Ist die „ewige Verdammnis“ ewig?

John Nelson Darby

© EPV, online seit: 08.02.2001, aktualisiert: 08.09.2018

Bedeutet „ewig“ wirklich ewig, und ist damit die „ewige Verdammnis“ ewig?

Gegen die Lehre von der ewigen Verdammnis hat man viele Argumente vorgebracht. Sie sind geeignet, solche, die nur eine geringe Kenntnis des Wortes Gottes haben, wankend zu machen und den Glauben etlicher umzustoßen.

Obgleich ich mich mit dieser Sache schon längere Zeit eingehend beschäftigt habe in der Absicht, darüber ausführlich zu schreiben, habe ich es doch für gut angesehen, zunächst diese kürzere Betrachtung herauszugeben, um unbefestigten Seelen damit zu dienen. Es gibt nämlich Personen, die mit ihren Kenntnissen der griechischen Sprache vor denen, die diese nicht verstehen, glänzen wollen. Solchen zu misstrauen, möchte ich den Lesern dringend ans Herz legen, zumal es ein Leichtes ist, mit seinem erlernten Wissen auf andere Eindruck zu machen, oft mit dem Hintergedanken, ihnen etwas vorzumachen.

Ohne Zweifel ist es nützlich, zum besseren Studium des Neuen Testamentes die griechische Sprache zu beherrschen, weil es in dieser Sprache ursprünglich geschrieben wurde. Es ist auch ganz vernünftig, sich über den griechischen Text mit solchen auszutauschen, die Griechisch können, weil diese über das, was besprochen wird, selbst zu urteilen vermögen. Aber es ist keineswegs gut, griechische Schrifttexte in Gegenwart solcher anzuführen, die die Sprache nicht verstehen. Wie sollten Letztere anhand von ihnen nicht verständlichen Zitaten eine Bibelstelle beurteilen können? Da behauptet z.B. jemand, das Wort „ewig“ bedeute im griechischen Text nicht „ewig“. Eine solche Aussage erscheint dann ganz weise, aber wer will schon beurteilen, wie sich die Sache wirklich verhält? Außerdem ist mir wiederholt aufgefallen, dass diejenigen, die sich des Griechischen im Kreise Unwissender bedienen, hiermit eine gewisse Hinterlist verbinden.

Ich habe auch festgestellt, dass es mit ihrem Griechisch nicht weit her ist, sobald sie von solchen, die diese Sprache beherrschen, auf die Probe gestellt werden. Ohne beanspruchen zu wollen, sehr gelehrt zu sein, darf ich doch sagen, dass ich die griechische Sprache kenne und das Neue Testament im griechischen Text sehr eingehend durchforscht habe. Ich habe mich jedoch niemals dazu verleiten lassen, auch nur das geringste Vertrauen in Aussagen zu setzen, die jene Leute dem griechischen Text unterstellen.

Ganz im Gegenteil. Der Geist Gottes allein ist ein sicherer Führer hinsichtlich der Grundwahrheiten der Schrift für einen jeden Menschen, der über die genannte Gelehrsamkeit nicht verfügt, vorausgesetzt, dass er dem Wort Gottes gegenüber demütig ist. Eine solche Haltung ist nützlicher als Selbstvertrauen auf erlerntes Wissen.

Also: Die Aussagen der Bibel lassen für den einfachsten Gläubigen nicht die geringsten Zweifel hinsichtlich des eingangs genannten Punktes bestehen. Er weiß: Die Pein der Gottlosen ist ewig.

Die Schrift redet hierüber bis ins Kleinste genau. Zugegeben, dass Übersetzungen nicht vollkommen und Menschenwerk sind. Die Ansichten und die Gefühle des jeweiligen Übersetzers bergen die Gefahr in sich, dass sich leicht Mängel einschleichen können. Dennoch bleibt bestehen, dass der Text der allgemein bekannten Bibelübersetzungen der gesunden Lehre entspricht. Der Glaube, der mittels des Wortes in dem einfachsten Gläubigen hervorgebracht wird, empfängt ja von Gott selbst Belehrungen, obgleich es möglich ist, dass hier und da der Grundtext nicht so genau übersetzt wurde, wie es wünschenswert wäre.

Dennoch: Soviel ich weiß, ist keine der Stellen, die die Grundwahrheiten der Heiligen Schrift betreffen und mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben, so übersetzt worden, dass der eigentliche Sinn dadurch entstellt wurde. Es ist für mich wie auch für jeden anderen einfachen und aufrecht denkenden Menschen von grundlegender Bedeutung, dass es die Absicht Gottes war, im Herzen des Bibellesers die Überzeugung wachzurufen, dass das Teil der Bösen die ewige Verdammnis ist. Ich bin also sicher, dass Gott weder die Absicht hatte, die Überzeugung zu wecken, mit dieser Aussage die Unwahrheit gesagt zu haben, noch wollte Er die Seelen durch Vorstellungen erschrecken, die der Wahrheit nicht entsprechen.

Ich möchte jetzt mehrere Schriftstellen nennen, die klare Aussagen über unseren Gegenstand machen. Vorher versichere ich erneut, dass es meine feste Überzeugung ist, dass alle Anstrengungen, die darauf hinauslaufen, diese grundlegende Wahrheit der Bibel zu untergraben, zunichtewurden (und ich sah mich gezwungen, viele Stellen genau zu untersuchen). Die vorgebrachten Argumente sind gekennzeichnet durch Mangel an Aufrichtigkeit, ja oft offenbaren sie Unglauben, jedenfalls sind sie widersprechend und trügerisch. Schließlich stoßen die vorgebrachten sogenannten Beweise andere fundamentale Wahrheiten um. Aber auch das ist noch festzustellen: Eine gesunde Kenntnis des Griechischen vermag den schriftgemäßen Glauben eines einfachen Menschen zu stärken. Mit einigen Worten werde ich am Ende meiner Ausführungen noch einmal unmissverständlich diese Behauptung begründen.

Im Laufe der Betrachtung werde ich eine Anzahl Schriftstellen anführen (von denen einige, wenn sie für sich allein stehend betrachtet werden, nicht zum Beweis dessen dienen könnten, was der Gegenstand der Betrachtung ist), damit die vom Heiligen Geist beabsichtigte Wirkung aus der Fülle von Kundgebungen, die Er abgegeben hat, hervorgeht. Ich möchte den Leser bitten, diesen Stellen seine ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Einige widerlegen mit aller Deutlichkeit die Lehre, dass alle Menschen einmal errettet würden, andere die Behauptung, dass die Bösen ihr Ende darin finden werden, dass ihre Existenz aufgehoben wird. Weitere Schriftstellen zeigen uns, wie unbiblisch der Gedanke vom „lieben“ Gott ist. Diese Vorstellung führt dazu, dass die Majestät und Heiligkeit Gottes, die durch Gericht über die Sünde aufrechterhalten wird, verneint wird; sie führt auch zur Leugnung der bestimmten Tatsache, dass nie Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis bestanden hat oder bestehen wird. Solche Gedanken sind ungöttlich und schriftwidrig. Wiederum widerlegen andere Schriftstellen die sogenannten Beweise, die alle diese Irrtümer bestätigen sollen. Gelangt der aufmerksame Leser zu einem tiefen Verständnis dieser Stellen, so wird er den Irrtum klar erkennen. Manche der aufgeführten Stellen machen die Lehre der Heiligen Schrift besonders deutlich, dass nämlich der Zorn Gottes eine Wirklichkeit ist und dass das Teil der Ungläubigen und der sich gegen Gott auflehnenden Sünder ewige Pein und ewige Qual ist. Schließlich werden wir anhand der Schriftstellen sehen, dass das Wort sich an alle Klassen von Sündern wendet – an solche, die ohne Gesetz gesündigt haben, an die, die sündigten unter dem Gesetz, und an alle, die dem Evangelium nicht geglaubt haben.

