Was bedeutet Römer 7 wirklich?
Worum geht es bei der Befreiung vom Gesetz?

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 15.08.2006, aktualisiert: 11.09.2018

Leitverse: Römer 7

Verschiedene Auslegungsweisen

Leider gibt es zu diesem Kapitel wie zu vielen anderen Kapiteln des Wortes Gottes verschiedene Auslegungsweisen. Zu Römer 7 gibt es mindestens vier Auslegungsweisen:

  1. Die arminianische Sicht:
    Römer 7 beschreibt einen nicht wiedergeborenen Menschen.

  2. Die calvinistische Sicht:
    Römer 7 beschreibt den normalen christlichen Zustand, das heißt den Zustand von jemand, der mit dem Geist versiegelt ist und in diesem Leben nicht danach ausschauen sollte, Befreiung von diesem Zustand zu erhalten.

  3. Die Sicht von F.W. Grant:
    Römer 7 beschreibt jemand, der versiegelt, aber noch nicht befreit ist.

  4. Unsere Sicht:
    Es handelt sich um jemand, der zwar schon wiedergeboren, aber noch nicht versiegelt und noch nicht befreit ist.

Gründe, warum wir die ersten drei Ansichten ablehnen:

1. Die arminianische Sicht

(Nach der arminianischen Sicht beschreibt Römer 7 einen nicht wiedergeborenen Menschen.)

Die Person in Römer 7 muss wiedergeboren sein, denn sie hat

  1. ein verändertes Verständnis:
    Röm 7,14: Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.
    Röm 7,24: Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?

  2. einen veränderten Willen:
    Röm 7,18: Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht.

  3. ein verändertes Herz:
    Röm 7,22: „Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen.

Es ist daher klar, dass diese Person zwei Naturen hat und das bedeutet: Sie hat die alte Natur, die sie von dem gefallenen Adam geerbt hat, und sie hat den „inneren Menschen“ (Röm 7,22), eine neue Natur von Gott.

2. Die calvinistische Sicht

(Nach dieser Sicht beschreibt Römer 7 den normalen christlichen Zustand, das heißt den Zustand von jemand, der mit dem Geist versiegelt ist und in diesem Leben nicht danach ausschauen sollte, Befreiung von diesem Zustand zu erhalten.)

Es gibt keine andere Schriftstelle, wo ein Christ in einem solchen Zustand wie in Römer 7 gesehen oder angesprochen wird. Schon der Kontrast mit Römer 8 zeigt, dass dieser Zustand kein andauernder Zustand sein soll. Es kann nicht Gottes Wille sein, dass ein Christ sich elend fühlt – „ich elender Mensch“ (Röm 7,23). Gott möchte nicht, dass der Christ in Gefangenschaft ist: „Aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde“ (Röm 7,23) – „Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit“ (2Kor 3,17).

3. Die Sicht von F.W. Grant

(Nach Grants Ansicht beschreibt Römer 7 jemand, der versiegelt, aber noch nicht befreit ist.)

Der hier beschriebene Mensch ist in Gefangenschaft unter dem Gesetz der Sünde (Röm 7,23). Aber alle versiegelten Gläubigen sind von der Gefangenschaft des Gesetzes der Sünde befreit – „denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2), „denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade“ (Röm 6,14) – und haben „Freiheit“: „Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit“ (2Kor 3,17). [Jemand, der in Freiheit ist, ist kein Gefangener; Anm. d. Red.]

Wie muss man Römer 7 verstehen?

Nun es gibt keinen Zweifel, dass es viele gibt, die versiegelt sind und doch in einem gewissen Maß erfahrungsmäßig in dem Zustand sind, wie es in Römer 7 beschrieben wird. Aber diese Erfahrung beweist keinesfalls, dass der Geist Gottes in diesem Kapitel jemand beschreibt, der versiegelt ist. Ich glaube, dass der Irrtum, in den einige, die versiegelt sind, gefallen sind, der ist, dass sie nicht genügend unterscheiden zwischen Erfahrung und Lehre, und wenn sie dann herausfinden, dass ihre eigene Erfahrung in einem gewissen Maße übereinstimmt mit dem Zustand, der in diesem Kapitel beschrieben wird, dann schließen sie daraus, dass dieses Kapitel selbst die Erfahrung von jemand beschreibt, der versiegelt ist … Es ist schon ganz richtig von jemand anders bemerkt worden, dass Römer 7 einen Zustand beschreibt, in dem niemand jemals wirklich war, das heißt, dass er einen Willen hatte, der immer richtig war und eine Handlung, die immer falsch war, und deswegen ist es auch nur in einem gewissen Maß so, dass überhaupt die Erfahrung von irgendjemand in diesem Kapitel beschrieben wird. Obwohl es ohne Zweifel so ist, dass die Erfahrungen von Römer 7 von jemand, der versiegelt ist, gemacht werden können, so gibt das trotzdem niemand das Recht, die Lehre von Römer 7 nach seiner Erfahrung auszulegen oder zu schließen, dass – weil seine Erfahrung in einem gewissen Maße dem entspricht, was in diesem Kapitel beschrieben wird – deswegen der Geist Gottes durch den Apostel in diesem Kapitel von jemand spricht, der versiegelt ist.

Die Schrift ist konsistent in all ihren Teilen, und in keinem Abschnitt, wo der Geist Gottes die Heiligen anspricht, werden sie als solche angesprochen, die in einem Zustand sind, der in den Versen 7 bis zum Ende von Römer 7 beschrieben wird, sondern im Gegenteil: Sie werden immer angesprochen als solche, die in einem Zustand sind, der genau das Gegenteil ist von dem, was im späteren Teil des Kapitels beschrieben wird. (A.B. Pollock, Remarks on Romans VII, S. 2, 4)

In dem Gesetz der Sünde gefangen

Es ist sehr wichtig, dass wir die Schrift genau und ernst nehmen. Dass derjenige in Römer 7 im Gesetz der Sünde gefangen ist, ist die klare Aussage der Schrift.

Ein Gesetz ist ein „fester Grundsatz“ eines Handelns. Ein Gesetz kennzeichnet das einheitliche Handeln von etwas. Gefangenschaft gegenüber dem Gesetz der Sünde ist Gefangenschaft in der gleichbleibenden Handlungsweise der alten, bösen Natur, die der Mensch bei dem Sündenfall empfangen hat. „Sünde“ ist hier der innere Feind, aus dem die Sünden (sündige Verhaltensweisen) hervorkommen. „Sünde“ ist die Quelle, die Wurzel. Darüber hinaus ist er gefangen von dem Gesetz des Todes. Das, was automatisch zum Tod tendiert, hat ihn in Gefangenschaft. Er kann nicht frei und zur selben Zeit in Sklaverei sein. In seinem Bewusstsein ist er unter dem Grundsatz des Gesetzes, was seine Beziehung zu Gott angeht, und das schreibt das Todesurteil in sein Gewissen, denn das ist die Bedeutung des Hinweises auf den Tod und das Sterben in den Versen in Römer 7,7-13.

Die Ursache des Problems

Der Mensch von Römer 7 ist in einem gefangenen Zustand. Er sucht Kraft, um die innewohnende Sünde zu überwinden (die Sünde = das Grundprinzip der bösen Natur, aus der die sündigen Handlungen hervorkommen). Er schaut in sich selbst nach Kraft. Seine Hilfsquelle, so denkt er, ist in ihm selbst. Er wird Gott Freude machen, und so wird Gott ihm günstig sein. Was sein Bewusstsein angeht, steht er vor Gott auf der Grundlage von Gesetz. Ich sage nicht des Gesetzes, auch wenn es sehr wohl die Form des Gesetzes Moses annehmen kann. Er steht vor Gott in seinem Bewusstsein und seinem Gewissen auf einer gesetzlichen Grundlage. Die gesetzliche Grundlage bedeutet, dass Gott mir gegenüber so eingestellt ist, wie ich es Ihm gegenüber bin. Solche besitzen keinen gegründeten Frieden und haben nicht die Erkenntnis darüber, dass sie in einer Stellung der Vergebung vor Gott sind. Das gesetzliche Prinzip kann nicht Frieden, so wie die Schrift es versteht, bringen, und solch eine Seele weiß nicht, was es bedeutet, kein Sündenbewusstsein zu haben (Heb 10,2) von Sünden, die gegen ihn selbst stehen. Vielmehr haben solche das Todesurteil in ihr Bewusstsein geschrieben (vgl. Röm 7,11), denn wörtlicher Tod ist nicht gemeint. Wie kann solch eine Seele der ewigen Errettung sicher sein?

