Subjektive und objektive Wahrheit
2. Timotheus 2,16.17

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 01.01.2001, aktualisiert: 09.11.2018

Leitverse: 2. Timotheus 2,16.17

2Tim 2,16.17: Die ungöttlichen leeren Geschwätze aber vermeide; denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird um sich fressen wie Krebs.

Während die Welt fortschreitet auf den großen Abfall hin, macht sie große Anstrengungen, gewisse Wörter ihrer wahren Bedeutung zu entleeren. Solche, die damit beschäftigt sind, mögen nicht erkennen, dass es eine Anstrengung Satans ist, solche Worte wie Sünde, Gutes, Tugend, Sittsamkeit, Heiligkeit, Liebe, Laster, Wahrheit usw. ihrer wirklichen Bedeutung zu entleeren und dadurch alles in einen relativistischen, humanistischen Nebel der Finsternis zu trüben. Der wirkliche Grund dafür ist, das Gewissen zu beruhigen – man will es bequem haben bei dem, was man tut. Das große Argument, unter welchem selbst schlimmste Sünde begangen wird, ist Liebe! Es wird behauptet, dass, solange man Liebe im Sinn hat und niemand sonst dabei verletzt, es schon in Ordnung sein wird, und sollte jemand anders denken, dann nennt man das „Prüderie“. Das Christentum war die Antwort auf den schrecklichen Zustand, der in Römer 1 beschrieben wird. Nun, wo das Christentum sich abwendet von dem Licht, das den Heiden durch das Evangelium gebracht wurde, kehrt es zurück zu diesem Zustand; und daher kann man 2. Timotheus 3,5 anführen: „Von solchen wende dich weg.“ Für Sünde gegen das Licht bleibt nichts übrig als das Gericht.

Das Fleisch, das in der Welt ist und in der Christenheit, ist auch in dem Gläubigen. Die Tendenz des Fleisches ist immer im Widerspruch zu Gott (Röm 8,7), und es argumentiert genauso und möchte auch genauso handeln, wie die Welt es tut. Allerdings versucht das Fleisch in dem Gläubigen, seine weltlichen Taten und Gedanken mit dem Namen Christi zu heiligen. Aber Gott war wachsam gegenüber dieser Tendenz. Sein Wort ist geschrieben worden, um uns alles zu geben, was notwendig ist, damit „der Mensch Gottes vollkommen sei“:

  • 2Tim 3,16.17: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und ist nützlich zur Lehre, zur Ermahnung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt.

Die „Lehre“ beinhaltet jene großen und herrlichen Lehren, die unseren gepriesenen Heiland und Herrn, seine Person und sein gewaltiges Werk und seine Verherrlichung Gottes betreffen. Es schließt Christi Erhöhung, sein Kommen, seine Herrlichkeit, sein Senden des Geistes, unsere himmlische Berufung, die Wirkungen des Geistes usw. ein, und es schließt auch die Vorrechte und Segnungen ein, die uns in Christus gehören. Aber das ist nur einer der Inhaltsstoffe der Speise zur gelegenen Zeit. Ermahnung, Zurechtweisung und Unterweisung in der Gerechtigkeit sind die anderen drei, die gegeben werden, „damit der Mensch Gottes vollkommen sei“.

Gott kennt unsere Neigungen und unsere Bedürfnisse, und Er hat Vorsorge getroffen, so dass Er uns drei Anteile von dem, was einige „negativen Dienst“ nennen, gegeben hat für einen Teil von dem, was einige „positiven Dienst“ nennen. Allerdings gibt es auch passende Namen, durch die man diese zwei sich ergänzenden Teile der Schrift unterscheiden kann. Brüder der vergangenen Generation gebrauchten die Ausdrücke „subjektiver“ und „objektiver Dienst“, wenn sie sich auf diese beiden sich ergänzenden Teile der Schrift bezogen. „Subjektiver Dienst“ (Ermahnung, Zurechtweisung, Unterweisung in der Gerechtigkeit) bezieht sich auf unseren Wandel, unser Reden, unsere Gedanken, unsere Wege, wogegen „objektiver Dienst“ mit dem lehrmäßigen Inhalt des Glaubens in Beziehung steht. Subjektive Wahrheit wird z.B. in Haggai, in Maleachi und den beiden Korintherbriefen gefunden, in Epheser 4,5.6, in Judas, Jakobus, 2. Timotheus, d.h. eigentlich in allen Briefen. Und Paulus gab den Ephesern solch einen subjektiven Dienst, als er nicht aufhörte, sie Tag und Nacht zu warnen, drei Jahre lang, mit Tränen (ob die Heiligen, dies nun sahen oder nicht; s. Apg 20,21).

