Der Überrest in den Psalmen
Eine Zusammenstellung von Aussagen verschiedener Ausleger

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© SoundWords, online seit: 07.02.2001, aktualisiert: 07.09.2018

Was sagt die Bibel selbst zum Thema Überrest?

(Bitte die angegebenen Stellen im Zusammenhang lesen.)

  • Jes 1,9: Wenn der HERR der Heerscharen uns nicht einen gar kleinen Überrest gelassen hätte, wie Sodom wären wir, Gomorra gleich geworden.

  • Jes 10,20-22: Es wird geschehen an jenem Tag, da wird der Überrest Israels und das Entronnene des Hauses Jakob sich nicht mehr stützen auf den, der es schlägt; sondern es wird sich stützen auf den HERRN, den Heiligen Israels, in Wahrheit. Der Überrest wird umkehren {s. Jes 7,3}, der Überrest Jakobs zu dem starken Gott {El}. Denn wenn auch dein Volk, Israel, wie der Sand des Meeres wäre, nur ein Überrest davon wird umkehren. Vertilgung ist fest beschlossen, sie bringt einherflutend Gerechtigkeit {eig. welche Gerechtigkeit einherflutet}.

  • Jes 11,11.16: Es wird geschehen an jenem Tag, da wird der Herr noch zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken, um den Überrest seines Volkes, der übrigbleiben wird, loszukaufen {eig. zu erkaufen, wie anderswo} aus Assyrien und aus Ägypten und aus Pathros {Oberägypten} und aus Äthiopien und aus Elam {die persische Provinz, deren Hauptstadt Susa war} und aus Sinear {d.i. Babylonien} und aus Hamath und aus den Inseln des Meeres {die Inseln und Küstengebiete des Mittelländischen Meeres}. … Und so wird eine Straße sein von Assyrien her für den Überrest seines Volkes, der übrig bleiben wird, wie eine Straße für Israel war an dem Tage, da es aus dem Lande Ägypten heraufzog.

  • Jes 28,5: An jenem Tag wird der HERR der Heerscharen dem Überrest seines Volkes zur prächtigen Krone und zum herrlichen Kranz sein.

  • Jes 37,4: Vielleicht wird der HERR, dein Gott, die Worte des Rabsake hören, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt hat {o. womit … ihn gesandt hat}, um den lebendigen Gott zu verhöhnen, und wird die Worte bestrafen {o. wegen der Worte strafen}, die der HERR, dein Gott, gehört hat. Erhebe denn ein Gebet für den Überrest, der sich noch vorfindet.

  • Jes 37,32: Von Jerusalem wird ein Überrest ausgehen und ein Entronnenes vom Berg Zion. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird solches tun.

  • Jes 46,3: Hört auf mich, Haus Jakob und aller Überrest des Hauses Israel, die ihr von Mutterleib an aufgeladen, von Mutterschoß an getragen worden seid!

  • Jer 6,9: So spricht der HERR der Heerscharen: Wie am Weinstock wird {o. soll} man Nachlese halten an dem Überrest Israels. Lege wieder deine Hand an, wie der Winzer an die Ranken.

  • Jer 11,23: Sie werden keinen Überrest haben; denn ich bringe Unglück über die Männer von Anathoth, das Jahr ihrer Heimsuchung.

  • Jer 15,9: Die sieben gebar, verschmachtet, sie haucht ihre Seele aus; ihre Sonne ist untergegangen, als es noch Tag war; sie ist beschämt und zuschanden geworden. Und ihren Überrest werde ich dem Schwert hingeben angesichts ihrer Feinde, spricht der HERR.

  • Jer 23,3: Ich werde den Überrest meiner Schafe sammeln aus all den Ländern, wohin ich sie vertrieben habe; und ich werde sie auf ihre Triften zurückbringen, dass sie fruchtbar seien und sich mehren.

  • Jer 24,8: Wie die schlechten Feigen, die vor Schlechtigkeit nicht gegessen werden können: Ja, so spricht der HERR, so werde ich Zedekia, den König von Juda, machen und seine Fürsten und den Überrest von Jerusalem, die in diesem Land Übriggebliebenen und die im Land Ägypten Wohnenden.

  • Jer 25,20: … und alle gemischten Völker, und alle Könige des Landes Uz {vgl. Klgl 4,21}; und alle Könige des Landes der Philister, und Askalon und Gasa und Ekron und den Überrest von Asdod.

  • Jer 31,7: So spricht der HERR: Jubelt über Jakob mit Freuden und jauchzet an der Spitze {o. über das Haupt; vgl. Amos 6,1} der Nationen! Lobsingt laut und sprecht: Rette dein Volk, HERR, den Überrest Israels!

  • Hes 6,8: Doch will ich einen Überrest lassen, indem ihr unter den Nationen solche haben werdet, die dem Schwert entronnen sind, wenn ihr in die Länder zerstreut seid.

  • Hes 9,8: Es geschah, als sie schlugen, und ich allein übrigblieb, da fiel ich nieder auf mein Angesicht und schrie und sprach: Ach, Herr, HERR! Willst du den ganzen Überrest Israels verderben, indem du deinen Grimm über Jerusalem ausgießest?

  • Hes 11,13: Es geschah, als ich weissagte, da starb Pelatja, der Sohn Benajas. Und ich fiel nieder auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach: Ach, Herr, HERR! willst du dem Überrest Israels den Garaus machen?

  • Jes 25,16: Darum, so spricht der Herr, der HERR: Siehe, ich werde meine Hand wider die Philister ausstrecken, und werde die Kerethiter ausrotten und den Überrest an der Küste des Meeres vertilgen.

