Wovon ist das Wasser in der Bibel ein Bild?
Johannes 3,5

John Alfred Trench

© SoundWords, online seit: 01.12.2001, aktualisiert: 20.11.2017

Leitvers: Johannes 3,5

Joh 3,5: Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.

Wasser ist das Symbol für das Wort Gottes, das, angewendet auf die Seele, in der Kraft des Geistes Gottes auf sie einwirkt. Ein Verweis auf andere Schriftstellen wird das zeigen.

Vergleichen Sie zunächst unter Berücksichtigung von Johannes 3,5 den Ausdruck „aus Wasser geboren“ mit Jakobus 1,18, wo wir lesen: „Nach seinem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt“; und mit 1. Petrus 1,23, wo es heißt: „Ihr seid wiedergeboren nicht aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.“ Wenden wir uns dann Epheser 5,26 zu, wo wir „Wasser“ eindeutig als das Wort Gottes definiert finden in dem Ausdruck „reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort“.

Wasser reinigt; deshalb wird durch die Verwendung dieses Symbols mehr übermittelt, als wenn hier nur gesagt würde: „wiedergeboren durch das Wort“. Es schließt die Wirkung, die es hervorruft, mit ein, ebenso wie die Hilfe Gottes dabei zum Ausdruck kommt, der Anfang aller seiner Wege mit uns in Gnade.

Als Sinnbild nimmt Wasser in der Schrift den gleichen Raum ein, wie das Blut. Beides floss im Tod aus der durchstochenen Seite des Herrn Jesus (Joh 19,34). Hier finden wir die historische Reihenfolge, bei der das Blut zuerst herauskam als allumfassende Grundlage zur Ehre Gottes und zu unserem Segen. Johannes erwähnt in seinem Brief (1Joh 5,6) das Wasser in der Reihenfolge zuerst, so wie es für uns zur Anwendung kommt. „Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut … Und der Geist ist es, der [dies] bezeugt.“ Der Geist ist es, der das Wort im Gewissen wirksam werden lässt, und durch diesen kraftvollen Vorgang werden wir vollständig von neuem geboren. Das bewirkt die Sündenerkenntnis in uns. Und wenn der Glaube durch das Zeugnis des Geistes auf dem Wert des Blutes Christi beruht, das uns von aller Sünde reinigt, kann er (der Geist) seinen Wohnsitz in uns einnehmen, um die Kraftquelle der Freude all dessen zu sein, was wir durch das Wasser und das Blut geworden sind: Damit ist die Position eines Christen vollständig bestimmt.

Aber wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf das Wasser lenken, ist es wichtig, zu sehen, dass es für Wasser in Johannes 13,10 eine zweifache Verwendung in Bezug auf das gibt, was es darstellt: „Wer gebadet ist, hat nicht nötig, sich zu waschen, ausgenommen die Füße, sondern ist ganz rein.“ Wie wir gesehen haben, sind wir zuerst „aus Wasser und Geist geboren“; das beantwortet die Frage zur ersten Waschung, die hier erwähnt ist, und so wie die Verbindung eines neuen Lebens und einer neuen Wesensart entsteht, die nicht wiederholt werden kann, sind wir „ganz rein“. Auch kann das nicht durch irgendeine Änderung der Wesensart unseres Fleisches erreicht werden: „Was aus Fleisch geboren ist, ist Fleisch“, und deshalb kann es keine Reinigung des Fleisches geben. Das vom Geist auf unsere Seelen angewendete Wort bringt das Todesurteil über alles, was aus dem Fleisch hervorgegangen ist. Gott konnte nichts anderes tun, als ihm mit einem gerechten Urteil ein Ende zu setzen (1Mo 6,13), ein Urteil, das er durch Glauben im Hinblick auf den Tod seines Sohnes ausführte (Röm 8,3). Deshalb finden wir in seinem Tod das Wasser da, wo auch das Blut zu finden ist. Es bedeutet einerseits das Fleisch in seiner totalen Verurteilung, andererseits aber die Einführung eines neuen Lebens, in dem wir für Gott da sind und uns für immer an Ihm erfreuen können.

