Kann Gott etwas bereuen?
1. Samuel 15,11.29.35

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 25.03.2020, aktualisiert: 28.03.2020

Leitvers: 1. Samuel 15,29

1Sam 15,29: Und auch lügt nicht das Vertrauen Israels, und er bereut nicht; denn nicht ein Mensch ist er, um zu bereuen.

Es ist ein ganz einmaliger Name Gottes, wenn wir hier lesen: „das Vertrauen Israels“.

Ich bin nicht ganz glücklich mit der Übersetzung. Vielleicht sollte man besser mit „der Unveränderliche Israels“ übersetzen. Das bringt auch deutlicher zum Ausdruck, was in dem Vers noch weiter folgt. Die Fußnote in der Elberfelder Bibel (CSV) sagt: „die Beständigkeit Israels“; das ist schon besser. Gott ist beständig, Er ist unveränderlich, Er kommt nicht auf seine Gedanken und auf seine Pläne zurück. Denn so heißt es hier auch: „Er bereut nicht; denn nicht ein Mensch ist er, um zu bereuen.“ In welchem Sinn wird das hier gesagt?

Gott kündigt hier das Gericht über Saul an und darauf kommt Gott nicht zurück [Gott macht es nicht rückgängig], keineswegs! Gott ist nicht ein Mensch, der so etwas sagen kann, ohne darüber nachzudenken, und dem dann später bewusst wird, was Er gesagt hat, und es dann bereut und dann rückgängig macht oder darauf zurückkommt. So ist Gott nicht.

Wie ist das zu verstehen, wenn es in Vers 11 heißt: „Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe“, und auch in Vers 35: „weil es den HERRN reute, dass er Saul zum König über Israel gemacht hatte“ (1Sam 15,11.35)?

Zuerst: Gott ist Gott. Aber um sich Menschen gegenüber verständlich zu machen, benutzt Gott unsere menschlichen Ausdrücke. Wenn Gott etwas gereut, dann heißt das: Er ist tief betrübt über die Folgen, die Er sieht, wenn der Mensch das verdirbt, was Gott dem Menschen gegeben hat. Das ist diese Reue Gottes. Es ist das tiefe Betrübtsein über die Folgen dessen, was der Mensch tut.

Gott bereut nicht, was Er selbst getan hat. Gott kommt nicht darauf zurück [Er macht es nicht rückgängig]. Gott wusste genau, was Er tat, als Er Saul berief. Er wusste auch genau, was Saul sein würde. Aber Gott ist trotzdem betrübt. Meinen wir, nur weil Gott vorher alles genau weiß, dass Er deshalb nicht betrübt sein kann, wenn tatsächlich das eintrifft, was Er schon vorher wusste? Nein, Gott ist betrübt, und dann reut es Ihn, diese Folgen anzuschauen. Wir haben das schon in 1. Mose 6,7: „Es reut mich, dass ich sie [die Menschen] gemacht habe.“

So ist das zu verstehen, aber Gott sagt nie etwas Übereiliges, worauf Er zurückkommen bzw. was Er rückgängig machen muss. Das ist der Sinn von unserem Vers 29: Gott kommt auf das, was Er gesagt hat, nicht zurück; Er widerruft nicht.


Nach einem Vortrag über 1. Samuel 15 aus dem Jahr 1986;
von der Redaktion sprachlich bearbeitet

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