Der Verfall der Kirche
Notizen von einer Zusammenkunft in London im September 1847

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 12.06.2005, aktualisiert: 08.01.2018

Leitverse: 1. Timotheus 3,15.16; 2. Timotheus 2,19-21; Epheser 2; Römer 11

1Tim 3,15.16: … wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten soll im Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.

2Tim 2,19-21: Doch der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die, die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit! In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zu Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet.

Frage: Was ist die Kirche, und was bedeutet es, dass sie nun im Verfall ist?

J.N.D.: Liebe Geschwister, das Thema, mit dem wir uns beschäftigen wollen, ist sehr wichtig, und ich fühle, dass der Herr heute besonders gnädig zu uns ist. Das ist Er sicherlich immer, ob wir es verstehen oder nicht, aber Er offenbart seine Kraft, indem Er in der Mitte seines Volkes wirkt. Das heißt nicht, dass ich mir nicht der Schwierigkeiten und Prüfungen der „Brüder“ bewusst wäre, aber zur selben Zeit erkenne ich auch wieder, wie der Herr am Wirken ist. Und es ist immer eine Freude, das zu sehen; denn wenn Er eine Sache in die Hand nimmt, dann kann die Seele Ihm vertrauen, dass sie sicherlich Segen bekommt, weil Er immer für uns zum Guten wirkt, auch wenn Er uns sichten und demütigen mag. Ich sehe, dass einige der Gläubigen dazu gebracht wurden, ihre Stellung mehr wertzuschätzen als je zuvor, und wenn sie danach gefragt würden, würden sie sagen: Ja. Darin sehe ich positiven Segen. Ich sehe, dass dort Fleisch ist (und in vielen Fällen wird das Sichten es offenbar machen), aber immer noch ist es Segen, und das ist ein Trost für solche, die wissen, wie man Gott vertraut. Sicherlich gibt es Versagen, großes Versagen, aber unser Versagen schließt nicht das Auge vor der Tatsache, dass Gott am Wirken ist. Es ist wahr, dass die Welt in uns eingedrungen ist. Das muss ich bekennen, aber jetzt werde ich nicht weiter darauf eingehen. Aber wenn Gott anfängt zu wirken, muss es Segen geben, auch wenn natürlich, sobald der Herr einen Teich aufwirbelt, der Mulm [lockere Erde; faules Holz] erscheinen wird, weil er da ist.

Viele liebe Brüder sind beunruhigt worden über den Ausdruck „der Verfall der Kirche“. Ich kann das gut verstehen. Und ich beklage mich nicht über ihre Eifersucht, dass nicht der Gedanke aufkommt, dass die Kirche versagen könnte, weil in einem gewissen Sinn die Kirche nicht versagen kann. Doch existiert eine Verwirrung in einigen Köpfen zwischen den Zielen Gottes und der gegenwärtigen Haushaltung, in der der Mensch unter Verantwortung gestellt ist. Wenn wir von dem Verfall der Kirche sprechen, dann meinen wir mit Kirche das, was hier auf der Erde eingesetzt ist, damit sie die Herrlichkeit Christi in Einheit offenbare. Und wir müssen uns daran erinnern, dass wir dorthin gestellt sind; und da wir in dieser Verantwortlichkeit sind, müssen wir auch dort bleiben. Wenn sie geistlich scheitern könnte, würde das in der Tat katastrophal sein! Es gibt zwei ziemlich gefährliche Gedanken in Verbindung mit dem Verfall der Kirche:

  1. Einige Brüder glauben, dass wir damit eine Unterbrechung der Ziele Gottes meinen. Das kann natürlich nicht der Fall sein. Wenn sich dann jemand dagegen sträubt, weil er Angst hat, dass der Gedanke von einer Kirche im Verfall das Ziel Gottes berühren könnte, dann habe ich davor viel Respekt. Was das Ziel Gottes anbelangt, kann die Kirche nicht ruiniert werden; was aber ihren momentanen Zustand als Zeugnis für Gott auf der Erde angeht, so ist sie im Verfall.

  2. Der andere Gedanke ist: Nun gut, wenn sie nun im Verfall ist, dann muss es wohl so sein, wir sind nun einmal da und wir müssen dableiben. Hauptsache ist, wir sind errettet, und wir werden uns nicht mit Gedanken über den gegenwärtigen Zustand der Kirche abplagen. Wir sind zufrieden, dass wir vor dem kommenden Zorn errettet werden. Diese Apathie und dieses Hände-in-den-Schoß-Legen, was alle geistliche Energie vernichtet, kommt durch einen Mangel an Verständnis über das, was die Kirche in Gottes Augen ist. Aber in praktischer Hinsicht denken viele Christen, dass sie ruhig in dem Verfall bleiben sollen. Es liegt eine Gefahr darin, diesen Gedanken aufzunehmen, weil er eine Leugnung der Kraft Gottes sein würde. Für den Unglauben ist Entmutigung das Ergebnis dieses Gedankens vom Verfall der Kirche. Für mich ist es aber keine Entmutigung, weil ich glaube, dass die Gnade und die Macht des Herrn dem Bedürfnis der Kirche zu allen Zeiten so, wie sie ist, entsprechen. Für mich wäre das ein sehr trauriger Effekt, wenn der Ausdruck „Verfall der Kirche“ eine Seele hinsichtlich der Wirksamkeit des Geistes zum Segen der Kirche entmutigen würde.

Keiner von den beiden Ideen, die ich angeführt habe, kann bewiesen werden, denn es ist unmöglich, dass die Kirche in einem solchen Verfall sein kann, dass sie Gottes Ziele unmöglich macht noch dass die Kraft des Herrn durch den aktuellen gegenwärtigen Verfall geschwächt wird. Sein Wirken wird gemäß dem Zustand sein, in dem die Kirche sich befindet, und nicht dem Zustand, in dem sie nicht ist. Wir sind immer in Gefahr, aufgrund unserer geistigen Schwachheit entweder zu viel oder zu wenig zu sagen, selbst da, wo die Wahrheit hochgehalten wird. Der Mensch ist in einem traurigen Zustand, und ich würde verzweifeln, wenn ich nicht die Kraft Christi sehen würde, um diesem Zustand zu begegnen. Gottes Ziel kann natürlich nicht versagen, und deswegen ist es nicht wahr, dass die Kirche versagen kann, so wie sie im Ziel Gottes existiert. Was wir aber wollen, ist nicht so sehr ein abstrakter Gedanke, dass die Kirche errettet wird, sondern wahren, praktischen Glauben in der Anwendung der Hilfsquellen Gottes, um den gegenwärtigen Umständen zu begegnen.

