Betrachtungen über den ersten Petrusbrief (3)
Kapitel 3

Hendrik Leendert Heijkoop

© EPV/SoundWords, online seit: 24.12.2005, aktualisiert: 14.10.2018

Leitverse: 1. Petrus 3

Verse 1.2

1Pet 3,1.2: Gleicherweise ihr Frauen, (seid) euren eigenen Männern unterwürfig, auf dass, wenn auch etliche dem Worte nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Frauen ohne Worte mögen gewonnen werden, indem sie euren in Furcht keuschen Wandel angeschaut haben.

Wie in der Einleitung bereits gesagt wurde, ist die Regierung Gottes der große Grundsatz dieses Briefes, genauer gesagt, die Regierung Gottes im Hinblick auf die Gläubigen in dem verborgenen Charakter, den diese Regierung nun angenommen hat, nachdem Gott die direkte Regierung in die Hände der Menschen übergeben hat (Dan 2,37). Diese Menschen haben den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt (1Kor 2,8); sie haben in ihrem Herrschaftsbereich keinen Raum für Ihn. Aber das bedeutet, dass jeder, der mit Ihm verbunden ist, ein Fremdling und ohne Bürgerrecht in der Welt ist. Wo kein Raum für den Christus ist, da ist ebenso wenig Platz für die Christen.

Als Fremdlinge, die aber ein königliches Priestertum bilden (1Pet 2,9), haben sie nun an dem Ort, wo Christus verworfen ist, die Tugenden Dessen zu verkünden, Der sie aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht gerufen hat. Das stimmt mit ihrer Stellung als Fremdlinge und Pilger überein. Denn auch Christus war ein Fremdling auf Erden und nahm die Stellung des Gehorsams ein. Er war nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. So müssen auch wir einen unterwürfigen Geist haben und den Platz der Unterwürfigkeit einnehmen, wenn wir die Tugenden Christi verkünden wollen. Das stimmt wieder vollkommen mit der Regierung Gottes überein. Je mehr wir den Platz der Unterwürfigkeit einnehmen, desto besser lernen wir die Regierung Gottes kennen. Nur durch unsere jetzige Unterwürfigkeit werden wir fähig, einst zu herrschen. Adam verlor sittlich das Recht, zu herrschen, weil er nicht gehorsam war.

In dem vorigen Kapitel fanden wir den Grundsatz der Unterwürfigkeit ausdrücklich vorgeschrieben. „Unterwerfet euch nun aller menschlicher Einrichtung um des Herrn willen“ (1Pet 2,13). Danach wurde dieser Grundsatz auf verschiedene Verhältnisse angewendet (1Pet 2,13-17).

Aber von 1. Petrus 2,18 an ging der Apostel auf ein anderes Gebiet über, das nicht so an der Öffentlichkeit lag, nämlich zur Familie, (griech.: familia). Die Familien haben eine große Bedeutung in den Wegen Gottes mit den Seinen. Sie bilden die einzigen menschlichen Verbindungen, die von Gott in der Schöpfung eingesetzt wurden. Alle anderen Zusammenschlüsse, Städte, Länder, Sprachgebiete usw., sind durch die Sünde oder durch das Gericht Gottes entstanden. Darum legt Gott großen Wert auf die Familie als das Fundament des menschlichen Zusammenlebens. Wir sehen auch in der ganzen Schrift, dass die Familie auch beim Volke Gottes nach Seinen Gedanken diesen wichtigen Platz beibehält. Gott braucht sie als einen der großen Segenskanäle sowohl für solche, die noch nicht bekehrt sind, als auch für die Gläubigen selbst. Und diejenigen, die zur Familie gehören, haben Anteil an den Segnungen ihres Hauptes.

Gleich zu Beginn der Menschheit finden wir das schon. Die Familie des gottesfürchtigen Seth bildet in seinen aufeinanderfolgenden Geschlechtern das Zeugnis Gottes auf Erden (1Mo 5). Die Nachkommen Kains bilden die von Gott entfremdete Welt, die sich müht, die Folgen des Fluches Gottes aufzuheben (1Mo 4). Noah und sein Haus werden aus der Sintflut gerettet (1Mo 6,18). Bei der Einsetzung der Beschneidung empfängt auch der für Geld Erkaufte das Zeichen des Bundes (1Mo 17,12). Das Passahlamm ist nicht für jeden Israeliten besonders, sondern für das Haus (2Mo 12,34). So können wir das ganze Alte Testament durchgehen.

Im Neuen Testament finden wir das gleiche. Wir lesen von dem Hause des Kornelius, von Lydia, von dem Kerkermeister (zu dem gesagt wird: „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus“) von Crispus, von Stephanus usw. Wir lernen, dass der ungläubige Mann geheiligt ist durch die gläubige Frau oder umgekehrt und dass die Kinder in einer Familie, in der nur ein Elternteil gläubig ist, heilig sind (1Kor 7,14). Gerade in den Briefen an die Kolosser und Epheser, wo uns der höchste christliche Standpunkt vorgestellt wird (gestorben mit Christus und auferweckt mit Ihm, in Ihm versetzt in himmlische Örter), werden die Kinder direkt angesprochen als ein Beweis, dass die Briefe auch ihnen gelten, wo sie doch an „die Heiligen und Getreuen in Christus“ gerichtet sind.

So spricht auch Petrus die Hausknechte an, Sklaven oder Freie, die zu dem Haushalt gehören. Nun wendet er sich an die Frauen; die, welche den Platz der Unterwürfigkeit einnehmen, werden zuerst genannt. Denn das ist der höchste Platz, der Platz der Ehre, seit der Herr Jesus ihn einnahm! Aber wir wissen, dass die gefallene menschliche Natur diesen Platz verabscheut. Darum finden wir die Ermahnungen an die Frauen, ihren Männern unterwürfig zu sein, in den Briefen so häufig wiederholt.

Gottes Wort sagt, dass der Mann nach der Schöpfungsordnung (1Kor 11,39) das Haupt der Frau ist. Aber dieses Hauptsein wurde nach dem Sündenfall sehr verstärkt, weil Eva in dem Ungehorsam und dem Abweichen von Gott die Führung übernommen hatte (1Tim 3,11-15; 1Mo 3,16.17). Wie konnte sie in der Stellung des Führers sein, ohne zu straucheln, wo Gott ihr doch diese Stellung und auch die dafür nötigen Fähigkeiten nicht gegeben hatte? Der Mensch besitzt in sich selbst keine Kraft. Er ist als Geschöpf abhängig von der Hilfe des Schöpfers. Aber wie kann er auf die Unterstützung rechnen, wenn er eine Stellung einnehmen will, die der Schöpfer ihm nicht gegeben hat? Trotz ihrer traurigen Erfahrung und trotz der deutlichen Worte, die Gott zu ihr sprach, scheint Eva wenig gelernt zu haben. Gott hatte dem Adam das Recht und die Fähigkeit gegeben, allen lebendigen Seelen einen Namen zu geben (1Mo 2,19.20; 3,20). Aber als die Kinder geboren wurden, gab sie ihnen Namen (1Mo 4,1.25). Wie irrte sie sich in dem Namen, den sie Kain gab! Auch weiterhin gibt uns die Schrift Vorbilder von traurigen Folgen, die dadurch entstanden sind, dass die Frau ihre Stellung verlässt und die Führung übernehmen will. Denken wir nur an 1. Mose 16,14; 1. Könige 21 und 2. Könige 11.

„Gleicherweise“, also auf dieselbe Weise wie die Hausknechte von 1. Petrus 2,18 ihren Herren, müssen die Frauen ihren eigenen Männern untertan sein, „auf dass sie, die alten Frauen, die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, mit häuslichen Arbeiten beschäftigt, gütig, den eigenen Männern unterwürfig zu sein, auf dass das Wort Gottes nicht verlästert werde“ (Tit 2,4.5). „Ihr Frauen, seid euren Männern unterwürfig, wie es sich geziemt in dem Herrn“ (KoI 3,8). „Ihr Frauen, seid unterwürfig euren eigenen Männern, als dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist: Er ist des Leibes Heiland. Aber gleichwie die Versammlung dem Christus unterworfen ist, also auch die Frauen ihren Männern in allem“ (Eph 5,22-24).

Kann es deutlicher gesagt werden, wie vollständig diese Unterwürfigkeit sein muss? Die Zeitform (Partizip Präsens) zeigt hier genau so wie in 1. Petrus 2,18, dass es eine Gewohnheit, ein Zustand sein muss. Das griechische Wort für Untertänigkeit (hypotassein) kommt in den Evangelien nur vor in Lukas 2,51, wo steht, dass der Herr Seinen Eltern untertan war, und in Lukas 10, 17 und 20, wo die Dämonen den Jüngern unterworfen waren. Weiterhin kommt das Wort im Neuen Testament noch 32-mal vor, meistens mit „unterworfen“ übersetzt. 10-mal steht es in Verbindung mit der Unterwerfung aller Dinge unter Christus (1Kor 15,27.28; Eph 1,22; Phil 3,21; Heb 2,5.8 (4-mal); 1Pet 3,22); 7-mal, dass die Frau untertan sein muss (1Kor 14,34; Eph 5,22.24; KoI 3,18; Tit 2,5 und 1Pet 3,1.5); 4-mal, dass wir den über uns gesetzten Mächten unterwürfig zu sein haben (Röm 13,1.5; Tit 3,1; 1Pet 2,13); 2-mal für das Verhältnis der Sklaven ihren Herren gegenüber (Tit 2,9; 1Pet 2,18); 2-mal, dass wir Gott unterwürfig sein müssen (Heb 12,9; Jak 4,7) und weiterhin in Römer 8,7.20; 10,3; 1. Korinther 14,32; 16,16; Epheser 5,21; 1. Petrus 5,5.

Welch eine Vollständigkeit des Untertanseins, der Unterwürfigkeit dem Mann gegenüber schreibt die Schrift der Frau vor, und zwar in allem, als dem Herrn. Wenn sie es nicht ist, wird das Wort Gottes verlästert. Wie wird hierin deutlich, dass der Geist der Welt in vollkommenem Widerspruch zu Gott und in Feindschaft zu Ihm ist! Aber welch ein herrliches Vorbild in dieser Unterwürfigkeit hat die gläubige Frau in dem Herrn Jesus. Er, der Sohn Gottes, war sündigen Menschen, die aber Seine Eltern waren, untertan.

Nun könnte entgegnet werden, und das geschieht auch oft: Ja, wenn mein Mann nur mit dem Herrn seinen Weg ginge, und wenn er so wäre, wie er sein müsste, dann würde ich ihm wohl unterwürfig sein können. Aber Gottes Wort nimmt dieses Argument nicht an. Den Hausknechten wird gesagt: „Nicht allein den guten und gelinden, sondern auch den verkehrten“ (1Pet 2,18). Denn dieses ist wohlgefällig, wenn jemand um des Gewissens vor Gott willen Beschwerden erträgt, indem er ungerecht leidet. Für die Frauen wird gerade die Möglichkeit, dass ihre Männer dem Wort ungehorsam sind, als ein Grund genannt, noch mehr unterwürfig zu sein.

Wir wissen, dass bekehrte Männer mitunter in Ungehorsam dem Wort Gottes gegenüber ihren Weg gehen. Aus dem Text kann man auch die Möglichkeit entnehmen, dass der Mann sogar ein Ungläubiger ist, weil nur die Frau während der Ehe zur Bekehrung gekommen ist. Das ist kein normaler Zustand, aber er kann in den Regierungswegen Gottes vorkommen. Das Wort, das mit „nicht gehorchen“ übersetzt ist, spricht von einem Zustand ungläubigen Ungehorsams (s. Fußnote der Elberfelder Übersetzung).

Der Apostel Paulus schreibt, dass ein Gläubiger in solchem Fall die Ehe nicht zerbrechen darf (1Kor 7). In Wirklichkeit hat ein Gläubiger keine Gemeinschaft mit einem Ungläubigen, denn das Licht hat keine Gemeinschaft mit der Finsternis (2Kor 6). Ein Gläubiger, der sich also mit einem Ungläubigen verheiratet, sündigt in offenbarem Ungehorsam gegen Gott, er geht einem Leben der Einsamkeit und des Elends entgegen. Wenn aber jemand in der Ehe zur Bekehrung und dadurch in diese Stellung kommt, dann sagt die Schrift, dass er oder sie sich nicht scheiden lassen darf. Im Alten Testament musste der Israelit seine Frau aus den Nationen wegschicken (Esra 9,10). Aber die Gnade des Christentums erhebt sich weit über das Gesetz. Der Ungläubige ist durch die Verbindung mit einem Gläubigen geheiligt. Diese Verbindung kann dazu führen, dass der Ungläubige errettet wird.

Petrus denkt nicht einmal an die Möglichkeit einer Scheidung. Aber er verbindet die Bekehrung des Ungläubigen mit dem Wandel der gläubigen Frau. Wenn sie sich beträgt, wie sie sich als gläubige Frau betragen muss, dann kann, in einigen Handschriften steht sogar „wird“, der Ungläubige zur Bekehrung kommen oder der abgewichene Gläubige zurückgebracht werden.

Ohne Zweifel hat es eine gläubige Frau in dieser Stellung schwer. Der Wille des Fleisches ist Feindschaft wider Gott. Das Fleisch wird durch das, was des Geistes ist, in denen, die den Platz der Unterwürfigkeit einnehmen nur gereizt. Aber doch sagt das Wort, dass sie ihren Mann in allem als dem Herrn unterwürfig sein muss. Es gibt nur eine Ausnahme, die Petrus nicht ausdrücklich erwähnt, weil sie selbstverständlich ist. Er selbst hat sie ausgesprochen: „Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilet ihr“ (Apg 4,19). Ein Gläubiger kann ein Gewissen vor Gott über das, was richtig und was verkehrt ist, nicht preisgeben. Er hat für seinen Glauben einen Gegenstand, der kostbarer für ihn ist als sein Leben. Er muss dieser Person treu bleiben, sowohl wenn er allein ist als auch in der Öffentlichkeit. Wenn ihr Mann ihr befiehlt, an sündige Orte mitzugehen oder z. B. das Beten oder das Bibellesen zu unterlassen, kann sie ihm nicht gehorchen.

Aber umso wichtiger ist es für die gläubigen Frauen, dass sie in allem, wo es nur irgend möglich ist, ohne gegen den Willen Gottes zu sündigen, ihren eigenen Männern unterwürfig sind. Wie wird das Herz darin gestärkt durch die Gnade, dass ihre Unterwürfigkeit von dem Herrn gebraucht wird, um an dem Herzen und Gewissen ihres Mannes zu wirken.

Es ist wichtig, darauf zu achten, dass der Heilige Geist sowohl hier als auch in Epheser 5 über „eure eigenen Männer“ spricht. Wir könnten sagen, dass das Wort „eigene“ doch weggelassen werden könnte, weil es selbstverständlich ist. Aber das Wort Gottes braucht niemals ein Wort ohne Bedeutung. In der Welt haben viele Männer einen ungeziemenden Einfluss auf andere Frauen. Leider ist das nicht außerhalb der Versammlung geblieben. Viele Frauen nehmen eher von einem anderen als von ihrem eigenen Mann etwas an. Dadurch kommen sie schnell unter den Einfluss dieses anderen. Aber Gott will, dass sie ihrem eigenen Mann unterwürfig sind und dass sie mit ihren Fragen zuerst zu ihrem eigenen Mann gehen (1Kor 14,35).

Männer können dem Wort Gottes ungehorsam sein. Gläubige Männer sind das oftmals. Aber Gottes Wort nennt auch Ungläubige ungehorsam, siehe z. B. Kapitel 2,8; Römer 2,8; Johannes 3,36; 2. Thessalonicher 1,8. Aber in beiden Fällen haben sie das Wort Gottes gehört und weigern sich, ihm zu gehorchen. Was muss die gläubige Frau nun tun? Muss sie fortfahren, ihn zu ermahnen und ihm das Wort Gottes vorzustellen? Petrus zeigt einen besseren Weg. Sie muss das Wort Gottes vorleben und nicht mehr ausdrücklich über den Willen Gottes sprechen. Das häufige Reden darüber reizt nur. Aber die Kraft des Zeugnisses, das aus der Verwirklichung des Wortes Gottes in der Praxis hervorgeht, trifft Herz und Gewissen.

Petrus gebraucht zweimal das Wort logos („Wort“). Das erste Mal ist es deutlich das Wort Gottes, das zweite Mal nicht, weil es im deutlichen Widerspruch zu Stellen wie Jakobus 1,18 und 1. Petrus 1,23 sein würde, dass jemand ohne das Wort Gottes wiedergeboren werden könnte. „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort“ (Röm 10,17). Außerdem hat es das zweite Mal keinen Artikel im Griechischen, was andeutet, dass es den Charakter bezeichnet. Es geht um das Sprechen der Frauen. Sie sollen nicht dauernd „predigen“, wie die Ungläubigen es meist nennen. Das reizt nur, und zwar ganz gewiss dann, wenn eine Frau es ihrem Mann gegenüber tut.

Das griechische Wort für keusch kommt achtmal im Neuen Testament vor. Außer in Titus 2,5 und hier ist es überall mit „rein“ übersetzt. Es bedeutet also, abgesondert zu sein von allem, was nicht rein ist, und kommt so der Bedeutung von „heilig“ nahe. „Furcht“ bedeutet auch hier nicht Angst. Es ist die Furcht, etwas zu tun, wodurch sie ein verkehrtes Bild von dem Herrn und Seinem Wort geben könnte und wodurch sie Ihn betrüben und Ihm missfallen könnte. In einer Verbindung wie hier oder in Epheser 5,33 beinhaltet es auch Ehrerbietung dem Mann gegenüber in der Stellung, in die Gott ihn als Ehegefährten gestellt hat. Es ist die Furcht, etwas Unreines zu tun oder ihm ohne Grund zu missfallen.

Abgewichene oder unbekehrte Männer mögen nur unwillig auf das Wort Gottes hören. Aber sie können ihre Augen nicht vor der Offenbarung dieses Wortes im Leben ihrer Frauen verschließen. Sie wollen auch etwas sehen, denn sie versuchen, Dinge zu finden, die im Widerspruch zu dem Bekenntnis ihrer Frauen stehen. Wenn sie so etwas finden, haben sie eine Handhabe gegen das Zeugnis. Das Wort „anschauen“ ist stärker als das Wort „sehen“. Es heißt, etwas mit aller Aufmerksamkeit und Genauigkeit anzusehen. Dasselbe Wort steht in 1. Petrus 2,12.

Aber wenn sie Sanftmut, Niedrigkeit, Geduld und Gehorsam bei ihren Frauen sehen, während sie wohl wissen, dass sie selbst oftmals unbillig und unfreundlich gewesen sind, macht das Eindruck auf ihr Gewissen. Sie müssen vor sich selbst anerkennen, dass in diesem Glauben, den sie oftmals verspottet haben, eine Kraft ist, die ihre Frauen anders macht als andere Frauen und auch sie selbst. Und so werden sie „gewonnen“. Nein, sie kommen dadurch nicht zur Bekehrung. Aber sie werden dadurch dazu gebracht, auf das Wort zu hören, das zur Bekehrung und Wiedergeburt bringt. Oder das Wort, das sie früher gehört haben, kommt nun in ihr Gedächtnis zurück. Der Eindruck, den das Leben ihrer Frauen auf sie machte, wird ihr Herz und Gewissen erweichen, so dass sie das Wort Gottes annehmen. 

Es besteht die Gefahr, dass wir meinen, nur durch die Kraft der Wahrheit käme man zur Bekehrung. Die Gnade Gottes aber hat unendlich viele Wege, um einen Sünder oder Abgewichenen dazu zu bringen, die Wahrheit anzunehmen. Der Herr sagt: „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,8). Wenn wir daran denken, dass es im Griechischen nur ein Wort für Wind und Geist gibt, so dass wir hier auch „Geist“ statt „Wind“ übersetzen können, wie auch einige tatsächlich tun, dann sagt diese Stelle uns viel im Zusammenhang mit unserem Thema. Wer kann erforschen, auf welchen Wegen und durch welche Mittel der Heilige Geist ein Herz und ein Gewissen vorbereitet, um das Wort anzunehmen? Einige wissen etwas aus ihrer eigenen Geschichte oder von anderen. Aber wie werden wir die Gnade Gottes bewundern und anbeten, wenn wir bald alles in vollem Lichte sehen werden. Das wird an jenem Tage sein, wenn wir vor dem Richterstuhl des Christus offenbart werden (2Kor 5,10).

Verse 3.4

1Pet 3,3.4: … deren Schmuck nicht der auswendige sei durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold und Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unverweslichen (Schmuck) des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist.

Kleider tragen ist die Folge des Sündenfalls (1Mo 3,6.7). Und wie in allem anderen auch versucht der Mensch, die Folgen der Sünde wieder in Vorteile zu verwandeln. Vor allem die Frau, die die Führung und den Anlass dazu gab, dass das Tragen von Kleidern notwendig wurde, ist häufig übermäßig bestrebt, diese Notwendigkeit in einen Vorzug zu verändern.

Es ist deutlich, dass dies nicht aus Gott, sondern aus dem Teufel ist. Gott wünscht niemals, dass die Folgen des Sündenfalls als Vorteil angesehen werden. Er ist wahrhaftig und will also, dass sie als das gesehen und gefühlt werden was sie sind. Im Alten Testament finden wir dann auch ein vernichtendes Urteil über die Frauen, die doch die Folgen des Sündenfalls in Vorteil umwandelten (Jes 3,16-26). Wenn Gott über diese Dinge bei einem irdischen Volk wie Israel so urteilte, denen doch die Dinge dieser Erde als Segnungen verheißen waren, wie viel mehr bei uns, die wir zu Himmelsbürgern und Pilgern und Fremdlinge in dieser Welt gemacht sind, die hier nur Trauer über die Gottentfremdung der Welt und ihre Feindschaft gegen Gott und den Christus empfinden können. Für sie ist die Welt nur der Ort, wo das Kreuz Christi gestanden hat und sittlich noch immer steht (1Kor 2,8). Alle Schreiber der Briefe werden dann auch durch den Heiligen Geist gebraucht, vor den Folgen des weltlichen Strebens und vor ihren Formen zu warnen (Röm 12,1.2; Jak 4,4; 1Joh 2,15). In mehreren Stellen wird besonders vor dem Streben der alten Natur in den gläubigen Frauen gewarnt, in ihrer Kleidung, ihrem Schmuck der Welt zu folgen oder sich durch die Beweggründe der ungläubigen Frauen leiten zu lassen (1Tim 2,9-15; Tit 2,4.15).

Es ist sehr interessant, dem Gedanken über den Schmuck in der Schrift zu folgen. Es ist auch sehr wichtig für jeden Gläubigen, besonders aber für eine gläubige Frau, denn dadurch lernen wir erkennen, was wirklicher Schmuck ist. Bei dem natürlichen Menschen ist er etwas, was hinzugefügt wird, aber in den Gedanken Gottes ist es die Offenbarung dessen, was innerlich ein Ganzes mit der Person oder dem Gegenstand bildet. Gott will Schmuck haben. Wir sehen das in der ganzen Schöpfung, sowohl der irdischen als auch der himmlischen (Mt 6,29; Ps 19; Off 21,22). Das ist uns auch für die Herrlichkeit, zu der wir bald gelangen werden, vorhergesagt. Weil es den Frauen eigen ist, sich schmücken zu wollen, teilt Gott ihnen mit, was wahrer Schmuck ist. Er ist die Offenbarung nach außen, was in unserem Innern nach Gottes Gedanken ist. Wenn unser Inneres durch das Anschauen der Herrlichkeit des verherrlichten Herrn im Himmel geformt ist (2Kor 3,18), wird es in dem ganzen Äußeren unseres Lebens gesehen werden. Eine Frau, bei der das Äußere die Methoden und Formen der ungläubigen Frauen der Welt sehen lässt, offenbart damit, dass Christus nicht in ihrem Herzen wohnt, wenn sie auch bekehrt ist. Wo Christus nicht im Herzen lebt und also keine wahre Schönheit vorhanden ist, da wird nach dem Ersatz der Welt gesucht.