  • Hes 36,3.4: Darum weissage und sprich: So spricht der Herr, der HERR: Darum, ja darum, dass man euch von allen Seiten her verwüstet und angeschnaubt {o. nach euch geschnappt} hat, so dass ihr dem Überrest der Nationen ein Besitztum geworden und ins Gerede der Zunge und ins Geschwätz der Leute gekommen seid; darum, ihr Berge Israels, hört das Wort des Herrn, des HERRN! So spricht der Herr, der HERR, zu den Bergen und zu den Hügeln, zu den Gründen und zu den Tälern, und zu den wüsten Trümmern und zu den verlassenen Städten, welche dem Überrest der Nationen ringsum zur Beute und zum Spott geworden sind.

  • Amos 5,15: Hasst das Böse und liebt das Gute, und richtet das Recht auf im Tor; vielleicht wird der HERR, der Gott der Heerscharen, dem Überrest Josephs gnädig sein.

  • Mich 2,12: Sammeln werde ich dich, Jakob, ganz sammeln; versammeln, ja, versammeln werde ich den Überrest Israels. Ich werde ihn zusammenbringen wie die Schafe von Bozra, wie eine Herde inmitten ihrer Trift; sie werden lärmen vor Menge der Menschen.

  • Mich 4,7: Ich werde das Hinkende zu einem Überrest und das weit Entfernte zu einer gewaltigen Nation machen; und der HERR wird König über sie sein auf dem Berge Zion, von nun an bis in Ewigkeit.

  • Mich 5,6.7: Der Überrest Jakobs wird inmitten vieler Völker sein wie ein Tau vom HERRN, wie Regenschauer auf das Kraut, der nicht auf Menschen wartet und nicht auf Menschenkinder harrt. Der Überrest Jakobs wird unter den Nationen, inmitten vieler Völker, sein wie ein Löwe unter den Tieren des Waldes, wie ein junger Löwe unter den Schafherden, der, wenn er hindurchgeht, zertritt und zerreißt, und niemand errettet.

  • Mich 7,18: Wer ist ein Gott {El} wie du, der die Ungerechtigkeit {o. Missetat, Schuld} vergibt, und die Übertretung des Überrestes seines Erbteils übersieht {eig. hinweggeht über}? Er behält seinen Zorn nicht auf immer, denn er hat Gefallen an Güte.

  • Zeph 2,7.9: Es wird ein Landstrich sein für den Überrest des Hauses Juda: Sie werden darauf weiden und am Abend sich lagern in den Häusern Askalons; denn der HERR, ihr Gott, wird sich ihrer annehmen und ihre Gefangenschaft wenden … Darum, so wahr ich lebe, spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels, soll Moab gewisslich wie Sodom, und die Kinder Ammon wie Gomorra werden, ein Besitztum der Brennnesseln und eine Salzgrube und eine Wüste ewiglich. Der Überrest meines Volkes wird sie berauben, und das Überbleibsel meiner Nation sie beerben {o. als Erbteil besitzen; vgl. Jes 14,2}.

  • Zeph 3,13: Der Überrest Israels wird kein Unrecht tun und keine Lüge reden, und in ihrem Mund wird keine Zunge des Truges gefunden werden; denn sie werden weiden und lagern, und niemand wird sie aufschrecken.

  • Sach 8,6: So spricht der HERR der Heerscharen: Wenn es wunderbar ist in den Augen des Überrestes dieses Volkes in jenen Tagen, wird es auch in meinen Augen wunderbar sein? spricht der HERR der Heerscharen.

  • Sach 8,11.12: Nun aber will ich dem Überrest dieses Volkes nicht sein wie in den früheren Tagen, spricht der HERR der Heerscharen; sondern die Saat {o. die Pflanzung} des Friedens, der Weinstock, wird seine Frucht geben, und die Erde ihren Ertrag geben, und der Himmel wird seinen Tau geben; und dem Überrest dieses Volkes werde ich das alles zum Erbteil geben.

  • Röm 9,27: Jesaja aber ruft über Israel: „Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, nur der Überrest wird errettet werden.“

  • Röm 11,5: Also ist nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Wahl der Gnade.

  • Off 12,17: Und der Drache ward zornig über die Frau und ging hin, Krieg zu führen mit den übrigen {o. dem Überrest} ihres Samens, welche die Gebote Gottes halten {o. bewahren} und das Zeugnis Jesu haben.

Definition für Überrest

„Überrest“ ist eine Übersetzung der hebräischen Worte schear, scheerith und jathar. Dieses Wort, das wir oft gebrauchen, bezeichnet bei allen Propheten eine Gesamtheit von treuen Gläubigen (aus Juda, den Zehn Stämmen oder aus ganz Israel), die moralisch von der Masse des ungläubigen jüdischen Volkes getrennt stehen und so den Kern des zukünftigen Volkes des Messias bilden. Siehe z.B. Jesaja 10,20-22;11,11.16; Jeremia 23,3; Micha 2,12; 4,7.8; Zephanja 3,13; Sacharja 8,12; Römer 9,27; 11,5; Offenbarung 12,17.[1]

Unterschied zwischen Israel und der Gemeinde (Versammlung)

Für unser Thema ist es wichtig, zuerst zu verstehen, dass es sich bei der Gemeinde nicht um eine Fortführung Israels handelt. Wir glauben, dass Gott mit der Gemeinde etwas völlig Neues geschaffen hat und dass die Gemeinde (Israels) im Alten Testament nicht durch die neutestamentliche Gemeinde abgelöst wurde. Wichtige Hinweise sind, dass der Herr selbst sagt: „Auf diesen Felsen will ich meine Versammlung bauen“ (Mt 16,18). Dieser Zeitpunkt lag also noch in der Zukunft und erfüllte sich, als der Heilige Geist zu Pfingsten auf die Erde kam und Wohnung genommen nahm, sowohl in dem einzelnen Gläubigen wie auch in der Versammlung der Gläubigen. Weitere Hinweise finden wir in folgenden Bibelstellen: (Bitte auch den Zusammenhang beachten!)