Aber wir müssen mit diesem Leben in einer verunreinigten Welt bestehen, in der alles, was uns begegnet, die Sinne dazu zu neigt, die Gemeinschaft mit Ihm, der unser Leben ist, zu behindern. Deshalb haben wir hier die Notwendigkeit der zweiten Anwendung auf das Wort, die in dem bewegenden Dienst des Herrn gegenüber seinen Jüngern (Joh 13) symbolisiert wird.

Er umgürtete sich mit dem Handtuch und, indem Er Wasser in ein Waschbecken gießt, begann Er ihre Füße zu waschen und mit dem Handtuch, mit dem Er umgürtet war, abzutrocknen. Er tat das, wie Jesus dem Petrus sagt, damit wir „Teil mit ihm haben“ (Joh 13,8), wenn Er gegangen ist, d.h., wenn Er aus dieser Welt zum Vater gegangen ist (Joh 13,1). Wir müssen durch diese Welt gehen, aus der Er abscheiden musste, und in ihr liegt unsere ganze Not: Bei jedem Schritt sind wir so leicht geneigt, uns zu verunreinigen oder letztlich solche Dinge zuzulassen, die eine moralische Distanz zwischen unseren Seelen und Ihm schaffen. Er weiß, wie Er sein Wort anwenden muss, um unsere Seelen in die Freude seiner Gegenwart zurückzubringen, in seine ewig treue und unfehlbare Liebe, so dass auch nicht nur ein Schatten eines Vorbehaltes zwischen uns und Ihm mehr da ist. Diese erste Tat seines Wortes, durch die wir ganz rein sind nach göttlicher Wesensart, kann niemals wiederholt werden; diese Reinigung brauchen wir bleibend. Er geht auch nicht von uns, und überlässt sie dann uns selbst („wenn ich dich nicht wasche“, Joh 13,8), trotzdem gebraucht Er jeden von uns, der in der Schule seiner Gnade gelernt hat, diesen bevorzugten Dienst an anderen auszuüben (Joh 13,14).

Es ist deshalb interessant, weil es den Unterschied umso klarer hervorzuheben hilft, dass der Herr zwei verschiedene Worte in diesem zehnten Vers aufgrund des klar abgegrenzten Gebrauches in der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes verwendet. Für „Wer gewaschen ist“ (oder „gebadet“), also auf die ganze Person bezogen, ist das Wort louo gebraucht, wie es für die Waschung der Priester am Tag ihrer Weihung benutzt wird (2Mo 29,4). Der Ausdruck „Hat nicht nötig sich zu waschen [nipto] ausgenommen die Füße“ wird benutzt für das Waschen ihrer Hände und ihrer Füße im Waschbecken am Eingang der Stiftshütte, immer wenn sie ins Heiligtum gingen (2Mo 30,18.21). Dabei sind die Wörter niemals austauschbar. Indem wir dies im Auge behalten, müssen wir uns aber an den Unterschied erinnern zwischen der Vorbereitung für den priesterlichen Zutritt zu heiligen Orten, wie wir es im Alten Testament finden, und diesem wunderbaren Dienst des Herrn für uns, damit wir bleibende Freude an seiner Gegenwart haben, nachdem wir zum Vater eingegangen sind.

Mögen unsere Herzen tiefer durch die Liebe beeinflusst werden, die auch nicht den kleinsten Flecken auf unseren Füßen hinterlassen wird, und mögen wir uns ganz dem suchendenden Wirken seines Wortes an uns hingeben, damit Er es anwenden kann, wenn es erforderlich ist, anstatt dass wir bereit sind, uns von ihm zu entfernen und uns an etwas festzuhalten, das diese Distanz aufrechterhält, zu seiner Verunehrung und zu unserem eigenen unschätzbaren Verlust.


Originaltitel: „,Water‘ in the Word"
aus Truth For Believers, Bd. 2, 1907

Übersetzung: R. Türkis

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