Frage: Kann ein Ausschluss nur von einer Mehrheit durchgeführt werden?
2. Korinther 2,6

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 30.05.2001, aktualisiert: 13.09.2018

Leitvers: 2. Korinther 2,6

2Kor 2,6: Genügend ist einem solchen die Strafe, die von den Vielen ist …

Fragenbeantwortung zum Artikel:
Gemeindebau „heute“ (1985)“ – 2. Timotheus 2

Frage 5

Ich habe kürzlich, mit Berufung auf 2. Korinther 2,6 (Fußnote) gehört, dass für den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Heiligen nur eine Mehrheit, nicht aber alle Gläubigen der örtlichen Gemeinschaft nötig sind. Ist diese Auffassung richtig oder nicht?

Antwort

Das ist eine Frage, die nicht direkt mit dem Thema zu tun hat, die ich aber gerne beantworten werde. Was ist für einen Beschluss, einen Zuchtbeschluss, notwendig? Auch in Fragen der Gemeindezucht sind sich nicht immer alle Gläubigen einig. Sehen wir erst einmal, was in 2. Korinther 2,6 steht. Da handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Person, die in 1. Korinther 5 ausgeschlossen worden war, die aber später zu einem Sündenbekenntnis gekommen war, dann auch wieder zugelassen werden konnte. 2. Korinther 2,5 sagt dann: „Wenn aber jemand traurig gemacht hat, so hat er nicht mich traurig gemacht, sondern in gewissem Maß (damit ich nicht beschwere) euch alle. Genügend ist einem solchen diese Strafe, die von den Vielen ist, so dass ihr im Gegenteil vielmehr vergeben und ermuntern solltet …“

Der Zusammenhang ist: Man sollte solch einen, der wieder zugelassen ist, freundlich und liebevoll empfangen und ihm klarmachen, dass er wieder herzlich willkommen ist. Ihm sollte man seine Liebe erweisen. Die Anmerkung (a) sagt: „von der Mehrheit, der Masse der Versammlung“. Daraus sollte geschlossen werden, dass zu einem Beschluss eine Mehrheit nötig wäre. Ich denke, das ist ein gefährlicher Schluss. Versammlungsbeschlüsse werden nicht mit Mehrheit entschieden. Wir fragen nicht: Wie viel sind dafür und wie viel dagegen? So geht es in der Welt. Da gibt es Abstimmungen und 51 Prozent ist meistens genug, um eine Sache zu entscheiden.

In der Versammlung Gottes geht es nicht darum, was die Mehrheit denkt, sondern was der Herr denkt. Das ist das Problem, das für Uneinigkeit sorgt. Darum entstehen Mehrheiten und Minderheiten. Die Mehrheit glaubt, dass der Herr so denkt, und die Minderheit sieht das anders. Was tut man in solch einem Fall?

Zuerst darf die Mehrheit nicht sagen: Wir sind die Mehrheit und darum können wir einen Beschluss fassen. Das wäre völlig ungeistlich. Denn die Versammlung macht einen Beschluss, indem sie sehen möchte, was der Herr will. So wird eine Mehrheit warten auf eine Minderheit, damit die Sache für alle Brüder und alle Schwestern klarwird. Geduld ist also das erste Gebot. Manchmal muss man vielleicht lange, Monate oder Jahre, Geduld haben, weil in einer Versammlung unterschiedliche Meinungen herrschen können. Da muss man aufeinander warten.

Auf der anderen Seite kann der Augenblick kommen, wo man nicht länger warten darf, weil es sich ganz deutlich für alle, die geistlich sind, um Bosheit handelt. Dann muss eine Gruppe, ob das die Mehrheit oder die Minderheit ist, die zu der festen Schlussfolgerung gekommen ist, dass es jetzt um die Heiligkeit des Herrn und um die Heiligkeit des Tisches des Herrn geht, zu einem Beschluss kommen. In dieser Lage bin ich selbst 1970 gewesen, wo es um Bosheit in der örtlichen Gemeinschaft ging, in der ich war, wo das Wort Gottes angegriffen wurde, wo die Inspiration und die völlige Autorität abgelehnt wurde. Das Problem war, dass nicht alle das gesehen haben. Manche meinten, das wäre nicht so schlimm. Wir haben viel Geduld gehabt. Man kann natürlich immer sagen, dass noch mehr Geduld nötig gewesen wäre. Aber schließlich wurde ganz klar, dass gehandelt werden musste. Wir waren zwar eine Mehrheit, aber das war in diesem Moment nicht ausschlaggebend. Man muss einen Glaubensschritt für den Herrn machen. Der Herr hat diesen Schritt dazu benutzt, dass die Minderheit später zum größten Teil eingesehen hat, dass ihre Meinung falsch war. Viele von ihnen hatten die Gemeinschaft verlassen, sind aber später nach dieser Einsicht, dem Herrn sei Dank, wiedergekommen. Das hat also mit Mehrheit und Minderheit nichts zu tun. Ich kenne Fälle vom Hörensagen, wo nur einige diesen Glaubensschritt getan haben.

