Die Gemeinde im Tausendjährigen Reich
Offenbarung 21–22

Hamilton Smith

© EPV, online seit: 24.12.2005, aktualisiert: 14.09.2018

Leitverse: Offenbarung 21–22

Einleitung

Die Offenbarung schließt mit der Vision von der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem. In der Schrift wird diese Stadt als Symbol der Kirche während des Tausendjährigen Reiches „die heilige Stadt, Jerusalem“ genannt (Off 21,10), im ewigen Zustand aber „die heilige Stadt, das neue Jerusalem“ (Off 21,2).

Um ihre Bedeutung zu erkennen, müssen wir uns zunächst von einem Gedanken freimachen, der uns auch gefühlsmäßig naheliegt, nämlich, dass die heilige Stadt eine wörtliche Beschreibung der ewigen Heimat der Gläubigen sei. In einem Buch, in dem alle anderen Gesichte symbolischen Charakter haben, ist es unwahrscheinlich, dass in dieser Vision Symbole plötzlich wörtlichen Beschreibungen Platz machen sollten. Von der Stadt wird ausdrücklich gesagt, dass sie „die Braut, das Weib des Lammes“, ist. Damit wird deutlich, dass die Stadt die Kirche (Versammlung) in Herrlichkeit symbolisch darstellt. Doch dürfen wir aus vielen Einzelheiten entnehmen, dass es sich dabei nicht nur um ein Symbol der Heiligen selbst, sondern vielmehr um eine symbolische Beschreibung sowohl der verherrlichten Kirche als auch ihrer ewigen Heimat handelt.

Obwohl alles, was diese Stadt kennzeichnet, ganz gewiss in Ewigkeit bleiben wird, handelt es sich hier doch um eine Vision der Kirche in Bezug auf die Erde in der Zeit des Tausendjährigen Reiches. Die Erwähnung der Nationen, der Könige der Erde und der Notwendigkeit von Heilung steht als Beweis dafür, dass die Stadt ein Bild der Kirche als der himmlischen Regierungszentrale der künftigen Welt ist.

Wir tun gut daran, uns vor dem Versuch einer Interpretation dieses Gesichts daran zu erinnern, dass die Apostel Paulus und Johannes die Wahrheit über die Kirche unterschiedlich darstellen. Paulus führt uns in seiner Belehrung immer in den Himmel, während Johannes himmlische Dinge auf die Erde bringt. Daher sieht Paulus in seinem Dienst die Kirche vor Gott im Himmel, und wenn er von der Braut spricht, so geht er nur bis zu ihrer Darstellung vor Christus in Herrlichkeit. Johannes führt uns einen Schritt weiter und berichtet uns nicht nur von der Hochzeit des Lammes, wenn die Kirche Christus vorgestellt werden wird, zu seiner tiefsten Befriedigung und Freude, sondern von der Herrlichkeit der Braut, wenn sie vor der Welt dargestellt wird zur Verherrlichung Christi. Nachdem Christus bei der Hochzeit des Lammes mit seiner Kirche völlig zufrieden gestellt worden ist, wird Er in der Kirche vor der Welt verherrlicht werden. Nur was Christus zufriedenstellt, kann Ihn auch verherrlichen.

Die himmlische Stadt stellt also die Kirche nicht in ihrer engsten Beziehung zu Christus als seine Braut dar, sondern in ihrer Herrlichkeit, in der sie vor der Weit erscheint, als der Mittelpunkt der Segnung und der Regierung zur Verherrlichung Christi. Ferner können wir hinzufügen, dass, obwohl Johannes die Kirche als vom Himmel herniederkommend zeigt, er sie nicht auf die Erde kommen sieht. Sie erscheint in Bezug auf die Erde als ein Zeugnis für Gott, zur Verherrlichung Christi und zum Segen für die Nationen, die in ihrem Licht wandeln werden, aber es wird nicht gesagt, dass die Kirche während des Tausendjährigen Reiches auf der Erde sein wird.

Ferner können wir beim Lesen dieser Beschreibung der Kirche in Herrlichkeit nicht umhin, den krassen Gegensatz zu der Kirche während ihres Durchgangs durch diese Welt wahrzunehmen, wie er uns in den Kapiteln 2 und 3 vorgestellt wird. In den Sendschreiben an die sieben Versammlungen am Anfang der Offenbarung sehen wir den Verfall der Kirche unter der Verantwortung des Menschen. In der heiligen Stadt am Ende der Offenbarung finden wir die Herrlichkeit der Kirche nach den Ratschlüssen Gottes.

Es ist bezeichnend, dass der Verfall der Kirche in ihrer Verantwortlichkeit in Ephesus begann, wo das Wirken des Apostels Paulus höchste Höhen erreichte, indem er dort die erhabensten Wahrheiten des Christentums entfaltete. Dabei hatte der Apostel zwei große Ziele vor Augen:

  1. die Herzen der Heiligen mit Christus in der Herrlichkeit zu verbinden, denn er kann sagen: „Ich habe euch einem Manne verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau dem Christus darzustellen“ (2Kor 11,2);
  2. dass die Heiligen auf der Erde ein treues Zeugnis für Christus sein möchten, „tadellos und lauter“, „unbescholtene Kinder Gottes, inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr scheinet wie Lichter in der Welt, darstellend das Wort des Lebens“ (Phil 2,15.16).