  • Kol 1,26: Das Geheimnis war von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen, jetzt aber ist es seinen Heiligen offenbart worden.

  • Eph 3,9: Das Geheimnisses war von den Zeitaltern {o. von Ewigkeit} her verborgen in Gott, der alle Dinge geschaffen hat.

Beide, sowohl Israel als auch die Gemeinde, existieren unabhängig voneinander. Wenn auch das Volk Israel während der Gnadenzeit, in der wir leben, beiseitegesetzt ist und von Gott „Lo-Ammi“ („Nicht-mein-Volk“) genannt wird (Hos 1,9; 2,23). Die alttestamentlichen Verheißungen, welche sich bis heute nicht erfüllt haben, treffen nach wie vor auf Israel zu. Gott hat sein Volk nicht für immer verstoßen, wie aus Römer 11,25-29 hervorgeht:

  • Röm 11,25-29: Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, auf dass ihr nicht euch selbst klug dünkt: dass Verstockung {o. Verblendung} Israel zum Teil widerfahren ist, bis die Vollzahl {o. Fülle} der Nationen eingegangen ist; und also wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: „Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; und dies ist für sie der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde“ {Jes 59,20.21}. Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte, um der Väter willen. Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar.

Gottes Wort teilt die gesamte Menschheit in drei Gruppen ein. In 1. Korinther 10,32 heißt es: „Seid unanstößig, sowohl für Juden als auch Griechen (Heiden oder Nationen), als auch für die Gemeinde Gottes.“

Auch in Apostelgeschichte 15,14-17 finden wir diese Dreiteilung:

  • Apg 15,14-17: Simon hat erzählt, wie Gott zuerst die Nationen heimgesucht {o. angesehen, auf die Nationen geblickt} hat, um aus ihnen ein Volk zu nehmen für seinen Namen. Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: „Nach diesem will ich zurückkehren und wieder aufbauen die Hütte Davids, die verfallen ist, und ihre Trümmer will ich wieder bauen und sie wieder aufrichten; damit die übrigen der Menschen den Herrn suchen, und alle Nationen, über welche mein Name angerufen ist, spricht der Herr, der dieses tut“ {Amos 9,11.12}.

Dies ist gleichzeitig das Programm, nach dem die Zukunft ablaufen wird. Wir leben in der Zeit von Apostelgeschichte 15,14, wo ein Volk für seinen Namen aus den Nationen gesammelt wird. Wenn die Gemeinde entrückt ist, wird Gott mit seinem irdischen Volk wieder anknüpfen „und wieder aufbauen die Hütte Davids“. Dann wird, wie wir in Offenbarung 14,6.7 lesen, ein „ewiges Evangelium“ gepredigt werden für die „übrigen der Menschen“, damit sie den Herrn suchen.

Es gibt also eine Zukunft für Israel! Diese Feststellung ist von grundlegender Bedeutung für unser Thema, denn die Verheißungen Gottes sind unbereubar (Röm 11,29) und werden sich auch nicht in oder durch die Gemeinde/Versammlung erfüllen. Bruder Darby schrieb dazu: „Die Psalmen gehören also eigentlich Israel, und zwar dem treuen Überrest in Israel“ (siehe einleitende Gedanken der Synopsis über die Psalmen). Er begründet dies u.a. mit Römer 3,19: „Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind.“

Hier die wesentlichen Unterschiede zwischen Israel und der Gemeinde (entnommen aus dem Buch Der Unterschied von W. MacDonald):

1. Paulus spricht von der Gemeinde als von einem Geheimnis, „das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist“ (Eph 3,5). Er sagt, dass dieses Geheimnis von Beginn der Welt an in Gott verborgen war (Eph 3,9) und dass es von Anfang an verschwiegen wurde, dass es aber jetzt durch prophetische Schriften offenbart worden ist (Röm 16,25.26; Kol 1,25.26).

1. Von Israel wird nie als von einem Geheimnis gesprochen. Keine der Beschreibungen aus der nebenstehenden Spalte trifft auf Israel zu.

2. Die Gemeinde existiert seit Pfingsten, als der Heilige Geist gegeben wurde (Apg 2). Wir leiten dies ab aus folgenden Tatsachen:

  • a) Als Christus auf der Erde war, war die Gemeinde noch zukünftig, weil Er sagte: „Ich werde meine Gemeinde bauen“ (Mt 16,18).
  • b) Als Paulus seinen 1. Korintherbrief schrieb, existierte die Gemeinde bereits. Er spricht von den Gläubigen, die in einem Geist zu einem Leib getauft worden sind (1Kor 12,13).
  • c) Wir wissen, dass die versprochene Taufe mit dem Heiligen Geist zu Pfingsten stattfand. Deshalb war das der Geburtstag der Gemeinde.

