Heiligkeit des Friedens
… und des Friedenstiftens

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 15.11.2013, aktualisiert: 24.01.2018

Leitverse:  Jakobus 3,17; Markus 9,50 

Jak 3,17: Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, dann friedsam.

Mk 9,50:
Habt Salz in euch selbst, und seid in Frieden untereinander.

Wenn es an Reinheit fehlt, ist es nicht überraschend, wenn es auch an göttlichem Frieden mangelt. Wenn das Salz fehlt, sollte es keine Überraschung sein, dass der göttliche Friede untereinander ebenfalls fehlt. Das Salz symbolisiert den bewahrenden Charakter der Absonderung von dem Bösen für den Herrn. Warum den göttlichen Frieden erwarten, wenn wir Gottes Methode, ihn zu erwerben, ignorieren? In diesen Versen findet sich eine göttliche Ordnung, die unbedingt befolgt werden muss. Wir werden dazu ermahnt, eines Sinnes zu sein (Phil 2,2.3; 1Kor 1,10), und so, wie wir, um göttlichen Frieden zu erlangen, eine demütige Gesinnung brauchen, so brauchen wir auch „dieselbe Gesinnung im Herrn“ (Phil 4,2). Wenn Reinheit und Salz fehlen, können wir zwar auf Grundlage von Kompromissen und Anpassung Einmütigkeit erzielen, nicht aber Einmütigkeit in dem Herrn.

Es gibt viele, die Ansichten über den Frieden und die Friedensstiftung haben, die die Heiligkeit unterminieren. Gewöhnlich verraten Taten die falschen Vorstellungen, doch manchmal erscheinen falsche Vorstellungen auch in Form von Lehren. So sagte zum Beispiel jemand, der zu einer „offenen“ Gemeinschaft ging:

Wenn Er, auf den wir warten, kommt, wird Er uns dann wie die Knechte in Lukas 12,37 und 43 vorfinden oder wie den streitsüchtigen Knecht in Lukas 12,45? „Befleißigt euch, von ihm (1) im Frieden, (2) unbefleckt und (3) tadellos befunden zu werden“ (2Pet 3,14 [Reihenfolge nach der englischen King-James-Version – im Grundtext ist die Reihenfolge dagegen, wie auch in den bekannten deutschen Übersetzungen, 2-3-1, d.h., der Friede kommt am Schluss (Anm. d. Übers.)]). Zu Anfang lag die Hauptbetonung auf der Reinheit (Jak 3,17), denn der Jakobusbrief ist der vielleicht früheste der Briefe. Aber der zweite Petrusbrief, einer der letzten Briefe und für die Endzeit geschrieben, stellt den Frieden voran. Sollte das nicht Bedeutung und Gewicht für uns haben? (H.P. Barker, Why I Abandoned exclusivism, 4. Aufl., 1940, S. 26)

Mit solch schamlosen und unheiligen Vorstellungen ist es keine Überraschung, dass er das, was er „Exklusivismus“ nannte, verließ, was eigentlich der Ausschluss des Bösen ist.

Ohne näher auf seine willkürliche Gleichsetzung des Ringens um Heiligkeit in unseren Verbindungen mit Streitsucht einzugehen, wollen wir doch die Wirkung hervorheben, die sich daraus ergibt, wenn man die Wahrheit aufgibt, dass böse Verbindungen verunreinigen. Das endet immer mit einer Form der Beschönigung des Bösen. Immer!

Meint er nicht in diesem Zitat, dass in dem Maße, wie die Zeiten in der bekennenden Gemeinde immer schlechter werden, die Reinheit weniger wichtig wird und dass die Hauptbetonung auf Frieden statt auf Reinheit liegt?