Der Apostel bemühte sich also darum, dass die Heiligen von „Liebe“ und „Licht“ geprägt sein möchten, von Liebe zu Christus und von Licht vor der Weit. Die Worte Liebe und Licht kennzeichnen in der Tat seinen Brief an die Epheser. Es war sein Wunsch, dass wir in Liebe gewurzelt und gegründet sein und die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus erkennen möchten. Dann sagt er, dass wir Licht in dem Herrn sind, und ermahnt uns, als Kinder des Lichts zu wandeln.

Im ersten Sendschreiben an die sieben Versammlungen in Offenbarung 2 erfahren wir, wie völlig die Versammlung in Ephesus darin versagte, an der Liebe zu Christus festzuhalten und ein Licht vor der Welt zu sein. Der Herr muss Ephesus sagen: „Du hast deine erste Liebe verlassen“, und lässt die Versammlung wissen, dass Er ihren Leuchter wegrücken wird, wenn sie nicht Buße tut. Wenn die erste Liebe zu Christus verlorengegangen ist, dann wird auch das Licht vor der Welt aufhören. Hier finden wir also den Beginn des Ruins, in den die Kirche gefallen ist: Die bräutliche Zuneigung zu Christus ging verloren, und daraus folgte der Verlust des Lichtes vor der Welt.

Wenn wir diesen Verfall zugeben, sehen wir sogleich die Gnade, die uns das Gesicht von der Stadt gegeben hat, so dass wir ermutigt werden, über den Verfall der Kirche hinauszublicken und sie vor Christus dargestellt zu sehen in der Fülle der Liebe bei der Hochzeit des Lammes, und noch etwas später: die Kirche als heilige Stadt zu sehen, strahlend in dem Licht des Lammes, und die Nationen wandelnd in ihrem Licht. Dann endlich werden „Liebe“ und „Licht“ in Vollkommenheit in der Kirche verwirklicht werden, entfaltet in Herrlichkeit nach den Ratschlüssen Gottes.

Darüber hinaus sollten wir uns erinnern, dass diese Gesichte nicht nur zu unserer Ermunterung vor uns enthüllt werden, auch nicht nur, um unsere Gedanken mit Dingen zu beschäftigen, die höchst gesegnet sind, sondern auch damit das Licht dessen, was in Zukunft sein wird, auf unseren gegenwärtigen Weg fällt. In der Stadt sehen wir das tatsächlich vollkommen dargestellt, was Gott moralisch in der Kirche dargestellt sehen wollte, während sie durch diese Weit geht.

Der Engel und der Berg

Off 21,9.10: Und es kam einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen hatten, voll der sieben letzten Plagen, und redete mit mir und sprach: Komm her, ich will dir die Braut, das Weib des Lammes zeigen. Und er führte mich im Geiste hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt, Jerusalem, herniederkommend aus dem Himmel von Gott.

Nicht ohne Grund erwähnt der Geist Gottes in besonderer Weise, dass es einer der sieben Engel war, „welche die sieben Schalen hatten, voll der sieben letzten Plagen“, der dazu ausersehen war, Johannes die Herrlichkeit der Braut, der Frau des Lammes, im Symbol einer Stadt zu zeigen. Wenn wir zurückgehen nach Offenbarung 17,1, so sehen wir, dass es ebenfalls einer dieser sieben Engel war, der Johannes das Gericht über die große Hure im Symbol von Babylon zeigte. Gott lenkt so unsere Aufmerksamkeit auf den Gegensatz zwischen Babylon, der großen, und Jerusalem, der heiligen Stadt. In der einen Stadt spricht alles vom Menschen und nichts von Christus; in der anderen spricht alles von Christus.

Es ist ein ernster Gedanke, dass jeder in der Christenheit entweder für die große Stadt Babylon tätig ist, die von Christus gerichtet werden wird, oder für das heilige Jerusalem, die Stadt, die die Herrlichkeit Christi darstellen wird. Es ist auch nicht schwer festzustellen, für welche Stadt wir tätig sind: Sind wir mit Christus oder mit dem Menschen beschäftigt? Wenn der Mensch unser Ziel ist, entweder wir selbst oder andere, wenn wir uns bemühen, den Menschen zu verbessern, groß zu machen, zu erhöhen oder ihm zu gefallen, dann helfen wir an dem Bau des großen Babylon mit. Wenn Christus unser Ziel ist, dann wirken wir im Interesse des neuen Jerusalem. Leider arbeitet die große Masse der Christenheit ganz eindeutig und erklärtermaßen dafür, den Menschen zu verbessern und groß zu machen, um, wie es heißt, eine bessere und freundlichere Welt aufzubauen, und errichtet auf diese Weise ein gewaltiges System ohne Gott und ohne Christus, das Gott Babylon nennt. Wir sollten allerdings auch bedenken, wie arglistig das Fleisch ist, denn obwohl wir durch Gnade Bürger des neuen Jerusalems sein mögen, können wir doch in der Praxis in die Interessen Babylons verstrickt sein und ihnen dienen, indem wir die Methoden und Ziele der religiösen Welt übernehmen.

