Fragenbeantwortung zum Thema „erste Auferstehung“
Offenbarung 20,4-6; Johannes 5,24.25.28.29; Daniel 12,1-3

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© SoundWords, online seit: 03.07.2010, aktualisiert: 11.09.2018

Leitverse: Offenbarung 20,4-6; Johannes 5,24.25.28.29; Daniel 12,1-3

Drei Gruppen in Offenbarung 20,4-6

Off 20,4-6: 4 Und ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten; und ich sah die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren, und die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand. Und sie wurden lebendig und herrschten mit dem Christus tausend Jahre. 5 Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. 6 Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre.

In Offenbarung 20,4 werden drei unterschiedliche Gruppen von Heiligen erwähnt:

  1. „Ich sah Throne, und sie saßen darauf, und es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten.“
  2. „Ich sah … die Seelen derer, die um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet worden waren.“
  3. „Ich sah … die, die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und an ihre Hand.“

Gruppe eins besteht aus den auferstandenen und entrückten Gläubigen des Alten und des Neuen Testamentes. Sie werden ab Kapitel 4 durch die 24 Ältesten symbolisiert. Bei der Hochzeit des Lammes werden sie in „die Braut“ (die Gemeinde) und „die Gäste“ (die alttestamentlichen Gläubigen) unterteilt, und später werden sie als „die Kriegsheere, die in dem Himmel sind“ (Off 19,14), gesehen.

Bei den Thronen handelt es sich nicht, wie einige glauben, um Ehrenauszeichnungen, sondern es sind Throne des Gerichts, wie der Vers ausdrücklich sagt: „Es wurde ihnen gegeben, Gericht zu halten“ (Off 20,4). Diese Throne sehen wir auch in Offenbarung 4,4, wo sie mit dem Thron Gottes, dem Thron des Gerichts, in Verbindung stehen [Psalm 9,5.8 unterstützt den Gedanken, dass es sich um den Gerichtsthron handelt]. In Offenbarung 20,4 wird nun wahr, was Paulus zu den Korinthern geredet hatte: „Oder wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden?“ (1Kor 6,2). Es ist bemerkenswert, dass wir bei Gruppe zwei und drei von dieser Aufgabe des Richtens nichts lesen.

Gruppe zwei ist charakteristischerweise eine Märtyrergruppe. Einige dieser Märtyrer finden wir in Offenbarung 6,9-11 „unter dem Altar“. Das Wort „Seelen“ (Off 26,9) erinnert uns an diese Stelle. Diejenigen, die während der Drangsal „um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen enthauptet“ (Off 20,4) werden, bekommen einen Leib [Es ist allerdings noch nicht der Auferstehungsleib], so dass sie in der Lage sein werden, zu herrschen. Natürlich gibt es auch in der ersten Gruppe Märtyrer, aber die zweite Gruppe besteht nur aus Märtyrern, die aufgrund ihres Zeugnisses für Gott in der Zeit nach der Entrückung und in der ersten Hälfte der 70. Jahrwoche Daniels ihr Leben lassen müssen. Dabei ist zu beachten, dass diese Märtyrer erst nach der Entrückung der Gläubigen während der Drangsal zum Glauben kommen, denn sonst wären ja auch sie entrückt worden. [Entgegen anderen Ansichten gibt es keine „Teilentrückung“, nach der nur besonders „geheiligte“ Gläubige sofort entrückt würden und die anderen vorerst auf der Erde zurückblieben, bis sie sich „bewährt“ hätten.]

Gruppe drei besteht aus solchen, die während der zweiten Hälfte der 70. Jahrwoche Daniels der Verführung Satans nicht nachgeben und über das Tier, den römischen Weltherrscher, siegreich sind. Sie sind „die Überwinder über das Tier“ (Off 15,2), und da sie es nicht anbeten und sein Malzeichen nicht annehmen, müssen sie dies mit dem Leben bezahlen. Auch diese Heiligen kommen erst in der Drangsal zum Glauben.

Alle drei Gruppen gemeinsam haben priesterliche und königliche Aufgaben, denn „sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre“ (Off 20,6). Es wird also ein großer Unterschied bestehen zwischen denen, die im Tausendjährigen Reich herrschen, und denen, die beherrscht werden. Beide werden Segen genießen, aber unterschiedlicher Art. Hier wird das Wort des Herrn seine größte Erfüllung finden: „Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!“ (Joh 20,29). Alle diejenigen, die in der Zeit der Verwerfung Christi gelebt und geglaubt haben, die sozusagen „gegen den Strom schwimmen“ mussten, werden den besonderen Segen erhalten, mit Christus herrschen zu dürfen. Diejenigen dagegen, die im Tausendjährigen Reich zum Glauben kommen, wenn sich alles nach Christi Willen ausrichtet, werden ohne besondere Anstrengung in dem Strom der Heiligkeit „mitschwimmen“. Dafür werden sie auch nicht in diese besondere Stellung erhoben, die die anderen Gläubigen bekleiden dürfen.

