Antwort auf die Stellungnahme von Karl-Heinz Vanheiden bezüglich der NeÜ

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© SoundWords, online seit: 21.10.2020, aktualisiert: 21.10.2020

Vorab

Wir wollen gerne eine Antwort geben auf die Stellungnahme von Karl-Heinz Vanheiden (in der Folge mit KHV abgekürzt) bezüglich der Kritik von Dirk Schürmann (in der Folge mit DS abgekürzt) an kommunikativen Übersetzungen im Allgemeinen und der NeÜ im Speziellen.

Die Kritik an der NeÜ von DS kann man hier nachlesen: 
Elberfelder lesen und nichts verstehen – NeÜ lesen und Bibel verstehen

Die Stellungnahme von KHV kann man hier nachlesen:
Stellungnahme zur Kritik von DS

Obwohl DS versucht hatte, die Kritik so sachlich wie möglich und so unpersönlich wie möglich zu halten, scheint KHV sie zum Teil als Kritik an seiner Person angesehen zu haben. So schreibt er von einer „ungeheuerlichen Unterstellung für … den Übersetzer“. Er fragt: „Wie sehr kann man sich eigentlich noch in seinen Formulierungen versteigen?“ Er wirft DS vor, jegliche kommunikativen Übersetzungen zu „verteufeln“, die Klarheit der Schrift zu leugnen, die Schrift eigentümlich auszulegen, verschwurbelte Deutungen zu geben und Verse nicht zu Ende gelesen zu haben und häufig Dinge in die NeÜ hineinzudeuten. Auf seiner Website hatte er seine Stellungnahme mit sehr vielen Lobes- und Dankesaussagen über seine Übersetzung verbunden, die wohl zeigen sollten, wie viele Menschen jetzt die Bibel durch seine Übersetzung verstanden haben, ohne dabei zu berücksichtigen, dass auch noch 100 weitere solcher Aussagen überhaupt nichts darüber aussagen, ob diese Leser jetzt wirklich die Bibel verstanden haben oder nur verstanden haben, wie KHV die Bibel versteht.

Warum nicht beide Übersetzungen verwenden?

Unter der Überschrift „Warum nicht beide Übersetzungen verwenden?“ schlägt KHV vor, sich nicht zu streiten, sondern einfach beide Übersetzungsmethoden (wortgenau oder sinngenau) nebeneinander zu lesen. Damit sind wir zum Teil einverstanden. Was wir jedoch kritisieren ist, dass man hier von einer Übersetzung spricht und somit den Eindruck erweckt, dass es sich genauso um Gottes Wort handelt wie bei der wortgenauen Übersetzung. Wir erleben es, dass viele junge Leute in die Bibelstunde oder zu Jugendtagen kommen und hauptsächlich die NeÜ als „ihre Bibel“ lesen und dass junge Leute dabei den Eindruck haben, das zu lesen, was Gott beabsichtigte. In Wirklichkeit lesen sie jedoch in vielen Fällen lediglich eine Interpretation des Wortes Gottes und das wollten wir mit der Kritik an der NeÜ zum Ausdruck bringen. Natürlich hat jede Übersetzung auch seine Schwächen; wir halten zwar tatsächlich die Elberfelder Bibel (CSV-Edition) für am nächsten am Grundtext, aber es bleibt eine Übersetzung.

Wortgenau oder sinngenau?

KHV stellt zunächst noch einmal klar, dass seine Übersetzung, wie jede andere kommunikative Übersetzung, „sinngenau“ ist. Wenn wir uns jedoch von der Wortgenauigkeit hin zur Sinngenauigkeit bewegen, wird es immer schwieriger für den normalen Bibelleser, sicherzustellen, ob er nun eine Interpretation liest oder wirklich Gottes Wort. Bei „sinngenau“ muss es zwangsläufig so sein, dass die Übersetzer den Sinn ganz genau richtig verstanden haben. Wenn nicht, wird der Leser oberflächlich zwar immer noch mehr verstehen, aber nicht unbedingt das, was Gott sagen wollte. Daher bleibt zwangsläufig für den Leser bei einer kommunikativen Übersetzung immer die Unsicherheit, ob es wirklich Gottes Wort ist, was er gelesen hat. Deshalb plädieren wir dafür, schwierige Stellen nicht zu vereinfachen, sondern es dem Studium des Lesers zu überlassen, welche Interpretation er wählen möchte. Wenn er das unter Gebet, der Leitung des Geistes und der Ausnutzung der Lehrergaben, die der Herr gegeben hat, tut, wird er viel eher eine Sicherheit bekommen, dass er die Worte Gottes und deren Sinn verstanden hat, aber unter Umständen auch vorsichtig mit seiner Deutung sein, wenn es andere Auslegungen gibt.