2. Die Existenz des Volkes Israel begann mit der Berufung Abrahams (1Mo 12).

3. Christus ist das Haupt der Gemeinde.

3. Abraham war das Haupt Israels.

4. Durch die Wiedergeburt (geistliche Geburt) gehört man zur Gemeinde.

4. Durch die natürliche Geburt gehörte man zum Volk Israel.

5. Die Gemeinde ist das himmlische Volk Gottes. Die Segnungen der Gemeinde sind geistliche Segnungen in himmlischen Örtern. Das Bürgertum des Christen ist im Himmel. Die Hoffnung der Gemeinde besteht darin, mit Christus im Himmel zu sein.

5. Israel war Gottes auserwähltes, irdisches Volk. Die Segnungen Israels waren in erster Linie – obwohl nicht ausschließlich – materielle, irdische Segnungen. Das Bürgertum der Israeliten war irdisch. Die vorrangige Hoffnung Israels war die irdische Herrschaft des Messias in ihrem Land. (Das soll nicht ausschließen, dass die gläubigen Israeliten nach ihrem Tod in den Himmel kamen oder dass auch sie Hoffnung auf den Himmel hatten. Aber das war nicht der Schwerpunkt ihrer Hoffnung.)

6. In der Gemeinde werden gläubige Juden und gläubige Heiden eins in Christus. Sie werden Gleiche, Teilhaber in Bezug auf das Erbe, Gleiche als Glieder am Leib und Gleiche als Teilhaber an der Verheißung in Christus durch das Evangelium. In Christus ist die Trennwand zwischen Juden und Nationen durchbrochen und sie sind einsgemacht worden (Eph 2,13-17; Eph 3,6).

6. Nichts davon trifft auf Israel zu. Was Israel angeht, sind die Nationen „ohne Christus, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremdlinge hinsichtlich des Bündnisses der Verheißung; und ihr hattet keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt“ (Eph 2,12).

7. In der Gemeinde sind alle Glaubenden Priester, heilige und königliche Priester. Als solche haben sie im Glauben zu jeder Zeit Zugang zur Gegenwart Gottes (1Pet 2,1-9; Heb 10,19-22).

7. In Israel wurden die Priester aus dem Stamm Levi ausgewählt und aus der Familie Aarons. Nur der Hohepriester konnte in die Gegenwart Gottes gehen, und zwar nur an einem Tag des Jahres (Heb 7,5.11; 9,7).

8. Die Gemeinde wird bei der Entrückung nach Hause geholt werden, dann mit Christus zurückkehren und während des Tausendjährigen Reiches mit Ihm über die Erde herrschen.

8. Die erlösten Israeliten werden Christi irdische Untertanen während seiner Herrschaft sein.

Gibt es einen Überrest aus Israel?

Die weiter oben angeführten Stellen beweisen, dass es einen Überrest in zukünftiger Zeit geben wird. Hier noch ein Bild des Alten Testamentes, das auch von einem zukünftigen Überrest spricht:

  • Jes 17,5: Und es wird sein, wie wenn ein Schnitter Getreidehalme zusammenfasst und sein Arm Ähren abmäht; und es wird sein, wie wenn einer Ähren sammelt in der Talebene Rephaim. Doch wird eine Nachlese davon übrig bleiben wie beim Abschlagen der Oliven: zwei, drei Beeren oben im Wipfel, vier, fünf an seinen, des Fruchtbaumes, Zweigen, spricht der HERR, der Gott Israels.

Woraus kann man schließen, dass die Psalmen überhaupt prophetischen Charakter haben?

Diese Frage lässt sich sehr einfach anhand der folgenden Auflistung (siehe Kommentar von A.C. Gaebelein!) beantworten. Die Psalmen gehören zu den am meisten zitierten Büchern des Neuen Testamentes. Wenn wir diese lange Liste sehen, dann drängt sich der Gedanke auf, dass das Ziel der Psalmen weit über die Empfindungen eines Davids oder anderen Schreibern hinausging. Manches hat sich wortwörtlich in dem Herrn Jesus erfüllt, vieles in den Psalmen konnte sogar nur von dem wahren David gesagt werden, z.B. Psalm 16,10; 8,5.6; 21,4; 22,1.16.

Matthäus 13,35

(Psalm 78; 49,4)

Matthäus 21,42

(Psalm 118,22)

Matthäus 27,43

(Psalm 110)

Johannes 2,17

(Psalm 69,10)

Johannes 6,31

(Psalm 78,24.25)

Johannes 7,42

(Psalm 132,11)

Johannes 10,34

(Psalm 82,6)

Johannes 13,18

(Psalm 41,10)

Johannes 15,25

(Psalm 35,19)

Johannes 19,24

(Psalm 22,19)

Johannes 19,28

(Psalm 69,22)

Johannes 19,36

(Psalm 34,21)

Johannes 20,17

(Psalm 22,23)

Apostelgeschichte 1,16

(Psalm 41,10)

Apostelgeschichte 1,20

(Psalm 69,26)

Apostelgeschichte 2,25

(Psalm 16,8)

Apostelgeschichte 2,34

(Psalm 110,1)

Apostelgeschichte 4,25

(Psalm 2,1.2)

Apostelgeschichte 13,33

(Psalm 2,7)

Apostelgeschichte 13,35

(Psalm 16,10)

Römer 3,4

(Psalm 51,6)

Römer 3,12

(Psalm 14,3)

Römer 3,13

(Psalm 140,4)

Römer 4,6

(Psalm 32,1.2)

Römer 11,9.10

(Psalm 69,23.24)

Römer 15,10

(Psalm 117,1)

2. Korinther 4,13

(Psalm 116,10)

Epheser 4,8

(Psalm 68,19)

Hebräer 1,8.9

(Psalm 45,7.8)

Hebräer 1,10-12

(Psalm 102,26-28)

