Der Herr Jesus musste den Gehorsam lernen ...
Was bedeutet dies im Zusammenhang mit Hebräer 5,7-9?

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Leitverse: Hebräer 5,7-9

Heb 5,7-9: [Jesus Christus,] der in den Tagen seines Fleisches, da er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, mit starkem Schreien und Tränen dargebracht hat (und wegen seiner Frömmigkeit erhört worden ist), obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte.

Frage

Um welche Begebenheit im Leben des Herrn Jesus geht es in Hebräer 5,7-9?

Antwort

Lieber …,

wir glauben, dass es sich hier nahezu (kleine Ausnahme siehe unten) ausschließlich um Gethsemane handelt. Und das hauptsächlich aus einem ganz bestimmten Grund: Es gibt im Leben des Herrn Jesus – in den Tagen seines Fleisches – keine Begebenheit, in der Er nicht mit dem Willen des Vaters in Übereinstimmung gewesen wäre. Ja, es war ja sogar seine Speise, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hat (Joh 4,34). Aber in dem einen Punkt – nämlich am Kreuz den Platz des Sünders einzunehmen, mit unseren Sünden beladen zu werden, ja selbst zur Sünde gemacht und deswegen von Gott verlassen und gerichtet zu werden – konnte das der Herr nicht wünschen, und dort ging der Wille des Herrn mit dem Willen des Vaters auseinander.

Sicherlich war es für Ihn als Sohn Gottes eine völlig neue Sache, als Mensch auf dieser Erde gehorsam zu sein, und in diesem Sinn hat Er auch sicherlich in seinem ganzen Leben hier auf der Erde den Gehorsam gelernt, aber hier und nur hier wurde der Gehorsam des Herrn auf eine solche Weise erprobt, und hier im Garten Gethsemane empfing der Herr Jesus die innere Bereitschaft, diesen Kelch der Leiden aus der Hand des Vaters anzunehmen – in der Weise wurde sein starkes Geschrei mit Tränen erhört –, wenn auch die Erhörung noch über Gethsemane hinausgeht, in dem Gott, der Ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, den Herrn tatsächlich aus diesem Tod durch die Auferstehung rettete und so das Gebet des Herrn erhörte.

Man könnte sich an dieser Stelle noch fragen, warum der Herr Jesus mit starkem Geschrei und Tränen seine Gebete darbrachte. Ist Er geringer als viele Märtyrer, die mit Freuden in den Tod gegangen sind? Natürlich nicht, aber kein Märtyrer musste auch je zur Sünde gemacht werden. Gleichzeitig zeigt dies aber auch, dass dieses starke Geschrei mit Tränen auch besonders auf Gethsemane zutrifft, denn wo sonst stand dies derart vor dem Herrn, zur Sünde gemacht zu werden als eben in diesem Garten. Am Kreuz war diese Seelenübung für den Herrn bereits eine durchlebte Sache. Am Kreuz war die Frage nicht mehr: „Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber“ – diese Frage wurde in Gethsemane geklärt und der Herr Jesus ging freiwillig und gleichzeitig auf das Gebot des Vaters hin (Joh 10,17.18) an das Kreuz. Hier lesen wir im Übrigen auch nicht, dass ein Engel Ihn stärkte, wie wir es im Garten Gethsemane lesen. Das spricht dafür, dass Gott das Gebet des Herrn in der Weise erhörte, dass Er in Gethsemane die innere Bereitschaft bekam, den Kelch der Leiden aus der Hand des Vaters anzunehmen.

„Der in den Tagen seines Fleisches, indem er sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tode zu erretten vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen dargebracht hat.“ Einmal hatte der Feind versucht, Jesus zu verführen, indem er Ihm Dinge anbot, die dem Menschen angenehm sind (Lk 4). Nun zeigte er sich Ihm mit den schrecklichen Dingen. Jesus bat nie darum, dass irgendein Kelch von ihm weggenommen würde, außer jenem einen, der bedeutete, dass Gott sein Angesicht von Ihm entfernen würde. Er fühlte in seiner Seele in der Stunde von Gethsemane alle die Schmerzen, die die Annahme des Schlages bedeuten würden, den Gott dabei war, gegen Ihn auszuführen. Allerdings, als Er eingeht in den Gedanken, dass es der Vater ist, der den Kelch bereitet hat, nimmt Er ihn an und opfert sich selbst. In Gethsemane musste Jesus kämpfen mit der Macht des Bösen: „Dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis.“ Auf dem Kreuz trug Er den Zorn Gottes und schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – „Und er wurde erhört.“ Jesus wurde erhört, in erster Linie, durch eine innere Befreiung, insofern, dass Er befähigt wurde, den Kelch aus der Hand seines Vaters zu nehmen und nicht aus der Hand Satans. In seinem Kampf in Gethsemane überwand Er die direkte Macht des Feindes. Der Feind hatte sich in einen Kampf gegen die Seele Christi gestürzt. Er war darin überwunden worden und es hatte sich gezeigt, dass seine Schreckensinstrumente machtlos waren. Die Stunde der Macht der Finsternis war zwar noch nicht ganz vorbei. Aber Jesus war befreit von den Schrecken, die der Feind auf seine Seele niederdrückte, und obwohl Er frei war dem Tod auszuweichen, wenn Er das wählte, so übergab Er sich doch selbst. Er geht auf die bösen Menschen zu und überliefert sich selbst in ihre Hände. Es ist klar, dass seine Seele nicht länger unter dem Druck des Feindes ist. Aber noch völliger wurde Er erhört in seiner Auferstehung. „Leben erbat er von dir, du hast es ihm gegeben: Länge der Tage immer und ewiglich“ (Ps 21,4). (J.N. Darby, aus „Notes to the Epistle on the Hebrews“ in Collected Writings, Bd. 28, S. 13ff.)

Liebe Grüße
die SoundWords-Redaktion

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