Konnte der Herr Jesus sündigen?

Christian Briem

© CSV, online seit: 27.12.2005, aktualisiert: 05.05.2018

Frage

Es ist ein alte Frage, aber ich bitte doch um deren Beantwortung: „Hätte der Herr Jesus als Mensch sündigen können?“ Ich hörte kürzlich das Argument, dass das Werk für Ihn ja leicht gewesen wäre, wenn Er nicht hätte sündigen können.

Antwort

Vor Schlussfolgerungen des menschlichen Geistes in göttlichen Dingen müssen wir immer auf der Hut sein, ganz besonders dann, wenn es um die heilige Person des Herrn Jesus geht. Keineswegs dürfen wir bei unseren Gedanken über die Person Jesu den Boden der Offenbarung Gottes verlassen. Auch wird uns das Wort des Herrn „Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater“ (Mt 11,27) stets zur Vorsicht mahnen.

Nun trifft die Heilige Schrift an einigen Stellen wichtige Aussagen über die Heiligkeit der Person des Herrn Jesus. Unterwirft man sich ihnen im Glauben, schwindet schnell jeder Zweifel. Als der Herr geboren werden sollte, sandte Gott den Engel Gabriel zu Maria und ließ ihr sagen: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“ (Lk 1,35). Er war nicht vom Menschen gezeugt, sondern vom Heiligen Geist. Während alle Menschen von dem, was unten ist, sind, war Er von dem, was oben ist (Joh 8,23). Aus dem Himmel war Er herabgestiegen (Joh 3,13). Als der erste Mensch erschaffen und in den Garten Eden gesetzt wurde, war er durchaus nicht heilig, sondern allein unschuldig. Die Fähigkeit zum Sündigen lag in ihm, wie sich auch bald herausstellte. Nicht so im Falle unseres Herrn. Er war nicht nur unschuldig, sondern heilig. Schon als Kind war Er „das Heilige“, und das blieb Er, ja das ist Er. Es ist ein Wesenszug Seiner Person. Später im Neuen Testament wird Er häufig „der Heilige“ genannt (Joh 6,69; Apg 3,14; 1Joh 2,20; Off 3,7). Er war in Seiner Menschheit ebenso heilig wie in Seiner Gottheit. Das schließt jede Möglichkeit zur Sünde aus.

Die Heilige Schrift belehrt uns, dass der Herr Jesus nicht nur „keine Sünde tat“ (1Pet 2,22), sondern dass Er „Sünde nicht kannte“ (2Kor 5,21) und dass „Sünde nicht in ihm ist“ (1Joh 3,5). Er „kannte“ Sünde nicht, sie war Ihm und Seinem heiligen Wesen absolut fremd. Nur solch eine in sich heilige Person konnte von Gott „zur Sünde gemacht“ werden, nicht jemand, der selbst irgendeinen Keim der Sünde in sich trug. Die absoluteste Aussage ist sicherlich die des Apostels Johannes, die, ganz wörtlich wiedergegeben, folgendermaßen lautet: „Und in ihm ist Sünde nicht“ – in anderen ist sie, in Ihm nicht. Als Sich der Herr anschickte, über Gethsemane ans Kreuz zu gehen, sagte Er: „Der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir“ (Joh 14,30). Der Teufel würde in Ihm keinen Anknüpfungspunkt zur Sünde finden, wie tief der Weg des Herrn Ihn auch führte.

So wird die Sündlosigkeit Christi von Gott durch einen Engel, von drei verschiedenen Aposteln und schließlich vom Herrn Selbst bezeugt. Wer wagte angesichts solcher Zeugnisse trotzdem die Meinung zu vertreten, der Herr hätte sündigen können? Es käme einer Lästerung Seiner Person gleich. Gewiss ist der Herr in allem versucht worden, „in gleicher Weise wie wir“; aber die Schrift beeilt sich hinzuzufügen: „ausgenommen die Sünde“ (Heb 4,15). Wie uns Jakobus 1 zeigt, gibt es Versuchungen durch Prüfungen von außen (Jak 1,2) und Versuchungen durch die Sünde von innen (Jak 1,14). Die Versuchungen, die der Herr Jesus erlitt, waren eindeutig und ausschließlich von der ersten Art. So bemühte sich der Teufel, den Herrn durch äußere Umstände – z.B. durch Hunger (Mt 4,3) – vom Weg des Gehorsams abzubringen. Doch die zweite Art der Versuchung kannte Er nicht. Das eben aus Johannes 14 zitierte Wort des Herrn erfährt durch Hebräer 4 seine Bestätigung: „in allem versucht … ausgenommen die Sünde“.


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