Immerhin gibt er zu, dass zu Anfang die Hauptbetonung auf der Reinheit lag (Jak 3,17). Hätte er 2. Timotheus 2,22 (Paulus’ letzten Brief, der geschrieben wurde, damit ein Mann Gottes wissen möge, wie er ein gereinigtes Gefäß sein könnte) berücksichtigt, wäre den Christen womöglich diese unheilige, schändliche und falsche Schlussfolgerung aus 2. Petrus 3,14 erspart geblieben. 2. Timotheus 2,22 sagt: „Strebe aber nach der Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen.“ In 2. Petrus 3,14 erfahren wir wieder, wie wir von Ihm im Frieden befunden werden können: indem wir unbefleckt (ohne Verunreinigung) und tadellos wandeln.

Das obige Zitat ist also nicht die Weisheit, von der wir im Jakobus 3,17 lesen: „Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedvoll, milde, folgsam, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt.“

Hat sich die von Jakobus genannte Weisheit geändert, weil die Endzeit gekommen ist? W. Kelly bemerkte treffend:

Man kehre diese Reihenfolge nie um; diese Weisheit ist nicht nur rein und friedvoll, sondern sie ist erstens rein, sodann friedvoll. Zuerst wahrt sie das Wesen und die Herrlichkeit Gottes, und danach sucht sie die Früchte des Friedens unter den Menschen.

Diese Ordnung steht im Einklang mit unserem Herrn Jesus, betrachtet in seinem Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks – dem Priestertum, in dem Er nun unseretwegen tätig ist (Heb 7,11). „Denn dieser Melchisedek, König von Salem, Priester Gottes, des Höchsten – der Abraham entgegenging und ihn segnete, als er von der Niederwerfung der Könige zurückkehrte, dem auch Abraham den Zehnten von allem zuteilte – heißt übersetzt zunächst König der Gerechtigkeit, dann aber auch König von Salem, das ist König des Friedens“ (Heb 7,1.2).

„Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften“ (Jak 3,18). Es gibt eine Frucht, die in Frieden genossen werden soll, und diese Frucht ist die Gerechtigkeit. Es ist eine Torheit, zu denken, dass wir nach einer Frieden-um-jeden-Preis-Vorstellung handeln oder Gottes Ansprüche auf Reinheit (Jak 3,17) aufgeben dürfen und dennoch Frieden haben, in dem die Frucht der Gerechtigkeit genossen werden kann. Der Friede in Jakobus 3,17 ist göttlicher Friede und nicht der Friede des Menschen, wo es nicht darum geht, um etwas Göttliches zu ringen. Wie wird der göttliche Friede, in dem man die Frucht der Gerechtigkeit genießt, bewirkt? Jakobus 3,17 ist der Zusammenhang, der uns das sagt. Um diese Weisheit soll man Gott bitten (Jak 1,5). Der Friede unter den Heiligen muss eine gerechte Grundlage haben. Ein wahrer Friedensstifter (Mt 5,9) strebt diese an. Wo Sünde ist, trachtet er danach, dass sie verurteilt wird und dass es Reue gibt (Spr 28,13).

„Eine Züchtigung scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit“ (Heb 12,11). Die friedsame Frucht, die denen gegeben wird, die durch die Züchtigung geübt sind, ist die Gerechtigkeit. Wie wir gesehen haben [in einem anderen Artikel (Anm. d. Üb.)], dass Liebe nicht von Gerechtigkeit zu trennen ist, so ist auch der Friede nicht von der Gerechtigkeit zu trennen (vgl. Kol 1,20). Diese Dinge zu trennen, bedeutet, das wahre Wesen des Kreuzes und die Natur Gottes als Licht und Liebe zu leugnen. Liebe, Einsicht (bzw. Urteilsvermögen), Lauterkeit (bzw. Reinheit) und die Frucht der Gerechtigkeit werden alle in Philipper 1,9-11 zusammengebracht. Wir wollen danach trachten, all diese Dinge gleichzeitig nebeneinander in unserem Lebenswandel aufzuweisen.

Einer der großen Fallstricke, die heutzutage im Christentum verbreitet sind, ist Liebe und Frieden auf Kosten von Reinheit und Gerechtigkeit. Das klingt für viele edelmütig; und die Menschen halten viel von sich aufgrund ihrer Liebe, ihrer Toleranz, ihrer Güte und Friedfertigkeit. Doch ist dies nicht die Weisheit von oben.