Ich werde nun Stellen mit bildlicher Darstellungsweise angeben und solche, die den Gegenstand direkt ansprechen. Es war Gottes Absicht, sowohl Bilder zu geben, die zu überzeugen vermögen, als auch durch klare und bestimmte Aussagen jeden Zweifel über die Belehrung auszuschließen, die Er geben wollte.

Nun die Schriftstellen:

  • Mt 3,10.12: Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum nun, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. … dessen Worfschaufel in seiner Hand ist, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln; die Spreu aber wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.

  • Mt 5,22.29.30: Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder [ohne Grund] zürnt, wird dem Gericht verfallen sein; wer aber irgend zu seinem Bruder sagt: Raka!, wird dem Synedrium verfallen sein; wer aber irgend sagt: Du Narr!, wird der Hölle des Feuers verfallen sein. … Wenn aber dein rechtes Auge dir Anstoß gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Und wenn deine rechte Hand dir Anstoß gibt, so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, als dass dein ganzer Leib in die Hölle komme.

  • Mt 6,15: Wenn ihr aber den Menschen [ihre Vergehungen] nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben.

  • Mt 7,13.23: Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die durch sie eingehen. … Und dann werde ich ihnen erklären: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!

  • Mt 10,33: Wer aber irgend mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

In Matthäus 7,13.23; 10,33 ist es unmöglich, anzunehmen, Christus hätte dieses sowohl von erlösten und erretteten Personen sagen können, als auch von solchen, die für „eine Zeit“ bestraft werden sollten.

  • Mt 8,12: Aber die Söhne des Reiches werden hinausgeworfen werden in die äußerste Finsternis: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

  • Mt 10,28.33: Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als Leib zu verderben vermag in der Hölle. … Wer aber irgend mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

  • Mt 11,22.24: Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch. … Doch ich sage euch: Dem Land von Sodom wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.

  • Mt 12,31.32: Deshalb sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird [den Menschen] nicht vergeben werden. Und wer irgend ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber irgend gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden weder in diesem Zeitalter noch in dem zukünftigen.

  • Mt 13,40-42.49.50: Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. Der Sohn des Menschen wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, welche die Gesetzlosigkeit tun; und sie werden sie in den Feuerofen werfen: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. … So wird es in der Vollendung des Zeitalters sein: Die Engel werden ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern [50] und sie in den Feuerofen werfen: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Man sagt, dass in Matthäus 13,40 und 49 das Wort, das häufig mit „Welt“ übersetzt ist, eigentlich „ZeitaIter“ oder „Zeitabschnitt“ oder „gewisse Zeit“ bedeutet. Auch ich glaube, dass das die bessere Übersetzung ist, aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass nach diesem das angekündigte Gericht folgt.

  • Mt 18,8.9: Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dir Anstoß gibt, so hau ihn ab und wirf ihn von dir. Es ist besser für dich, verkrüppelt oder lahm in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen oder mit zwei Füßen in das ewige Feuer geworfen zu werden. Und wenn dein Auge dir Anstoß gibt, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist besser für dich, einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle des Feuers geworfen zu werden.

Hier wird vom „ewigen Feuer“ oder der „Hölle“ im Gegensatz zum „Leben“ gesprochen. Wer an den einen Ort geht, geht nicht an den anderen. Übrigens: Keiner der genannten Ausdrücke ist so zu verstehen, dass er, wie gelehrt wird, auf einen besonderen Zeitabschnitt der Glückseligkeit anzuwenden ist. „Das Leben“ und „das Feuer der Hölle“ werden einander gegenübergestellt.

  • Mt 22,13: Da sprach der König zu den Dienern: Bindet ihm Füße und Hände und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis: Dort wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

  • Mt 23,33: Ihr Schlangen! Ihr Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen?

  • Mt 25,46: Und diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.

  • Mt 26,24: Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie über ihn geschrieben steht; wehe aber jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre besser für jenen Menschen, wenn er nicht geboren wäre.

Hier wird in Matthäus 25,46 im Griechischen das Wort „ewig“ sowohl in Bezug auf Leben als auch auf die Pein gebraucht.

  • Mk 3,29: … wer aber irgend gegen den Heiligen Geist lästert, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig.

  • Mk 8,36: Denn was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und seine Seele einbüßt?

  • Mk 9,43-49: Und wenn deine Hand dir Anstoß gibt, so hau sie ab. Es ist besser, dass du verkrüppelt in das Leben eingehst, als dass du mit zwei Händen in die Hölle kommst, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Und wenn dein Fuß dir Anstoß gibt, so hau ihn ab. Es ist besser, dass du lahm in das Leben eingehst, als dass du mit zwei Füßen in die Hölle geworfen wirst, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Und wenn dein Auge dir Anstoß gibt, so wirf es weg. Es ist besser, dass du einäugig in das Reich Gottes eingehst, als dass du mit zwei Augen in die Hölle [des Feuers] geworfen wirst, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden, [und jedes Schlachtopfer wird mit Salz gesalzen werden].

  • Lk 12,4.5.9.10: Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts weiter zu tun vermögen. Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen; ja, sage ich euch, diesen fürchtet. … wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Und jeder, der ein Wort sagen wird gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; dem aber, der gegen den Heiligen Geist lästert, wird nicht vergeben werden.

  • Lk 16,19-31: Es war aber ein gewisser reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur und feine Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk. Ein gewisser Armer aber, mit Namen Lazarus, lag an dessen Tor, voller Geschwüre, und er begehrte sich von dem zu sättigen, was von dem Tisch des Reichen fiel; aber auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre. Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln in den Schoß Abrahams getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben. Und in dem Hades seine Augen aufschlagend, als er in Qualen war, sieht er Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Kind, denke daran, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben und Lazarus ebenso das Böse; jetzt aber wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. Und bei all diesem ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, damit die, die von hier zu euch hinübergehen wollen, nicht können und sie nicht von dort zu uns herüberkommen können. Er sprach aber: Ich bitte dich nun, Vater, dass du ihn in das Haus meines Vaters sendest, denn ich habe fünf Brüder, damit er sie dringend warne, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Abraham aber spricht [zu ihm]: Sie haben Mose und die Propheten; mögen sie auf diese hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, werden sie Buße tun. Er sprach aber zu ihm: Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.

  • Joh 3,3.15.36: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. … damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern] ewiges Leben habe. … Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

  • Joh 5,29: Und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.

In Bezug auf die letzte Stelle wird richtig gesagt, dass hier „Gericht“ zu übersetzen ist und nicht „Verdammnis“, wie es teilweise geschehen ist. Aber dieses wird doch in Gegensatz zum „Besitz des Lebens“ gestellt. Übrigens gilt bezüglich des Gerichtes, dass dadurch „keine lebendige Seele gerechtfertigt wird“. Dieses Gericht wird am Ende aller Dinge stattfinden.

