Das Wesentliche an der Passion Christi
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 21.03.2004, aktualisiert: 03.01.2018

Am 18. März 2004 lief der Film The Passion in deutschen Kinos an. Kaum zu glauben, in einer Zeit, wo man von Jesus Christus nicht mehr viel wissen will oder einfach auch nicht mehr viel über Ihn weiß, füllt dieser Jesus – oder ist es doch mehr die Darstellung? – ganze Kinosäle. Aber fragen wir hier einmal nicht nach der Beurteilung dieses Films, sondern nach der wahren Botschaft, nach der wahren Mission, für die Er gekommen war.

Sein Leben war Liebe, sein Leben war Erbarmen, sein Leben war Leiden. Er war grade geboren – nicht in einem Königspalast, sondern in einer Krippe –, da wollte Herodes Ihn bereits umbringen lassen, denn er duldete keinen neben sich. Einen, von dem die Magier aus dem Morgenland sprachen: „Wo ist der König der Juden, der geboren werden sollte?“ (Mt 2,2). Schrecklich, dass viele unschuldige Kinder von zwei Jahren und darunter sterben mussten, weil man den nicht wollte, der kam, um freiwillig für die ganze Menschheit zu sterben.

Als junger Mensch wuchs Er in einer kleinen und verrufenen Stadt wie Nazareth auf. Er bestand nicht darauf, in der großen Hauptstadt Jerusalem zu wohnen, wie es Seiner sicherlich angemessen gewesen wäre. Müde lächelnd fragte man sich beim ersten öffentlichen Auftreten von Jesus Christus: „Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen?“ Der geniale Architekt des gesamten Universums begnügt sich mit dem einfachen Job eines Zimmermanns. Und als Er die ersten Wunder tat, stellte man sich prahlerisch über Ihn und sagte Ihm ins Gesicht: „Wir sind nicht durch Hurerei geboren …“ Aber selbst seine leiblichen Brüder konnten es noch nicht glauben, dass Er wirklich der ist, für den manche Ihn hielten. Das sollte sich jedoch noch ändern.

Es gab schon damals viele, die irgendwie Lebenshunger hatten, die mit ihrem Leben nicht klarkamen, die einfach völlig fertig waren oder die über den Sinn des Lebens nachdachten, aber einfach nicht weiterkamen. Vielleicht konnte ja dieser Jesus die großen Fragen ihres Lebens beantworten. Jesus Christus hatte tatsächlich für die Hungernden Brot, für die Durstigen Wasser, für die Traurigen ein Wort und für die Kranken wurde Er der Arzt.

Aber da waren auch die anderen, die großen und die „Möchtegern-Theologen“ jener Zeit, die es eigentlich hätten besser wissen müssen, die Ihn aber mit Spott und Hass belegten. Sie sahen ihre Position durch diesen jungen Rabbi gefährdet, der in kurzer Zeit viele Menschen um sich scharte, obwohl Er eigentlich diese große Aufmerksamkeit nie suchte, sondern sich diesem öffentlichen Rummel sogar öfter entzog. Es ging Ihm nicht um „sehen und gesehen werden“ – seine Botschaft war tiefer, seine Botschaft war zuerst bedingungslose Liebe.

Was machten diese Theologen – genannt Pharisäer und Sadduzäer – mit Ihm? Zu vielen Gelegenheiten versuchten sie, Ihn zu töten. Immer wieder wird in den Evangelien berichtet, dass man plante, Ihn umzubringen. Je mehr Er liebte, desto mehr hassten sie Ihn und desto unerträglicher wurde seine Liebe; je mehr Barmherzigkeit Er an die Menschen, wie Süßigkeiten an Kinder, austeilte, desto unbarmherziger wurden die Menschen.

Doch da waren ja noch seine Jünger. Es ist doch immer schön, wenn man gute Freunde hat, auf die man sich verlassen kann. Und wirklich, diese zwölf Jünger nahmen wirklich einiges auf sich. Bedingungslos wollten sie ihrem Herrn und Meister folgen, sie hatten wirklich schon viel aufgegeben. Sicher, vieles konnten sie noch nicht verstehen und sie hatten auch manche schwachen Momente, in denen sie überlegten, was ihnen die Nachfolge eigentlich bringen würde. Aber sie sind sehr weit mit Ihm gegangen. Doch kam der Zeitpunkt, wo es immer enger und einsamer um diesen Jesus wurde. Und dann diese Situation im Garten Gethsemane kurz vor seinem Tod. Nicht alle Jünger waren dabei, Judas z.B. fehlte. Wo war er? Ihm ist es wohl zu eng geworden, und irgendwie hatte er das Vertrauen in seinen Meister verloren, dafür aber in den Mammon gewonnen, und nach dem Motto „Nur Bares ist Wahres“ ging er hin – die Kasse an seiner Seite und den Teufel in seinem Herzen – und verriet seinen Meister.