Man darf und soll sogar nachgeben, wo es um Fragen der persönlichen Annehmlichkeit und des eigenen Rechts geht. Das ist Sanftmut und ein Streben nach dem, was dem Frieden dient [Röm 14,19]. Es ist liebevoll und gerecht, so zu handeln. Es ist Reinheit, so zu handeln. An dieser Stelle werden die Dinge oft verdreht. Man kann seine eigenen Rechte abtreten, doch niemals die Rechte Christi. Es ist stets falsch, die Rechte Christi aufzugeben. „Eure Nachgiebigkeit [nach der englischen Übersetzung des Autors] soll allen Menschen bekannt werden“ (Phil 4,5): Dies bezieht sich auf meine Annehmlichkeit, meine Rechte, aber niemals auf Gottes Rechte.

Dies gilt auch in Bezug auf Römer 14,19: „So lasst uns nun dem nachstreben, was den Frieden, und dem, was der gegenseitigen Erbauung dient.“ Bedeutet dies etwa, dass wir bei der Wahrheit Kompromisse machen und die Rechte Gottes aufgeben sollten? Handelte Paulus unrecht, als er Petrus widerstand (Gal 2,11)? War er ein Unruhestifter, ein Störenfried? Durchaus nicht! Nie gebe man die Rechte Gottes auf; nie mache man bei der Wahrheit Kompromisse. Römer 14,19 steht in einem Zusammenhang. Es ist Römer 14,15 und das Aufgeben der eigenen Rechte. Dies wird uns dabei helfen, die Aufforderungen in Hebräer 12,14 und auch in 1. Petrus 3,11 zu praktizieren.

Wenn wir über die Sanftmut und Milde Christi sprechen, sollten wir beachten, dass Sanftmut bedeutet, nicht auf den eigenen Rechten zu bestehen. Milde ist Nachgiebigkeit. Eine Schwester bemerkte einmal mir gegenüber, dass unser Herr Jesus, als man Ihm ein Rohr in die Hand gab [siehe Mt 27,29], dieses hielt! Erstaunlich! Kostbarer, kostbarer Heiland! Welche Sanftmut! Doch Er gab niemals bei etwas nach, was Gott gebührte. Unsere Herzen geben gern von Natur aus bei Gottes Rechten und seinem Willen nach und bestehen dann auf unserem eigenen Willen, den wir manchmal unter frommen Phrasen verbergen. Wir wollen auch daran denken, dass unser gesegneter Herr, der Heilige und Wahrhaftige [Off 3,7], Gerechtigkeit liebte und Gesetzlosigkeit hasste, weshalb Ihn Gott, sein Gott, mit Freudenöl vor seinen Gefährten salbte (Heb 1,9).

Oh, welche Freude macht es uns, an den Heiligen zu denken, der keine Sünde kannte! Seine Seele muss das Böse des Ortes, an dem Er sich bewegte, gespürt haben. Wie wenig sind wir so wie Er! Oh, wären wir doch mehr wie Er! Dank sei Gott; das kostbare Blut lässt nicht einen Fleck übrigbleiben. Wir müssen uns davor hüten, Christus falsch darzustellen, wenn wir von der Sanftmut und Milde Christi sprechen. Man sagt uns „Predige Christus“, und wir hören liebliche Dienste über seinen Wandel. Nun wird sein Wandel durch das Speisopfer dargestellt, und Gott hat uns gesagt: „[Du] sollst das Salz des Bundes deines Gottes auf deinem Speiseopfer nicht fehlen lassen; bei allen deinen Opfergaben sollst du Salz darbringen“ (3Mo 2,13). Das Fehlen von Salz bedeutet die Darbringung von etwas, was nicht wirklich Christus ist, wie Gott Ihn als die Speise seines Volkes sieht. Dies wird ein gestörtes Wachstum und einen schadhaften Wandel bei den Hörern nach sich ziehen. Man denke nach über 1. Mose 19,26; 2. Könige 2,21; Esra 7,22; Hesekiel 43,24; Kolosser 4,6.