Autoritative Erklärungen von DS?

Es geht uns gerade nicht darum, dass der Leser jetzt den angeblich „autoritativen Erklärungen von Dirk Schürmann“ glauben sollte. Es wird lediglich aufgezeigt, dass es auch vernünftige andere Lesarten gibt und es nicht gut ist, für den Leser eine Wahl zu treffen. Wir möchten gerade den mündigen Bibelleser fördern. Dass es gar nicht zuerst um die Auslegung von Dirk Schürmann ging, zeigt auch der Satz:

Wer nicht meinem Bibelverständnis folgt, sondern dem von Karl-Heinz Vanheiden, wird dennoch zugeben, dass der Grundtext ein anderes Textverständnis erlaubt und dass die Übersetzung von Vanheiden diese Möglichkeit nicht mehr aufzeigt.

Damit ist klar, dass der Vorwurf von KHV bezüglich der „festgelegten Deutungen bei Bruder Schürmann“ und dass „in all solchen Fällen […] DS in seinen Erklärungen eindeutig festgelegt [ist] und […] alles andere für falsch [hält]“ nicht greifen. Sicher ist DS von seiner Erklärung überzeugt, sonst sollte er sie besser nicht abgeben, aber das ist KHV von seiner ja auch, denn sonst würde er sie ja nicht in seiner Übersetzung verwenden. Der große Unterschied zwischen KHV und DS ist allerdings der, dass DS seine Erklärung als Auslegung angibt, während KHV seine Erklärung zum Wort Gottes erklärt.

Das Argument: Die LXX ist doch auch eine Übertragung

Unter der Überschrift „Warum nicht beide Übersetzungen verwenden?“ stellt KHV die Frage: Wie soll man übersetzen?

Jede Art der Übersetzung hat Vorteile und Nachteile. Außerdem ist keine Übersetzung identisch mit dem Grundtext, aber Gott in seiner Gnade wirkt auch durch die Übersetzungen hindurch und das schon seit mehr als 2200 Jahren, nämlich seit der ersten Übersetzung des Alten Testaments.

Später unter der Überschrift „2. Das Urteil“ schreibt er noch:

DS behauptet, dass jede sinngenaue Übersetzung der Versuch sei, das zu verbessern, was Gott anscheinend nicht gut genug gelungen ist. Doch damit tadelt er auch äußerst wichtige Übersetzungen in der Heils- und Kirchengeschichte wie die Septuaginta (LXX), die auch von den Aposteln im Neuen Testament zitiert wird, obwohl sie teilweise sehr frei ist.

Hier liegt nach unserem Dafürhalten ein Denkfehler vor. Die LXX wurde von dem Herrn Jesus selbst genutzt und der teilweise sogar etwas veränderte Sinn bei den benutzten Textstellen damit zusätzlich autorisiert. Das gilt auch für die Verwendung der LXX oder sogar einer ganz freien Übersetzung der Briefschreiber in den Briefen des NT durch den Heiligen Geist, der sie inspiriert hat. Keinesfalls gilt das aber für die LXX insgesamt. Gibt es also eine ähnliche Autorisierung für die NeÜ? Solange diese Autorisierung nicht vorliegt, spricht überhaupt nichts dagegen, die Bibel so zu übertragen, dass man seine eigenen Interpretationen darin verarbeitet, aber dann darf man seine Übertragung nicht „Bibelübersetzung“ oder „Bibel.heute“ nennen.