Außerdem haben uns auch die verschiedenen Orte etwas zu sagen, von denen aus die Städte betrachtet werden. Die Tatsache, dass Babylon von der Wüste her gesehen wird, im Gegensatz zur heiligen Stadt Jerusalem, die von einem hohen Berg aus betrachtet wird, deutet an, dass für die Erkennung des Bösen keine große moralische Höhe erforderlich ist. Der Mensch dieser Weit kann, obwohl er bei weitem nicht an Gottes Einschätzung des Bösen herankommt, sehr weit gehen im Erkennen und Verurteilen der Verderbtheit innerhalb der Christenheit, wie uns die Geschichte zeigt. Es übersteigt jedoch völlig die Fähigkeit des natürlichen Verstandes, die Segnungen des heiligen Jerusalem zu erfassen. Selbst bei einem Heiligen Gottes erfordert das eine gewisse moralische Erhabenheit der Seele und Absonderung von dieser Welt, wie sie in dem großen und hohen Berg symbolisch zum Ausdruck kommen. Es kann sein, dass wir Mühe haben, in die tiefen Dinge Gottes einzudringen, weil wir innerlich nicht bereit sind zur Abgeschiedenheit und Erhabenheit des großen und hohen Berges. Diese Höhe mit ihrem weiten Blick und ihrer himmlischen Atmosphäre zu erreichen, verlangt uns mehr Mühe ab, als unser bequemes Christentum aufbringen kann. Wir finden es daher manchmal bequemer, auf einem niedrigeren Niveau und in einer begrenzteren Umgebung zu leben und die Erdenluft einzuatmen. Wenn wir aber, wie Johannes, ein Herz für die Dinge droben haben, dann ist der Heilige Geist bereit, uns mitzunehmen auf den großen und hohen Berg, um dort das ganze Ausmaß der tiefen Ratschlüsse Gottes in Bezug auf Christus und die Kirche vor unseren Augen zu entfalten.

Die Merkmale der Stadt

Off 21,10: Und er führte mich im Geiste hinweg auf einen großen und hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt, Jerusalem, herniederkommend aus dem Himmel von Gott; und sie hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein.

Der erste Anblick der Stadt lässt den Apostel Johannes die herausragenden Merkmale der Stadt erkennen:

  1. Wir erfahren, dass es „die heilige Stadt, Jerusalem“ ist. Im griechischen Original sind die Worte „die große Stadt“ nicht zu finden. Das Wort „groß“ wird im Zusammenhang mit der Stadt nur einmal gebraucht, nämlich bei der Beschreibung der Mauer. Im Gegensatz dazu wird die Stadt Babylon siebenmal als „groß“ bezeichnet, aber nie wird sie „heilig“ genannt. Größe imponiert dem Menschen und zeichnet seine Stadt aus, Heiligkeit dagegen ist das Merkmal der Stadt Gottes. Und so muss es sein. Die Stadt, die die Herrlichkeit Gottes darstellt, muss auch der Natur Gottes entsprechen.

  2. Er sieht die Stadt „aus dem Himmel“ herniederkommen, was nicht nur beweist, dass die Entrückung stattgefunden haben muss, sondern auch zeigt, dass die Kirche himmlischen Charakter hat. Wie sehr ist doch dieser himmlische Charakter der Kirche auf ihrem Weg durch die Weit verlorengegangen oder verdunkelt worden! Wenn die Kirche dann aber im Tausendjährigen Reich erscheinen wird, dann wird das, was für den Glauben jetzt schon wahr ist, allen offenbar werden, nämlich, dass die Kirche aus gläubigen Juden und Heiden besteht und mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus gesegnet ist.

  3. Die Stadt kommt „von Gott“ hernieder. Die Kirche ist ihrem Charakter nach himmlisch und ihrem Ursprung nach göttlich. Im Gegensatz dazu werden die großen religiösen Systeme der Christenheit, wie sie ihren höchsten Ausdruck in Babylon finden, nicht nur aufgrund ihres irdischen Charakters, sondern aufgrund ihres eindeutig menschlichen Ursprungs verurteilt.

  4. Die Stadt kommt aus dem Himmel hernieder von Gott und „hatte die Herrlichkeit Gottes“. Die Herrlichkeit Gottes bedeutet die Darstellung Gottes in allen seinen Eigenschaften. Babylon verherrlichte sich selbst. In der großen Stadt Babylon wird alle Weisheit, Intelligenz, Kraft und Geschicklichkeit des Menschen in voller Entfaltung gesehen. In der himmlischen Stadt zeigen sich alle Eigenschaften Gottes. Die Stadt wird von der Herrlichkeit Gottes erleuchtet.

Hier haben wir also die herausragenden Merkmale der Kirche in Herrlichkeit. Wenn wir die religiösen Systeme der Christenheit damit vergleichen, wird uns sofort der krasse Gegensatz zu der heiligen Stadt mit ihren vier Leitmerkmalen klar. Die Stadt ist heilig in ihrer Natur, himmlisch in ihrem Charakter, göttlichen Ursprungs und ist zur Verherrlichung Gottes. Leider sind die großen religiösen Systeme der Menschen von Natur aus verderbt, weltlich in ihrem Charakter, menschlichen Ursprungs und dienen der Verherrlichung des Menschen. Wenn wir Gottes Gedanken entsprechen und unseren Weg nach seinem Wort einrichten und im Licht der Stadt wandeln wollen, dann wird die praktische Auswirkung dieses Gesichts die Absonderung von jedem religiösen System sein, das durch seine Grundsätze oder seine Praxis die Aufrechterhaltung der Heiligkeit unmöglich macht, irdischen Charakters ist, menschlichen Ursprung hat und dessen Ziel die Verherrlichung und das Wohl des Menschen, und nicht die Verherrlichung Gottes ist.

Wenn die Welt einst im Licht dieser Stadt wandeln wird, dann sollte der Gläubige dies gewiss jetzt schon tun.