1. Timotheus 6,11 sagt: „Strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut des Geistes.“ Das sind viele Dinge, denen wir nachstreben sollen. Wir wollen ihnen allen nachstreben.

Wie kommt es, dass wir instinktiv vertauschen, auf wessen Rechte wir verzichten sollten und auf wessen Rechte wir nicht verzichten sollten? Es gibt eine Geschichte über ein Mädchen, das in eine Sonntagsschule ging, wo eine Kollekte gesammelt wurde. Sie hatte zwei 5-Cent-Münzen, eine für sich und eine für die Kollekte; und auf dem Weg zur Kirche ließ sie eine fallen, und sie rollte in den Rinnstein und in die Kanalisation. „Das war’s dann wohl mit der Münze des Herrn“, sagte sie. Wir sind genauso anfällig dafür, diese Verse über den Frieden so zu gebrauchen. Gib bloß ein wenig nach bei dem Prinzip des Herrn, schlägt die alte Natur vor. Der Friede ist eine der neunfachen Früchte des Geistes. Der in uns wohnende Geist führt uns dazu, in Bezug auf das Unsere nachzugeben, aber in Bezug auf das, was Christi ist, treu zu sein. Siehe auch Markus 9,50; 2. Korinther 13,11; 1. Thessalonicher 5,13. „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17).

Hiskia sagte zu Gott: „… dass ich vor deinem Angesicht in Treue und mit ungeteiltem Herzen gelebt und dass sich getan habe, was gut ist in deinen Augen“ (2 Kön 20,3), und zweifellos lag ein gewisses Maß an Wahrheit in dieser Behauptung. Wie unaussprechlich traurig ist es jedoch, ihn später zu Gott sagen zu hören: „Wenn doch nur Friede und Wahrheit [nach der englischen Übersetzung – man kann das hebräische Wort emet sowohl mit „Bestand“ als auch mit „Wahrheit“ übersetzen (Anm. d. Üb.)] in meinen Tagen bleiben!“ (2Kön 20,19; vgl. Jes 39,8). Hier ist die Wurzel des Niedergangs, eine Umkehrung der moralischen Ordnung, und Juda trug die bittere Frucht, die unausweichlich dieser Wurzel erwächst. Wie viele Seelen, die den Herren lieben, haben jedoch gesagt: Wenn wir nur Frieden und Wahrheit haben können! Vielleicht kommen uns solche Worte nicht laut über die Lippen, aber sind sie da in unseren Herzen?

War es richtig von Mordokai, Esthers Heirat mit einem Heiden zu billigen, während so etwas in Jerusalem beklagt und verurteilt wurde (Esra 10)? Allerdings nicht! Und so ist es keine Überraschung, dass auch Mordokai die Reihenfolge von Frieden und Wahrheit [nach der englischen Übersetzung] verkehrte (Est 9,30.31). Vergleiche Sacharja 8,16.

„Und sie heilen den Bruch der Tochter meines Volkes oberflächlich und sagen: Friede, Friede! – Und da ist doch kein Friede. Sie werden zuschanden, weil sie Gräuel verübt haben. Doch sie schämen sich keineswegs, ja, Scham kennen sie nicht“ (Jer 6,14.15; 8,11.12).

„Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen“ (Mt 5,9). Sie folgen der moralischen Ordnung und den Wegen Gottes. Alle anderen, die auf einer anderen Grundlage „Frieden“ stiften, sind in Wirklichkeit Stifter des Niedergangs und des Abfalls.

„Habt Salz in euch selbst, und haltet Frieden untereinander“ (Mk 9,50). Das Salz symbolisiert hier den bewahrenden Charakter der Heiligkeit, der Absonderung von dem Bösen für den Herrn. Selbstverständlich hatte Er Salz in sich selbst.


Originaltitel: „The Holiness of Peace and Peace-making“
aus Thy Precepts, Morganville (Present Truth Publishers) Sept./Okt. 1991, S. 144–148

Übersetzung: S. Bauer


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