Und nun ging es alles sehr schnell. Die Jünger hatten nicht viel Zeit zu überlegen, Soldaten kamen in den Garten, angeführt von Judas. Sie gingen auf Jesus zu, Judas küsste Ihn, Jesus versuchte noch einmal, das Herz des Judas zu erreichen und sagt „Freund“ – ja, Er nannte ihn noch ein letztes Mal „Freund“. Judas, was hast du eigentlich in diesem Moment gedacht? Die anderen Jünger standen bei Jesus; sicher, sie hatten Angst, das Herz schlug ihnen fast nach außen sichtbar, der Puls so hoch wie nach einem anstrengenden Sportevent. Würden sie durchhalten, würden sie bei Jesus bleiben? Ihr Herr und Meister sah förmlich ihre Anspannung, Er sah auch, was Petrus für Ihn empfand, als Er noch dem Malchus das Ohr abhieb, um Ihn zu verteidigen. Kaum zu fassen, dass Jesus sich so ruhig und gelassen die Zeit nahm, um sich noch um diese Verletzung zu kümmern. Bis zuletzt dachte Jesus nicht an sich, sondern an andere – das war gelebte Nächstenliebe. In der einen Minute heilt Er mit seinen Händen das Ohr des Malchus, und in der nächsten Minute streckt Er sie bereitwillig seinen Feinden hin, um sich binden zu lassen.

Dann stellt Er sich schützend vor die Seinen sagt: „Wenn ihr mich suchet, dann lasst jene gehen.“ Gerade so, wie ein Hirte sich vor die Schafte stellt, wenn der Wolf kommt, so stand Er vor seinen Jüngern. Zuerst wollten die Jünger ihren Herrn nicht verlassen, aber dann sahen sie keine andere Wahl mehr, und die Bibel sagt so eindrücklich: „Da verließen ihn die Jünger alle und flohen.“ Und hatte der Herr nicht selbst grünes Licht gegeben zu fliehen, als Er sagte: „Dann lasst jene gehen“?

Jetzt war Er ganz allein – nein, nicht ganz allein, denn Er bezeugte vorher einige Male, dass sein Vater allezeit bei Ihm sein würde und Er Ihn nicht allein gelassen hätte. Auch in dieser Situation würde sein himmlischer Vater ganz nah bei Ihm sein. Das war keine Einbildung von Ihm, das war lebendige Wirklichkeit.

Die Soldaten führen Ihn ab. Von einem ordentlichen Prozess konnte wohl nicht die Rede sein. Wenn es einen Justizmord in der Geschichte gegeben hat, dann haben wir hier den deutlichsten. Menschen, die Ihn zuvor umzubringen versuchten, wurden irgendwie immer wieder von ihrem mörderischen Plan abgehalten. Aber nun war es so weit, und Jesus sagt zu ihnen: „Dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis.“ Die Stunde des Menschen war gekommen, und viele, die noch vor kurzem „Hosianna“ gerufen hatten, als Jesus auf einer Eselin reitend in Jerusalem einzog, sprachen jetzt übermäßig: „Kreuzige, kreuzige ihn!“ Die Macht der Finsternis hatte sich nicht nur des Judas bemächtigt, von dem es heißt, dass der Satan in ihn fuhr, sondern auch einer seiner Jünger bekam die Macht dieser Finsternis zu spüren. Er hatte einfach nicht die Kraft, sich zu seinem Herrn und Meister zu bekennen und er verleugnete Ihn dreimal. Einmal sogar mit einem Fluch.

So berief man falsche Zeugen, belegte Ihn mit Spucke, Ohrfeigen und Peitschenhieben, dichtete Spottlieder über Ihn, flocht eine Krone aus Dornen und warf Ihm einen Königsmantel um. Aber welch eine tiefe Wahrheit kam dadurch zum Ausdruck? Da steht Er nun mit einer Krone aus Dornen – aber Moment mal, waren die Dornen nicht als Folge des Fluches über diese Erde gekommen, beim Sündenfall im Paradies? Genau! Da stand nun Jesus mit der Dornenkrone, und kurze Zeit später sollte Er diesen Fluch, der über diese Schöpfung gekommen ist, an seinem Körper tragen. Was für ein Bild eines sterbenden Königs! Schreckliche Leiden, die im Film The Passion so erschreckend dargestellt werden, ergossen sich nun vonseiten der Menschen über diesen barmherzigen, liebevollen Menschen – war jetzt nicht die Zeit gekommen aufzugeben? Nein! Seine Liebe war so groß, so bedingungslos groß, dass Er die Schmerzen nicht achtete. Man durchbohrte die Hände dessen, der mit ihnen nur Werke der Gnade und Liebe verübte. Man durchbohrte seine Füße, die ausgegangen waren, den Menschen eine Botschaft des Friedens zu bringen. Und als Er bereits gestorben war, durchbohrte man noch seine Seite, und es floss Blut und Wasser daraus. War es wohl die linke Seite? Die Seite des Herzens? Ob man sein Herz durchstach, ist ungewiss; gewiss ist jedoch, dass sein Herz sich noch sterbend am Kreuz um andere kümmerte. Er kümmerte sich um seine Mutter und Er kümmerte sich um einen der beiden mitgekreuzigten Räuber, und aus der Tiefe seines Herzens kamen die Worte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ So verwandelte Er einen bewussten Mord noch in Totschlag, damit sie noch nachher die Möglichkeit zur Umkehr hätten.

