Bibelstellen, die zur Rechtfertigung der Allversöhnungs- und Allvernichtungslehre herangezogen werden (4)

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© Soundwords, online seit: 08.04.2017, aktualisiert: 20.11.2017

Welche Bibelstellen werden zur Rechtfertigung der Allversöhnungs- oder Allvernichtungslehre herangezogen? Wir wollen uns einige dieser Stellen etwas genauer ansehen. Allversöhner führen noch viele weitere Bibelstellen an, die wir hier nicht betrachten können.

Beim Lesen der Bibel sollten die angegebenen Stellen jeweils in ihrem Kontext betrachtet und gefragt werden, ob sie wirklich von einer Allversöhnung sprechen oder ob man der Bibel diese Sprache gern andichten möchte. Wenn wir nun den umfassenden biblischen Befund im Kopf haben, wird es uns nicht mehr schwerfallen, auch die folgenden scheinbar schwierigen Bibelstellen an ihren richtigen Platz zu stellen. Ein Prinzip der Bibelauslegung muss immer sein, mit dem Licht klarer Bibelstellen die schwierigeren Stellen zu beleuchten. Wir dürfen nicht mit den schwierig zu verstehenden Bibelstellen das helle Licht anderer Bibelstellen verdunkeln.

Kolosser 1,20-23: „alle Dinge mit sich zu versöhnen“

Kol 1,20-23: 20 … und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen – indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes –, durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln. 21 Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, 22 hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und untadelig und unsträflich vor sich hinzustellen, 23 sofern ihr in dem Glauben gegründet und fest bleibt und nicht abbewegt werdet von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, das gepredigt worden ist in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, dessen Diener ich, Paulus, geworden bin.

In dieser Bibelstelle geht es um „alle Dinge“, nicht um „alle Menschen“. Das Wort „Dinge“ in Vers 20 steht zwar nicht im griechischen Grundtext, dennoch haben die Bibelübersetzer gut daran getan, an dieser Stelle mit „alle Dinge“ zu übersetzen, denn erst in Vers 23 geht es um die Versöhnung der Menschen, die „in dem Glauben gegründet und fest bleiben und nicht abbewegt werden“. In Vers 16, der unseren Versen vorausgeht, wird der Ausdruck „alle Dinge“ insbesondere auf die Autoritätsstrukturen im Himmel und auf der Erde bezogen: „Denn durch ihn sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten.“ Vielleicht überrascht es den einen oder anderen, dass wir hier von Autoritätsstrukturen sprechen, aber in Kolosser 1 entspricht dies dem unmittelbaren Zusammenhang. Es gibt nicht nur auf der Erde Könige, Fürsten und sonstige Machthaber. Auch im Himmel gibt es Engelsfürsten. Sie sind dabei nicht auf die guten Engel beschränkt. Auch Satan ist solch ein Fürst.  Die Feindschaft gegen Gott offenbart sich darin, dass Geschöpfe ihre Autorität gegen die Autorität Gottes setzen. Damit machen sie Ihm nicht nur seine Autorität streitig, sondern sie bringen auch noch solche, über die sie Autorität ausüben, dazu, gegen Gott zu handeln. Das gilt nicht nur für Autoritäten auf der Erde, sondern auch für Autoritäten im Himmel (siehe z.B. Dan 10,20). Wenn diese Autoritätsstrukturen versöhnt werden, bedeutet das nicht, dass jetzt auch die Inhaber versöhnt werden, sondern dass in diesen „Ämtern“ die Autorität in einer gottgemäßen Weise ausgeübt wird. Das wird im Tausendjährigen Reich der Fall sein. Dann wird der Dienst der Engel wie auch der Dienst der Gläubigen, die dann im Himmel sind dafür sorgen. Deshalb glauben wir, dass die Übersetzer gut daran getan haben, hier mit „alle Dinge“ zu übersetzen.

In den beiden folgenden Versen lesen wir: „Euch … hat er aber nun versöhnt“ (Kol 1,21.22).  „Euch“ – die gläubigen Kolosser (und damit auch alle anderen Christen) sind bereits versöhnt, die Schöpfung dagegen wartet noch auf die Versöhnung (vgl. Röm 8,20-22[1]), während die Menschen, die Jesus als Retter angenommen haben, bereits jetzt („hat er nun“) die Versöhnung genießen dürfen. Die Entfremdung ist aufgehoben, denn Gott hat uns versöhnt, um uns „untadelig und unsträflich vor sich hinzustellen“ (Kol  1,22). Allerdings heißt es in Vers 23: „sofern ihr in dem Glauben gegründet und fest bleibt“. Offensichtlich sind also jene Menschen von der Versöhnung ausgeschlossen, die nicht „gegründet sind“ und im Glauben nicht „fest bleiben“. Man muss die Verse in Kolosser 1,20-23 schon aus ihrem Zusammenhang reißen, wenn man mit ihnen eine Allversöhnung begründen will.

Auch in Hebräer 2,9 ist von „alles“ die Rede: „… dass er für alles den Tod schmeckte.“ Im Gegensatz dazu lesen wir in Hebräer 2,10, dass Er „viele Söhne zur Herrlichkeit brachte“ (es steht auch hier nicht: „alle Menschen“![2]). Dieses Werk (der Versöhnung) ist noch nicht vollendet, obwohl die Grundlage dafür bereits durch den Tod des Herrn Jesus am Kreuz gelegt ist. Gott könnte schon jetzt alle Dinge auf der Erde und im Himmel zur Ruhe und Harmonie führen, doch Er wartet noch, „da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen“ (2Pet 3,9).