Wenn ein Christ in einem schlechten Zustand ist und ich nicht darüber hinaus auf Christus schaue, werde ich unruhig. Aber wenn ich auf Christus schaue, dann habe ich Vertrauen und bin so weit ruhig, weil ich den Herrn kenne und weiß, dass Er durch seine Kraft dort wirken kann und will, um ihn zurechtzubringen. Ich würde es sehr traurig finden, wenn ich sehen würde, dass Versagen den Glauben schwächen würde in Bezug auf die Sorge des Herrn für seine Kirche, und diese Gefahr habe ich gespürt. Im Gegenteil, ich sage, Er führt Segen ein nach dem gegenwärtigen Zustand der Kirche. Wir dürfen nicht sagen, wenn wir nach Segen auf dem Weg des Glaubens ausschauen, dass die Kirche sicher nach den Zielen der Gnade Gottes hindurchgebracht werden wird – das würde Tatenlosigkeit hervorrufen. Wir müssen Ausschau halten nach dem gegenwärtigen Wirken seiner Macht im Segen, um Christus zu verherrlichen. Gott nimmt immer Interesse an den Umständen der Kirche, und wenn wir nach Segen ausschauen, werden wir ihn finden, selbst in Zeiten größten Versagens. Denn Gott wird seine Kirche in der Herrlichkeit haben, und lebendiger Glaube sieht nicht nur die Not, sondern sieht auch die Gedanken und den Sinn des Herrn über diese Not und rechnet auf die gegenwärtige Liebe des Herrn. Das gilt für den Einzelnen wie für die Kirche insgesamt.

Wenn wir den Geist Christi haben, kann ich nicht ruhig bleiben in dem Gedanken, dass ein Christ sicher in Christus ist und dass ich mich deswegen nicht bemühen brauche, ihn zu unterweisen und ermahnen und weiterzubringen. Die Kirche wird errettet werden, und so wird jedes einzelne Glied davon natürlich auch errettet werden. Aber wenn ich die Zuneigung Christi habe, dann kann ich nicht zufrieden sein, bis dass ich die Kraft des Geistes gesehen habe, wie sie in jedem einzelnen Heiligen die Beziehung dieses Gläubigen zu Christus offenbart, und genauso ist es mit der Kirche Gottes. Wenn mein Glaube in Übung ist, bin ich nicht eher zufrieden, als bis er seine Beziehung zu Christus als eine gegenwärtige Sache genießt.

Wenn ich bei einem einzelnen Gläubigen etwas sehe, was nicht damit in Übereinstimmung ist, dann bin ich nicht glücklich, und so ist es auch mit der Kirche. Ich glaube, dass in diesen letzten Tagen der Herr die Gedanken und Seelen vieler Gläubiger erweckt hat, die in Einfältigkeit des Auges ihren Weg gegangen sind, um zu untersuchen, was die Kirche Gottes ist.

Deswegen ist es nicht überraschend, dass Satan hineinkommt, um der Wahrheit des Kommens des Herrn zu widerstehen und der Beziehung der Kirche zu diesem Punkt. Darüber hinaus sind viele in die Stellung des Segens gekommen, ohne in sich selbst zu wissen, was der Segen der Kirche ist. Daher ist Schwachheit das Ergebnis, denn als Weltlichkeit hineinkam, fielen sie zurück und wurden entmutigt. Sie hatten Gemeinschaft in dem Segen, aber sie hatten kein Verständnis und keine Gemeinschaft in den Grundsätzen und der Gnade, die den Segen hervorbrachte. Es ist nur konsequent, dass, wo Segen mangelt, ruhelose Befürchtungen und Unsicherheit das Ergebnis sind, denn wenn Satan auf unsere Seelen hineinkommt, wird die Oberflächlichkeit unseres Glaubens offenbar.

Nun, ich sehe das und, gepriesen sei der Herr, Er erweckt in den Seelen vieler Gläubiger überall die Frage: Was ist die Kirche Gottes? Ich habe keine Zweifel, dass wir bei vielen lieben Gläubigen keine genaue Vorstellung über das, was die Kirche ist, finden über den Gedanken hinaus, dass es gewisse Personen gibt, die errettet sind und zur Herrlichkeit gebracht werden. Das ist wahr, aber dann ist es klar, dass das Verständnis der Beziehung, in der die Kirche zu Christus steht, die Grundlage all ihrer Zuneigung zu Christus ist.

Wenn der Herr jetzt Gläubige erweckt in Bezug auf das Kommen des Herrn Jesus Christus und die Beziehung der Kirche zu Christus und wenn es nicht verstanden wird, dann können wir kein wahres und treues Zeugnis für Gott tragen. Und ich füge weiter hinzu, dass die Wahrheit, die nicht heranreicht an irgendein spezielles Zeugnis Gottes zu einer bestimmten Zeit, von Satan benutzt wird, um ihre Aufnahme zu verhindern. Satan wird ein vergangenes Zeugnis benutzen, um die Aufnahme des Zeugnisses zu verhindern, das Gott unter seinen Heiligen erweckt hat. So ist es zum Beispiel mit der Einheit der Gottheit. Das ist eine Wahrheit, die wir alle festhalten, aber es war eine Wahrheit, welche die Juden festhielten zur Störung des Christentums. Sie hielten fest „Der HERR, unser Gott, ist ein HERR“, aber sie hielten nicht den Vater und den Sohn. So bekämpften sie damit nur das spezielle Zeugnis, durch das Gott damals am Wirken war: die Offenbarung des Vaters und des Sohnes.

Wenn Gott eine Wahrheit hervorbringt, um seine Heiligen an den Platz des Zeugnisses zu bringen, dann wird Satan auch versuchen, die Gedanken zu verwirren über dieselbe Wahrheit, so dass sie nicht in der Lage sind, davon irgendein Zeugnis abzugeben. Wenn Satan es geschafft hat, ihre Gedanken so zu verwirren, dass sie daran ermüden und zu vergangener Wahrheit zurückkehren, dann hat Satan sein Ziel erreicht. Nun, das ist äußerst wichtig. Doch hatte der Herr immer die Oberhand über Satan. Ich zweifle nicht, es wird einige Lots geben, die ermüden, aber ich glaube, die Übung der Seele über diesen Gegenstand wird vom Herrn benutzt werden, um die Seelen solcher, die treu sind, auf festeren Boden zu bringen. So ist es auch in Bezug auf das zweite Kommen des Herrn und die Gegenwart des Heiligen Geistes in der Kirche. Viele werden gehindert werden, aber Seelen, die in Einfältigkeit den Weg gehen, werden durch diese Anstrengungen Satans gestärkt werden.