Es ist übrigens bemerkenswert, dass alle Heiligen gleich lang regieren werden, nämlich tausend Jahre, wie Vers 6 ausdrücklich sagt (Off 20,6). Solche, die den Beginn des Tausendjährigen Reiches, das hier beschrieben wird, zweitausend Jahre zurückverlegen, sind gezwungen, eine unterschiedlich lange Regierungszeit zu akzeptieren, da einige Menschen Jahrhunderte vor anderen geboren sind.

Handelt es sich um die neue Geburt? (Off 20,5)

Off 20,5: Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung.

Manche wollen den Ausdruck „und sie wurden lebendig {eig. sie lebten}“ in Vers 4 mit der neuen Geburt gleichsetzen (Off 20,4). Doch es heißt in Vers 5: „Die Übrigen der Toten wurden nicht lebendig, bis die tausend Jahre vollendet waren.“ Konsequenterweise müssten sie annehmen, dass diese Toten dann nach den tausend Jahren auch noch von neuem geboren werden. Um dieser Schwierigkeit zu entgehen, behaupten sie, es handele sich zwar in Vers 4 um die geistliche Auferstehung, in Vers 5 jedoch um die leibliche Auferstehung. Damit legt man aber hier die Schrift sehr willkürlich aus. Um die eigene Meinung zu stützen, führt man Schriftstellen an, in denen man die „Auferstehung“ geistlich auf die neue Geburt umdeutet, zum Beispiel Johannes 5,25-29 und Epheser 2,1-6 [vgl. R. Hardmeier, Zukunft. Hoffnung. Bibel., Oerlinghausen (Betanien-Verlag) 2007, S. 484]. Doch in Johannes 5,29, wo ausdrücklich von der „Auferstehung“ die Rede ist (wie auch in Offenbarung 20,5), ist die leibliche Auferstehung gemeint. Und in Epheser 2 geht es bei dem „Mitauferwecktwerden“ um unsere Verbindung mit Christus in seiner Auferstehung, die uns in einen völlig neuen Lebensbereich bringt.

Die erste Auferstehung eine Personengruppe

Nach Ansicht derjenigen, die unter der ersten Auferstehung einen bestimmten Zeitpunkt verstehen, beweise Offenbarung 20,4-6, dass die Auferstehung der Christen nicht vor der Drangsal stattfinden könne, weil in Offenbarung 20,5 die erste Auferstehung unmittelbar vor dem Beginn des Tausendjährigen Reiches erwähnt wird. Doch genauso wenig wie es in Zukunft keine zwei Kommen des Herrn gibt, sondern nur zwei Phasen ein und desselben Kommens, so gibt es auch nicht mehrere erste Auferstehungen, sondern mehrere Phasen der ersten Auferstehung. 1. Korinther 15,23 beweist, dass es mindestens zwei Phasen der ersten Auferstehung gibt, denn (1) Christus als „der Erstling“ ist bereits auferstanden, und (2) dann werden die, „die des Christus sind bei seiner Ankunft“, auferstehen. Insgesamt gibt es noch mehr zeitlich verschiedene Phasen der ersten Auferstehung:

  1. Christus als der Erstling (1Kor 15,23) vor etwa zweitausend Jahren
  2. die gestorbenen und lebenden Gläubigen des Alten und Neuen Testamentes bei der Entrückung (1Kor 15,23; 1Thes 4,16.17)
  3. die zwei Zeugen am 1263. Tag der zweiten Hälfte der 70. Jahrwoche Daniels (Off 11,3-12)
  4. die Märtyrer der 70. Jahrwoche Daniels zu Beginn des Tausendjährigen Reiches (Off 20,4) [falls diese nicht mit Phase 3 zusammenfällt, wie man vermuten kann].

Damit ist die erste Auferstehung abgeschlossen. Es handelt sich bei der ersten Auferstehung nicht um einen bestimmten Zeitpunkt, sondern um eine bestimmte Personengruppe: nämlich um alle Heiligen, die bis zum Beginn des Tausendjährigen Reiches zu unterschiedlichen Zeitpunkten auferstehen werden.

