Was ist mit dem neuen Bund gemeint?
Lukas 22,20; 1. Korinther 11,25

Willem Johannes Ouweneel

© CLV/CSV, online seit: 13.03.2002, aktualisiert: 07.05.2018

Leitverse: Lukas 22,20; 1. Korinther 11,25

Lk 22,20: Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sagte: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

1Kor 11,25: Ebenso auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; dies tut, sooft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis.

Frage

„Dies ist der neue Bund in meinem Blut …“ Gilt dieser Bund nur den Juden? Oder sind auch wir Teilhaber? JD

Antwort 1

(Auszug aus dem Buch Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt von W.J. Ouweneel)

Einige Gedanken über die Wahrheit von dem Neuen Bund, welcher mit dem Blut Christi besiegelt ist.

Dieser Bund ist eine einseitige Verfügung von Seiten dessen, der das Testament macht, des Erblassers, um uns an Seinen bedingungslosen Verheißungen Teil geben zu können. Der Alte Bund war auch mit Blut eingeweiht (2Mo 24,8; Heb 9,18-20), doch dieses Blut sprach von Gottes Zorn und von Seinem Gericht, falls die Israeliten diesem Bund untreu werden würden. Das Blut Christi spricht jedoch nicht von Rache, sondern von Gnade und Vergebung der Sünden. Doch war dieser Bund bereits etwas Herrliches, denn wir lesen in 2. Mose 24,9-11, dass die Führer Israels, nachdem der Bund geschlossen war, den Berg besteigen und den Gott Israels von Angesicht zu Angesicht anschauen durften. Wie groß muss die Herrlichkeit des Neuen Bundes dann erst sein (siehe 2Kor 3,7-18).

Beim Neuen Bund tritt Gott nicht länger auf als der Fordernde, sondern als der große Geber. Gott fordert nichts mehr von dem natürlichen Menschen, weil sich gezeigt hat, dass dieser vollkommen verdorben ist; darum hat Gott ihn auf dem Kreuz im Tod Christi verurteilt. Das Kreuz ist zugleich auch der deutlichste Beweis der totalen Verlorenheit des Menschen und seiner Empörung gegen Gott: Der Mensch ist so weit gegangen, dass er gewagt hat, den Sohn Gottes an das Fluchholz zu nageln. Alle Forderungen, die Gott stellen musste, hat Er in Seiner unendlichen Gnade und Güte an Christus gestellt, den Mittler des Neuen Bundes, der alle diese heiligen Forderungen vollkommen erfüllt hat. Darum kann Gott nun mit lauter Segnungen dem Menschen entgegentreten, der mit diesem Mittler verbunden ist. In Jeremia 31,33.34 finden wir die zwei großen Kennzeichen des Neuen Bundes: Vergebung der Sünden („Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken“; Jer 31,34), und eine neue Natur, die Gottes Willen entspricht („Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben“; Jer 31,33). Gemäß Jeremia wird der Neue Bund mit dem Volk Israel geschlossen: „mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda“ (Jer 31,31; Heb 8,8). Buchstäblich wird er geschlossen werden mit den zehn bzw. den zwei Stämmen des alten Volkes Gottes; in ihre Herzen wird dann auch der Wortlaut des Gesetzes Moses geschrieben werden. Doch laut dem Zeugnis des Neuen Testaments haben wir als das heutige Volk Gottes nach dem Geist auch allerhand mit dem Neuen Bund zu tun. Paulus nennt sich selbst einen Diener des Neuen Bundes, „nicht des Buchstabens, sondern des Geistes“ (2Kor 3,6). Die Versöhnung und die Erneuerung, die dem Volk Israel in diesem Neuen Bund versprochen werden, sind nun bereits unser Teil durch das Wirken des Heiligen Geistes, den der erhöhte Christus über Seine Versammlung ausgegossen hat (Heb 10,15-17). Der Mittler des Neuen Bundes ist nun bereits unser Mittler, und das Blut der Besprengung ist nun bereits auf uns angewandt, die wir im Glauben hinzugetreten sind zu den besseren und bleibenden Dingen und das Resultat des vollbrachten Werkes Christi sind (Heb 12,24). Das Blut des Neuen Bundes ist auch für uns vergossen (Lk 22,20; 1Kor 11,25), und das ist die herrliche und heilige Grundlage, die Basis, auf welcher Gott nun mit allen Seinen Segnungen zu uns kommen kann. Die Vorrechte des Neuen Bundes sind unser geistliches Teil; und der Geist Gottes schreibt nicht den Wortlaut des Gesetzes sondern Christus in unsere Herzen, so dass wir ein lesbarer Brief Christi sind (2Kor 3,3).