Was die Errettung einer Seele betrifft, so geschieht sie durch das Blut und das Werk des Herrn Jesus Christus, aber ich gehe nicht weiter ein auf die große Wahrheit des Werkes Christi und das Lebendigmachen des Geistes. Auch gehe ich nicht ein auf die Tatsache, dass die Gläubigen des Alten Testamentes errettet wurden durch das Blut und dass sie in der Auferstehungsherrlichkeit bei dem Herrn sein werden. Ich sehe dies als allgemein anerkannte Wahrheit an und gehe davon aus, dass die Seelen dort ruhen werden, während ich zu anderen Punkten fortschreite. Vorab: Hat Gott uns etwas gelehrt über die Kirche Gottes?

Nun, es gibt viele liebe Gläubige, die gesund im Glauben sind, aber nicht vorbereitet sind, das zu akzeptieren, was die Kirche Gottes ist, so wie sie im Wort Gottes vorgestellt wird. Wenn jemand glaubt, dass alle Heiligen, die jemals errettet wurden, am Ende zusammen in der Herrlichkeit sein werden und den zweiten Adam als Familie umgeben werden, sozusagen in Erlösung und Leben durch Ihn, und wenn sie das Versammlung Gottes nennen, habe ich nichts dagegen. Ich zweifle nicht, dass der zweite Adam alle um sich herum in der Herrlichkeit haben wird, so wie auch der erste Adam alle in der Sünde um sich herum hatte. Aber die Schrift spricht von etwas anderen, was uns sehr betrifft: von unserem Platz, unserem Vorrechten und Verantwortlichkeiten.

In Israel war es dasselbe. Natürlich gab es Errettung, bevor Israel ein Volk war, denn Abraham wurde errettet, bevor Israel eingeführt war, und doch gab es eine bestimmte Offenbarung bezüglich Israel und eine Beziehung, die darauf gegründet war. Und wenn jemand diese Offenbarung vernachlässigt hätte, wäre er nicht nur untreu gewesen, sondern sie würden des Segens verlustig gegangen sein. David war zwar gerettet, genauso wie Abraham; aber die Art und Weise seiner Beziehung und Verantwortlichkeit Gott gegenüber auf der Erde war nicht dieselbe wie die Abrahams, weil David ein Teil des Volkes bildete, das in eine bestimmte Stellung gebracht worden war, und diese Ansprüche trafen auf Abraham nicht zu.

Wenn Samuel und andere dies vernachlässigt hätten, wären sie Gott untreu gewesen, denn der Boden, auf den Gott sie gestellt hatte als eine Nation, war das Maß ihrer besonderen Verantwortung Ihm gegenüber. In dem Wort Gottes finde ich, dass die Kirche des lebendigen Gottes ein Leib ist. Dieser Leib sollte ein klares und spezielles Zeugnis sein. Dazu war er durch den Geist Gottes gesetzt. Er war in eine besondere Beziehung zu Gott gebracht. Und jetzt werde ich euch, so wie der Herr mich dazu befähigt, zeigen, was die Kirche ist.

Die Kirche des lebendigen Gottes ist der Leib der Heiligen, gebildet auf der Erde in Einheit mit Christus im Himmel als Haupt durch den Heiligen Geist, herniedergesandt vom Himmel, um sie in die Einheit mit Christus zur Rechten Gottes zu formen. Die Kirche ist nicht nur eine Anzahl erretteter Personen, sondern ein Leib geformt in Einheit mit Christus ihrem Haupt durch den Heiligen Geist herniedergesandt vom Himmel als Folge der Erhöhung Jesu zur Rechten Gottes.

Es gibt eine Gewohnheit, alle Heiligen, vom ersten bis zum letzten Heiligen, Kirche zu nennen, und ich habe Angst, dass es zartbesaitete Gläubige gibt, die das getan haben und schockiert wären, wenn man das verändert. Ich habe großen Respekt vor dem Eifer von solchen, die das Bewusstsein der auserwählenden Liebe Gottes haben, worin Er jeden errettet, den Er berufen hat von Adam an bis heute. Ich habe großen Respekt, wenn sie Sorge haben, dass diese Unterscheidung die Grundlage des Heils durch das Blut gemäß Gottes auserwählender Liebe antastet. Aber immer noch ist meine Pflicht sowie mein Vorrecht, die Stellung zu verstehen, in die Gott mich gesetzt hat, und das beim richtigen Namen zu nennen, was Gott bei diesem Namen in der Schrift genannt hat.

Der Herr sprach zu Petrus: „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Er hatte nicht von Adam an gebaut, aber Er sagt: „Ich werde bauen.“ Was reden die Leute? Eine sichtbare und eine unsichtbare Kirche. Nun, das ist Satans Lüge. Die sogenannte sichtbare Kirche ist tatsächlich die Welt. Sie kann überhaupt kein Zeugnis für Christus abgeben. Wenn ich sage, es ist ein unsichtbarer Leib, ist das Zeugnis vorbei. In Israel: Was war der sichtbare Körper damals? Eine Nation. Gottes Einheit war damals die Einheit einer Nation, 99 Prozent waren unbekehrt, die wahren Heiligen waren unsichtbar, denn Gott hatte seine verborgenen Heiligen unter ihnen. Als Christus kam, sprach Hanna von Ihm zu allen, die in Israel auf Erlösung warteten.

Aber die Kirche Gottes ist ganz anders, obwohl sie so oft vermischt wird mit diesem Zustand der Gläubigen in Israel. Die Heiligen werden nun auf der Erde zusammen zu einem Leib geformt in Einheit mit dem auferstanden Christus durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gekommen ist als Folge der Erhöhung Jesu. Unsere Beziehungen, unsere Empfindungen und unsere Pflicht gegenüber Christus sind alle auf diese Wahrheit gegründet. Und wenn das nicht verstanden wird, dann muss es einen Mangel geben im Wandel und in den Gewissen der Gläubigen. Als der Herr zu Petrus sagte: „Ich werde bauen“, war das etwas, was natürlich noch nicht geschehen war. Der Grundstein war Christus.

Wir alle kennen den Weg, von dem der Brief an die Epheser spricht. In der Tat ist dieser Brief auf die Wahrheit gegründet, dass Gott Christus über alle Gewalt und Macht in die himmlische Örter gesetzt hat als Folge seines Todes und seiner Erniedrigung. Das Erlösungswerk gab Ihm das Anrecht, obwohl Er es als Sohn schon hatte. Die Kirche wird mit Ihm dort in Verbindung gebracht – Epheser 1 und 2. Bevor Christus kam, warteten sie auf Gerechtigkeit, und Gott übte Nachsicht. Aber heute warten wir auf die Hoffnung der Gerechtigkeit; wir warten nicht auf die Gerechtigkeit, sondern auf die Hoffnung – was zur Gerechtigkeit gehört.