Hebräer 1,13

(Psalm 110,1)

Hebräer 2,6

(Psalm 8,5)

Hebräer 4,3

(Psalm 95,11)

Psalm 2,7-9

in Hebräer 1,5;
in Offenbarung 2,27

Psalm 4,5

in Epheser 4,26

Psalm 8,3

in Matthäus 21,16

Psalm 7,7

in 1. Korinther 15,25-27

Psalm 9,9

in Apostelgeschichte 17,31

Psalm 19,5

in Römer 10,18

Psalm 22,2

in Matthäus 27,46

Psalm 22,22

in 2. Timotheus 4,17

Psalm 24,1

in 1. Korinther 10,26

Psalm 27,1

in Hebräer 13,6

Psalm 34,9

in 1. Petrus 2,3

Psalm 40,7-9

in Hebräer 10,5-7

Psalm 41,10

in Markus 14,18;
in Johannes 13,18

Psalm 48,3

in Matthäus 5,35

Psalm 50,14

in Hebräer 13,15

Psalm 55,23

in 1. Petrus 5,7

Psalm 56,5

in Hebräer 13,6

Psalm 69,22

in Markus 15,36

Psalm 79,6

in 2. Thessalonicher 1,8

Psalm 89,28.38

in Offenbarung 1,5; 3,14

Psalm 97,7

in Hebräer 1,6

Psalm 104,4

in Hebräer 1,7;

usw.

Der Überrest in den Psalmen

Wenn wir also beweisen wollen, dass es sich in vielen Psalmen um den Überrest oder besser um die Empfindungen des Überrestes in Israel am Ende der Zeit handelt, dann müssen die vorangegangenen Fragen beantwortet werden. Ohne diese Vorarbeit kommen wir in der Beweisführung nicht weiter. Diese Arbeit ist unseres Erachtens aber durchaus auch schriftgemäß, denn in 2. Petrus 1,20 heißt es: „Keine Weissagung der Schrift ist von eigener Auslegung.“

Viele Psalmen wurden von David niedergeschrieben, dessen Geschichte wir im ersten und zweiten Buch Samuel finden. Von vielen Psalmen ist bekannt, in welchem Umständen der Schreiber war, als diese Psalmen gedichtet wurden. Wir tun also gut daran, wenn wir uns klarwerden, wovon David ein Bild ist und wovon solche ein Bild sind, die sich z.B. während der Verfolgung durch Saul auf die Seite des Davids geschlagen haben. David ist ein treffliches Bild von dem „Mann nach dem Herzen Gottes“ (1Sam 13,14) – von dem Herrn Jesus selbst. David ist sowohl ein Bild des Herrn Jesus in seiner Verwerfung (nämlich als er ständig von Saul verfolgt wurde) als auch in seiner Königsherrschaft. Solche, die sich auf die Seite Davids geschlagen haben, sind ein Bild von den Treuen, welche sich nicht von der äußeren Gefälligkeit Sauls blenden lassen haben. Das ist prophetisch der treue Überrest am Ende der Zeit, der sich nicht vor dem Antichristen niederbeugen wird (Off 13).

Wenn wir also zu der, wie wir meinen, schriftgemäßen Überzeugung gekommen sind, dass viele oder alle Psalmen eine viel weitreichendere Bedeutung haben, als jene, dass in den Psalmen lediglich von den Gefühlen bestimmter Gottesmännern die Rede ist, dann müssen wir einen Schritt weitergehen und uns fragen, von wem manche Psalmen sprechen und wen der Geist Gottes im Auge hat und wen Er nicht im Auge haben kann.

Deutliche Kennzeichen einiger Psalmen

1) Etliche Psalmen sind Rachepsalmen

Immer wieder wird Rache gefordert; z.B. in:

  • Ps 18,47: Der Gott {El}, der mir Rache gab und die Völker mir unterwarf …

  • Ps 58,10: Freuen wird sich der Gerechte, wenn er die Rache anschaut; er wird seine Füße {w. Schritte} baden im Blut des Gesetzlosen.

  • Ps 79,10: Warum sollen die Nationen sagen: Wo ist ihr Gott? Lass unter den Nationen vor unseren Augen kundwerden die Rache für das vergossene Blut deiner Knechte!

  • Ps 94,1: Gott {El} der Rache {eig. der Rachen, d.h. der Rache-Vollstreckungen}, der HERR, Gott {El} der Rache, strahle hervor!

  • Ps 149,7: Um Rache auszuüben an den Nationen, Bestrafungen an den Völkerschaften;

Sich zu rächen oder Rache zu nehmen, ist kein christlicher Grundsatz, sondern wir werden aufgefordert, unsere Feinde zu lieben und für unsere Widersacher zu beten (Segnet die euch fluchen!). Dies ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Drangsal am Ende der Zeit für den Überrest Israels ist, und tatsächlich fordern diese auch Rache (Off 6,10). Daran können wir erkennen, dass es sich dort nicht um Christen der Gnadenzeit handelt, sondern um Gläubige aus Israel.

Die Jünger hatten wohl auch diesen Ruf der Psalmen nach Gericht und Rache auf dem Herzen als sie zu dem Herrn sagten: „Herr, willst du, dass wir Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren heißen, wie auch Elias tat?“ Der Herr strafte sie und sagte: „Ihr wisst nicht, wes Geistes ihr seid“ (Lk 9,54.55).

2) Psalm 1

Ps 1,4-6: Nicht so die Gesetzlosen, sondern sie sind wie die Spreu, die der Wind dahintreibt. Darum werden die Gesetzlosen nicht bestehen im Gericht, noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt {d.h. nimmt Kenntnis von} den Weg der Gerechten; aber der Gesetzlosen Weg wird vergehen.