Er steht unter dem Gesetz als einem Grundsatz (Röm 7,9-13). Römer 6,14 zeigt, dass jemand, der in einer christlichen Stellung ist, unter Gnade steht und auch, dass die Sünde keine Macht über ihn hat, und doch ist der Mensch von Römer 7 unter der Herrschaft des Gesetzes der Sünde. In diesem Zustand ist dieser „Leib des Todes“ (Röm 7,24) sehr aktiv, aber von einem Menschen in der christlichen Stellung wird gesagt: „Der Leib aber tot ist der Sünde wegen, aber der Geist ist Leben der Gerechtigkeit wegen“ (Röm 8,10).

So gibt es also einen Kampf, um den Sieg auf gesetzlicher Grundlage zu gewinnen, um von Gott akzeptiert zu werden. Es geht darum, Gottes Gunst zu gewinnen. Ein bisschen schaut man auf Christus und erkennt an, dass da, als man sich zu Christus gewandt hatte, die Sünden der Vergangenheit vergeben wurden. Aber was ist mit den zukünftigen Sünden? Solche Personen ruhen nicht in dem vollendeten Werk Christi für das Wissen um die Vergebung ihrer Sünden und dass sie in einem Zustand der Vergebung vor Gott sind. Daher muss so jemand kämpfen, bis er erkennt, dass es hoffnungslos ist, den Sieg zu gewinnen und Kraft über die innewohnende Sünde zu bekommen, und dann erfährt er Befreiung vom Gesetz der Sünde, das in seinen Gliedern existiert und ihn gefangen hält. Schritt für Schritt gewinnt er erfahrungsmäßig Kenntnis und lernt zwischen zwei Kräften, die in unseren Gliedern streiten, zu unterscheiden. Schließlich kommt er zu der Erkenntnis der Tatsache seines eigenen Elends. Er sieht, dass seine gottesfürchtigen Wünsche nichts bewirken, weil das Gesetz der Sünde ihn völlig beherrscht und er ruft aus: „Wer wird mich befreien …“ So lernt er, von sich selbst wegzuschauen und hinzuschauen auf einen Erretter, nämlich unseren Herrn Jesus Christus.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Wir sind so wie der verlorene Sohn an den Platz des Glücks gebracht. „Als er aber zu sich selbst kam …“ (Lk 15) – das entspricht der neuen Geburt. Er machte sich auf, um zu dem Haus des Vaters zu gehen, und bereitete eine Rede vor, die für einen Sklaven passend ist, aber nicht für einen Sohn. Ja, er erwartete etwas von seinem Vater, das ist wahr. Aber du siehst, dass er den Platz eines Knechtes erbitten wollte. Er wollte auf der Grundlage der Arbeit eines Knechtes dort sein. Das ist die gesetzliche Grundlage. Das ist der Geist von Römer 7. Der Mensch in Römer 7 hat den Geist eines Tagelöhners. Sicherlich stellte das Gesetz Moses den Israeliten nicht an den Platz der Sünde. So wollte der verlorene Sohn nicht den Platz eines Sohnes einnehmen, sondern er wollte für das arbeiten, was er bekommen würde. Er hatte den Geist eines Tagelöhners. Natürlich, es würde Gnade sein, die der Vater ihm erweisen würde, wenn er ihm erlauben würde, ein Tagelöhner zu sein, aber von diesem Punkt an wollte er dann aber auch arbeiten, um die Gunst seines Vaters zu verdienen. Das war der Zustand des verlorenen Sohnes, das ist der Zustand des Menschen von Römer 7, und das ist der Zustand vieler Seelen heute. Das ist ihr Gottesbild, wenn sie das der Wahrheit gemäß artikulieren würden.

Der Vater küsste diesen Gedanken weg. Er fiel ihm in Zuneigung um seinen Hals „und bedeckt ihn mit Küssen“. Der Sohn bekannte, dass er gesündigt hatte und „nicht länger würdig war, ein Sohn genannt zu werden“. Wie wahr dies auch ist, dennoch bereitete ihn der Vater auf der Stelle darauf vor, den Platz eines Sohnes einzunehmen, und sie genossen die schöne Gemeinschaft, indem sie von dem gemästeten, geschlachteten Kalb aßen (das spricht von der Person und dem Werk Christi) – „und sie fingen an fröhlich zu sein“ –, um niemals damit aufzuhören.

Er hatte nun den Geist eines Sohnes – und das sehen wir in Römer 8, wo der Befreite den Geist der Sohnschaft hat. Denn wir haben nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wiederum zu Furcht (2Mo 14; Röm 7), sondern wir haben einen Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater (Röm 8,15).

Haupt – Herr – Ehemann

Am Ende von Römer 5 lernen wir etwas über zwei „Häupter“: Adam und Christus. Der versiegelte Heilige ist unter einem neuen Haupt. Er hat ein neues Haupt bekommen. Unter dem einen Haupt wird er als Sünder (Natur) betrachtet, unter dem anderen als Gerechter. Der Mensch in Römer 7 befindet sich, was seine bewusste Stellung anbelangt, in Adam und „im Fleisch“ (Röm 7,5.6). So wie die Juden unter dem Gesetz, ob sie nun aus Gott geboren waren oder nicht, durch das Gesetz als in der Stellung und der Verantwortlichkeit von Adam angesprochen wurden und als im Fleisch, so ist der Mensch unter Gesetz nach seinem Bewusstsein in Römer 7 „im Fleisch“.

Aber es gibt auch einen Unterschied bei den Herren (Röm 6). Der Gläubige von Römer 7 ist bei dem falschen Herrn gefangen (vgl. Röm 6,18). Dieser Herr, die Sünde, sollte aber nicht die Herrschaft haben. Unter dem Gesetz sind wir einmal alle Knechte der Sünde (unserem Zuchtmeister) gewesen – der sündigen Macht in unseren Gliedern (und diese innewohnende Sünde produziert sündige Taten). Wie hat Gott mit diesem Zuchtmeister in uns gehandelt? Wie ist Herrschaft des Zuchtmeisters zerbrochen worden? Wie lernen wir das praktisch in unseren Seelen? Das wird in Römer 7 behandelt.

Der Zustand des Menschen in Römer 7 ist der Zustand einer wiedergeborenen Seele unter dem Gesetz, unter dem „ersten Ehemann“ des Kapitels, nicht eine befreite Seele unter dem zweiten Ehemann, das ist der auferstandene Christus. Der befreite Christ hat auch einen veränderten Ehemann nach dem Bild von Römer 7,1-6. Nicht dass der erste Ehemann gestorben ist, sondern wir sind gestorben (Röm 7,6) und gehören jetzt einem anderen, nämlich Christus.

Punkte zum Lernen

Der Mensch in Römer 7 muss lernen,

  • was die Sünde im Fleisch ist und
  • dass der Sinn des Fleisches dem Gesetz Gottes nicht unterworfen ist noch sein kann (Röm 8,10),
  • dass er keine Kraft hat,
  • dass er Christus als Grundlage braucht, um von Gott angenommen zu werden.

Waren die alttestamentlichen Gläubigen in dem Zustand von Römer 7?

Zu alttestamentlichen Zeiten konnten solche, die von Gott geboren, aber natürlich unter Gesetz waren, vor dem Herrn in Aufrichtigkeit ihren Weg gehen (Ps 26,1; Jes 38,3; Lk 1,6). Das trifft nicht auf den in Römer 7 beschriebenen Menschen zu. Das trifft ebenso nicht auf einen wiedergeborenen Menschen heute zu, der etwas von dem Evangelium gehört hat und vor Gott seinem Bewusstsein nach auf einer gesetzlichen Grundlage steht.