Unsere Kritik besteht nicht darin, dass sich KHV die beachtenswerte Mühe gemacht hat, die Bibel für heutige Leser zu übertragen, sondern dass er sie dadurch, dass er sie neben andere Übersetzungen stellt, auf die Stufe von Gottes Wort erhebt. Der Zusatz zur NeÜ lautet „Bibel.heute“, und „Bibel“ bedeutet in unserem Sprachgebrauch das Wort Gottes und dahin gehend läuft auch unsere Kritik. Nebenbei muss es doch möglich sein, diese Kritik auch zu äußern und es dem Leser zu überlassen, ob er sie nachvollziehen kann oder nicht. Deshalb finden wir den Hinweis von KHV auf eine angebliche „kritisch-selbstsichere Beurteilung“ für überflüssig, denn ebenso selbstsicher trifft doch auch KHV seine Interpretationen von Gottes Wort und nennt sie auch noch „Bibel.heute“ (also „Gottes Wort.heute“). Wir würden seine „selbstsichere“ Beurteilung jedoch gar nicht kritisieren, denn das Wort Gottes verlangt von jedem, der öffentlich das Wort Gottes predigt, dass er „völlig überzeugt“ (Kol 4,12; 2Tim 3,14) ist; das heißt aber nicht, dass er immer Recht hat. Das gilt für KHV ebenso wie für DS.

Wortgenaue und sinngenaue Übersetzungen nebeneinander lesen

KHV schreibt:

Von einem hochkarätigen Sprachwissenschaftler erhielt ich einmal folgenden Rat: Am besten ist es, eine sinngenaue und eine wortgenaue Bibel nebeneinander zu verwenden. Wenn beide den gleichen Inhalt wiedergeben, kann ich sicher sein: Das ist Gottes Wort (für mich).

Dagegen stellt sich der Artikel über die NeÜ nicht. Dennoch war es ja gerade der Wunsch von DS, aufzuzeigen, dass beide Übersetzungsmethoden eben häufig nicht den gleichen Inhalt wiedergeben, dass sich KHV in vielen Fällen für eine Interpretation entschieden hat, wobei DS dafür plädiert, den Wortlaut nicht zu verändern, auch wenn das dann möglicherweise verschiedene Interpretationen zulässt. Noch einmal möchten wir betonen, dass wir nicht grundsätzlich solche Hilfestellungen im evangelistischen Bereich und auch darüber hinaus ablehnen. Jeder Kommentar zur Bibel kann grundsätzlich eine gute Verständnishilfe sein und zählt zu den Gaben, auf die jeder Christ dankbar zurückgreifen darf.

Die Klarheit der Schrift

KHV macht den Vorwurf (unter „2. Das Urteil“), dass DS die „Klarheit der Schrift“ leugnen würde. Dazu bringt er ein Zitat von Luther, indem er schreibt: „Martin Luther hat einmal gesagt, dass ein siebenjähriges Kind alles verstehen könnte, wenn es die Originalsprachen beherrschte. Jeder kann lesen und verstehen, was ausgesagt ist.“ Dieser Aussage steht der Aussage des zweiten Petrusbriefes gegenüber, dass einige Briefe von Paulus schwer zu verstehen sind. Wem wollen wir hier glauben? Luther selber hat jedenfalls einige Teile des Neuen Testaments so wenig verstanden, dass er sie für gar nicht zum inspirierten Wort Gottes zugehörig rechnete. Um zum Heil zu finden, brauche ich keine Kenntnis der Originalsprache, aber wie ein siebenjähriges Kind den Ausdruck „die Verwaltung der Fülle der Zeiten“ richtig verstehen soll, mag der Leser selber urteilen.

KHV lehnt die Begründung von DS ab, warum einige Bibelstellen offensichtlich bewusst etwas schwer verständlich sind. Er schreibt:

DS zitiert 2Pt 3,15-16, wo Petrus bemerkt, dass einige Dinge bei Paulus schwer zu verstehen sind. DS lässt aber den Zusammenhang weg, dass es nämlich 1. Unwissende und ungefestigte Menschen sind die auch die Schriften des AT verdrehen. 2. geht es Petrus in diesem Zusammenhang um Endzeitfragen. Dazu passt auch Off 1,1, wo Jesus Christus seinen Dienern (Sklaven) Dinge der Zukunft offenbart. DS behauptet, dass es dabei aber nicht um alle Christen geht, sondern nur um besonders hingegebene. Diese Behauptung wird aber vom übernächsten Vers (Off 1,3) durchgestrichen, wo alle Leser und Hörer angesprochen sind.

