Gottesnamen im Buch Jona
Elohim und Jehova

William Wooldridge Fereday

© EPV, online seit: 04.01.2011, aktualisiert: 09.07.2019

Im Buch Jona fällt auf, dass in den ersten drei Kapiteln immer von der „HERR“ die Rede ist. In Kapitel 4 findet hingegen ein Wechsel statt. Dort heißt es auch „Gott, der Herr“ oder auch (nur) „Gott“. Gibt es dafür eine Erklärung?

Der Gebrauch der Namen und Titel Gottes in den Schriften durch den Geist ist höchst lehrreich und sollte von allen, die bemüht sind, die Wege Gottes mit den Menschen und insbesondere mit Israel während der verschiedenen Zeitalter zu verstehen, sorgfältig beachtet werden. Bedauerlicherweise hilft uns hier unsere ansonsten ausgezeichnete Authorized Version nicht so, wie sie es eigentlich sollte. Die Worte „Gott“ und „der Herr“ (das Letztere manchmal in Groß-, manchmal in Kleinbuchstaben) verbergen tatsächlich wichtige Wahrheiten. Im Buch Jona lesen wir von „Gott“ und von „der Herr“. „Gott“ steht für das hebräische Elohim und kommt 15-mal vor; „der Herr“ steht für Jehova und kommt 26-mal vor. Namen Gottes sind im heiligen Wort Gottes reichlich vorhanden; jeder hat seine eigene Bedeutung; jeder hat deshalb auch seine eigene liebliche Botschaft für das Herz. Psalm 68 ist besonders reich an Namen und Titeln Gottes; wenigstens zwölf verschiedene sind hier zu finden. Die letzte und höchste Offenbarung Gottes ist der Name „Vater“, den uns der Sohn Seiner Liebe kundgetan hat; und unter diesem Namen stehen die Heiligen dieser Haushaltung zu Ihm in Beziehung als Seine Kinder, Seine Söhne, Seine Erben.

Die Bibel beginnt mit „Elohim“. Bis 1. Mose 2,3 finden wir keinen anderen Titel. Er redet von göttlicher Oberhoheit – Gott als die gewaltige Ursache von allem. „Jehova“ ist Sein Titel der Beziehung. In der Tat ist es wunderbar, dass Er sich herabgelassen hat, in Beziehung zu Seinem Geschöpf, dem Menschen, zu treten; dementsprechend lesen wir in 1. Mose 2 ab Vers 4 von „Jehova Gott“ (eigentlich „Jehova Elohim“). Beachten wir die unterschiedlichen Beziehungen in diesem Kapitel (1Mo 2):

  • 1Mo 2,4-6 : Die Himmel und die Erde in Beziehung zu Ihm. Er erschuf sie. Sie sind das Werk Seiner Hände.
  • 1Mo 2,7-15 : Der Mensch in Beziehung zu Ihm. Das besondere Einhauchen.
  • 1Mo 2,16-20: Der Mensch in Beziehung zu den geringeren Ordnungen. Ihr Herr.
  • 1Mo 2,21-25: Der Mann in Beziehung zur Frau. Ihr Haupt.

Hier im Buch Jona beobachten wir, dass die Seeleute von Gott zuerst als „Elohim“ reden. Sie waren sich keiner besonderen Beziehung zu Ihm bewusst; aber sie anerkannten Ihn als den Höchsten, der den Sturm stillen konnte, wenn Er wollte. Leider haben viele in diesen Tagen des Lichtes des Evangeliums keine höhere Erkenntnis von ihrem Schöpfer als diese Seeleute. Als die Hand Gottes in dieser Angelegenheit offenbar wurde und nachdem sie das Glaubensbekenntnis Jonas aus Kapitel 1,9 gehört hatten, riefen sie zu „Jehova“ (Jona 1,9.14), fürchteten sie sich vor „Jehova“ und schlachteten Schlachtopfer und taten Gelübde dem „Jehova“ (Jona 1,16). „Der Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat“ (Jona 1,9) wurde für sie etwas mehr als nur der Schöpfer; sie kamen dahin, Ihn so weit zu erkennen, wie es möglich war, bevor der Sohn der Liebe des Vaters aus dem Himmel herniederkam, um Ihn völlig zu offenbaren. Der einfache Glaube dieser Seeleute könnte viele aus dem Volk Jonas beschämen, die mit dem Wort Gottes in Händen den götzendienerischen Wegen Jerobeams, des Sohnes Nebats, folgten.

