Ist der Sabbat der heutige Sonntag?

Charles Henry Mackintosh

© Heijkoop-Verlag, online seit: 22.06.2001, aktualisiert: 12.01.2018

Gibt es eine Schriftstelle, mit der man die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag rechtfertigen könnte?

Lieber SoundWords-Leser,

vielen Dank für deine Frage. Es gibt keine Bibelstelle, durch die eine Verlegung begründet werden könnte, denn tatsächlich ist es so, dass es gar keine Verlegung gibt. Christus war des Gesetzes Ende (Röm 10,4), und die ersten Christen hatten die Gewohnheit, am ersten Tag der Woche zusammenzukommen (Apg 20,7), um Brot zu brechen, und diese Gewohnheit hat sich bis heute gehalten. Der erste Tag der Woche (Sonntag) ist der Tag, an dem Christus auferstanden ist und der somit die neue Haushaltung einläutete. Die Auferstehung war die große Botschaft, die von den Aposteln verbreitet wurde und für die sie sogar bereit waren, als Märtyrer zu sterben. Die Auferstehung ist das sichere Fundament für das Christentum – siehe auch unsere Artikel zum Thema Auferstehung, die wir auf SoundWords veröffentlicht haben:
www.soundwords.de/t87019.html
Zudem weist der erste Tag der Woche auch auf einen Neubeginn hin. Auch wenn in unserem „christlichen“ Land meistens der Montag als der erste Tag der Woche angesehen wird, so ist nach dem wahren christlichen Kalender immer noch der Sonntag der erste Tag der Woche. Gut, dass wir den ersten Tag der Woche mit dem Herrn Jesus beginnen und uns daran erinnern dürfen, dass Er für uns in den Tod gegangen ist und am dritten Tag siegreich auferstand. Außerdem werden wir an diesem Tag erbaut, getröstet und ermahnt durch das Hören des Wortes. Es ist also die beste Vorbereitung für die neue Woche. Für den Unterschied zwischen dem Sabbat und dem ersten Tag der Woche, der in Offenbarung 1,10 auch der „Tag des Herrn“ genannt wird, siehe den folgenden Artikel von C.H. Mackintosh.

Für weitere Fragen haben wir immer ein offenes Ohr.

Herzliche Grüße
das SoundWords-Team

 


 

Auszug aus der Betrachtung über das 1. Buch Mose
von C.H. Mackintosh

Es gibt wohl wenige Punkte, über die so viel Missverständnis und Widerspruch herrscht wie über die Lehre vom „Sabbat“. Dabei ist nicht der geringste Grund dazu vorhanden, denn der ganze Gegenstand ist im Wort klar und einfach entwickelt. Das bestimmte Gebot, den „Sabbattag zu heiligen“, wird uns, wenn der Herr es erlaubt, in unserer Betrachtung des zweiten Buches Mose beschäftigen. Im vorliegenden Kapitel wird dem Menschen kein Gebot gegeben, sondern nur die Mitteilung gemacht, dass Gott am siebten Tag ruhte. Wir lesen: „So wurden vollendet der Himmel und die Erde und all ihr Heer. Und Gott hatte am siebenten Tage sein Werk vollendet, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebenten Tage von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn; denn an demselben ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte“ (1Mo 2,1-3). Hier finden wir also kein Gebot. Es wird uns lediglich berichtet, dass Gott Seine Ruhe genoss, weil alles, was die Schöpfung betraf, vollendet war. Es gab nichts mehr zu tun, und deshalb beendete Er Sein Werk und ruhte, nachdem Er sechs Tage gearbeitet hatte. Alles war vollendet und sehr gut, so wie Er es gemacht hatte, und Er ruhte darin. „Die Morgensterne jubelten miteinander, und alle Söhne Gottes jauchzten“ (Hiob 38,7). Das Werk der Schöpfung war vollendet, und Gott feierte einen Sabbat.