Der Fall muss natürlich auch ganz klar sein. Da muss man nicht nur selbst klarsehen, da muss auch deutlich sein, dass die anderen nicht sehen wollen. Man muss auch die Argumente der Minder- oder Mehrheit prüfen. Manchmal haben viele gar keine Argumente, nur Gefühlsargumente: „Das kann nicht sein. Wie kann man das nur machen?“ Das sind keine Argumente. Da muss man auch ganz klarmachen, dass sie sich irren. Dafür brauchen wir auch Geduld miteinander. Aber wenn es klar ist, dass die anderen sich nicht nach den Gedanken des Herrn richten wollen, wenn es klar ist, dass es Bosheit ist, dann muss der andere Teil, ob es nun 95 Prozent oder 5 Prozent sind, handeln für den Herrn. Wenn es vom Herrn ist, dann wird der Herr es segnen. Ich kenne einen Fall, wo einer aus einer Versammlung diesen Schritt machte und wo später viele es eingesehen haben und mit ihm denselben Weg gegangen sind. Letztendlich war es eine Minderheit und die Mehrheit ist von bösen zu immer böseren Dingen gekommen. Wenn eine Versammlung nicht mehr geistlich ist, blicken nur wenige wirklich durch.

Wenn wir also einen Beschluss vorliegen haben und wissen, dass nur ein Teil der Versammlung geschlossen dahintersteht, was haben wir zu tun? Zuerst einen Beschluss anerkennen. Wenn jeder in der Versammlung sich damit beschäftigen würde, für sich selbst klarzumachen, ob ein Beschluss angenommen werden kann oder nicht, dann haben wir völlige Unabhängigkeit, dann tut jeder, was er will. Wir haben schon gesehen, dass die örtliche Versammlung vom Herrn Autorität empfangen hat. Diese Autorität bedeutet nicht, dass sie nicht versagen kann, aber dass trotzdem Autorität anerkannt werden muss, wo sie besteht. Wir müssen unseren Eltern gehorchen, nicht weil sie niemals Fehler machen, sondern weil sie unsere Eltern sind und als solche Autorität haben. So müssen auch Versammlungsbeschlüsse akzeptiert werden, es sei denn, dass es vollkommen klar ist für andere, dass ein böser Beschluss gefasst wurde. Natürlich ist es nicht schön, wenn man hinterher hört, dass nur ein Teil der Versammlung hinter dem Beschluss stand, ob das nun die Mehrheit oder Minderheit ist. Da muss man sich fragen, warum ein Teil nicht damit einverstanden war. Wenn sich dann herausstellt, dass das nur aus Gefühlsargumenten ist, dann muss man sich dem Beschluss unterwerfen.

Dieser Vers sagt also nicht, dass für einen Beschluss nur eine Mehrheit nötig ist. Normalerweise ist für den Beschluss in einer geistlichen Gemeinschaft von Gläubigen die gemeinsame Gesinnung nötig. Wenn alle Gläubigen geistlich sind und nahe beim Herrn leben, dann werden sie alle den Willen des Herrn verstehen und zusammen zu einem Beschluss kommen. Darauf warten wir. Wir müssen Geduld üben, um den Punkt zu erreichen, dass die ganze Gemeinschaft sieht, wie zu handeln ist. Das ist nach den Gedanken Gottes.

Aber dieses Warten geht einmal zu Ende. Dieses Ende, so war es mit mir und einigen anderen 1970, ist erreicht, wenn man sieht, die anderen wollen nicht, sie haben keine schriftgemäßen Argumente. Dann muss man diesen Beschluss fassen, obwohl es niemals angenehm ist, einen Beschluss zu fassen, mit dem nicht die ganze Versammlung einverstanden ist. Aber nie darf eine Versammlung sagen: Wir haben eine Mehrheit und das genügt.

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