Römer 11,11-15: „Versöhnung der Welt“

Röm 11,11-15: 11 Ich sage nun: Sind sie etwa gestrauchelt, damit sie fallen sollten? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil geworden, um sie zur Eifersucht zu reizen. 12 Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist und ihr Verlust der Reichtum der Nationen, wie viel mehr ihre Vollzahl! 13 Euch aber, den Nationen, sage ich: Insofern ich nun der Apostel der Nationen bin, ehre ich meinen Dienst, 14 ob ich auf irgendeine Weise sie, die mein Fleisch sind, zur Eifersucht reizen und einige von ihnen erretten möge. 15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?

Mancher möchte Vers 15 gern als Argument für die Allversöhnung anführen; es gehe hier doch ganz klar und deutlich um die „Versöhnung der Welt“.  Es dürfte wohl jedem Bibelleser  klar sein, dass man der Bibel schon Gewalt antun muss, wenn man mit diesem Vers die Allversöhnung rechtfertigen will. Paulus spricht hier von seinen jüdischen Zeitgenossen und davon, dass er „einige von ihnen erretten“ möchte. Dass er einige erretten möchte, bedeutet aber doch ganz offensichtlich, dass eben nicht alle errettet werden. Außerdem spricht diese Bibelstelle von der Verwerfung Israels; wie kann man dann behaupten, dass alle Menschen errettet werden? Jedenfalls sind doch zumindest die Verworfenen Israels doch verloren.

In Vers 15 lesen wir von der Verwerfung Israels. Diese dauert schon Jahrhunderte und endet erst, wenn die Zeit der Annahme kommt und der Herr wieder mit seinem irdischen Volk anknüpft. Dann wird die „Versöhnung der Welt“ geschehen. Bei Versöhnung geht es – hier in Römer 11,15 als auch in 2. Korinther 5,19 (s. nächster Abschnitt) – nicht um ein Ergebnis, sondern um einen Prozess. Gott hatte die Welt eine Zeitlang ihren eigenen Weg gehen lassen und sich in gewisser Weise nicht um sie gekümmert, obwohl Er sich ihr gegenüber „nicht unbezeugt gelassen hat“ (Apg 14,17). Bis zum Kommen Christi in die Welt hatte Gott sich hauptsächlich um Israel gekümmert. Doch dann kam der Zeitpunkt, als Israel keine Sonderrechte mehr hatte; nun wollte Gott sich der Welt zuwenden. Mit „Welt“ sind insbesondere die Nationen gemeint, denn es geht um den Gegensatz zu „Israel“ (Röm 11,15). Ganz besonders die Nationen, die so weit von Gott entfernt waren („ohne Gott in der Welt“; Eph 2,12), wollte Gott jetzt durch das Wort der Versöhnung ansprechen.

2. Korinther 5,19.20: „die Welt … versöhnend“

2Kor 5,19.20: 19 Nämlich dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. 20 So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Viele werden die Frage, ob Gott die Welt bereits versöhnt hat, mit einem Ja beantworten, indem sie auf 2. Korinther 5,19 verweisen. Doch dann werden aus dieser Stelle unterschiedliche Schlüsse gezogen. Etwas pauschal und vereinfachend ausgedrückt, kann man sagen:

  • Die Allversöhner behaupten: Alle Menschen werden errettet!
  • Die Calvinisten ziehen den Schluss: Mit „Welt“ ist hier die Welt der Gläubigen gemeint!
  • Die Arminianer meinen: Jeder Mensch ist bereits versöhnt, doch wenn er nicht Buße tut, kommt er letztlich nicht in den Genuss der Versöhnung.

Sehr unterschiedliche Schlussfolgerungen! Welche Schlussfolgerung ist richtig? Oder stimmt vielleicht keine? Bleibt denn noch irgendeine Alternative übrig?

Ein Übersetzungsproblem

Wir wollen zunächst einmal die Verse, auf die man sich bezieht (2Kor 5,18-20), in verschiedenen Übersetzungen lesen:

Luther 1984:

  • 2Kor 5,18-20: 18 Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Schlachter 2000:

  • 2Kor 5,18-20: 18 Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; 19 weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. 20 So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, dass Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Revidierte Elberfelder, R.Brockhaus Verlag:

  • 2Kor 5,18-20: 18 Alles aber von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat, 19 (nämlich) dass Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete[3] und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat. 20 So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Haben diese an sich guten Übersetzungen den Text an dieser Stelle wirklich richtig wiedergegeben? Wir versuchen nun einmal eine möglichst

wörtliche Übertragung aus dem Griechischen:

  • 2Kor 5,18-20: 18 Alles aber (kommt) von Gott, dem uns mit sich durch Christus versöhnt Habenden [Partizip Aorist] und Gebenden uns den Dienst der Versöhnung, 19 nämlich dass Gott war in Christus (die) Welt (mit) sich versöhnend [Partizip Präsens], nicht anrechnend ihnen ihre Übertretungen und legend in uns das Wort der Versöhnung. 20 Für Christus nun sind wir Gesandte, indem Gott ermahnt durch uns; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott.

