Fremdes Feuer im Heiligtum
3. Mose 10,1-3

Henry Chisholm Anstey

© SoundWords, online seit: 03.10.2013, aktualisiert: 26.07.2017

Leitverse: 3. Mose 10,1-3

  1. Wann die Anbetung ein Ärgernis ist und der Anbeter unter das Gericht Gottes fällt
  2. Warum wir einen Mangel an Urteilsvermögen haben und eine Unfähigkeit, zwischen heilig und unheilig und zwischen unrein und rein zu unterscheiden

Die Gemeinde, die sich aus allen Gläubigen zusammensetzt und hier sinnbildlich durch die Söhne Aarons verkörpert wird, ist nun in der Stellung der bevorrechtigten Nähe und Annäherung an Gott. Und weil sie das ist, möchte Gott, dass wir im Einklang mit diesem Vorrecht sind, und will uns in diesem Kapitel eine ernste Lehre erteilen. Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen, dass „alles, was zuvor geschrieben ist, … zu unserer Belehrung geschrieben“ worden ist, „damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben“ (Röm 15,4). Da alle Priester sind (1Pet 2,5), stehen alle nahe bei Gott, um Ihm die Anbetung darzubringen (sinnbildlich vom Weihrauch verkörpert), den „süßen Geruch“, den Er in seinem geliebten Sohn fand und in all den Werken, die dieser zu Gottes Ehre vollbracht hat. Darin findet Gott immer seine besondere Freude.

3Mo 10,1.2: 1 Und die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen jeder seine Räucherpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten fremdes Feuer vor dem HERRN dar, das er ihnen nicht geboten hatte. 2 Da ging Feuer von dem HERRN aus und verzehrte sie, und sie starben vor dem HERRN.

Wir beachten hierbei, dass sie als Söhne Aarons das Recht zur Annäherung hatten. Wir sehen auch, dass an den Feuerbecken und dem Weihrauch nichts auszusetzen war, sondern an dem, was mit ihnen kam: dem „Feuer“. Das, was sozusagen den Geruch hervorrief, war fehlerhaft, und dies führte dazu, dass das Ganze verworfen wurde. Es gab ein Feuer, mit dem alle, die mit dem Priesterdienst beschäftigt waren, hätten vertraut sein sollen, nämlich das Feuer, das ununterbrochen auf dem bronzenen Altar brannte (3Mo 6,5.6). Es fiel jedem ins Auge, der sich von außen näherte. Der bronzene Altar war das Erste innerhalb des Hofes. Ohne den Tod des Opfers auf diesem bronzenen Altar konnte es keine Annäherung an Gott geben. Und das Feuer, das nötig war, um den Duft des Weihrauchs hervorzurufen, musste von diesem Altar genommen werden (3Mo 16,12.13). Dieses war kein „fremdes Feuer“.

Das Brandopfer in 3. Mose 1 stellt den Tod Christi dar und seine persönliche Fähigkeit, das Gericht zu tragen. Es ist uns nicht fremd, sondern vertraut, dass es die eindringliche Prüfung seiner Person durch das Gericht Gottes war, die den süßen Duft noch deutlicher hervorbrachte. Das Feuer ist also ein Sinnbild für das Gericht Gottes. Im ersten Kapitel des dritten Buches Mose bringt das Feuer, das das Brandopfer verzehrt, nur vollständig den süßen Duft hervor, den Gott durch den Tod des makellosen Opfers empfing. Das Gericht Gottes, das Christus am Kreuz vollständig erprobte, fand nur das, woran Gott Gefallen finden konnte.