  • Joh 6,53: Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst.

  • Joh 8,24: Daher sagte ich euch, dass ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glaubt, dass ich es bin, so werdet ihr in euren Sünden sterben.

  • Apg 1,25: … das Los dieses Dienstes und Apostelamtes zu empfangen, von dem Judas abgewichen ist, um an seinen eigenen Ort zu gehen.

  • Röm 1,18: Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen.

  • Röm 2,5-16: Nach deinem Starrsinn und deinem unbußfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken: denen, die mit Ausharren in gutem Werk Herrlichkeit und Ehre und Unvergänglichkeit suchen, ewiges Leben; denen aber, die streitsüchtig und der Wahrheit ungehorsam sind, der Ungerechtigkeit aber gehorsam, Zorn und Grimm. Drangsal und Angst über jede Seele eines Menschen, der das Böse vollbringt, sowohl des Juden zuerst als auch des Griechen; Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen; denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott. Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden (denn nicht die Hörer des Gesetzes sind gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur die Dinge des Gesetzes ausüben, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz, solche, die das Werk des Gesetzes geschrieben zeigen in ihren Herzen, wobei ihr Gewissen mitzeugt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen) an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richten wird nach meinem Evangelium durch Jesus Christus.

  • Röm 9,22: Wenn aber Gott, willens, seinen Zorn zu erweisen und seine Macht kundzutun, mit vieler Langmut ertragen hat die Gefäße des Zorns, die zubereitet sind zum Verderben …

Römer 9,22 zeigt, dass Gott willens ist, „seinen Zorn zu erzeigen und seine Macht kundzutun“. Gott ist Liebe, aber Er ist Gott; und die Rechte Seiner Majestät müssen gegen jede Auflehnung und Sünde aufrechterhalten werden.

  • Mk 16,16: Wer da glaubt und getauft wird, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

  • 1Kor 1,18: Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die wir errettet werden, ist es Gottes Kraft.

  • 1Kor 3,15: Wenn das Werk jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.

  • Phil 1,28: … euch in nichts erschrecken lasst von den Widersachern; was für sie ein Beweis des Verderbens ist, aber eures Heils, und das von Gott.

  • Phil 3,18.19: Denn viele wandeln, von denen ich euch oft gesagt habe, nun aber auch mit Weinen sage, dass sie die Feinde des Kreuzes des Christus sind: deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch und deren Ehre in ihrer Schande ist, die auf das Irdische sinnen.

  • 2Thes 1,8-10:in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus [Christus] nicht gehorchen; die Strafe erleiden werden, ewiges Verderben vom Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit seiner Stärke, wenn er kommt, um an jenem Tag verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert zu werden in allen denen, die geglaubt haben; denn unser Zeugnis bei euch ist geglaubt worden.

  • 2Thes 2,10-12: … und in allem Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verlorengehen, darum, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden. Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit.

  • 1Tim 6,9: Die aber, die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, die die Menschen versenken in Verderben und Untergang.

  • Heb 6,4-6: Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie den Sohn Gottes für sich selbst kreuzigen und ihn zur Schau stellen.

  • Heb 10,4. 26-31: Denn unmöglich kann Blut von Stieren und Böcken Sünden wegnehmen. … Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. Jemand, der das Gesetz Moses verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen; wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird der wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt worden ist, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat? Denn wir kennen den, der gesagt hat: Mein ist die Rache, ich will vergelten, [spricht der Herr]. Und wiederum: Der Herr wird sein Volk richten. Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!

  • Jak 5,20: So wisse er, dass der, der einen Sünder von der Verirrung seines Weges zurückführt, eine Seele vom Tod erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird.

  • 2Pet 2,9.17.21: Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber aufzubewahren auf den Tag des Gerichts, damit sie bestraft werden; … Diese sind Quellen ohne Wasser, und Nebel, vom Sturmwind getrieben, denen das Dunkel der Finsternis aufbewahrt ist [in Ewigkeit]. … Denn es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, sich abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot.

  • 2Pet 3,7: Die jetzigen Himmel aber und die Erde sind durch dasselbe Wort aufbewahrt für das Feuer, behalten auf den Tag des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen.

  • 1Joh 5,12: Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.

  • Jud 13: … wilde Meereswogen, die ihre eigenen Schändlichkeiten ausschäumen; Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist.

  • Off 14,9-11: Und ein anderer, dritter Engel folgte ihnen und sprach mit lauter Stimme: Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und ein Malzeichen annimmt an seine Stirn oder an seine Hand, so wird auch er trinken von dem Wein des Grimmes Gottes, der unvermischt in dem Kelch seines Zorns bereitet ist; und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt.

  • Off 20,10-15: Und der Teufel, der sie verführte, wurde in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo sowohl das Tier ist als auch der falsche Prophet; und sie werden Tag und Nacht gepeinigt werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden. Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken. Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.

  • Off 21,5-8: Und der, der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht [zu mir]: Schreibe, denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. Wer überwindet, wird dieses erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein. Den Feigen aber und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Hurern und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist.

In 1. Korinther 1,18, ebenso wie in Markus 16,16, finden wir den Gegensatz zweier Zustände. Es gibt solche, die verlorengehen und verdammt sind, und solche, die errettet werden. Auch für den einfachsten Leser wird es nicht schwer sein, dieser Stelle zu entnehmen, dass die Ersteren nicht errettet sein können. Die einen werden errettet und die anderen gehen deshalb verloren, weil sie das Kreuz Christi verworfen haben.

Diese vielen Stellen zeigen uns ganz deutlich: Einerseits ist Gottes Zorn aufbewahrt gegen jede Gottlosigkeit, andererseits ist Seine Liebe in Christus offenbart worden. Es ist wirklich nicht schwer zu verstehen, dass die Verdammnis die notwendige Folge der Verachtung einer solchen Liebe und des Ungehorsams dem Evangelium gegenüber sein muss. Bei denen, die unter Gottes Zorn stehen, „wird ihr Wurm nicht sterben und das Feuer nicht erlöschen“. Vergebung kann ihnen nie zuteil werden. Sie sind nicht errettet, sondern verloren und werden gequält von Ewigkeit zu Ewigkeit in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt. Weil sie das Opfer von Golgatha verachtet haben, gibt es kein weiteres Opfer für ihre Sünden. Die Menschen suchen aber diesen klaren Zeugnissen auszuweichen, indem sie ihnen widersprechende Überlegungen anstellen und ihre Kenntnisse des Griechischen dabei in den Vordergrund schieben.

Man hat zwei Systeme entwickelt, durch die man solch zu verlässige Schriftstellen beiseitezusetzen versucht. Das eine besagt, dass alle einmal errettet werden, alle, der Teufel selbst eingeschlossen, wobei es einige der Leute dieses Schlages nicht lieben, sich über ihre Gedanken klar genug auszusprechen. Dem anderen nach ist die Seele keineswegs unsterblich. Die Bösen, so wird gelehrt, werden nicht errettet und werden mit der Zeit vom Feuer der Hölle verzehrt.