Der Lichtglanz der Stadt

Off 21,11: Die Stadt hatte die Herrlichkeit Gottes. Ihr Lichtglanz war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein.

Der Apostel Johannes fährt fort, von dem „Lichtglanz“ (Leuchte) der Stadt zu sprechen, denn so ist diese Stelle zu lesen: „Ihr Lichtglanz (nicht ihr „Licht“) war gleich einem sehr kostbaren Edelstein, wie ein kristallheller Jaspisstein.“ Das Wort für „Lichtglanz“ wird nur noch an einer anderen Stelle gebraucht, nämlich in Philipper 2,15. Dort lesen wir: „Ihr scheinet als Lichter in der Weit.“ Es gibt kein geeigneteres Bild, um die Wahrheit des Lichtes der Kirche zum Ausdruck zu bringen, als das Glänzen eines Edelsteins. Wie kostbar der Stein auch sein mag, er hat kein Licht in sich selbst. Er kann nur durch reflektiertes Licht glänzen. Wenn er an einem dunklen Ort ist, hört er auf zu glänzen. So wird die Kirche glänzen, indem sie das Licht Christi reflektiert. Das Lamm ist das Licht (die Lampe) der Stadt, und die Stadt leuchtet, indem sie das Licht des Lammes reflektiert. Denken wir daran, dass das, was in der Herrlichkeit wahr ist, schon auf unserem Weg zur Herrlichkeit wahr sein sollte. Wir sind dazu gesetzt, als „Lichter in der Welt“ zu scheinen. Deshalb wird uns auch im ersten Abschnitt von Philipper 2 Christus in der ganzen Vollkommenheit und Schönheit seiner demütigen Gnade vorgestellt. Wenn wir im Licht all dessen wandeln, was Er ist, dann werden wir auch dementsprechend die Schönheiten Christi darstellen. Wir werden nur dann leuchten, wenn wir im Licht sind, und dieses Leuchten wird reflektiertes Licht sein. Nicht das eigene Ich, sondern Christus wird gesehen werden. Babylon stellt die Herrlichkeit des Menschen zur Schau, die himmlische Stadt wird göttliche Herrlichkeit reflektieren, denn ihr Glanz ist wie ein Jaspisstein – der Stein, der in Offenbarung 4,3 benutzt wird, um die Herrlichkeit Gottes darzustellen.

Die Mauer der Stadt

Off 21,12: Die Stadt hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore, und an den Toren zwölf Engel, und Namen darauf geschrieben, welche die der zwölf Stämme der Söhne Israels sind.

Die Stadt „hatte eine große und hohe Mauer“. Die Mauer spricht von Sicherheit und Ausschluss. Die Mauer ist „groß“ und ist daher vor jedem Angriff des Feindes sicher. Sie ist „hoch“ und deshalb ist alles Böse ausgeschlossen. Die große Mauer kann nicht abgebrochen werden, die hohe Mauer kann nicht überstiegen werden. Wenn die Kirche auf der Erde im Licht der Kirche der Herrlichkeit gewandelt wäre, dann hätte sie niemals mit einem „großen Haus“ verglichen werden müssen, in dem es neben „Gefäßen zur Ehre“ auch solche „zur Unehre“ gibt. In der heiligen Stadt wird es keine Gefäße „zur Unehre“ geben, denn es wird absolut nichts Verunreinigendes oder Gemeines hineinkommen. Die Mauer trennt die Stadt von allem, was draußen ist. Hätte die Kirche an heiliger Absonderung von der Welt festgehalten, dann hätte sie den Angriffen des Feindes widerstanden und das Eindringen des Bösen verhindert. Wenn wir die Wahrheit, wie sie im Bild durch die große und hohe Mauer dargestellt wird, recht verstünden, dann würden wir auch in der Praxis von Ungerechtigkeit abstehen und uns von den Gefäßen zur Unehre absondern. Jedes Abweichen von dem Grundsatz, das Böse auszuschließen, hat ein entsprechendes Abweichen von der Wahrheit mit sich gebracht.

Die Tore der Stadt

Off 21,12.13: Die Stadt hatte eine große und hohe Mauer und hatte zwölf Tore, und an den Toren zwölf Engel, und Namen darauf geschrieben, welche die der zwölf Stämme der Söhne Israels sind. Nach Osten drei Tore, und nach Norden drei Tore, und nach Süden drei Tore, und nach Westen drei Tore.

Die Stadt hat zwölf Tore, drei nach jeder Seite, an den Toren zwölf Engel, und auf ihnen stehen die Namen der zwölf Stämme Israels geschrieben. Tore sind dazu da ein- und auszugehen, sprechen also von Einlass und Ausgang. Wenn nun die Mauer von dem Ausschluss alles dessen redet, was nicht von Christus ist, so verdeutlichen die Tore, dass nur das Einlass findet, was Christus entspricht. In der Schrift ist das Stadttor bekanntlich der Ort der Gerichtsbarkeit, und die Engel sind die himmlischen Vollstrecker des Gerichts. Die Engel sollen all dem den Zugang verwehren, was in Widerspruch steht zu dem göttlichen Gericht über das Fleisch, so wie damals, als Cherubim mit einem flammenden Schwert „den Weg zum Baum des Lebens“ bewachten. Die Namen der zwölf Stämme deuten das Ausströmen von Segen aus der Stadt an und die Richtung, die es nimmt. Bei irdischen Städten werden oft die Hauptstraßen nach den Städten benannt, zu denen sie hinführen. So tragen die Tore der himmlischen Stadt die Namen der Stämme, zu denen die Segensströme der Stadt hinfließen. Dieser Segen wird in gleichem Maße alle Bereiche der Erde erfassen, denn auf jeder der vier Seiten der Stadt gibt es drei Tore. Wäre die Kirche im Licht der Stadt gewandelt, so hätte sie nur hineingelassen, was von Christus ist, und wäre so ein Zeugnis für Christus und eine Segensquelle für die Welt um sie her gewesen. Leider hat jedoch die bekennende Kirche, nachdem sie laodizeisch geworden ist, ihre Tore vor Christus geschlossen und alles Menschliche hineingelassen, Dinge, die die Natur ansprechen und die Lüste des Fleisches befriedigen, und wurde dadurch eine Quelle der Verderbtheit für die Welt.