Dieser Übertragung entsprechen unseres Erachtens am ehesten die folgenden Übersetzungen:

Übersetzung von W. Kelly:

  • 2Kor 5,18-20: 18 And they all are of God that reconciled us to himself by Christ and gave to us the ministry of the reconciliation: 19 how that it was God in Christ reconciling the world to himself, not reckoning to them their offences, and putting in us the word of the reconciliation. 20 For Christ then we are ambassadors, God as it were beseeching by us, we entreat for Christ, Be reconciled to God …

Elberfelder, Edition CSV Hückeswagen:

  • 2Kor 5,18-20: 18 Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat: 19 Nämlich dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und er hat in uns das Wort der Versöhnung niedergelegt. 20 So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Sehen wir den Hauptunterschied zu den ersten Übersetzungen? In diesen beiden zuletzt genannten Übersetzungen lesen wir nicht, dass Gott die Welt versöhnt hat. Und das ist auch richtig, denn die Zeitform der Vergangenheit findet sich auch im Griechischen nicht.

Anhand der wörtlichen Übersetzung aus dem Griechischen haben wir gezeigt, welcher bedeutsame Unterschied zwischen der Versöhnung von Vers 18 und Vers 19 liegt. Sichtbar wird das durch die unterschiedliche Zeitform, in der das Partizip („versöhnt habend“; V. 18) steht. In Vers 18 ist es der Aorist. Diese Zeitform deutet im Griechischen im Allgemeinen darauf hin, dass eine Handlung punktuell geschehen und abgeschlossen ist. In Vers 19 steht das Partizip („versöhnend“) dagegen im Präsens. Diese Zeitform wird im Griechischen benutzt, um einen andauernden Vorgang auszudrücken. [Aus Wikipedia: Im Griechischen wird streng zwischen einmaligen und wiederholten/dauerhaften Handlungen unterschieden, weshalb viele Zeitstufen zwei verschiedene Verbformen haben] Diese grammatische Form wird in den ersten drei oben angeführten Übersetzungen (Luther 1984, Schlachter 2000, rev. Elberfelder) nicht berücksichtigt. Sie übersetzen an dieser Stelle nicht exakt und sind daher irreführend. Denn die oben angeführten Schlussfolgerungen gehen davon aus, dass die Versöhnung der Welt bereits abgeschlossen ist. Das gibt der Text bei exakter Übersetzung jedoch nicht her. Da wir auch keine andere Stelle in der Schrift kennen, die besagt, dass Gott zu einem bestimmten Zeitpunkt die Versöhnung der Welt abgeschlossen beziehungsweise vollbracht hätte, sind die oben angeführten Schlussfolgerungen der Allversöhner, Calvinisten und Arminianer nicht haltbar.

Auch Vers 20 macht deutlich, dass nicht alle Menschen bereits versöhnt sind: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Offensichtlich sind, entgegen der Meinung vieler Allversöhner, eben noch nicht alle Menschen versöhnt – denn warum sonst sollte Paulus die Menschen bitten, sich versöhnen zu lassen?

Widmen wir uns im Folgenden der Frage: Wer oder was ist versöhnt?

Bei der Versöhnung geht es darum, dass unsere Beziehung zu Gott in Ordnung gebracht wird. Wir mussten von Feinden Gottes zu Freunden gemacht werden. „Durch Christus“ hat Gott uns aus der Feindschaft herausgeführt und uns „mit sich selbst versöhnt“ (2Kor 5,18). Diese Versöhnung ist bei unserer Bekehrung abgeschlossen worden. Deshalb steht im Griechischen in diesem Vers das Partizip Aorist und nicht das Präsens. Diese Zeitform wird benutzt, wenn es um einen Prozess, einen Hergang geht. Im folgenden Vers (2Kor 5,19) geht es um etwas ganz anderes: Gott war in der Person Christi dreiunddreißig Jahre (versöhnend, das heißt in einer Haltung oder in einem Geist der Versöhnung) auf der Erde, um die Welt zu versöhnen; Er hat ihr sozusagen seine versöhnende Hand entgegengestreckt. Aber die Welt hat sich nicht versöhnen lassen, sondern Christus sogar ans Kreuz gebracht. Und auch heute, fast zweitausend Jahre später, hasst sie Ihn noch.

Wir sehen also: Die Verse 2. Korinther 5,18-20 besagen weder, (1) dass alle Menschen bereits versöhnt sind (wie die Allversöhner glauben), noch (2) dass es sich in Vers 19 um die „Welt“ der Gläubigen handelt (wie die Calvinisten glauben). Es geht hierbei nicht um theologische Spitzfindigkeiten. Diese Gedanken haben unmittelbar mit dem Bild zu tun, das wir von Gott haben: Der Gedanke der Allversöhner, alle Menschen würden einmal versöhnt werden, schmälert die Gerechtigkeit Gottes, und der Gedanke der Calvinisten, es handle sich um die „Welt“ der Gläubigen, denen die Versöhnung angeboten wird, schmälert die Größe der Liebe Gottes.

1. Timotheus 2,3.4: „dass alle Menschen errettet werden“

1Tim 2,3.4: 3 Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, 4 der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Diese Bibelstelle wird von Allversöhnern häufig zusammen mit 2. Petrus 3,9 angeführt:

2Pet 3,9: Der Herr zögert die Verheißung nicht hinaus, wie es einige für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.