Wahrer Schmuck ist sittlicher Natur. Äußerlicher Schmuck macht niemanden anziehend vor Gott und ebenso wenig vor Menschen, die nicht bei der Oberfläche stehen bleiben, sondern gewöhnt sind, die Dinge in ihrem sittlichen Charakter zu sehen. Die Bedeutung des wahren Schmucks wird durch das griechische Wort unterstrichen, das hierfür gebraucht ist. Es heißt kosmos und kommt ungefähr 150-mal im Neuen Testament vor, aber überall, außer hier, ist es durch „Welt“ übersetzt. Es wurde im klassischen Griechisch in der Tat auch für den Schmuck der Frauen gebraucht. So kommt es z. B. in der Redensart vor: „Schweigen ist der wahre Schmuck (kosmos) der Frauen (sophocles). Die Verbindung der zwei Bedeutungen finden wir vielleicht in dem Gedanken der Griechen, dass der Mensch eine Welt im kleinen ist (microkosmos), und dass „das Weltall der größte und vollkommenste Mensch ist“ (philo). Die Grundbedeutung dieses Wortes meint ein System, in dem Ordnung herrscht, im Gegensatz zum Chaos. So wird es im Neuen Testament auf die Schöpfung Gottes angewandt. Aus der Bedeutung dieses Wortes folgt also, dass der Schmuck mit dem Inneren der gläubigen Frau, mit ihrem wahren Charakter übereinstimmen muss. Dies ist nicht nur ein Wunsch des Wortes Gottes! Der Satz steht in der Befehlsform. Es ist also ein Befehl Gottes!

Nun folgen einige Dinge, worin der äußerliche Schmuck häufig besteht. Eine gläubige Frau soll nicht denken oder versuchen, sich durch eine gewisse Haartracht zu schmücken (in unserer Zeit könnten wir hinzufügen: durch das Abschneiden der Haare (1Tim 2,9). Das lange Haar ist ihr zur Ehre gegeben (1Kor 11,15). In der natürlichen Schönheit des langen Haars, das Gott in der Schöpfung der Frau gegeben hat, spricht es von ihrem Frausein und davon, wie sie den Platz, den Gott der Frau gegeben hat, einnehmen soll. Das ist ihre Ehre in den Augen Gottes und jedes Menschen, der die Dinge sittlich betrachtet. Das lange Haar selbst ist ihr Schmuck, nicht die Weise, auf die sie es trägt. Aus den zwei folgenden Dingen, die genannt werden, sieht man, dass es um die Tätigkeit des Flechtens geht. Darum stehen sie im sog. Genetiv originis, was bedeutet, dass es um die Verschönerung geht, die durch das Flechten des Haares hervorgerufen werden soll.

Ebenso wenig soll die Frau meinen, dass das Umhängen von Gold sie schmückt oder ihre Schönheit erhöht. Selbst ein ungläubiger, sittlich denkender Mensch sieht das Tragen vielen Schmuckes als ein Zeichen mangelnder innerlichen Bildung an, wie viel mehr dann Gott. Wie viel mehr müssten Gläubige das empfinden als das durch die Sünde verdorbene Gefühl eines nicht wiedergeborenen Menschen! Auch hier haben wir wieder den Genetiv Originis.

Auch das „Anziehen von Kleidern“ steht im Gen. Orig. Es geht also wieder um den Versuch, sich durch das Anziehen von Kleidern zu schmücken. Selbstverständlich ist nicht das Anziehen von Kleidern selbst verboten. Gott selbst bekleidete Adam und Eva (1Mo 3,21), ebenso wenig wie das Flechten der Haare selbst verboten ist.

Bei den Frauen hat stets die Neigung bestanden, sich zu kleiden und „sich herauszumachen“, um die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu ziehen, wie stark hat das in den letzten Jahrzehnten in den so genannten christlichen Ländern um sich gegriffen. Wie viele gläubige Frauen machen da vielleicht unabsichtlich mit. Wie viele gläubige Männer sind durch die Kleidung (vielleicht besser „Entkleidung“) und das Betragen gläubiger Frauen zu sündigen Gedanken (und danach vielleicht Taten) gekommen!

Der Zweck der Kleidung ist, den Leib zu schützen und zugleich andere zu beschützen gegen Dinge, die unreine Gedanken erwecken oder dem sittlichen Bewusstsein Anstoß geben, das, obwohl es durch die Sünde geschwächt ist, in dem Menschen als einem Geschöpf Gottes doch noch vorhanden ist. Wie herrlich, dass wir als Gläubige selbst diese Dinge, die eine Folge der Sünde sind, tun dürfen, um dem Herrn wohlgefällig zu sein. Sowohl der Leib als auch die Seele und der Geist gehören Ihm (1Kor 6,18-20; 1Thes 5,23). Wir müssen allezeit vor Gott leben; das Auge auf Ihn gerichtet, dürfen wir vor Seinem Angesicht wandeln.

Wir müssen unsere Leiber darstellen zu einem lebendigen Schlachtopfer, heilig, Gott wohlgefällig (Röm 12,1.2). Das ist unser vernünftiger Dienst, d.h., wir müssen ihn mit Verstand verrichten. Wir dürfen der Welt nicht gleichförmig werden und nicht mittun bei den vielen wechselnden Formen, in denen die Welt besonders auf dem Gebiet der Kleidung und des Schmuckes sich offenbart. Das griechische Wort für„ gleichförmig“ kann auch mit „maskieren“ übersetzt werden. Es steht mit einer äußerlichen Erscheinung in Verbindung, die nicht von innen her kommt und also keine wahre Vorstellung von dem Charakter der Person gibt. Wenn gläubige Frauen in der Mode, in der Kleidung und in der Aufmachung der Welt mitmachen, setzen sie die Maske der Welt auf und gehören doch nicht mehr zu ihr, weil sie mit Christus gestorben sind (Kol 3,3). In der Sprache der Griechen sind sie Heuchler. Sie kleiden sich wie die Welt, handeln wie die Welt, so dass diese denkt, sie gehörten zu ihr, während sie doch zu dem Herrn Jesus Zuflucht genommen haben, um von der Welt geschieden zu werden und so nicht unter ihr Gericht zu fallen.

Müssen wir nicht Christus wohlgefällig sein und alle Dinge in Seinem Namen tun? Ist Er nicht kostbarer für uns als alles andere? Ist es nicht wahr, was ein anderer geschrieben hat: „Ein himmlischer Christ achtet es für Schande, den Stempel der Welt zu tragen.“ Die gläubigen Frauen sind hiervon nicht ausgenommen. Wenn unser Auge auf Ihn gerichtet ist, werden diese Dinge einfach sein. Dann werden wir gern in allen Dingen Ihm gehorsam und dadurch wohlgefällig sein. Dann gibt Er uns reichlich Licht über das, was wir tun sollen. Sobald unser Auge nicht mehr auf den Herrn gerichtet ist und Er unser Herz nicht mehr erfüllt, kommen die Schwierigkeiten. Dann erhalten die Formen der Welt Wert und Anziehungskraft für das Herz.

O Herr, dies eine bleibe mir,
dass stets ich wandle treu mit Dir.

Das Wörtchen „sondern“ gibt den Gegensatz an, weil jetzt von der negativen zur positiven Seite übergegangen wird. „Verborgen“ von 1. Petrus 3,4 steht „auswendig“ von 1- Petrs 3,3 gegenüber; „Mensch“ steht „Schmuck“ (kosmos), „das Herz“ dem „Flechten der Haare“ gegenüber. Durch diese dreifache Gegenüberstellung wird deutlich gemacht, dass wahrer Schmuck nicht äußerlich ist, sondern das Wesen des Menschen betrifft, den ganzen Menschen. Das neue Jerusalem hat geschmückte Fundamente (Off 21,19)! Es ist „bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ (Off 21,2).

Aber wenn sie dann im Verlauf des Kapitels beschrieben und in all ihrer Herrlichkeit gezeigt wird, dann wird nur bei den Fundamenten das Wort „geschmückt“ gebraucht. Wir mögen wohl denken, dass Fundamente nicht geschmückt zu werden brauchten. Aber Gott denkt anders darüber. Sie sind mit Edelsteinen geschmückt, die in den Bildern der Schrift den Widerschein der Herrlichkeit Gottes in den Menschen andeuten (siehe Off 4,3; 2Mo 28,15-21). Die sichtbare Herrlichkeit kommt aus dem hervor, was innerlich ein Widerschein der Herrlichkeit Gottes ist. Gott, Der Licht ist und in Dem gar keine Finsternis ist (1Joh 1,5), hüllt Sich mit Licht wie mit einem Gewande ein (Ps 104,2). Von dem Herrn Jesus wird auf dem Berg der Verklärung gesagt: „Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie das Licht“ (Mt 17,2).

„Da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis dessen, der ihn erschaffen hat“ (Kol 3,9.10). Da haben wir, wie ich denke, den verborgenen Menschen des Herzens. „Neige dein Ohr und höre die Worte der Weisen und richte dein Herz auf mein Wissen. Denn lieblich ist es, wenn du sie in deinem Innern bewahrst; möchten sie allzumal auf deinen Lippen Bestand haben“ (Spr 22,17.18). Das ist der praktische Grundsatz der Verse 3 und 4.

Der verborgene Mensch des Herzens ist das neue Leben, das wir in der neuen Geburt empfangen haben (Joh 3,6). Aber das ist Christus (KoI 3,4) und wird, wie wir oben gesehen haben, erneuert zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat. Obwohl das im direkten Sinne der neue Mensch ist, ist es praktisch Christus Selbst, denn Er ist das neue Leben, und das wird genährt und erneuert nach Seinem Bild, „bis Christus in euch gestaltet wird“, schreibt Paulus (Gal 4,19).

Der wahre Schmuck einer Frau (und natürlich auch jedes Mannes) ist Christus als im Herzen wohnend und es erfüllend. Das ist im Innern, aber es wird sichtbar in der Offenbarung des Menschen. Wenn mein Herz mit dem Herrn erfüllt ist und ich stets Ihn in der Herrlichkeit anschaue, wird das äußerlich sichtbar, ebenso wie bei Mose (2Mo 34,29). „Wir, ... die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2Kor 3,16). Auf diese Weise verkündigen wir die Tugenden dessen, der uns aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht berufen hat (1Pet 2,9). Petrus ist immer wieder damit beschäftigt, uns zu sagen, wie wir das in den Dingen des praktischen Lebens tun können.

Das finden wir auch in den weiteren Worten. Die einzige Selbstbeschreibung, die wir in den Evangelien von dem Herrn Jesus finden, heißt: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ (Mt 11,29). Nun, Gott will, dass die gläubigen Frauen mit diesem Kennzeichen des Herrn geschmückt sind, mit dem „sanften und stillen Geist, welcher vor Gott sehr köstlich ist“, wie Paulus schreibt: „Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterwürfigkeit. Ich erlaube aber einer Frau nicht, zu lehren noch über den Mann zu herrschen, sondern still zu sein“ (1Tim 2,11)! Dieser Geist ist unvergänglich (im Gegensatz zu allem um uns her) und unveränderlich (im Gegensatz zu der veränderlichen Mode der Welt in Bezug auf Haartracht, Schmuck und Kleidung). Das griechische Wort für „still“ kommt von einem Wort, das bedeutet: „auf deinem Platz sitzen bleiben“. Das ist nicht einfach, wenn wir meinen, ungerecht behandelt worden zu sein. Aber die gläubige Frau, die diesen „sanften und stillen Geist“ offenbart, lässt erkennen, dass sie von dem gelernt hat, der „sanftmütig und von Herzen demütig“ war. Wo immer das gefunden wird, ist es wohlgefällig vor Gott. Wie kostbar ist es, etwas zu besitzen, was in den Augen Gottes kostbar ist. Dies Wort „kostbar“ wird für kostbare Salbe und Kleidung gebraucht. Siehe auch den Gegensatz zu 1. Petrus 3,3.

In der Welt wird dieser „sanfte und stille Geist“ nicht gewürdigt. Da hält man ihn für Schwachheit. Das denken sie bei dem Herrn Jesus auch. Darum ist das Wort vom Kreuz denen, die verlorengehen, Torheit. Uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft (1Kor 1,16.25). Dieser Geist ist in Wirklichkeit sittliche Kraft, eine Kraft, die auch allein durch fortwährende Gemeinschaft mit dem Herrn und fortwährendes Lernen von Ihm erlangt wird.

Wie sehr stehen die Verhältnisse der Welt in unserer Zeit im Widerspruch zu diesen Versen! Die Frauen fordern eine gleiche Stellung wie der Mann. Auf jedem Gebiet des öffentlichen Lebens wollen sie gehört werden. Das weibliche Geschlecht durchbricht die Grenzen, die der Schöpfer und Erlöser gesetzt hat, indem sie in allen Bereichen führende Stellungen fordern. Das Resultat wird unheilvoll sein, wie es stets gewesen ist, wenn die von Gott gegebene Ordnung verworfen wurde. Es ist das Zeichen des nahenden großen Abfalls von Gott. Zuerst wurden die Gedanken und Vorschriften Gottes in Verbindung mit dem geistlichen Leben verworfen. Jetzt sehen wir den natürlichen Abfall: das bewusste und absichtliche Zerbrechen der göttlichen Schöpfungsordnung. In dem Menschen der Sünde wird das vollendet werden. Er ist der Gesetzlose (2Thes 2,39), der nach seinem Willen handeln wird (Dan 11,36). Aber dann kommt auch das endgültige Gericht Gottes.

Wegen dieser Zustände und Gedanken in der Welt erhebt sich für uns Gläubige die Frage, ob wir alle Dinge nach den Gedanken der Welt oder nach den Gedanken Gottes beurteilen, ob wir hinblicken auf das Urteil der Welt oder auf das Urteil Gottes. Für den Apostel ist dies keine Frage. Wir sind durch Heiligung des Geistes zu dem Gehorsam Jesu Christi gebracht (1Pet 2; 14). Heiligung bedeutet Absonderung. Aber für Menschen bedeutet es Absonderung zu Gott. Da wird der Gehorsam Jesu Christi gefunden, der Gehorsam, den der Herr in Seinem Leben auf Erden offenbarte, und der dort herrscht. Das ist das große Thema des Apostels!

Das geht so weit, dass das Verhältnis der Frau zu ihrem Mann nicht durch seine Gedanken bestimmt wird, sondern durch den Willen Gottes. Sie ist ihm untertan, weil Gott es will. Sie offenbart einen sanften und stillen Geist, weil der vor Gott sehr kostbar ist. Sie schmückt sich nicht äußerlich wie die ungläubigen Frauen, weil Gott es verbietet und sagt, dass es im Widerspruch zu ihrem wahren Charakter als gläubige Frau steht.

In den Fällen, die nach Vers 1. möglich sind – dass ihre Männer dem Wort ungehorsam sind (1Pet 3,1) –, kann es sogar sehr gut möglich sein, dass der Mann es gerne hat, wenn seine Frau sich „schön macht“. Wenn ein Mann sich durch seinen von der Sünde verdorbenen Geschmack leiten lässt und nicht dem Wort Gottes gehorcht, kann man kaum erwarten, dass er wertschätzen wird, was nach Gottes Gedanken ist. Aber die gläubige Frau soll sich nicht für die Augen der Menschen, selbst nicht für ihren eigenen Mann, schmücken, sondern für Gott. Gott wird gerade davon einen geistlichen Einfluss auf ihren Mann ausgehen lassen, sowohl auf ungehorsame als auch auf durch Gehorsam gekennzeichnete Männer. Wie kann man geistliche Folgen aus weltlichen Dingen erwarten? Die Frau, die ihren Mann durch weltliche Dinge zu gewinnen trachtet, irrt sich sehr. Sie wird die Folgen ihres Irrtums erfahren. Aber dann hat sie vielleicht die Möglichkeit verpasst, die Gott ihr gab, um ihren Mann für den Herrn zu gewinnen.

Verse 5.6

1Pet 3,5.6: Denn also schmückten sich auch einst die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten, indem sie ihren eigenen Männern unterwürfig waren: wie Sarah dem Abraham gehorchte und ihn Herr nannte, deren Kinder ihr geworden seid, wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet.

„Also“, d.h. wie in Vers 4 beschrieben, mit „dem verborgenen Menschen des Herzens in dem unverweslichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist“, schmückten sich die heiligen Frauen von damals auch. Sie waren heilig, abgesondert für Gott. Sie hofften auf Gott (buchstäblich: „in“ Gott, was stärker ist), und sie waren ihren eigenen Männern unterwürfig. Obwohl Petrus im folgenden Vers nur Sara nennt, spricht er hier über alle für Gott abgesonderten (heiligen) Frauen von früher. Es steht, auch im Griechischen, ein Artikel vor „heilige Frauen“. Was von ihnen gesagt wird, ist also für sie alle wahr. Ein Kennzeichen einer heiligen Frau ist, auf Gott zu hoffen und ihrem eigenen Mann unterwürfig zu sein.

Die Zeitform, in der „ihre Hoffnung auf Gott setzten“ steht (Partizip Präsens Aktiv), zeigt an, dass dieses Hoffen nicht nur zu bestimmten Zeiten, sondern fortwährend bestand und diese Frauen kennzeichnete. Wörtlich heißt es, sie hofften „in“ Gott, was ausdrückt, dass sie ihre Hoffnung gänzlich auf Gott gesetzt hatten, so dass sie gleichsam in Gott ruhten. Daraus kam aber gerade ihr unterwürfiger, gottesfürchtiger Zustand ans Licht. Sie vertrauten nicht auf sich selbst, sondern erwarteten alles von Gott. Wer das tut, findet es nicht schwierig, gehorsam zu sein.

Gottes Wort nennt nicht viele Geschichten von diesen heiligen Frauen. Einige werden genannt (Heb 11,11.35), wie Sara, Hanna, Debora, Abigail. Aber wir finden wohl eine treffende Beschreibung von ihnen. „Ihr Wert steht weit über Korallen. Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie. Sie erweist ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens. … Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, ihr Mann steht auf und rühmt sie: Viele Töchter haben wacker gehandelt, du aber hast sie alle übertroffen! Die Anmut ist Trug und die Schönheit Eitelkeit, ein Weib, das den HERRN fürchtet, sie wird gepriesen werden. Gebet ihr von der Frucht ihrer Hände, und in den Toren werden ihre Werke sie preisen“ (Spr 31,10-31).

Es ist bemerkenswert, dass der Heilige Geist Tausende von Jahren zurückgeht in Zeiten, wo es nach Meinung der Menschen noch primitive Kulturen gab, um uns den Charakter einer heiligen Frau zu zeigen. Wir sehen daraus, dass die Grundsätze Gottes sich niemals verändern. Was vor Gott den Frauen der Erzväter geziemte, gilt heute noch. Der Schmuck muss sittlich sein. In sittlicher Hinsicht haben sich diese Dinge in den Tausenden von Jahren nicht verändert. Was Sara war, müssen die Frauen heute auch noch sein.

Hieran sehen wir auch, dass die Welt in sittlicher Hinsicht keinerlei Fortschritt gemacht hat, sondern gerade das Gegenteil. Der vielgerühmte Fortschritt in allen Lebensbereichen bezieht sich nur auf materielle Dinge. Um ein allgemeines Vorbild für einen Gott wohlgefälligen Lebenswandel zu geben, muss der Heilige Geist Tausende von Jahren zurückgreifen.

Als Vorbild einer heiligen Frau, die ihrem Mann unterwürfig war, wird nun Sara angeführt. Das Wort „gehorchte“ zeigt der Zeitform (Aorist) nach nicht eine bestimmte Handlung an, sondern spricht von der ganzen Zeit ihres Ehelebens, als Ganzes betrachtet. Das zusammenfassende Kennzeichen des Lebens der Sara war Gehorsam gegen Abraham trotz der Vertrautheit des Ehelebens, das allzu häufig entgegengesetzte Folgen hat. Sie nannte ihn Herr. Wir finden das im Worte Gottes nur einmal (1Mo 18,12). Aber auch die Zeitform von „nannte“ (wörtlich: nennend, also Partizip Präsens Aktiv) zeigt, dass nicht nur dies eine Mal gemeint wird und es sich auch nicht auf das bloße Aussprechen des Wortes „Herr“ beschränkt, sondern dass das der Ausdruck ihres ganzen Verhaltens war. Das griechische Wort für „Herr“ ist kyrios. Es wird überall für den Herrn Jesus gebraucht, aber auch für den römischen Kaiser (Apg 25,26), wobei dieser dann als eine göttliche Person betrachtet wird, wie es der Staatsbegriff des römischen Kaiserreiches mit sich brachte. Aber daneben wurde es auch für die Apostel (Apg 16,30) und für Herren von Sklaven gebraucht (Eph 6,5.9). Johannes brauchte die weibliche Form für eine Schwester (2Joh 1).

Sara hatte mehr als die meisten anderen Frauen Grund, stolz zu sein. Sie war, was man eine Schönheit nennt. Nicht allein Abraham fand das, sondern auch die Fürsten von Ägypten (1Mo 12). Pharao und seine Fürsten achteten sie für würdig, einen Platz am Hofe einzunehmen, ebenso Abimelech, der König von Gerar (1Mo 20). Abrahams Verhalten war nicht tadellos. In beiden Fällen gab er sie aus Menschenfurcht der Entehrung preis. Nur durch die Beschirmung des Allmächtigen blieb sie bewahrt.

Aber Sara wurde darum nicht durch die gewöhnlichen Gründe zur Eitelkeit verführt, obwohl sie dazu mehr Grund hatte als andere. Sie setzte ihre Hoffnung auf Gott und war darum ihrem eigenen Mann gehorsam. Gott beschämte ihre Hoffnung nicht. Sie folgte Abraham ohne Widerspruch, als er alles verließ, um in ein fremdes, unbekanntes Land zu gehen. Selbst bei der aus ichsüchtiger Angst und aus menschlicher Schwäche hervorkommenden, eines Gläubigen unwürdigen Heuchelei, die ihre Ehre aufs Spiel setzte, war sie gehorsam. Wie verherrlichte und befestigte Gott ihr Vertrauen auf Ihn und ehrte ihren Gehorsam gegen Abraham! Abraham selbst wird durch Heiden getadelt. Wie weit war es unter der Würde des „Vaters der Gläubigen“, durch die Welt getadelt werden zu müssen. Gott hat es in Seinem Worte niederschreiben lassen. Aber für Sara finden wir kein tadelndes Wort in diesen Geschichten, weder von Menschen noch von Gott. Sie behielt den „sanften und stillen Geist, der vor Gott sehr köstlich ist“.

Das Vorrecht, die Erlösung zu kennen, nachdem der Herr gekommen ist und Gott uns aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht berufen hat, wo wir Christus als den höchsten Maßstab für unseren Wandel sehen, sollte die gläubigen Frauen anspornen, nicht hinter Sara und den anderen heiligen Frauen zurückzustehen in sittlichem Schmuck und in Unterwürfigkeit und so Töchter Saras zu werden!