Aber diese beiden Systeme zerstören sich gegenseitig. Das zweite geht besonders in England um, das erste in anderen Ländern. Diejenigen, die das zweite unterstützen, sagen vom ersten, es sei ungeheuerlich und schriftwidrig. Zunächst berufen sie sich dabei auf solche Stellen, die besagen, dass es Menschen geben wird, die verdammt und solche, die gerettet sein werden. Dann verweisen sie auf eine Menge Schriftstellen, die davon reden, „dass Seele und Leib in der Hölle umgebracht werden“ oder ähnlich starke Aussprüche enthalten. Sie sagen auch Folgendes: Sollten alle errettet sein, so sind es etliche ohne Versöhnung und ohne Wiedergeburt, gibt es doch solche, die das eine verworfen und das andere verachtet haben und für die deshalb „kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig bleibt“. In der Tat scheint nichts einleuchtender zu sein als dieses. Hinsichtlich des Teufels und seiner Engel verhält es sich dann ebenso, denn wenn man derartige Ansichten hat und konsequent sein will, muss man auch von ihnen sagen, sie würden errettet. Schließlich wird noch gesagt, dass Gott alles in allem sein wird, und weil Er Liebe ist, kann Er die Pein nicht ewig fortbestehen lassen. Wenn es so wäre, würden selbst die Dämonen errettet. Indessen, sie haben keinen Christus, keinen Heiland, so dass, wenn ich dieser Lehre nach einem Menschen sagen würde, dass er ohne den Herrn Jesus nicht errettet werden könnte, ich ihm nicht die Wahrheit sage, da ja eben dieser Lehre gemäß die Menschen auch ohne Ihn errettet werden. Das bedeutet also, dass das ganze Evangelium hinsichtlich aller Aussagen vollkommen umgestoßen ist.

Für jeden aufrichtigen Menschen ist es aber doch wirklich ganz klar, dass, wenn die Bibel sagt: „Wer glaubt, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“, dieses nicht bedeuten kann, dass, „wer nicht glaubt“, dennoch errettet werden wird wie derjenige, „der glaubt“, auch wenn die Einschränkung gemacht wird, ein solcher habe für eine gewisse Zeit eine Strafe zu erleiden. Dies alles ist die Lehre der erstgenannten Gruppe, der Allversöhner, wie man sie nennt. Und wenn die Bibel sagt, dass jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat (Joh 3,16), so ist damit doch klar genug ausgedrückt, dass das nicht bedeuten kann, dass auch die, die nicht geglaubt haben, ewiges Leben haben und nicht verlorengehen. Wenn geschrieben steht: „Ihr Ende ist Verderben“, so ist doch völlig klar, dass das nicht bedeuten kann, ihr Ende sei ebenso glücklich wie das der anderen, auch wenn dieses Glück erst einige Zeit später zu erreichen ist. Wenn ferner geschrieben steht: „Es wird nicht vergeben werden“, so soll das gewiss nicht heißen, dass solche doch einmal Vergebung erlangen. Obwohl es heißt: „Wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“, möchten manche lehren, man käme unversehrt daraus hervor, um in die Herrlichkeit einzutreten, zusammen mit denen, die errettet werden.

Gott hat gesagt: „Diese werden hingehen in die ewige Pein, die Gerechten aber in das ewige Leben.“ Wer könnte da glauben, dieses Wort bedeute, dass die, welche verdammt sind, nur für eine kurze Zeit in Qualen wären und das ewige Leben ebenso wie die anderen haben oder empfangen werden? Das ewige Leben und die ewige Pein – beides also ewig – sind übereinstimmende Ausdrücke und das Wort „ewig“ hat in beiden Fällen die gleiche Bedeutung. Man predigt auch, „ewig“ bedeute nicht in beiden Fällen ewig. Aber wer möchte glauben, dass „das ewige Leben“ nicht gleichbedeutend sei dem Leben von Ewigkeit zu Ewigkeit? Wenn seine ewige Dauer nur vom Wort „Leben“ herzuleiten ist (denn es ist das Leben des Christus), warum die Hinzufügung des Wortes „ewig“? Es macht selbst dem einfältigen Leser Mühe zu glauben, dass das Wort „ewig“ – und das wird häufig gepredigt – eine Hinzufügung sei, um das Leben im zukünftigen Zeitalter zu begrenzen, genau gesagt auf das Tausendjährige Reich. (Sie stützen diese Behauptung auf „ihr Griechisch“, worüber gleich noch ein Wort gesagt werden soll).

Das aber ist nichts als ein schrecklicher Trugschluss; ist uns doch genau gesagt, dass wir dieses Leben jetzt schon besitzen und zwar, bevor das Tausendjährige Reich in Erscheinung tritt. „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben.“ Es ist also klar gesagt, dass die Pein der Gottlosen von gleicher Dauer ist wie das Leben der Erlösten. Darüber hinaus steht geschrieben, dass seine Dauer gleich der des Lebens Gottes ist. In Offenbarung 4,10 wird von den Ältesten gesagt, dass sie „den anbeten, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit“. In Offenbarung 14,11 heißt es: „Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (siehe auch Off 20,10 und andere Stellen).

Wenn also klar gesagt ist, dass die Pein der Bösen ebenso lange währt wie das Leben der Glückseligen, ja wie das Leben Gottes selbst, so frage ich: Hätte Gott wohl die ewige Dauer dieser Pein den Lebenden besser klarmachen können? Gott hat betreffs der Bösen gesagt: „Ihr Wurm stirbt nicht.“ Hätte Er solchen Aussagen noch stärkere hinzufügen können, um den Menschen eine klare Vorstellung der ewigen Pein zu geben? Es ist gut, Offenbarung 20,15 zu beachten. Da steht, dass die Bösen in den Feuersee geworfen werden. Das betrifft unzweideutig die Zeit nach dem Tausendjährigen Reich, wenn alles zu seinem Ende gelangt ist und „Gott alles in allem sein wird“.

Die Verfechter der zweiten Irrlehre haben erklärt, es sei längst bewiesen, wie widersinnig und unhaltbar die erste ist. So kam es eben zu der zweiten. Hiernach ist die Seele keineswegs unsterblich; der Tod bedeutet ganz einfach Beendigung des Daseins und folglich ist das Leben nur in Christus zu finden. Das führt zu dem Gedanken, dass die Bösen aufhören werden zu existieren, und zwar nicht ohne eine gewisse Zeit gequält worden zu sein und Strafen empfangen zu haben, um dann vom Feuer der Hölle verzehrt zu werden; schließlich würden sie – wie schon gesagt – aufhören zu existieren. Diese Lehre ist in England sehr verbreitet.

Aber vom Beginn ihres Auftretens an zeigte sich ihre Unhaltbarkeit. Wenn durch den Tod das Dasein ausgelöscht wird – die Seele also nicht unsterblich ist – und im Jenseits alles nur in Christus lebt, wie ist es dann möglich, dass die Bösen auch nach dem Tod noch weiterleben, wenn auch nur, um bestraft zu werden? Von woher beziehen sie denn dieses Leben? Denn um bestraft zu werden, müssen sie ja Leben haben. Man führt den Vers an: „Wer den Sohn hat, hat das Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.“ Wenn Letzteres wörtlich bedeuten soll, dass die Bösen nach dem Tod aufgehört haben zu existieren, so können sie auch kein Leben haben, um bestraft zu werden. Jedem wahren Christen ist es hingegen klar, dass das Wort „Leben“ in obiger Schriftstelle in dem Sinn gebraucht wird, dass die Erlösten in der Glückseligkeit leben werden bei Gott. Hingegen beziehen sich die Worte „hat das Leben nicht“ auf solche, die das natürliche Leben „haben“, aber tot sind in ihren Vergehungen und Sünden. Sie haben kein göttliches Leben, keine Segnungen vonseiten Gottes, weil sie noch nicht der Sünde gestorben sind und Gott leben.