Manche meinen, bei der Entrückung handele es sich allein um die Auferstehung der Gemeinde und die Gläubigen des Alten Testamentes seien daher nicht mit eingeschlossen. Doch die Auferstehung ist nicht ausschließlich für die Gemeinde kennzeichnend. Die erste Auferstehung ist nach Lukas 14,14 und Apostelgeschichte 24,15 die Auferstehung „der Gerechten“; zu ihr gehören auch die alttestamentlichen Gläubigen (siehe z.B. Heb 12,23). Sie sollen nach Hebräer 11,40 „nicht ohne uns vollkommen gemacht“ werden, das heißt sicher nicht wir ohne sie. Wenn zur ersten Auferstehung alle Gerechten gehören, gibt es keinen Grund, warum die alttestamentlichen Gläubigen bei der Auferstehung der Gläubigen, die zur Gemeinde gehören, nicht auch dabei sein sollten, denn sie sind ebenso Gerechte wie diese.

Die Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen den zwei Auferstehungen:

Auferstehen werden also alle Menschen (siehe auch Joh 5,29); die Frage stellt sich nur, wann sie auferstehen werden. Wer nicht zur ersten Auferstehung, der Auferstehung zum Leben, vor Beginn des Tausendjährigen Reiches gehört, wird tausend Jahre später an der Auferstehung der Toten teilhaben – dann zum Gericht und zum zweiten Tod.

Die Stunde der Auferstehung (Joh 5,24.25.28.29)

Joh 5,24.25.28.29: 24 Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. 25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben … 28 Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören 29 und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Für diejenigen, die an eine allgemeine Auferstehung glauben, ist Johannes 5,28.29 die Hauptstütze ihrer Lehre. Sie meinen, die Auferstehung aller Menschen fände gleichzeitig statt und der Ausdruck „die Stunde kommt“ könnte keine lange Zeitperiode (von mindestens tausend Jahren) erlauben, die zwischen der „Auferstehung des Lebens“ und der „Auferstehung des Gerichts“ liegt. Doch zeigt gerade der Zusammenhang der Verse 24-29, dass ihre Auslegung dieses Ausdrucks falsch ist.

Was bedeutet nun „Es kommt die Stunde“? Diesen Ausdruck finden wir zum Beispiel in Johannes 4,23. Zum zweiten Mal kommt er in Johannes 5,25 vor, wo wir von Toten lesen, die „die Stimme des Sohnes Gottes hören … und leben“ werden. Diese „Stunde“ ist die seit fast zweitausend Jahren andauernde Gnadenzeit – die Zeit, in der Menschen, die „in Vergehungen und Sünden“ geistlich tot sind, durch die Stimme des Sohnes Gottes geistlich lebendig gemacht werden (Eph 2,1-3) und Ihn „in Geist und Wahrheit anbeten“ (Joh 4,23). Auch in den Versen Johannes 5,28.29 ist mit der Stunde eine Epoche gemeint, in der Menschen körperlich auferstehen werden. Genauso wie es also eine Epoche gibt, in der Menschen durch den Sohn Gottes geistlich lebendig gemacht werden (Off 5,25), wird es einmal eine Epoche geben, in der der Sohn Gottes alle Menschen körperlich lebendig machen, das heißt auferwecken wird (Off 5,29). Diese Epoche beginnt mit der Entrückung, schließt die Auferweckung der Märtyrer der 70. Jahrwoche Daniels ein und endet mit der Auferstehung der Ungerechten nach dem Tausendjährigen Reich (Off 20,4.5). Sie ist sozusagen eine Epoche der Auferstehung, die eine Auferstehung zum Leben wie auch eine Auferstehung zum Gericht beinhaltet.

Der „letzte Tag“

Ähnlich ist es auch bei dem „letzten Tag“ in Johannes 6,39.40.44.54; 11,24; 12,48. Ebenso wenig wie die „Stunde der Auferstehung“ eine buchstäbliche Stunde bezeichnet, so wenig charakterisiert der „letzte Tag“ – in manchen Kreisen wird er auch der „Jüngste Tag“ genannt – einen buchstäblichen Tag von 24 Stunden, weder vor noch nach den tausend Jahren. Er ist nicht das Ende der Welt, in dessen letzten 24 Stunden eine allgemeine Auferstehung stattfindet, wie viele glauben. Der „letzte Tag“ ist vielmehr eine Epoche, die von der Entrückung (bei der zum ersten Mal alle gerechten Erlösten auferweckt werden) bis zum Gericht vor dem großen weißen Thron reicht, wenn schließlich auch die Ungerechten auferweckt sein werden. Zwei Verse aus dem Johannesevangelium machen deutlich, dass es sich nicht um einen 24-Stunden-Tag handeln kann: Der „letzte Tag“ in Johannes 6,39 beginnt bei der Entrückung („dass ich … es auferwecke am letzten Tag“), während Johannes 12,48 von dem großen weißen Thron spricht („das wird ihn richten“), wenn die Ungerechten gerichtet werden.

