War Judas beim ersten „Mahl des Herrn“ anwesend?
Johannes 13,2-4; Matthäus 26,20-26

Frederick George Patterson

© SoundWords, online seit: 17.06.2001, aktualisiert: 13.01.2018

Leitverse: Johannes 13,2-4; Matthäus 26,20-26

Joh 13,2-4: Und während des Abendessens, als der Teufel schon dem Judas, Simons Sohn, dem Iskariot, es ins Herz gegeben hatte, dass er ihn überliefere, steht [Jesus], wissend, dass der Vater ihm alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen war und zu Gott hingehe, von dem Abendessen auf und legt die Oberkleider ab; und er nahm ein leinenes Tuch und umgürtete sich.

Mt 26,20-26: Als es aber Abend geworden war, legte er sich mit den Zwölfen zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern. Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, ein jeder von ihnen zu ihm zu sagen: Ich bin es doch nicht, Herr? Er aber antwortete und sprach: Der mit mir die Hand in die Schüssel eintaucht, dieser wird mich überliefern. Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht; wehe aber jenem Menschen, durch welchen der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre jenem Menschen gut, wenn er nicht geboren wäre. Judas aber, der ihn überlieferte, antwortete und sprach: Ich bin es doch nicht, Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt. Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; dieses ist mein Leib.

Frage

Beziehen sich Johannes 13,2-4 und Matthäus 26,20-26 auf dasselbe Abendessen? War Judas gegenwärtig, und wenn ja – wo doch Ungläubige nicht zugelassen werden sollen zum Tisch des Herrn –, warum hat der Herr ihn, da er doch alle Geheimnisse jedes Herzens kennt, zugelassen?

Antwort

Es ist kein Grund, anzunehmen, dass die beiden Passagen sich nicht auf dasselbe Abendessen oder Passahfest beziehen. Judas war gegenwärtig, und während der Andauer hatte Jesus auch das eingesetzt, was die Schrift hernach das „Mahl des Herrn“ nennt. Die Einrichtung des Festes hat jedoch auch nicht die anderen Merkmale offenbart, die nachträglich dazu gegeben worden sind, als es das Symbol der Gemeinschaft in der Kirche wurde. Die Kirche wurde gebildet nach dem Herniederkommen des Heiligen Geistes vom Himmel zu Pfingsten (Apg 2). Erst zu diesem Zeitpunkt begann die Versammlung Gottes zu existieren – erst als die Erlösung vollbracht war und Jesus als Mensch zum Himmel aufgestiegen war, der Heilige Geist herabgestiegen war vom Himmel, um in den Gläubigen zu wohnen und auch in der Versammlung Gottes, nachdem Er alle Glieder Christi in einen Leib getauft hat und sie vereinigt hat zu Christus in der Herrlichkeit. Das Mahl des Herrn wurde anerkannt als Symbol der Einheit des Leibes Christi.

Die erste Einrichtung des Abendmahles umfasst nicht das, was nachher dem Apostel Paulus hierzu offenbart wurde. Er schreibt: „Der Kelch der Segnung, den wir segnen, ist es nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus; das Brot, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn ein Brot, ein Leib sind wir die vielen, denn wir alle sind des einen Brotes teilhaftig“ (1Kor 10,16.17). Das war ein Merkmal, das der ersten Einrichtung des Mahles hinzugefügt wurde. Ein Leib war das, was die Einheit all derer symbolisierte, die mit Christus verbunden und zu einem Leib durch den Heiligen Geist getauft waren.

In 1. Korinther 11,23-26 informiert Paulus uns ganz klar, dass er eine besondere Offenbarung in Bezug auf das Mahl des Herrn hatte. Und natürlich sollten wir auch erwarten, dass das so war, denn er allein hatte die Offenbarung von der Kirche Gottes als einem Leib empfangen. Nun, jetzt ist die Kirche als der Leib Christi nur zusammengesetzt aus gläubigen Gliedern Christi. Wenn sie als solche zusammenkommen in seinem Namen, um das Mahl des Herrn zu essen, dann schließt das nicht den Gedanken ein, dass Ungläubige an dem Mahl unter ihnen teilnehmen können. Selbst solche, die Christi sind und deren Verhalten nicht in Übereinstimmung ist mit der Heiligkeit und Wahrheit, die dem Hause Gottes geziemt, sind ausgeschlossen von dem Tisch des Herrn. Das macht natürlich klar, dass dann erst recht keine Ungläubigen daran teilnehmen dürfen. Wenn Judas das getan hat, so war das, bevor die Kirche überhaupt existierte und bevor das Abendmahl gewisse zusätzliche Merkmale bekommen hatte, wie sie nachträglich durch den Apostel Paulus hinzugefügt worden waren.

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