Andererseits sagt die Bibel sehr klar und zuverlässig, dass es nach dem Tod für alle, die nicht errettet sind, Zorn, Qual, Gericht und Pein gibt. Wollte man das verneinen, müsste das ganze Zeugnis Gottes geleugnet werden. Wahrheit ist vielmehr, dass es ein Leben auch nach dem Tod gibt, und Sterben nicht Ende des Daseins überhaupt bedeutet, sondern das Ende des Daseins hinsichtlich der Vereinigung von Seele und Leib, wie es hier auf Erden ist. Das sagt die Bibel in Hebräer 9,27 unmissverständlich: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ Dieses Gericht, das den Menschen treffen wird, findet nach dem Tod statt. Es ist Gottes Zorn und erfasst alles, was von den Folgen der Sünde durchdrungen ist. Es ist wahr, dass die Sünde immer ins Elend führt. Weit entfernt liegt jedoch der Gedanke, der Tod sei das Ende des Menschen. Vielmehr sagt Gottes Wort in Wahrheit und Folgerichtigkeit, dass die Auswirkungen des Zornes Gottes sich erst offenbaren nach dem Tod, und zwar mittels der Gerichte. Merken Sie gut auf: Diese Stelle richtet sich nicht besonders an solche, die von Christus gehört haben, obwohl diese sich zweifelsohne in höchstem Maße schuldig gemacht haben und geschlagen werden müssen „mit vielen Schlägen“. „Es ist den Menschen gesetzt“ usw. Der Tod und das Gericht sind also das Teil aller Menschen, weil sie ihrer Natur nach Sünder sind. In Hebräer 9,27.28 finden wir die Auswirkungen des Todes dessen, der die Sünden vieler getragen hat auf diejenigen, die errettet sind und im Gegensatz dazu das, was den Menschen gesetzt ist.

Die Bibel sagt weiter: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen. Aber fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen“ (Lk 12,4.5). Der Lohn der Sünde ist der Tod. Die genannte Schriftstelle besagt jedoch, dass er, für sich betrachtet, von geringerer Bedeutung ist im Vergleich zu dem, was „danach kommt“. Danach wird nämlich der volle Lohn der Sünde empfangen, sowohl für den Leib als auch für die Seele, und zwar in der Hölle. Gerade das ist zu fürchten.

Es ist hier noch zu beachten, dass nichts zu dem Gedanken berechtigt, dass die Seele eines Menschen zugleich mit seinem Leib stirbt. So wird es fälschlich behauptet von solchen, die da lehren, dass der Tod einzig und allein den Lohn der Sünde darstellt. Man nimmt dazu Bezug auf die Bibelstelle: „Denn welches Tages du davon isst, wirst du gewisslich sterben.“ Die Drohung, die diese Aussage Gottes enthält, soll als Beweis dafür herhalten, dass der Mensch nicht unsterblich geschaffen sei. (Andere lehren wiederum, der Mensch sei von Anfang an unsterblich gewesen; sie sind also in ihren Lehren nicht übereinstimmend.) Denn, so sagen sie, warum könnte sonst gesagt werden: „Du wirst sterben“, wenn der Mensch unsterblich ist? Im Gegensatz hierzu denke ich, dass uns durch diese Schriftstelle gerade ein deutlicher Beweis gegeben wird, dass der Mensch unsterblich ist. Wenn ich einem Kind sagen würde: „Tust du dieses oder jenes, so wirst du gestraft“, so bedeutet das doch gewiss nicht, dass es in allen Fällen gestraft wird. So auch die Worte: „Wenn du isst, wirst du sterben.“ Sie stellen klar: Sollte der Mensch vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen, würde die Folge davon der Tod sein. So stellt es auch der Apostel dar und schreibt: „Gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben.“ Es ist offensichtlich, dass der Tod, der eintrat, nicht das Ende des Daseins war, da es ja „den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht.“ Und ich wiederhole: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und nach diesem nichts weiter zu tun vermögen, aber fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Hölle zu werfen.“

Wir haben also vonseiten Gottes eine zuverlässige Offenbarung, die die schriftwidrigen Aussagen der falschen Lehrer aufdeckt und beweist: Der Tod ist nicht allein der Lohn der Sünde, sondern nach dem Tod folgt das Gericht. Um sich herauszuwinden, sagen sie nun, dass der Tod der Lohn der Sünde für Adam war, aber dass die Pein der Lohn unserer eigenen Sünden sei. Aber so stellt der Apostel die Dinge nicht dar. Er sagt: „Also ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“, was besagt, dass die Sünde aller Menschen gebunden ist an die Sünde Adams und alle damit dem Tod unterworfen sind. Damit sind also jene Lehrer überführt.

Aber selbst wenn ihre Behauptung durch diese Erklärung des Apostels noch nicht zu Fall gebracht sein sollte, bleibt noch dieses zu sagen: Wenn Adams Sünde den Tod seiner Nachkommenschaft nach sich zog und wenn der Mensch nicht unsterblich ist, wie sie lehren, woher empfangen die Sünder Leben nach dem Tod, jedenfalls dieser Lehre nach, obwohl sie nicht mehr bestehen? Ihre Sünden können es ihnen doch nicht geben. Man will uns lehren, es gibt keine Unsterblichkeit, da über den Menschen das Urteil des Todes ausgesprochen sei und ferner, dass es kein Leben außer in Christus gibt. Sie sehen, wohin solche Gedankengänge führen: Die Sünder haben Leben in Christus, um für ihre Sünden bestraft zu werden, aber dieses Leben, das sie in Christus haben, ist kein ewiges Leben. Wäre es das, so müssten sie ewig unglücklich sein, da das ewige Glück oder die Errettung nicht ihr Teil sind. Darüber hinaus würde dieses Leben, das sie in Christus haben, um bestraft zu werden, dazu bestimmt sein, verzehrt zu werden durch den Zorn und das Gericht Gottes. Da dieses Leben also nicht in Christus ist, ein Leben, das von Ihm Selbst kommt, so macht auch der Tod dem Dasein eines Menschen kein Ende; der Tod hat keineswegs die Wirkung, die ihm fälschlich beigemessen wird, mit einem Wort: Der Mensch ist ein unsterbliches Wesen.

Aber es gibt noch mehr Beweise: Wozu war wohl der Tod des Herrn Jesus nötig gewesen? Einige falsche Lehrer sagen, dass dieser Tod ganz einfach der Tod als Lohn der Sünde war, nicht mehr. Aber „er selbst hat unsere Sünden getragen“. Wenn nun unsere Sünden, wie jene sagen, nur eine gewisse Bestrafung nach sich zögen, so hätte Christus nicht nötig gehabt, den Zorn Gottes, der uns als verlorene Sünder treffen muss, abzuwenden, sondern nur eine teilweise Pein. Aber darüber hinaus sagen sie, dass der Tod Christi für die Bösen den Tod abgewendet habe, damit sie noch bestraft werden könnten. Er hat also ihre Sünden nicht getragen – das ist doch klar –, da sie ja für ihre Sünden noch bestraft werden. Sie rechnen so, dass der Tod Christi nötig war, um den Bösen das Leben zu erhalten, damit sie bestraft und schließlich vernichtet werden könnten und dass der Tod Christi vonseiten Gottes zu diesem Zweck für sie bestimmt war.