Die „letzte Posaune“

Einige sind der Meinung, es könne keine Auferstehung vor der Drangsal geben, weil nach 1. Korinther 15,52 die Auferstehung bei der letzten Posaune stattfindet. Es könne nach der letzten Posaune keine weitere Posaune mehr geben. Daraus schlussfolgern sie, diese letzte Posaune könne nicht vor der siebten Posaune aus Offenbarung 11,15, die unmittelbar mit der Erscheinung des Herrn in Verbindung steht, ertönen. Sie erliegen dem Irrtum, anzunehmen, die Posaune (z.B. in 1Kor 15,52 und Off 11,15) sei immer ein und dieselbe Posaune und habe immer die gleiche Bedeutung. [Die letzte Posaune in 1. Korinther 15,52 kann schon deshalb nicht die letzte der sieben Posaunen in Offenbarung 11,15 sein, weil der Apostel die Korinther bereits ca. dreißig Jahre vor der Niederschrift der Offenbarung belehrte. Unmöglich wird er dazu einen Gegenstand benutzt haben, der erst viele Jahre später durch Johannes beschrieben wurde.]

Ein Vergleich von Johannes 5,25 mit Johannes 5,28 und 1. Johannes 2,18 zeigt uns, dass „letzte“ nicht immer „letzte“ im absoluten Sinn bedeuten muss. Die Stunde in Johannes 5,25 ist in 1. Johannes 2,18 zeitgleich mit der letzten Stunde. Doch nach Johannes 5,28 kommt danach noch eine Stunde, in der die Auferstehung stattfindet. In ähnlichem Sinne ist auch die siebte Posaune von Offenbarung 11 nicht die letzte Posaune; die chronologisch letzte Posaune ist die große Posaune von Jesaja 27,13 bzw. die Posaune der Engel von Matthäus 24,31, die nach der Erscheinung des Herrn zur Sammlung der zerstreuten Israeliten posaunen wird. Dagegen bedeutet der Ausdruck letzte Posaune in 1. Korinther 15,52 nur, dass nun die Zeit des „Aufbruchs“ für die Gläubigen angebrochen ist. Beim römischen Heer ertönte die Posaune dreimal, wenn es in Bewegung gesetzt werden sollte: Beim Ton der ersten Posaune wurden die Zelte abgebaut, bei der zweiten Posaune stellten sich die Soldaten in Marschordnung auf, und beim Ton der letzten Posaune setzten sie sich in Bewegung.

Je nach ihrem Vorkommen in der Schrift, das heißt nach dem Zusammenhang, in dem sie stehen, haben die Posaunen eine ganz unterschiedliche Bedeutung. Wir können drei Gruppen von Posaunen unterscheiden:

  • Die Posaunen in Jesaja 27,13 und Matthäus 24,31 haben mit der Sammlung der Juden zu ihrem Land in Kanaan nach der Erscheinung des Herrn zu tun.
  • Die Posaunen in 1. Thessalonicher 4,16 und 1. Korinther 15,52 haben mit der Sammlung der Heiligen zum Himmel vor der Drangsal zu tun.
  • Die sieben Posaunen der Offenbarung haben besonders mit dem Gericht über die Nationen zu tun.

Das Erwachen in Daniel 12,1-3

Dan 12,1-3: 1 Und in jener Zeit wird Michael aufstehen, der große Fürst, der für die Kinder deines Volkes steht; und es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie sie nicht gewesen ist, seitdem eine Nation besteht bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der im Buch geschrieben gefunden wird. 2 Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu. 3 Und die Verständigen werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die, welche die Vielen zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne, immer und ewig.

Frage: Im Zusammenhang mit dem Thema „Auferstehung“ wird immer wieder Daniel 12,1-3 erwähnt. Welche „Auferstehung“ ist in diesen Versen gemeint?

Antwort: Folgende Sätze bereiten gewisse Schwierigkeiten: „Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, der im Buch geschrieben gefunden wird. Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden erwachen: diese zu ewigem Leben und jene zur Schande, zu ewigem Abscheu.“ Der erste Satz ist recht deutlich; hier stimmen viele Ausleger darin überein, es handele sich um den jüdischen Überrest, der aus der Drangsal lebend ins Tausendjährige Reich eingehen wird. Wer aber sind die Vielen, „die im Staub der Erde schlafen“?