Die Grundlagen der Stadt

Off 21,14: Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundlagen, und auf denselben zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes.

Die Mauer der Stadt hatte zwölf Grundlagen, auf denen die Namen der zwölf Apostel des Lammes standen. Die Namen der zwölf Apostel verbinden die Stadt mit dem grundlegenden Werk der Apostel zu Pfingsten. Durch ihr Wirken unter der Leitung des Heiligen Geistes wurde die Kirche auf der Erde als das Haus Gottes gebildet, wo Gott wohnt, regiert und segnet. Damit wurde auf der Erde ein Bereich himmlischer Segnung und Regierung geschaffen. Dieses Werk, das durch die Apostel auf Erden begonnen wurde, wird in seiner Vollendung in der verherrlichten Stadt gesehen. Das deutet darauf hin, dass die Kirche durch die Stadt nicht so gezeigt wird, wie sie der Apostel Paulus darstellt, nämlich in ihren innigen Beziehungen zu Christus als der Leib Christi, noch in ihren Vorrechten des Zugangs zum Vaterhaus. Es ist der Aspekt der Kirche, wie die Zwölf sie dargestellt haben, als ein Gefäß zur Entfaltung der Herrlichkeit Gottes vor der Welt.

Die Messung der Stadt

Off 21,15-17: Und der mit mir redete hatte ein Maß, ein goldenes Rohr, auf dass er die Stadt messe und ihre Tore und ihre Mauern. Und die Stadt liegt viereckig, und ihre Länge ist so groß wie die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohre, zwölftausend Stadien; die Länge und die Breite und die Höhe derselben sind gleich. Und er maß ihre Mauer, hundertvierundvierzig Ellen, eines Menschen Maß, das ist des Engels.

Johannes berichtet, dass der Engel, der mit ihm redete, ein goldenes Rohr hatte, um die Stadt zu messen. Es werden nicht nur bestimmte Maße angegeben, sondern die Stadt wurde gemessen; denn wir lesen: „Er maß die Stadt“, und weiter: „Er maß ihre Mauer.“ Dies deutet an, dass die Stadt durch Messung geprüft wird und dass alles der göttlichen Prüfung standhält. Alles wird als exakt erfunden, nichts lässt an Vollkommenheit zu wünschen übrig, nichts ist fehl am Platz, denn „die Länge und die Breite und die Höhe derselben sind gleich“.

Das Gold spricht bekanntlich von göttlicher Gerechtigkeit. Dass alles mit einem goldenen Rohr gemessen wird, zeigt, dass alles durch göttliche Gerechtigkeit geprüft wird, und es erweist sich, dass die Stadt, ihre Tore und ihre Mauern den Anforderungen der göttlichen Gerechtigkeit völlig entsprechen. Die Stadt ist also die Entfaltung der Gerechtigkeit Gottes in Christus, die Antwort auf das Kreuz Christi (2Kor 5,21).

Die Baustoffe der Stadt

Off 21,18-21: Und der Bau ihrer Mauer war Jaspis, und die Stadt reines Gold, gleich reinem Glase. Die Grundlagen der Mauer der Stadt waren geschmückt mit jedem Edelstein: die erste Grundlage, Jaspis; die zweite Saphir; die dritte Chalcedon; die vierte, Smaragd; die fünfte, Sardonix; die sechste, Sardis; die siebte, Chrysolith; die achte, Beryll; die neunte, Topas; die zehnte, Chrysopras; die elfte, Hyazinth; die zwölfte, Amethyst. Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, je eines der Tore war aus einer Perle, und die Straße der Stadt reines Gold, wie durchsichtiges Glas.

„Der Bau ihrer Mauer war Jaspis.“ Aus Offenbarung 4,3 erfahren wir, dass Jaspis ein Bild der göttlichen Herrlichkeit Christi ist. Seine Herrlichkeit hält alles Böse von der Stadt fern. Mit einem tieferen Empfinden für die Herrlichkeit des Einen, der in der Versammlung wohnt, würden wir erkennen, wie unmöglich es ist, Böses mit seinem Namen in Verbindung zu bringen. Die Herrlichkeit garantiert, dass alles Verunreinigende ferngehalten wird.