J.B. P. schrieb:

Sie hatten einfachen, kindlichen Glauben an Gott und an sein Wort – einen Glauben an den kommenden Messias. Dieser Glaube war von Gott gegeben, wurde von Ihm aufrechterhalten, und solchen Glauben hat Gott nicht enttäuscht. Gott benutzte nämlich diese Hilfsquelle in dieser Welt, und danach nahm Er sie in den Himmel auf. Aber auf sie – bezüglich geistlichen Verständnisses und Zustandes – die Wahrheit anzuwenden, die für ihre Offenbarung und persönliche Verwirklichung von der vollbrachten Versöhnung und dem Herniederkommen des Heiligen Geistes abhängig ist, ist total falsch und (obwohl unbeabsichtigt) erniedrigt tatsächlich das Werk und die Person unseres Herrn. Der Brief an die Römer zum Beispiel wird von einem christlichen Standpunkt aus geschrieben: Die geistliche Erfahrung und die Vorrechte, von denen darin gesprochen wird, müssen im Licht des Christentums verstanden werden und können nur in der christlichen Stellung und mit einem christlichen Gefühl verstanden werden. Von den Sünden der alttestamentlichen Gläubigen heißt es einfach, dass sie übergangen worden sind (Röm 3,25). Tatsächlich kann der Wert und die Wirksamkeit des Werkes Christi im Verständnis und der Kraft des Geistes nicht gekannt werden, bevor Christus gelitten hat, auferstanden ist und verherrlicht worden ist. Und der persönliche und praktische Zustand ist notwendigerweise und zu allen Zeiten abhängig von der Offenbarung, die Gott gibt. Dieser Zustand verändert sich mit dieser Offenbarung. In jeder Haushaltung ist der einzelne und persönliche Glaube und das Verständnis unterschiedlich. Aber das Licht, der Zustand, die Stellung und das Vorrecht variieren genauso als ein Ganzes und als ein System – die christliche Haushaltung ist der Höhepunkt und die Vollendung von allen, und die Rechtfertigung des Lebens und Leben in Auferstehung sind ein charakteristisches christliches Vorrecht. In Römer 7,14-24 hat der Mensch, von dem dort gesprochen wird, mehr Licht als ein alttestamentlich Gläubiger, aber den vollen christlichen Standard erreicht er nicht. Was die göttliche Natur angeht, gab es in den Gläubigen des Alten Testamentes das, was sie durch die Gnade befähigte, Gott entsprechend dem Licht, das Er ihnen gegeben hatte, zu gefallen. Sie waren aus Gott geboren, und deshalb fürchteten sie Gott, vertrauten Ihm und gehorchten Ihm. Aber wir müssen unterscheiden zwischen der lebendig machenden Gnade des Geistes einerseits und dem Geist als innewohnend und so als Siegel von vollbrachter Gerechtigkeit andererseits. „Ihr seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn der Geist Gottes in euch wohnt.“ Das konnte erst gesagt werden, als der Geist gegeben war. Es ist heute der Knackpunkt, aber damals würde das kein Thema gewesen sein, weil sie, obwohl von Gott und durch den Geist geboren, nicht die Gabe des Geistes hatten. Auch war der Unterschied zwischen dem Sinn des Fleisches und dem Sinn des Geistes noch nicht ans Licht gebracht worden, weil es damals nicht bekannt war, dass das Fleisch und der Geist unversöhnbar sind. Ohne diese tiefgründige und geistgelehrte Kenntnis wandelten sie einfach in der Furcht Gottes und mit dem Bewusstsein seiner Barmherzigkeit, die sie befähigte zu sagen: „Und gehe nicht ins Gericht mit deinem Knechte! Denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht“ (Ps 143,2), wohingegen der Christ weiß, dass er niemals ins Gericht kommen wird, sondern aus dem Tod in das Leben übergegangen ist.

Sobald unser Herr in die Welt gekommen war, wurden die Herzen geöffnet, um in Ihm den Heiland zu sehen und Ihn als solchen zu empfangen. Simeon nimmt das Kindlein in seine Arme und spricht: „Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht, nach deinem Wort, in Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen“ (Lk 2,29.30); und als dreißig Jahre später dieser gepriesene Mensch mit dem Heiligen Geist gesalbt zu seinem Dienst ausging, war das etwas, was weit über das hinausging, was die alttestamentlichen Gläubigen wussten, das Vorrecht solcher, die Ihn sahen, hörten und aufnahmen. Kurz gesagt, mit seiner Erscheinung in der Welt begann eine Epoche (1Joh 1), ein frischer Startpunkt in jeder Hinsicht und in dem Handeln Gottes mit Menschen, sei es geistlich oder zeitlich. Gläubige wurden nicht nur lebendig gemacht, sondern „Kinder Gottes durch den Glauben an Christus Jesus, mit dem Geist der Sohnschaft, um das zu genießen und zu dem Vater zu beten. (The Bible Treasury, Bd. 15, S. 19)

Vers-für-Vers-Betrachtung

Verse 1.2

Röm 7,1.2: Oder wisst ihr nicht, Brüder (denn ich rede zu denen, die Gesetz kennen), dass das Gesetz über den Menschen herrscht, solange er lebt? Denn die verheiratete Frau ist durch Gesetz an den Mann gebunden, solange er lebt; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes.

Die Aussage, die in Römer 6,14 gemacht wird, wird hier erklärt – denn das Thema von Römer 7 ist, wie die Freiheit von der Herrschaft der Sünde erreicht wird und wie diese Herrschaft mit dem Gesetz verbunden ist; das heißt, damit vor Gott auf einer gesetzlichen Basis zu stehen.

Römer 7,1 spricht von einer Person unter Gesetz. Es ist klar, dass das Gesetz über eine lebende Person herrscht und nicht über eine tote. So spricht Vers 1 von einer Person, die unter Gesetz lebt. Bemerke auch, dass der Mensch in Römer 7,7-23 nach seinem Bewusstsein unter Gesetz ist. Deswegen ist es sehr wichtig, zu beachten, dass der Mensch von Römer 7,7-23 lebendig unter Gesetz ist. Er ist vor Gott in seinem Gewissen auf einer gesetzlichen Grundlage. Es ist sehr wichtig, zu sehen, was das bedeutet. Es bedeutet, dass er in seinem Gewissen nicht vor Gott ist auf der Grundlage dessen, was Christus für ihn ist, sondern auf der Grundlage dessen, was er für Gott ist. Diese gesetzliche Basis kann in der Praxis die Form des Gesetzes Moses annehmen oder auch nicht.

Lebendig sein unter Gesetz (Röm 7,7-11.13) ist sein Zustand. Eine Person in diesem Zustand ist vor Gott auf der Grundlage oder Basis der Verantwortlichkeit Adams und nicht auf der Grundlage des Mit-Christus-tot-Sein. Der Tod Christi schloss die Prüfung des ersten Menschen ab. Der Mensch von Römer 7 hat in seinem Bewusstsein nicht begriffen, dass der erste Mensch geprüft unter Gesetz seit dem Kreuz keine Stellung mehr auf diese Art und Weise hat. Natürlich begreift er das nicht bewusst, dass er die Verantwortlichkeit Adams wieder auf sich nimmt, aber es ist genau das, was er tut. Er erkennt nicht, was Paulus wirklich gemeint hat mit „Ich bin mit Christus gekreuzigt“, sonst würde er erkennen, dass die gesetzliche Grundlage nicht die Stellung des Christen ist.

Lebendig zu sein unter Gesetz ist ein Zustand, von dem man Befreiung braucht, um in den Zustand zukommen, der in Römer 8 als „geleitet durch den Geist“ beschrieben wird. Römer 6,14 spricht von jemand in einem Zustand, so wie er in Römer 8 beschrieben wird: „Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“ Galater 5,18 sagt: „Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz.“ So wird jemand, der lebendig ist und unter dem Gesetz (das bedeutet, dass er in seinem Bewusstsein nicht tot ist mit Christus), nicht angesehen als jemand, der durch den Geist geleitet würde, und wenn wir der Schrift glauben wollen, ist er nicht unter Gnade. Darüber hinaus ist jemand, der in diesem Zustand und dieser Stellung ist, die in Römer 8 beschrieben wird, gestorben mit Christus: „… wenn wir gestorben sind mit Christus …“ (Röm 6,8). Der Mensch in Römer 7,7-23 wird nicht als mit Christus gestorben betrachtet, sondern ist vielmehr lebendig unter Gesetz.

In Römer 7,2 benutzt der Apostel eine Illustration aus der Ehe, die zeigt, dass die Befreiung von dem Gesetz des Ehemanns einer Frau durch seinen Tod geschieht. Er wird diesen Punkt später gebrauchen, doch wird er die Angelegenheit dann umdrehen. Hier ist der Punkt, dass der Tod das Instrument der Veränderung ist. Es gibt zwei Ehemänner: das Gesetz und Christus. Wir werden sehen, dass der erste Ehemann, das Gesetz, nicht stirbt, sondern dass derjenige, der mit dem ersten Ehemann verbunden ist (derjenige, der unter Gesetz ist) sterben muss, um frei zu sein von dem ersten Ehemann. Der Punkt ist, dass der Tod Befreiung bewirkt von der Stellung, lebendig unter Gesetz zu sein, einem Gesetz, das über einen Menschen herrscht, solange er lebt.

Vers 3

Röm 7,3: So wird sie denn, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin geheißen, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann gestorben ist, ist sie frei von dem Gesetz, so dass sie nicht eine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird.