Die jüdischen Frauen, an die Petrus schrieb, stammten von Sara und Abraham ab. Sie waren von ihrem Samen. Aber der Herr machte einen Unterschied zwischen dem Samen Abrahams und seinen Kindern (Joh 8,3740). Das Wort „Kinder“ drückt eine Übereinstimmung im Wesen aus. „Erkennet denn: Die aus Gauben sind, diese sind Abrahams Söhne“ (Gal 3,7). In demselben Kapitel wird auch gesagt, dass alle, die des Christus sind, auch die Gläubigen aus den Nationen, Abrahams Same sind, nämlich durch Christus, dem Samen Abrahams (Gal 3,16)!

Petrus spricht über Kinder der Sara. Dabei werden hier zwei Dinge besonders genannt, nämlich, „wenn ihr Gutes tut und keinerlei Schrecken fürchtet“.

Die Unterwürfigkeit kann aus Furcht, Eigennutz oder aus dem Charakter hervorkommen. Wie gut das auch sein mag, so ist das doch nicht der Charakter der christlichen Unterwürfigkeit. Diese ist aktiv, weil sie aus dem Geheiligtsein durch den Geist zum Gehorsam Jesu Christi hervorkommt (1Pet 1,2). Darum wird hier hinzugefügt: wenn ihr Gutes tut.

Warum sollte eine gläubige Frau einen Schrecken fürchten, wenn sie die Macht des Feindes sieht (Phil 1,28)? Für das natürliche Herz ist das selbstverständlich. Aber wir wissen, dass dieser Vater des Herrn Jesus unser Vater ist und dass dieser Vater der allmächtige Gott ist. Nun, wenn Gott für uns ist, wer wird wider uns sein (Röm 8,31)? Wir dürfen alle unsere Anliegen Gott kundtun. Dann wird Sein Friede unsere Herzen und Sinne bewahren in Christo Jesu (Phil 4,47).

Menschlich gesehen können wir es verstehen, wenn im Herzen Furcht aufkommt vor den Folgen eines Weges in Gehorsam gegen Gott. Kennen wir diese Furcht nicht aus Erfahrung? Für gläubige Frauen kann das auch leicht geschehen, wenn sie denken, und vielleicht völlig zu Recht, dass der Wille ihres Mannes falsch ist und arge Folgen haben kann. Sara hat das sicher mit Recht in den oben angeführten Fällen denken können. Aber Sara setzte ihre Hoffnung auf Gott, und darum spricht die Schrift bei ihr nicht über Furcht. Wir können „Furcht“ in gewissen Umständen begreifen. Aber eine Tochter Saras hat diese Furcht nicht. Sie setzt ihre Hoffnung auf Gott und geht darum in Gehorsam und Stille ihren Weg. In Wirklichkeit ist Furcht auch Untreue gegen Gott und zeigt mangelnde Abhängigkeit von Ihm. Dann fehlt auch die Kraft, das Gute zu tun. Ein Sprichwort sagt: „Furcht ist ein schlechter Ratgeber.“ Wie oft sind wir ungehorsam geworden, weil wir die Folgen des Gehorsams fürchteten?

Vers 7

1Pet 3,7: Ihr Männer gleicherweise, wohnet bei (ihnen) nach Erkenntnis, als bei einem schwächeren Gefäße, dem weiblichen, (ihnen) Ehre gebend, als (die) auch Miterben (der) Gnade (des) Lebens (sind), auf dass eure Gebete nicht verhindert werden.

„Gleicherweise“ bezieht sich hier auf das Untertansein gegenüber allen menschlichen Einrichtungen um des Herrn willen (1Pet 2,13-20), wie es auf die Familie angewendet wurde. Der Mann muss den Einrichtungen der Ehe und des Haushalts in der Schöpfung untertan sein, indem er seinen Platz darin nach Gottes Gedanken einnimmt und die Stellung respektiert, die Gott den anderen Hausgenossen gegeben hat (1Pet 2,17a). Hier geht es um das Verhältnis zu seiner Frau.

„Wohnet“ bedeutet eigentlich zusammenwohnen. Hier ist natürlich das gesamte Zusammenleben in der Familie gemeint. Der Mann muss mit seiner Frau zusammen wohnen, zusammen leben gemäß der Erkenntnis, die er hat oder haben sollte. „Wir haben alle Erkenntnis“, schreibt der Apostel Paulus (1Kor 8,1). Der Apostel Johannes schreibt: „Wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns ein Verständnis gegeben hat“ (1Joh 5,20) usw. Und Paulus schreibt wieder: „Seid nicht töricht, sondern verständig, was der Wille des Herrn sei“ (Eph 4,17)!

Es ist wahr, dass Erkenntnis ohne Liebe nichts ist (1Kor 13,2). Darum hat Liebe den ersten Platz in Epheser 5 und Kolosser 3. Aber die Liebe muss einsichtsvoll handeln. Der Charakter des Christentums ist gerade, dass wir alle Dinge mit Einsicht tun müssen. Es ist unser „vernünftiger“ Dienst, d.h., er stimmt mit unserer Vernunft, unserem Verstand, unserer Einsicht überein (Röm 12,1). Der Verstand ist im Leben eines Christen nicht ausgeschaltet; das Gegenteil ist der Fall. Aber er muss in dem Gehorsam des Christus gefangen genommen sein (2Kor 10,5)!

Gott hat uns in Seinem Wort Seine Gedanken auch über die Ehe mitgeteilt. Wir wissen, welche Stellung Er dem Mann und welche Stellung Er der Frau darin gegeben hat. Wir können darin auch finden, welche Anlage Gott der Frau als einer Hilfe und „Ergänzung“ ihres Mannes gegeben hat (1Mo 1,27; 2,18.24). Auch für die Ehe gibt das Wort Gottes Licht in allen Fragen, sowohl über die Stellung und das gegenseitige Verhältnis von Mann und Frau in der Ordnung ihres Zusammenlebens als auch für den Weg, den sie zusammen zu gehen haben, und für alle Schwierigkeiten, die kommen können.

Das Verhältnis des Mannes zu seiner Frau darf nicht durch menschliche Leidenschaften, sondern muss durch christliche Erkenntnis regiert werden. Er muss der Träger des Lichtes in der Familie sein. Er hat die Autorität, aber er muss sich mit dem Geist der Unterwürfigkeit vor dem Herrn umgürten, worauf von Kapitel 2,13 an so sehr der Nachdruck gelegt wird, und jeden (und hier geht es um seine Frau) ehren gemäß der Stellung, die Gott diesem gegeben hat. Er muss der leitende, formende Grundsatz des Hauses sein. Aber das muss aus der christlichen Erkenntnis, die er hat, hervorkommen und aus der Einsicht, die nötig ist, diese Erkenntnis praktisch anzuwenden. Der Herr will sie jedem in reichem Maße geben, der in Seiner Gemeinschaft, in Gehorsam gegen Ihn seinen Weg geht.

Wir sollen alle in dem Bewusstsein, dass Christus uns liebt, in derselben Liebe und als Kinder des Lichts wandeln, weil wir Licht sind in dem Herrn (Eph 5,1.2.8.11). Der Mann muss das auch in seinem Hause und in seinem Zusammenleben mit seiner Frau tun.

Die Frau wird mit einem schwächeren Gefäß verglichen. Sie ist schwächer als der Mann, aber es kann auch allgemein gemeint sein und „ziemlich schwach“ heißen. Der Ausdruck „Gefäß“ wird auch von Paulus auf die Frau angewendet (1Thes 4,4). Aber er gebraucht ihn auch allgemein für alle, die bekennen, Christen zu sein (2Tim 2,20.21). Gott gebraucht diesen Ausdruck auch für Paulus selbst (Apg 9,15). Dieser Ausdruck stellt im Allgemeinen den Menschen als von Gott geschaffen dar, womit ausgedrückt wird, dass der Mensch von Ihm als Sein Werkzeug gebraucht wird (vgl. 1Mo 2,7 mit Jer 18,16 und Jes 29,16). Die Frau ist ein schwächeres, zerbrechlicheres Gefäß als der Mann, aber sie ist doch ein Werkzeug, ein Gerät Gottes, auch in der Ehe. „Denn gleichwie dei Frau vom Manne ist, also ist auch der Mann durch die Frau, alles aber von Gott“ (1Kor 11,12).

„Schwächer“ soll nicht heißen, sie sei sittlich oder geistlich schwächer. Es handelt sich hier nur um den Leib und das Gemüt, aber auch um den Platz der Frau als unter dem Mann stehend. Gerade das Schwache wird durch den Heiligen Geist als Grund genommen, den Mann zu ermahnen, ihr Ehre zu geben, der er zum Beschützer gegeben ist. Wie leicht vergisst er das. Aber haben wir nicht alle schon bemerkt, dass gerade unsere Schwachheit der Grund ist, weswegen Gott auf uns achtet und unsere Gebete erhört? Ist nicht gerade das Bewusstsein unserer Schwachheit durch die Gnade Christi im Glauben unsere Kraft?

Das muss den Mann dazu bringen, das Schwächere nicht zu verachten, sondern gerade zu ehren, zu führen und zu beschützen, und zwar nicht in einem hochmütigen Geist, sondern in Sorgfalt der Liebe und der Gnade, die ihr Ehre gibt.

Aber es gibt noch einen anderen, viel höheren Grund für das oben Gesagte. Die Frau ist auch Miterbe der Gnade des Lebens (Röm 8,17). Was ihre Stellung in der Schöpfung betrifft, also für alle Verhältnisse auf Erden, steht sie unter dem Mann. Aber in Christus ist weder Mann noch Frau (Gal 3,28); da sind sie alle gleich. Also hört dieses sich aus der Schöpfungsordnung ergebende Verhältnis in dem Augenblick auf, in dem wir diese Erde verlassen. Im Himmel wird es keinen Unterschied in der Stellung zwischen Mann und Frau geben. Der einzige Unterschied wird dort durch das hervorgerufen werden, was wir hier auf der Erde für den Herrn gewesen sind. Eine Schwester, die hier auf Erden mehr für den Herrn gelebt hat, d.h. mehr in liebevollem Gehorsam gegen Ihn ihren Weg gegangen ist als ihr Mann oder ein anderer Bruder, wird im Himmel einen höheren Platz haben. Nicht was wir hier auf Erden tun, sondern ob wir tun, was der Herr uns aufträgt und wie wir es tun, bestimmt unseren Platz in der Herrlichkeit.

Mir ist nicht vollkommen deutlich, was der Ausdruck „(die) Gnade (des) Lebens“ bedeutet. Es steht weder vor Gnade noch vor Leben ein Artikel. Dadurch wird das Charakteristische, die Beschaffenheit dieser Worte an sich, angegeben. Es könnte auch durch „Lebensgnade“ übersetzt werden und bedeutete dann Gnade für das Leben hier auf der Erde. Aber ich denke eher, dass es Gnade ist, die das Leben zum Inhalt hat. Das Wort „Miterbe“ weist, wie ich denke, mehr in die Zukunft. Das Wort „Erbteil“ bezieht sich in der Schrift gewöhnlich auf die Zukunft, worauf das Wort eigentlich auch hindeutet. Aber die folgende Verbindung mit „Gebeten“ weist wieder mehr auf das Leben auf Erden mit seinen Schwierigkeiten hin. Vielleicht können wir es so begreifen: Es handelt sich um Gnade, die das Leben in seiner praktischen Darstellung verleiht, nun noch in Schwachheit inmitten aller Schwierigkeiten, bald in Vollkommenheit, wenn wir im Vaterhaus sind.

Nun, das besitzen Mann und Frau gemeinsam. Das Bewusstsein davon erweckt das Gefühl gemeinschaftlicher Abhängigkeit von dem Vater und dem Herrn. Beide haben Gnade nötig, um das Leben praktisch offenbaren zu können, und zwar auch in ihrer Ehe, ihrem Haushalt. Das Gefühl der Abhängigkeit findet seinen Ausdruck im Gebet.

Glücklich ist jede Familie, wo Mann und Frau und, wenn Kinder und andere Hausgenossen vorhanden sind, auch diese zusammen vor dem Herrn ihre Knie beugen. Da wird ein glückliches Zusammenleben und die Gemeinschaft im Herrn gefunden, wenn nichts sie hindert, so zusammen in der Gegenwart Gottes ihre Knie zu beugen, um ihr Lob und ihren Dank und ihre gemeinsamen Bedürfnisse und die der anderen vor Gott kundwerden zu lassen.

Aber wenn der Mann dem nicht entspricht, was in diesem Vers steht, besteht die große Gefahr, dass die Gebete verhindert werden. Natürlich gilt das auch, wenn die Frau nicht dem entspricht, was in den ersten Versen dieses Kapitels steht. Aber die Schrift sagt das dem Mann, weil er das Haupt der Familie ist und als solcher die größte Verantwortung für die Ordnung und die Verhältnisse in der Familie trägt. Und überdies ist er als das Haupt normalerweise der, der in den Gebeten vorgeht. Wie kann ein Mann mit Freimütigkeit beten, wenn durch seine Schuld die Verhältnisse in der Familie nicht gut sind. Wie kann Gott gemeinschaftliche Gebete annehmen, wenn sie in Wirklichkeit nicht gemeinschaftlich sind?

Einige denken, dass mit „euren“ Gebeten die Gebete von Mann und Frau gemeint sind, dass also Mann und Frau beide laut beten. Der Zusammenhang weist hier nicht darauf hin. Der Vers ist an die Männer gerichtet. Wenn Mann und Frau gemeint sein sollten, so folgt daraus noch nicht, dass auch die Frau laut betet. Normalerweise spricht der Mann im Namen der Familie auch zu Gott. Ich will hiermit nicht entschieden behaupten, dass eine Frau nicht laut beten soll, wenn sie mit ihrem Mann allein ist. Aber diese Stelle ist kein Beweis dafür. Es ist bemerkenswert, dass der Apostel nicht die Kinder ermahnt, unterwürfig zu sein, ebenso wenig wie der Apostel Paulus es in seinen „Wüsten“-Briefen tut. In seinen „Land“-Briefen an die Epheser und Kolosser (Eph 6,1; KoI 3,20) tut er es wohl, gleicherweise in 1.Timotheus (1Tim 3,4.12), wo Timotheus in Ephesus ist, obwohl die Kinder nicht direkt angesprochen werden. Familienverhältnisse gehören ihrem Charakter nach zur Wüste, zum praktischen Leben inmitten der Welt. Aber sie werden durch die himmlischen Dinge beeinflusst, durch das Land. Gläubige Eltern haben die Pflicht, ihre Kinder, ja ihre ganze Haushaltung, aus Ägypten (der Welt) herauszubringen (2Mo 10,9). Sie müssen ihre Kinder im Licht der Auferstehungswelt (KoI 3,14) und in unserer Stellung in den himmlischen Örtern (Eph 2,5.6) aufziehen. Darum werden die Kinder nur in solchen Briefen angesprochen, in denen wir als in diese Auferstehungswelt und in himmlische Örter versetzt gesehen werden. Da finden die Eltern besonderen Unterricht für die Erziehung ihrer Kinder.

Vers 8

1Pet 3,8: Endlich (aber seid) alle gleichgesinnt, mitleidig, voll brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig (oder: niedrig im Sinn oder Geist).

Die Verse 1. Petrus 3,8 und 9 schließen den dritten Teil des Briefes ab, der mit 1. Petrus 2,11 anfing. Von 1. Petrus 2,18 an hat Petrus an verschiedene Gruppen von Gläubigen geschrieben: an Hausknechte, verheiratete Frauen und verheiratete Männer. Nun wendet er sich wieder an alle und schreibt seine letzten Ermahnungen. Das Wort „endlich“ weist darauf hin, dass diese Verse diesen Abschnitt abschließen; aber auch, dass sie sich ebenso wie die vorhergehenden aus 1. Petrus 2,11.12 ergeben, so wie sie in 1. Petrus 2,13-17 näher entfaltet werden. Dies wird durch das Fehlen des Hilfszeitwortes (seid) im Griechischen verstärkt; denn das zeigt, dass sich diese Ermahnung den vorhergehenden anschließt wie auch in 1. Petrus 2,18 und 3,1. Dieses Fehlen des Hilfszeitwortes macht die Ermahnung dadurch auch stärker, dass die volle Aufmerksamkeit jetzt darauf gerichtet wird.

Diese Ermahnungen beschäftigen sich mit dem Verhältnis der Gläubigen untereinander. Dies muss selbstverständlich mit der Stellung, in die wir gebracht sind, und mit der Verbindung, die zwischen allen besteht, die diese Stellung empfangen haben, übereinstimmen. Von 1. Petrus 1,1.2,10 haben wir diese Stellung und die Verbindung gesehen. Abgesondert (geheiligt) durch den Heiligen Geist nach der Vorkenntnis Gottes, der unser Vater geworden ist, sind wir dahin gebracht, wo die Blutbesprengung und der Gehorsam Jesu Christi sind (1Pet 1,1.2), Der Sein kostbares Blut für uns gegeben hat (1Pet 1,19). Jetzt sind wir ein heiliges Priestertum, um in das Heiligtum, in die Gegenwart Gottes, einzutreten und dort geistliche Schlachtopfer darzubringen (1Pet 2,5.9). Und wir sind ein königliches Priestertum, um die Tugenden Dessen zu verkündigen, Der uns aus der Finsternis zu Seinem wunderbaren Licht berufen hat. Aber wie die Ausdrücke schon zeigen, haben wir das gemeinsam mit allen Gläubigen. Unsere Verhältnisse untereinander müssen also damit übereinstimmen. Einen niedrigeren Maßstab kann der Heilige Geist nicht anlegen, auch nicht in der Welt, die für den Glauben eine Wüste ist, und wo Schwachheit ist und wo alle möglichen bösen Einflüsse sind.

Nur Christus kann die Kraft geben, dass diese Dinge in uns verwirklicht werden. Bei Ihm wurden sie gefunden, als Er, zwischen der Krippe und dem Kreuze, in den gleichen Umständen war wie wir. Die praktische Anwendung können wir also lernen, wenn wir Sein Leben auf Erden betrachten, indem wir das Manna essen (Joh 6,33): das Brot der Starken (Ps 78,25). Aber wir sind „zu dem Gehorsam Jesu Christi“ gebracht. Wir sind also verantwortlich, so zu sein, wie Er war. Das „Brot der Starken“ gibt uns die Kraft dazu.

„Gleichgesinnt“ können wir nur sein, wenn wir praktisch verwirklichen: „Wir haben Christi Sinn“ (1Kor 2,16). Wenn unser Eigensinn, der Sinn des Fleisches, in unseren Herzen wirksam ist, kommen wir sowohl mit uns selbst (denn wir haben Christi Sinn!) als auch mit den anderen Gläubigen in Konflikt. Wenn wir die Folgen nicht aus eigenen bitteren Erfahrungen kennen sollten, könnten wir sie aus der Apostelgeschichte und den meisten Briefen lernen.

Das will nicht heißen, wir sollten alle genau das Gleiche denken. Es wäre zwar herrlich, aber auf Erden wird das nie verwirklicht werden. Wir wissen, dass wir nicht alle allezeit so nahe bei dem Herrn sind, dass wir über alles völliges Licht haben. Aber wenn wir die Gesinnung Christi haben, suchen wir nicht uns selbst und ertragen die anderen. Wenn unser Auge auf Christus und Seine Geliebten gerichtet ist, sehen wir nicht an erster Stelle die Fehler der anderen, während wir unsere vergessen. Dann achten wir die anderen für vorzüglicher als uns selbst, denn wir sehen sie als die Gegenstände der Liebe unseres Heilands! Unsere alte Natur hat ihren Eigensinn. Aber der Heilige Geist, Der in uns wohnt, sucht uns zu dem Sinn Christi zu bringen. Dies können wir nur durch eifriges Studium des Wortes Gottes und durch Unterwürfigkeit unter die Leitung des Heiligen Geistes fördern. Diese Leitung kann uns nur das Wort verständlich machen, aber es kann uns auch zu seiner praktischen Verwirklichung in unserem Leben helfen. Betendes Bibelstudium, verbunden mit dem Verlangen, das, was der Heilige Geist uns deutlich gemacht hat, auch zu verwirklichen (Joh 7,17), bringt uns dazu, praktisch in unserem Leben etwas von dem Sinn Christi darzustellen. Dann sind wir „gleichgesinnt“ (Röm 12,16) mit den Brüdern und Schwestern als solchen (also nicht mit dem, was das Fleisch in ihnen wirkt).

„Mitleidig“ ist die Übersetzung des griechischen Wortes sympathes, wovon das Wort Sympathie abgeleitet wurde. Es hätte besser durch„ mitfühlend“ übersetzt werden müssen, weil es auch das Mitempfinden der Freude beinhaltet. Als Pilger und Fremdlinge (1Pet 1,1; 2,11) in einer christusfeindlichen Welt und mit Leibern, die noch nicht erlöst sind, sondern die noch seufzen (Röm 8,23), ist häufig Leiden unser Teil (1Pet 3,14; 4,12).

Als Brüder und Schwestern, als Glieder der Familie Gottes, müssen wir miteinander Mitgefühl haben (Röm 12,15.16). Wir wissen aus Erfahrung, was das für jemanden, der leidet, bedeutet, denn wir haben alle das Mitgefühl Christi erfahren (Heb 4,15). Die Gläubigen, an die Petrus schrieb, hatten das auch praktiziert (Heb 10,34). Aber wir wissen, wie selbstsüchtig und wie geneigt unsere Herzen sind, sich allein mit sich selbst und den eigenen Umständen zu beschäftigen. Immer wieder muss das Wort uns von uns selbst ablenken, damit wir an die anderen denken.

Aber welch ein Vorbild haben wir darin in dem Herrn Jesus! Weil wir Blutes und Fleisches teilhaftig sind, hat Er auch daran teilgenommen. Durch Leiden ist Er vollkommen geworden, um unser Anführer sein zu können (Heb 2,10-18). Um wirklich und vollkommen mit uns mitfühlen zu können, ist Er in alle Umstände, in die wir kommen können, eingegangen. Welch ein Trost, welch eine Ermutigung gibt uns Sein Mitgefühl! Wer kann in Einsamkeit so mitempfinden wie Er, Der klagte, dass Er ein einsamer Vogel auf dem Dache sei? Wer kannte Umstände und eine Umgebung, in der man nicht zu Hause ist, wie Er, Der klagte, ein Pelikan in der Wüste zu sein (Ps 102,7.8); wer hungerte mehr als Er, Der einmal vierzig Tage lang nicht aß; wer war von anderen abhängiger als Er, Der von dem lebte, was Frauen Ihm gaben? Ja, Er ritt auf dem Esel eines anderen, Er feierte das Passah in einem Saal, der Ihm nicht gehörte, und Er wurde in das Grab eines anderen gelegt (Lk 4,2; 8,2.3; 19,33; 22,11; 23,53)! Wer kann in körperlichen Schmerzen mitfühlen wie Er, Der gegeißelt, geschlagen und gekreuzigt wurde; wer kannte die Traurigkeit um den Verlust wie Er, Der an dem Grabe eines Freundes weinte (Joh 11,33-36)?

Wir kennen das aus Erfahrung. Diese Erfahrung sowohl der Leiden als auch der Ermunterung, die im Mitgefühl liegt, macht uns fähig, mitzufühlen, mitzuleiden (also nicht nur aus Höflichkeit mitfühlende Wort zu sagen). Dies gilt umso mehr, wenn es sich um Leiden der Gerechtigkeit wegen (1. Pet 3,14) oder Leiden um des Namens des Herrn willen handelt (1Pet 4,12-16).