Die Gerechtigkeit Gottes ist vollkommen in ihrer Erfüllung; Christus der Gerechte hat sich in Herrlichkeit gesetzt. Gott hat nun ein Volk in Verbindung mit Christus, ihrem Haupt, gesetzt durch die Kraft des Heiligen Geistes. Daher finde ich, dass die Unterschiede zwischen Juden und den Nationen weggetan wurden. Vorher war der ganze Boden des Handelns Gottes die Unterscheidung seines Volkes der Juden von den Nationen. Jetzt aber ist „weder Jude noch Heide, Barbar, Skythe, Sklave noch Freier“. Gab es das jemals zuvor? Zu jener Zeit waren sie Nationen im Fleisch, aber nun nahegebracht. Er hat „aus beiden eins gemacht und hat abgebrochen die Zwischenwand der Umzäunung“.

Gott selbst hatte die Mauer zwischen ihnen aufgebaut, die Er nun abgebrochen hat, um aus diesen beiden einen neuen Menschen zu machen. Viele Juden waren errettet worden, aber sie waren nicht zu einem neuen Menschen mit den Sündern aus den Nationen gemacht worden, die Gott berufen hatte. Das war aber jetzt geschehen durch den, der am Kreuz gehangen und die Feindschaft beseitigt hatte und der, nachdem Er aufgefahren war in die Höhe, sie in einen neuen Menschen in Ihm selbst bildete. Simeon und Hanna und viele gottesfürchtige Juden, die nach Erlösung in Israel ausschauten, waren errettet, so errettet wie nur jemand sein kann, so errettet wie die Gläubigen es heute sind. Und was tat Gott mit ihnen? Er ließ sie Juden sein. Aber als Petrus predigte und 3000 Seelen errettet wurden, was tat Gott mit ihnen? Er fügte sie der Kirche hinzu, „in welchem ihr auch mit auferbaut werdet zu einer Behausung Gottes durch den Geist“.

Die alte Wohnung – ein Tempel mit Händen gemacht – ist abgebrochen und ein neuer Tempel ist gebildet worden sowohl aus Juden als auch aus den Nationen. Epheser 3 eröffnet uns dieses Geheimnis und fügt hinzu: „dem, der fähig ist über die Maßen zu tun … nach der Wirksamkeit der Kraft, die in uns wirkt“; nicht für uns. Epheser 4 spricht in praktischer Weise von der Berufung. Wenn wir uns davon abwenden, was vorher besprochen wurde, können wir nicht „würdig wandeln der Berufung, durch welche wir berufen sind“, und Gott hat die Gläubigen berufen, seine Wohnung zu sein. Es ist nicht genug, nur Gläubige zu sein, sondern man muss auch auf die Berufung hören und sich bemühen, die Einheit des Geistes in dem Band des Friedens zu bewahren. Es war nicht genug für Abraham, ein Gläubiger zu sein, er musste auch Ur in Chaldäa verlassen, weil dies seine Berufung war. Und wenn er nicht gehorcht hätte, würde er als Mann Gottes sehr widersprüchlich gehandelt haben.

Gott hatte ihm ein Zeichen seines Bundes gegeben, der Beziehungen, die Er zu ihm hatte. Und wenn seine Nachkommenschaft das vernachlässigt hätte, würden sie abgehauen worden sein vom Volk Gottes, so wie es äußerlich offenbart war auf der Erde. So antworten auch wir nicht auf die Berufung Gottes, wenn wir nicht gehorchen. Natürlich wird die Kirche einen herrlichen Leib im Himmel bilden, aber wenn der Geist die Kirche anspricht, redet Er sie an nicht als eine Kirche im Himmel, sondern als eine, die auf die Erde ist. Der Heilige Geist ist herabgekommen und hat die Kirche zu einer Behausung Gottes auf der Erde gemacht und nicht im Himmel. In Epheser 4 finden wir gewisse Gaben zur Auferbauung des Leibes Christi auf der Erde nicht zur Auferbauung im Himmel. „Selbstauferbauung in Liebe“, das ist nicht im Himmel. „Das Wachstum des Leibes“ zu bewirken, das muss auf der Erde geschehen.

In 1. Korinther 12 finde ich dasselbe Zeugnis ganz deutlich. Der Geist taufte in einen Leib auf der Erde, nicht im Himmel. „Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, jedes einzelne von ihnen an dem Leib, wie es ihm gefallen hat.“ Das gab es vorher nicht. Israel war der Leib, soweit man davon überhaupt reden konnte, oder Gottes Versammlung in der Wüste, und die meisten von ihnen waren unbekehrt. „Ihr aber seid Christi Leib, und Glieder insonderheit.“ Nichts kann klarer sein, als dass der Leib auf der Erde gebildet wird (natürlich um im Himmel verherrlicht zu werden) durch den Heiligen Geist, der vom Himmel gesandt wurde, nachdem Jesus verherrlicht war. Das ist es, was die Kirche ausmacht, so wie das Neue Testament es lehrt.

Wenn ich die Kirche in der Herrlichkeit anschaue, sehe ich sie als einen Leib sicher und unfehlbar vollkommen in Gott. Dort wird Gott selbstverständlich verherrlicht werden, denn Gott wird sich selbst in uns verherrlichen. Ich sehe, dass, wann immer der Mensch in eine Stellung der Verantwortung gebracht wird, in der er versagt, Gott eine bessere Erfüllung bringt:

So versagte Adam, und der Herr Jesus wird der Erfüller seiner Verantwortlichkeiten zur Herrlichkeit Gottes als der zweite Adam. Israel versagte; Gott gab ihnen sein Gesetz und brachte sie so in eine gewisse Beziehung mit sich selbst, die Er mit keinem anderen Volk hatte, und Er forderte von ihnen, dass sie dieses Zeugnis tragen sollten, und dafür waren sie verantwortlich. Unter Gottes neuem Bund wird das Gesetz in ihre Herzen geschrieben sein, so dass sie es noch halten werden. Das Priestertum selbst hat versagt, und ich sehe dasselbe in der Kirche: erst eingerichtet, dann versagt. Aber Gott wird alles zustande bringen nach seinem ganzen Vorsatz in Herrlichkeit. Aber ich sehe dort einen wichtigen Unterschied, denn wir sollten durch den Heiligen Geist die Offenbarung der Gedanken Gottes auf der Erde sein. Was sehe ich in der Kirche? Die Braut Christi beschäftigt seine Empfindungen als seine Braut, und ihre Zuneigungen sollten dieser Beziehung entsprechen.