Achten Sie darauf, dass diese Irrlehrer alle möglichen Ausdrücke im Munde führen, nur nicht den von der „ewigen Pein“, z.B.:

  • Ihr Ende ist das Verderben.
  • Sie werden das Leben nicht sehen.
  • Ihnen wird nicht vergeben werden.
  • Sie haben kein Leben in sich.
  • Christus wird sie verleugnen.
  • Er hat sie niemals gekannt.

Mit Hilfe solcher Formulierungen versucht man, an der wahren Bedeutung des griechischen Wortes „ewig“ vorbeizukommen und lässt diesbezügliche Schriftstellen außer Betracht. Sie geben vor, das Wort „ewig“ sei nur in Verbindung mit der Herrlichkeit des kommenden Tausendjährigen Reiches zu verstehen. Ich glaube an die Herrlichkeit jener Zeit, aber ich wiederhole, das im Griechischen das Wort „ewig“ keinesfalls in dem von ihnen fälschlicherweise behaupteten Sinn zu verstehen ist. Ich fordere jeden, der Griechisch kann, auf, mir eine einzige Schriftstelle zu nennen, die diese Bedeutung haben könnte. Das Wort „ewig“ wird im Neuen Testament 68-mal gebraucht (und zwar das griechische Wort), wobei ich die drei Schriftstellen nicht mitzähle, in denen es sich auf die Vergangenheit bezieht; in keinem Falle kann nachgewiesen werden, dass dieses mit Bezug auf das Tausendjährige Reich angewandt wurde. In vielen Fällen ist es offensichtlich, dass „ewig“ ewig bedeutet, andere Stellen lassen eine Verbindung mit dem Reich nicht zu, auch wenn gesagt wird, es sei darauf anzuwenden. Ich zitiere einige deutliche Stellen in Bezug auf beide Punkte: Die folgenden Stellen zeigen zunächst unzweideutig die Bedeutung „ewig“ :

  • 2. Korinther 4,18: „Das, was man sieht, ist zeitlich, das aber, was man nicht sieht, ewig.“
  • 2. Korinther 5,1: „ein Haus, nicht mit Händen gemacht, ein ewiges, in den Himmeln“.
  • 1. Timotheus 6,16: „dem Ehre sei und ewige Macht“.
  • 1. Petrus 5,10: „der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit“.
  • Hebräer 5,9: „ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden“.
  • Hebräer 9,12: „als er eine ewige Erlösung erfunden hatte“.
  • Hebräer 9,14: „der durch den ewigen Geist sich selbst Gott geopfert hat“.

Diese Stellen zeigen deutlich, was die eigentliche Bedeutung des Wortes „ewig“ ist, im Gegensatz zu zeitlich.

Weiterhin wird der Leser bald feststellen, dass auch der zweite Punkt der Irrlehre, nämlich dass mit „ewig“ das Tausendjährige Reich gemeint sei, auf keinen Fall der Lehre der Bibel entspricht. Denn der Ausdruck „ewiges Leben“ findet ebenso häufig Anwendung auf das Leben in Christus, das wir schon hier auf der Erde besitzen, als auch auf das Leben, das unser Teil in der zukünftigen Welt sein wird. Es handelt sich ja um Leben aus Gott, das uns tatsächlich gegeben ist, also um eine Wirklichkeit für diese Zeit als auch für die Ewigkeit. Ohne Zweifel wird das ewige Leben erst völlig offenbar werden in der Ewigkeit, aber natürlich besitzen wir es jetzt schon und so sagt es auch die Schrift, so dass der Ausdruck gewiss nicht einen Zustand im Reich bezeichnet, obgleich wir das Leben zu jener Zeit ebenso besitzen werden, wie es schon jetzt unser Teil ist.

Das mit „ewig“ oder „auf immerdar“ übersetzte Wort bedeutet manchmal etwas, was nicht ewig ist, wobei aber der Zusammenhang Beachtung finden muss. Es wird benutzt, um die Dauer einer Sache auszudrücken, die sich beständig fortsetzt ohne unterbrochen zu werden, obschon die Sache ihrer Natur nach nicht fortwähren kann. Folglich bezeichnet es die ganze Dauer eines bestimmten Zeitabschnittes – wie das Leben eines Menschen oder den vollständigen Ablauf des gegenwärtigen bösen Zeitlaufs bzw. einen abgeschlossenen Zeitraum. Wird es jedoch gebraucht in Bezug auf das Thema, das uns beschäftigt, so gibt es nicht den geringsten Zweifel, dass es „ewig“ bedeutet, wie überall da, wo es nicht in einem besonderen Zusammenhang gebraucht wird, der die Bedeutung einschränkt. Wenn es andererseits mit „ewiglich“ oder „auf immerdar“ übersetzt ist, bedeutet es niemals das Tausendjährige Reich, wie es behauptet wird. Ich könnte weitere Argumente bringen, die sich auf die Verwendung des Wortes im Griechischen stützen. Aber ich möchte mich darüber hier nicht weiter auslassen, da ich fürchten muss, solche zu verwirren, die diese Sprache nicht verstehen. Dennoch finden wir in einer Schriftstelle, die Bezug auf unseren Gegenstand hat, einen klaren Beweis, dass das Wort „ewig“ sich nicht auf das Tausendjährige Reich bezieht. Die Stelle lautet: „Gehet von mir, Verfluchte, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln.“ Wie sie nun selber sagen, werden die Teufel und Engel dort nicht vor dem Ende des Tausendjährigen Reiches sein, so dass das Wort also unmöglich „Tausendjähriges Reich“ bedeuten kann .

Sie beharren weiter auf den Wörtern „vernichten“ und „Vernichtung“. Aber wir haben doch längst bewiesen, dass dieses hier keineswegs in dem Sinn zu verstehen ist, als würde ihr Sein ausgelöscht, weil ja ihr Fortleben nicht weniger lange währt als das der Glückseligen, ja, als das Leben Gottes selbst. Übrigens ist es klar, dass in vielen Stellen dieses Wort wirklich nicht die Bedeutung hat, die ihm beigelegt wird. Das wird selbst der Titel zeigen, der dem Engel des Abgrundes gegeben ist: Er wird Apollyon genannt, was auch Vernichter bedeutet. Ohne Zweifel richtet er eine große Anzahl Menschen zugrunde, aber „vernichten“ in dem angedeuteten Sinne kann er nicht. Das gleiche Wort wird auch in folgenden Stellen gebraucht: „… durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt, unterging“, und: „die verlorenen Schafe des Hauses Israels“, und das ist der stärkste Ausdruck, der überhaupt gebraucht wird.