Aber es geht nicht allein um Mitgefühl in Leiden, sondern auch um das Mitfühlen in Freuden, in Segen, in glücklichen Umständen (Röm 12,15). Das ist häufig noch schwieriger als das Mitleiden. „Freuet euch mit den sich Freuenden und weinet mit den Weinenden“, schreibt der Apostel Paulus. Wie viel Selbstüberwindung, wie viel Selbstverleugnung kostet es, wenn wir selbst traurig sind, uns mit anderen zu erfreuen. Sind unsere egoistischen Herzen nicht im Gegenteil geneigt, eifersüchtig zu werden, wenn andere etwas haben oder empfangen, was wir nicht haben, einerlei, ob es sich um irdische oder geistliche Dinge handelt? Wie viel Missgunst gibt es häufig unter Gläubigen, wenn einer eine etwas bessere Stellung erhält oder etwas mehr Geld als der andere verdient. Selbst, wenn der Herr dem einen oder anderen nach menschlicher Meinung eine größere geistliche Gabe gibt als dem anderen! Hier werden wir ermahnt, das Gegenteil zu tun: mitzufühlen, uns zu freuen mit den sich Freuenden, einander zu unterstützen mit dem Gebet.

„Voll brüderlicher Liebe“ ist hier die Übersetzung des griechischen Wortes philadelphoi (philadelphos im Nom. PI. Mask.), was „Bruderliebe“ bedeutet. Es ist hier nicht das Wort für die göttliche Liebe (agape), das meistens verwendet wird (1Pet 1,22b; 2,8), sondern phileo, was mehr „gerne mögen“ bedeutet. Nach 1. Petrus 1,22 sind bei unserer Bekehrung die Hinderungsgründe dafür, dass wir die Brüder lieben, weggefallen. Wir sehen nun etwas Anziehendes in ihnen: Wir sehen sie als die Gegenstände der Liebe des Herrn, aber überdies sehen wir etwas von dem Herrn in ihnen, denn sie haben die göttliche Natur empfangen (2Pet 1,4). So können wir sie lieben, aber wir müssen es auch. Wir lieben sie aber als Brüder, also lieben wir nicht das in ihnen, was von der alten Natur ist. Die Liebe muss so ausgeübt werden, wie es uns das Wort und der Heilige Geist in jedem Falle deutlich machen will. Denn wahre Bruderliebe handelt niemals im Widerspruch mit den Gedanken Gottes (1Joh 5,13), und mit dem Gehorsam gegen den Herrn! (Siehe weiter die Betrachtungen zu 1. Petrus 1,22.)

Das griechische Wort, das hier mit „barmherzig“ übersetzt ist, kommt nur hier vor und in Epheser 4,32, wo es mit „Gnade erweisend“ übersetzt ist. Wir könnten es auch mit „zartfühlend“ wiedergeben. Vielleicht würde das sogar eine bessere Übersetzung sein.

Barmherzigkeit ist die Gnade, die in dem Herzen erweckt wird, wenn wir die schwierigen Umstände derjenigen sehen, mit denen wir uns beschäftigen. Es gehört Barmherzigkeit dazu, den Bedürfnissen der anderen abhelfen zu wollen. Unser Inneres muss zum Vorteil der anderen wirksam werden (siehe 1Joh 3,17 mit der Fußnote in der E. Ü.). Das setzt einen Zustand leiblicher und geistlicher Not voraus, dem abgeholfen werden muss. Aber diese Hilfe darf nicht kalt und gefühllos geboten werden; unser Herz muss mit darin sein. Wir müssen von dem Herrn Jesus lernen, Der niemals nur durch Seine Macht half. Sein Herz und Sein Geist befassten Sich mit dem Elenden und brachten ihn zu Gott (Mt 8,17; 9,36), siehe z.B. Johannes 11,33-44; Lukas 5,12.13; 19,41-44.

Ohne demütige Gesinnung kann es keinen Geist des Dienens geben. Diese Ermahnung wird hier zum ersten Mal in diesem Brief erwähnt. Wenn wir uns selbst kennen, wissen wir, dass dies nicht deshalb so ist, weil wir diese Ermahnung nicht nötig hätten. Es ist doch wahr, was ein anderer schrieb: „Hochmut ist das Letzte, was in dem Menschen stirbt“ (Stael). Wie leicht erheben wir uns, weil wir irdische oder gar geistliche Vorrechte besitzen, als ob es nicht einzig und allein Gnade ist, dass wir sie haben. Haben wir uns selbst geschaffen? Haben wir unsere leiblichen und geistlichen Fähigkeiten und guten Eigenschaften aus uns selbst? Welch eine Torheit ist es, hochmütig zu sein (Dan 4,30). Und doch, müssen wir uns nicht selbst häufig deswegen verurteilen? Ist die Sprache Nebukadnezars (Dan 4,30) nicht auch häufig die Sprache unseres Herzens, wenn wir sie auch nicht in unseren Mund nehmen?

Welchen Schaden verursachen Stolz und Hochmut an dem Zusammenleben der Familie Gottes und an dem Zeugnis Gottes nach außen hin. Andere werden dadurch verletzt, und wir selbst fühlen uns leicht beleidigt, wenn wir nicht genügend Anerkennung erhalten und man uns nicht genügend berücksichtigt. Wir sehen das selbst bei den hochgeehrten Aposteln (Lk 22,24). Welch ein Vorbild haben wir auch hierin in dem Herrn Jesus. Der Herr Jesus, wissend, dass Er von Gott ausgegangen war und zu Gott zurückging und dass der Vater Ihm alle Dinge übergeben hatte, stand auf, umgürtete Sich und wusch die Füße Seiner Jünger (Joh 13,35); das war der Dienst eines Sklaven, für den sich jeder von ihnen zu gut dünkte. Wie treffen Seine Worte unsere Herzen, wenn wir sie in dem Zusammenhang, in dem sie stehen, lesen. Alle Dinge sind Ihm von Seinem Vater übergeben. Seine persönliche Herrlichkeit ist so groß, dass nur der Vater sie ermessen kann (Mt 11,29). Dann sagt Er: „Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Lernen wir nicht gern von Ihm, wenn wir Ihn so sehen?

Vers 9

1Pet 3,9: Und vergeltet nicht Böses mit Bösem, oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen ererbet.

Der Apostel hat hierüber schon zu den Hausknechten und Sklaven gesprochen (1Pet 2,18-21). Er stellte ihnen den Herrn Jesus als Vorbild hin: „Der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der recht richtet“ (1Pet 2,21-25). Hier sagt Petrus dasselbe noch einmal zu allen. Das lässt uns erkennen, wie wichtig dieser Vers ist. Der Apostel Paulus hat dasselbe an zwei Stellen gesagt (Röm 12,17; 1Thes 5,15). Es liegt in der menschlichen Natur, Böses mit Bösem zu vergelten, und das Gesetz ließ es auch zu (Mt 5,38-48).

Die Gläubigen, an die dieser Brief direkt gerichtet war, wohnten inmitten feindlicher Heiden und noch feindlicherer Juden, ihrer früheren Brüder. Sie konnten erwarten, dass ihnen Böses angetan wurde, und sie hatten es auch erfahren. Der Apostel spricht über die Leiden um der Gerechtigkeit wilIen und das Leiden wegen des Namens des Herrn Jesus (1Pet 3,14; 4,14).

Wir müssen die Gesinnung Christi haben und Seinem Vorbild folgen. Er ließ alles über Sich ergehen, denn Er war gekommen, um zu segnen, nicht, um zu richten (Lk 9,55). Darum übergab Er alles in die Hände Dessen, Der gerecht richtet.

Hier wird ein herrliches Argument hinzugefügt. Wir sind berufen, Segen zu ererben, darum müssen wir andere segnen. Aus Gnaden haben wir diese herrliche Stellung empfangen, trotz unserer Empörung gegen Gott und unserer feindlichen Taten Ihm gegenüber, die uns, falls Gott gerecht handelte, nur die ewige Verdammnis .eingebracht hätten. Wenn man uns jetzt Böses antut oder wir gescholten werden, und erst recht wenn das geschieht, weil wir diesen Platz des Segens empfangen haben, wie sollten wir dann so im Gegensatz zu der Handlungsweise Gottes uns verhalten können?

Ich denke nicht, dass es hier nur um den zukünftigen Segen geht. Es geht hier auch um die Stellung, die wir jetzt schon haben, wenn sie auch erst bei dem Herrn vollkommen sein wird. Der Mensch als Sünder steht unter dem Fluche. Wir sind in die Gunst und Nähe Gottes gebracht. Wir kennen Ihn als unseren Vater und den Herrn Jesus als „den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20). Nun, die Gunst des Vaters und des Sohnes hat praktische Folgen, sowohl im Hinblick auf die Hilfe in all unseren geistlichen und leiblichen Bedürfnissen als auch auf die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn. Welch eine Freude für das Herz ist es, sich der Gunst und Nähe des Vaters und des Sohnes bewusst zu sein.

Dieses Bewusstsein gibt auch den Leiden ein anderes Wesen. Wir wissen, dass man uns nur Böses tun und schelten kann unter der Zulassung des Vaters. Und Er lässt es nur zu, wenn es gut für uns ist. Denen, die Gott lieben, wirken alle Dinge zum Guten mit (Röm 8,28)! Wir sehen das deutlich in der Geschichte Hiobs. David hat es auch verstanden. Als Simei ihm fluchte und ihn verwünschte, sagte er: „Ja, mag er fluchen, denn wenn der HERR ihm gesagt hat: Fluche David, wer darf dann sagen: Warum tust du also?“ (2Sam 16,10).

Aber hier im Petrusbrief geht das weiter. Wir sollen das Böse und das Schelten nicht allein ertragen, sondern mit Gutem erwidern. Wir sollen es machen, wie der Herr Jesus, Der am Kreuze für Seine Hasser bat, und wie Stephanus, als er gesteinigt wurde.

Wir sehen also drei Dinge, wenn Menschen uns Böses tun:

  1. Wir sollen uns selbst nicht rächen, sondern dem Zorn Gottes Raum geben (Röm 12,19-21): Der wird uns rächen, und Er kann es besser als wir.

  2. Wir sollen alles Dem übergeben, Der recht richtet (1Pet 2,23), und also genau weiß, inwiefern man uns lästert. Wir sollen uns dabei bewusst sein, dass Gott dieses zulässt, weil Er uns dadurch erziehen will; also müssen wir es aus Seiner Hand annehmen.

  3. Die erfahrene Gnade, die uns in die Stellung des Segens und der Gunst gebracht (1Pet 3,9) hat als Antwort auf unser böses Handeln und Reden Gott gegenüber, muss uns dazu bringen, wie Gott zu handeln und das uns angetane Böse und das Schelten mit Segen zu beantworten. Wir werden daran erinnert, dass wir berufen sind, in der Fülle des uns von Gott geschenkten Teiles zu leben, das für alle Dinge ausreicht.

    Einige übersetzen: „damit ihr Segen ererben werdet“ (u.a. Greijdanus). Dann würde der Segen davon abhängen, ob wir die segnen, die uns Böses antun. Ich glaube mit Hart, Alford, Kelly, Darby, Grant u.a., dass dieses nicht richtig ist. Obwohl wir in den Briefen des Petrus die Regierung Gottes vorgestellt finden, wäre dies nicht nur eine Regel dieser Regierung, sondern der Grundsatz des Gesetzes. Die unter Gesetz lebten, mussten arbeiten, um den Segen zu erlangen. Das Resultat ist stets: „So viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch“ (Gal 3,10). Der christliche Standpunkt ist gerade: „Wir haben den Segen empfangen und müssen uns nun in Übereinstimmung damit betragen.“ So groß ist der Gegensatz zwischen dem Gesetz und der Gnade.

Allein durch die Gnade sind wir errettet, mittels des Glaubens, nicht durch Werke (Gal 2,16; Eph 2,8).

Verse 10-12

1Pet 3,10-12: Denn wer (das) Leben lieben und gute Tage sehen will, der enthalte seine Zunge vom Bösen, und seine Lippen, (dass sie) nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach; denn (die) Augen (des) Herrn (sind gerichtet) auf (die) Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen; (das) Angesicht (des) Herrn aber (ist) wider die, welche Böses tun.

Hier beginnt der vierte Teil unseres Briefes, der bis 1. Petrus 4,6 reicht. Die Kapiteleinteilung ist nicht von Gott Selbst gegeben. Die natürliche Einteilung zeigt eine sittliche Ordnung. Im dritten Teil sahen wir das Betragen der Gläubigen in bestimmten persönlichen Verhältnissen. Im vierten kommen wir nun zu unserem Verhalten gegenüber allem, was uns umgibt, d.h. gegenüber einer Welt, die gegen Gott und also auch gegen uns ist. Aber in dieser Welt regiert Gott, denn kein Widerstand kann Ihm Seine Stellung und Seine Rechte rauben. Aber weil Er die direkte Regierungsgewalt nach dem Abfall des Volkes Israel, durch das Er sie bis dahin ausübte, in die Hände der Nationen gegeben hat (Dan 2,38), ist Seine Regierung nun indirekt und für das natürliche Auge unsichtbar. Es gibt keinen Thron des HERRN mehr auf Erden, der für Menschen sichtbar wäre (1Chr 29,23). Seine Regierung ist jetzt nur sittlich und darum für das menschliche Auge unsichtbar. Glaube ist nötig, und das fortdauernd, um im Herzen zu verwirklichen, trotz all des Gegenteiligen, was wir sehen und erfahren, dass Gott regiert und nichts Seiner Kontrolle entgeht. Wer mit dieser Regierung in Übereinstimmung lebt  – die Gerechten also – hat den Segen davon. Und doch bleibt es wahr: In der Welt habt ihr Drangsal (Joh 16,33)!

Diese Verse sind aus Psalm 34 angeführt. Es ist interessant, dass der Apostel im ersten Teil aus dem Gesetz, im zweiten und dritten Teil aus den Propheten und hier im vierten Teil aus den Psalmen zitiert. So gebraucht er alle drei Teile der hebräischen Bibel, des Alten Testaments. Hier sagt er nicht ausdrücklich, dass es ein Zitat ist. Er gibt die Worte des 34. Psalms auch nicht unverändert wieder. Er lässt die ersten Worte „wer ist der Mann“ weg und geht von der zweiten Person auf die dritte über. Aber was den Inhalt betrifft, verändert er dadurch wenig. Wichtiger ist, dass er auch die letzten Worte von Vers 17 weglässt: „um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten“. Dadurch macht der Heilige Geist die Worte für den jüdischen Überrest passend, an den dieser Brief gerichtet ist (und auch für uns).

Psalm 34 zeigt uns die Regierung Gottes, die immer da ist, zugunsten der Sanftmütigen, wodurch der Glaube stets loben kann. Der gläubige Überrest ist von Gott erhört, bewahrt und erlöst, als er in Schwierigkeiten war. Ihr Glaube erblickt in der Rettung durch Christus eine Ermunterung (Ps 34,6.20). So wissen sie, dass bald die völlige Erlösung kommen wird, wenn der Herr bei Seiner Ankunft aus dem Himmel alle Feinde vernichtet.

Aber hierin wird der ganze Unterschied zwischen ihrer Stellung und der des Überrestes, an den Petrus schrieb (und auch zu uns), deutlich. Sie werden leben, wenn Gottes Regierung wieder direkt, unmittelbar wirksam sein wird. Obwohl die Grundsätze der Regierung Gottes für die Erde unveränderlich sind, werden sie in unserer Zeit sittlich angewendet. Wenn alles offenbart sein wird, wird auch die sittliche Regierung Gottes nicht länger verborgen sein. Dann wird Er das offenbar Böse sofort richten. Das wird so sein, wenn der Herr Jesus vom Himmel kommt. Zuerst wird Er Seine öffentlichen Feinde vernichten (Off 19,19-21; Dan 11,45). Danach wird Er auf dem Thron Seiner Herrlichkeit die Völker richten darüber, wie sie den gläubigen Überrest aus Israel behandelt haben (Mt 25,31), den wir u.a. in den Psalmen finden. Und danach bis zum Ende des Tausendjährigen Reiches gilt: „Jeden Morgen will ich vertilgen alle Gesetzlosen des Landes, um aus der Stadt des HERRN auszurotten alle, die Frevel tun“ (Ps 101,8). „Sie werden hinausgehen und sich die Leichname der Menschen ansehen, die von mir abgefallen sind“ (Jes 66,24). Zum Schluss wird in dem endgültigen Gericht alles Böse hinweggetan werden. Die Toten, alle, die sich nicht bekehrt haben, werden gerichtet werden und ihre endgültige Strafe empfangen (Off 20,11). „Und die Erde und die Werke auf ihr werden verbrannt werden“ (2Pet 3,10).

Es ist deutlich, dass in der Gnadenzeit, in der wir leben, Gottes Regierung sich nicht in dieser Weise auswirken kann. Sie kann jetzt nicht allem Bösen vorbeugen oder es unmittelbar bestrafen. Sie kann sich also nicht vollkommen offenbaren und muss verborgen bleiben. Aber die Grundsätze sind da. Als ein allgemeiner Grundsatz bleibt bestehen, dass die Augen des Herrn auf die Gerechten gerichtet sind und Sein Angesicht wider die ist, die Böses tun. Ein ruhiger, friedliebender Mann wird ein besseres Leben führen als einer, der streitsüchtig und unaufrichtig ist.

Es ist auch deutlich, dass Gottes Regierung auf direkte Weise mit dieser Erde in Verbindung steht. Darum gelten sowohl ihre Gerichte als auch ihre Segnungen für diese Erde (1Kor 11,32), obwohl sie ihrem Charakter nach entscheidend sein können für die Ewigkeit. Das Erste (die Erde) sehen wir ganz deutlich in Matthäus 25,34 und das Zweite (die Ewigkeit) in Matthäus 25,41.46. In Offenbarun 20,11-15 haben wir das abschließende Gericht Gottes, das darum endgültig ist. Das Leben, die guten Tage und der Friede, von denen Petrus hier schreibt, stehen also mit dem Leben auf Erden in Verbindung. Petrus behandelt ja das Leben des Gläubigen auf Erden. Das Zitat aus Psalm 34 bestätigt das auch, denn dieser Psalm spricht über die Segnungen des jüdischen Überrestes in den letzten Tagen.

Es ist wahr, dass unsere Segnungen im Gegensatz zu den Segnungen Israels himmlischer Natur sind. Aber das schließt die irdischen nicht ganz aus. Im Bilde sehen wir das an der Geschichte Israels. Ihr eigentliches Erbteil war „das Land“ Kanaan. Um dahin zu kommen, mussten sie durch den Jordan gehen. So müssen wir auch durch den Jordan (die persönliche Verwirklichung der Tatsache, dass wir mit Christus gestorben und auferstanden sind; Eph 2,5.6) gehen, um unser eigentliches Erbteil, die himmlischen Örter mit allem, was darin ist, in Besitz nehmen zu können. Aber doch wird zu Israel gesagt: „Beginne, nimm in Besitz“, als sie begannen, das vor dem Jordan liegende Gebiet einzunehmen (5Mo 2,24). Im Tausendjährigen Reich empfängt jeder Stamm auch einen Teil von jenseits des Jordans (Hes 48). Die Sünde der zweieinhalb Stämme lag nicht darin, einen Teil jenseits des Jordans zu begehren, sondern es als ihr eigentliches Erbteil anzusehen und damit zufrieden zu sein.

So sind unsere eigentlichen Segnungen alle geistlich und himmlisch (Eph 1,3). Aber daneben haben wir auch irdische Segnungen, wenn sie auch erst dann Segnungen sind, wenn wir sie dem Sihon und Og entrissen haben (diese beiden sind Bilder für den Gebrauch der irdischen Güter in der Weise, dass wir uns damit einen Namen auf Erden machen [Sihon; 4Mo 21,26-30] oder um sie für den eigenen Genuss und zur Befriedigung unserer selbst zu benutzen [Og; 5Mo 3,11]) und sie als Erbteil aus der Hand des Herrn angenommen haben. Petrus bringt uns nicht wie Paulus in die himmlischen Örter, um dort die Stellung zu zeigen, in die Gott uns gebracht hat. Er ist vor allem mit der Erziehung der Gläubigen für ihren Weg durch die Welt beschäftigt. Er unterweist sie, Geduld zu haben, von welcher Seite der Druck auch kommen möge.

Dann gibt es einen Weg, das Leben lieb haben zu dürfen, ohne dass das Wort des Herrn Jesus aus Johannes 12 darauf angewendet wird (Joh 12,25). Das geschieht dann, wenn wir uns selbst keine Schwierigkeiten bereiten, denn damit sind zwei Dinge verbunden: Die Augen des Herrn werden in Gunst auf uns gerichtet und Seine Ohren für uns geöffnet sein. Und niemand wird uns Böses tun (1Pet 3,12.13).

„Wille“ bezeichnet hier einen wünschenden Willen. Es ist der Wunsch, aber auch der Wille, ein glückliches Leben zu führen, für das man danken kann: Man möchte gute Tage sehen. Nun, ein Christ kann das haben. Er hat keine Sorge vor der Zukunft. Für die Ewigkeit ist alles in Ordnung, weil er teilhat an dem wunderbaren Werk des Herrn Jesus: Er hat Frieden mit Gott. Aber er steht auch in der Gnade (oder: Gunst) Gottes und weiß also, dass Gott, sein Vater, für alles, auch in diesem Leben, sorgen wird. Die Herrlichkeit Gottes wartet seiner (Röm 5,1.2). so kann er sich dieser Herrlichkeit rühmen, aber auch in den Drangsalen, weil er weiß, dass die Liebe Gottes diese schickt (Röm 5,35). Ja, er kann sich durch den Herrn Jesus Christus Gottes Selbst rühmen (Röm 5,11). Ist das kein glückliches Leben, für das man immer nur dankbar sein kann? Und sind es keine guten Tage, wenn man jeden Tag aufs Neue die gute Fürsorge des Vaters erfährt, auch in den täglichen leiblichen Bedürfnissen? Und wenn Er unser Auge auf den Herrn Jesus richtet und wir so Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohne haben dürfen (1Joh 1,3)?

Aber es gibt Dinge, die das verhindern. Alles, was uns ein unruhiges Gewissen schafft, unterbricht die Gemeinschaft mit Gott und dem Herrn Jesus, der Quelle allen Glücks, und nimmt unseren praktischen Frieden weg.

Der Apostel nennt hier als Erstes das Werk der Zunge. Jakobus nennt die Zunge „ein Feuer; die Welt der Ungerechtigkeit …, die den ganzen Leib befleckt und den Lauf der Natur anzündet und von der Hölle angezündet wird, … ein unstetes übel, voll tödlichen Giftes“ (Jak 3,2-12). Wissen wir nicht aus Erfahrung, dass diese Worte richtig sind? Wie viel Böses hat jeder von uns schon mit der Zunge angerichtet!

Das Wort „enthalte“ schließt ein, dass hier eine natürliche Neigung besteht, das zu tun, wovon man die Zunge enthalten muss. Verkehrte Worte, unaufrichtige Worte (Betrug), sarkastische, unfreundliche und gehässige Worte  – wie von selbst kommen sie über unsere Lippen. Wir müssen unsere Zunge, unsere Lippen daran hindern, mit diesen Dingen durchzugehen. Unsere Lippen müssen wir, wenn nötig, aufeinanderpressen, so dass die Worte nicht herauskommen können. Aus dem Zusammenhang mit Vers 9 sehen wir, dass dies auch gilt, wenn andere Böses wider uns reden oder uns schelten.

Wie wunderbar wäre es für uns, wenn wir diese „enthaltende“ Kraft ein bisschen besser kennten! Aber sicher ist, dass niemals ein Gläubiger, der seiner Zunge freien Lauf lässt, glücklich und geistlich ist.