In diesen Versen begegnet uns der wünschende Wille Gottes: Gott hat im Blick auf die Errettung aller Menschen Vorsorge getroffen. Manchmal wird gesagt, von einem „wünschenden Willen“ Gottes zu sprechen, sei eine Art Ausflucht, weil Gottes Wille hinsichtlich der Errettung aller Menschen nicht erfüllt werde. Nein, die Schrift unterscheidet sehr deutlich zwischen dem (wünschenden) Willen Gottes, der den Willen oder das Nichtwollen des Menschen ernst nimmt und deshalb nicht immer zum Ziel kommt, und dem souveränen Willen Gottes, den Gott ausführt. Beispiele für den souveränen Willen Gottes finden wir in Galater 1,4[4], in Epheser 1,5.9.11[5] und auch in Römer 9,16.18[6]. Den wünschenden Willen Gottes finden wir zum Beispiel in Lukas 13,34: „Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Brut unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!“ So wie Christus Jerusalem sammeln wollte, so will Gott, dass alle Menschen gerettet werden, aber der Unwille des Menschen steht Gottes „wünschendem“ Willen entgegen.[7] Denken wir auch daran, dass der Herr Jesus in Johannes 7,17 sagt: „Wenn jemand seinen Willen [den des Vaters] tun will …“, oder denken wir an Offenbarung 22,17: „Und wen dürstet, der komme; wer will, nehme das Wasser des Lebens umsonst.“

Da das Wort Gottes sich nicht widerspricht, müssen wir auf die Suche nach einer Erklärung gehen, die allen Bibelstellen zu diesem Thema gerecht wird. Und tatsächlich ist die Lösung gar nicht so weit weg. Das Werk des Herrn Jesus am Kreuz hat einen doppelten Aspekt: Erkaufen und Stellvertretung.

Der Gedanke des Erkaufens kommt im Gleichnis vom Schatz im Acker (Mt 13,44) zum Ausdruck. Dort kauft der Mensch nicht nur den Schatz im Acker, sondern den ganzen Acker, das ist die ganze Welt (Mt 13,38).[8] Und Petrus sagt von den falschen Propheten und Lehrern, dass der „Gebieter“ (der Herr Jesus) auch sie erkauft hat (2Pet 2,1). So wie der Mensch den ganzen Acker (die ganze Welt) mit dem Schatz (die Gläubigen) gekauft hat, so hat der Herr Jesus die ganze Welt erkauft: nicht nur die Gläubigen, sondern auch die Ungläubigen einschließlich der falschen Propheten und Lehrer.

Bei diesen Gleichnissen geht es um den Gedanken des Erkaufens. Wenn das Wort Gottes dagegen davon spricht, dass Christus sein Leben „als Lösegeld für viele“ (Mt 20,28) gegeben hat, steht der Gedanke der Stellvertretung im Vordergrund. In diesem Zusammenhang bedeutet das „Lösegeld für viele“ nicht, dass der Herr sich stellvertretend für alle als Lösegeld gegeben hat, sondern nur für viele, nämlich für all die, die ihre Sünden bekannt haben.

Aber was ist dann mit 1. Timotheus 2,6, wo es heißt, dass Christus sich als „Lösegeld für alle“ gegeben hat? Um den Unterschied zwischen Matthäus 20,28 („Lösegeld für viele“) und 1. Timotheus 2,6 („Lösegeld für alle“) gebührend zu berücksichtigen, können wir Folgendes festhalten: Stellen wie 1. Timotheus 2,6 und 2. Petrus 3,9 drücken den wünschenden Willen Gottes aus: Gott möchte alle Menschen erretten, und Er hat tatsächlich im Blick auf alle Menschen Vorsorge getroffen (Christus ist die Sühnung „für die ganze Welt“; 1Joh 2,2).

Wer mit Bibelstellen wie 1. Timotheus 2,6 oder 2. Petrus 3,9 eine Allversöhnung rechtfertigen will, gerät unweigerlich in Widerspruch zu anderen Stellen und muss dann erklären, warum „viele“ angeblich immer auch zwingend „alle“ bedeutet. Wenn man hingegen den Unterschied zwischen Stellvertretung und Erkaufen beachtet, so lässt sich diese „Krücke“ der Allversöhner leicht vermeiden. Warum wir den Unterschied zwischen viele und alle berücksichtigen müssen, zeigt uns auch der nächste Punkt:

1. Timotheus 2,6: „Lösegeld für alle“

1Tim 2,6: … [Jesus Christus], der sich selbst gab als Lösegeld für alle, wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden sollte.

In Matthäus 20,28 steht – wie weiter oben bereits erwähnt – ein ähnlich lautender Vers: „… so wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ Der Unterschied zwischen beiden Versen: Einmal ist das Lösegeld für alle (1Tim 2,6), ein andermal ist das Lösegeld für viele (Mt 20,28). Dieser scheinbare Widerspruch – die Schrift widerspricht sich nicht! – löst sich auf, wenn wir beachten, dass im griechischen Grundtext an diesen Stellen unterschiedliche Worte für die Präposition „für“ stehen. In Matthäus 20,28 („für viele“) steht im Griechischen das Wort anti. Es bedeutet so viel wie „anstelle von“ und weist damit auf eine Stellvertretung hin: Christus hat sich anstelle von anderen als Lösegeld gegeben. In 1. Timotheus 2,6 steht im Griechischen dagegen das Wort hyper. Es bedeutet so viel wie „sich ausstreckend nach“ oder „im Hinblick auf“ und verweist auf die Wirksamkeit oder auf die Reichweite dieses Lösegeldes: Gott hat im Blick auf alle Menschen Vorsorge getroffen, und das Werk des Herrn Jesus streckt sich zu allen Menschen aus: Jeder kann kommen. Deshalb folgt dem „für (hyper)“ an dieser Stelle ein „alle“.