Wenn wir von dem Wein trinken, dann dürfen wir an alle diese Segnungen denken, die Gott uns aufgrund des Werkes des Herrn Jesus hat schenken können. Alle heiligen Forderungen Gottes sind durch Ihn erfüllt, so dass für Gott nichts anderes übrigbleibt, als uns die Segnungen zu schenken, die Er Selbst versprochen hat. Bis zu siebenmal lesen wir in Jeremia 31, dass Gott sagt: „Ich werde … Ich werde …“ Es sind bedingungslose Segensverheißungen, die Gott nun, wo das Blut des Mittlers vergossen ist, erfüllen kann. Das Werk Christi ist so reich und so vollkommen, dass Gott keine einzige Segnung zurückbehalten hat. Er hat uns Sein Herz und Seinen Himmel geschenkt und uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus (Eph 1,3). Das alles steht uns vor Augen, wenn wir versammelt sind zu dem Namen des Herrn Jesus, um Seinen Wunsch zu erfüllen: Dieses tut zu Meinem Gedächtnis. Er ist Selbst in unserer Mitte, denn Er hat gesagt, dass Er brennend danach verlangt hat, das Mahl mit uns zu halten. Geht das Verlangen unserer Seele zu Seinem Namen und zu Seinem Gedächtnis hin (Jes 26,8)?


Antwort 2

(Auszug aus dem Buch Da bin ich in ihrer Mitte von Ch. Briem – CSV-Hückeswagen)

Was aber meint der Herr mit dem Neuen Bund? Er steht offenbar im Gegensatz zum Alten, zum ersten Bund vom Sinai, der ein zweiseitiger Bund und ein Bund der Werke war, gegründet auf die freiwillig übernommene Verpflichtung des Volkes Israel, alle Worte des HERRN (Jahwe) zu tun. Der Neue Bund ist, wie wir sogleich sehen werden, ein einseitiger Bund, der auf Gott Selbst gegründet ist und nicht von der Treue des Menschen abhängt. Von den alttestamentlichen Schreibern ist der Prophet Jeremia der Einzige, der direkt von dem Neuen Bund redet, obgleich auch andere Propheten dessen Segnungen beschreiben. Und im Neuen Testament ist der Herr Jesus der Erste, der den Neuen Bund erwähnt und dessen Grundlage zeigt: Sein Blut. Doch hören wir zuerst die Worte Gottes durch den Mund des Propheten Jeremia:

Jer 31,31-34: Siehe, Tage kommen, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen werde: nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe … Sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen werde nach jenen Tagen, spricht der HERR: Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben; und ich werde ihr Gott, und sie werden mein Volk sein …, denn sie alle werden mich erkennen von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten, spricht der HERR. Denn ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken.

Halten wir zuerst fest, mit wem der HERR den Neuen Bund machen wird. Viele glauben, weil der Herr von dem Kelch des Abendmahles als dem Blut des Neuen Bundes spricht, dass sich dieser Bund auf die Kirche, auf die Versammlung beziehen müsse. Doch der Herr Jesus macht nicht mit Seiner Versammlung, die Er Selber baut und auf Sich Selbst baut, einen Bund, und die Nationen standen nie in einer Bundesbeziehung zu Jahwe. Nein, mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda wird Er ihn machen – „nach jenen Tagen“. Dass der Neue Bund noch zukünftig ist und dass Gott ihn mit den beiden Häusern Israels schließen wird, wird im achten Kapitel des Hebräerbriefes ausdrücklich bestätigt.

Als Nächstes sei der Inhalt dieses Bundes hervorgehoben. Drei wichtige Elemente wird er enthalten:

  1. „Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen“ – das ist die Andeutung der Wiedergeburt, die das Volk Israel als Nation erleben wird. Auch der Prophet Hesekiel redet von diesem Wunder der Gnade Gottes in Bezug auf dieses Volk (vgl. Hes 36,24-38).