Dem können wir nicht folgen. Erst einmal geht es darum, dass der Apostel Petrus davon spricht, dass einige Schriften von Paulus schwer zu verstehen sind. Das gilt erst mal grundsätzlich und weil diese Schriften oftmals schwer zu verstehen sind, werden sie von den Unwissenden verdreht. Dass die Unwissenden diese Schriften verdrehen, bedeutet aber nicht, dass diese Schriften nur für die Unwissenden schwer zu verstehen sind – hier wird unseres Erachtens ein falscher Rückschluss gezogen. Es ist nach unserem Dafürhalten völlig unerheblich, ob es im Zusammenhang um Endzeitfragen geht. Dieser Vers besagt eindeutig, dass das obige Zitat von Martin Luther nicht haltbar ist. Denn die Heilige Schrift besteht zu einem sehr großen Teil aus dem prophetischen Wort. Nebenbei muss man noch sagen, dass Petrus sehr wahrscheinlich besonders auf den Hebräerbrief anspricht, und hier geht es gar nicht um Endzeitfragen, sondern tatsächlich sehr häufig um das Thema „Errettung“, wie es ja auch gerade der Vers 2. Petrus 3,15 deutlich macht. In Bezug auf Offenbarung 1 übersieht KHV, dass es zum einen in Vers 1 um Verständnis, in Vers 3 dagegen um Lesen, Hören und Bewahren geht; und zum anderen fragen wir uns, ob solche, die die Aufforderung von Vers 3 wirklich befolgen, nicht sowieso nur solche sind, die sich als Knechte ihrem Herrn „ganz mit ihrem Leben für den Dienst zur Verfügung gestellt haben“, wie DS schreibt.

KVH möchte das Argument entkräften, dass Gott gar nicht immer will, dass bestimmte Dinge von jedem sofort zu verstehen sind. So zitiert KHV sogar die Feinde Gottes, die das Wort sofort verstehen konnten. Es wurde in dem Artikel über die NeÜ nie gesagt, dass Gott grundsätzlich nicht wollte, dass sein Wort verstanden würde; es ging lediglich darum, dass man nicht behaupten kann, dass es immer das erste Ziel Gottes ist. Es ist viel komplexer, als lediglich zu sagen: Gott möchte, dass Er immer von einem Siebenjährigen verstanden wird. Es geht aber noch weiter: Wenn es für alle Menschen verständlich und wenn alles in der Schrift zu verstehen wäre, wäre es dann noch eine besondere „überströmende“ Gnade „uns gegenüber“, dass wir Erkenntnis haben sollten über „das Geheimnis seines Willens“ (Eph 1,8.9)? Wäre es noch etwas Besonderes, von dem Herrn „Freunde“ genannt zu werden, wenn seine Geheimnisse vom Vater jetzt selbst für seine Feinde offen wären (vgl. Joh 15,15). Würde 1. Mose 18,17-19 noch irgendeinen Sinn ergeben, wenn unser moralisches Verhalten für die Offenbarung Gottes gar keine Rolle spielt?

Unter Punkt 4 „Die Denkweise“ lässt es sich KHV nicht nehmen eine bestimmte Gemeinderichtung zu diffamieren und zu stigmatisieren, so dass jeder sofort sagen muss: Ach ja, aus Nazareth kann ja gar nichts Gutes kommen. – Die Redaktion von SoundWords gehört gar nicht zu der Gruppe der exklusiven Brüder. Wie sollte es da ihr Ziel sein, deren Lehrsystem zu verteidigen. Hier geht es um das Ringen in der Frage, was Gottes Wort ist und was nicht, auf was wir unseren allerheiligsten Glauben gründen und worauf nicht. Das sind alles sehr fundamentale Fragen und sie sind weit weg davon, um sie mit einem Hinweis auf eine angeblich falsche Gruppenzugehörigkeit oder Denkweise ad acta zu legen. Es ist viel zu einfach, nur das Totschlag-Argument zu benutzen, dass jemand einer „falschen“ Gruppe oder Denkweise angehört und deshalb automatisch unrecht haben muss. Jedenfalls wird das bei KHV suggeriert. So schreibt er:

Die Ergebnisse stehen schon vor jeder ernsthaften Exegese fest und die Auslegung wird so hingebogen, dass sie zum System passt. Das wird in fast allen Beispielen deutlich, die Bruder Schürmann unten kommentiert.

Der Artikel über die NeÜ sollte, ganz im Gegenteil zu der Behauptung von KHV, nicht zuerst deutlich machen, wo man sich lehrmäßig unterscheidet (wenn das natürlich auch ein Nebeneffekt war), sondern eine gewissenhafte und begründete Antwort sein, warum man viele Bibelstellen, die in der NeÜ bereits interpretiert übertragen wurde, auch durchaus anders verstehen kann. An keiner Stelle behauptet DS, dass er die einzig wahre Auslegung hätte oder er es allein ist, der das Wort Gottes recht teilt, wie KHV es dem Denksystem der exklusiven Brüder vorwirft. Es wäre doch gut, den Satz am Ende des Artikels über die NeÜ noch einmal zu lesen, wo DS schreibt:

Wer nicht meinem Bibelverständnis folgt, sondern dem von Karl-Heinz Vanheiden, wird dennoch zugeben, dass der Grundtext ein anderes Textverständnis erlaubt und dass die Übersetzung von Vanheiden diese Möglichkeit nicht mehr aufzeigt.

Ausgewählte Beispiele

Zu Punkt 5 „Ausgewählte Beispiele“ schreibt KHV:

Sacharja 13,7:

In Sach 13,7 mokiert DS, dass ich den Begriff „Genosse“ wiedergegeben habe mit „der mir am nächsten steht“. Gemeint ist wahrscheinlich der Sohn Gottes. Ich bin überzeugt, mein Sohn steht mir sehr viel näher als jeder Genosse.

Nun mag das bei KHV ja der Fall sein, und das ist sicher immer schön, wenn das so ist, aber hier geht es eben gar nicht nur darum, die Nähe zu bezeugen – dann hätte hier direkt stehen können „der mein Sohn ist“. Es geht viel mehr darum, auch die gleiche Stellung zu betonen. Wenn mein Sohn ein Jahr ist, dann mag ich ihn lieber haben als meine Genossen, aber er ist dann sicher nicht auf Augenhöhe.

1. Johannes 1,3.7:

Ähnlich ist es 1Joh 1,3.7. Hier bestreitet DS, dass koinonia etwas mit verbunden sein zu tun hat und behauptet, dass Gemeinschaft immer eine praktische Sache ist, die ausgelebt werden muss. Aber wie sollte dem alten Johannes das aus weiter Entfernung mit seinen Briefempfängern möglich sein?

Das hatte DS in seiner Aussage bereits geschrieben: „Damit teilen wir mit den Aposteln dieselben Interessen, Gedanken und Empfindungen.“

Micha 5,1:

Mi 5,1 behauptet DS, dass meine Übersetzung: „Sein Ursprung liegt in der Vorzeit, / sein Anfang in der Ewigkeit“ den Leser verführen würde, zu glauben, dass Christus einen Anfang gehabt hätte. Das ist eine Hineindeutung von DS in die NeÜ, wie er es häufig in seinen Beispielen tut. Ich frage mich: Versteht DS denn gar nichts von Poesie? Der zweite Satzteil sagt doch das gleiche aus wie der erste!

Es geht gar nicht darum, ob DS etwas von Poesie versteht oder nicht, sondern darum, ob man bei „seine Ursprünge“ dieselben Gedanken bekommt wie bei dem Ausdruck „sein Anfang“.