Wir scheinen allerdings kein Interesse zu haben, zweimal hintereinander subjektiven Dienst zu hören. Es würde natürlich unchristlich erscheinen, sich subjektivem Dienst öffentlich zu wiedersetzen; das macht man „geschickter“, indem man dem subjektiven Dienst einen anderen Namen gibt. Wir haben schon festgestellt, dass das Fleisch in dem Weltmenschen mit subjektiver Wahrheit (Ermahnung, Zurechtweisung, Unterweisung in der Gerechtigkeit) schnell fertig wird, indem er es Prüderie nennt. Das Fleisch in einem Gläubigen ist natürlich nicht so verhärtet, stattdessen nennt er solch einen Dienst negativ und gesetzlich. Diese Wort haben den Beigeschmack von Zerstörung oder wenigstens haben sie den Mangel an Auferbauung – sicherlich aber kann man sie nicht „positiv“ nennen. „Wir sollten Christus predigen“, wird dann gesagt, als wenn subjektiver Dienst nicht das Wort des Christus wäre – Schande! Was wir brauchen, ist eine positive Haltung des Herzens, so dass wir uns dem Wort beugen.

Einige werden sich natürlich nicht wirklich dem subjektiven Dienst grundsätzlich widersetzen, sondern nur dem Teil, der ihr eigenes Gewissen trifft. Indem wir es dann „negativ“ oder „gesetzlich“ nennen, wird das Gewissen beruhigt, und wenn wir dann weiter fortfahren in unseren ungerichteten Wegen, dann hat das seine scheinbare Rechtfertigung dadurch, dass wir Negativismus und Gesetzlichkeit vermeiden. Im Prinzip ist es dasselbe, was der Weltmensch tut, und es ist ein weltlicher Grundsatz. Es ist eine Maskerade des Fleisches, welches Freiheit für das Fleisch haben möchte – nicht das vollkommene Gesetz der Freiheit (Jak 1,25). Es ist in Wirklichkeit das Ich, nicht Christus.

Jemand, der am Wort dient und immer objektive Wahrheit bringt, folgt nicht dem Beispiel der Schreiber der Briefe. Wenn es nicht in Unwissenheit getan wird, erhebt solch ein Verhalten die Frage, ob so jemand Popularität mehr wertschätzt als Treue Christus gegenüber. Die Speise zur rechten Zeit (Mt 24,45), die der treue Diener dem Haushalt liefert, schließt sicherlich Nahrung sowohl von objektiver Wahrheit (Lehre) als auch von subjektiver Wahrheit (Ermahnung, Zurechtweisung, Unterweisung in der Gerechtigkeit) ein. Die treue Darstellung subjektiver Wahrheit wird helfen, den Diener des Wortes davor zu bewahren, in die gefährliche Falle der Popularität zu fallen. Denn sehr schnell wird er dann von bösen Zungen geschlagen werden (Jer 18,18). Wenn er die Heiligen wirklich liebt, wird er Christus dienen in Übereinstimmung mit 2. Timotheus 3,16.17. Wenn er treu ist, dann wird er ganz speziell sein, so wie die Briefe sind, und die Bedeutung klar herausstellen (Neh 8,7.8). Er wird nicht in abstrakten Allgemeinplätzen sprechen und es den Hörern überlassen – wenn sie dazu fähig sind –, das auf ihr eigenes Leben anzuwenden. Paulus hat nicht zurückgehalten, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen (Apg 20,27). Das Wort „hat nichts zurückgehalten“ bedeutet nicht nur, dass Paulus ihnen den ganzen lehrmäßigen Inhalt des Glaubens gepredigt hat. Er hat nicht zurückgehalten, ihnen Lehre, Ermahnung, Zurechtweisung und Unterweisung in der Gerechtigkeit zu geben. Er hat ihnen das Wort so gebracht, dass es auch auf ihr Verhalten eine Wirkung hatte.

Einer der Ziele des Dienstes ist, Verhalten zu ändern. Sind wir uns dessen bewusst? Um das zu erreichen, müssen wir Christus darstellen als Gegenstand der Zuneigung des Herzens und sein objektives und subjektives Wort. Wir müssen den ganzen Ratschluss Gottes haben; das schließt seinen Willen, ein heiliges Volk zu haben, ein. Solche, die einen Dienst tun, sollten nicht zurückhalten, das zu verkündigen, und die Zuhörer sind verantwortlich, ihr Verhalten in Übereinstimmung mit dem Wort zu bringen, statt das anzuprangern, was sie nicht wollen. „Trügerische Waagschalen [Unausgewogenheit] sind dem HERRN ein Gräuel, aber volles Gewicht [Ausgewogenheit] ist sein Wohlgefallen“ (Spr 11,1).

Haben wir vergessen, dass wir eine Gabe von dem Vater an den Sohn sind (Joh 17)? Wir gehören dem, der für uns gestorben ist. Oh, was für ein glückliches Herz, das auf seine Wünsche antwortet, die Er gegenüber uns hat, denn sein Weg ist der Weg des Friedens und der Segnung und bringt Ihm Verherrlichung. Der Sohn hat uns wirklich frei gemacht (Joh 8,36). Soll das Freiheit für das Fleisch sein?

„Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir also geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist, und somit alle gestorben sind. Und er ist für alle gestorben, damit die, welche leben, hinfort nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und ist auferweckt worden“ (2Kor 5,14.15).


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