Nun, was meine ich mit dem Verfall der Kirche? Eine einfache Frage wird das beantworten. Wer wird mir die Offenbarung der Einheit des Leibes Christi zeigen? Ich kann sie nicht finden, aber ich kann Gläubige finden, die errettet werden. Ich kann die unwandelbare Treue Gottes in offenbaren Anzeichen seiner Treue finden, „denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, dort bin ich ihrer Mitte“ – deshalb Segen; aber die Kirche als offenbarer Leib auf der Erde ist zerstört. Als das Lo-Ammi, Nicht-mein-Volk, auf Israel geschrieben war, tröstet der Herr sie in Haggai doch noch mit den Worten: „Das Wort, welches ich mit euch eingegangen bin, als ihr aus Ägypten zoget, und mein Geist bestehen in eurer Mitte: Fürchtet euch nicht!“

Die Macht Gottes konnte sich nicht verändern, und deswegen das Wort „Fürchtet euch nicht“. Als Gott zu Israel sagte: „nicht mein Volk“, bedeutete das nicht, dass Gott sie aufgegeben hatte. Er hatte seine Gedanken nicht verändert. Nein, niemals! Denn sie werden sein Volk bis zum Ende sein. Es war nicht sein Vorsatz, dass sie nicht sein Volk sein sollten, auch wenn sie das in der Praxis immer noch sind.

Es hat mich kürzlich sehr erstaunt, dass der Herr niemals Israel als sein Volk anspricht in den drei Propheten nach der Gefangenschaft (obwohl Er sagte, dass sie es danach wieder sein würden), trotzdem gab es das Wort „Fürchtet euch nicht“. Es ist nicht einfach nur das Böse unter den „Brüdern“, das mir Traurigkeit bereitet, sondern ein gewisser Charakter der Entmutigung unter ihnen (wegen der Umstände) aus Mangel an einfachem Glauben, sich über die Umstände zu erheben zu Christus. Liebt Christus die Kirche weniger? Ist Er weniger mächtig? Der Glaube hat ein konstantes unwandelbares Vertrauen auf Christus. Ich weiß, was Traurigkeit ist, aber Entmutigung kenne ich nicht. Wenn du auf deine eigene Kraft vertraust, dann überrascht mich deine Entmutigung nicht. Aber „der Hüter Israels schläft nicht, noch schlummert er“.

Wir sollen demütig sein – ja, gedemütigt in den Staub, wenn du willst –, aber niemals entmutigt. Ein wirklich demütiger Mensch ist niemals entmutigt. Der entmutigte Mann ist kein demütiger Mann, denn er hat als Mensch auf etwas neben Gott vertraut. Wenn man sich wirklich bewusst ist, dass man nichts ist, dann ist das nicht möglich. „Während die Menschen schliefen, säte der Feind … Unkraut.“ Entmutigt das? Nein. „Lass beides wachsen bis zur Ernte.“ Einige Jahre nach meiner Bekehrung schaute ich um mich herum, um die Kirche zu finden. Aber ich konnte sie nicht finden. Ich konnte viele Gläubige finden, die besser waren als ich selbst, aber ich konnte nicht die Kirche finden, so wie sie mit Kraft auf der Erde eingesetzt war. Daher sage ich: Die Kirche als solche, wie sie aufgestellt wurde, ist im Verfall, und ich kann kein besseres Wort dafür finden. Die Kirche ist ruiniert, so wie Israel es niemals war, und sie wird abgehauen werden, als wenn sie niemals da gewesen wäre, und zwar aus folgendem Grund: Als Israel Gottes Zeugnis auf der Erde war, da war der Vorhang nicht zerrissen, und deswegen, wenn Israel unter dem alten Bund versagt hatte, können sie in den neuen gebracht werden, aber die Kirche wurde gegründet auf der Erde im Geist des neuen Bundes, und wenn sie versagt, gibt es keinen Vorhang mehr zu zerreißen. Das Gericht wurde ausgeübt über Israel, und Israel hat nun keinen Platz als Nation, aber bezüglich der Kirche hat Gott kein Gericht ausgeübt, wir dürfen den Ruin nicht mit Abhauen verwechseln.

Ich halte es für wichtig, klar zu erfassen, in welche Beziehung uns der Herr gesetzt hat. Das wird uns in unserem Gewissen berühren. Dann werden wir nicht nur sagen, dass die Kirche sicher ist, was natürlich stimmt. Aber wir sollten auch berührt sein mit dem Gefühl unserer Beziehung zu Christus und der Verantwortlichkeit, die diese Verbindung beinhaltet. Dann wird es auch strikten Gehorsam geben, und Gehorsam ist die einzige Sache, in der ein Christ strikt sein sollte. Das wird uns bewahren vor Lauheit. Und dann wird es auch Nähe zu Christus geben, die uns bewahren wird vor Sektierertum, dem natürlichsten Unkraut des menschlichen Herzens (Sektierertum bedeutet ein Interesse, einen kleinen Kreis um uns selbst herum zu bekommen), und es wird uns ein Gefühl geben und ein Interesse an der ganzen Kirche Gottes, denn Christus kann nichts weniger, als das zu lieben.

Dann werde ich mich weigern, irgendetwas anzuerkennen, was nicht die Braut Christi ist, sondern immer bereit sein, das anzuerkennen und aufzunehmen, was die Braut Christi ist. Wird Christus eine englische Braut, eine Schweizer Braut, eine französische Braut haben? Nein. Die evangelische Allianz, ist es das? Nein. Zu Hause und unterwegs finde ich diese Frage: Was ist die Kirche Gottes? Einer sagt, die Kirche ist sichtbar. Was meinst du damit? Dass die bekennende Kirche die sichtbare Kirche Gottes ist? Was ist ihr Zeugnis? Geht es um Christus als ihr himmlisches Haupt, abgesondert von Sündern? Ein anderer sagt, sie ist unsichtbar. Was? Die Kirche des lebendigen Gottes unsichtbar? Was ist dann ihr Zeugnis? Sie ist nur unsichtbar, weil sie in Sünde ist. Es gibt eine falsche sichtbare Kirche und eine wahre unsichtbare.