Offenbarung 3,10:

Off 3,10 geht es um eine Genitivkonstruktion. EÜ: „Weil du das Wort meines Ausharrens bewahrt hast.“ NeÜ: „Weil du meine Aufforderung zur Standhaftigkeit beherzigt hast.“ Geht es hier um etwas, was Christus getan hat oder war er uns sagt? DS erklärt eine halbe Seite lang, warum nur seine Deutung richtig ist. Aber in solchen Fällen muss der Übersetzer immer entscheiden, was am besten in den Zusammenhang des Textes passt. So ist es zum Beispiel häufig bei den Aussagen vom Glauben. Meint es den Glauben des Christus oder den Glauben an Christus? Gal 2,20: Lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes oder im Glauben des Sohnes Gottes? In all solchen Fällen ist DS in seinen Erklärungen eindeutig festgelegt und hält alles andere für falsch.

Hier behauptet KHV, ein Übersetzer müsse bei einer Genitivkonstruktion immer entscheiden, ob er sie als subjektiven Genitiv (das Wort im Genitiv handelt selber) oder als objektiven Genitiv (es wird in Bezug auf das Wort im Genitiv gehandelt) übersetzt. Das ist aber nicht richtig. Die normale Genitivkonstruktion im Deutschen wie im Griechischen ist so, dass sie beide Interpretationen zulässt. Daher ist es in Zweifelsfällen Anmaßung, zu sagen, dass die Übersetzung in die eine oder andere Richtung nun Gottes Wort sei. Wer zum Beispiel in einer Zeitung folgenden Satz lesen würde: „Nach dem Spiel von Bayern München fiel Manuel Neuers Beurteilung schlecht aus“, könnte ohne weitere Informationen nicht mit Sicherheit entscheiden, ob nun Manuel Neuer beurteilt wird oder ob er selber das Spiel beurteilt hat. Es wäre dann anmaßend, die Aussage in der einen oder anderen Variante weiterzugeben. Wenn ich fair sein will, müsste ich sie in demselben Wortlaut weitergeben. Die Auslegung von DS, die auch von vielen anderen Bibelauslegern geteilt wird, zeigt jedenfalls, dass das Verständnis des Genitivs als subjektiver Genitiv sehr wohl Sinn ergibt und tatsächlich aus der Sicht von DS auch mehr in den Zusammenhang passt. Auch hier gilt wieder: Es geht nicht darum, welche Auslegung stimmt, sondern die Übersetzung von KHV lässt den Leser überhaupt nicht auf den Gedanken kommen, dass eine andere Auslegung möglich ist.

Römer 3,23:

Die Worte in den biblischen Grundsprachen sind oft mehrdeutig. Röm 3,23: Haben die Menschen NeÜ: die Herrlichkeit Gottes verloren oder EÜ: erreichen sie nicht die Herrlichkeit Gottes? Das entsprechende griechische Wort kann sowohl verloren, verfehlt als auch erlangen bedeuten. Der Zusammenhang mit Vers 24 deutet eher auf die Version der NeÜ. Aber DS hält nur eine, d.h. seine Erklärung für richtig.

Wir kennen kein griechisches Wörterbuch, das für das griechische Wort hystereo „verlieren“ als Übersetzungsmöglichkeit anbieten. Vielleicht ist KHV im Besitz eines solchen Wörterbuchs, aber die Standardwörterbücher – Greek NT Lexicon (Danker), Greek NT Lexicon (Gingrich), Analytical Greek Lexicon (Friberg), Taschenwörterbuch Altgriechisch—Deutsch (Langenscheidt), Wörterbuch zum Neuen Testament (Bauer) – bieten diese Übersetzung jedenfalls alle nicht.

2. Timotheus 2,19:

Besonders auffällig ist das bei der Erklärung, besser Deutung von 2Tim 2,19. NeÜ: Wer den Namen des Herrn nennt, meide das Unrecht. EÜ: … stehe ab von der Ungerechtigkeit. Das beinhaltet nach DS: „Trennung von allem, wo Ungerechtigkeit geduldet wird. Das schließt mit ein, dass man sich auch persönlich z.B. von Gemeinden trennt, die das Schweigegebot für Frauen in der Versammlung nicht akzeptieren wollen.“ Es ist nicht zu fassen, was hier das Wort „Ungerechtigkeit“ aussagen soll. Mit Exegese, also sauberer Schriftauslegung hat das nun wirklich nichts zu tun.

