Gottesnamen im Buch Jona

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 04.01.2011, aktualisiert: 16.05.2017

Im Buch Jona fällt auf, dass in den ersten drei Kapiteln immer von „HERR“ die Rede ist. In Kapitel 4 findet hingegen ein Wechsel statt. Dort heißt es auch „Gott, der Herr“ oder auch (nur) „Gott“. Gibt es dafür eine Erklärung?

In der Folge wollen wir eine Erklärung von J.N. Darby wiedergeben. Um Darbys Ausführungen einordnen zu können, sollte man etwas über den Hintergrund wissen. Band 6 der Collected Writings besteht zum größten Teil aus einer einzigen Buchbesprechung, und zwar aus einer Besprechung (oder Widerlegung) des Buches Phases of Faith. In diesem Buch beschreibt F.H. Newman, wie er nach und nach den christlichen Glauben aufgab. Breiten Raum nehmen in seinem Buch die vermeintlichen Widersprüche und Unstimmigkeiten in der Bibel ein, so auch die verschiedenen Gottesnamen. Die verschiedenen Gottesnamen in 1. Mose versuchte Newman (wie andere Bibelkritiker damals) damit zu erklären, dass dieses Buch aus verschiedenen Quellen (mit jeweils eigenen Gottesnamen) zusammengestellt worden sei – mit allen Folgen für Glaubwürdigkeit und Inspiration der Bibel.

Die folgende Erklärung stammt von J.N. Darby aus Collected Writings, Bd. 6, S. 182, „The Irrationalism of Infidelity“:

Oder, lasst uns Jona nehmen. Hier kann gar nicht die Rede sein von zwei Quellen. Der Verkehr zwischen Jona und Gott ist unter dem Namen Jehova. Wenn die Seeleute erfahren, wer der Gott ist, vor dem Jona flieht, fürchten sie Jehova und rufen Jehova an. Geht es um den allgemeinen Bericht über Buße in Fremdlingen (Jona 3,5 bis zum Ende), dann ist es Elohim. Und wo es um die allgemeinen souveränen Wege Gottes mit Jona geht, die ihm zeigen sollten, wo er als Mensch vor Gott stand, ist es wieder Elohim.

Das alles hat im Buch Jona umso mehr Gewicht, als die Beziehung zwischen Israel und den Heiden sowie zwischen den Heiden und Jehova behandelt wird. Es ist das letzte öffentliche, direkte Zeugnis Gottes für die Heiden vor Christus. Jona fürchtete eben diese Güte Gottes zu den Heiden, denn sie stellte seine Gerichtsankündigung in Frage. Der Stolz eines Juden hätte dieses Gericht gerne ausgeführt gesehen (s. Jona 4,1). Also finden wir auf der einen Seite, wie die Heiden im Augenblick des Gerichts über den Israeliten zur Buße geführt werden; auf der anderen Seite Gott als solchen, der treue Schöpfer, der sich als gütig erweist und an die Kinder dachte, die nicht zwischen rechts und links unterscheiden konnten, und sogar an das Vieh. Gleichzeitig wird die Beziehung zwischen Jehova und seinem Propheten durchaus aufrechterhalten, und der Ausdruck „Jehova, sein Gott“ mehr als einmal wiederholt. Also haben wir hier die Elemente der Gnade Jehovas und Elohims wahren Charakter und Souveränität. All das wird im krankhaften Systematisierungszwang der Unwissenheit auf irgendwelche imaginären Dokumente zurückgeführt, über die uns keiner Näheres sagen kann, die aber dennoch vorausgesetzt werden.

Wir haben also, ich sagte es schon, diese zwei Titel, denkbar klar und lehrreich dargelegt. Damit werden göttliche Beziehungen entfaltet für jeden, der es im Herzen hat, sich daran zu erfreuen, und die Weisheit zu rechtfertigen, die die Freude ihrer Kinder ist. Der Ungläubige dagegen muss einen ersonnenen äußeren Grund voraussetzen, denn er weiß nicht um die wahre göttliche Kraft, die in diesen Dingen liegt. Ich weise noch darauf hin, dass ich hier nicht dabei bin, einen externen Beweis für die Wahrheit des jüdischen Systems zu liefern; sondern dass, wenn wir dieses System voraussetzen, der Grund für die unterschiedliche Verwendung der Worte „Jehova“ und „Elohim“ sich innerhalb dieses Systems von alleine ergibt; alles ist konsistent und angemessen.

Ein Ungläubiger sollte das wenigstens erkannt oder wenigstens untersucht haben; denn es ist ein Bestandteil des Systems, worüber er eine Beurteilung abgibt (auch gibt es ausreichende Beweise für die innere Konsistenz, die seine Argumente völlig entkräften). Denn was er mit ersonnenen Begründungen erklären will, wird durch die einfachsten Grundsätze des vorliegenden Systems erklärt. Denn jeder kann sehen, dass Jehova der eigentliche Name Gottes für Israel war und dass Er auch ausdrücklich so vorgestellt wird, auch wenn es der Name des einen wahren, souveränen Gottes ist. Für den Gläubigen birgt die Verwendung der verschiedenen Namen Gottes eine göttliche Belehrung in sich, denn all seine Namen haben eine Bedeutung: Allmächtiger, Jehova, Vater – jeder dieser Namen berührt eine andere Saite seiner Seele. Es ist noch nicht einmal vernünftig, nach Beweisen von außen zu suchen, wenn der wahre Grund im System selbst liegt und einen deutlich erklärten, charakteristischen Teil davon ausmacht. Das hat es mit dem Unterschied zwischen Jehova und Elohim auf sich.


Übersetzung: Wim Hellendoorn

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