1. Mose 6,3: „nicht ewig mit dem Menschen rechten“

1Mo 6,3: Und der Herr sprach: Mein Geist soll nicht ewig mit dem Menschen rechten, da er ja Fleisch ist.

Es gibt zahlreiche ähnliche Bibelstellen (siehe z.B. auch Ps 49,12[9]; 103,8.9[10] und Jes 57,16[11]), in denen das Wort „ewig“ oder „in Ewigkeit“ vorkommt. Anhand dieser Bibelstellen wollen Allversöhner gern beweisen, dass das Wort „ewig“ nicht immer „endlos“ bedeute und dass daher auch die „ewige Verdammnis“ nicht ewig sein im Sinne von „endlos, ohne Ende“ sei.

Zum rechten Verständnis der Bibel müssen wir die Verse stets im Zusammenhang betrachten und dürfen wir sie nicht aus dem Zusammenhang herausreißen. Die genannten Bibelstellen haben keinen Bezug auf das Thema Allversöhnung. Die Aussage in 1. Mose 6,3 bezieht sich eindeutig auf die Menschen vor der Sintflut. Gott sagt, dass Er in seiner Langmut dem Rechten[12] mit den Menschen einmal ein Ende setzen würde. Das tat Er auch, als Er sie schließlich „von der Fläche des Erdbodens“ vertilgte (3Mo 6,5-7), jedoch nicht, ohne ihnen in seiner Langmut zuvor einen „Prediger der Gerechtigkeit“ (2Pet 2,5), Noah, geschickt zu haben. Was geschah nun mit den Menschen, die die Errettung durch die Arche ablehnten und deshalb durch die Sintflut ums Leben kamen? Lesen wir, was Petrus dazu schreibt: „… Christus …, lebendig gemacht nach dem Geist, in dem er auch hinging und den Geistern predigte, die im Gefängnis sind, die einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in die wenige, das ist acht Seelen, eingingen und durch Wasser gerettet wurden“ (1Pet 3,18-20). Offensichtlich wurde durch die Flut die Existenz der damals lebenden Menschen nicht beendet (wie einige Anhänger der Allvernichtungslehre behaupten), denn die Menschen (bzw. deren Geister) werden „im Gefängnis“ aufbewahrt.

1. Petrus 3,18-21; 4,6: „in dem er … den Geistern predigte“

1Pet 3,18-21: 18 Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe, getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist, 19 in dem er auch hinging und den Geistern predigte, die im Gefängnis sind, 20 die einst ungehorsam waren, als die Langmut Gottes harrte in den Tagen Noahs, während die Arche zugerichtet wurde, in die wenige, das ist acht Seelen, eingingen und durch Wasser gerettet wurden, 21 welches Gegenbild auch euch jetzt errettet, das ist die Taufe (nicht ein Ablegen der Unreinheit des Fleisches, sondern das Begehren eines guten Gewissens vor Gott), durch die Auferstehung Jesu Christi … 4,6 Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden, damit sie zwar gerichtet werden dem Menschen gemäß nach dem Fleisch, aber leben möchten Gott gemäß nach dem Geist.

Diesen Abschnitt verstehen viele Allversöhner folgendermaßen: Christus habe nach seinem Tod auch den Menschen im Hades, „im Gefängnis“, noch das Evangelium verkündigt; deshalb könnten sie geläutert aus dem Hades beziehungsweise der Hölle hervorgehen. Auf diese Weise könnten am Ende alle Menschen selig werden.

Sagt dieser Textabschnitt das wirklich? Die Zeit vor der Sintflut, von der hier die Rede ist, wird als eine Zeit beschrieben, als „die Langmut Gottes harrte“. Es war die Zeit, als Noah, der „Prediger der Gerechtigkeit“, die Menschen vor einer großen Katastrophe warnte und zur Bekehrung aufrief. Aber diese Zeit der Langmut Gottes sollte ein Ende haben, denn Gott hatte gesagt: „Mein Geist soll nicht ewig mit dem Menschen rechten, da er ja Fleisch ist“ (1Mo 6,3). Indem Noah predigte – und was war der Bau der Arche für eine gewaltige Predigt! –, verurteilte er die Welt (Heb 11,7). Noah wurde durch den Geist getrieben[13], und indem er den Menschen hundertzwanzig Jahre hindurch während des Baus der Arche predigte, war es, als hätte Christus ihnen die Botschaft überbracht. Der Herr Jesus predigte also nicht persönlich, sondern im Heiligen Geist.

Paulus schrieb Ähnliches an die Epheser: „Und er [Christus] kam und verkündigte Frieden, euch, den Fernen, und Frieden den Nahen“ (Eph 2,17). Der Herr Jesus kam nicht persönlich zu den Ephesern und zu den anderen Heiden („den Fernen“), um Frieden zu verkündigen, ebenso wenig wie Er zu den Juden kam („den Nahen“). Der Zusammenhang zeigt, dass es sich um den Frieden handelte, den der Herr Jesus durch sein Werk am Kreuz zustande gebracht hat. Diese Verkündigung des Friedens fand nach der Himmelfahrt des Herrn statt. Christus kam sozusagen durch die Verkündigung der Apostel zu ihnen. Und auf diese Weise kommt Er noch heute zu jedem, der das Evangelium hört. Dass Christus (nicht leiblich, sondern im Geist) zu den Menschen kommt und zu einer Zeit predigt, wenn Er nicht auf der Erde anwesend ist, war kein neuer Gedanke in der Schrift!