Hier wird dargelegt, dass eine Frau eine Ehebrecherin wäre, wenn sie mit einem anderen Mann verbunden würde, solange ihr Ehemann lebt. Natürlich ist es physisch möglich, zwei Männer zu haben, aber das ist nicht der Punkt hier. Bei der Illustration geht es darum, die Stellung des Menschen von Römer 7 zu zeigen. Das Gesetz ist der erste Ehemann: Eine Befreiung davon ist nur durch den Tod möglich – das ist der Punkt. Es geht hier nicht um die Frage, Fortschritte zu machen. Solch eine Idee verfälscht den Abschnitt. Es geht nicht darum, in einem Sterbeprozess voranzuschreiten. Es geht darum, dass die Seele mit dem einen oder dem anderen der beiden Ehemänner verbunden ist und der Wechsel durch den Tod kommt. Es geht nicht darum, langsam von dem einen abgezogen und zu dem anderen hingewandt zu werden. Der große Punkt der Illustration ist die Befreiung von dem Gesetz durch den Tod, um jemand anders angehören zu können. Beiden zur selben Zeit anzugehören, wird verglichen mit der Sünde des Ehebruchs.

Vers 4

Röm 7,4: Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten.

Hier kommt die Anwendung der Illustration – aber mit der schon erwähnten Umdrehung. Das Gesetz entspricht dem ersten Ehemann. Und Christus gekreuzigt und auferstanden aus den Toten entspricht dem zweiten Ehemann. Achte darauf, dass der erste Ehemann nicht gestorben ist. Das Gesetz ist nicht tot. So wird die Person nicht dadurch vom Gesetz frei, dass das Gesetz stirbt, sondern dadurch, dass die Person selbst stirbt (nicht physisch natürlich). Das bedeutet, dass die Person die Bedeutung des Todes und der Auferstehung Christi genügend verinnerlicht, um zu erkennen, dass sie mit Christus tot ist – dass sein Werk mit dem gehandelt hat, was sie ist, und dass Christus für sie auferstanden ist. Sie weiß dann, dass sie vor Gott in einer Stellung der Vergebung ist.

Der Mensch hier hat nicht den Geist, denn wenn er Ihn hätte, würde er sowohl

  • lebendig unter dem Gesetz sein als auch tot dem Gesetz,
  • unter Gnade und unter Gesetz,
  • in Knechtschaft und in Freiheit,
  • alles zur selben Zeit.

Römer 7,1-4 zeigt, dass das unmöglich ist.

Vers 5

Röm 7,5: Denn als wir im Fleisch waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tod Frucht zu bringen.

Der Ausdruck „im Fleisch“ mag bedeuten „in dem Leib“, aber das ist nicht die Bedeutung hier. Der Zustand, der beschrieben wird als „im Fleisch“ (die Stellung oder Position ist „in Adam“), ist das Ergebnis des Falles und ist verbunden mit der Verantwortlichkeit Adams als gefallen. So beschreibt es den Zustand des natürlichen Menschen vor Gott. Es beschreibt auch eine Person unter Gesetz – weil das Gesetz den Menschen in ihrem Zustand in der Verantwortlichkeit Adams ansprach (in den Israeliten).

Unter dem Gesetz der Sünde zu sein, bedeutet immer noch im Fleisch zu sein, das heißt, zu versuchen, auf dieser Grundlage eine Stellung für das Fleisch vor Gott zu bekommen.

Was bedeutet es, „im Fleisch“ sein? Es bedeutet, mit Gott in einer Beziehung auf der Grundlage unserer natürlichen Verantwortlichkeit als Menschen zu sein, als Kinder des gefallenen Adams. Es ist so, dass wir in Bezug auf unseren moralischen Zustand die Haltung Gottes uns gegenüber abhängig machen von dem, was wir Ihm gegenüber sind. Davon ist das Gesetz die vollkommene Regel. Es sagt, wenn das Gewissen erwacht ist: „Ich bin so und so – Gott wird dann auch so und so zu mir sein.“ Gnade ist auf dem ganz anderen Boden: Gott ist so und so gewesen und ist jetzt so und so durch Christus und ich werde daher als das Ergebnis dessen so und so sein.

„Als wir in im Fleisch waren“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „bevor jemand lebendig gemacht war“. Die Menschen aus den Nationen waren Sünder, bevor sie lebendig gemacht waren, „entfremdet den Dingen der Verheißung Israels und Fremdlinge in den Bündnissen der Verheißung, keine Hoffnung habend und ohne Gott in der Welt“ (Eph 2,12). Die Nationen waren nicht unter Gesetz (Röm 2,14). Zu sagen, dass dieser Ausdruck sich in seinem Zusammenhang auf den nicht wiedergeborenen Zustand einer Person bezieht, bedeutet, die wahre Bedeutung von Römer 7 beiseitezusetzen. Diese Person, wenn sie im Fleisch ist, ist lebendig gemacht und wird dargestellt als unter dem Gesetz, und sie braucht Befreiung von diesem Zustand.

Der Grund, warum einige glauben, dass der Mensch von Römer 7,7-23 versiegelt ist, liegt darin, dass sie es nicht haben wollen, dass er „im Fleisch“ ist, weil Römer 8,9 sagt: „Aber ihr seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn Gottes Geist in euch ist …“; zu gestehen, dass der Mensch in Römer 7 „im Fleisch“ ist, bedeutet, dass er nicht versiegelt ist.

Das Gesetz hat die „Begierden der Sünden“ erweckt und ans Licht gebracht. Sünden sind begangen worden. Die Leidenschaften liegen in uns und erwecken Handlungen. Die Strafe des Gesetzes ist Tod, und so hat das, was „in unseren Gliedern wirkt“ das Gegenteil von „Frucht für Gott“ (Röm 7,4) hervorgebracht; es gibt vielmehr „Frucht für den Tod“ (Röm 7,5). Der erste Ehemann, das Gesetz, sagt: Tue das nicht! Die beherrschenden Leidenschaften der Sünden aber überwiegen, und die Sünden werden begangen. Sünde war da und das Gesetz konnte es nicht kontrollieren. Das Gesetz gibt nichts. Es fordert und verflucht Ungehorsam mit dem Tod. Wenn allerdings die neue Natur mit dem zweiten Ehemann in Verbindung steht, ist der Geist als Kraft vorhanden.

Römer 7,5 spricht also von vier Dingen, die miteinander in Verbindung stehen:

  • „im Fleisch“
  • „Leidenschaften der Sünden“
  • „durch das Gesetz“
  • „Frucht für den Tod“.

Im Fleisch“ kennzeichnet jemand als in der Stellung Adams und in dieser Verantwortlichkeit. Der Mensch in Römer 7 ist in seinem Bewusstsein vor Gott in solch einer Stellung, obwohl er den inneren Menschen hat.

Im Sohn“ kennzeichnet die Quelle des Lebens, die Beziehung und den Charakter des Lebens mit Kenntnis des Vaters.

In Christus“ bedeutet im Allgemeinen den Platz und die Stellung als in Ihm angenommen.

Im Geist“ kennzeichnet die charakterisierende Kraft, um die wahre Stellung „in Christus“ auszudrücken.

Vers 6

Röm 7,6: Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in welchem wir festgehalten wurden, so dass wir dienen in dem Neuen des Geistes und nicht in dem Alten des Buchstabens.

Achte darauf, dass nicht das Gesetz gestorben ist. In der Tat sagt der Text, dass das Gesetz die Person festhielt. Aber der Christ ist gestorben in dem, was ihn festhielt. Wir sind dem ersten Zustand – lebendig zu sein unter Gesetz – gegenüber gestorben und sind so frei vom Gesetz (Röm 7,1).

Die letzte Hälfte von Vers 6 sagt uns, worum es dabei geht, wenn von „frei vom Gesetz sein“ gesprochen wird. Es bedeutet, „dass wir in Neuheit des Geistes dienen und nicht in dem Alten des Buchstabens“. Offensichtlich ist „der Buchstabe“ das Gesetz. Befreiung vom Gesetz geschieht im Blick auf den Dienst in Neuheit des Geistes. Der Mensch in Römer 7 hat den Geist eines Tagelöhners (Lk 15,19) und dient unter einem gesetzlichen Prinzip, in diesem Geist. Dienst in Neuheit des Geistes bedeutet, zu dienen in liebender und Antwort gebender Sohnschaft, geleitet durch den Geist.

