Heiligkeit der Vergebung

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 12.11.2013, aktualisiert: 10.09.2018

Leitvers:  Lukas 17,3

Lk 17,3: Wenn er es bereut, so vergib ihm.

1974 gewährte Präsident Ford dem früheren Präsidenten R.M. Nixon eine Begnadigung, und in diesem Zusammenhang berief er sich auf den Namen Gottes in Bezug auf das Prinzip der Vergebung. Ein Artikel in einem landesweiten weltlichen Magazin sagte, dass wegen des Verweises auf Gott im Zusammenhang mit der Vergebung nicht vergessen werden sollte, dass, historisch gesehen, das Judentum und das Christentum immer vorausgesetzt hatten, dass der Vergebung Reue vorausgehen sollte. Natürlich hatte R.M. Nixon kein wirkliches Fehlverhalten zugegeben, höchstens vielleicht einen Mangel an Diskretion. (Wir urteilen nicht darüber, ob er etwas Falsches getan hat oder nicht. Das ist hier nicht der Punkt.)

Es ist ein trauriges Schauspiel, wenn Weltmenschen aufzeigen, was Christen manchmal vergessen und wissen sollten. Dies bringt uns zu dem Wann der Vergebung. Es gibt eine Zeit für die Vergebung, und vor dieser Zeit zu vergeben ist unheilig. Vergebung muss mit der Heiligkeit vereinbar sein. Daher brauchen wir die Unterweisung durch Gott darüber, wann wir vergeben sollen. Wenigstens zwei Dinge sind nötig für eine schriftgemäße Vergebung: Reue und Beichte:

  • 1Joh 1,9: Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt.

  • Lk 17,3: „Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm.

  • Spr 28,13: Wer seine Übertretungen verbirgt, wird kein Gelingen haben; wer sie aber bekennt und lässt, wird Barmherzigkeit erlangen.

Siehe auch 3. Mose 5,5; 4. Mose 5,7; Psalm 32,5; Josua 7,19; Nehemia 9,2.3; Apostelgeschichte 8,22.

Das Prinzip, dass Reue der Vergebung vorausgehen muss, gilt selbst auf nationaler Ebene, wie man an Gottes Handeln an Israel sieht. Gott muss sich selbst als Licht und Liebe stets treu bleiben, und Er handelt immer im Einklang mit dem, was Er ist. Folglich steht ein großartiger siebter Monat für Israel bevor (vgl. 3Mo 23), in dem am Ersten des Monats Israel wieder versammelt werden wird. Am Zehnten wird der Versöhnungstag sein, und wie werden sie vor Gott um ihrer Sünden willen gebeugt werden! Siehe Sacharja 12,10-14. Dann, am 15. Tag des Monats, wird ihnen der volle Segen des Tausendjährigen Reiches zuteilwerden. Vgl. Daniel 12,12.13, wo von dem 1335. Tag die Rede ist, der den Segen bringen wird.

Gottes Gedanken über die Vergebung gelten auch für seine Handlungsweise bei der Erlösung. Sie kennzeichnen sein Handeln an seiner Familie. Er erwartet dieselbe Vorgehensweise bei unserem Umgang miteinander. Sie ist auch angebracht in Bezug auf Gemeindedisziplin. Und ganz gewiss erwartet Er sie von seinen Dienern in der Regierung, denen Er das Schwert gegeben hat. Wie? Begnadigung könne ohne ein Schuldeingeständnis gewährt werden? Niemals! Diese Vergebungsordnung gilt für alle Beziehungen.

„Vergebung“ ohne Reue und Beichte ist Unheiligkeit. Solch einer „Vergebung“ liegt ein leichtlebiges, unbekümmertes Selbst zugrunde, liegt Fleisch zugrunde, zwar nettes Fleisch, aber eben Fleisch. Solch eine „Vergebung“ geht aus einem Mangel an Selbstverurteilung hervor. Wir entschuldigen das böse Wirken des Fleisches in anderen, weil wir es in uns selbst nicht richten.

Wenn ein Kind sündigt, sagt der Vater dann: „Ich werde ihm einfach vergeben“? Oder wenn das Kind dem Vater ausweicht, wandelt dieser das Ausweichen dann in Reue um und sagt: „Das beweist, dass es seine Handlung bereut, und ich werde ihm vergeben“? Oder wenn das Kind so tut, als läge nichts im Argen, sagt dann der Vater: „Es möchte gut mit mir auskommen; ich werde ihm vergeben“? Wenn das Kind nur einmal ungehorsam ist, sagte der Vater: „Es hat es nicht wieder getan, also ist alles in Ordnung“? Solch ein Vorgehen steht offensichtlich im Widerspruch zu den oben genannten Schriftstellen, ist aber vergleichbar mit Arten der „Vergebung“, die unter Christen zu beobachten sind. So etwas kann nur dazu beitragen, den Zustand von Gottes Volk zu senken. Wo bleibt bei solch einem Verhalten die Liebe zu dem Kind oder zu unserem Bruder?