Das ist auch der wahre Charakter des Sabbats. Es war der einzige Sabbat, der, soweit uns das Wort darüber belehrt, von Gott je gefeiert worden ist. Später lesen wir, dass Gott dem Menschen die Heiligung des Sabbats gebot und der Mensch dieses Gebot ganz außer Acht ließ, aber nirgends lesen wir wieder die Worte: „Gott ruhte.“ Es heißt im Gegenteil: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke“ (Joh 5,17). Der Sabbat konnte im genauen Sinn des Wortes nur dann gefeiert werden, wenn es nichts mehr zu tun gab. Er konnte nur in einer makellosen Schöpfung gefeiert werden, wo es keinen Flecken von Sünde gab. Gott kann nicht da ruhen, wo Sünde ist, und ein Blick um uns her wird uns überzeugen, dass es Gott unmöglich ist, in der jetzigen Schöpfung Ruhe zu genießen. Dornen und Disteln und tausend andere traurige und demütigende Früchte einer seufzenden Schöpfung zeigen uns, dass Gott jetzt wirken muss und nicht ruhen kann. Sollte Er ruhen können inmitten von Dornen und verkrüppelten Sträuchern? Sollte Er ruhen können trotz der Seufzer und Tränen, der Mühen und Sorgen, trotz Krankheit und Tod und der Schuld einer verderbten Welt? Sollte Er Sich da niederlassen und inmitten solcher Umstände einen Sabbat feiern können?

Wie man auch diese Fragen beantworten mag, die Heilige Schrift belehrt uns, dass Gott bis jetzt keinen Sabbat gefeiert hat außer dem, der in 1. Mose 2 erwähnt wird. Der „siebente Tag“ und kein anderer war der Sabbat. Er bezeugte die Vollendung des Schöpfungswerkes, aber das Schöpfungswerk ist verdorben und die Sabbatruhe unterbrochen worden, und darum hat Gott vom Sündenfall an gewirkt.

Auch Christus hatte keinen Sabbat, als Er auf der Erde war. Er vollendete Sein Werk, aber wo brachte Er den Sabbat zu? Im Grab! Der Herr Jesus – Gott, offenbart im Fleisch, der Herr des Sabbats, der Schöpfer und Erhalter des Himmels und der Erde – brachte den siebten Tag im Grab zu. Will uns das nichts sagen? Hätte der Sohn Gottes am siebten Tag im Grab liegen können, wenn dieser Tag in Ruhe und Frieden und in dem vollen Bewusstsein verbracht werden sollte, dass jedes Wirken beendet war? Unmöglich! Wir brauchen keinen weiteren Beweis für die Unmöglichkeit einer Sabbatfeier als den, der uns in dem Grab Jesu dargeboten wird. Der Mensch ist ein gefallenes, verderbtes, schuldbeladenes Geschöpf. Auf dem Gipfel seiner bösen Laufbahn hat er den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt und nach vollbrachter Tat einen großen Stein vor die Öffnung des Grabes gewälzt, um Ihn, wenn möglich, zu hindern, das Grab zu verlassen. Und was tat er, während der Sohn Gottes im Grabe lag? Er feierte den Sabbat! Welch ein Gedanke! Christus liegt im Grab, um den gebrochenen Sabbat wiederherzustellen, und der Mensch versucht, den Sabbat zu halten, als wäre er nie gebrochen worden. Gewiss, es war des Menschen und nicht Gottes Sabbat. Es war ein Sabbat ohne Christus und darum eine leere, kraft- und wertlose Form.

Man wird einwenden: „Der Tag ist verändert worden, während die ihm eigenen Grundsätze dieselben geblieben sind.“ Aber die Schrift liefert zu einem solchen Gedanken keinen Grund. Oder gibt es ein göttliches Zeugnis für diese Behauptung? Nein. Im Gegenteil, die Unterscheidung wird im Neuen Testament klar beibehalten. Zum Beweis führe ich die bemerkenswerte Stelle an: „Aber spät am Sabbat, in der Dämmerung des ersten Wochentages …“ (Mt 28,1). Hier ist keine Rede davon, dass der siebte Tag in den ersten Tag umgewandelt oder der Sabbat auf einen anderen Tag verlegt worden sei. Der erste Tag der Woche ist nicht ein veränderter Sabbat, sondern ein neuer Tag. Er ist der erste Tag eines neuen Zeitabschnitts und nicht der letzte Tag eines alten. Der siebte Tag steht mit der Erde und der irdischen Ruhe in Verbindung, während der erste Tag der Woche uns in den Himmel und in die himmlische Ruhe führt.

