, sondern vermutlich sogar unbewusst von den meisten gemieden wird. Wenn wir jedoch das Leid, das uns oder liebe Mitgeschwister betrifft, besser einordnen wollen, sollten wir uns auch einmal mit diesem Buch beschäftigen. Dann werden wir feststellen, dass auch dieses Buch uns etwas von dem Herrn Jesus mitteilt und dass wir dort über Empfindungen lesen, die wir nur an wenigen anderen Stellen des Wortes wiederfinden.

Wir haben wir eine wertvolle Vortragsreihe von W.J. Ouweneel in mehreren Kapiteln online gestellt, die uns bei der Beschäftigung mit diesem Buch hilft. Die Vorträge wurden am 25. und 26. Mai 1991 gehalten. Damit der Vortragsstil noch gut erkennbar ist, wurde der Text nur leicht bearbeitet.

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