Findet die Hochzeit des Lammes im Himmel und das Fest auf der Erde statt?
Offenbarung 19,7-9

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© SoundWords, online seit: 03.07.2010, aktualisiert: 11.09.2018

Leitverse: Offenbarung 19,7-9

Off 19,7-9: 7 Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet. 8 Und es wurde ihr gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend und rein; denn die feine Leinwand sind die Gerechtigkeiten der Heiligen. 9 Und er spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die geladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.

Frage: Manchmal wird gesagt [zum Beispiel A.G. Fruchtenbaum in Handbuch für biblische Prophetie, S. 150], dass die Hochzeitszeremonie im Himmel und das Hochzeitsfest bzw. Hochzeitsmahl auf der Erde stattfinden würde. Stimmt das?

Antwort: Einige wollen die Hochzeit des Lammes im Himmel sehen und das Hochzeitsfest bzw. das Hochzeitsmahl auf die Erde verlegen, weil man nicht sieht, dass es zu dem Zeitpunkt der Hochzeit bereits alttestamentliche Gläubige im Himmel gibt. Tatsächlich müssen nach jüdischer Sitte die Hochzeit und das Hochzeitsmahl nicht zu einem einzigen Zeitpunkt und an einem einzigen Ort stattfinden. Aus diesem Grund will man die Hochzeit ins Vaterhaus und das Hochzeitsmahl ins Tausendjährige Reich auf die Erde verlegen. Nach unserer Überzeugung ist das aus mehreren Gründen nicht möglich. Es wäre zum einen eine verhängnisvolle Vermischung von himmlischer Berufung und irdischer Berufung, wenn die himmlische Braut nicht dort feiern würde, wo ihre Heimat, ihr Bürgertum ist, und dies sogar, nachdem sie bereits bei ihrem Bräutigam in der himmlischen Heimat, im Vaterhaus, war. Zum anderen wäre es auch eine Missachtung der irdischen Braut Jerusalem, wenn Christus auf der Erde mit seiner himmlischen Braut das Hochzeitsmahl feiern würde.

Die Prophetie ist voll von Beschreibungen der irdischen Braut Jerusalem und davon, dass ihr Bundesgott Jahwe sich ihrer erbarmen würde (z.B. Ps 45; Jes 49,14-18; 54,1-8; 62,1-5; Jer 2,2). Sollte der Herr Jesus diesen Plan mit seiner irdischen Braut fallenlassen, zumal Jerusalem „die Stadt des großen Königs“ genannt wird (vgl. Ps 48,3; Mt 5,35)? Außerdem ist es wenig überzeugend, dass die himmlische Braut in irgendeiner Weise ein „Ersatz“ für die Braut Jerusalem sein soll. Denn dann würde man alle Prophezeiungen buchstäblich auslegen und lediglich die Prophezeiungen über die irdische Braut Jerusalem vergeistlichen. Meinen diese Ausleger wirklich, es könnte auf der Erde gleichzeitig zwei Bräute geben? [Wir gehen im Buch Der vergessene Reichtum unter § 7 ausführlich auf die Grundsätze der Auslegung der Prophetie ein.]

Außerdem müssten diejenigen, die das Hochzeitsmahl auf die Erde verlegen, erklären, warum diese Szene mit Offenbarung 19,9 auf der Erde abrupt endet und warum wir in Vers 11 plötzlich zeitlich zurückgeführt werden und uns wieder im Himmel befinden – nichts in unserem Text weist aber auf solch eine Veränderung hin.

Oft wird auch darauf verwiesen, die Glückseligpreisungen in Offenbarung 19,9 und in anderen Stellen in der Offenbarung (vgl. Off 1,3; 14,13; 16,15; 20,6; 22,7.14) hätten nur mit der Erde zu tun. Auch dieses Argument ist nicht überzeugend. Zumindest Offenbarung 20,6 wäre eine weitere Ausnahme, da dort verherrlichte Heilige im Himmel glückselig gepriesen werden. Andererseits überrascht es nicht, dass die Glückseligpreisungen in der Offenbarung viel mit der Erde zu tun haben, denn letztlich steht in diesem Buch alles mit der Entwicklung der Wege Gottes auf der Erde in Verbindung. Auch die Hochzeit des Lammes wird hier nur als Ergebnis des Gerichts über die falsche „Braut“, die Hure, das abgefallene Christentum auf der Erde erwähnt.[1] Erst nachdem die falsche Braut gerichtet ist, kann die Hochzeit des Lammes mit der wahren Braut, der Gemeinde, stattfinden. Wenn wir nur einmal die Anzahl der Verse in Bezug auf das Gericht über die Hure und die Hochzeit des Lammes mit seiner Braut vergleichen, merken wir, worauf hier der Schwerpunkt liegt.

 

Anmerkungen

[1] Das heißt natürlich nicht, dass die Hochzeit nur stattfindet, weil das Gericht über die falsche Braut stattgefunden hat. Die Hochzeit wird hier in der Offenbarung vielmehr erwähnt, weil sie zeitlich auf das Gericht über die falsche Braut folgt. Die öffentliche Anerkennung der wahren Braut wartet eben auf die Verurteilung der falschen Braut. Das ist auch der eigentliche Aspekt der Hochzeit hier: Es geht um die öffentliche Anerkennung. Andere Aspekte der Hochzeit – die mehr persönlichen – können wir auch zu Pfingsten und bei der Entrückung erkennen.


Auszug aus dem Buch Der vergessene Reichtum von D. Schürmann | S. Isenberg
Kapitel 19: „Die Hochzeit des Lammes“, S. 589–599

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