Wem hatte Noah die Botschaft gebracht? Denen, die jetzt als Geister „im Gefängnis [im Hades] sind“. Christus stieg also nicht persönlich nach seinem Tod in den Hades, in das Gefängnis, um diesen Menschen dort zu predigen, sondern Er predigte ihnen bereits während ihres Lebens, und zwar durch Noah, den „Prediger der Gerechtigkeit“. Es war der Geist Christi, der Noah dazu benutzte. Christus wurde „nach dem Geist“ (1Pet 3,18), das heißt „durch den Geist“, lebendig gemacht, und durch diesen Geist predigte Christus damals den Menschen, die sich heute im Gefängnis befinden. Sie mussten bereits das zeitliche, irdische Gericht der Sintflut erdulden, aber nun werden sie im Gefängnis für das Endgericht aufbewahrt. Noah war ein Gesandter Gottes und ermahnte an Christi statt die Menschen zur Umkehr, so wie heute auch wir „Gesandte für Christus“ sein und die Menschen ermahnen sollen: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2Kor 5,20). Dass Christus die Menschen (Geister), die vor der Sintflut lebten, im Gefängnis besucht und ihnen gepredigt habe, ergibt keinen Sinn; es ist vielmehr eine willkürliche Auslegung. Denn warum sollte Er dort nur den Menschen predigen, die während der Flut umkamen, und nicht auch den Menschen, die nach der Sintflut lebten und ebenso Sünder waren wie jene?

Warum erwähnt der Apostel Petrus in seinem Brief ausgerechnet das Beispiel von Noah und der Sintflut? Es ist auch hier wichtig, den Gesamtzusammenhang des Textes im Auge zu behalten. Petrus schrieb den Gläubigen schon im ersten Kapitel über Christus: „… den ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, liebt; an welchen glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt“ (1Pet 1,8). Die jüdischen Gläubigen wollten gern an einen sichtbaren Messias glauben. Sie mussten lernen, Christus nicht mehr „dem Fleisch nach“ (2Kor 5,16) zu kennen. Möglicherweise hatten einige Juden, die den Petrusbrief lasen, den Herrn Jesus noch „dem Fleisch nach“, also persönlich, gekannt. Und nun schrieb der Apostel Petrus den Gläubigen, dass sie nicht verunsichert sein sollten, wenn sie Christus nicht persönlich kennengelernt hatten, denn es hatte bereits eine Zeit gegeben, in der die Menschen Christus ebenfalls nicht persönlich gekannt hatten – nämlich in der Zeit Noahs.

Vielleicht meinten die jüdischen Gläubigen, dass sie Christus nicht verkündigen oder nicht an ihn glauben könnten, da sie Ihn nicht sehen konnten. Auch Noah hatte Christus und Gott nicht gesehen, und doch zeugte und verkündigte er und wurde so zum „Prediger der Gerechtigkeit“. Gott war durch den Heiligen Geist anwesend, ja durch den Sohn Gottes selbst. Nun sagte Petrus den Juden, dass ihre Lage genau die gleiche Lage wäre wie Noahs Lage. Ihre Lage wäre also gar nicht so neu.

Wir sehen also: Dieser Vers kann nicht bedeuten, dass Christus in den Hades gegangen wäre und dort das Evangelium verkündigt hätte. Dieser Gedanke findet in der Heiligen Schrift keine Unterstützung. Dem Räuber am Kreuz sagte der Herr: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Christus ging nach seinem Tod also nicht „ins Gefängnis“, in den Hades, sondern ins Paradies, wo sich die Seelen der gläubig gestorbenen Menschen aufhalten. Wie oben bereits erwähnt, wäre es auch sehr willkürlich, wenn Christus nur den Seelen der Menschen, die zur Zeit der Sintflut lebten, im Hades das Evangelium verkündigt hätte; warum nicht auch allen anderen?[14]

1. Mose 2,17: „musst du sterben“

1Mo 2,17: Aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben.

Diese Bibelstelle wird manchmal als Argument von solchen angeführt, die nicht an die Unsterblichkeit der Seele glauben. Da die Bibel schon auf den ersten Seiten davon spricht, dass der Mensch sterben könnte (1Mo 2,17), schlussfolgert man, dass er nie zur Unsterblichkeit erschaffen worden sei. Aber diese Behauptung greift doch zu kurz. Wenn ich meinem Kind sage, dass es dies oder jenes nicht tun dürfe, da es sonst bestraft würde, so ist doch klar, dass es nicht in jedem Fall bestraft wird, sondern nur im Fall von Ungehorsam.

Was sagt diese Stelle wirklich aus? Der Mensch wurde geschaffen, um für immer mit Gott in Gemeinschaft zu leben. Er hätte nicht sterben müssen, wenn er sich an das Verbot Gottes gehalten hätte; der Tod trat erst ein, nachdem der Mensch ungehorsam gewesen war. Durch seine Sünde kam der Tod in die Welt (vgl. Röm 5,12). Hört nun die Existenz des Menschen mit seinem Tod auf? Das ist nicht möglich, denn sonst könnte es in Hebräer 9,27 nicht heißen: „Und ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“, oder in Lukas 12,5: „Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet.“ Offensichtlich bedeutet „sterben“ in 1. Mose 2,17 nicht das Ende der menschlichen Existenz oder den Tod seiner Seele.