Vers 4: So wird es am Ende der Zeit sein, wenn die Ungläubigen von der Erde weggenommen werden (siehe Lk 17,34). Bei der Versammlung/Gemeinde ist es umgekehrt. Hier werden die Gläubigen entrückt und die Ungläubigen werden auf der Erde zurückgelassen. Es kann sich hier also wiederum nur um Israel handeln.
Vers 5: Hier wird angedeutet, dass nicht ganz Israel gerettet wird, sondern nur die Gerechten; eben der Überrest.
Vers 6: Der HERR nimmt Kenntnis in jenen schweren Tagen von den Empfindungen des Überrestes.

3) Psalm 2

J.N. Darby schreibt hierzu:

Ich sagte, dass die Ratschlüsse Gottes bezüglich des Messias das hier eingeführte Element der Wege Gottes sind, von denen die Psalmen handeln. Indes beginnt der zweite Psalm mit dem Auftreten der Nationen, um Gottes Oberhoheit von sich abzuschütteln, und dem Einschreiten des HERRN, welcher diese Oberhoheit aufrechterhält. Die abtrünnigen Juden sind leider, wie wir gesehen haben, in diesen großen Aufstand wider Gott verwickelt. Die Nationen toben, die Völkerschaften sinnen Eitles; die Könige der Erde und die Fürsten wollen die Bande des HERRN und seines Gesalbten zerreißen. Aber diese Empörung führt nur Zorn und Ungnade herbei, gegen die jeder Widerstand eitel ist. Der im Himmel thront, lacht, Adonai (der Herr) spottet ihrer; der HERR hat allen zum Trotz seinen König auf seinen heiligen Berg gesetzt. Das ist der feste Beschluss Gottes, ausgeführt durch seine Macht. Die Vermessenheit des Menschen, indem er sich gegen Gott auflehnt, führt nur seinen Untergang herbei […]

Somit haben wir die Grundzüge der Geschichte der letzten Tage vor uns: Ein jüdischer Überrest erwartet das Gericht; die Gesetzlosen sind noch vorhanden; die Heiden toben gegen den HERRN und seinen Gesalbten; der im Himmel thront, lacht ihrer nutzlosen Wut; der HERR setzt Christus als König ein, ja, auf seine Forderung gibt Er Ihm alle Nationen zum Erbteil (indem die Unterwerfung aller durch ein unwiderstehliches Gericht erzwungen werden muss). Keine Leiden werden hier erwähnt, selbst nicht für den Überrest in Psalm 1; es sind vielmehr die Ratschlüsse und Vorsätze Gottes und eine Macht, der nichts zu widerstehen vermag. In gewissem Sinne sind die Könige der Erde schon aufgetreten, die Fürsten haben miteinander beratschlagt, und zwar mit Erfolg, soweit es die irdische Macht und den irdischen Schauplatz betrifft: Christus ist verworfen worden und hat keinen Widerstand geleistet.[2]

4) Psalm 107

Der Psalm 107 weist in einer sehr eindrücklichen Weise auf den Überrest in Israel hin, dort heißt es:

Ps 107,26-30: Sie fahren hinauf zum Himmel, sinken hinab in die Tiefen; es zerschmilzt in der Not ihre Seele. 27 Sie taumeln und schwanken wie ein Trunkener, und zunichtewird alle ihre Weisheit. 28 Dann schreien sie zum HERRN in ihrer Bedrängnis, und er führt sie heraus aus ihren Drangsalen. 29 Er verwandelt den Sturm in Stille {o. Säuseln}, und es legen sich die {w. ihre} Wellen. 30 Und sie freuen sich, dass sie sich beruhigen, und er führt sie in den ersehnten Hafen.

Vers 26: Ein Sturm (alle Nationen) erhebt sich wider Israel.
Vers 28: Einige im Volke Israel fühlen ihre Not und schreien zum HERRN.
Vers 29: Der Herr kommt ihnen in ihrer größten Not zu Hilfe und kämpf für sein Volk.
Vers 30: Der Herr führt den gläubigen Überrest in den ersehnten Hafen: ins Tausendjährige Reich.

Diese Stelle findet natürlich auch Anwendung auf die bekannte Begebenheit in Markus 6,45.46 und zeigt zudem, dass der Herr Jesus bei seinem ersten Kommen zu jeder Zeit das Reich hätte errichten können, wenn man Ihn nicht verworfen hätte.

5) Wertvolle Gedanken von Bruder H. Rossier

Die Ereignisse, durch die der prophetische jüdische Überrest erprobt werden wird, bilden die „große Drangsal“. Diese Gläubigen werden durch sie hindurchgehen müssen, um schließlich nach so vielen Gewissens- und Glaubensübungen in den ungestörten Genuss des Segens unter der wunderbaren Regierung des Messias einzugehen.