Aber 3. Mose 4, wo der Tod Christi unter einem anderen Aspekt beschrieben und das Gericht immer noch durch das Feuer versinnbildlicht wird, wird eine andere Wirkung erzielt. Hier geht es nicht um den süßen Duft (außer um in dem Fett usw. zu zeigen, wer Er war), sondern um die Verzehrung oder Zerstörung des Körpers des Opfers, und das keineswegs auf dem bronzenen Altar, sondern weit weg, draußen vor dem Lager. Doch ist dieser Ort immer noch verbunden mit dem bronzenen Altar, denn dort wird die Asche von dem auf dem Altar verbrannten Fett ausgeschüttet. Es ist das Sündopfer. Es ist Christus, der für uns „zur Sünde gemacht“ wurde und „unsere Sünden trug“. Es ist das Kreuz als der Ort, wo der gesamte „Leib seines Fleisches“ (Kol 1,22) zerstört – verzehrt – wurde unter dem Gericht Gottes, so dass der Herr, wenn Er zum zweiten Mal in diese Welt kommt, „ohne Sünde“ (Heb 9,28) erscheinen wird, d.h., ohne dass die Frage der Sünde zu klären oder zu beachten wäre, da sie am Kreuz so vollkommen ein für alle Mal geregelt wurde.

Bei dem Brandopfer bringt das Feuer nur einen süßen Duft hervor; bei dem Sündopfer verzehrt das Feuer außerhalb des Wohnortes Gottes (des Lagers) alles, was seiner heiligen Gegenwart entgegensteht (weil es mit Sünde beladen ist). Diese beiden Wirkungen sind mit dem Feuer verbunden, und beide wurden am Kreuz erfüllt. Auf dieser Grundlage sucht Gott Anbeter, die Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Aber es kann nicht unabhängig von dieser Feuerhandlung geschehen, auch nicht unabhängig von der Erinnerung daran; weil der Duft des Weihrauchs (Sinnbild für unsere Anbetung) nur hervorgebracht wurde, indem man den Weihrauch in das Feuer legte, das man vom Altar genommen hatte. Die Anbetung im Geist und in der Wahrheit hat als Grundlage die Absage an und das Gericht über all das, was ich in mir selbst bin, und das Bekenntnis, dass Gott seine ewige Zufriedenheit und Genugtuung in der Person und in dem Werk des Herrn Jesus Christus gefunden hat. Folglich ist alles außer diesen beiden, was zur Anbetung anregt, „fremdes Feuer“. Weder natürliche Talente, Gaben, Fähigkeiten, Verstand oder Bildung werden hier von Nutzen sein, weil sie nur von dem ersten Menschen stammen; und nichts von dem ersten Menschen (d.h. was seinen Ursprung nur in ihm hat) kann vor Gott kommen außer zum Gericht. Alle Christen stehen auf derselben Grundlage, dass sie Anbetung bringen dürfen. Doch jede Selbstanmaßung verschwindet, wenn wir sehen, dass Christus das Einzige ist, was das Herz Gottes erfreut, und wir so erkennen, dass der Ort, wo wir stehen, „heiliges Land“ ist. Das Feuer verzehrt alles, was dem Sinn Gottes entgegensteht, und stellt die Person und das Werk seines geliebten Sohnes vor Ihm heraus.

Es ist wichtig, dass das, was die Leute Anbetung nennen, im Licht dieser Schriftstelle überprüft werden sollte. Wenn die Bedeutung von 3. Mose 4 außen vor gelassen wird, wird es eine Anbetung nach der Weise Kains sein. Kain kam zu Gott auf der Grundlage seines sich selbst angemaßten Rechts zu kommen. So lässt man die wichtige Wahrheit, die durch das Sündopfer gelehrt wird, unberücksichtigt und leugnet auch völlig den Fall. Wenn Gott selbst nicht den Weg bereitet, hat der Mensch keinen. In uns selbst haben wir keine Tauglichkeit. Wir bekennen das, und wir kommen mit dem ganzen Wert der Person und des Werks eines anderen. Gott selbst hat es bereitgestellt. Jede Darbietung der Person und des Werkes Christi an Gott wird angenommen. Mehr brauchen wir nicht. Gott hat uns dies gegeben und kann keine Hinzufügung dazu annehmen.