Die Stadt war „reines Gold, gleich reinem Glase“ und stellt damit die absolute Gerechtigkeit und Heiligkeit dar, die die Stadt charakterisiert. Wir wissen, dass der neue Mensch in wahrhaftiger Gerechtigkeit und Heiligkeit geschaffen ist (Eph 4,24), doch jetzt gibt es oft vieles an einem Gläubigen, was vom „alten Menschen“ und seinen Wegen spricht. In jedem Kind Gottes ist das echte Gold vorhanden, allerdings in Verbindung mit Metallen von geringerem Wert. In der Stadt wird es keine Schlacken mehr geben. Dort ist das Gold rein und ohne Beimengung. Dort wird auch alles durchsichtig sein wie reines Glas. Es wird keine Unklarheit, keine verborgenen Beweggründe geben.

Die Grundlagen waren mit allerlei Edelsteinen geschmückt. Die Steine sind verschieden, aber alle sind sie kostbar. Die Steine sind keine Lichtquelle, aber sie reflektieren und brechen das Licht und zeigen so die herrlichen Farben des Lichts. Christus ist das Licht; in Ihm sind alle Vortrefflichkeiten vollkommen vereinigt und bilden das Licht. In seinem Volk ist jede Vortrefflichkeit im Einzelnen zu sehen, um gleichsam die verschiedenen Farben des Lichts darzustellen.

Es ist nicht ohne Bedeutung, dass die Beschreibung der Tore der Beschreibung der Grundlagen folgt. Wenn der Anfang einer Stadt in ihrer Grundsteinlegung zum Ausdruck kommt, so kann man ihre Vollendung in dem Einsetzen ihrer Tore sehen (Jos 6,26). In dieser Stadt gibt es keine Abnahme der Vollkommenheit. Die Tore sind ebenso vollkommen wie die Grundlagen. Nicht nur sind die Grundlagen mit Edelsteinen geschmückt, sondern jedes Tor ist ein Edelstein. Die eine Perle, aus der jedes einzelne Tor besteht, mag zeigen, wie kostbar die Kirche für Christus ist. Das dürfen wir aus Matthäus 13,46 entnehmen, wo die Kirche mit einer sehr kostbaren Perle verglichen wird. Von welcher Seite man auch auf die Stadt zukommt, sie wird zum Ausdruck bringen, wie kostbar die Kirche für Christus ist. Es ist wahr, dass alles in der Stadt von der Kostbarkeit Christi spricht. Heute ist Er denen kostbar, die an Ihn glauben (1Pet 2,7). Eines Tages wird die ganze Welt in der Kirche sehen, wie kostbar Christus für Gott ist, aber man wird auch sehen, wie kostbar die Kirche für Christus ist. Dann werden sich die Worte des Herrn an Philadelphia erfüllen: „Ich werde sie zwingen, dass sie kommen und sich niederwerfen vor deinen Füßen und erkennen, dass ich dich geliebt habe“ (Off 3,9).

Die Straße der Stadt war reines Gold. Die Straße einer irdischen Stadt ist ein Ort öffentlicher Begegnung, wo Menschen miteinander in Kontakt kommen, wo wir auf der Hut sein müssen, wo wir mit Reserviertheit reden und gleichsam mit umgürteten Lenden gehen müssen, um uns nicht zu beschmutzen. In der himmlischen Stadt wird es nicht nötig sein, die Lenden zu umgürten, dort gibt es nichts Verunreinigendes, die Straße ist pures Gold. Dort braucht man sich nicht zurückzuhalten, denn es wird nichts geben, was man voreinander verbergen müsste. Alles wird durchsichtig sein.

Was in der Stadt nicht sein wird

Off 21,22-27: Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt bedarf nicht der Sonne, noch des Mondes, auf dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm. Und die Nationen werden durch ihr Licht wandeln, und die Könige der Erde bringen ihre Herrlichkeit zu ihr. Und ihre Tore sollen bei Tage nicht geschlossen werden, denn Nacht wird daselbst nicht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Nationen zu ihr bringen. Und nicht wird in sie eingehen irgend etwas Gemeines und was Gräuel und Lüge tut, sondern nur die geschrieben sind in dem Buche des Lebens des Lammes.

Kein Tempel

„Und ich sah keinen Tempel in ihr“, sagt Johannes. Der Tempel verbarg Gott hinter einem Vorhang. Er verdeckte seine Herrlichkeit, und ein besonderes Priestertum war nötig, durch das der Mensch nahen konnte, um anzubeten, aber er konnte Gott nicht unmittelbar nahen. In der Stadt ist kein Tempel, nichts, was Gott verdecken könnte. „Der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.“ Sie erfüllen die Stadt. Der Zugang zu Gott ist unmittelbar. Wie wenig die Christenheit im Licht der Stadt gewandelt ist, zeigt sich in den vielen „Tempeln“, die wiederum nach dem jüdischen Vorbild errichtet wurden, mit Priestern zwischen dem Volk und Gott. Dadurch ging die wahre Vorstellung von der Versammlung oder Kirche, mit Christus in ihrer Mitte, völlig verloren.

Kein Sonnen- oder Mondlicht

Die Sonne und der Mond sind natürliche Lichter, die vom natürlichen Verstand des Menschen sprechen. Solches Licht wird es dort nicht geben, und es wird auch nicht nötig sein, da alle Christi Sinn (Gesinnung) haben werden. „Die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm“ (Off 21,23). Gott ist das Licht, und das Lamm ist der Lichtträger, durch den das Licht in die Stadt gelangt. Die Stadt reflektiert das Licht Christi, und die Nationen werden durch das Licht der Stadt wandeln. Damit wird das Gebet des Herrn in Johannes 17,23 seine vollkommene Erhörung finden: „… ich in ihnen und du in mir, auf dass sie in eins vollendet seien, und auf dass die Weit erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast.“ Gott wird vollkommen offenbart werden in Christus, widergespiegelt von der Kirche und gesehen von den Nationen. Die Folge wird sein, dass die Könige der Erde ihre Herrlichkeit zu ihr bringen werden (Off 21,24). Sie werden anerkennen, dass die Himmel regieren, nicht durch das Licht der Sonne, sondern durch das Licht der Stadt, und dass alle ihre Herrlichkeit der Herrschaft der Stadt unterworfen ist.