Dieser Unterschied ist von großer Bedeutung. Feiere ich den siebten Tag, so kennzeichnet mich das als einen irdischen Menschen, da dieser Tag die Ruhe der Erde, die Schöpfungsruhe, ausdrückt. Verstehe ich aber durch die Belehrung des Wortes und des Geistes Gottes die Bedeutung des ersten Tages der Woche, so werde ich seine unmittelbare Verbindung mit der neuen und himmlischen Ordnung begreifen, deren ewige Grundlage der Tod und die Auferstehung Christi bilden. Der siebte Tag gehörte Israel und der Erde, der erste Tag der Woche gehört der Kirche und dem Himmel an. Israel wurde geboten, den siebten Tag zu feiern, während die Kirche das Vorrecht besitzt, sich des ersten Tages der Woche zu erfreuen. Der siebte Tag war der Prüfstein des sittlichen Zustandes Israels. Der erste Tag ist ein Beweis für die ewige Annahme der Kirche. Jener machte offenbar, was Israel für Gott tun konnte. Dieser stellt ans Licht, was Gott für uns getan hat.

Es ist unmöglich, den Wert und die Wichtigkeit des „Tages des Herrn“, wie der erste Tag der Woche in Offenbarung 1 genannt wird, hoch genug zu schätzen. Da es der Tag ist, an dem Christus aus den Toten auferstand, so stellt er uns nicht die Vollendung der Schöpfung, sondern den vollkommenen und herrlichen Triumph der Erlösung vor Augen. Wir sollten die Feier des ersten Tages der Woche nicht als eine knechtische Verpflichtung, als ein auf den Christen gelegtes Joch betrachten. Nein, es ist die Freude des Christen, diesen wunderbaren Tag zu feiern. Daher finden wir, dass die ersten Christen vorzugsweise am ersten Tag der Woche zusammenkamen, um das Brot zu brechen, und im ersten Abschnitt der Geschichte der Kirche wurde der Unterschied zwischen dem Sabbat und dem ersten Tag der Woche völlig aufrechterhalten. Die Juden feierten den Sabbat dadurch, dass sie sich in ihren Synagogen versammelten, um das „Gesetz und die Propheten“ zu lesen. Die Christen feierten den ersten Wochentag dadurch, dass sie zusammenkamen, um das Brot zu brechen. Es gibt keine einzige Stelle in der Schrift, in welcher der erste Tag der Woche der Sabbat genannt wird, während es Beweise genug für die Verschiedenheit der beiden Tage gibt.

Verlieren wir jedoch nicht die wichtige Wahrheit aus dem Auge, dass der Sabbat in dem Land Israel und in der ganzen Schöpfung einmal gefeiert werden wird. „Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volke Gottes übrig“ (Heb 4,9). Wenn der Sohn Abrahams, der Sohn Davids, der Sohn des Menschen Seine regierende Stellung über die ganze Erde einnehmen wird, dann wird ein herrlicher Sabbat anbrechen, eine Ruhe, die nicht mehr durch die Sünde gestört werden wird. Doch jetzt ist Er verworfen, und alle, die Ihn kennen und lieben, sind berufen, mit Ihm den Platz Seiner Verwerfung zu teilen. Sie sind berufen, hinauszugehen außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend (Heb 13,13). Könnte die Erde einen Sabbat feiern, so wäre keine Schmach mehr vorhanden.


Aus Gedanken zum 1. Buch Mose, Heijkoop-Verlag, Winschoten

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