Manche Anhänger der Allvernichtung lehren, das Leben nach dem Tod sei nur „durch Christus“ beziehungsweise „in Christus“ möglich, denn wie könne es möglich sein, dass ein Mensch nach dem Tod dennoch weiterlebt, ohne ewiges Leben in Christus zu haben? Dies sei ein Beweis, dass für Unbekehrte nach dem Tod alles aus ist. Wir fragen: Wenn nach dem irdischen Tod ein Weiterexistieren ausgeschlossen wäre (da das nur „in Christus“ möglich ist, wie man sagt), wie könnten die Ungläubigen nach dem Tod dann überhaupt noch ein Gericht empfangen, wie es das Wort Gottes sagt (Heb 9,27; 10,27)?

Es ist auch hier wichtig, eine Lehre bis zum Ende zu durchdenken und zu sehen, wohin sie führt.

Römer 5,18.19: „gegen alle zur Rechtfertigung“

Röm 5,18.19: 18 … also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. 19 Denn so wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.

Alle Menschen durch die eine Ungerechtigkeit Adams in Mitleidenschaft gezogen worden. Ebenso können aber auch alle Menschen durch die eine Gerechtigkeit des Herrn Jesus vor Gott gerechtfertigt werden. Im griechischen Grundtext fehlt in Vers 18 das Verb[15]; in der Übersetzung wurde „gereichte“ eingefügt. Es wird also nur die Richtung angegeben, in der die eine Tat der Ungerechtigkeit und die eine Tat der Gerechtigkeit wirken. Der eine Weg endet in der Verdammnis, der andere in einer Stellung der Gerechtigkeit.

Der Weg der Rechtfertigung ist für alle Menschen frei. Ob alle Menschen davon Gebrauch machen, steht auf einem anderen Blatt. Und so wechselt der Apostel Paulus in Vers 19 (der eine Erklärung für Vers 18 ist) auch den Wortgebrauch von „alle Menschen“ in „die vielen“: „Denn so wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.“ Das Wort „die vielen“ kann tatsächlich alle umfassen, muss es aber nicht zwingend.

Diese Auslegung ist ein gutes Argument gegen die Lehre der Allversöhnung und berücksichtigt obendrein den Unterschied im Wortgebrauch des Apostels. Allversöhner hingegen legen beide Worte („viele“, „alle“) gleich aus und berücksichtigen den Unterschied in der Wortwahl des Apostels nicht.

Apostelgeschichte 3,21: „Wiederherstellung aller Dinge“

Apg 3,21: … den freilich der Himmel aufnehmen muss bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott durch den Mund seiner heiligen Propheten von jeher geredet hat.

Die alttestamentlichen Propheten hatten nicht davon geredet, dass einmal alle Menschen wiederhergestellt würden, sondern sie prophezeiten von einem Friedensreich, in dem „alle Dinge“, das heißt alle moralischen Systeme, nach göttlichen Gedanken wieder eingerichtet sein würden. Diese Wiederherstellung wurde speziell an die Buße des Volkes Israel geknüpft. Selbst unter der Voraussetzung, dass „alle Dinge“ tatsächlich „alle Menschen“ wären, sind damit immer noch nur all die Menschen gemeint, die Buße getan haben. Denn die Propheten hatten ebenfalls ganz deutlich davon geredet, dass vor der Wiederherstellung ein Gericht über die Bösen (die Menschen, die keine Buße getan haben) kommen würde.

1. Timotheus 6: „der allein Unsterblichkeit hat“

1Tim 6,13-16: 13 Ich gebiete dir vor Gott, der alles am Leben erhält, und vor Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt hat, 14 dass du das Gebot unbefleckt, unsträflich bewahrst bis zur Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus, 15 die zu seiner Zeit zeigen wird der selige und alleinige Machthaber, der König der Könige und Herr der Herren, 16 der allein Unsterblichkeit hat, der ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat noch sehen kann, dem Ehre sei und ewige Macht! Amen.

Für Anhänger der Allvernichtungslehre ist diese Stelle (vor allem Vers 16) ein Argument für ihre Ansicht, dass die Seele des Menschen nicht unsterblich sei. Aber im Zusammenhang geht es gar nicht um die Seele oder den Geist des Menschen, sondern um den Unterschied zwischen Gott und Mensch als ganze Person: Der Mensch ist sterblich, Gott ist unsterblich. Nur Gott hat Unsterblichkeit in diesem absoluten Sinn.

Dieser Vers sagt auch nichts darüber aus, dass alle Menschen den natürlichen Tod erleiden werden: Bei der Entrückung werden die dann lebenden Gläubigen in ihren sterblichen Leibern mit Unsterblichkeit angezogen (vgl. 1Kor 15,51-53[16]). Der Herr Jesus hätte nie sterben müssen, weil Er das sündige Fleisch nicht hatte. Die Bibel ist auch hier sehr stimmig: Der Mensch war vollkommen geschaffen, und wenn er diese Vollkommenheit bewahrt hätte, indem er Gott gehorsam gewesen wäre und nicht gesündigt hätte, so hätte er ewig leben können.

In 1. Timotheus 6,16 geht es nicht um erschaffene Lebewesen. Engel als erschaffene Lebewesen sind nicht sterblich so wie wir Menschen und doch existieren sie nicht unabhängig von Gott. Sterblichkeit und Unsterblichkeit haben auch nichts mit ewigem Leben zu tun. Der Gläubige heute hat ewiges Leben, ist aber nicht unsterblich. Zerstörung des Leibes lässt die Seele unberührt.