Keine geschlossenen Tore

Ihre Tore sollen bei Tag nicht geschlossen werden. Das Ausströmen des Segens wird nicht unterbrochen werden. Heute hat die bekennende Kirche mit laodizeischer Gleichgültigkeit ihre Tore vor Christus verschlossen, und als Folge davon hat Christus ihr Tor zur Welt verschlossen. Er kann sie nicht mehr als Segenskanal für diese Welt benutzen. Die himmlische Stadt wird vom Lamm erleuchtet, und der Segen fließt zu den Menschen, und das unaufhörlich, denn die Tore werden nicht geschlossen.

Keine Nacht

Es wird dort keine Nacht mehr geben. Das Licht der Stadt scheint nicht nur unaufhörlich, es lässt auch nicht an Helligkeit nach. Dunkelheit ist Unwissenheit über Gott, ebenso wie Licht Erkenntnis Gottes ist. Heute wird unser Licht oft durch unsere Unwissenheit gehindert. Unsere Unwissenheit rührt hauptsächlich daher, dass wir im Licht unserer eigenen Überlegungen zu wandeln suchen statt im Licht Christi, um so seine Gesinnung zu haben. Wenn unser Auge immer einfältig auf Christus und auf seine Verherrlichung gerichtet wäre, so wäre unser ganzer Leib licht und hätte keine dunkle Stelle. In der Stadt wird kein Schatten von Dunkelheit das Licht verdunkeln, das in die Welt scheint, denn es wird dort keine Nacht geben.

Nichts Gemeines (oder Unreines)

„Und nicht wird in sie eingehen irgendetwas Gemeines.“ Das Fleisch wird nicht eindringen, um zu verunreinigen. Es wird dort nichts geben, was einen Götzen zwischen die Seele und Gott stellen könnte, keinen Gräuel. Es wird dort keinen Trug geben, keine Lüge. Nicht nur, dass das Fleisch mit seinen Befleckungen, seinen Gräueln und seinen Lügen dort nicht zu finden ist, sondern es wird auch absolut nicht dorthin kommen. Von dem Garten Eden konnte das nie gesagt werden. Dort war wohl alles vollkommen, wie es durch Gottes Hand erschaffen war, aber von Eden heißt es nicht, dass das Böse „nicht eingehen wird“. Die Stadt ist nicht nur eine Stadt der Vollkommenheit, sondern sie ist auch eine Stadt, für die die Möglichkeit einer Verunreinigung überhaupt nicht besteht. „Nur die geschrieben sind in dem Buche des Lebens des Lammes“ werden in sie eingehen.

Die Segnungen der Stadt

Wir haben gesehen, dass das, was der Natur und dem Fall angehört, in jener Stadt nicht zu finden ist, dort nicht nötig ist und niemals dort hineinkommen wird. Nun dürfen wir uns an den positiven Segnungen erfreuen, die dort zu finden sind, Segnungen, die dem Wohl der Stadt dienen.

Off 22,1: Und er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, glänzend wie Kristall, der hervorging aus dem Throne Gottes und des Lammes.

  1. Es gibt dort „einen Strom von Wasser des Lebens“ (Off 22,1). Hierin sehen wir ein Bild der Fülle des Lebens im Geiste, das vom Thron ausgeht. In einem früheren Teil der Offenbarung (Off 4,5), als Johannes in den Himmel entrückt wurde, berichtet er, dass aus dem Thron Blitze, Donner und Stimmen hervorgingen, passende Symbole der heiligen Gerichte Gottes, die im Begriff standen, aus dem Thron hervorzukommen. Hier liegen die Gerichte hinter uns, und wir erfahren, dass der Thron, von dem aus die Nationen gerichtet wurden, nun eine Quelle unaufhörlichen Segens für die Stadt ist. Die Fülle der Segnungen in der Stadt durch den Heiligen Geist ist die herrliche Antwort auf das Kreuz.

Off 22,2: In der Mitte ihrer Straße und des Stromes, diesseits und jenseits, war der Baum des Lebens, der zwölf Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt; und die Blätter des Baumes sind zur Heilung der Nationen.

  1. Wir hören, dass in der Mitte der Straße der Stadt und des Stromes und beiderseits des Stromes der Baum des Lebens ist (Off 22,2). Der Strom spricht vom Heiligen Geist als dem Wasser des Lebens. Der Baum spricht von Christus als der Speise des Lebens. Die Stadt bleibt in beständiger Frische, indem sie aus dem Strom des Lebens trinkt und sich von dem Baum des Lebens nährt. Der Strom wird nie versiegen, der Baum nie verwelken und die Stadt nie alt werden. Am Ende des Tausendjährigen Reiches sieht Johannes „die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut“ (Off 21,2). Tausend Jahre sind verflossen, aber die Stadt bleibt in bräutlicher Frische.