Kann irgendeine vernünftig denkende Person die Aussage akzeptieren, dass der Gläubige hier nicht nur versiegelt, sondern auch im Genuss einer Freiheit ist, von der er nicht einmal die ersten Grundprinzipien kennt? (A.C. Ord, The teaching of Scripture … on Spiritual Life and the Sealing of the Holy Ghost, S. 48)

  • 2Kor 3,17: Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, ist Freiheit.

  • Röm 6,14: Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.

  • Röm 6,18: Freigemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

In diesem Kapitel geht es um mehr als um einen Konflikt zwischen der alten und neuen Natur. Natürlich ist es ein Konflikt, aber ein Konflikt zwischen zwei Naturen, zu der Zeit, wo das Gewissen unter dem Gesetz ist, was seine Stellung vor Gott angeht – die Person ist lebendig unter Gesetz.

Vers 7

Röm 7,7: Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde hätte ich nicht erkannt, als nur durch Gesetz. Denn auch von der Lust hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Lass dich nicht gelüsten.“

Da Römer 7,6 zum Ausdruck gebracht hatte, dass wir, die wir in der christlichen Stellung sind, „losgemacht sind vom Gesetz“, könnte die Frage gestellt werden: „Ist das Gesetz Sünde?“ Nein. Das ist nicht das Problem. Vielmehr zeigt das Gesetz der Seele, dass die Sünde in ihr wohnt. Was ist damit gemeint: „Die Sünde wohnt darin“? Sünde bezieht sich auf die Natur, die jemand durch den Sündenfall bekommen hat und die bewirkt, dass jemand dem Willen Gottes nicht unterwürfig ist. Es ist das Grundprinzip des Bösen und zeigt eine unverbesserliche Natur in uns an. Das bedeutet, man sündigt (begeht sündige Taten), weil man eine Sündennatur hat, die es liebt, zu sündigen. „Aber ich hätte nicht Sünde gekannt, es sei denn durch Gesetz.“ Das Gesetz wird hier als der Detektiv der Sünde in uns betrachtet. Der natürliche Mensch nimmt keine Kenntnis von der Lust, die in ihm wirkt, wegen der Natur, die hier Sünde genannt wird. Wie Sünde durch das Gesetz erkannt wird, wird in diesem Vers gezeigt: „Denn auch von der Lust hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: Lass dich nicht gelüsten“ (Röm 7,7; 2Mo 20,17).

„Sünde“ benutzt das Verbot des Gesetzes und bewirkt den Willen zur Lust. Lust, „der Wille im Bösen“, ist die erste Bewegung dieser Natur, genannt Sünde. Dann hat man ein Begehren ohne Bezug zu dem Willen Gottes. Indem das Gesetz sagt: „Du sollst nicht gelüsten“, gebraucht es das Gewissen, um von der Lust Kenntnis zu nehmen. Das führt dazu, dass man die Disposition erkennt, aus der diese Lust entspringt – nämlich die Sünde. Das bedeutet: Indem die Lust verboten wird, bringt sie einen dazu, zu überlegen, woher die Lust kommt – diese kommt nämlich von der Sündennatur.

Vers 8

Röm 7,8: Die Sünde aber, durch das Gebot Anlass nehmend, bewirkte jede Lust in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.

Das erklärt, dass das Gebot dazu dient, die Sünde dem Gewissen gegenüber zu offenbaren (siehe auch Römer 7,7). Das Verbot stachelt den Willen des Fleisches oder der Sünde an und weckt die Lust auf – entgegen dem Gebot. Und so wird das Gewissen lebendig in Bezug auf diese Lüste.

„Ohne Gesetz war Sünde tot“ bedeutet nicht, das Sünde inaktiv oder schlafend oder nicht existent war. Bedenke, dass Römer 7,7 das Gewissen in dieser Sache vor uns gebracht hat. Sünde war ohne Gesetz tot in Bezug auf das Gewissen. Das Gewissen nahm keine Kenntnis von der Sünde oder Lust, bis das Gebot kam, und in diesem Sinn war die Sünde tot. Es bedeutet, dass die Sünde nicht zur Aktivität aufgeweckt wurde, weil es kein Verbot gab.

Verse 9-11

Röm 7,9-11: Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf; ich aber starb. Und das Gebot, das zum Leben gegeben, dasselbe erwies sich mir zum Tode. Denn die Sünde, durch das Gebot Anlass nehmend, täuschte mich und tötete mich durch dasselbe.

Offensichtlich ist die Person nicht wirklich tot. Die Erklärung dafür ist: Es ist gemeint, dass der Urteilsspruch des Todes in das Gewissen geschrieben ist. Also, ohne Gesetz war er lebendig; das heißt, der Urteilsspruch des Todes war nicht in sein Gewissen geschrieben. „Ich aber lebte“ als ein Kind Adams ohne das Bewusstsein der innewohnenden Sünde. Als das Gebot kam, lebte die Sünde auf. Das heißt, die Sünde wurde zur Aktivität angestachelt und produzierte Lust. Das Gesetz zeigte mir die böse Natur aufgrund des verhängten Verbotes. So wurden der Urteilsspruch des Todes in das Gewissen geschrieben durch das Gesetz, das sagt: „Tue dies, und du wirst leben.“ (Dies bezieht sich nicht auf das ewige Leben, sondern auf ein ständiges Weiterleben in der Welt, in dem man nicht den Lohn der Sünde erntet.) Sofern der Mensch glaubt, dass er Kraft hat, Gott zu gehorchen (wie die Befürworter vom moralisch freien Willen denken), wurde er getäuscht. Indem die Sünde das Gebot benutzte, tötete sie ihn. J.N. Darby bemerkte, dass „die Sünde personifiziert wird als jemand, der versucht, die Seele zu töten“. Sünde also durch das Werkzeug des Gebotes schlug ihn, schrieb den Urteilsspruch des Todes in sein Gewissen. Das weckt eine Frage über das Gesetz selbst auf, zu der wir beim nächsten Vers zurückkehren.

Wir dürfen Vers 9 nicht mit Vers 1 verwechseln. „Ich aber lebte“ (Röm 7,9) bedeutet, dass der Grundsatz des Todes in den Tagen, als er noch nicht wiedergeboren war, nicht in das Gewissen geschrieben war. Er war trotz alledem lebendig unter dem Gesetz in der Verantwortlichkeit Adams, wie wir gesehen haben (Röm 7,1).

Vers 12

Röm 7,12: So ist also das Gesetz heilig und das Gebot heilig und gerecht und gut.

Vers 12 zeigt, dass die Person gelernt hat, dass das Gesetz der Ausdruck dessen ist, was richtiges Verhalten für das Geschöpf ist. Das Gebot ist:

  1. heilig
    Wir haben gesehen, dass das Gesetz Lust verbietet. Trotzdem bringt es keine Hilfe, sondern fordert etwas von dem Geschöpf. Es kann das Geschöpf nicht heilig machen.

  2. gerecht
    Das bezieht sich auf die Forderung nach Folgerichtigkeit in der Verantwortlichkeit gegenüber Gott und Menschen.

  3. gut
    Die Quelle des Gesetzes ist Gott, der gut ist.

So kann es sein, dass die Seele dem Grundsatz nach in seinem Gewissen auf dem Boden des Gesetzes ist und versucht, durch eigene Kraft den Willen Gottes zu Ausführung zu bringen.

Vers 13

Röm 7,13: Gereichte nun das Gute mir zum Tod? Das sei ferne! Sondern die Sünde, auf dass sie als Sünde erschiene, indem sie durch das Gute mir den Tod bewirkte, auf dass die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot.

Die Worte „damit die Sünde überaus sündig würde durch das Gebot“ bedeuten, dass die Sünde immer da war, aber das Gesetz entdeckte sie für das Gewissen und zeigte, wie schlimm sie ist. Es war die Sünde, die mit Hilfe des Gesetzes den Tod (das heißt den Urteilsspruch des Todes) für das Gewissen brachte. Das Gesetz also zeigte die Sünde auf und sein Wirken für das Gewissen, damit die Sünde in ihrem wahren Charakter erschiene. Denkt daran, dass die Sünde sich auf die Natur bezieht und nicht auf die Handlung.

Wenn einem Kind verboten würde, an einen Abgrund zu gehen, es aber doch hingeht, hinunterfällt und stirbt, dann ist es nicht das Gebot, das das Kind getötet hat. Das Kind hatte einen Willen zum Ungehorsam. Diese böse Natur, die Sünde, bewirkte den Tod für das Kind durch das, was ein gutes Gebot war. Das illustriert etwas, was Römer 7,13 damit meint, dass die Sünde den Tod bewirkt. Auch illustriert es, wie das Böse überaus sündig wird, indem es in indirekter Missachtung des Gebotes seinen Weg gehen will.