Aufruf

Ewige Verdammnis bedeutet, von Gott ewig getrennt zu sein, an einem Ort, wo Gott nicht ist. Die Bibel berichtet in aller Dringlichkeit und Deutlichkeit von diesem schrecklichen Ort, so zum Beispiel in Offenbarung 14,11: „Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht.“ Wir wissen nicht viel über diesen Ort, aber er muss grauenvoll sein.[17] Wie reagieren wir auf dieses klare Reden Gottes? Geht uns die Beschäftigung mit solch einem Thema wie Allversöhnung oder Allvernichtung noch nahe oder befassen wir uns nur aus theologischem Interesse mit diesem Thema?

Wir haben diesen Artikelserie eingeleitet mit den Worten der Bach-Kantate „O Ewigkeit, du Donnerwort“, und jetzt stellt sich die Frage: Was machen wir mit der Botschaft der Bibel, dass es ein ewiges Verlorensein gibt – wenn wir daran denken, dass viele Menschen diese Zukunft in der Ewigkeit erwartet? Wollen wir uns aufmachen und den Menschen das Evangelium sagen; wollen wir sie warnen; wollen wir sie aufhalten, damit sie nicht ins ewige Verderben rennen? Wollen wir uns mit Paulus einsmachen? Er schrieb den Korinthern: „Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen … So sind wir nun Gesandte für Christus, als ob Gott durch uns ermahnte; wir bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2Kor 5,11.20).

 

Anmerkungen

[1] „Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen worden …, auf Hoffnung, dass auch die Schöpfung selbst freigemacht werden wird von der Knechtschaft des Verderbens zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Geburtswehen liegt bis jetzt.“

[2] Die Elberfelder Übersetzung (Edition CSV Hückeswagen) verweist in der Fußnote auf eine alternative Übersetzungsmöglichkeit: Statt „für alles“ könne auch „für jeden“ übersetzt werden. Aber auch mit dieser Übersetzung kann eine Versöhnung aller Menschen nicht gerechtfertigt werden, denn auch in Hebräer 2,9 wird die Präposition hyper („im Hinblick auf“) benutzt. hyper drückt aus, dass der Herr Jesus sein Werk im Blick auf alle Menschen vollbracht hat (vgl. 1Tim 2,6: „der sich selbst gab als Lösegeld für alle“).

[3] Die revidierte Elberfelder Übersetzung übersetzt das Partizip, das im Griechischen in Vers 19 steht (und das im Deutschen korrekt mit „versöhnend“ und „nicht zurechnend“ übersetzt werden muss), als eine vollendete Handlung („versöhnte“, „nicht zurechnete“). Immerhin gibt sie aber in der Fußnote einen Hinweis auf die korrekte wörtliche Übersetzung: „w. dass Gott in Christus war, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend.“ Damit übersetzt die revidierte Elberfelder in der Fußnote ebenso wie die Elberfelder, Edition CSV Hückeswagen (s.u.).

[4] „[Unser Herr Jesus Christus], der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters.“

[5] „… und uns zuvor bestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst, nach dem Wohlgefallen seines Willens, … indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst …, in dem wir auch ein Erbteil erlangt haben, die wir zuvor bestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rat seines Willens.“

[6] „Also liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott. … So denn, wen er will, begnadigt er, und wen er will, verhärtet er.“

[7] Man könnte sogar noch von Gottes zulassendem Willen sprechen. Denken wir zum Beispiel an 1. Samuel 8, als Israel nach einem König verlangte und Gott dem Volk tatsächlich einen König gab. Aus Hosea 13,11 erkennen wir, dass ein König für Israel nicht Gottes souveräner oder wünschender Wille war: „Ich gab dir einen König in meinem Zorn und nahm ihn weg in meinem Grimm.“

[8] Im Gleichnis vom Schatz im Acker kauft ein Mensch (im Bild der Herr Jesus) einen Acker, um den darin enthaltenen Schatz zu erwerben. Bereits einige Verse vorher heißt es von dem Acker: „Der Acker aber ist die Welt“ (Mt 13,38).

[9] „Ihr Gedanke ist, dass ihre Häuser feststehen in Ewigkeit.“

[10] „Gnädig und gerecht ist der Herr, langsam zum Zorn und groß an Güte; er wird nicht immer rechten und nicht in Ewigkeit nachtragen.“

[11] „Denn ich will nicht ewig rechten und nicht für immer ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die ich gemacht habe.“

[12] Rechten = mit den Menschen ins Gericht gehen, das heißt, sie von der Sünde überzeugen. Da die Menschen hartnäckig auf ihren sündigen, eigenwilligen Wegen blieben, schickte Gott die Sintflut.

[13] In 1. Petrus 1,11 heißt es ähnlich von den alttestamentlichen Propheten, dass der Geist Christi in ihnen war: „… die Propheten …, forschend, auf welche oder welcherart Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvor zeugte.“

[15] Im Bibeltext der Elberfelder Bibel (CSV) wird dies durch Kleindruck deutlich gemacht.

[16] „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden [zwar] nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden …, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen.“

[17] Über den Himmel wissen wir ebenfalls nicht sehr viel, aber wir wissen jedenfalls so viel, dass er ein herrlicher Ort ist.

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