Aber nicht allein in unseren Worten, sondern auch in unseren Taten müssen wir vom Bösen, von allem, was nicht gut ist, getrennt sein (Ps 1). Es steht hier nicht, dass wir das Böse nicht tun dürfen, sondern dass wir uns abwenden müssen. Sobald wir auf einen Weg geraten, der zum Bösen führt, müssen wir ihn also verlassen. „Indem ihr selbst das vom Fleisch befleckte Kleid hasst“ (Jud 23). „Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten“ (Röm 12,9). Wir müssen uns also nicht nur negativ vom Bösen abwenden, sondern vielmehr positiv gute Dinge tun.

Weiter müssen wir Frieden suchen (Mt 5,9) – ja ihm nachjagen! Es handelt sich hier natürlich um den Frieden mit anderen Menschen. „Wenn möglich, so viel an euch ist, haltet Frieden mit allen Menschen“ (Röm 12,18)! Wir können das nicht immer erreichen, gerade als Gläubige nicht, dass wir mit allen Frieden haben. Aber als Nachfolger des Gottes des Friedens (Heb 13,20; Röm 16,20) muss es das ernste Streben unserer Herzen sein.

Wir haben gesehen, dass auch in 1. Petrus 3,10-12 nahezu kein Artikel vor den Worten steht. In dem folgenden Vers gilt das Gleiche. Es ist alles charakteristisch gemeint wie in dem ganzen Brief. Die Worte  „enthalten, sprechen, abwenden, tun, suchen“ und „nachjagen“ stehen alle im Aorist, was von dem ganzen Leben als eine Einheit spricht. Die letzten vier stehen überdies in der Befehlsform. Unmöglich können wir das Leben lieben und gute Tage sehen, wenn wir nicht tun, was hier vorgestellt wird, und das ohne Aufhören! Es ist uneingeschränkt vorgeschrieben.

Wir haben also zu Anfang von Vers 10 den Gegenstand und das Ziel gesehen. Im weiteren Teil dieses Verses und in Vers 11 sahen wir die Voraussetzungen dafür, dieses Ziel zu erreichen. In Vers 12 finden wir nun den Grund für die Voraussetzungen, aus dem sie hervorkommen.

Ein ernster Gedanke ist es, dass die Augen des Herrn alles sehen! „Die Augen des HERRN durchlaufen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist“ (2Chr 16,9; Spr 15,3; Ps 33,13.18; Hiob 34,21). David sagte: „HERR, du hast mich erforscht und erkannt“ (Ps 139)! Aber für ihn lag darin nichts Schreckliches. Am Ende desselben Psalms bittet er: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken!“ Auch hier geschieht es, wie in 2. Chronika und in Psalm 33 und 34, zum Wohle des Gerechten. Gerecht sein heißt, in dem rechten Verhältnis zu Gott zu stehen und das in der Lebensführung zu offenbaren, indem wir in Gehorsam den Weg gehen. Es geht darum, mit dem Recht in Übereinstimmung zu sein – also die richtige Stellung als Geschöpf gegenüber dem Schöpfer einzunehmen. Für uns kommt noch hinzu, dass wir die rechte Stellung als erlöste Erkaufte dem Herrn gegenüber, Der uns erlöst und erkauft hat, einnehmen. Hier steht „Herr“ ohne Artikel, womit der HERR gemeint ist. Wenn ein Artikel davor steht, ist gewöhnlich der Herr Jesus als Mensch in der Stellung, die Gott Ihm aufgrund Seines Werkes am Kreuze gegeben hat (Apg 2,36) gemeint. Hier ist es also Gott.

Ein ernster Gedanke ist es für den Ungläubigen und den ungerechten Christen, dass Gottes Augen alles sehen. Aber wie herrlich ist es für das Kind Gottes, das Gemeinschaft mit Ihm hat und also weiß, dass Gott in Gunst auf es herniedersieht. „Seine Ohren sind auf ihr Flehen gerichtet“ (Ps 66,19). Es ist, als ob Gott Seine Ohren auf uns richtet, um nur gut hören zu können, was wir von Ihm erbitten. Wir brauchen also niemals eine Anpassungspolitik gegenüber dem, was uns umringt, verfolgen. Wir brauchen auch niemals nachzugeben, wenn die Übermacht des Bösen groß ist. Der Allmächtige sieht uns in unseren Umständen, und Seine Allmacht beschützt uns. Manchmal scheint es, als sei das nicht wahr, als ob die Gerechten umkämen. Aber sie kommen niemals wirklich um. Gott gebraucht alles nur zu ihrer Erziehung. Die sittliche Regierung Gottes wird auf die Dauer immer die Oberhand behalten.

„(Das) Angesicht (des) Herrn aber (ist) wider die, welche Böses tun“ (Pred 8,11-13). Das gilt nicht allein für Ungläubige, sondern gerade auch für Gläubige. Weil wir unter Gnade sind, sind wir nicht außerhalb der Regierung Gottes! Es bleibt stets wahr, dass Gott „Drangsal und Angst über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt“, bewirkt, aber auch „Herrlichkeit, Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt“ (Röm 2,9.10). „Was irgendein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7). Wir können die Gnade nicht als Deckmantel für das Böse gebrauchen. Das Gericht beginnt bei dem Hause Gottes (1Pet 4,17). Gerade wenn wir also Gegenstände der Gnade werden, kommen wir unmittelbarer unter Gottes Regierung (Amos 3,2). Das Gericht über die Ungläubigen kann Gott bis auf die endgültige Abrechnung vor dem großen weißen Throne hinausschieben. Weil wir nicht in das endgültige Gericht kommen (Joh 5,24), muss Gottes Gericht uns hier auf Erden treffen. Das kann sogar Krankheit und Tod bedeuten, wie es die Korinther erfahren haben (1Kor 11,30-32). Dies ist ein sehr wichtiger Grundsatz, denn das Fleisch will gerne die Gnade missbrauchen und seinen eigenen Willen tun.

Es gab niemals eine Zeit, in der das Angesicht des Herrn nicht gegen solche gerichtet war, die Böses tun. Die Menschen der Welt mögen noch so erfolgreich sein, aber der Grundsatz bleibt wahr, und er wird seine Folgen haben. Das soll nicht heißen, dass alles auf Erden seine gerechte Vergeltung empfängt – nicht im Entferntesten! Aber jeder Mensch empfängt gewisse Folgen seiner Taten, auch schon hier auf Erden. Der Ungläubige wird am Schluss bei der Endabrechnung vor dem großen weißen Thron alles empfangen, was er hier auf der Erde noch nicht empfangen hat (Off 20). Der Christ wird die Folgen seiner offenbaren Taten alle auf Erden empfangen.

Wie wir gesehen haben, gab es eine Zeit, und es wird bald wieder eine Zeit kommen, in der die Regierung Gottes für jeden sichtbar sein wird. Aber als Christus gekreuzigt wurde, wurden die Gerechtigkeit und das Gericht getrennt. Bald werden sie wieder vereinigt werden (Ps 85,10-13). Aber im Augenblick ist der Glaube nötig, um zu wissen, dass Gottes sittliche Regierung über der vollkommenen Verwirrung in der Welt steht und dass Er, nach bestimmten, niemals abgeschwächten Grundsätzen, was gut und böse ist, regiert. Künftig wird es für jeden vollkommen deutlich sein, was gut und böse ist. Jetzt ist Glauben nötig und Gemeinschaft mit dem Herrn, um zu wissen, was Ihm wohlgefällt und was Er nicht haben will. Denn jetzt ist alles vermischt und ineinander verwoben, so dass es nicht so einfach ist, richtig zu unterscheiden.

Ein wichtiger Grundsatz der Regierung Gottes ist, dass man empfängt nach dem, wie man selbst handelt. „Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleische Verderben ernten“ (Gal 6,7.8)! Wer Wind sät, wird Sturm ernten (Hos 8,7). Wenn wir anderen gegenüber hart sind, müssen wir damit rechnen, auf irgendeine Weise Härte zu erfahren. Wie oft haben wir etwas getan, was wir früher bei anderen stark verurteilt hatten! „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden“ (Mt 7,12).

Verse 13-15a

1Pet 3,13-15a: Und wer wird euch Böses tun, wenn ihr Nachahmer des Guten werdet; aber wenn ihr auch leiden solltet um (der) Gerechtigkeit willen, glückselig (seid ihr)! Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiliget den Christus als Herrn in euren Herzen.

„Des Guten“ in Vers 13 kann sowohl „das Gute“ wie „dem Guten“ meinen und würde sich im zweiten Fall auf den Herrn Jesus beziehen. Wenn auch in unserer Übersetzung „Nachahmer des Guten“ steht, so müsste es doch aufgrund der besseren Textzeugen „Eiferer des Guten“ heißen, woraus dann deutlich wird, dass „das Gute“ gemeint sein muss und nicht „der Gute“.

Der Mensch ist von Natur kein Eiferer für das Gute, im Gegenteil: „Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer“ (Röm 3,12). Aber „es ist unser großer Gott und Heiland Jesus Christus, Der Sich Selbst für uns gegeben hat, auf dass Er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte Sich Selbst ein Eigentumsvolk, eifrig zu guten Werken“ (Tit 2,14). In Kapitel 1 haben wir gesehen, wie das geschah. In der neuen Geburt sind wir abgesondert durch Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi (1Pet 1,23.18; Apg 10,38). Das Blut gibt uns die Sicherheit, dass nichts mehr zwischen Gott und uns ist, so dass wir uns nicht mehr mit uns selbst zu beschäftigen zu brauchen. Das neue Leben in uns kann nicht sündigen und will nur das Gute tun. Durch die Kraft des in uns wohnenden Heiligen Geistes kann es das praktisch verwirklichen. So können wir „Eiferer des Guten“ (oder „für das Gute“, oder „im Guten“) sein.

Nun, wir haben in Vers 12 gesehen, dass in Gottes Regierung die Augen des Herrn auf die Gerechten und Seine Ohren auf ihr Flehen gerichtet sind. Wer könnte dann denen, die eifrig im Guten sind, Böses antun? Gottes Regierung ist zu ihren Gunsten wirksam! Normalerweise werden auch die Ungläubigen einem, der nur Gutes tut, nichts Böses zufügen wallen. Auch sie wissen es zu schätzen, wenn jemand treu und ehrlich ist, wenn er hilfsbereit, freigebig gegen Notleidende, freundlich, friedliebend usw. ist, vor allem, solange sie selbst Vorteil dadurch haben. In der Regel wird einer, dem wir Gutes tun, uns nichts Böses zufügen. Häufig ist jemand, der Böses wollte, entwaffnet worden durch das Gute, das ihm der, dem er Böses tun wollte, erwies.

Aber dann folgt in Vers 14 eine Ausnahme, natürlich nicht, was die Regierung Gottes, sondern was die Regierung der Welt betrifft. Da herrscht die Wirksamkeit der Sünde und des Bösen und der Terror des Teufels. Also kann es sein, dass ein Gläubiger trotz seines Eifers für das Gute Böses empfängt, wie auch der Herr Selbst. Ein böses Herz kann unter der Macht Satans alle sittlichen Überlegungen verwerfen und das Gute als Heuchelei oder sogar als Bosheit auslegen (1Pet 4,3.4). Wir sehen das bei dem Herrn Jesus Selbst, als Er die Dämonen austrieb. Die Pharisäer schrieben das wider besseres Wissen der Macht des Teufels zu (Mt 12,24). Diese bösen Menschen werden versuchen, einen Bekehrten auf die früheren sündigen Wege zurückzuziehen. Wenn ihnen das nicht gelingt, werden sie ihn umso mehr hassen, verlästern und verfolgen. „Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden verfolgt werden“ (2Tim 3,12)!

Die Welt wird viele der guten Dinge, die die Gläubigen tun, anerkennen, weil sie selbst Nutzen davon hat, auch wenn sie sie selbst nicht tut und die guten Dinge die Welt verurteilt. Darum nahm der Herr Jesus zu an Gunst bei Gott und den Menschen (Lk 2,52)! Die ersten Gläubigen hatten Gunst bei dem ganzen Volke (Apg 2,47). Auch im Alten Testament sehen wir in der Geschichte mehrerer Gläubigen, z.B. bei Joseph, Daniel und seinen Freunden, wie man die Gläubigen wertschätzt, sofern sie dem Willen der Menschen nicht zuwiderhandeln. Jeder Arbeitgeber will gerne, dass er seinem Personal vertrauen kann, auch wenn er selbst nicht ehrlich ist. Aber sobald diese Ehrlichkeit ihn Geld kostet, indem der Gläubige nicht bei unehrlichen Handlungsweisen mitmachen will, wird die Sache anders.

Ein Gläubiger muss nicht allein gute Dinge tun, sondern auch Gerechtigkeit ausüben. Wenn er nur Gutes tut, wird er geliebt und respektiert werden in der Welt. Aber wir müssen Sorge tragen, sowohl gerecht als auch gut zu sein. Wir müssen treu gegenüber Christus sein und sowohl die Regeln der christlichen Gerechtigkeit als auch die der christlichen Güte handhaben. Der Heilige Geist sagt uns hier, dass die Regeln der Gerechtigkeit uns Leiden verschaffen werden. Sobald wir die Besonderheit des Christentums verwirklichen und Gerechtigkeit handhaben, werden wir leiden.

Gerechtigkeit ist das Handhaben der Rechte Christi. Er ist unser Herr, und wir müssen Ihm in allem gehorchen und Seinen Willen vollbringen, d.h. nicht allein hundert Pfennige für eine Mark geben und tausend Gramm für ein Kilogramm – das natürlich auch, aber es gehört viel mehr dazu. Es bedeutet, Seine Rechte in unserem ganzen Leben wahrzunehmen, zu Hause, in unserem Umgang, in unseren Geschäften, bei unserer Arbeit, in unseren Ferien, in unserer Freizeitbeschäftigung und in unseren Liebhabereien usw. Nun, unsere Treue darin muss erprobt werden. Der Apostel spricht viel über Prüfungen, denn gerade hier in der Welt muss alles auf seine Echtheit geprüft werden. Er beginnt den Brief mit der Prüfung unseres Glaubens (1Pet 1,7). Das ist der allgemeine Weg, auf dem die Prüfung kommt. Dann spricht er über die Prüfungen in den verschiedenen Lebensbereichen, z.B. bei Sklaven mit ungerechten Herren (1Pet 2,18-21). In unserem Abschnitt stehen sie im Zusammenhang mit der Gerechtigkeit, danach mit unserer sichtbaren Treue dem Namen des Herrn gegenüber (1Pet 4,12-16) und zum Schluss mit dem direkten Druck Satans (1Pet 5,8.9). So hält der Apostel uns vom Anfang bis zum Ende mit der Prüfung in Verbindung. Er unterrichtet ein Volk von Fremdlingen. Solch ein Volk muss, während es durch die Welt geht, mit einer Prüfungswoge nach der anderen rechnen. Aber es gibt eine Form von Prüfungen, die wir nicht erfahren sollten. Fiel Lot in Sodom nicht in Prüfungen, die Abraham gar nicht kennen konnte? Lots Augen waren auf Sodom gerichtet. Je mehr ich mit Pech umgehe, desto schmutziger werde ich dadurch werden.

Das Einzige, was wir haben müssen, ist ein einfältiges Auge (Mt 6,22), um dann mit einem guten Gewissen dem Herrn zu dienen. Aber wenn wir das tun, werden wir mehr als genug Widerstand erfahren. Die Folge unseres Christseins ist, dass wir ein Gewissen haben, das genau weiß, was für uns als Christen recht ist. Wir wandeln in Gottes Gegenwart und sind darum im Lichte. Unser Wille ist gekreuzigt. Nun finden wir viele Dinge in der Welt, die wir nicht tun können, wenn wir den Weg der Gerechtigkeit gehen. Die Welt wird diese Schwierigkeiten nicht haben. Darum werden dadurch für den Gläubigen Prüfungen und Leiden kommen.

Die Welt kann z.B. nicht begreifen und es noch weniger würdigen, dass ein christlicher Geschäftsmann kein Glied einer Vereinigung werden will und bei bestimmten Formen der Zusammenarbeit nicht mitmachen kann, weil der Herr sagt, dass er kein ungleiches Joch mit Ungläubigen auf sich nehmen darf, und überdies, weil er keine Verantwortung übernehmen kann für das, was Ungläubige auch in seinem Namen tun, und weil das Ziel einer Fachorganisation im Widerspruch zu der Stellung eines Christen in der Welt steht. Ungläubige können es nicht begreifen, wenn ein gläubiger Arbeiter aus denselben Gründen kein Glied einer Gewerkschaft werden will. Das wird Verkennung, Streit und oftmals augenscheinlichen Schaden verursachen. Viele Arbeiter sind entlassen oder konnten bestimmte Stellungen nicht erhalten, besonders in Kanada und den Vereinigten Staaten, weil sie auch hierin Christus gegenüber treu bleiben wollten. Dann wird das Leiden für die Gerechtigkeit eine sehr fühlbare Angelegenheit.

Wir haben darin ein wunderbares Vorbild in dem Herrn Jesus. Er wurde nicht verworfen, misshandelt und gekreuzigt, weil Er schlechte Dinge getan hatte, sondern weil Er gut war und nicht an den Plänen der Führer des Volkes teilnehmen wollte. Sein vollkommenes Leben überzeugte die Juden von ihrem Zustand. Und Er, obwohl Er voll Gnade war, schwieg nicht, wenn die Rechte Gottes gewahrt werden mussten.

Aber mit diesen Leiden ist ein „glückselig“ verbunden (Mt 5,10). Der Herr verkündigte das schon dem jüdischen Überrest, als es deutlich wurde, dass das Volk Ihn nicht annehmen wollte. Wie gut passt es hierhin, wo der Apostel an denselben Überrest schreibt, nachdem der Herr endgültig verworfen war.

Der Herr nennt vier Dinge, die mit der Gerechtigkeit in Zusammenhang stehen in einer Welt, in der Er verworfen ist. Glückselig die Armen im Geiste, die Trauernden, die Sanftmütigen. Aber dann heißt es: „Glückselig, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden“ (Mt 5,36). Hier sehen wir die Wirksamkeit geistlicher Gefühle, das starke Verlangen nach dem, was mit Gott in Übereinstimmung ist und was den Willen Gottes wahrt. Dann fährt der Herr fort: „Glückselig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten.“ Siehe nicht auf die Menschen, die dich verfolgen, sondern auf den Grund, weshalb du verfolgt wirst! Wenn es geschieht, weil du begehrst, in Gehorsam gegen den Willen Gottes erfunden zu werden, dann bist du glückselig. Fürchtest du zu sündigen? Leidest du dafür? Glückselig bist du!

Daraus ersehen wir gleichzeitig, dass die Leiden für die Gerechtigkeit in Wirklichkeit keine Ausnahme von der Regel der sittlichen Regierung Gottes sind: dass niemand demjenigen Böses tun wird, der ein Eiferer für das Gute ist. Es ist in Wirklichkeit nur Segen. Es kann in der Tat ein Verlust irdischer Güter damit verbunden sein, eben desjenigen, was eigentlich auch nicht das Teil der Christen ist. Aber das geschieht, damit gerade dadurch unser eigentliches Teil vermehrt wird. Wir verlieren etwas von dem Materiellen, um dafür geistliche Dinge zu erhalten, wir verlieren Zeitliches für Ewiges. Wie oft hat der Herr auch die irdischen Verluste vielfältig ersetzt. „Wahrlich, ich sage euch: da ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker verlassen hat um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfältig empfange, jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker, mit Verfolgungen, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben“ (Mk 10,30; Lk 18,29).

Die Worte „Fürchtet aber nicht ihre Furcht, noch seid bestürzt, sondern heiliget den Christus als Herrn in euren Herzen“ sind wieder eine freie Wiedergabe aus dem Alten Testament (Jes 8,12.13). Einige meinen, dass aus dem Zusammenhang zuerkennen sei, wir sollten uns durch die Feinde nicht bange machen lassen. Aber m.E. ist das nicht die nächstliegende Bedeutung des Textes selbst und ebenso wenig die des Zusammenhangs, in dem diese Worte stehen. Der Vergleich mit Jesaja 8 macht überdies noch vollkommen deutlich, dass es da nicht diese Bedeutung hat. Soviel ich sehe, ist die Bedeutung dieser Worte, dass wir nicht dieselbe Furcht haben sollen wie die Feinde der Gläubigen.

Die Macht des Bösen wirkt noch immer auf Erden; Satan ist der Fürst dieser Welt. Alle, die durch diese Kraft handeln, sind die Feinde der Gläubigen, aber sie selbst handeln unter dem Einfluss der Furcht, die Satan bewirkt. Sie fürchten sich vor den Dingen um sie her, vor den Dingen, die kommen werden, vor den Folgen ihrer Taten und vor den Folgen dessen, was sie nicht tun. Satan herrscht durch Furcht (Heb 2,15). Unter dem Gericht Gottes stimmt das besonders für die Juden. „In ihr Herz werde ich Feigheit bringen in den Ländern ihrer Feinde, und es wird sie jagen das Rauschen eines verwehten Blattes, und sie werden fliehen, wie man vor dem Schwerte flieht, und fallen, obwohl niemand sie jagt …“ (3Mo 26,36). „Unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fußsohle wird keine Ruhestätte finden, und Jehova wird dir daselbst ein zitterndes Herz geben, erlöschende Augen und Verschmachten der Seele. Und dein Leben wird schwebend vor dir hangen, und du wirst dich fürchten Nacht und Tag und deinem Leben nicht trauen …“ (5Mo 28,65).

Die Gläubigen, an die Petrus schrieb, gehörten vor ihrer Bekehrung zu diesen Juden unter dem Gericht. Aber sie hatten die Stimme des Herrn Jesus gehört, Der sagte: „Kommet her zu mir alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben“ (Mt 11,28). Als sie zu Ihm kamen, empfingen sie nicht allein Ruhe für ihr Gewissen, sondern auch Seine Ruhe, die Ruhe, die Er in dem täglichen Lauf der Dinge Seines Lebens auf Erden hatte (Joh 14,27). Er konnte zu Seinem Gott sagen: „Ich aber wusste, dass du mich allzeit erhörst“ (Joh 11,42). Weil sie Sein Werk kannten und daran glaubten, war ihr Gewissen gereinigt (Heb 9,14), und der Heilige Geist hatte den Glauben versiegelt, so dass sie jetzt zu Freiheit und geistlicher Kraft gebracht waren (Eph 1,7.13; Heb 10,14). Die Liebe Gottes war in ihre Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, Der ihnen gegeben war (Röm 5,5), und so wussten sie jetzt, dass alle Dinge zum Guten mitwirken sollten, weil der dreieinige Gott für sie war (Röm 8,28-39).

Wenn sie um der Gerechtigkeit willen leiden mussten, brauchten sie darum nicht die Furcht vor den Folgen ihrer Taten zu haben, die die Ungläubigen empfanden. Ungläubige haben diese Furcht, sowohl was ihre eigenen Taten angeht als auch die Taten der anderen. Sie können nicht begreifen, dass Gläubige dies nicht kennen. Darum werden sie ihnen Angst machen wollen vor den Folgen, die das Einstehen für die Gerechtigkeit, für die Rechte des Herrn, nach sich zieht. Aber Furcht vor den Folgen des Gehorsams gegen den Herrn – vor den Folgen der Wahrung Seiner Rechte – ist nur Unglaube. Wenn wir dem Herrn Seinen Platz in unserer Seele geben, ist da kein Platz mehr für die Furcht, die der Feind erweckt. Wenn das Herz sich der Gegenwart Gottes bewusst ist, kann es sich vor der Macht des Feindes nicht fürchten! Das ist das Geheimnis der Freimütigkeit und des Friedens bei dem Bekennen zu dem Herrn- nicht allein in Worten, sondern in allen unseren Taten, in unserem ganzen Leben.