Vers 14

Röm 7,14: Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; …

„Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist“ zeigt, dass hier jemand spricht, der befreit worden ist und in der charakteristischen christlichen Stellung ist. „Wir wissen“ zeigt christliche Kenntnis an (vgl. 1Kor 8). Der befreite Mensch berichtet von seiner Erfahrung, bevor er die Befreiung empfangen hatte. Er sagt uns auch, dass das Gesetz geistlich ist.

Hier wird auch die Geistlichkeit des Gesetzes gesehen, denn sie deckt die Sünde auf und verurteilt sie in ihrer Natur, dem Grundsatz der Lust, die das Gesetz nicht anders als verdammen kann … (A.C. Ord, The Teaching of Scripture … on Spiritual life and the Sealing of the Holy Ghost, S. 47)

Aber während es so geistlich ist, gibt es doch keine Kraft darin zum Sieg.

„Ich aber bin fleischlich“ ist der Zustand eines Kindes von Adam (das „Ich“ wird identifiziert mit und charakterisiert durch diese Natur). Hier ist das Problem. Das Gesetz kann einen solchen Menschen nur verdammen. Er ist „unter die Sünde verkauft“. Das ist ein Geständnis, dass die Sünde Herrschaft über ihn hat, aber Römer 6,14 sagt: „Sünde wird nicht über euch herrschen.“ Römer 6,14 trifft auf eine befreite Seele zu, dessen Stellung und Zustand in Römer 8 gesehen wird. Wir lesen auch in Römer 6,22: „… jetzt aber, von der Sünde freigemacht.“ Von wem spricht der Apostel? Klar, die Römer waren Christen, sie genossen Freiheit. Der Mensch von Römer 7,14 ist nicht in Freiheit. Er ist verkauft unter die Sünde und hat keine Freiheit von der Sünde. Er ist nicht in der christlichen Stellung und dem christlichen Zustand. Er hat nicht den Geist innewohnend (Röm 8,2; 2Kor 3,17).

Die Korinther waren fleischlich (1Kor 3,1), aber es ist ein Fehler, das mit Römer 7,14 zu verwechseln. In 1. Korinther 3,1 ist es wie bei Israel in der Wüste (fleischlicher Wandel), wogegen Römer 7,14 sich auf die nicht befreiten Israeliten bezieht, bevor sie das Rote Meer überschritten hatten. Die Themen sind völlig anders.

F.G. Patterson hat den Unterschied in dieser Weise beschrieben:

Es gibt zwei Wörter in der Grundsprache für „fleischlich“ (sarkinos und sarkikos). Der einzige Unterschied besteht in einem Buchstaben. Man findet sie in 1. Korinther 3,1 und in Römer 7,14 und anderswo. Das eine Wort bezieht sich auf die Stellung eines erweckten (lebendig gemachten) Menschen, der immer noch „im Fleisch“ ist. Das bedeutet, er hat das Bewusstsein seiner Verantwortlichkeit als Kind Adams und keine Befreiung vor Gott. Das ist Römer 7. Das andere bezieht sich auf Gläubige, deren praktischer Zustand nicht geistlich war: Sie „wandeln als Menschen“ (1Kor 3). Dieses Letztere ist im Gegensatz zum normalen Zustand eines Gläubigen als einem „geistlichen Menschen“. Wir finden in dem Zusammenhang (1Kor 2,3) den „natürlichen“, den „geistlichen“ und den „fleischlichen Menschen“. Der erste Mensch ist ein Mensch mit einer nicht wiedergeborenen, natürlichen Seele, das Zweite ist der normale Zustand des Gläubigen, der dritte Mensch ist ein Gläubiger, der nach dem Fleisch wandelt. (A Chosen Vessel, S. 44)

Vers 15

Röm 7,15: … denn was ich vollbringe, erkenne ich nicht; denn nicht, was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus.

Als Nächstes sieht er, dass er einen neuen Willen, aber keine Kraft hat. Sicherlich begehrt er in diesem Zustand Sieg, aber ach – um mit sich selbst zufrieden zu sein! Er würde gerne eigene Kraft haben, aber er stellt fest, dass er beherrscht wird.

Vers 16

Röm 7,16: Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es recht ist.

Sein neuer Wille würde das tun, was Gott fordert, aber seine Praxis ist anders. Trotzdem stimmt der neue Wille der Rechtmäßigkeit des Gesetzes zu.

Vers 17

Röm 7,17: Nun aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde.

Als Nächstes lernt er, das „Ich“ von der innewohnenden Sünde zu unterscheiden. Es gibt ein „Ich“ der Identität. Es gab einen Menschen, der „Adam“ vor dem Sündenfall genannt wurde, und einen Menschen, der „Adam“ nach dem Fall genannt wurde. Da gab es diesen „Adam“ der Identität, aber nach dem Sündenfall hatte er zusätzlich eine böse Natur neben seiner Identität als Adam. Der Mensch in Römer 7 ist nun zu der Unterscheidung gekommen zwischen seinem innersten Wesen und der bösen Natur, genannt Sünde.

Vers 18

Röm 7,18: Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht.

Zu lernen, dass wir ohne Kraft sind (Röm 5,6), ist viel schwieriger, als zu lernen, dass wir Sünder und Ungöttliche sind. Der Arminianer versucht, etwas in dem natürlichen Menschen zu finden, worauf Gott aufbauen kann. Die lebendig gemachte Seele allerdings muss vielmehr lernen, dass nichts Gutes in seinem Fleisch ist.

Der Unterschied von Römer 7,14-17 verglichen mit Römer 7,18-20 ist, das in dem ersten Abschnitt gelehrt wird, dass er „unter die Sünde verkauft ist“, während im zweiten die Hilflosigkeit mehr betont wird: „Aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht.“ In ihm existiert ein neuer Wille und ein neues Verständnis und auch der innere Mensch. Aber sie sind nicht in seinem Fleisch. Er meint also nicht seinen Körper hier, wenn er von seinem Fleisch spricht. „Denn die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht“ (Röm 8,7).

Verse 19.20

Röm 7,19.20: Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, dieses tue ich. Wenn ich aber dieses, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde.

Römer 7,20 endet mit derselben Aussage wie Römer 7,17. In den Versen Römer 7,14-17 hat er gelernt, dass er „verkauft ist unter die Sünde“. Es ist eine Sache, diese Tatsache anzuerkennen. Es ist eine andere Sache, die eigene Hilflosigkeit einzugestehen, indem man sie selbst erfahren hat, so wie wir das in den Versen Römer 7,18-20 finden. Er hat das Gute nicht praktiziert, das sein neuer Wille tun wollte. Vielmehr hat er das Böse getan, was sein neuer Wille ablehnte, so dass das „Ich“ (das „Ich“ als identifiziert mit der neuen Natur) nicht die Quelle des Bösen war, das getan wurde. Es war die innewohnende Sünde, die in ihm herrschte.

Bedenke, dass niemand mit einer neuen Natur jemals nur Böses und niemals Gutes getan hat. Niemand mit einem neuen Willen hat jemals nur das vollkommen Richtige gewollt und nur das Böse getan. Vers 19 ist abstrakt.

Vers 21

Röm 7,21: Also finde ich das Gesetz für mich, der ich das Rechte ausüben will, dass das Böse bei mir vorhanden ist.

Die drei Verse Römer 7,21-23 beginnen alle mit drei „Ichs“:

  • Ich finde.
  • Ich habe Wohlgefallen.
  • Ich sehe.

Es gibt er einen mächtigen Feind in mir. In mir ist ein Gesetz wirksam. Ein Gesetz ist ein festgelegter einheitlicher Grundsatz des Wirkens. Dies ist das Gesetz der Sünde.

Vers 22

Röm 7,22: Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen;

Hier sehen wir, dass die Person „den inneren Menschen“ hat. Das kann kaum die Beschreibung einer nicht lebendig gemachten Person sein, wie die Arminianer behaupten. Der nicht Wiedergeborene hat keine Freude an dem Gesetz Gottes, obwohl er das Gesetz als Religion annehmen mag so wie die nicht wiedergeborenen Israeliten zur Zeit Moses. Es ist völlig gegen die Schrift, anzunehmen, dass eine nicht wiedergeborene Person Freude hat an dem Gesetz Gottes. Um bei dem Römerbrief zu bleiben, schauen wir uns Römer 3,9-19 an. Eine nicht wiedergeborene Person hat einen fleischlichen Sinn (Röm 8,7) und hat keine neue Natur, die an dem Gesetz Gottes Freude hat. Freude am Gesetz Gottes? Wonach? Der fleischlichen Natur? Nein, nach dem inneren Menschen. Doch wir lernen, dass, obwohl das so ist, die neue Natur in sich selbst keine Kraft für den Christen hat. Sie gibt eine Empfänglichkeit für göttliche Dinge und eine Liebe zum Willen Gottes, aber sie gibt keine Kraft über den Zuchtmeister, wie wir in Römer 7 gelernt haben. Solche Kämpfe gibt es nicht, wo kein innerer Mensch ist.