Wenn ich sagte, dass der Geist Christi in den Psalmen redet, so bedeutet das, dass der Herr Jesus dieselben Leiden durchgemacht hat wie der Überrest. Wie bereits gesagt, hat Er sich während seines Wandels auf der Erde mit diesen Gläubigen einsgemacht, als ob Er einer von ihnen wäre. Damit stellte Er selbst mit seinen Jüngern den zukünftigen Überrest vor Gott dar. Deswegen erwähnt der Herr in Matthäus 24 seine Jünger beständig so, als machten sie einen Teil der Gläubigen in den letzten Tagen aus. In der Zukunft kann Er sich daher Im Geiste mit dem Überrest eins machen. Diese Gläubigen werden dann in den Psalmen die Erfahrungen dessen finden, der persönlich in all ihre Schwierigkeiten eingetreten ist und sie während seines Lebens hier auf der Erde durchschritten hat. Er war arm und erniedrigt und setzte inmitten all seiner Erprobungen sein Vertrauen auf Gott. Er empfand all diese Dinge und ist daher in der Lage, mit den Gläubigen mitzufühlen, ihnen zu helfen und sie bis zum Ende hindurchzubringen. Auf diese Weise wird der Überrest nach und nach zum vollen Bewusstsein seiner nationalen Schuld und danach zur Gewissheit der Vergebung gelangen. Schließlich wird er in die Segnungen des Friedensreiches eingehen – allerdings durch Schmerzen und Erprobungen hindurch, durch den Widerspruch der Sünder, den tödlichen Hass ihrer Bedrücker und die scheinbare Verlassenheit von Gott hindurch, der sein Angesicht vor dem Hause Jakob verbirgt.

Für diese bekümmerten Herzen, die ihre Befreiung erwarten, hat der Geist Christi in den Psalmen ein Buch bereitet, in dem all ihre Empfindungen zum Ausdruck kommen: ihre Angst, ihr Flehen, ihr Vertrauen und schließlich ihr Lobgesang, wenn sie das Morgenrot ihrer Errettung sehen werden, das den Aufgang der Sonne der Gerechtigkeit ankündigt. Alle diese Gedanken und Herzensübungen werden sie in den Psalmen wiederfinden, und zwar als dieselben, die auch das Teil Christi auf der Erde waren. So werden ihre Blicke auf die Vollkommenheiten des Sohnes des Menschen gelenkt werden, so dass sie an seinen inneren Empfindungen und an seinen moralischen Leiden teilhaben können. Im Laufe ihrer langen Prüfungen wird der Geist Gottes ihnen dann zeigen, dass alle ihre Sünden durch das kostbare Blut des Lammes Gottes, das sie bisher verachtet hatten, hinweggetan sind. Wie überall bilden auch in den Psalmen die Leiden Christi auf dem Kreuz die Grundlage für das Heil und die Wiederherstellung des Volkes. Aber gleichzeitig werden die betrübten Gläubigen des Überrestes in den Psalmen den Ausdruck des Mitgefühls Dessen finden, der in all ihrer Bedrängnis bedrängt war und der mit ihnen auf die gleiche Weise gelitten hat. Darüber hinaus hat Er jedoch auch für sie gelitten. Er wurde von Gott verlassen, „abgeschnitten aus dem Lande der Lebendigen“, damit sie für ewig von diesem Gericht befreit würden.

Was seinen moralischen Zustand betrifft, ist der Überrest durch drei Charakterzüge gekennzeichnet. Zunächst ist da der Glaube, der auf Gott rechnet, auf Ihn vertraut und die Gewissheit hat, dass Er nach seiner Gerechtigkeit auf das Rufen seines bedrängten Volkes antworten wird. Dieser Glaube kennzeichnete auch Christus. Der zweite Wesenszug des Überrestes besteht in seiner rückhaltlosen Aufrichtigkeit vor Gott, der dritte in seiner praktischen Gerechtigkeit, die die Sünde von den Wegen des Gläubigen verbannt. Diese Gerechtigkeit ist die Frucht tiefer Herzensübungen. Das zeigt sich deutlich in der Buße und in dem Sündenbekenntnis, das der Überrest im Blick auf die Übertretung des Gesetzes und die Ermordung des Messias ablegt. Aber dieser Zustand ist immer von Gebet, Flehen, Abhängigkeit, Ausharren und der Gewissheit der Errettung begleitet. Auch in dieser Hinsicht kann sich Christus mit dem Überrest in seinen Übungen und seiner Buße einsmachen. Im Geiste kann Er sich, wie einst bei der Taufe des Johannes in Person, in die Mitte derer versetzen, die Er „die Herrlichen der Erde“ nennt (Ps 16,3).

Die Leiden dieser Gläubigen sind in erster Linie Leiden um der Gerechtigkeit willen, die sie von Seiten der Juden und der Nationen zu erdulden haben werden. Mit der Erwähnung dieser Leiden ist in den Psalmen immer ein Ruf der Gläubigen um die Rache Gottes an ihren Feinden verbunden. Historisch gesehen findet man bei Christus während seines ganzen Weges keine Spur derartiger Gefühle, denn Er kam in Gnade und nicht zum Gericht. Aber in moralischer Hinsicht spricht auch der Herr in den Psalmen manchmal auf diese Weise, weil Er sich mit dem Überrest identifiziert. Die Leiden, die der Herr von Seiten der Menschen erduldet hat, werden das Gericht über seine Feinde bringen. Dieses Gericht wird gleichzeitig der einzige Weg sein, auf dem die jüdischen Gläubigen, mit denen sich der Herr verbunden hat, befreit werden können.

An zweiter Stelle sind die Leiden des Überrestes Leiden unter der Regierung Gottes. Der Herr ist auch hierin eingegangen, aber aus Mitgefühl oder auch als Stellvertreter seines Volkes (Ps 102). In Gethsemane hat Er die ganze Schwere dieser Leiden in seiner Seele getragen. In den beiden bisher erwähnten Arten von Leiden werden die Gläubigen also durch die Gewissheit ermuntert werden, dass ihr Messias aus Liebe zu ihnen dieselben Herzensübungen durchgemacht hat und dass Er aus ihnen errettet wurde.