Jesaja fährt fort: „Der HERR der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; und er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken. Und er wird zum Heiligtum sein“ (Jes 8,12.13). Petrus wiederholt das nicht. Er hat sie schon darauf hingewiesen (1Pet 2,15-17). Der Herr Selbst hat gesagt: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle“ (Mt 10,28; Lk 12,4). Was müssen wir tun, wenn wir für die Rechte des Herrn leiden? „Heiliget den Christus als Herrn in euren Herzen!“ Das Leiden bringt uns nur ein bisschen näher zu Gott, zu Ihm, Der unser Heiligtum sein will. Druck von außen bringt den Gläubigen in das Heiligtum der göttlichen Gegenwart. Und wie wir gleich sehen werden, kommt er dort mit vollem Frieden für Herz und Gewissen wieder heraus, um jedem mit Sanftmut und Furcht Rechenschaft zu geben von der Hoffnung, die in ihm ist.

Ich glaube nicht, dass der Ausdruck „Christus der Herr“ genau wiedergibt, was das Griechische sagt. Zunächst steht da vor „Herr“ kein Geschlechtswort und vor Christus wohl. Und dann steht „Herr“ da als erstes Wort des Satzes, wodurch angegeben wird, dass darauf der Nachdruck fallen muss. Ich glaube denn auch, dass die beste Übersetzung ist „(der) Herr, der Christus“, wie auch bei JND und Van Nes, siehe Fußnote in der E. Ü. Weil das aber kein gutes Deutsch ist, habe ich „Christus als Herr“ geschrieben, ebenso wie Kelly, Greijdanus, Alford und andere. Die Bedeutung der Worte ist deutlich.

In Jesaja 8 steht „der HERR der Heerscharen“. Petrus übernimmt diese Worte, aber er will dazu sagen, dass der Herr Jesus, der Christus, der HERR der Heerscharen ist. Das Fehlen des Artikels vor „Herr“ bestätigt, dass hier Jehova gemeint ist, also dass der Herr Jesus Gott ist. Er, Der von Gott Gesalbte (der Christus), ist Jehova der Heerscharen. Ihn müssen wir in unseren Herzen heiligen. Wir wissen, dass heiligen „absondern“ bedeutet. Der Herr, Gott, muss Seinen wahren Platz in meinem Herzen, meinen Gefühlen haben. Ihn nur äußerlich zu ehren und als Herrn anzuerkennen, ist Gott nicht wohlgefällig und ein Fallstrick für uns selbst. Er muss die heilige Stellung, die Ihm als Herrn zukommt, haben, d.h., dass unser Herz Ihm ganz gehören muss, denn Er hat als Herr ein Recht darauf.

Das Herz spricht von unserer Liebe, von unseren Gefühlen. Es geht hier also nicht um die Erkenntnis, die wir von der Stellung haben, die Christus zukommt, sondern um die Stellung, die Ihm in unserer Liebe, in unseren Herzen zukommt. Von den Geschöpfen wird verlangt: „Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft“ (5Mo 6,5). Wenn dem Herrn als Schöpfer dieser Platz in den Gefühlen jedes Menschen zukommt, wie viel mehr dann als Erlöser. „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1Joh 4,19). Er ist „der Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20).

Aber wenn Er unser Herz ganz und gar einnimmt, ist da kein Platz für Dinge, die nicht für Ihn passen. Dann ist es ganz erfüllt mit Gottes Liebe und Heiligkeit. Dann tragen wir Sorge, dass Sein Name und Sein Dienst nicht durch uns entehrt werden. Aber dann werden wir auch durch die mächtige Hand, die alles vom Thron des Vaters aus regiert, unterstützt werden. Wir sind versetzt in das Reich des Sohnes der Liebe Gottes“ (Kol 1,12)! Wo ist das Herz, in dem der Herr Seinen vollkommenen Platz in Liebe und Kraft hat, das sich ausschließlich für Ihn bewahrt, nicht nur im Dienst, sondern auch in den Gefühlen? Alles, was in der Welt ist, ihre Vergnügungen, ihre eitlen Dinge, berauben Gott Seiner Herrlichkeit in uns (1Joh 2,16). Das ist die Ursache unserer Schwachheit, denn Christus ist dann nicht geheiligt als Herr in unseren Herzen.

Können wir sagen, dass der Herr heute, gestern, vorgestern Seinen wahren Platz in unseren Herzen hatte? Was ist die Folge, wenn wir nein sagen müssen? Gehen wir ohne Nachdenken darüber hin? Die Folge wird Schwachheit sein. Wir müssen es mit einem beunruhigten Gewissen empfinden, um es dann als Schuld vor dem Herrn zu bekennen. Dann wird Er Kraft zum Zeugnis geben. Der Ort des Selbstgerichts ist der Ort, an dem die Gerechtigkeit verwirklicht wird.

Verse 15b.16

1Pet 3,15b.16: (Seid aber) jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist, aber mit Sanftmut und Furcht; indem ihr ein gutes Gewissen habt, auf dass, worin sie über euch als Übeltäter reden, die zuschanden werden, welche euren guten Wandel in Christo verleumden.

Welch eine wunderbare Stellung haben wir. Der Druck von außen treibt den Christen ins Heiligtum der göttlichen Gegenwart. Von dort kommt er in vollem Frieden des Gewissens wieder heraus, um auf jede Frage in Sanftmut und Furcht zu antworten, indem er sanftmütig in seinem Auftreten und ehrfurchtsvoll gegenüber Gott und Menschen ist und stets ein gutes Gewissen vor Gott hat. Das ist das Geheimnis der Freimütigkeit und des Friedens, wenn wir die Autorität Christi bekennen. Die Werkzeuge des Feindes suchen uns zum Schweigen zu bringen und uns durch ihre Anmaßungen zu verblüffen; aber das Bewusstsein der Gegenwart Gottes lässt all ihre Vorstellungen wirkungslos werden: Indem wir in der Kraft Seiner Gegenwart ruhen, sind wir bereit, jedem, der uns nach dem Grund unserer Hoffnung fragt, in Sanftmut und heiliger Ehrfurcht, ohne jede Leichtfertigkeit zu antworten.

Das griechische Wort für Verantwortung (apoIogia) war ein Ausdruck, der in der Rechtsprechung für die Verteidigungsrede des Rechtsanwalts angewendet wurde, wenn er im Gericht gegen eine gegen seinen Klienten vorgebrachte Beschuldigung das Wort ergriff. Es kommt im NT vor in Apostelgeschichte 22,1 und 25,16; 1. Korinther 9,3; 2. Korinther 7,11; Philipper 1,7.16; 2. Timotheus 4,16 und hier. Die angeführten Stellen lassen klar die Bedeutung erkennen. Es geht um Verteidigung, Rechtfertigung. Petrus denkt also an eine verteidigende Rechtfertigung der Lebensoffenbarungen des Gläubigen, die auf die Zukunft gerichtet sind – auf die Hoffnung, die in uns ist.

Das griechische Wort für „Rechenschaft“ (logos) bedeutet sowohl „Begründung“ als auch „Antwort“. Es kommt unter anderen in Matthäus 12,36; Lukas 16,2; Apostelgeschichte 19,4 und 1. Petrus 4,5 vor. Diese Rechenschaft fordern ist eine Frage, die eine rechtfertigende Verteidigung (apoIogia) erwartet. Petrus ermahnt, nicht nur willig, sondern auch „bereit“ zu sein, eine solche Antwort jedem zu geben, der an uns eine solche Frage richtet. Um das tun zu können, dürfen wir nicht gedankenlos, sondern müssen wir bewusst leben. Wir müssen vor uns selbst klar darüber sein, was das eigentliche Teil der Christen ist. Sind wir das nicht, so können wir nicht in jedem Augenblick feindlichen Menschen eine „Verantwortung“ geben, denn aus dem Zusammenhang wird m.E. sehr deutlich, dass hier hauptsächlich über das Betragen den Feinden gegenüber gesprochen wird. Zunächst gilt das gegenüber richterlichen Instanzen in Verfolgungszeiten; aber darüber hinaus gegenüber jedem. Lukas 16,2 gibt dafür ein deutliches Bild. Der Verwalter war angeklagt, die Güter seines Herrn durchgebracht zu haben, der darauf zu ihm sagte: „Lege Rechnung (logos) von deiner Verwaltung ab.“ Der Verwalter musste nun mit einer „Verantwortung“, einer apologia, antworten.

Wenn wir dann aber wirklich den Christus als Herrn in unseren Herzen geheiligt haben, welch einen Grund können wir dann für die Hoffnung, die in uns ist, angeben! Wenn Er der Gegenstand unseres ganzen Herzens, unserer ganzen Liebe ist, dann geht es uns wie den Kindern Korahs, die mit einem Lied der Liebe antworteten: „Es wallt mein Herz von gutem Worte. Ich sage: Meine Gedichte dem Könige. Meine Zunge sei der Griffel eines fertigen Schreibers! Du bist schöner als die Menschensöhne, Holdseligkeit ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat Gott dich gesegnet ewiglich.“

„Höre, Tochter, und sieh, neige dein Ohr und vergiss deines Volkes und deines Vaters Hauses! Und der König wird deine Schönheit begehren; denn er ist dein Herr, so huldige Ihm“ (Ps 4; 5)! So antwortet auch die Braut im Hohenlied auf die Frage, was ihr Geliebter vor anderen Geliebten sei: „Mein Geliebter ist weiß und rot, ausgezeichnet vor Zehntausenden! Sein Gaumen ist lauter Süßigkeit, und alles an ihm ist lieblich“ (Hld 5,9)!

Wenn der gläubige Überrest aus Israel bald so von dem Herrn Jesus sprechen wird – denn das wird prophetisch in Psalm 45 und im Hohenlied vorgestellt –, wie wird unser Herz dann von Ihm sprechen, wenn es wirklich ganz von Ihm erfüllt ist! Wir sind ja so unendlich viel näher zu Ihm gebracht und kennen Ihn auch unendlich viel besser als der Überrest! Welch eine „Verantwortung“ haben wir als Seine Geschöpfe. Was kann dem Herzen eines jeden Menschen, ja dem Herzen Gottes selbst mehr Befriedigung geben als der Herr Jesus und Sein Erlösungswerk? Wir haben in Ihm Gerechtigkeit empfangen; ja wir sind in Ihm die Gerechtigkeit Gottes (2Kor 5,21; 1Kor 1,30) und erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit (Gal 5,5), das ist die himmlische Herrlichkeit mit Christus.

Die Heiden aus der ganzen Provinz wussten, dass die Neubekehrten aus Thessalonich sich von den Götzen zu Gott bekehrt hatten, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und um Seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten (1Thes 1,9). Sie erwarteten „die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Heilandes Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, auf dass er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und reinigte sich selbst ein Eigentumsvolk, eifrig in guten Werken“ (Tit 2,13).

Und derselbe Apostel ermahnt: „Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten, denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat“ (Heb 10,23). Und Petrus selbst hat über die lebendige Hoffnung, über das unverwesliche, unverwelkliche Erbteil, das in den Himmeln für uns aufbewahrt wird, und über die Errettung, die bereit ist, bald offenbart zu werden, geschrieben (1Pet 1,35).

Aber wir haben gesehen, dass wir Christus als Herrn in unseren Herzen heiligen müssen. Dann ist Er der Grundsatz unseres ganzen praktischen Lebens; denn dann ist alles, was wir tun und lassen, also alles, was die Welt von uns sieht, auf Seinen Willen und auf unseren Gehorsam Ihm gegenüber gegründet. Dann ist unsere Hoffnung die Hoffnung auf jene wunderbare Zeit, wo jedes Knie, der Himmlischen und der Irdischen und der Unterirdischen sich vor Ihm beugen und jede Zunge bekennen wird, dass Jesus Christus Herr ist zur Verherrlichung Gottes des Vaters (Phil 2,9-11). Ein durchgehender Grundsatz in der Schrift lautet, dass unser Bekenntnis zu dem Herrn, das Bekenntnis Seines „Hierseins“, Seiner Autorität ist (Röm 10,9; 1Kor 1,2).

Das macht auch deutlich, warum wir bereit sein müssen, jedem von der Hoffnung, die in uns ist, Rechenschaft abzulegen; denn Christus steht nicht allein mit den Gläubigen in Verbindung. Er ist das Haupt jeden Mannes (1Kor 11,3). Er kaufte nicht allein den Schatz im Acker, sondern den ganzen Acker und der Acker ist die Welt (Mt 13,38.44). Der Vater hat Ihm Macht gegeben über alles Fleisch (Joh 17,2). Darum wird bald jede Zunge bekennen, dass Er Herr ist und jedes Knie wird sich vor Ihm beugen. Darum wird auch von falschen Lehrern gesagt, dass sie „den Gebieter [despotes] verleugnen, der sie erkauft hat“, und dass sie „unseren alleinigen Gebieter [despotes] und Herrn [kyrios], Jesus Christus, verleugnen“ (2Pet 2,1; Jud 4). Ein Despotes („Gebieter“) ist der Herr über Sklaven, die er gekauft hat und über die er nach Leib und Leben bestimmen kann. Unser Wort Despot ist davon abgeleitet.

Jeder Mensch auf Erden ist also verpflichtet, Ihm zu dienen und Ihm gehorsam zu sein. Kein Ungläubiger tut das (Röm 3,12). Aber wenn wir in unserer „Verantwortung“ vor ihnen sagen, dass Er unser Herr ist und dass wir aus Gehorsam gegen Ihn so handeln und so unser Leben führen und dass wir Ihn aus dem Himmel als Herrn erwarten, vor Dem sich jedes Knie beugen wird, dann ist das ein starkes Zeugnis für ihr Gewissen in Bezug auf das, was auch jetzt schon ihre Pflicht ist.

Petrus schreibt hier also nicht über Evangelisation, sondern über das Bekenntnis unseres Mundes von dem, was in unserem Leben gesehen werden muss: dass wir nicht von uns selbst sind, sondern um einen Preis erkauft wurden (1Kor 6,20) und also keinen eigenen Willen haben, sondern nur tun, was unser Herr uns aufträgt.

Aber die Schrift sagt uns nicht nur, was wir tun müssen, sondern auch wie und in welchem Geist. Wir haben unser Bekenntnis in „Sanftmut und Furcht“ abzulegen. Als Zeugnis von Dem, der sanftmütig und von Herzen demütig ist (Mt 11,29), und von der Gnade, die uns arme, verlorene Sünder in solche wunderbare Stellung mit solch einer wunderbaren Hoffnung gebracht hat, muss es sanftmütig sein, wenn es nicht in vollkommenem Widerspruch zu dem Bekenntnis stehen soll. Aber es soll auch in Furcht geschehen – selbstverständlich nicht in Furcht vor Menschen, sondern vor Gott und in der Furcht, den Gott aller Gnade (1Pet 5,10) falsch darzustellen. Sie kommt aus dem Selbstmisstrauen hervor und weil wir wissen, wie schwach wir unser Bekenntnis in der Praxis verwirklichen. Der Inhalt des Bekenntnisses soll nicht durch die Art und Weise, in der wir es ablegen, abgeschwächt werden. Das menschliche Herz versucht unter dem Einfluss Satans alles aufzugreifen, was ihm hilft, sich vor dem Zeugnis Gottes von seiner Schuldigkeit Ihm gegenüber zu verbergen.

Aber unsere Verantwortung muss mit einem guten Gewissen vereint sein. Wenn ich das nicht habe, kann ich weder vor Satan noch vor Menschen standhaft bleiben. Ich bin dann vollkommen kraftlos. Wir können mit einem schlechten Gewissen zu Gott gehen und bekennen, was nicht gut ist (1Joh 1,9). Wir werden dann Seine Barmherzigkeit erfahren, indem Er vergibt, was nicht gut ist. Seine Gnade wird uns aufs Neue das Bewusstsein der Reinigung und Vergebung schenken. Aber solange wir ein böses Gewissen haben, fürchten wir uns vor dem Feind und können ihm nicht widerstehen. Wir fürchten seine Bösartigkeit, weil wir das Bewusstsein von der Nähe Gottes und Seiner Kraft verloren haben. Wandeln wir dagegen vor Gottes Angesicht und haben wir wirklich Christus als Herrn in unseren Herzen geheiligt, dann fürchten wir nichts, weil unser Herz frei ist. Wir brauchen dann nicht an uns selbst zu denken, sondern können uns allein mit Gott beschäftigen. Wir haben dann volle Freimütigkeit, uns wegen der Hoffnung, die in uns ist, zu verantworten, und diejenigen, vor denen wir uns verantworten, können unser Zeugnis nicht deshalb abweisen, weil sie verkehrte Dinge an uns sehen.

Paulus sagte: „Darum übe ich mich auch, ,allezeit‘ ein Gewissen ohne Anstoß zu haben vor Gott und Menschen“ (Apg 24,16). Der Schild des Glaubens ist das Vertrauen auf Gott, aber der Brustharnisch der Gerechtigkeit ist das praktische Bewusstsein, dass ich nichts gegen den Willen des Herrn Jesu oder worauf die Menschen den Finger legen könnten, getan habe (Eph 6,14).

Der letzte Teil von Vers 16 stimmt fast wörtlich mit 1. Petrus 2,12 überein. Bei einigen Handschriften finden sich die Worte „als Übeltäter“ nicht. Obwohl sie in den meisten und wichtigsten Handschriften stehen, denken doch viele, dass sie ursprünglich nicht da gestanden haben, sondern eingefügt wurden, um den Vers an 1. Petrus 2,12 anzugleichen. Die Bedeutung des Verses wird dadurch aber nicht verändert.

Ein Christ, der seinen Weg mit dem Herrn geht und freimütig Zeugnis ablegt, wird ein Stachel für die Ungläubigen sein. Sie können die Quelle seines Lebens nicht erfassen und vieles, was er tut und sagt, verurteilt sie. So werden sie geneigt sein, sich selbst zu entschuldigen und ihre eigenen Gewissen zu beschwichtigen, indem sie dem Christen verkehrte Motive unterschieben und auch behaupten, er tue die schlechten Dinge im Verborgenen (1Pet 4,4). Wir wissen, wozu das menschliche Herz fähig ist. Wir haben es leider an uns selbst erfahren.

Aber wenn wir in Gehorsam vor dem Herrn unseren Weg gehen, werden ihre bösen Unterstellungen niemals Wirklichkeit werden. So sollen die Widersacher zuschanden werden, wenn sie solche gelästert haben, an deren Betragen nichts auszusetzen und gegen die nichts vorzubringen war. Dies Lästern wird ihnen zur eigenen Schande werden, weil sie als Lästerer offenbar werden. Überdies wird gerade das, worin sie uns lästern, trotz allem zu ihren eigenen Gewissen reden und sie zum Schweigen bringen. Siehe weiter die Betrachtungen zu 1. Petrus 2,12.15.16.

Vers 17

1Pet 3,17: Denn (es ist) besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutestun (zu leiden), als für Bösestun.

Das Wort „denn“ verbindet diesen Satz mit dem „guten Gewissen“ und dem was folgt in Vers 16. Wenn wir kein gutes Gewissen haben, müssen wir leiden. Die Menschen werden über das Verkehrte, das wir getan haben, sprechen, und vielleicht werden wir sogar von der Obrigkeit Strafe empfangen. Aber überdies wird Gott uns in Seiner Regierung entgegentreten (1Pet 3,12b).

Es ist gut, dass wir für Bösestun leiden müssen. Wie dankbar müssen wir sein, dass Gott uns nicht loslässt, wenn wir von Ihm abweichen, dass Er zulässt, dass wir die Folgen unserer Torheit tragen müssen, damit wir lernen, dass es Torheit ist. In dem Leiden für Bösestun liegt heilsame, wiederherstellende Zucht (Spr 19,25; Ps 119,67), aber es liegt keine Ehre darin. Leiden für Gutestun ist besser. Dann ruht der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes auf uns (1Pet 4,14; Phil1,29), und Christus, das große Vorbild im Leiden für Gutestun wird in uns gesehen. Die Zeitform, in der „Gutestun“ im Griechischen steht (part. praes.) weist auf ein fortwährendes Handeln hin.

Wir leben in einer Welt, die von Gott abgefallen ist und sich aus Menschen mit sündigen Naturen zusammensetzt, die sich im Aufstand gegen Gott befinden. Aber mehr als das. Satan ist der Gott dieser Welt (Joh 12,31) und der Gott dieses Zeitlaufs (2Kor 4,4) und wir als Gläubige sind durch Christus aus dieser gegenwärtigen bösen Welt herausgezogen (Gal 1,4). So sind wir in der Welt, während wir doch nicht von der Welt sind (Joh 17,15). Wir sind bekehrt, um dem lebendigen Gott zu dienen (1Thes 1,9), und haben den Herrn Jesus als Herrn anerkannt und angenommen. Wir leben inmitten von Menschen, die tot sind in ihren Vergehungen und Sünden, in welchen sie wandeln nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams (Eph 2,13).

Wie könnte es anders sein, als dass der Fürst dieser Welt uns hasst und seine Untertanen ebenso. Der Wille des Gottes, gegen den sie sich im Aufruhr befinden, ist der Ausgangspunkt unseres praktischen Lebens und so sind wir Dornen im Fleisch des menschlichen Zusammenlebens. Wenn Gott es nicht verhinderte, würden alle Gläubigen ausgerottet werden, wie man auch den Herrn ermordet hat. Je mehr wir im „Gutestun“, d.h. in Gehorsam gegen den Herrn, handeln, umso mehr werden Satan und die sein sind, uns hassen.

Aber wir sind sicher, weil niemand uns etwas tun kann, wenn Gott es nicht zulässt. Satan weiß das. Aber zuweilen lässt Gott es zu, dass wir leiden (Hiob 1,911). Das ist lange nicht immer der Fall, wie das Wörtchen „wenn“ in unserem Verse erkennen lässt. Aber in Seiner Liebe und Weisheit will Gott es zuweilen. Wir sehen das bei Hiob. Gott Selbst macht Satan auf Hiob aufmerksam und erlaubt ihm, Hiob leiden zu lassen. Und was ist das Ergebnis? Satan erleidet eine schmähliche Niederlage; Hiob überwindet ihn. Welch eine Ehre war das für Hiob! Wie wurde Gott darin verherrlicht! Und Gott in Seiner Weisheit lässt das Leiden für Hiob zum großen Segen ausschlagen (Hiob 2,3.10; 42)!

Es gibt noch eine andere Quelle des Leidens, aus der jeder Gläubige trinken muss. Er hat in der Wiedergeburt eine göttliche Natur empfangen (Joh 3,5; 2Pet 1,4) und die muss in der sündigen Atmosphäre des menschlichen Zusammenseins leben, worin die Sünde und ihre Folgen in allem gesehen und gefühlt werden. Dies Leiden sehen wir in Vollkommenheit in dem Herrn Jesus, wenn er klagt, Er sei einem Pelikan (ein Wasservogel) in der Wüste und einer einsamen Eule auf dem Dache gleich geworden (Ps 102,6.7). Aber es ist auch unser Teil, wenn wir es auch nicht so vollkommen empfinden, weil unser Gefühl durch unsere vielfältige praktische Gemeinschaft mit Sünde abgestumpft ist. Das sind die Leiden unserer neuen Natur, die durch das Anschauen, Hören und Erfahren all der Unreinheit und Abscheulichkeit der Sünde und Ihrer Folgen entstehen.