Eine solche Überzeugung gegen die, die mit dem Bösen in Verbindung stehen oder darüber unwissend sind, erzeugt keine Feindschaft, denn der Mensch, der sicher ist, auch wenn es ihm Mühe macht, kann niemals Feindschaft fühlen. Als die „Brüder“ zum Vorschein kamen, was waren sie? Nichts. Was war ihr Gefühl? Sie nahmen das Interesse der Kirche Gottes auf und begehrten, alle die zu sehen, die Gott liebten, so wie Er in der Kirche offenbart wurde. Großer Segen folgte; viele wurden hinzugefügt. Dann entstand Unruhe und Prüfung von innen, und das hat ihre Herzen sehr beschäftigt, und in praktischer Weise wurde das ihr Gesichtskreis und konsequenterweise nicht die Kirche des lebendigen Gottes. Die Leute sagen, wir seien zu eng gewesen. Nein, niemals kann ich zurückgehen. „Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wiederum aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter dar.“ Ich habe nichts, wovon ich zurückgehen muss. Das eine Begehren meines Herzens ist die Schönheit und der Segen der Kirche – der Braut Christi. Das wird mich dazu bringen, sehr ernst alle Heiligen zu lieben, denn sie gehören dazu. Ich begehre ihre völlige Absonderung zu Christus, dem sie angehört – verlobt als keusche Jungfrau. Mein Fuß ist auf einem engen Weg – mein Herz ist weit, so wie das Herz Christi.

Ich möchte gerne noch etwas anfügen wegen der Schwierigkeiten, die einige haben. Es geht um die Kirche Gottes, die unterschieden ist von anderen Dingen, die wir in der Schrift finden. Es geht hierbei nicht nur um interessante Gedanken, sondern um Dinge von höchster Wichtigkeit:

  • Zuerst die Frage in Bezug auf Römer 11. Für viele sieht es so aus, als wenn es darum geht, dass die Kirche in ein vorheriges System eingepfropft wird. Dadurch werden unsere Gedanken in einem Schwebezustand gehalten. Wenn unsere Seelen noch am Zögern sind, dann ist keine Zuneigung am Werk, und was ich gerne sehen möchte, ist aktive Zuneigung.
  • Zweitens, Epheser 2,19: „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“.
  • Und zuletzt geht es um den Unterschied zwischen der Kirche Gottes und dem Königreich der Himmel. Es gibt zwei Sachen (Mt 16): „Auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ – dort gibt es keinen Schlüssel. Dann wird weiter zu Petrus gesagt: „Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben.“

Römer 11

Es ist klar für mich, dass Römer 11 genau genommen nichts mit der Kirche als solche zu tun hat, obwohl es mit denen zu tun hat, die die Kirche bilden. Es handelt sich hier nicht um den Leib in Verbindung mit dem Haupt im Himmel. Die ungläubigen Juden wurden ausgebrochen aufgrund ihres Unglaubens. Nun ist es unmöglich, zu sagen, dass die Juden aus der Kirche ausgebrochen wurden, denn sie waren niemals darin. Der Apostel spricht auch davon, dass die Zweige der Nationen ausgebrochen werden. Das kann nicht die Kirche sein, denn in keiner Weise kann man sagen, dass die Kirche des lebendigen Gottes in ihrem wahren Sinn ausgebrochen ist. Der ganze Zusammenhang des Kapitels beweist, dass der Olivenbaum Bezug hat auf die Linie und den Kanal der Verwaltung der Verheißungen Gottes auf der Erde. Darin findet alles dieses statt. Die Kinder Israel waren Erben der Verheißung nach dem Fleisch; sie wurden ausgebrochen und die Nationen eingepfropft. Die Nationen werden ausgebrochen, wenn sie nicht in der Güte Gottes bleiben. Und dann werden die Juden wieder eingepfropft. Die Kirche kann weder ausgebrochen noch wieder eingepfropft werden. Der Olivenbaum zeigt die Reihenfolge der Verwaltung der Verheißungen Gottes auf der Erde. Das ist verbunden mit Gottes äußerem Handeln. Und sobald man das sieht, ist die Schwierigkeit dieses Kapitels überwunden. Die Juden werden wieder in ihren eigenen Olivenbaum eingepfropft, nicht in diese neue Sache, die Kirche Gottes.

Epheser 2

Der Abschnitt in Epheser steht in direktem Gegensatz zu dem, was hier als Olivenbaum bezeichnet wird. Hier gibt es weder Jude noch Heide. Das ist die Position der Kirche hier auf der Erde: „Mitbürger der Heiligen“. Es ist eine einfache Tatsache, dass die Heiden das sind, was sie niemals zuvor waren. Aber das gilt auch für die Juden, die glauben. Die Heiden werden nicht in die vorige Position der Juden gebracht. Der Abschnitt spricht nicht von einem vorherigen jüdischen Zustand. Die Juden werden selber zusammen mit den Heiden in einen neuen Zustand gebracht, wo sie beide zu einem neuen Menschen gemacht sind; sie sind zusammen „Mitbürger“. Hier werden die Heiden nicht mit dem vorherigen jüdischen Zustand vereint, sondern Juden und Heiden werden in einen gemeinsamen neuen Zustand gebracht.

Das Reich der Himmel

Nun ein Wort in Bezug auf das Reich der Himmel. Es ist in einem Punkt mit der Kirche verbunden, weil es die Verwaltung der Macht und Autorität des Herrn Jesus Christus ist, obwohl das jetzt auf eine unsichtbare Weise oder in einem Geheimnis geschieht. Es ist nicht die Herrschaft Satans oder eines der vier Tiere, sondern die Regierung des Himmels. Es ist die Regierung der Gerechtigkeit und des Gerichts; und der Gedanke, dass das die Kirche ist, passt nicht, weil ich nicht sehen kann, dass es durch Gnade charakterisiert wird.

Als das Reich der Himmel durch Johannes gepredigt wurde, sagte er: „dessen Worfschaufel in seiner Hand ist, und er wird seine Hände durch und durch reinigen“. „Er wird aus seinem Reich aller Ärgernisse entfernen.“ Und das ist Gericht; und obwohl die Kirche mit Christus darin verbunden ist als solche, die mit Ihm regiert, so hat doch das Reich der Himmel nicht denselben Charakter wie die Kirche des lebendigen Gottes. Und wieder: „Diese meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringet her und erschlaget sie vor mir.“ Das hat nicht zu tun mit der Kirche Gottes oder dem Evangelium. Doch hat die Kirche ein Zeugnis für das Reich der Himmel, nämlich dass es aufgerichtet wird. Wieder in Psalm 68,23: „auf dass du deinen Fuß in Blut badest, und die Zunge deiner Hunde von den Feinden ihr Teil habe“. Nun, dies ist Rache und nicht das charakteristische Werk der Kraft der Erlösung. Das erleichtert sehr das Verständnis der Psalmen, denn in ihnen finden wir ständig den Geist Christi nach Gericht über seine Feinde schreien. Die schrecklichen Aussprüche der Rache in den Psalmen beziehen sich auf das Gericht über die Feinde bei der Aufrichtung des Reiches. In Psalm 21,8 finden wir, dass es als Konsequenz der Erhöhung Jesu zur Rechten Gottes Gericht über seine Feinde geben wird, wie gesagt wird: „Deine Hand wird finden alle deine Feinde“; es spricht von Ihm als König.

