Fragen zum Fall Satans
Hesekiel 28,12-15; Jesaja 14,12; 1. Mose 1; 2

William J. Hoste

© SoundWords, online seit: 20.09.2009, aktualisiert: 10.09.2018

Leitverse: Hesekiel 28,12-17; Jesaja 14,12; 1. Mose 1–2

Ist es richtig, dass Satan erst im Garten Eden gefallen ist?

Vielleicht gibt es kaum ein Thema, dass sich für Spekulationen mehr eignet als der mysteriöse Fall Satans. Doch gerade hier sollten wir mit Spekulationen sehr vorsichtig sein. Die Tatsache steht fest; es gibt kaum eine, die vorbehaltloser erwähnt wird. Wenn die obige Frage bedeutet, dass Satans Fall im buchstäblichen Garten Eden von 1. Mose 2 stattfand, dann kann die Antwort nur Nein sein. Satan betritt die Szene als gefallenes Geschöpf. Er ist bereits ein Feind von Gott und Menschen. Sein Fall hatte sich lange zuvor abgespielt und, wie ich glaube, bei einer anderen Begebenheit.

Auf diesen Fall bezieht sich der Herr Jesus in Lukas 10,18

Lk 10,18: Ich schaute den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.

[Anm. d. Red.: Unserer Ansicht nach sieht der Herr hier in prophetischer Schau das, was erst in der Zukunft nach Offenbarung 12 passieren wird.] Das zeigt, dass der Himmel sein eigentlicher Wohnplatz war. Der Grund seines Falls wird in 1. Timotheus 3,6 erwähnt: „… damit er [der Mensch] nicht, aufgebläht, ins Gericht des Teufels falle.“ Der Stolz wurde dem Teufel zum Verhängnis, aber von diesem Stolz finden wir nichts in der Begebenheit im Garten Eden. 

Sein Fall wird in Jesaja 14,12 erwähnt, in Worten, die weit über den Assyrer hinausgehen: 

Jes 14,12: Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte!

Ebenfalls wird der Fall Satans in Hesekiel 28,16.17 beschrieben, ohne Zweifel in einer symbolischen Sprache: 

Hes 28,16.17: Durch die Größe deines Handels wurde dein Inneres mit Gewalttat erfüllt, und du sündigtest … Dein Herz hat sich erhoben wegen deiner Schönheit, du hast deine Weisheit zunichtegemacht wegen deines Glanzes.

Stolz, Verderben und Gewalttätigkeit charakterisieren seinen Fall, so wie es auch unser Menschengeschlecht charakterisiert.

Wahrscheinlich hat der Vers in Hesekiel 28,13 zur obigen Frage Anlass gegeben: „Du warst in Eden, dem Garten Gottes.“ Wenn Gott einen Wohnplatz für Adam, das Haupt über die Erde, einen angenehmen und passenden Wohnplatz für seinen höchsten Genuss bereitet, ist es dann nicht wahrscheinlich, dass Er das auch in der gleichen Weise für das Haupt der Engelwelten tun würde? Genauso wie es jetzt neben dem irdischen Paradies auch ein himmlisches Paradies gibt, so mag es auch zwei Eden gegeben haben. Man hat gedacht, dass Satans Eden auf der ursprünglichen Erde von 1. Mose 1 [Anm. der Red.: gemeint ist die Erde von 1. Mose 1,1] an derselben Stelle war wie Adams Eden auf „seiner“ Erde. Manche denken, dass es so gewesen sein könnte. Sicherlich waren einmal Himmel und Erde nicht so weit voneinander entfernt wie heute, aber dieser Gedanke scheint in der Schrift keine direkte Unterstützung zu finden.

Hatte Satan eine Vorgeschichte bei seinem Erscheinen im Garten Eden oder bedeutet der Ausdruck in Hesekiel 28 „Eden, dem Garten Gottes“ den gleichen Garten Eden, in dem Adam und Eva lebten?

Der Gedanke, das Satans Fall im irdischen Eden stattfand, wo Satan als Verführer der Menschen auftritt, ist dem Bericht von 1. Mose völlig fremd. Der Fall wird immer mit einem Fallen aus dem Himmel beschrieben und nicht mit einem Fall auf der Erde. Die Theorie, dass Satan im Garten Eden in 1. Mose 2 gefallen wäre, auf die Worte aus Hesekiel 28,13 zu stützen („Du warst in Eden“), ist, wie eine Pyramide auf der Spitze zu balancieren. Das Wort Eden ist edhen (von adhan = „glücklich sein“) und meint einfach einen Ort des Glückes. Es ist so, als wenn man sagen würde: Als Paulus ins Paradies entrückt wurde, muss das der Garten Eden gewesen sein; in 2. Korinther 12,3.4 wird das gleiche griechische Wort für paradeisos gebraucht. Wenn es ein himmlisches und irdisches Paradies gibt, dann können wir auch glauben, dass es einen himmlischen und einen irdischen Garten Eden gibt.

Es ist erwähnenswert, dass der „Garten Eden“ nicht notwendigerweise bedeutet, dass der Garten und Eden das Gleiche ist, denn in 1. Mose 2,8 lesen wir: „Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden“, und in 1. Mose 2,10: „Und ein Strom ging aus von Eden, den Garten zu bewässern“; so werden diese beiden also unterschieden. Dieser Garten (in 1Mo 2) wird niemals „Garten Gottes“ genannt, aber doch in Hesekiel 28,13 („Du warst in Eden, dem Garten Gottes“). Der Garten in 1. Mose 2 ist vielmehr der Garten des Menschen. Die Beschreibung von Satan in Hesekiel 28,12-15 (denn er ist es sicherlich) muss als gesamthaft gesehen werden, als Offenbarung der Herrlichkeiten, die er bei seiner Erschaffung bekommen hatte (Hes 28,12). Gott hatte einen Ort des Glücks für ihn bereitet, der perfekt zu seiner Natur passte. Als Nächstes wird seine Decke beschrieben (Hes 28,13). Die Schönheit des Ortes war eher mineralischer als pflanzlicher Natur. Er war ein gesalbter und schirmender Cherub (evtl. beschirmte er den Thron Gottes). „Du warst auf Gottes heiligem Berg, du wandeltest (gleiches Wort und gleicher Modus, wie wir es bei Henoch finden) inmitten feuriger Steine“ (Hes 28,14). Von all diesem lesen wir bei dem irdischen Paradies in 1. Mose 2 nichts. Der Bericht geht weiter: „Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, da du geschaffen wurdest, bis Unrecht an dir gefunden wurde“ (Hes 28,15).

Der irdische „Garten Eden“ war von Gott für Menschen bei seiner Erschaffung gepflanzt worden, und wir haben keinen Grund, anzunehmen, dass Satan lange vor seinem Fall im irdischen Garten Eden war. Ist es nicht eine zu abstruse Theorie, das alles, was wir in Hesekiel gelesen haben und was mit den Worten beginnt: „Du warst in Eden …, bis Unrecht an dir gefunden wurde“, in jene Phase des Zustandes vor dem Sündenfall hineinzupressen? Wir wollen hier keine Verantwortung übernehmen für Spekulationen derer, die glauben, dass Satan lange vor dem Menschen gefallen ist.

Wir wollen nicht über das hinausgehen, was geschrieben steht, aber wir betrachten die Theorie von Satans Fall im adamitischen Garten Eden als völlig unhaltbar und nicht als gesunde Schriftauslegung.


Aus Bible Problems and Answers, W. Hoste u. W. Rodgers, S. 13–24
ursprünglich veröffentlicht in „The Question Box“ in The Believers’ Magazine

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