Beachten wir nun, wie Jona von Gott spricht. Das ganze Buch hindurch führt er den Namen „Jehova“ auf seinen Lippen – den Namen, der jeden belehrten Juden an die göttliche Treue erinnert (Mal 3,6). Unter diesem großen Namen nahm Er bei der Befreiung aus dem Land Ägypten Verbindung zu dem Volk auf (2Mo 6). Obwohl uns Jona in seinem ganzen Buch in einem mehr oder weniger unerfreulichen geistlichen Zustand gezeigt wird, hatte er doch nicht das Gefühl für seine Beziehung zu Gott verloren. „Ich fürchte Jehova“, hatte er gesagt (Jona 1,9). Der Geist berichtet: „Und Jona betete zu Jehova, seinem Gott, aus dem Bauch des Fisches“ (Jona 2,2). Am Schluss seines Gebets rief er im Glauben aus: „Bei Jehova ist die Rettung!“ (Jona 2,10). Selbst als er gereizt Einwände gegen die an Ninive erwiesene göttliche Barmherzigkeit vorbrachte, betete er zu „Jehova“ (Jona 4,1). Das ist beachtenswert. Der Gott, mit dem wir alle es zu tun haben, weiß, den Funken Glauben in uns und das Bewusstsein, Ihm anzugehören, am Leben zu erhalten, selbst wenn wir vom Weg abgekommen sind. Doch lasst uns trotz allem die Ermahnung aus 2. Petrus 1 beachten und mit Fleiß und geistlicher Energie unseren Glauben betätigen. Dies ist die Seite unserer Verantwortung.

Im Gegensatz zu Jona spricht der König von Ninive mit seinem Volk nur von „Gott“ (Elohim). Der Name, unter dem das Volk Israel Ihn kannte, kam nicht über ihre Lippen. Das Volk wurde sich bewusst, dass es schwer gegen seinen Schöpfer gesündigt hatte; sie zitterten bei der Ankündigung Seines Gerichts und sie demütigten sich vor Ihm. Wie wir schon gesehen haben, sind in Jeremia 18,7-10 die Grundsätze des Handelns Gottes mit den Nationen niedergelegt. Seine Augen sehen ihre Taten, und von Zeit zu Zeit sucht Er sie in Seinem Grimm heim; doch Er ist immer bereit, Gnade zu üben. Die Regierung Gottes darf nicht mit Seiner Gnade verwechselt werden. Ein solcher Aufschub des Gerichts, wie ihn die Niniviten erlebten, ist nicht dasselbe wie die ewige Vergebung der Sünden, wie sie in der Botschaft des Evangeliums jedem Menschen verkündigt wird (Apg 13,38.39). Wir müssen nicht meinen, dass wir wegen der Buße der Niniviten, wie sie in Jona 3,10 beschrieben wird, nun die ganze Bevölkerung im Himmel wiedersehen werden; obwohl es nicht unwahrscheinlich ist, dass Einzelne (vielleicht auch viele) als das Ergebnis dieser Warnung ewige Segnung gefunden haben.

In der gegenwärtigen Krise [der Zweite Weltkrieg; Anm. d. Übers.] leiden die Nationen dieser Erde wie nie zuvor. Der, der auf dem Thron sitzt und in Gerechtigkeit richtet, ist mit ihnen allen unzufrieden; doch wenn eine Nation, und sollte es auch nur eine sein, ihren Zustand aus Seiner Sicht erkennen und ihre lang anhaltende Verachtung und vielfache Übertretung der göttlichen Ansprüche anerkennen würde, würde Er vergeben, und Frieden und Ruhe könnten wiederkehren. Gegenseitige Beschuldigungen führen zu nichts. Nationen, die nur die Anschuldigung und Vernichtung ihrer Nachbarn im Sinn haben, mögen die Worte des Propheten Oded aus 2. Chronika 28,9-11 zu Herzen nehmen. Als das siegreiche Zehn-Stämme-Reich zweihunderttausend jüdische Gefangene zurückbrachte, ging dieser Prophet kühn hinaus und sagte: „Siehe, weil Jehova, der Gott eurer Väter, gegen Juda zürnte, hat er sie in eure Hand gegeben; und ihr habt sie mit einer Wut gemordet, die bis an den Himmel reicht. Und nun gedenket ihr, die Kinder Judas und Jerusalems euch zu Knechten und Mägden zu unterwerfen. Sind aber nicht bei euch selbst Verschuldungen gegen Jehova, euren Gott?“


Aus dem Buch Das Buch Jona,
Ernst-Paulus-Verlag (Neustadt/Weinstraße), 1996, S. 34–37

Weitere Artikel in der Kategorie Fragen (95)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...