Damit habe ich einige zuverlässige Beweise erbracht, die der Lehre der Schrift entsprechen und dem Wort Gottes entnommen sind. Auch habe ich eine Antwort gegeben auf die hauptsächlichsten Argumente beider Systeme, die auf Irrtümern errichtet sind. Ein aufmerksamer Christ wird finden, dass das eine wie das andere dem Werk Christi Abbruch tut, ebenso den Rechten und der Heiligkeit Gottes. In der Tat stirbt also der Mensch und hat Christus und den Heiligen Geist abgewiesen – und für solche bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig – und sollte dann trotzdem errettet werden, so wäre es für uns nicht nötig, durch dieses Mittel errettet zu werden. Wenn andererseits der leibliche Tod allein der ganze Lohn der Sünde wäre, so wäre der Mensch nicht unsterblich. Damit würden die Leiden des Sohnes Gottes, Sein Verlassensein von Gott und das Fühlen der Rute Seines Zornes für nichts geachtet. Sie sind dann nicht mehr die Folge der Heiligkeit und Majestät Gottes, die aufrechterhalten bleiben mussten, eines Gottes, der „zu rein ist von Augen, um Böses sehen zu können“. Würde man den falschen Lehrern folgen, hätte Christus jedenfalls von einer Gruppe von Menschen nur gewisse zeitliche Strafen abgewendet und sie anderen für eine Zeit auferlegt, da ja ohne Ihn die Menschen aufhören würden zu existieren so wie ein Pferd oder ein Hund. Er hätte also einigen das ewige Leben gegeben, anderen für eine gewisse Zeit Leben, um darin unglücklich zu sein. Ich denke, dass es nicht einen einzigen Christen gibt, der nicht sieht, dass Gott uns solches nicht lehrt. Die Bibel liefert uns wirklich nicht den geringsten Anhaltspunkt, weder für die eine noch für die andere Lehre. Man führt an, dass im Kolosserbrief steht: „Es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen, und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen.“ Aber hier handelt es sich doch nur um die sichtbare Schöpfung, also sind die Geschöpfe ausgenommen, die im Philipperbrief erwähnt und verpflichtet sind, ihre Knie vor Ihm zu beugen. Sie werden als die Unterirdischen bezeichnet – genau gesagt als die Bewohner der Hölle. Aber diese sind doch nicht in die Versöhnung eingeschlossen. Vergleicht man also diese Stelle aus Kolosser 1,19.20 mit Philipper 2, so beweist sie genau das Gegenteil dessen, was man behauptet.

Wir erhalten nun als Ergebnis unserer Untersuchung zwei Lehraussagen der Heiligen Schrift von größter Tragweite:

  1. die ewige Pein als die schreckliche Folge des Hasses im Herzen der Menschen gegen Gott.
  2. die ewige Glückseligkeit, also die Folge der freien und gesegneten Gnade Gottes.

Der eine wie der andere Grundsatz ist uneingeschränkt aufrechtzuerhalten gemäß dem klaren Zeugnis der Bibel. Dieses Zeugnis wird, so kann allgemein gesagt werden, derjenige Christ glauben, dessen Herz einfältig ist.

Nicht unbekannt sein dürfte, dass das gerechte Gericht, das Gott ausübt, und die Pein, die Er auferlegt, Seiner Gerechtigkeit entsprechen, „viele Schläge“ oder „wenige Schläge“ (Lk 12,47.48). Zu beachten ist auch, dass ein Unterschied besteht zwischen solchen, die ohne Gesetz verlorengehen, und jenen, die durchs Gesetz gerichtet werden (obwohl beide von der Gegenwart Gottes ausgeschlossen und dem Gericht unterworfen sind, das Seine Widersacher treffen wird). Ebenfalls dürfte nicht unbekannt sein, dass Gott, der in Seiner freien Gnade viele zur Herrlichkeit berufen hat, auch weiß, wann und wie Er ihnen einen Platz gibt zu Seiner Rechten und zu Seiner Linken in Seinem Reich, und zwar so, „wie er einem jeden bereitet hat“, also indem Er jedem seinen Lohn austeilt seinen Werken entsprechend. Dabei besteht kein Unterschied hinsichtlich ihres gemeinsamen Teiles, nämlich bei Christus in ewiger Glückseligkeit, ja Ihm gleich zu sein.

Der Gedanke an die ewige Pein ist in der Tat sehr ernst. Aber ich darf sagen, dass das Studium der Bibel über diesen Gegenstand nicht einen einzigen unklaren Gedanken betreffs der Wahrheit dieser Lehre in meinem Geist zurückgelassen hat. Gleichzeitig hat mich das Studium der Lehrsysteme, die dieser Wahrheit entgegenstehen, völlig überzeugt, dass sie trügerisch und oberflächlich sind, dass sie weder durch den Heiligen Geist eingegeben sein können, noch der Wahrheit des Wortes Gottes entsprechen und dass ein verständiges und eingehendes Studium der griechischen Sprache, auf die sie sich ja berufen, ihre Behauptungen zuschanden macht.

Wenn Sie noch in Ihren Sünden sind, merken Sie gut auf: Sie meinen vielleicht, berechtigt zu sein, Gottes Tun zu beurteilen und kompetent zu sagen, für welches Maß an Sünde Gott welches Maß an Strafe bestimmen soll. Bedenken Sie aber, dass es Gottes Sache ist, Sie zu richten. Die Vorstellung, dass Er Liebe ist und gemäß derselben zu handeln verpflichtet sei und es demnach keine ewige Pein geben dürfe, ist unverständig, böse und der Bibel entgegen. Er ist Liebe, aber Er ist Gott und handelt frei in Seiner Liebe gemäß Seiner Heiligkeit. Jawohl: Gott ist Liebe, aber der, welcher Liebe ist, ist Gott. Liebe ist ein Wesenszug Gottes, aber die Frage lautet nicht: „Was ist Er?“, sondern: „Wer ist Er?“ Gott ist auch Licht und „er tut das, was ihm gefällt“.

Beachten Sie allen Ernstes Folgendes: Sobald Gottes Geist Ihr Gewissen berührt hat, wissen Sie, dass Sie es verdient haben, für immer aus der Gegenwart Gottes ausgeschlossen zu sein. Sie fühlen, dass der ewige Zorn Gottes und die ewige Pein Ihr verdientes Los ist. Solange Sie das nicht fühlen, wissen Sie noch nicht, was Sünde ist in dem Sinne, wie Gott es uns hat wissen lassen. Ich bitte Sie deshalb sehr herzlich zu beachten, dass es sich bei dieser so wichtigen Frage weder darum handelt, was Er sein kann, noch was Er sein könnte. Sie sind ein Sünder. Also fragen Sie ihr eigenes Gewissen: Was verdient die Sünde? Wenn es sich um die Frage handelt, was die Sünde verdient, so ist auch danach zu fragen, was Christus auf Sich genommen hat, als Er das Sühnungswerk vollbrachte: denn Er Selbst hat unsere Sünden getragen, ja mehr noch: Er wurde für uns zur Sünde gemacht.

Gott redet unmissverständlich von Zorn, Unwillen und Rache wegen der Sünde. Was war denn der der Sünde gebührende Zorn, den Christus ertrug, als Er unsere Sünden an Seinem Leib auf dem Holz getragen hat? Das ist keine theoretische Frage über etwas, das sein könnte, vielmehr handelt es sich um das, was Sie errettet. Sie glauben doch wohl nicht, dass Christus, als Er Seine Seele als Opfer für die Sünde darbrachte, nur gewisse, vorübergehende Leiden ertrug und dadurch für immer die Sünde aus der Gegenwart Gottes entfernte? Glauben Sie etwa, dass sich allein darauf der Zorn Gottes beschränkt hätte? Man versucht Sie zu verwirren, indem diese kostbare Wahrheit zu der Behauptung missbraucht wird, dass die göttliche Natur des Christus Seinem Opfer einen unbegrenzten Wert gab. Dass es so ist, dafür sei Gott gepriesen!