Aber in Psalm 22 gibt es kein Wort über Feinde. Als Er ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, litt Er für die Sünde auf dem Wege der Sühnung. Als es um diese Art des Leidens ging, da stieg seine Seele dort hinein, so wie nur Er und Er allein es tun konnte. Dann finde ich nichts über Feinde, sondern: „Ich werde deinen Namen verkündigen meinen Brüdern: Inmitten der Versammlung will ich dich loben.“ Der Grundsatz ist, dass Er seinen Platz einnimmt unter einem glücklichen Volk. Die Kirche ist völlig über und außerhalb des Reiches. Die Kirche ist ein glückliches Volk verbunden mit Christus in der Liebe, die Gott für Ihn hat. Die Kirche wird mit Christus über das Reich regieren, und sie erkennt Christus jetzt schon als rechtmäßigen König an.

Epheser 2

Um zu Epheser 2 zurückzukehren: Es gibt dort etwas völlig Neues. „Wir sind sein Werk“ (Eph 2,10) „und werden aufgebaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten“ (Eph 2,20). Das sind nicht die Propheten des Alten Testaments, sondern des Neuen. Das sehen wir durch Vergleich mit Epheser 3,5: „und nun geoffenbart ist seinen heiligen Apostel und Propheten im Geiste“. Wovon hier als offenbart gesprochen wird, ist etwas völlig Neues. Es gibt einen neuen Menschen, der aus zwei Völkern zusammengesetzt ist. Es gibt jetzt nicht mehr Jude und Heide, denn „er ist unser Friede, der aus beidem eines gemacht hat“. Die Juden und die Heiden werden eingeführt als „Mitbürger“. Die Heiden konnten nicht zu Juden gemacht werden, aber sie konnten beide mit Gott versöhnt werden in einem Leib durch das Kreuz. Der Apostel wendet sich an solche, die nahe, und an solche, die fern waren, und aus beiden wird ein neuer Mensch gemacht in Christus. Sie sind „Miterben“ in einer neuen Sache, wenn du willst, dem himmlischen Jerusalem.

Römer 11

In Römer 11 wird der Punkt diskutiert, ob Gott sein Volk verworfen hat. Israel, das Er zuvorerkannt hatte, sollte verworfen sein? „Das sei ferne!“, sagt Paulus. „Denn auch ich bin ein Israelit aus dem Samen Abrahams, vom Stamme Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvorerkannt hat“, obwohl Er es zeitweise verstoßen haben mag. Wenn man das nun auf die Kirche anwenden wollte, würde das völliger Unsinn sein, denn Er war damals und seitdem dabei, die Kirche Gottes durch das Evangelium einzusammeln. Aber zu Israel sprach Er: „Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt zu einem ungehorsamen und widersprechenden Volk.“ War dies ein Verstoßen? Gott antwortete Elia, als dieser sagte, dass er allein übriggeblieben sei, das sei überhaupt nicht so, denn „ich habe mir selbst 7000 Mann übrig behalten, die ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt haben“. „So ist es auch heute“, sagt der Apostel, „es gibt einen Überrest nach Wahl der Gnade.“ Wieder ist es so, dass Gott sich um sie kümmert, indem Er gerade dadurch, dass Er die Heiden hineinbringt, „sie zur Eifersucht reizen“ will. Und wiederum: „Und also wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: ,Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden.‘“

Am Ende von Römer 8 hatte der Apostel die Heilsfrage beendet mit „keine Verdammnis“. Dann kam die Schwierigkeit, dass dadurch, dass er die Heiligen in Christus setzte, er den besonderen Platz der Juden herabstellte: „Da ist kein Unterschied.“ Dann zeigte er, wie das mit Gottes unwandelbaren Zielen bezüglich Israel in Verbindung stand, und in Römer 9 argumentiert er so: Wenn du sagst, dass du als Kind Abrahams ein Recht hast, dann kommen auch Ismael und Esau da hinein. Dein nationales Anrecht ist durch Gottes Souveränität; dein eigener Titel als Nachkomme Abrahams nützt nichts, denn dann haben auch Ismael und Esau ein Anrecht. Gott übt dieselbe Souveränität aus, indem Er die Nationen hineinlässt.

Dann in Römer 10 zeigt er den Juden, wie sie gefallen sind. Das ist nicht der Grundsatz der Souveränität so wie in Kapitel 9; es war geschehen nach dem klaren Zeugnis des Alten Testaments: „Sie haben sich an dem Stein des Anstoßes gestoßen.“ Gott hat nicht aufgehört, für Israel zu sorgen. Er führt immer noch seinen Plan in Bezug auf sie aus, und die Nationen sind eingepfropft worden. Wenn einige Zweige abgebrochen sind, heißt das, dass einige übriggeblieben sein müssen, und Er sorgt für sie. „Wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat.“ Nun, was sind die „natürlichen Zweige“ der Kirche Gottes? Die natürlichen Zweige sind solche, die angesehen werden als in der Stellung der Erben der Verheißungen hier auf der Erde, und Gott ist fähig, sie wieder einzupfropfen (diese Juden, die ausgebrochen worden waren) in die Stellung der Erben der Verheißung auf der Erde. Es ist unmöglich, dies alles auf die Kirche zu beziehen, „dass Verstockung Israel zum Teil widerfahren ist, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird“. Wie kann das auf die Kirche zutreffen? „Die Juden sind Geliebte um der Väter willen.“ Ist das die Kirche des lebendigen Gottes?

Frage: Nehmen wir an, ein Kind Gottes erkennt an, was die Kirche Gottes ist, und sieht ihren ruinierten Zustand, soll er dann arbeiten und beten für ihre Wiederherstellung, oder was soll er machen?

J.N.D.: Nun, wenn das so ist (ruiniert), dann kann das Gewissen nicht damit zufrieden sein. Wenn die Kirche Gottes verantwortlich ist im Wandel und in der Zuneigung und in allem Gott gegenüber und wenn das Gewissen den Verfall anerkennt, was soll es tun?