Bei der Anbetung und wenn der Geist uns lehrt, lernen wir, was Gott gefällt. Und nachdem wir das gelernt haben, entfaltet uns dieses Kapitel eine weitere Sache, deren Notwendigkeit sich uns fortwährend vor Augen stellt, während wir uns in einer verunreinigenden Umgebung bewegen, nämlich die Fähigkeit, zwischen „heilig und unheilig“ und zwischen „unrein und rein“ zu unterscheiden: „Und der Herr redete zu Aaron: Wein und berauschendes Getränk sollst du nicht trinken, du und deine Söhne mit dir, wenn ihr in das Zelt der Begegnung hineingeht, damit ihr nicht sterbt – eine ewige Ordnung für eure Generationen – und damit ihr unterscheidet zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen und zwischen dem Reinen und dem Unreinen und damit ihr die Söhne Israel all die Ordnungen, die der Herr durch Mose zu euch geredet hat, lehrt“ (3Mo 10,8-11).

Wer kann zwischen „heilig und unheilig“ und zwischen „unrein und rein“ unterscheiden außer der Seele, die aus der Vertrautheit der Gemeinschaft und aus jenem höchsten Vorrecht, das die Gemeinschaft gibt, nämlich aus der Anbetung, gelernt hat, was für Gott annehmbar ist? Dann sind Wein und berauschende Getränke und alles, was den natürlichen Menschen antreibt, abzulehnen. In der Anbetung ist nichts erlaubt außer dem Feuer, das sowohl meine Verwerfung und das Gericht über mich als auch die Annahme Christi verkündet. Zwar vermutet niemand, dass Wein und berauschendes Getränk im Inneren geduldet werden können; aber schließlich ist es doch so: Wenn ich die Angewohnheit habe, es der Natur zu erlauben, mich im Äußeren zu beherrschen, wenn ich gewohnheitsmäßig die Natur füttere und sie dort nicht richte, dann werde ich machtlos sein, mir auch nur in ganz einfachen Angelegenheiten ein Urteil zu bilden. Ich verliere das Gespür für Richtig und Falsch, und ich werde zu einem Hindernis bei der Anbetung der Heiligen; denn was ich darbringe, wird verworfen. Auf diese Weise verliert die Seele das Gespür für das, was heilig und unheilig, unrein und rein ist; und in diesem Zustand ist sie auch unfähig, andere „die Ordnungen, die der Herr … geredet hat“, zu lehren.

Wir stellen fest: Nur dadurch, dass man in der Gegenwart des Herrn lernt, was Ihm angenehm ist, kann man die kleinen Einzelheiten des täglichen Lebens richtig regeln. Die Sorgen der Welt, der Familie, der Versammlung, sie alle führen uns Fälle vor, in denen der Priester die Gedanken Gottes im Hinblick darauf, was heilig und unheilig, unrein und rein ist, erkennen und verkünden muss, und wir können Ihm danken, dass Er diese vollkommene Vorkehrung getroffen hat, damit wir nicht verwirrt werden, sondern das rechte Urteilsvermögen haben, wenn uns solche Fragen gestellt werden.

Es ist nutzlos, eine Seele, die nichts oder wenig über die Anbetung weiß, um einen Rat über irgendetwas anzugehen. Die Anbetung ist unser höchstes Vorrecht auf Erden und die Freude des Himmels. In ihr nähern wir uns Gott in dem Bewusstsein, dass wir dadurch sein Herz erfreuen, und was könnte unseren Herzen größere Freude bereiten als dies? Auf die Art und Weise deutet Vers 3 hin:

3Mo 10,3: Und Mose sprach zu Aaron: Dies ist es, was der HERR geredet hat, indem er sprach: In denen, die mir nahen, will ich geheiligt, und vor dem ganzen Volk will ich verherrlicht werden. Und Aaron schwieg.

Dieser Vers sollte wieder und wieder gelesen werden. Er ist der Schlüssel zu allem, was uns in diesem Kapitel gesagt wird.


Originaltitel: „Worship“
aus The Christian’s Friend and Instructor, Bd. 16, 1889, S. 36–41
Quelle: www.stempublishing.com/magazines/cf/1889/Worship.html

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