Vers 23

Röm 7,23: … aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

„Das Gesetz meines Sinnes“ wird hier zum ersten Mal genannt. In Römer 8,7 lesen wir von dem „Sinn des Fleisches“. Das steht im Kontrast zu dem „Gesetz meines Sinnes“, das wir hier finden. Römer 8,7 bezieht sich auf den Willen und das Begehren des Fleisches, die Wirksamkeit des Gesetzes der Sünde. Das ist „ein anderes Gesetz in meinen Gliedern“. Das andere und gegenteilige ist das „Gesetz meines Sinnes“. Das bezieht sich auf den Willen und das Begehren der neuen Natur, so wie wir es in seinem moralischen Charakter als dem Willen Gottes unterwürfig sehen. Es gibt zwei einander entgegengesetzte Prinzipien in der Person, und somit handelt es sich ganz klar um eine wiedergeborene Person. Wenn man sagt, dass er nicht wiedergeboren ist, bedeutet das, dass man damit sagt, dass der erste Mensch nicht völlig verloren ist und in sich göttliches Begehren hat. Das verfälscht die christliche Wahrheit und den wahren Zustand des ersten Menschen vor Gott.

Die Kraft des bösen Gesetzes in unseren Gliedern führt die Person in die Gefangenschaft des Gesetzes der Sünde. Das Gesetz der Sünde hält die Person gefangen. Nun, das ist nicht der christliche Zustand, und wir haben das klare Zeugnis des Wortes Gottes, dass eine Person in dem christlichen Zustand und der christlichen Stellung, versiegelt mit dem Geist, frei ist von dieser Herrschaft (Röm 6,14.22; 8,2; 2Kor 3,17).

Verse 24.25

Röm 7,24.25: Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes? – Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Also nun diene ich selbst mit dem Sinn Gottes Gesetz, mit dem Fleisch aber der Sünde Gesetz.

Es ist in der Tat ein elender Zustand, der hier beschrieben wird, weil es sich um Beschäftigung mit sich selbst handelt; dieser Mensch schaut auf sich selbst, um Kraft über die Sünde zu bekommen. „Wer wird mich befreien?“ bedeutet, wegzuschauen von sich selbst zu einem anderen, um Kraft zu bekommen, aus diesem Zustand befreit zu werden. Jetzt schaut er von sich weg, von dem, was er ist. Er ruht jetzt auf der Person und dem vollbrachten Werk Christi zur Kenntnis der Vergebung der Sünden (er erkennt die Stellung der Vergebung) als die wahre Grundlage dessen, was er vor Gott ist. Er glaubt an das Evangelium seines Heils, so wie Paulus es gepredigt hat. Er erkennt an, dass es sich nicht nur bloß um die Vergebung der vergangenen Sünden handelt (jüdische, administrative Vergebung), sondern dass Gott eine Stellung der Vergebung bereitet hat. Der Glaube an das Evangelium des Heils (Eph 1,12.13) bringt Befreiung und Versiegelung und Versicherung des Heils.

W. Kelly hat geschrieben:

Errettung bedeutet immer ein großes Stück mehr, als dass meine Sünden gerichtet sind im Tode Christi. Errettung bedeutet, dass ich bewusst dazu gebracht bin, Gott zu kennen in dem Triumph der Erlösung, die Christus für mich zustande gebracht hat. Deswegen findet man auch, dass nach der Lehre des Neuen Testamentes der Gedanke keinen Platz hat, dass Errettung nur der Beginn des Segens ist. Leute, die nicht so mit der Wahrheit der Schrift bekannt sind, reden oft von der Errettung in einem geringschätzenden oder wenigstens oberflächlichen Sinn. Sie reden vielleicht von einer Person, die nicht glücklich ist, aber doch wenigstens errettet sei. Solch einer Sprache begegnen wir im Neuen Testament nirgendwo. Errettung bedeutet bewusst gekannte Befreiung. Es ist nicht nur die gute Hoffnung, dass man frei wird, sondern dass die Person selbst durch Gnade keinen Zweifel darüber hat. Manche von diesen Leuten verlieren oft die wahre Kraft des Wortes durch unschriftgemäße Ausdrücke. In der Tat ist die Leugnung der Errettung als ein gegenwärtiger Zustand schon eine ganz gewöhnliche Sache in der Christenheit. (Lectures Introductory to … the Pentateuch, S. 163–164)

Nicht nur die Worte „Errettung“ und „errettet“ werden locker gebraucht. Das geschieht auch mit dem Wort „Gläubiger“. Ein Gläubiger ist jemand, der das Evangelium des Heils geglaubt hat. Der lebendig gemachte, aber nicht befreite Mensch ruht nicht auf der Person und dem Werk Christi zur Kenntnis der Vergebung der Sünden, indem er kein Sündenbewusstsein mehr hat (Heb 10,2). Im Gegenteil, er ist sich sehr wohl Sünden bewusst, die möglicherweise seine Annahme verhindern. Seine Gedanken und sein Gewissen sind mit ihm selbst vor Gott beschäftigt, was seine Stellung angeht und nicht was Christus für ihn vor Gott ist. Und obwohl er an Christus glaubt, ist er nicht im wahrsten Sinn des Wortes ein Gläubiger, das heißt, er ist nicht jemand, der auf dem Werk Christi für ihn als Grundlage seiner Stellung vor Gott ruht.

J.N. Darby hat bemerkt:

Solche, die von dem 6. und 10. Kapitel … des Hebräerbriefes reden, sind sicherlich nicht befreit. (Letters of J.N. Darby, Bd. 2, S. 452)

Das bedeutet: Solche, die sich darüber sorgen, ob diese Kapitel zeigen, dass jemand wieder verlorengehen kann, sind nicht befreit.

Erst wenn eine Seele vom Gesetz befreit ist, von der Gefangenschaft unter das Gesetz der Sünde, gibt es den Frieden Gottes, ausgegossen in das Herz durch den Heiligen Geist. Sicherlich hat der Mensch von Römer 7 keinen gegründeten Frieden! Um den Frieden zu haben, von dem die Schrift spricht, muss die Seele die Vergebung kennen von dem, was sie getan hat, und Befreiung von der Gefangenschaft unter das Gesetz der Sünde.

Darby hat bemerkt:

Frieden durch Vergebung ist, was das Werk Christi angeht, der Beweis von Glauben an das Werk Christi, und wenn dieses Werk durch den Glauben angenommen wird, ist das der Grund für die Versiegelung: So jemand ist befreit … Das Verständnis der Versiegelung ist die Konsequenz der Versiegelung. (Letters, Bd. 2, S. 351)

Der Schrei war nach Befreiung „von diesem Leib des Todes“ (Röm 7,24). Das beinhaltet auch „den Leib der Sünde“ (Röm 6,6). Jemand anders hat den Begriff „der Leib der Sünde“ folgendermaßen definiert:

Er kennzeichnet den ganzen Zustand des natürlichen Menschen, so wie er völlig der Sünde und ihrer Herrschaft unterworfen ist. (Words of Truth, New Series Bd. 2, S. 227)

Das Ergebnis davon ist Tod und deswegen wird Befreiung von diesem Ergebnis gesucht. Befreiung ist „von diesem Leib des Todes“.

Vers 25b

Röm 7,25b: So denn diene ich mit dem Sinn Gottes Gesetz; aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

Das beschreibt nicht den Zustand einer nicht befreiten Seele. Es redet davon, dass zwei Naturen existieren, die eine ganz bestimmte Grundhaltung haben und einen ganz bestimmten Charakter, auch nachdem die Befreiung erfahren wurde. „Das Gesetz meines Sinnes“ (Röm 7,23) ist immer noch dasselbe. So ist es auch mit dem Fleisch – es begehrt, dem Gesetz der Sünde zu dienen. Der Charakter und die Grundhaltung der zwei Naturen ändern sich nicht als Ergebnis der Befreiung. Aber so jemand hat nun eine neue Kraft in sich: den Geist Gottes.