Schmerz
Ein Kind Gottes kann nicht damit zufrieden sein, in einem sündigen Zustand zu ruhen. Nun, der Herr erinnert sich der Art der Beziehung, in der wir uns selbst befinden, so wie es in Jeremia 2 heißt: „Geh, sprich zu den Ohren von Jerusalem, ich gedenke deiner, der Liebe deines Brautstands“ – nicht Gottes Liebe zu Israel, unwandelbar wie sie sich erwiesen hatte, sondern Israels Liebe zu Gott, als Gott es noch für sie wert war, Ihm um seiner selbst willen nachzufolgen, als Israel nichts sonst besaß. Dann fragt der HERR: „Was habe eure Väter Unrechtes an mir gefunden?“ [Jer2,5] Habe ich in Güte euch gegenüber versagt? Dass sie in der Wüste waren, einem Land von Einöden und Gruben, und doch sicher hindurchgekommen waren, war gerade der Beweis, dass Gott mit ihnen war. Es ging schlimm weiter: Im Herzen wandten sie sich nach Ägypten zurück, und Dathan und Abiram verachteten ihn.

Glaube
Doch immer noch war es so, dass ihr Aufenthalt in der Wüste bewies, dass Gott für sie sorgte, so dass sie Ihm folgten, und der Herr beklagt sich, dass keiner hier sprach: „Wo ist der Herr, der uns aus dem Lande Ägypten herausgeführt hat?“ Dass kein Herz sich auf diese Zeit berief. Nun, Gideon hat in dieser Weise gebetet. Sein Glaube war auf den Herrn gerichtet, der sie aus Ägypten herausgeführt hatte, und darin war das Geheimnis seiner Kraft, denn Gott sprach zu ihm: „Geh, in dieser deiner Kraft.“ Wenn das Wort unser Ohr erreicht hat, ist es unmöglich, dass wir dann zufrieden sein könnten da, wo wir sind, denn es kann keine Zufriedenheit dort geben, wo ein Gefühl des Versagens da ist. In Bezug auf das, woraufhin ich ausschaue – und es ist der einzige Gegenstand vor meine Seele –, so ist es das Kommen Christi. Wenn ich den Geist der Braut habe, verlange ich nach dem Bräutigam, weil Er der Bräutigam ist. „Der Geist und die Braut sagen, komm.“ Es mag viel Unwissenheit darüber da sein, was zu tun ist, aber lass die Beziehung, die Zuneigung zu Christus gesehen werden.

Ich sollte Enttäuschung fühlen in Bezug auf den Gedanken der Wiederherstellung; wenn ich den Geist Christi habe, werde ich dafür empfindsam sein, inwieweit die Braut nicht mehr passend für Ihn ist, und das Gefühl der Untreue wird begleitet sein von dem Wunsch, passender für Ihn zu werden. „Jeder, der diese Hoffnung zu ihm hat, reinigt sich selbst gleich wie er rein ist.“ – Das ist der Grundsatz. Die Braut, die nach dem Bräutigam ausschaut, wird danach suchen, für Ihn gereinigt zu seinen, bereitet und fertig zu sein für Ihn durch „die Waschung mit Wasser durch das Wort“. Geistliche Energie wird darauf aus sein, dass die Kirche für Christus bereit ist. Der Herr hat uns geistlich in ein Land des Segens gebracht, aber wir haben das Bewusstsein verloren, dass wir für Ihn sind, und sind mit diesem und jenem beschäftigt worden und nicht mehr empfindsam dafür, dass wir für Ihn und für Ihn allein da sind. Es würde unendlich glücklich für unsere Seelen sein, wenn wir nichts wüssten von dem, was um uns her passiert außer so, wie Gott es vor uns bringt, und wenn wir das Licht der Wahrheit in voller Kraft auf unseren Seelen hätten, dass wir für Ihn sind – die ganze Seele sollte Ihm gehören, und Ihm allein.

Wiederherstellung?
Wiederherstellung ist nicht das Ziel, das wir suchen sollten. Wenn jemand eifrig im Dienst Gottes ist und er nicht völlig Gottes Gegenstand hat, wird er etwas erreichen, denn er wird etwas an dessen Stelle aufstellen: einen anderen Gegenstand, der genauso aussieht, aber doch etwas anderes ist. Paulus war nicht erfolgreich, denn das Ende bei ihm war: „Alle suchen das Ihrige.“ Wenn ein Mensch Gottes Gegenstand hat und durch und durch für Gott arbeitet, dann muss er ein Mann der Trauer sein. Paulus schaffte es nicht, den Glauben seiner Mitarbeiter noch den der Kirche zu seinem eigenen hochzuziehen. Der wahre Gedanke in Bezug auf die Kirche heute ist: ein Volk – bereit im Geist für ihren Herrn; nicht als geschmückt, weil das Auferstehungsherrlichkeit ist, sondern bereit im Geist durch die „Waschung mit Wasser durch das Wort“. Ich glaube, der einzige Gegenstand in allem Dienst, selbst im Evangelisieren, ist, die Kirche Gott als Christi Braut darzustellen: völlig abgesondert für Ihn, so wie eine Braut sein sollte. Dienst und Wiederherstellung der Kirche sind völlig verschiedene Sachen. Ich diene heute Abend, aber ich stelle nicht wieder her. Viele mögen darüber verwirrt sein. Trotzdem zweifle ich nicht, dass Dienst dafür da ist, dass „die Waschung mit Wasser durch das Wort“ durchgeführt wird, „um ein zubereitetes Volk zuzubereiten für den Herrn“.

Ordnung
Nun möchte ich doch darauf hinweisen, dass ich in keinem Fall Ordnung unterbewerte. Unterwerfung unter den Geist Gottes zeigt sich darin, dass man sich dem unterwirft, was der Geist Gottes gibt. Aber ich verfolge das nicht als einen Gegenstand, sondern ich schaue hin nach dem Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Doch ich zweifle nicht, dass meine ganze Arbeit für die Heiligen als Dienst ankommen wird.

Frage: Gibt es heute eine Kirche auf der Erde oder nicht?

J.N.D.: Gibt es eine Armee oder nicht? Nehmen wir an: eine Armee, nicht zerstört, aber zerstreut in alle vier Winde – wieso, da ist eine Armee, und da ist keine Armee; sie hat ihren gemeinsamen Charakter verloren.


Originaltitel: „The Public Ruin of the Church“
aus Miscellaneous, Bd. 32, S. 392–407

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