Manche denken hier an eine leibliche und buchstäbliche Auferstehung und verbinden sie mit Johannes 5,28.29. Wird Daniel 12,1-3 jedoch im Zusammenhang der ganzen Heiligen Schrift betrachtet, dann ist diese Auslegung sehr fragwürdig. Im Alten Testament muss die Auferstehung in einigen Bibelstellen bildlich verstanden werden, zum Beispiel in Psalm 71,20: „Du, der du uns viele Bedrängnisse und Übel hast sehen lassen, du wirst uns wieder beleben und uns wieder heraufführen aus den Tiefen der Erde“, oder in Jesaja 26,19: „Deine Toten werden aufleben, meine Leichen wieder aufstehen. Wacht auf und jubelt, die ihr im Staub liegt!“ In beiden Stellen steht nahezu der gleiche Ausdruck wie in Daniel 12,2 („die im Staub der Erde schlafen“). In Hesekiel 37,1-14 wird ebenfalls eine Bildersprache verwendet; auch hier kann es nicht um eine buchstäbliche Auferstehung gehen, es sei denn, man setzt voraus, dass die Auferstehung in Etappen geschieht. Das Neue Testament schließlich beschreibt die Annahme Israels als „Leben aus den Toten“ (Röm 11,15). In keiner der angeführten Stellen geht es um eine buchstäbliche Auferstehung.

Diese Stellen sollten genügen, um deutlich zu machen, dass wir in Daniel 12,1-3 nicht an eine buchstäbliche Auferstehung denken sollten. Vielmehr geht es hier um die Sammlung der Juden aus den Völkern (deshalb der Ausdruck „Staub der Erde“), seien sie nun gläubig oder ungläubig. Die Errettung derjenigen, die in Israel den jüdischen Überrest bilden, wurde bereits im vorigen Vers beschrieben. Die „Auserwählten“ aus Matthäus 24,31, die durch das Aussenden der Engel „von den vier Winden“ her gesammelt werden, sind diejenigen aus Vers 2, die „zu ewigem Leben“ erweckt werden. Dieser Gedanke wird auch in Hesekiel 20,34-38 beschrieben: „Und ich werde euch herausführen aus den Völkern und euch aus den Ländern sammeln, in die ihr zerstreut worden seid, mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit ausgegossenem Grimm. Und ich werde euch in die Wüste der Völker bringen und dort mit euch rechten von Angesicht zu Angesicht; wie ich mit euren Vätern gerechtet habe in der Wüste des Landes Ägypten, so werde ich mit euch rechten, spricht der Herr, Herr. Und ich werde euch unter dem Stab hindurchziehen lassen und euch in das Band des Bundes bringen. Und ich werde die Empörer und die von mir Abgefallenen von euch absondern; ich werde sie herausführen aus dem Land ihrer Fremdlingschaft, aber in das Land Israel soll keiner von ihnen kommen. Und ihr werdet wissen, dass ich der Herr bin.“

Alle Israeliten, die in der „Zeit des Endes“ (Dan 8,17.19; 11,35.40; 12,4.9), während der Zeit der Drangsal, zum Glauben kommen und den Messias annehmen, obwohl sie sich nicht in Israel befinden, sondern sich noch in der Zerstreuung aufhalten, werden nach Israel gesammelt und gehen ins ewige Leben ein. Alle anderen dieser Israeliten, von denen sich wohl auch etliche ins Land gerufen fühlen, die aber nicht in Buße den Messias angenommen haben, werden lediglich zur ewigen Schande erweckt, das heißt, sie werden durch Gericht von der Erde weggenommen und müssen sterben. Sie werden sich zwar ihrer nationalen Identität bewusst sein, stellen sich aber nicht mit Buße auf die Seite des Messias.

Einen weiteren Grund, warum es hier nicht um die buchstäbliche leibliche Auferstehung gehen kann, sehen wir in dem Wort „viele“: „und viele von denen“ (Dan 12,2). Wenn es sich um die leibliche Auferstehung handeln würde, müsste hier stattdessen das Wort „alle“ stehen. Es wird zwar manchmal argumentiert, es sei „eine große Menge“ gemeint, wenn Daniel das Wort „viele“ benutzt, aber wenn man andere Stellen im Buch Daniel vergleicht (Dan 11,34.44; 12,4.10), wo das gleiche Wort vorkommt, stellt man fest, dass dort das Wort „viele“ immer in dem Sinn von „eine Menge, aber nicht alle“ verwendet wird.

 


Auszug aus dem Buch Der vergessene Reichtum von D. Schürmann | S. Isenberg
aus Kapitel 20: „Fragen und Kommentare zum Zeitpunkt der Auferstehung“, S. 609–619

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