Warum ich „den alten Weg“ nicht mehr gehen kann
Ein Brief

SoundWords

© SoundWords, online seit: 30.01.2010, aktualisiert: 10.11.2017

Dieser Artikel soll eine kleine Hilfestellung sein, um zu verstehen, warum es solche gibt, die „trotz“ Studium der Schrift und der Brüderliteratur „den Weg verlassen haben“.

Ein Bruder aus einer geschlossenen Versammlung schrieb einem Bruder aus einer getrennten Versammlung Folgendes: „Was ich aber nicht so leicht verstehen kann, ist dieses, dass Du beim Studium der Brüderliteratur nicht den Weg finden konntest, den Gottes Wort uns doch so deutlich vorstellt. Die Liebe zu allen Heiligen ist mir wirklich auch ein ernstes Anliegen. Doch ich bin der Überzeugung, dass die Liebe zu unserem Herrn und die damit verbundene Unterwürfigkeit unter Sein Wort den Vorrang haben muss. Wenn ich meinen Gefühlen nachgegangen wäre, so würde ich mich heute sicherlich bei den ‚Offenen Brüdern‘ oder ‚Freien Brüdern‘ oder ‚Blockfreien Gemeinden‘ befinden. Doch ich bin meinem Herrn von Herzen dankbar, dass Er mich vor einem solchen Abweichen von dem Weg nach der Schrift bewahrt hat.“

In einem Antwortbrief wurde versucht, mit einem einzigen leicht verständlichen Beispiel zu erklären, warum manche Brüder aus geschlossenen Versammlungen den „alten Weg“ nicht mehr mitgehen können. Es gibt sicher viele Gründe. Doch manches muss oft erst weitläufig erklärt werden, was dann für viele schnell „zu kompliziert“ wird. Deswegen wurde hier bewusst ein leicht verständliches Beispiel gewählt.

Hier das Beispiel:

Lieber …, du kennst Bruder X und Bruder Y. Über Bruder Y haben selbst die, welche die Versammlung in Z hinausgetan haben, geschrieben, dass er in großer Hingabe mit seiner Familie dem Herrn dient. (Ähnliches hat man übrigens auch Brüdern aus G bescheinigt.) Ich habe nirgendwo gelesen, dass sie mit moralisch oder lehrmäßig Bösem oder mit Geschwistern, die selbst moralisch oder lehrmäßig böse sind, in Verbindung stehen.

Du wirst vielleicht sagen: „Ja, aber sie befleißigen sich nicht, die Einheit des Geistes zu bewahren.“ Wenn ich auch persönlich zutiefst überzeugt bin, dass das nicht stimmt, so lass uns doch einmal im Moment davon ausgehen, dass es stimmen würde. Gehen wir einmal davon aus, dass sie völlig falsche Vorstellungen über die Wahrheit von dem einen Leib hätten. Gehen wir weiter davon aus, ich befände mich noch auf dem „alten“ Weg. Jetzt kommen X und Y an einem Sonntag zu Besuch und sitzen neben mir in der Zusammenkunft. Dann wäre ich gezwungen, ihnen das Brot zu verweigern. Ich wäre gezwungen, sie daran zu hindern, auszudrücken, dass auch sie die Gemeinschaft des Leibes des Christus haben, dass auch sie zu dem einen Leib dazugehören. Und das alles nur wegen ihres „falschen Verständnisses“ in einer kirchlichen Frage. Hierzu schreibt W. Kelly:

Zweifellos ist jede Wahrheit an ihrer Stelle und zu ihrer Zeit wichtig; aber es ist schlimmer als bloße Unkenntnis, wenn man den Leib auf dieselbe Ebene stellt wie das Haupt. Ein kirchlicher Irrtum, selbst wenn er ein wirklicher und schwerwiegender Irrtum ist, kommt niemals der Leugnung der Lehre des Christus gleich. Bedenken wir nur, wie ernst uns der Apostel der Liebe, der Älteste, ermahnt, in einem solchen Fall auf der Hut zu sein! Selbst nicht im privaten Bereich – und noch viel weniger öffentlich – sind wir frei, die aufzunehmen, die nicht die Lehre des Christus bringen. Wir sind unzweideutig verpflichtet, nicht nur Irrlehre im Allgemeinen nicht zu dulden, sondern im Besonderen alles abzuweisen, was eine Lüge gegen Christus ist, und auch diejenigen, die solche Irrlehrer aufnehmen, als Teilhaber an deren bösen Werken zu behandeln. Aber wir sind nicht berechtigt, die Kirche und Christus gleichzusetzen, wie es die Katholiken tun, oder einen kirchlichen Irrtum der Sünde gegen die Person Christi zur Seite zu stellen. Das wäre nicht Glaube, sondern Fanatismus. Was sollen wir von solchen denken, die diesen Unsinn als Wahrheit betrachten und verbreiten?

Lieber …, merkst Du, wie ich mein Gewissen für solch eine Handlung „vergewaltigen“ müsste?

Ich müsste diesen Hochmut – entschuldige, wenn das jetzt für Dich sehr hart klingen mag – mitmachen, und im Prinzip würde ich damit sagen, dass ich selbst so viel „reiner“ bin als X und Y, dass ich teilnehmen kann, sie jedoch nicht, bloß weil ich über Epheser 4,3 die unserer Meinung nach richtige Auffassung habe. Ich müsste diese Verachtung meiner Brüder mitmachen, dass man ihnen bloß wegen eines kirchlichen Irrtums das Teil am Leib Christi in Frage stellt, ja in gewisser Weise sogar abspricht.

Ich müsste die Verachtung dessen mitmachen, dass der Herr gestorben ist, um die zerstreuten Kinder Gottes in eins zu versammeln. Er starb für das, wozu mir ein kirchlicher Irrtum ausreicht, es, was die Praxis angeht, zu zerstören.

Ich müsste gegen das klare Wort Gottes handeln, das mir sagt: „… denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“, und das für Fragen der Gemeinschaft nur eine Ausnahme kennt: keine Gemeinschaft zu haben mit moralisch oder lehrmäßig Bösem (zu Letzterem gehören Dinge, die die Person des Herrn und sein Werk antasten, nicht aber unterschiedliche Schriftauffassungen über kirchliche Fragen) oder keine Verbindung zu solchen, die mit diesem Bösen behaftet sind. Eine Ausnahme für „kirchliche Irrtümer“ kennt die Schrift aber nicht.

Diese schrecklichen Sünden kann ich nicht auf mein Gewissen laden. Deswegen kann ich diesen Weg nicht mehr gehen. Wenn Du das überdenkst, kannst Du dann wirklich nicht verstehen, warum gottesfürchtige Christen einen anderen Weg für richtiger halten?

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