Der praktische Gebrauch der Befreiung

In dem folgenden Brief hat Darby, wie ich annehme, etwas darüber geschrieben, wie man die Befreiung in die Praxis umsetzt:

Ich weiß sehr gut, wie wenige die Befreiung kennen. Aber es ist eine große Sache, zu wissen, dass ich, ein armer Wurm, vor Gott sein soll und vor dem Vater in derselben Annahme und derselben Gunst, wie Christus es ist, so geliebt, wie Er geliebt wird. Aber es ist die Größe unendlicher Liebe. Das wird oft nicht in verständlicher Weise gepredigt. Dazu kommt, dass es auch eine Sache der Erfahrung ist. Weiter ist es darüber hinaus besonders wichtig, dass wir danach verlangen müssen, sie zu besitzen. Wer ist schon willig, tot zu sein dem gegenüber, was die Natur und das Fleisch begehren? Doch ist das der einzige Weg der Befreiung. Man wird dir erzählen, dass es unsere Stellung in Christus ist. Das gestehe ich zu, so wie Kolosser 3 sagt und so wie der Glaube es in Römer 7 und Galater 2 anerkennt. Aber wer ist wirklich willig, in dieser Stellung zu sein? Es ist unsere Stellung, andernfalls sind wir in den hoffnungslosen Anstrengungen von Römer 7 verstrickt oder der Arbeit eines ehrlichen Mönches, wie ich selbst probiert habe. Und selbst, wenn wir das erfahrungsgemäß gelernt haben, wie wir das auch müssen, wer lebt dann 2. Korinther 4 so aus, dass sein Gewissen durch einen nicht betrübten Geist darin lebt? Aber wenn dies erfahrungsmäßig gelehrt wird, dann ist es von größtem Nutzen für die Seelen. Und die Freude darüber, tadellos in Christus vor Gott zu sein, ist überaus groß. Und es ist eine Freude, die ewig und göttlich ist in ihrer Quelle und in ihrem Wesen – eine wunderbare Sache. „Denn der, der in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Die Welt ist eine schreckliche Schlinge und subtil obendrein und hindert diese Befreiung sehr. Eine Seele, die Befreiung genießt, hat ihren Gegenstand anderswo (s. Röm 8). Daran müssen wir uns erinnern, „aber die Seele der Fleißigen wird reichlich gesättigt“ (Spr 13,4). Ich betone, wenn Seelen geübt sind: „Meine Gnade genügt dir und meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.“ Denn wir lernen, dass wir ohne Kraft für Befreiung sind, und wandeln in dem Bewusstsein davon, wenn wir im Dienst gebraucht werden. Aber Gottes Gnade ist ausreichend. Wissen, dass wir nichts sind, ist der Ort des Segens, denn dann ist Gott alles. Und es ist auch der Platz der Kraft, denn Christus kann seine Kraft hineinbringen. (Letters, Bd. 3, S. 90–91)

Was ist mit unversiegelten Seelen beim Tod oder beim Kommen des Herrn?

W. Kelly schrieb:

Es gibt keine Seelen, die nach Christus ausgeschaut haben, denen Gott nicht den Geist der Sohnschaft geben wird, und sie werden so in vollen Segen gebracht werden. Aber das kann oft auf dem Totenbett sein, obwohl das bei einem Christen nicht der Fall sein sollte. (Galater, S. 66–67)

Ein anderer bemerkt:

Es gibt viele lebendig gemachte Seelen, die nicht versiegelt sind, aber kein Christ stirbt jemals und verschwindet von dieser Szene, wo der Heilige Geist seit Pfingsten seinen persönlichen Platz hat, ohne versiegelt zu sein. Daher kommt es, dass man Fälle sehen kann, wo es keine Freiheit gab und kein Friede mit Gott während des Lebens genossen wurde, wo es nur manchmal Strahlen der Freude gab, und doch wenn sie auf dem Totenbett sind, haben sie vollkommenen Frieden mit Gott und sind versiegelt. (Words of Truth, Bd. 3, S. 138)

J.N. Darby schreibt dazu:

Wenn eine Seele nur lebendig gemacht und nicht errettet ist, würde sie nicht zur Gemeinde gehören (weil sie nicht den Geist hat) beim Kommen des Herrn. Ich weiß, dass dies unmöglich ist, weil, wie der Apostel sagt, „der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, wird es vollenden auf den Tag Jesu Christi“. Du bist nicht vereint durch Glauben noch durch Leben, sondern durch den Heiligen Geist. (Collected Writings, Bd. 28, S. 368)

Folgekonflikt

Wenn das klare und volle Evangelium verkündigt wird, kann es sein, dass eine Seele während der Predigt lebendig gemacht wird und an das Werk zur Erkenntnis der Vergebung der Sünden glaubt und versiegelt wird. Trotzdem muss sie noch sich selbst kennenlernen, aber das wird in einer modifizierten Form sein von dem, wie es jemand lernt, der tatsächlich in dem Zustand von Römer 7 ist.

J.N. Darby schrieb:

Aber wenn ein volles Evangelium gepredigt und Vergebung bekannt ist, wird immer noch die Selbsterkenntnis durch das Gesetz sein, aber die Art und Weise ist anders. Der Weg ist vielmehr: „Ich hoffe, ich habe mich nicht selbst getäuscht; ich dachte, mir wäre vergeben. Wie kann es sein, das ich so und so etwas tue? Wie kommt es, dass ich diese Kraft der Sünde immer noch hier finde? (Collected Writings, Bd. 21, S. 179)

Das heißt nicht, dass es solche nicht gibt, die den Geist haben und auch durch diese Erfahrung [von Römer 7] in einer modifizierten Weise hindurchgehen müssen entweder als Folge von falscher Belehrung oder weil sie sich vorher nicht genügend selbst kennengelernt haben. Aber das ist nicht Römer 7 dem Grundsatz nach und der wahren Kraft seiner Belehrung nach. (J.A. Trench, An Answer to „Life and the Spirit“, S. 13)

Ich möchte hinzufügen als weitere Hilfe, dass, wenn es Gleichgültigkeit des Herzens gibt oder selbst Trägheit, es dann nicht überraschend ist, das wir keine Befreiung finden; oder wenn wir entgegen dem Sinn des Geistes wandeln oder dem, was ein Christ suchen sollte, dann wird Befreiung durch die Kraft des Geistes kaum etwas sein, wonach man ausschaut. Aber darüber hinaus, wenn eine Person Befreiung gefunden hat und so wandelt, dann wird so jemand zwar nicht in die Unsicherheit in Bezug auf seine Stellung zurückkehren oder zurückkehren in einen Zustand von Römer 7. Dennoch ist es dann so, dass der Geist, der die Kraft dieses neuen Zustandes ist, immer betrübt ist und so die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn verlorengegangen ist, wenn auch nicht die Erkenntnis dieser Beziehung. Wenn der Heilige Geist so betrübt ist, dann sind die Zuneigungen nicht erfüllt mit dem, was zu dieser neuen Stellung gehört – dann ist alles Chaos und Dunkelheit in der Seele. Ich bin ein Kind, aber wo ist mein Vater? Ich gehöre zum Himmel, aber wo ist für mich der Himmel, zu dem ich gehöre? Was ich von beiden weiß, dient dazu, mich empfindsam zu machen dafür, dass ich sie verloren habe. Obwohl es subjektiv nicht eine Frage ist, ob ich ein Sohn bin, ist es objektiv daher ein Versagen in dem, was ein Sohn genießt; und so ist Dunkelheit auf dem Geist. Ich weiß kaum, ob ich mich selbst so nennen darf, obwohl ich keinen Zweifel habe, dass es so ist. Dafür gibt es nur ein Heilmittel: nämlich die Demütigung und dass man näher zum Herrn kommt und den Götzen aufgibt, der einen behindert. (J.N. Darby, Collected Writings, Bd. 29, S. 304)

Mangelhafte Belehrung

Wenn jemand sich in der Seelsorge betätigt, dann ist der erste Punkt, zu erkennen, ob die Seele wirklich befreit ist oder ob es sich um Gleichgültigkeit handelt, wenn man seine wahre Stellung in Christus vor Gott verstanden hat. Das ist eine Sache von geistlichem Unterscheidungsvermögen. Wo ein gesetzliches und sich selbst richtendes Temperament ist, ist das nicht immer so einfach. Und wir müssen daran denken, dass es viele wahre Seelen gibt, die rufen „Abba Vater“, bei Gott, aber durch falsche Belehrung Angst haben, ihren Platz in der Annahme einzunehmen. Wir müssen versuchen, solchen durch das Wort zu helfen.


Auszüge aus dem 3. Kapitel „Deliverance from the Law of Sin“
aus dem Buch From New Birth to New Creation, R.A. Huebner


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...