  2. Ferner haben wir die Früchte des Baumes, denn es heißt: „… der zwölf Früchte trägt und jeden Monat seine Frucht gibt“ (Off 22,2). Die Früchte sprechen von den verschiedenen Herrlichkeiten Christi. Es ist nicht genug, Christus von einer Seite zu kennen und sich davon zu nähren. Wir brauchen Christus in seiner Fülle, und die Stadt bleibt in immerwährender Frische erhalten, weil ihr seine Gnaden und Vortrefflichkeiten nacheinander enthüllt werden.

  3. Die Blätter des Baumes werden zur Heilung der Nationen sein (Off 22,2). So wie die Stadt in Christus eine nie versiegende Kraftquelle findet, werden die Nationen in Christus die Quelle der Heilung finden. Die Gerichte über die Nationen werden dann vorüber sein. Es wird dann nicht mehr der Herr Jesus sein, der vom Himmel her offenbart wird in flammendem Feuer und diejenigen vernichtet, die Gott nicht kennen, sondern Christus in der Mitte der Stadt als der Baum des Lebens, der den leidgeprüften Nationen Heilung bringt. Die Nationen, die durch die Jahrhunderte hindurch von Krieg und Gewalttat zerrissen wurden, werden darin Heilung finden, dass sie Christus in seiner Schönheit schätzen lernen, denn die Blätter sind ein Bild seiner äußeren Schönheit. Krieg und Konflikt, Eifersucht und Misstrauen, alles wird durch die Blätter von dem Baum des Lebens ein Ende finden. Christus, gesehen in der Vollkommenheit seines Weges, beendet alle Streitigkeiten unter den Nationen, so wie Christus, erfasst in seiner Gnade, Streitigkeiten unter seinem Volk heute heilt.

Off 22,3: Und keinerlei Fluch wird mehr sein; und der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein; und seine Knechte werden ihm dienen,

  1. Der Thron Gottes und des Lammes wird in ihr sein (Off 22,3). Der Sitz des gerechten Gerichtes Gottes über die Erde im Tausendjährigen Reich wird in der Stadt errichtet werden. Kein Fluch wird mehr sein, und daher wird von dem Thron eher Segen als Gericht ausgehen. Es wird das glückliche Vorrecht der Heiligen sein, zu dienen, indem sie den Segen, der vom Thron ausgeht, austeilen.

Off 22,4: und sie werden sein Angesicht sehen; und sein Name wird an ihren Stirnen sein.

  1. Sein Name wird an ihren Stirnen sein (Off 22,4). Sie werden sein Angesicht sehen, und Er wird in ihren Angesichtern gesehen werden. Schon jetzt gilt: Wenn wir beständiger sein Angesicht anschauen würden, dann würden wir auch mehr seine Schönheiten in Wahrheit widerspiegeln. Indem wir die Herrlichkeit des Herrn anschauen, werden wir nach demselben Bilde verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. In der Stadt werden wir Ihn nicht mehr verschwommen wie durch ein Glas sehen, sondern von Angesicht zu Angesicht. Und wenn wir niemand mehr sehen als Jesus allein (Mt 17,8), erst dann wird Christus in den Heiligen völlig geschaut werden. Die Namen, die wir auf Erden getragen haben, werden dann für immer vergangen sein. An der Stirn des Schächers, der errettet wurde, wird nicht mehr „Dieb“ zu lesen sein noch „Sünderin“ in dem Gesicht der Frau von Lukas 7,36-39 noch „Pharisäer“ an der Stirn des Saulus von Tarsus. Alle diese Namen werden dann vergangen sein wie das Leben, das diese Namen verdient hatte. Dann wird nur der Name Christi auf allen sündlosen Stirnen geschrieben stehen.

Off 22,5: Und Nacht wird nicht mehr sein und kein Bedürfnis nach einer Lampe und dem Lichte der Sonne; denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten, und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit.

  1. Der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten (Off 22,5). Die Stadt wird nicht nur mit Leben erfüllt sein, weil der Strom des Lebens und der Baum des Lebens dort sein werden, sie wird auch nicht nur die Wohnstätte der Liebe sein, weil „Jesus“, der Name der Liebe, auf jedem Gesicht zu lesen ist, sondern sie wird auch mit Licht erfüllt sein, denn „der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten“. Die Stadt wird nie eine Spur von Dunkelheit kennen, keine Wolken oder Schatten, denn „Nacht wird nicht mehr sein“. Die prophetische Lampe wird nicht länger benötigt, um uns durch die uns umgebende Dunkelheit zu leiten. Die Nacht ist vorüber, die Lampe ausgelöscht und der Glanz der Sonne verblasst, und die Stadt wird in Ewigkeit im Licht Gottes, des Herrn, erstrahlen.

Darüber hinaus werden das ganze Tausendjährige Reich hindurch diese Segnungen nicht aufhören, denn „sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Im Paradies Gottes wird es einen Strom geben, dessen Wasser nie versiegen, einen Baum, der fortwährend seine Frucht bringt und dessen Blätter niemals welken. Dort wird auch ein Thron sein, der niemals wanken wird, ein Name, der nichts von seinem Glanz verlieren, und ein Licht, das niemals etwas von seiner Helligkeit einbüßen wird.


Originaltitel: „Die Herrlichkeit der Braut“
aus Hilfe und Nahrung, Ernst-Paulus-Verlag, 1989, S. 368–378; 1990, S. 20–31

Weitere Artikel zum Stichwort Dispensationalismus (44)

Weitere Artikel zum Stichwort Bundestheologie (27)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...