Aber „er selbst hat unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen“. „Gott hat ihn zerschlagen, er hat ihn leiden lassen.“ Er war in tiefer Betrübnis wegen unserer Missetaten. „Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.“ War das, was Er für uns getragen hat, nur eine gewisse Summe zeitlicher Pein oder vielmehr der heilige Zorn Gottes, die Schrecknisse des Verlassenseins von Seiner Seite, während Er noch lebte und so das Opfer für unsere Sünden wurde? Hatten wir nicht diesen Zorn verdient, der uns von Gott trennt, obwohl unsere Seele Seine gesegnete Gegenwart kennen könnte? Es handelt sich nicht einfach darum, gestraft zu werden und schließlich aufzuhören zu existieren, obwohl Christus als göttliche Person Seinem Werk einen unendlichen Wert gegeben hat. Ein Geschöpf, das mit größter Kraft ausgestattet ist, hätte wohl die Qualen eines zeitlichen Gerichts ertragen können. Aber den Zorn und das Gericht, die die ewige Pein im Gefolge haben, konnte nur jemand göttlich (und ewig) wie der Sohn Gottes ertragen. Alle diejenigen, welche die ewige Pein verneinen, berufen sich manchmal auf Stellen im Alten Testament wie die folgenden: „Mein Geist soll nicht ewiglich mit dem Menschen rechten“ (1Mo 6,3). „Denn ich will nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein; denn der Geist würde vor mir verschmachten, und die Seelen, die ich ja gemacht habe“ (Jes 57,16). Ferner: „Doch der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird“ (Ps 49,12). Jeder einfältige und gottesfürchtige Leser kann aber anhand von Schriftstellen wie den eben genannten selbst darüber urteilen, welchen Wert ein solcher Beweis hat. Offensichtlich liegt hier entweder eine kaum zu überbietende Unaufmerksamkeit oder ein großer Mangel an Aufrichtigkeit vor, wenn behauptet wird, dass solche Stellen irgendwelchen Bezug hätten auf das, was hier zur Debatte steht.

  1. Was die Stelle in 1. Mose 6,3 betrifft, so liegt klar auf der Hand, dass es sich hier um die Geduld handelt, die Gott mit dem Menschen vor der Flut hatte, „während die Arche zugerichtet wurde“, „als die Langmut Gottes“, wie Petrus schreibt, „in den Tagen Noahs harrte“. Ihre Geister wurden ins Gefängnis geworfen, nachdem sie gerichtet worden waren, was ein sehr klarer Beweis davon ist, dass sie nach ihrem Tode weiterleben.

  2. Bezüglich der weiteren Stelle (Jes 57,16) ist festzustellen, dass Gott unzweideutig von Menschen spricht, die auf Erden leben. Wenn Er ewig mit ihnen rechten würde – wenn Er also nicht aufhören und nicht schonen würde –, so könnte dies der lebende Mensch nicht ertragen und müsste zugrunde gehen. Die Hindernisse – wird dort gesagt – sollten aus dem Wege Seines Volkes hinweggetan werden. Der Heilige, der hoch erhaben ist, würde den Geist derer beleben, die demütig sind und das Herz solcher, die zerschlagenen Herzens sind, und zwar deshalb: „… weil er nicht ewiglich rechten und nicht auf immerdar ergrimmt sein wollte.“ – „Wegen der Missetat seiner Habsucht ergrimmte ich und schlug es … Seine Wege habe ich gesehen und werde es heilen usw.“ Nun, wieso kann man das alles auf die Hölle beziehen? Unmöglich! Es sei mir gestattet, dem einfältigen Leser zu raten, eine angeführte Stelle stets in dem Zusammenhang zu lesen, bevor er eine neue Lehre annimmt.

  3. Schließlich möchte ich noch auf die dritte Stelle (Ps 49) eingehen: Lesen Sie doch bitte den ganzen Psalm, und Sie werden sogleich sehen, dass es sich um irdischen Ruhm handelt. „Denn er sieht, dass die Weisen sterben, dass der Tor und der Unvernünftige miteinander umkommen und anderen ihr Vermögen lassen. Ihr Gedanke ist, dass ihre Häuser stehen in Ewigkeit … sie nennen Ländereien nach ihren Namen. Doch der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht; er gleicht dem Vieh, das vertilgt wird.“ Es dürfte doch schwer zu behaupten sein, dass die Worte „der Mensch, der in Ansehen ist, bleibt nicht“ Bezug auf die Hölle hätten. „Man legt sie in den Scheol wie Schafe, der Tod weidet sie.“ – Unzweideutig will uns das Wort hier sagen, dass aller irdische Ruhm des Menschen mit dem Tod verblasst. Sein Ruhm folgt ihm nicht nach. Mag auch die Aussicht dessen, was nach dem Tod kommt, noch so dunkel sein, hier handelt es sich weder um die endgültige Vernichtung noch um die endgültige Wiederherstellung.

Zum Schluss möchte ich noch ein Wort hinzufügen für den Leser, der die griechische Sprache wirklich gut kennt. Die Etymologie kennt seit der Zeit des Aristoteles und durch ihn folgendes griechische Wort (aien on), was bedeutet „immerzu bestehend“. Wollte man die Dauer des Lebens des Menschen ausdrücken, so war dieser Gedanke im vorgenannten griechischen Wort zu finden und von jeher wurde es auch in diesem Sinn gebraucht. Homer z.B. hat es sehr häufig benutzt, wenn er vom Tod seiner Helden spricht, aber auch noch in anderen Fällen. Es wird auch von Herodot und von den attischen Dichtern gebraucht, um damit auszudrücken: (anepneusen aiona). In einer der späteren Geschichtsepochen benutzte man den vorgenannten Ausdruck, um den ganzen Ablauf einer Periode und den ganzen Zusammenhang der Dinge in einem bestimmten Zeitabschnitt aufzuzeichnen. Benutzte man jedoch dieses Wort außerhalb eines Zusammenhanges und in der Bedeutung, die ihm ursprünglich innewohnte, war der Sinn „Ewigkeit“ ganz klar. In einem Satz, den Philon schrieb, ist die Bedeutung unzweifelhaft:

(en aioni de oute parelelythen ouden oute mellei alla mono hyphesteke). Dieser Satz besagt etwa: In der Ewigkeit ist nichts Vergangenheit, nichts Zukunft, sondern es besteht nur immerfort.

Abschließend sage ich noch (wie es schon andere bemerkt haben), dass Gott, als Er die Absicht hatte, eine Vorstellung von der ewigen Pein zu geben, keine stärkeren Ausdrücke hätte gebrauchen können als die von Ihm benutzten. Und in der Tat, es gibt keine stärkeren.


Die ewige Pein, Ernst-Paulus (Neustadt), 1973
Übersetzung von „Brief Scriptural Evidence on the doctrine of Eternal Punishment, for plain people“
aus Collected Writings of J.N. Darby, Bd. 7, S. 1–13

Weitere Artikel des Autors John Nelson Darby (67)

Weitere Artikel in der Kategorie Fragen (96)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...