Vers 18

1Pet 3,18: Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten, (der) Gerechte für (die) Ungerechten, auf dass er uns zu Gott führe, getötet nach (oder: in) (dem) Fleische, aber lebendig gemacht nach (oder: in) (dem) Geiste.

Das Wörtchen „ja“ (wörtlich „auch“) verbindet Christus und uns als Leidende. Aber es ist als Gegenüberstellung genannt und nicht, um uns Christus als Vorbild dafür hinzustellen, dass Leiden für Gutestun besser ist als für Bösestun, wie dieser Vers meistens ausgelegt wird. Es geht hier nicht um das Leiden für das Gute, sondern für das Böse, für die Sünde. Und welch eine moralische Kraft liegt dann in diesen Worten.

Jeder fühlt, dass es moralisch (sittlich) besser ist, für Gutestun als für Bösestun zu leiden. Aber welch einen Beweggrund nennt uns der Heilige Geist hier. Sofern es uns Gläubige betrifft, ist es die Aufgabe Christi und nicht unsere Aufgabe gewesen, für unsere Sünden zu leiden. Wir sollen nur für Gerechtigkeit oder für den Namen des Herrn leiden, wenn Gott es in Seiner Regierung will. Es war allein Seine Gnade und Seine Herrlichkeit, das Gericht Gottes über unsere Sünden zu tragen. Er hat es vollkommen getan. Er trug das volle Gericht eines heiligen die Sünde nicht schonenden Gottes über unsere Sünden und unsere Sünde, unsere sündige Natur, und das ausdrücklich, damit wir es nicht mehr nötig hätten. Er hat es auch vollkommen getan, für uns ist nichts zu tun übriggeblieben. „Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden“ (Heb 10,14). Er ist einmal, in der Vollendung der Zeitalter, offenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch Sein Opfer (Heb 9,26).

Nein, Er litt nicht für eigene Sünden (1Pet 2,22). Er war (der) Gerechte (2Kor 5,21; Apg 3,14). Das Fehlen des Artikels im Griechischen weist darauf hin, dass der Nachdruck auf „gerecht“ zu legen ist. Und dieser Gerechte litt für Ungerechte. Haben es unsere Gewissen nicht restlos anerkannt, dass wir Ungerechte waren, als wir uns selbst im Lichte Gottes sahen? Niemand konnte Ihm in dem Augenblick folgen, wo Er unsere Sünden an Seinem Leibe an dem Holze trug und dort dem Gott begegnete, Der ein verzehrendes Feuer ist (Heb 12,29) und Der die Sünde hasst. War es nicht besonders für Ihn wahr: „Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“ (Heb 10,31)?

Er hat das Leiden freiwillig auf Sich genommen, „auf dass Er uns zu Gott führe“. Gott hatte uns lieb; aber unsere Sünden machten es Ihm unmöglich, mit uns Gemeinschaft zu haben (Jes 59,2). Wir hassten Gott und mussten erst versöhnt werden (2Kor 5,20). Aber das Leiden Christi reichte für unseren Zustand aus und entsprach vollkommen den Forderungen der Herrlichkeit Gottes. Er nahm all das schreckliche Leiden auf Sich, um uns zu Gott zu führen. Wir sollten nicht nur nicht verloren gehen, sondern auch in die Gegenwart Gottes gebracht werden, um dort alles zu genießen, was in Gottes Gegenwart zu finden ist; aber noch mehr, wir sollten Gott Selbst genießen. „Gott ist Licht und gar keine Finsternis ist in Ihm“ (1Joh 1,5). „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber Licht in dem Herrn“ (Eph 5,8)! Wir sind „fähig gemacht zu dem Anteil am Erbe der Heiligen in dem Lichte … versetzt in das Reich des Sohnes Seiner Liebe“ (Kol 1,12.13). Wir sind zwar noch nicht im Himmel, aber vollkommen würdig, in ihn einzugehen, und also auch würdig, bei Gott zu sein. Wir sind „nahe gebracht“ (Eph 2,13).

Wir haben Seine Natur empfangen, dürfen und können Seine Liebe, ja Ihn Selbst genießen, denn der Sohn hat Ihn vom Schoß des Vaters aus vollkommen offenbart, vom Herzen des Vaters aus der Quelle der Liebe, die uns dahin gebracht hat (Joh 1,18). In der vollen Bedeutung des Wortes wird das also erst erfüllt sein, wenn wir zu Gott in Seine Wohnung, in das Haus des Vaters (Joh 14,2) gebracht sind. Dem Grunde nach sind wir jetzt schon zu Gott gebracht, durch die Innewohnung des Heiligen Geistes in uns. „Er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (Joh 14,17). Er ist die göttliche Kraft, durch die wir jetzt schon in lebendiger Verbindung mit dem Himmel stehen und so alle die himmlischen Segnungen, ja Gott Selbst genießen können (Joh 4,14; 7,38). Das ist, was Johannes uns vorstellt. Paulus fügt hinzu, dass wir auf Grund des Werkes des Herrn Jesu jetzt schon den freien Zugang ins Heiligtum haben (Heb 10,19) und dass wir in Christus in den Himmel versetzt sind (Eph 2,6) und im Glauben jetzt schon die himmlischen Segnungen in Besitz nehmen können. Petrus hat uns bereits gesagt, dass wir ein heiliges Priestertum sind, um geistliche Schlachtopfer darzubringen (1Pet 2,5). Es gibt keinen Priester mehr zwischen Gott und uns (Joh 16, 23). In dem Lied Moses und der Kinder Israel werden beide Gedanken im Bilde vorgestellt.

„Du hast durch deine Stärke das Volk geführt zu deiner heiligen Wohnung.“ „Du wirst sie bringen … zu deiner Wohnung, dem Heiligtum, das deine Hände bereitet haben“ (2Mo 15,13.17). Dazu kommt die praktische Verwirklichung. Bevor wir die Salbung des Heiligen (1Joh 2,20), also das Innewohnen des Heiligen Geistes, haben, kennen wir Gott nicht als Vater. Danach aber zeugt der Geist, dass wir Kinder Gottes sind, und wir sagen: „Abba Vater“ (Röm 8,16)! Aber es kommt darauf an, inwieweit wir praktisch in unseren Herzen das verwirklichen, was in Johannes 4 und 7 und in Epheser 2 gefunden haben.

Wie trifft dies Argument des Heiligen Geistes durch Petrus unsere Herzen! Wenn wir auf das Leiden Christi für unsere Sünden und auf das Ziel, das Er dabei im Auge hatte, sehen, ist es für uns doch vollkommen deutlich, dass wir für die Sünde nicht mehr zu leiden brauchen. Wenn wir jetzt noch sündigen, bringt uns das praktisch aus der Gegenwart des Vaters. Und in Gottes Regierung über diese Erde müssen wir das Gericht über unsere offenbaren Sünden tragen (1Kor 11,30). Aber welche Unehre bedeutet es für Den, Der uns von der Macht der Sünde befreit und uns Sein eigenes Leben als unsere neue Natur gegeben und dafür all das Leiden auf Sich genommen hat! Welch einen Preis hat Er dafür bezahlt!

In 3. Mose 4–6 finden wir den gleichen Gedanken. Wenn ein Gläubiger, einer vom Volke Gottes sündigt, muss er seine Schuld bekennen und ein Sünd- oder Schuldopfer bringen. Nein, das Blut des Herrn wird nicht aufs Neue auf ihn angewendet. Das ist ein für alle Mal geschehen, als er seine Zuflucht zu dem Herrn nahm. Aber er muss nach dem Kreuz zurückblicken, um dort all die Leiden des Herrn für diese Sünde, die er gerade begangen hat, zu sehen. Das macht ihm bewusst, wie schrecklich Sünde ist. Wir lernen den wahren schrecklichen Charakter der Sünde nur kennen, wenn wir sehen, wie schrecklich das Gericht Gottes darüber war und wie der Herr darunter hat leiden müssen. Das bringt unsere Herzen zu wirklicher Demütigung und zum Schuldbekenntnis und Abscheu vor der Sünde.

Das Leiden des Herrn hatte also als Ziel, uns zu Gott zu bringen. Jetzt beschreibt der Apostel die Art und Weise, wie das zustande gekommen ist. Es ist der Tod und die Auferstehung des Herrn. Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht ererben (1Kor 15,50). Wir müssen durch den Tod in ein Auferstehungsleben eingehen, das nicht mehr durch den Tod und die Verwesung angetastet werden kann und das für den Himmel passend ist. Aber der Tod ist das Gericht Gottes über die Sünde. Christus musste also für uns durch den Tod gehen, damit wir in Ihm durch den Tod könnten (Röm 6,39). Und Er musste auferweckt werden, damit Er als der Auferstandene uns Sein eigenes Auferstehungsleben geben konnte (1Pet 1,34; Joh 20,22). Aber das lässt den Apostel Petrus gleichzeitig an die Schuld der ungläubigen Juden und an die Wege der Regierung Gottes mit ihnen denken. Im 2. Brief wird er das ausführlicher behandeln, weil dieser die Wege der Regierung mit den Bösen zum Thema hat.

Aber obwohl in unserem Brief die Wege der Göttlichen Regierung im Hinblick auf das Volk Gottes behandelt werden, bringt er den anderen Punkt noch kurz damit in Verbindung. Was Gottes Regierung betrifft, haben die Juden Christus getötet. Das griechische Wort für getötet bedeutet nicht nur sterben, sondern gewaltsames Töten. Es kommt im Neuen Testament vor in Matthäus 10,21; 26,59; 27,1; Markus 13,12b; 14,55; Lukas 21,16; Römer 7,4; 8,13.36; 2. Korinther 6,9, und hier. Aus Matthäus 26 und 27 und aus Markus 14,55 sehen wir, dass Petrus dasselbe Wort verwendet, das da ausdrücklich für die Pläne der Juden gebraucht wird. Was das natürliche Leben des Herrn als Mensch auf Erden angeht, haben sie Ihn getötet. Er hatte an Blut und Fleisch teilgenommen (Heb 2,14) und darum wird Sein Leben auf Erden „die Tage Seines Fleisches“ genannt“ (Heb 5,7). Paulus schreibt: „Wenn wir aber auch Christus nach dem Fleische gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr also“ (2Kor 5,16). Vor „Fleisch“ steht kein Artikel, um den Charakter des Todes des Herrn anzugeben, eben in Bezug auf Seine menschliche Natur. Aber Gott hat den Herrn nicht im Tode gelassen. „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet … den Urheber des Lebens aber habt ihr getötet, welchen Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind“, zeugte derselbe Petrus einst vor den Obersten des Volkes (Apg 3,14.15). Als diese gleichen Personen Christus mit den Worten höhnten: „Er vertraute auf Gott, der rette ihn jetzt, wenn er ihn begehrt; denn er sagte: Ich bin Gottes Sohn“ (Mt 27,43; Lk 23,35), antwortete Gott nicht sofort, denn dann hätten wir nicht errettet werden können. Aber drei Tage später gab Er die Antwort. Er weckte den Herrn aus den Toten auf und gab Ihm einen Platz zu seiner Rechten über jedes Fürstentum und jede Gewalt usw. (Eph 1,19-22). Und die Auferstehung war der Beweis, dass der Herr wirklich der Sohn Gottes war (Röm 1,4).

Aber diese Antwort Gottes und die gegenwärtige Stellung des Herrn ist auf Erden nur durch das Zeugnis des Heiligen Geistes bekannt. Einst werden aller Augen Ihn sehen, auch die, die Ihn durchstochen haben (Off 1,7). Jetzt aber muss es geglaubt werden. Darum schreibt Petrus: „… lebendig gemacht in (dem) Geiste.“

Wir sehen die Gegenüberstellung in diesem Satz, die wir vielleicht so umschreiben könnten: „Einerseits getötet nach (dem) Fleische; aber andererseits lebendig gemacht nach (dem) Geiste.“ Auch vor „Geist“ steht kein Artikel, wodurch der Charakter dieser Auferstehung angedeutet wird. Selbstverständlich bewirkte der Heilige Geist die Auferstehung (Röm 8,11; 1,4), aber hier wird der Nachdruck mehr auf den Charakter der Auferstehung und ihrer Folgen gelegt.

Petrus ist überaus praktisch und dringt weder in die tiefen Grundlagen der Tatsachen ein noch erhebt er sich zu den Ratschlüssen Gottes.

Die Tötung des Herrn durch die Juden hatte zur Folge, dass Sein Dienst als Mensch auf Erden, Sein unmittelbares, persönliches Zeugnis vor den Juden („die Tage seines Fleisches“; Heb 5,7), beendet wurde. Die Auferstehung veränderte das nicht wieder. Obwohl das, was getötet war, der Leib des Herrn, lebendig gemacht war, wurde der alte Zustand nicht wiederhergestellt. Niemand hat die Auferstehung gesehen.

Kein Ungläubiger hat den Herrn danach geschaut und von den Gläubigen nur Einzelne und nur für wenige Augenblicke. Und der Herr hat niemals mehr unmittelbar zu Ungläubigen gesprochen und ebenso wenig zu Gläubigen (außer zu den Einzelnen in den vierzig Tagen nach Seiner Auferstehung und zu Paulus bei seiner Bekehrung), sondern nur durch den Geist aus dem Himmel.

Der Herr hatte Seinen Jüngern vorher gesagt, Er würde von ihnen gehen, sie aber nicht als Waisen lassen. In dem Heiligen Geist würde Er zu ihnen kommen, und so würden sie Ihn durch die Kraft des Heiligen Geistes sehen (Joh 14,18). Und aus dem Himmel verkündigte Er nun Frieden, sowohl den Juden, die nahe waren, als auch den Nationen, die ferne waren (Eph 2,17). Das tat Er nicht mit Seiner eigenen menschlichen Stimme; das konnte nicht vom Himmel her geschehen, sondern durch den Heiligen Geist, Den Er gesandt hat, damit der Geist von Ihm zeugte (Joh 15,26; 16,7-15).

Petrus hatte schon geschrieben, dass sie, die das Evangelium verkündigten, dies durch den Heiligen Geist taten (1Pet 1,10-12), und er hatte sie daran erinnert, dass der Herr vor Seiner Menschwerdung auf die gleiche Weise zu den Menschen geredet hatte. Nun, im Zusammenhang mit dem Charakter der Auferstehung des Herrn, kommt er darauf zurück. Wir haben hier also den Gegensatz (wir könnten. auch sagen: die Parallele) zwischen Fleisch und Geist, wie an so vielen anderen Stellen (Gal 5,17). Allein, die Schrift zeigt häufig keinen absoluten Gegensatz (wie der Mensch, gezwungen durch die Beschränktheit seines Denkvermögens gewöhnlich tut), sondern in göttlicher Weisheit eine weitere etwas andere Seite der Wahrheit. So finden wir: „Welcher unserer Übertretung wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist“ (Röm 4,25). Wir könnten dazu neigen, völlige Gleichheit der beiden Teile anzunehmen, weil in beiden das Wort „wegen“ (dia mit Akkusativ) gebraucht wird. Aber es ist deutlich, dass in dem ersten Fall mit dem „wegen“ (dia) gezeigt wird, dass unsere Sünden die Ursache von dem Dahingegebenwerden des Herrn waren, während „wegen“ im zweiten Fall sagt, dass es im Hinblick auf unsere Rechtfertigung ist, dass Er auferweckt wurde, denn Rechtfertigung kann nicht von Glauben getrennt werden (Röm 5,1).

Weiter dürfen wir nicht vergessen, dass der Sprachgebrauch im Deutschen bei weitem nicht immer dem des Griechischen entspricht. Wir können z.B. nicht schreiben: „getötet in Fleisch, lebendig gemacht in Geist“, während das im Griechischen wohl möglich ist. So brauchen die zwei Dative (3. Fall) in unserem Satz ganz und gar nicht die gleiche Bedeutung zu haben. Wir könnten z.B. sehr gut übersetzen: „getötet in (dem) Fleisch, lebendig gemacht durch (den) Geist“. Aber das braucht hier nicht zu geschehen, weil das Wörtchen „nach“ oder „in“ im Deutschen beweglich genug ist, um beide Gedanken auszudrucken. Wo das aber möglich ist, ist es stets am sichersten, sich so genau wie möglich an den Urtext zu halten.

Es gibt viele, die sagen, statt „(dem) Geist“ müsste „Seinem Geist“ übersetzt werden, als gehe es hier um den menschlichen Geist des Herrn. Dies ist aber unmöglich. Erst einmal bedeutete das, der Geist des Herrn, den Er dem Vater übergab, sei gestorben; denn was lebendig gemacht wird, muss zuvor tot sein (Lk 23,46; 12,45; Mt 10,28); aber überdies gilt es als feste Regel im NT, dass stets ein Artikel vor „Geist“ (pneuma) steht, wenn der menschliche Geist das Objekt oder Subjekt des Satzes ist. Weiter folgt auf diese Worte: „in welchem“, was sich nicht auf den menschlichen Geist oder die Göttliche Natur des Herrn beziehen kann. Wie eigenartig war für diese gläubigen Juden der Gedanke an einen leidenden, von Seinem Volke getöteten Messias, der Israel nicht von der Beherrschung durch die Nationen befreite und sichtbar, in Macht und Herrlichkeit regierte, sondern nach seiner Auferstehung in den Himmel gegangen war und von dort aus predigte, also nicht persönlich auf Erden anwesend, sondern im Zeugnis von Menschen in der Kraft des Heiligen Geistes. Und wie schwierig war es für sie zu begreifen, dass die Mörder des Messias nicht sofort in der Regierung Gottes gerichtet wurden, sondern stattdessen immer noch in der Lage waren, alle zu verfolgen, die Christus glaubten, so dass sie leiden mussten. Petrus kannte diese Schwierigkeit und den Unwillen des Fleisches, dies anzunehmen aus Erfahrung (Mt 16,21-23).

Wie sehr war dies alles für die ungläubigen Juden, die ihre Sünde nicht fühlten und sich nicht um die in der Erlösung durch das Blut Jesu offenbarten Gnade Gottes kümmerten, dazu angetan, ihre Brüder nach dem Fleische, die an einen gestorbenen, auferstandenen und zum Himmel gefahrenen Christus glaubten, zu verspotten und zu verfolgen. Dazu kam, dass die Zahl des an den Herrn Glaubenden im Vergleich zu der großen Menge des Volkes, das Ihn verwarf, sehr gering war. Darum erinnert Petrus an die bekannte Geschichte von der Sündflut, bei der er Christus mit Jehova gleichsetzt. Auch da hat der Herr nur durch den Geist, der durch einen Mann sprach, gezeugt, wie die Schrift ausdrücklich sagt (1Mo 6,3; 2Pet 2,5), und auch damals ertrug der Herr die Gottlosigkeit der Menschen lange Zeit, um ihnen Gelegenheit zu geben, den Weg der Rettung anzunehmen; aber die übergroße Masse der Menschen wollte das Zeugnis nicht annehmen, so dass nur acht Seelen gerettet wurden. Dann aber kam das Gepicht ganz gewiss und schonte niemand, obwohl die Langmut Gottes 120 Jahre gewartet hatte. Und nicht nur, dass sie damals umkamen; sie werden für ein viel schrecklicheres Gericht aufbewahrt (Lk 17,26.27). Petrus folgt hier dem Herrn Jesus, Der Selbst den Tagen von Noah vor der Flut den gleichen Charakter zuschrieb wie den Tagen des Sohnes des Menschen.

Welch eine Ermutigung war das für die leidenden Gläubigen; aber welche ernste Warnung lag für die Ungläubigen darin. Denn die Juden beachteten gewöhnlich nicht das Gericht der Toten (1Pet 4,5), in ihrem Eifer, das Gericht über die Lebenden (Mt 25,31) vorzustellen, wovon die Nationen unwissend waren.

Verse 19.20

1Pet 3,19.20: … in welchem er auch hinging und predigte den Geistern in (dem) Gefängnis, (welche) einst ungehorsam (waren), als die Langmut Gottes harrte in (den) Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in welche wenige, das ist acht Seelen, durch Wasser gerettet wurden.

Im Heiligen Geist, also nicht persönlich, predigte der Herr. Das ist auch das, was Paulus schrieb: „Und er (Christus) kam und verkündigte Frieden, euch den Fernen und Frieden den Nahen“ (Eph 2,17). Nun, der Herr ist nicht persönlich zu den Menschen in Ephesus und zu den anderen Heiden gekommen, um Frieden zu verkündigen, und ebenso wenig zu den Juden (denen, die nahe waren). Denn die vorhergehenden Verse sagen, dass es sich um den Frieden handelt, den Christus durch Sein Werk auf dem Kreuz zustande gebracht hat, dass also diese Predigt nach der Himmelfahrt des Herrn stattfand. In der Predigt, in dem Evangelium, das Paulus und die anderen Evangelisten brachten, war Christus zu ihnen gekommen und kommt Er noch heute zu jedem, der das Evangelium hört. Das war kein neuer Gedanke in der Schrift!

Nachdem Gott vielfältig und auf mancherlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne (Heb 1,1).

Gott sprach also zu dem Volk. Aber das geschah durch den Mund Seiner Knechte. Petrus hatte auch schon gesagt, dass die Propheten durch den Geist Christi sprachen (1Pet 1,11).

Als der Herr auf Erden war, sprach Gott direkt, ohne einen Menschen als Werkzeug zu gebrauchen, zu den Menschen. Denn Er war „Gott offenbart im Fleisch“. Aber nach der Himmelfahrt gebrauchte Er wieder Menschen. Durch sie und in der Botschaft, die sie brachten, kam Er zu ihnen.

Petrus schreibt über etwas, was 2500 Jahre zuvor geschehen war, und die Menschen, denen damals gepredigt wurde, lebten nicht mehr auf Erden, sondern waren wegen ihres Ungehorsams umgekommen. Während ihre Leiber nun dem Verderben anheim gegeben waren, wurden ihre Geister von Gott in dem Gefängnis eingeschlossen, um bald zum Endgericht vor dem großenweißen Thron zu erscheinen (Off 20). Fast könnten Wir sagen, „zum Überfluss“ fügt er noch hinzu, dass Christus im Geist hingegangen ist, um diesen Menschen zu predigen (um jeden Gedanken an ein persönliches Hingehen gegenstandslos zu machen). Dadurch schließen seine Worte genau an das an, was Mose geschrieben hat (1Mo 6,3). Er fügt noch das Wörtchen „auch“ hinzu, um den ergänzenden Charakter dieser Verse deutlich zu machen, wodurch sie, was die Zeit angeht, nicht mit Vers 18 zusammenhängen.

Petrus nennt diese Ungehorsamen „die Geister im Gefängnis“. Er bezeichnet sie hier nicht als „Tote“, wie er in 1Petrus 4,6 solche, die früher gelebt haben, nennt. Der Geist ist der höhere, der Leib der niedere Teil des Menschen. Die Seele ist die Verbindung zwischen beiden. Die Schrift verbindet die Einsicht und das Beurteilen mit dem Geist, so wie die Gefühle und Begierden mit der Seele. Ein sehr deutliches Wort ist: „Wer von den Menschen weiß, was des Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist“ (1Kor 2,11)? Darum spricht Gott durch den Geist Gottes zu dem Geist des Menschen. „Der Geist des Menschen ist eine Leuchte Jehovas, durchforschend alle Kammern des Leibes“ (Spr 20,27). Die Predigt Christi durch Noah war also an den Geist des Menschen jener Zeit gerichtet. Ihre Leiber mögen in der Sintflut umgekommen sein, weil sie ungehorsam waren, ihr Geist und die Seele starben nicht. Sie werden durch Gott für das Endgericht aufbewahrt (2Pet 2,9), um dann, wiedervereinigt mit dem Leib wegen der Verwerfung des Zeugnisses des Geistes Christi, ihr endgültiges Gericht zu empfangen.