Merkt KHV hier nicht, dass man ihm jetzt umgekehrt mit viel mehr Autorität entgegenhalten könnte: Es ist nicht zu fassen, wie man nach Belieben das Wort „Ungerechtigkeit“ einschränken will. Wer an einer Wortstudie zum Ausdruck „Ungerechtigkeit“ interessiert ist, findet dazu Hinweise in folgendem Artikel: Kirchliche Ungerechtigkeit – gibt es das?

Der Textzusammenhang wird von DS häufig zugunsten einzelner Begriffe vernachlässigt. So behauptet er in 1Joh 4,1, dass es hier nicht um Menschen geht, sondern um satanische Geister. NeÜ: Ihr Lieben, glaubt nicht jedem, der behauptet, er sei mit Gottes Geist erfüllt, sondern prüft, ob er wirklich von Gott kommt. EÜ: Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind. Wenn DS nur den Vers zu Ende gelesen hätte, müsste er merken, dass eine Begründung folgt: „Denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgegangen“. Es geht um gewisse Menschen, mit denen die Gläubigen zu tun haben und denen sollen wir keinen Glauben schenken.

Es ist – um mit den Worten von KHV zu sprechen – „nicht zu fassen“, wie er hier aus Geistern Menschen machen will. Doch ist es gerade eine so wichtige Botschaft für Christen, dass sie wissen, woher die falschen Propheten ihre Inspiration haben. Paulus hat davor auch schon im ersten Timotheusbrief gewarnt. Propheten werden bei ihren Weissagungen immer entweder vom Geist Gottes (z.B. 4Mo 24,2) oder von einem bösen Geist geleitet (z.B. 1Kön 22,22.23). Umgekehrt brauchen böse Geister Menschen um sich artikulieren zu können. Daher bestätigt der Zusammenhang hier gerade die wörtliche Übersetzung.

Fazit

Natürlich können wir verstehen, dass KHV nicht erfreut ist, dass sein Lebenswerk kritisiert wurde. Jedoch geht unsere Kritik nicht so weit, dass wir seine Mühe und Arbeit samt und sonders verurteilen oder nicht wertschätzen – im Gegenteil, wir haben für evangelistische Zwecke selbst von dieser als Übertragung (Paraphrase) Gebrauch gemacht. Wir sehen jedoch eine Gefahr darin, dass man diese Übertragung nicht als solche ansehen könnte, weil sie nach außen hin als Bibelübersetzung angepriesen wird und besonders junge Menschen auf Dauer den Wert einer wortgenauen Übersetzung nicht mehr erkennen können und sich allzu schnell an die NeÜ gewöhnen, ohne diese wichtigen Vorfragen geklärt zu haben. Es liegt uns nichts daran, hier irgendeinen Grabenkampf auszutragen und Wortstreit zu führen. Auch sollte die sachliche Darstellung von DS nicht zu dem Gedanken führen, dass seine Auslegungen unbedingt fehlerfrei oder die einzig möglichen Auslegungsarten wären. Vielmehr sollte dem Leser klarwerden, dass es auch noch andere gut begründete Auslegungsmöglichkeiten gibt, die jedoch durch die von KHV gewählte Übersetzung dem Leser nicht mehr in den Sinn kommen können.

Das ist übrigens auch einer der großen Unterschiede zur von KHV ins Spiel gebrachten neuen Menge-Übersetzung. In dieser neuen Überarbeitung haben die Herausgeber sich bemüht, in allen Fällen, wo Menge frei übersetzt hat, die wörtliche Übersetzung in der Fußnote anzugeben. Dadurch kann der Leser sich wenigstens selber ein Bild machen, wie weit und in welche Richtung hier Menge von dem eigentlichen Text abgewichen ist.

Diese erneute Antwort unsererseits möchte deshalb auch nicht den Kampf weiter anheizen, sondern nur darlegen, warum wir die Anschuldigungen von KHV zurückweisen müssen.

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