Doch diese Leiden psychischer und körperlicher Art, die Er im Höchstmaß erduldete, waren das jene Leiden, die am grausamsten waren? Wir sagen: Nein! Wenn wir Berichte über den Film The Passion lesen, dann hören wir von der Blutrünstigkeit und Brutalität des Filmes. Doch wollen wir wirklich wissen, was für diesen sterbenden Heiland das Schlimmste war, als Er dort zwischen Himmel und Erde hing? Es war die Tatsache, dass Er zur Sünde gemacht wurde. Allein der Gedanke daran, zu dem gemacht zu werden, was wir Menschen von Natur aus sind – nämlich Sünder –, trieb Ihm schon im Garten Gethsemane Schweiß wie große Blutstropfen auf die Stirn. Aber jetzt war die Zeit gekommen, wo es nicht allein um den Gedanken oder den Schatten daran ging, sondern dass Er mit der Tatsache dieser Sünde konfrontiert wurde. Und hier stehen wir weit entfernt und werden es nie wirklich begreifen, was geschah, als Jesus Christus für die Sünde der Welt im Gericht Gottes stand, als Er starb, um Ihre, deine und meine Sünden sühnen zu können. Denn in diesen drei Stunden wurde es mitten am Tag ganz dunkel. Gott erlaubte nicht, dass ein Mensch es sehen sollte, als sein Sohn am Kreuz hing und die Grundlage dafür legte, die Sünde der Welt hinwegzunehmen.

Die drei Stunden endeten mit dem Ausruf: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das war der größte Schmerz für den sterbenden Heiland, dass Ihn sein Gott, dem Er ohne Unterlass gedient hatte, in seinen schwersten Stunden verlassen musste. Ja, musste! Es ging nicht anders. Gott kann Sünde nicht sehen. Er ist ein heiliger und reiner Gott. Und so sehr am Kreuz die Liebe Gottes zu dieser Welt offenbar wurde, genauso offenbar wurde auch, dass Gott eben nicht nur Liebe, sondern auch Licht ist. Gott ist ein heiliger Gott, der Sünde nicht ungestraft lassen kann. Gott kann nicht einfach „fünf gerade sein lassen“. Das geht bei uns Menschen, aber nicht bei Gott – zu rein und heilig ist Er. Es gab keinen anderen Weg, und gerade diesen Weg ist Jesus Christus gegangen.

Das ist die wirklich gute Botschaft von Golgatha, dass Gott in seiner Liebe den Sohn gegeben hat und in seiner Heiligkeit alle Sünden derer, die einmal an Ihn glauben sollten, an seinem Sohn gestraft hat.

Der Herr Jesus Christus ging in diese Gottverlassenheit, damit wir nicht dorthin müssen. Fremde Sünden lagen auf Ihm und wegen der Sünden anderer wurde Er von Gott verlassen. So wie der Sündenbock in die Wüste geschickt wurde, so musste Christus diese Einsamkeit und Verlassenheit am Kreuz erdulden. Lässt es wohl noch jemanden kalt, der darüber nachdenkt, dass der blutende und sterbende Heiland das gerechte Gericht für das Leben gottloser Menschen freiwillig auf sich nahm und dabei alles ertrug wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wurde? Er dachte dabei an Sie, an dich, an mich, weil Er einfach nicht wollte, dass jemand verlorengeht und dieses schreckliche Gericht selber tragen muss. Er klagte nie. Er tat es für die vielen Menschen, die durch sein Werk am Kreuz Heil und Rettung finden würden.

Der Himmel steht nun offen. Jeder kann kommen. Es wird niemand abgewiesen, der mit seinen Sünden kommt und sie unter das Kreuz legt. Jeder, der zum Kreuz gekommen ist, mit einer großen oder kleinen Last an Sünden, ist erleichtert weggegangen. Jeder, der den sterbenden von Gott und Menschen verlassenen Heiland am Kreuz angesehen hat und glaubt, dass Er der Sohn Gottes ist (so wie der Hauptmann, der unter dem Kreuz sagen konnte: „Wahrlich, dieser Mensch war Gottes Sohn“), für den kann ein neues Leben beginnen. Wegen seiner Sünden braucht keiner mehr verzweifeln noch verlorengehen. Es sei denn, dass er sich einmal vor Gott nicht ganz kleinmachen will und auf seine Knie fällt, seine Schuld nicht anerkennen will und sich nicht zu dieser einzigartigen Person der Weltgeschichte, diesem Heiland der Welt, wendet.

„Was muss ich tun, um gerettet zu werden?“, fragte einst ein völlig verzweifelter Gefängnisaufseher und Paulus sagte ihm die einfachen Worte: „Glaube an den Herrn Jesus und du wirst errettet werden.“

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