Nicht alle Gestorbenen sind in dem Gefängnis. Das wird allein von dieser ausdrücklich begrenzten Gruppe gesagt. Aus Stellen wie 2. Petrus 2,9; Lukas 16,23-28 u.a. können wir aber, wie ich denke, ableiten, dass alle Ungläubigen dort sind. Für die entschlafenen Gläubigen trifft das aber bestimmt nicht zu. Sie sind mit Christus im Paradies (Lk 23,43; 2Kor 12,4; Phil 1,21,23). Das ist ein wunderbarer, gesegneter Ort, der sicher nicht Gefängnis genannt werden kann. Es ist sogar sehr fraglich, ob wir sagen können, dass sie im Hades sind; die Schrift sagt es jedenfalls nicht.

Die Worte „einst ungehorsam“ geben den Grund an, warum diese Geister im Gefängnis sind. Durch Noah kam das Zeugnis der Gerechtigkeit zu ihnen. Jeder Hammerschlag an dem Bau der Arche war ein Zeugnis dafür, dass ihr Zustand so beschaffen war, dass ein Gericht Gottes über sie kommen muss. So war es auch bei den Gläubigen, an die Petrus schrieb, und so ist es auch bei uns. Unsere Absonderung von der Welt, auch von der religiösen, ist eine Predigt an sie von dem Gericht, das einst über sie kommen wird, aber gleichzeitig auch von dem Weg zur Rettung. Gottes Langmut wartete, während die Arche zubereitet wurde. Aber die große Masse gehorchte dem Zeugnis nicht, ebenso wenig, wie sie es heute tut. Sie achtet die Langmut des Herrn nicht für Errettung, sondern als ein Zeichen dafür, dass das Gericht nicht kommen wird (2Pet 3,15; 3,4; Röm 2,4). Welch eine ernste Warnung liegt für sie in diesen Worten des Petrus! So wie damals, als in einem unerwarteten Augenblick die Sintflut kam und alle umbrachte, so wird bald der Tag des Herrn für sie kommen wie ein Dieb in der Nacht (1Thes 5,2.3)! Wie schrecklich der Tod in der Sintflut auch gewesen sein mag, etwas viel Ärgeres wartet ihrer noch.

120 Jahre lang war das Leben des Noah durch zwei Dinge gekennzeichnet. Er predigte seinen Mitsündern und machte für sich selbst alles bereit, um in die neue Welt einzugehen (Heb 11,7). Alles, was er an der Arche baute, trug diese Kennzeichen. Kann es etwas Schöneres geben, als einen Gläubigen ununterbrochen mit diesen zwei Dingen beschäftigt zu sehen (Phil 2,12-16)? Es war der Geist Christi, der in ihm predigte. Noah selbst war dazu nicht fähig, ebenso wenig wie wir!

Der Herr vergleicht die Zeit Noahs mit der Zeit kurz vor Seiner Ankunft. Nun, wir wissen, dass Er bereitsteht, Lebendige und Tote zu richten (1Pet 4,5). Es gibt aber Dinge, die die volle Offenbarung des Bösen und damit das Gericht zurückhalten (2Thes 2,7-12). Doch wissen wir, dass dies Zurückhaltende jeden Augenblick weggenommen werden kann. Dann ist die Gnadenzeit für alle vorüber, die die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben. Welch eine Dringlichkeit verleiht das den beiden oben genannten Dingen: der Absonderung und der Predigt. Und welch ein Grund ist es auch, den Geist Christi durch uns predigen zu lassen, uns stets unter Seine Leitung zu stellen, nur Werkzeuge in Seiner Hand sein zu wollen! Noah und die Seinen wurden „durch Wasser“ gerettet. Das Wörtchen „durch“ kann sowohl im Deutschen wie im Griechischen (dia) bedeuten: „mittels“ oder „hindurch“. Wenn Petrus die zweite Bedeutung gemeint hätte, würde meines Erachtens vor „Wasser“ ein Artikel gestanden haben. Aber auch aus dem Zusammenhang (1Pet 3,21) ist es, wie ich denke, deutlich, dass hier die erste Bedeutung gemeint ist, wie auch von Darby, KeIly, Grant, Alford, Hart, Greijdanus und anderen angenommen wird. Der Apostel sieht hier das Wasser als Mittel zur Errettung.

Das griechische Wort für „gerettet wurden“ kommt außer hier noch vor in Matthäus 14,36 („völlig geheilt“); Lukas 7,3 („gesund machen“); Apostelgeschichte 23,24 („sicher, bewahrt“); 27,43 („retten“); 27,44 und 28,1.4 („gerettet“). Aus diesen Stellen wird die Bedeutung klar: vollkommene Rettung nach großer Gefahr und vielen Schwierigkeiten. Das Wasser bedeutete Tod und Verwüstung für die Welt vor der Flut; aber für alle, die in der Arche waren, war es das Mittel, das sie von der verurteilten Welt trennte und auf die neue gereinigte Welt brachte (Heb 11,7). Das Wasser war der Grund, weswegen sie in die Arche gingen; aber gerade dies Wasser trug die Arche, so dass sie sich über die Erde erhob (1Mo 7,7-17). So wurde das Wasser des Gerichts (ein Bild des Todes unter dem Gericht Gottes) das Mittel zu ihrer Rettung. 

Wir sehen dasselbe beim Durchzug durch das Rote Meer. Das Meer, das den Ägyptern den Tod brachte (2Mo 14), führte die Israeliten aus dem Land der Knechtschaft, auf dem das Gericht Gottes ruhte, zu Gottes heiliger Wohnung (2Mo 15,13) und trennte sie für immer von Ägypten. Und wie Paulus diesen Durchzug mit der Taufe vergleicht (1Kor 10,2), so macht es Petrus hier mit dem Wasser der Sündflut.

Vers 21

1Pet 3,21: … welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, (das ist die) Taufe – nicht ein Ablegen der Unreinigkeit (des) Fleisches, sondern (das) Begehren eines guten Gewissens vor (eigentl.: an, zu) Gott – durch (die) Auferstehung Jesu Christi.

„Welches“ bezieht sich auf „Wasser“, denn im Griechischen sind beide Wörter sächlich, während „Arche“ weiblich ist. Das Wort „Gegenbild“ (wörtlich: Antitype) kommt nur hier und in Hebräer 9,24 vor. Das könnte zu dem Gedanken führen, das Wasser der Sintflut sei ein Bild der Taufe; aber dieser Schluss ist nicht notwendig, wie Hebräer 9,24 deutlich erkennen lässt. Ich denke mehr, dass auch die Taufe ein Bild von demselben ist, von dem das Wasser der Sintflut spricht, dass also beide Bilder den Tatsachen von Vers 21 entsprechen. Wie überall in der Schrift (Mk 16,16; Apg 2,38) verbindet Petrus die Taufe mit der Errettung. „Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden.“ – „Tut Buße, und ein jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden … Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht! Die nun sein Wort annahmen, wurden getauft; und es wurden an jenem Tage hinzugetan bei 3000 Seelen.“ – „Stehe auf, lass dich taufen und deine Sünden abwaschen, indem du seinen Namen anrufst“ (Apg 22,16). „Denn so viele euer auf Christus getauft worden sind, ihr habt Christus angezogen“ (Gal 3,27).

Die Taufe ist also ein echtes Bild des Evangeliums. Es stellt symbolisch dar, wie ein Sünder errettet wird. Auch hiervon finden wir bei Petrus die praktische Seite und bei Paulus das lehrmäßige Fundament (Röm 6,34). Petrus zieht eine Parallele zwischen dem Wasser der Sintflut und der Taufe. Das Wasser der Sintflut bedeutete den Tod für alle, die hineinkamen. Es stellt also den Tod vor, aber den Tod als das Gericht Gottes über die Sünde. Noah ging in diesen Tod hinein, aber in der Arche. Nun war nicht er, sondern die Arche der Gewalt des Gerichts Gottes ausgesetzt, und gerade das Todeswasser brachte ihn jetzt von der Welt, über die das Gericht Gottes kam, auf die neue Erde, die nicht mehr durch das Gericht getroffen werden sollte, weil es vollkommen ausgeführt war (1Mo 8,21).

So stellt sich ein Sünder, der seine Sünden sieht und sich daher seiner Schuld vor Gott bewusst ist, jetzt schon unter das Gericht Gottes; aber Gott, der dem gnadesuchenden Noah die Arche gab (1Mo 6,5-14), gibt dem gnadesuchenden, sich selbst verurteilenden Sünder Christus als Den, Der das Gericht Gottes getragen hat und darin gestorben ist. Das wird in der Taufe vorgestellt. Der Sünder geht in das Wasser des Todes hinein; aber er stirbt nicht darin. Weil er auf den Namen des Herrn Jesus getauft wird (Apg 8,16), begegnet er gewissermaßen in dem Todeswasser dem Herrn, wie Dieser das Gericht Gottes getragen hat und bekommt Teil daran. So steht er aus dem Wasser auf in einer neuen Welt, in der es kein Gericht mehr gibt, in einer Welt jenseits des Todes, in einer Auferstehungswelt. Dies Letzte geht eigentlich über die Bedeutung der Taufe hinaus. Die Taufe spricht nur von Tod, niemals von Leben. Aber der Täufling bleibt nicht im Wasser und so ist Auferstehung eine notwendige Folge, obwohl sie nicht in dem Bild der Taufe dargestellt wird. Auf diese Weise sind wir zu Gott gebracht worden (1Pet 3,18). Unsere Sünden sind im Todeswasser zurückgeblieben (Apg 22,16), und wir selbst sind in die Gegenwart Gottes als solche gebracht, die unter Seinem Gericht gestorben sind. So sind wir errettet. Natürlich ist der Besitz des neuen Lebens damit verbunden. Aber davon schreibt der Apostel Petrus nicht, sondern mehr der Apostel Johannes (Joh 3,3). Auch das neue Leben unseres Aufsneuegeborenseins haben wir durch die Berührung mit dem gestorbenen Heiland erhalten. Die Geschichte von dem gestorbenen Elisa ist ein prächtiges Bild davon. Ein Toter wurde in Elisas Grab geworfen, als er aber die Gebeine des gestorbenen Elisas berührte, wurde er lebendig (2Kön 13,21).

Die ganze Tragweite des Begriffs „zu Gott gebracht“ (1Pet 3,18) wird erst erfüllt sein, wenn wir ins Haus des Vaters gebracht sind (Joh 14). Aber die vorläufige Erfüllung haben wir hier schon auf Erden. Es gibt ein Haus Gottes auf Erden, und die Taufe bringt uns hinein. Dort ist die sittliche Regierung Gottes zur Entscheidung gekommen. Das Kreuz als der Ort, wo Christus unter dem Gericht Gottes über die Sünde gestorben ist, ist der einzige Ort auf Erden, auf dem das Gericht Gottes nicht mehr ruht, weil es dort vollständig ausgeübt worden ist. Nun, das Kreuz und die darauf folgende Auferstehung des Herrn ist die Grundlage des Hauses Gottes, und der wahre Charakter des Hauses Gottes ist, dass dort alles mit Gott in Übereinstimmung ist. Er kann nirgends sonst wohnen. Es ist die Behausung Gottes im Geiste (Eph 2,22), und wir werden ermahnt, in Demut und Sanftmut unserer Berufung würdig zu wandeln (Eph 4,1).

Petrus behandelt die Stellung der Gläubigen auf Erden. Nun, so wie Noah durch das Wasser der Sündflut von der Welt, zu der er bis dahin gehört hatte, getrennt und durch dasselbe Wasser auf die durch das Gericht gereinigte Erde gebracht wurde, so trennte das Wasser der Taufe die gläubigen Juden, an die Petrus schrieb, von dem ungläubigen Volk, das unter dem Gericht Gottes lag, und brachte sie an den Ort bei Gott, wo es kein Gericht mehr gibt. Darum sagte Petrus zu Pfingsten den Juden, die durch das Wort getroffen waren: „Lasst euch erretten von diesem verkehrten Geschlecht.“ Die nun sein Wort aufnahmen, wurden getauft (Apg 2,40).

Die Bedeutung der Errettung wird in den Worten des Zacharias deutlich ausgedrückt: „Dass wir, gerettet aus der Hand unserer Feinde, ohne Furcht ihm dienen sollen in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle unsere Tage“ (Lk 1,74.75).

Prophetisch weisen diese Worte auf Israel im Tausendjährigen Reich hin. Dann wird ein Zustand des Gerettetseins auf der Erde bestehen, wenn der Herr in Gerechtigkeit herrschen wird. Für uns wird das erst ganz erfüllt sein, wenn wir verherrlicht beim Herrn sind. Aber Petrus sieht uns hier noch auf Erden, und die Taufe steht auch mit unserer Stellung auf Erden und nicht mit dem Himmel in Verbindung. Darum spricht er von diesem Ort auf Erden, wo die Feinde keine Macht mehr haben, von dem Hause Gottes auf Erden und von dem Reich der Himmel. Sie, die durch den Tod hindurchgegangen sind (wovon die Taufe ein Bild ist), sind außerhalb des Bereichs der Macht des Feindes.

Aber weil die Taufe nur von Gott redet, ist es deutlich, dass sie in sich selbst uns nicht retten kann. „Wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod“ (Röm 6,34). Nun, in dem Tode unter dem Gericht Gottes zu sein, ist keine Errettung. Aber Christus ist nicht im Tode geblieben. Die Herrlichkeit des Vaters hat Ihn auferweckt. Das ist der Beweis, dass Gott durch Sein Werk vollkommen befriedigt ist. Und wir, die wir in der Taufe (als Bild) teilhaben an dem Tode Christi, teilen auch die Folgen dieses Todes, obwohl das nicht in der Taufe vorgestellt wird. Wir sind zu Gott gebracht, so wie Christus auferweckt und zur Rechten Gottes verherrlicht ist. Darum schreibt Petrus, dass die Taufe errettet „durch die Auferstehung Jesu Christi“.

Es ist bemerkenswert, dass Petrus nicht schreibt: „uns errettet“, sondern: „euch errettet“. Es ist wahr, dass es einige weniger wichtige Handschriften gibt, in denen „uns“ steht. Aber man ist allgemein überzeugt, dass das nicht der ursprüngliche Text ist. Petrus konnte nicht „uns“ schreiben, denn er ist niemals mit der christlichen Taufe getauft worden. Wir finden nicht einmal eine Andeutung, dass er von Johannes dem Täufer getauft worden ist, und das war nicht die christliche Taufe. Die Taufe des Johannes war auf den Tod. Er taufte im Jordan, dem bekannten Bild des Todes, aber nicht auf den Tod Christi (Mt 3,5; Apg 19,4)! Die christliche Taufe hat Petrus niemals empfangen und doch schreiben sowohl er als auch Paulus über sie.

Petrus und die anderen zehn Apostel empfingen wohl den Auftrag zu taufen (Mt 28,19), aber nicht, selbst getauft zu werden. Wer hätte sie auch taufen sollen? Das Reich der Himmel konnte erst beginnen, nachdem der Herr in den Himmel aufgefahren war, und das Haus Gottes entstand erst, als Gott den Heiligen Geist hernieder sandte, um es zu bilden und um darin zu wohnen. Nun, die 120, die in Jerusalem auf die Erfüllung der Verheißung warteten (Apg 1,15), wurden von dem Herrn als die Erstlinge des Reiches der Himmel und als das Haus Gottes anerkannt, indem der Heilige Geist auf sie herniederkam. Und sie, und Petrus ganz besonders, hatten den Auftrag und die Befugnis, andere durch die Tür einzulassen, indem sie sie tauften (Joh 20,23; Mt 16,19; 28,19). Jeder, der nach ihnen kam, musste von ihnen zugelassen werden, auch der Apostel Paulus, obwohl dieser selbst nicht ausgesandt war, zu taufen (1Kor 1,17). Und der Herr erkannte es an, denn die, welche getauft waren, empfingen erst den Heiligen Geist, nachdem sie getauft waren, wie Petrus zu Pfingsten gesagt hatte (Apg 2,38; 8,16; 19,26). Die einzige Ausnahme, die das Wort Gottes uns berichtet, ist bei Cornelius und den Seinen, den Erstlingen aus den Nationen. Petrus gibt uns die Notwendigkeit dafür an. Nur die Erinnerung daran, wie er selbst in das Reich gekommen war, eben durch die Ausgießung des Heiligen Geistes, ohne getauft zu sein, machte ihn bereit, Nichtjuden zuzulassen, als der Herr erkennen ließ, dass Er sie annehme (Apg 10,44-48; 11,2-18).

Die Taufe ist ein Zeichen von geistlichen Dingen. Sie geschieht in der Tat im Blick auf die Errettung, aber nur durch das, was sie vorstellt. Das Wasser ist gewöhnliches Wasser und kann daher aus sich nur von körperlichen Unreinigkeiten, von Unreinheit des Fleisches befreien. Im Griechischen steht„Fleisch“ zuerst, um darauf den Nachdruck zu legen. Ritualismus ist in vollkommenem Widerspruch zum Christentum.

Der wahre Inhalt der Taufe ist das Begehren eines guten Gewissens vor (oder zu, oder an) Gott! Das griechische Wort für „Begehren“ kann das Bitten selbst andeuten, aber auch das, um was gebeten wird. In Übereinstimmung mit Darby, Kelly, Grant, Alford, Greijdanus u.a. denke ich, dass die Form des Wortes hier und auch der Zusammenhang zeigen, dass hier das, was begehrt wird, gemeint ist. In dem Bilde von der Taufe geht der Täufling nicht mit einem guten Gewissen in das Wasser. Es geschieht „zur Vergebung der Sünden“, um die Sünden abwaschen zu lassen und um Christus anzuziehen (Apg 2,38; 22,16; Gal 3,27). Die Taufe ist also ihrer Bedeutung nach das Begehren von Gott, ein gutes Gewissen zu empfangen. So haben auch mehrere Übersetzungen: „für ein gutes Gewissen“ (z.B. die neuen holländischen Übersetzungen Korte, Verklaring, Leidse, Brouwer, Canisius). Und wie und auf welchem Grunde empfangen wir ein gutes Gewissen? Auch durch die Auferstehung Jesu Christi! Es ist deutlich, dass es hier um ein gutes Gewissen gegenüber Gott geht. Sich keines Bösen in seinem Verhalten bewusst zu sein und ein gutes Gewissen vor Gott zu haben, ist nicht dasselbe. Das Letzte haben wir, wenn wir uns in dem Lichte Gottes bewusst sind, dass nichts mehr zwischen Gott und uns ist.

Nur, wenn wir durch das hindurchgegangen sind, was durch die Taufe vorgestellt wird, wenn wir also für uns selbst annehmen, was unsere Taufe wirklich bedeutet, haben wir Recht auf ein gutes Gewissen. Wir haben gesehen, es bedeutet, in den Tod, der das Gericht Gottes ist, einzugehen und dort Christus als Dem zu begegnen, Der an unserer Stelle das Gericht Gottes getragen hat und so gestorben ist. Wir sind dann mit Ihm und damit aus unserer alten Stellung als natürliche Menschen heraus gestorben. Das heißt auch, dass wir aus der Welt heraus und der Sünde gestorben sind.

Wer gestorben ist, ist gerechtfertigt von der Sünde (Röm 6,7). Aber wir sind in Christus gestorben. Also hat unser Sterben in Ihm nur Wert, wenn Gott Sein stellvertretendes Sterben angenommen hat. Nun, Gott hat es getan und die Auferstehung Christi ist der Beweis davon. Darum gibt die Auferstehung Christi uns ein gutes Gewissen, aber erst, wenn wir durch das, was die Taufe vorstellt, hindurchgegangen sind.

Das ist eins der großen Vorrechte, die wir gegenüber den Gläubigen des Alten Testaments haben. Männer wie Abraham und Moses nahmen das an, was in der Taufe vorgestellt wird (d.h. das Todesurteil Gottes über sie), und indem sie darin eingingen, auch die völlige Absonderung von der Welt. In dem Zug durchs Rote Meer sehen wir das in Bezug auf Mose durch ein Bild der Taufe dargestellt. Aber die Gläubigen des Alten Testaments kannten nicht das vollbrachte Werk des Herrn und Seine Auferstehung als Beweis, dass Gottes Gerechtigkeit im Hinblick auf uns vollkommen befriedigt ist. Darum hatten sie kein gutes Gewissen vor Gott, obwohl der Geist Gottes ihnen ohne Zweifel ein Gefühl für Gottes Gnade und Gunst gegeben haben wird.

Aber die Auferstehung des Herrn richtet die Gedanken des Apostels direkt auf die Verherrlichung, weil diese eine notwendige Folge der Auferstehung ist. Wenn Gott durch das Werk und das Sterben des Herrn befriedigt ist und Ihn zum Beweis dafür auferweckt hat, dann muss die Verherrlichung folgen (Joh 16,10; 17,4.5).

Vers 22

1Pet 3,22: … welcher, in (den) Himmel gegangen, zur Rechten Gottes ist, indem Engel und Gewalten und Mächte ihm unterworfen sind.

Die Rechte Gottes spricht von einer Stellung voll Macht, Gewalt, Ehre und Gunst (Eph 1,20.21). Obwohl die Juden den Herrn Jesus verworfen hatten, war Er der wahre Joseph, zu dem in der Zeit seiner Verwerfung durch seine Brüder Pharao (der hierin ein Bild von Gott ist) gesagt hat: „Ich bin Pharao; und ohne dich soll kein Mensch seine Hand oder seinen Fuß aufheben im ganzen Lande Ägypten“ (1Mo 41,44). Dieser Gedanke wird noch dadurch verstärkt, dass im Griechischen vor „Gott“ ein Artikel steht. Das zeigt an, dass es der einzige, wahre Gott ist, der Schöpfer Himmels und der Erde, der Allmächtige.

Welch eine Ermunterung war das für diese armen gläubigen Juden, die von ihren Brüdern verworfen und verspottet wurden, weil sie an einen gekreuzigten, verworfenen Messias glaubten. Er, an Den sie glaubten, war in einer Herrlichkeit, die unendlich größer ist, als es die Herrlichkeit des Messias auf Erden je sein wird. Wenn auch Sein irdisches Volk Ihn verwarf, die himmlischen Mächte, durch deren Vermittlung Israel sein Gesetz empfangen hatte (Apg 7,53), waren Ihm unterworfen, wie groß ihre eigene Macht und Stärke auch war. Er wird gewiss bald als Davids Sohn auf Davids Thron in Zion sitzen (Jer 33,15-17). Aber hatten ihre eigenen Propheten nicht geschrieben, dass Er erst herrschen wird inmitten Seiner Feinde (Ps 110,1.2)? Ganz gewiss, das bekehrte Israel wird bald die irdische Herrlichkeit des Messias teilen und wunderbare Segnungen empfangen! Aber wie viel größer und herrlicher ist das Teil derjenigen, sie seien Juden oder Nichtjuden, die jetzt, in der Zeit Seiner Verwerfung an den Herrn glauben und öffentlich durch die Taufe ihren Platz hier auf Erden mit Ihm eingenommen haben! 

„Wir sehen Ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt“ (Heb 2,9). Wir sehen, dass alles Seinen Füßen unterworfen ist. Wir sehen im Voraus, wie das Weltall Ihm zujubelt, Ihm dankt und Ihn anbetet (Off 5,6-14)! Und wenn wir Ihn so sehen, dann sagt unser Herz: Diese herrliche Person ist der „Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Gal 2,20)!

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