Der Fall von Philemon und Onesimus ist ebenfalls relevant. Hätte Paulus so schreiben können, wie er es tat, wenn Onesimus beschlossen hätte, in Rom zu bleiben? Offensichtlich nicht. „Von ihm werden die Handlungen gewogen“ (1Sam 2,3), und die Rückkehr des Onesimus war ein Beweis für seine Reue. Er würde dahin zurückkehren, woher er gekommen war. So fand sich in der demütigen Rückkehr des Onesimus die Grundlage für die Vergebung des Philemon.

Reue ist daran zu erkennen, wenn der Schuldige zu demjenigen geht, an dem er schuldig geworden ist, und seine Schuld bekennt. Dann ist das Wann der Vergebung. Dies ist die Zeit der Freude und der Zeitpunkt, an dem das Hindernis für praktische Gemeinschaft beseitigt ist.

Es gibt Schriftstellen, die die Christen dazu ermahnen, einander zu vergeben (Eph 4,32; Kol 3,13; Lk 17,3; Mt 6,12-15; 18,21.35). Es ist ein Zeichen dafür, dass die Gnade Gottes nicht sehr aktiv ist, wenn ein Christ nicht vergeben will. Ein vergebungsunwilliger Geist wird in der Schrift verurteilt (Mt 18,23-35; 6,15). Wenn Vergebung zurückgehalten wird, wenn nach der Schrift die Zeit für Vergebung gekommen ist, ist es weder Liebe noch Heiligkeit, sie zurückzuhalten. Dies sind göttlich verordnete Regeln, und sie gelten sicherlich für die Gemeinschaft wie auch für jeden Einzelnen.

Wir wollen uns auch davor hüten, an einem Groll festzuhalten, wenn wir persönlich verletzt worden sind, gleichzeitig aber Beleidigungen unseres Herrn auf die leichte Schulter zu nehmen!

Diese falschen Gedanken über eine Vergebung vor der Reue machen (scheinbar) unseren Weg leichter. Wir wünschen uns „Frieden“. Wir wollen „keinen Ärger machen“. Die Wahrheit ist allerdings, dass wir das Unrecht nicht zurechtweisen wollen. Wir halten nicht wirklich Ausschau nach dem Wohl unseres Bruders. Was uns bewegt, ist ein nicht schriftgemäßer Gedanke und eine nicht schriftgemäße Liebe! Wir wollen weiser noch als Gott und sein kostbares Wort der Wahrheit sein!

Zwar mag es einen solchen örtlich begrenzten oder allgemeinen Zustand geben, dass nicht zurechtgewiesen werden kann, was zurechtgewiesen werden sollte; aber das ist hier nicht der Punkt. Wir sprechen von Vorstellungen über Vergebung, die der Schrift entgegenstehen und die Ordnung und Heiligkeit im Hause Gottes zersetzen.

Im Zusammenhang mit der Begnadigung des früheren Präsidenten R.M. Nixon wurde eine Kampagne lanciert, Steine an diejenigen zu schicken, die Einwände gegen die Begnadigung erhoben. „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein“ (Joh 8,7). Sehen Sie, wie leicht der Weltmensch und der Christ die moralischen Maßstäbe Gottes missbrauchen? Christen tun es die ganze Zeit. Es ist das Fleisch in uns, das selbst unbewusst Vorsorge trifft für sich selbst (vgl. Röm 13,14; 8,7). Dieser Missbrauch von Johannes 8,7 würde das Ende aller Heiligkeit in Gottes Volk mit sich bringen. Selbst wenn der Christ Johannes 8,1-11 nicht versteht, sollte der neue Mensch in ihm, der vom Geist befähigt ist, diesen Missbrauch instinktiv als einen Angriff auf die Heiligkeit erkennen.

In Johannes 8 sprachen die Schriftgelehrten und Pharisäer den Herrn auf dem Boden der Selbstgerechtigkeit an und versuchten, Moses gegen Ihn auszuspielen. Sie erkannten nicht, dass der Finger, der auf den Boden schrieb, „der Finger Gottes“ war. Es war ebenfalls „der Finger Gottes“ gewesen, der das Gesetz gegeben hatte. So musste Er sich mit ihrer Selbstgerechtigkeit befassen und sie bloßstellen, weil das der Geist war, in dem sie kamen. Damit setzte Er auf keine Weise die göttliche Praxis der Voraussetzungen in Gottes Wort außer Kraft.


Originaltitel: „The Holiness of Forgiveness“
aus Thy Precepts, Morganville (Present Truth Publishers) Nov./Dez. 1991, S. 165–167

Übersetzung: S. Bauer

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