  2. „Denn sie alle werden mich erkennen“ – dann wird nicht mehr wie heute „die Decke auf ihrem Herzen“ liegen (2Kor 3,14.15), sondern sie werden Gott erkennen, werden den anschauen, den sie durchstochen haben (Sach 12,10; Off 1,7). Dann wird die Erde „voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken“ (Hab 2,14).

  3. „Ich werde ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken“ – sie werden die Vergebung der Sünden erlangen. Glückseliges Teil, dass auch dieses schuldige Volk, das einst seinen Messias verwarf, die Vergebung der Sünden erleben wird!

Bei der Einsetzung des Abendmahles jedoch offenbart der Heiland, was der Prophet nicht zu tun vermochte: Er zeigt, worauf jener Neue Bund sich stützen wird – auf Sein eigenes Blut, das heißt auf Sein Opfer, das Er sterbend am Kreuz Gott darbringen würde. Das Blut der unzähligen Opfertiere im Alten Bund konnte keine einzige Sünde wegnehmen, es war nur ein Erinnern daran, dass die Sünde noch vorhanden und nicht in Wahrheit gesühnt war (Heb 10,1-18). Der Wert dieser Opfertiere bestand lediglich darin, dass sie auf den hinwiesen, der kommen und das Sühnungswerk vollbringen würde.

Aufgrund des auf Golgatha vollbrachten Werkes Jesu Christi haben die Gläubigen der Gnadenzeit bereits heute die Vergebung der Sünden, wie der Apostel Johannes in seinem ersten Brief auf so absolute Weise feststellt: „Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden vergeben sind um seines (des Sohnes) Namens willen“ (1Joh 2,12). Das Volk Israel wird sie erst noch erlangen und zwar in Verbindung mit den Segnungen des Neuen Bundes.

Das Blut des Alten Bundes wurde auf das Volk gesprengt, das gelobt hatte, alle Worte zu tun, die der HERR geboten hatte. Es war das Zeichen der Androhung des Gerichts und des Todes für den Fall, dass sie ungehorsam sein würden (2Mo 24,3-8). Wie reichlich, wie schmerzlich hat dieses Volk die Wahrheit dieses Zeichens erfahren müssen! Das Blut des Neuen Bundes dagegen redet von Vergebung, von unumschränkter Gnade, denn der Herr Jesus sagt bezeichnenderweise: „… welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“

Nicht nur Israel, sondern auch den Nationen sollte die Gnade angeboten werden. Die Segnungen des vollbrachten Sühnungswerkes Christi sollten sich nach den Gedanken Gottes weltweit zu allen Menschen hin erstrecken. Gott will, „dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1Tim 2,4). Diese Gnade muss indes persönlich und durch Glauben in Anspruch genommen werden. Ich fasse diesen Punkt seiner Wichtigkeit wegen noch einmal zusammen: Der Kelch des Abendmahles ist ein Symbol für das Blut Christi. Da dieses Blut auch die Grundlage des Neuen Bundes ist, wird es „Blut des neuen Bundes“ genannt. Der Alte Bund war ein Bund der Werke. Er wurde mit Israel geschlossen und mit Blut besiegelt, dem Zeichen des Todes für den, der ihn brechen würde. Auch der Neue Bund wird mit Israel geschlossen werden, aber das Blut, das mit ihm in Verbindung steht, ist das Blut Christi und die Grundlage für die Vergebung der Sünden. Auf der Grundlage des Neuen Bundes wird Israel durch die unbereubare Gnade Gottes die Wiedergeburt, die Erkenntnis des HERRN und die Vergebung der Sünden erlangen. Wir Christen haben diese Segnungen schon heute auf derselben Grundlage des Blutes Christi, aber wir haben sie in einem viel reicheren Maße und mit dem Unterschied, dass wir in keiner Bundesbeziehung zu Gott stehen, sondern Kinder sind, und mit Seinen Kindern schließt Gott keinen Bund. Aber jedes Mal, wenn wir das Brot brechen und aus dem Kelch trinken, werden wir auch daran erinnert, dass die Ergebnisse des Werkes unseres Herrn weit über das hinausreichen, was uns selbst angeht, und auch die Segnung Israels einschließen.

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