Es gibt noch eine dritte Art von Leiden, an denen der Überrest überhaupt kein Teil hat, die aber, wie bereits gesagt, die Grundlage all seiner Segnungen bilden. Hierbei handelt es sich um die sühnenden Leiden Christi. Auch diese finden wir in den Psalmen. Infolge der Auferstehung des Herrn (Ps 68,18; 110) vermitteln sie den Gläubigen einen reichlichen Eingang in die Freude seines Reiches (2Pet 1,11).

Die äußeren Ereignisse, durch die der Überrest in den Psalmen hindurchgeht, sind einerseits die Folge des nationalen Unglaubens der Juden. Das Wort nennt sie die „Drangsal Jakobs“ (Jer 30,7). Dem entspricht die „große Drangsal“ (Mt 24,21), die über den ganzen Erdkreis kommen wird. Alle diese Umstände dienen dazu, die Gläubigen zu läutern und die Segnungen des „Neuen Bundes“ einzuführen. Alle Empfindungen, die der Überrest in dieser Drangsalszeit haben wird, finden ihren Ausdruck in den Psalmen, bis er endlich dahin geführt wird, den Anbruch des Tausendjährigen Reiches Christi zu feiern. Dabei möchte ich aber nochmals wiederholen, dass die Psalmen uns nicht die Ereignisse selber beschreiben, sondern nur von den Herzensübungen reden, die diese Umstände begleiten oder durch sie hervorgerufen werden. Um die Ereignisse kennenzulernen, muss man die Propheten studieren. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen den Psalmen und den Propheten: Die Propheten beschreiben die Leiden Christi und die Herrlichkeiten danach (1Pet 1,11; 2Pet 1,16), wenn Er als König Israels in Macht kommen wird, um seine Herrschaft über alle Völker zu errichten. Die Psalmen eröffnen uns dagegen die innerlichen Gefühle im Herzen Christi, die Er inmitten der gleichen Umstände empfunden hat, in die auch der mit Ihm verbundene Überrest hineinkommen wird. In den Psalmen werden also die Gefühle des Herrn zum Ausdruck gebracht. Wir finden hier weniger Aussprüche über seine Person. Der Überrest wird inmitten seiner Prüfungen das Mitgefühl Christi genießen können, dieselben Ermunterungen, die auch Er empfangen hat und dieselbe Erhörung erfahren wie der Herr, der um seiner Frömmigkeit willen erhört wurde. Noch in einem weiteren Punkt unterscheiden sich die Psalmen von den Büchern der Propheten: In den Propheten offenbart Gott seine Gedanken über Christus und den Überrest, während in den Psalmen Christus und der Überrest ihre Gedanken über Gott aussprechen. Natürlich gibt es viele Ausnahmen von dieser Regel; aber prinzipiell stellt sie doch den charakteristischen Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen prophetischer Bücher dar.

Diese Vorbemerkungen wären sehr unvollständig, wenn der Hinweis darauf fehlte, dass Jesus Christus der Mittelpunkt auch der Psalmen ist. Fortwährend finden wir seinen Gehorsam, seine Leiden und seine Herrlichkeiten. Deshalb enthält jedes Buch ein oder zwei zentrale Psalmen, die uns den Herrn in seinen verschiedenen Charakteren vorstellen und um die sich die übrigen Psalmen gruppieren. Das sind z.B. im ersten Buch die Psalmen 2, 8 und 22, im zweiten Buch die Psalmen 45 und 69, im dritten Buch die Psalmen 80 und 87, im vierten Buch die Psalmen 91 und 102, im fünften Buch schließlich die Psalmen 110 und 145.[3]

Schlussgedanken

Man könnte jetzt jeden einzelnen Psalm darauf untersuchen, und wir würden immer wieder feststellen, dass sich viele Dinge sehr gut auf den zukünftigen Überrest anwenden lassen. Dazu möchten wir die Synopsis von J.N. Darby über die Psalmen empfehlen. Die Schwierigkeit besteht unseres Erachtens weniger darin, den Überrest in den Psalmen zu finden, als vielmehr über den Gesamtzusammenhang der Schrift zu sehen, dass es einen Überrest in Israel geben wird und was diesem Überrest alles widerfahren wird. Hat man sich einmal die Mühe gemacht und nachgeforscht, was alles über einen zukünftigen Überrest geschrieben steht, dann wird es „relativ“ einfach sein, in den Psalmen die Empfindungen Christi, der sich mit dem Überrest eins macht, nachzuspüren. Man empfindet dann, dass diese Psalmen ein großer Trost für den Überrest in Israel am Ende der Zeit sein wird. Der größte Trost wird sicher sein, dass sie die Augen dafür geöffnet bekommen, dass der Herr Jesus alles schon durchlitten hat und völliges Mitgefühl haben kann. Dann werden sie auf den blicken, den sie durchbohrt haben. Welch ein Augenblick!

„Und ich werde über das Haus Davids und über die Bewohner von Jerusalem den Geist der Gnade und des Flehens ausgießen; und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen gleich der Wehklage über den Eingeborenen, und bitterlich über ihn Leid tragen, wie man bitterlich über den Erstgeborenen Leid trägt“ (Sach 12,10).

 

Anmerkungen

[1] Aus Betrachtungen über die Psalmen, Henri Rossier, Verlag Ernst Paulus, 1978.

[2] Aus Synopsis. Betrachtungen über die Psalmen, Bemerkungen zu „Psalm 2“.

[3] Aus Betrachtungen über die Psalmen, Henri Rossier, Verlag Ernst Paulus, 1978, S. 12–16.

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