Melchisedek
1. Mose 14

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 22.03.2007, aktualisiert: 18.10.2018

Leitverse: 1. Mose 14

Verse 1-9

1Mo 14,1-9: Und es geschah in den Tagen Amraphels, des Königs von Sinear, Ariochs, des Königs von Eliasar, Kedorlaomers, des Königs von Elam, und Thidhals, des Königs von Gojim, dass sie Krieg führten mit Bera, dem König von Sodom, und mit Birscha, dem König von Gomorra, Schineab, dem König von Adama, und Schemeber, dem König von Zeboim, und mit dem König von Bela, das ist Zoar. Alle diese verbündeten sich und kamen in das Tal Siddim, das ist das Salzmeer. Zwölf Jahre hatten sie Kedorlaomer gedient, und im dreizehnten Jahr empörten sie sich. Und im vierzehnten Jahre kamen Kedorlaomer und die Könige, die mit ihm waren, und schlugen die Rephaim bei Asteroth-Karnaim und die Susim bei Ham und die Emim in der Ebene von Kirjathaim, und die Horiter auf ihrem Gebirge Seir bis El-Paran, das an der Wüste liegt. Und sie kehrten um und kamen nach En-Mischpat, das ist Kades; und sie schlugen das ganze Gebiet der Amalekiter und auch die Amoriter, die in Hazazon-Tamar wohnten. Und es zogen aus der König von Sodom und der König von Gomorra und der König von Adama und der König von Zeboim und der König von Bela, das ist Zoar; und sie stellten sich gegen sie in Schlachtordnung auf im Tal Siddim: gegen Kedorlaomer, den König von Elam, und Thidhal, den König von Gojim, und Amraphel, den König von Sinear, und Arioch, den König von Ellasar, vier Könige gegen die fünf.

Ein nennenswerter Krieg

Wir haben hier einen großen Krieg. Ich denke, dass bis zu diesem Tag in der Bibel schon viele Kriege gewesen sind. Aber dies ist der erste Krieg, von dem wir in der Schrift lesen. Es ist gut, dass wir den Grundsatz sehen und erkennen, wie Gott Geschichtsbücher schreibt. Viele Kriege hatte es schon gegeben, aber sie zählten für Gott nicht; sie waren nicht wichtig. Gott misst die Geschichte anhand seines Volkes. Die Geschichte der Welt ist für Gott Heilsgeschichte, und diese Geschichte hat für ewig einen Platz in Gottes Wort gefunden, weil der eine Mann Lot und der eine Mann Abraham damit zu tun hatten.

Es war ein gewaltig wichtiger Krieg an sich. Es waren Mächtige darin verwickelt, z.B. Amraphel, der König von Sinear. Sinear ist das Land, in dem der Turm von Babel stand. Es ist eigentlich Babel selbst. Der König von Ellasar und der König von Elam, das ist Persien. Wir haben das in 1. Mose 10 gesehen. Und Thidhal, der König der Nationen. Große Mächte aus dem alten Osten waren dort versammelt, um nicht nur gegen die fünf Könige hinaufzuziehen, sondern gegen viele Könige, wie in Vers 5 steht: gegen die Rephaim, die Emim, die Horiter, die Amalekiter und die Amoriter. Alles große Kriege, ganze Völker, die darin verwickelt waren. Das alles wird mit wenigen Worten behandelt. Für Gott hat es keine Bedeutung, denn wir haben gesehen, dass Gott die Völker ihre eigenen Wege gehen lässt. Gott lässt sie ihre Kämpfe untereinander ausfechten. Aber sobald sein Volk darin verwickelt ist, lässt Gott die Geschichte bestimmen. Und wenn Lot und Abraham darin sind, lässt Gott die Geschichte beschreiben.

Gottes Geschichte ist Heilsgeschichte

Wir haben alle das Fach Geschichte in der Schule gehabt und manche der Jüngeren haben es noch. Ich habe später entdeckt – ich hätte es lieber eher entdeckt, als ich noch in der Schule war –, wie wichtig es ist, Geschichte als die Heilsgeschichte Gottes zu sehen, als Handlungen, die Gott zwar nicht selbst ausrichtet – das sehen wir an den Völkern, die Gott in den eigenen Wegen gehen lässt –, die Gott aber doch aus dem Hintergrund lenkt, damit seine Pläne durch alles hindurch verwirklicht werden. Vor allem geht der rote Faden seines eigenen Volkes, das da einbezogen ist, hindurch. So ist es heute. So ist es mit der Geschichte Europas in den letzten 2000 Jahren, denn wir haben gesehen, dass Lot und Abraham Spiegelbilder der Gläubigen in der christlichen Haushaltung sind. Abraham ist ein Spiegelbild von den Gläubigen, die das himmlische Teil erwählt haben, das ihnen niemand nehmen kann, und die kein Interesse an den Segnungen dieser Welt haben und an den Reizen, die diese Welt zu bieten hat; und Lot ist ein Spiegelbild von den Gläubigen, die ihr Teil in der Welt gesucht haben, die weltlich gesinnt sind und die durch Sodom vereinnahmt wurden. Lot wohnte in Sodom, sagt der Vers in 1. Mose 14,12. So ist es in der christlichen Geschichte gelaufen, liebe Geschwister!

Geschichte in Sendschreiben

Wir lesen einen Überblick der christlichen Geschichte in Offenbarung 2 und 3 in den sieben Gemeinden. Wenn wir da von Epheser lesen und von Smyrna noch mehr, sehen wir, was für ein Segen da war. Das ist die Periode der christlichen Geschichte, als die Gemeinde Gottes auf der Erde durch die römischen Bedrängnisse litt und Christenverfolgungen stattfanden. Es gab keine größere Blütezeit des Christentums als gerade inmitten dieser Verfolgungen, solange die Gemeinde Gottes sich von der Welt abgesondert hielt und bereit war, in dieser Welt zu leiden und zu kämpfen.

Als Konstantin der Große das Christentum annahm, atmete das Christentum erleichtert auf, was wir uns gut vorstellen können. Ab hier beginnt eine Periode in der europäischen Geschichte, in der die Christenheit ihre Stütze in dieser Welt suchte und sich einen sicheren Platz bereitete und in dieser Welt nestelte, so wie Lot sich an dem Platz etablierte, der voller Segnungen und Sicherheit innerhalb der Mauern Sodoms war, in der von dem Jordan gut befeuchteten Ebene.

Aber der Herr Jesus sagt der dritten Gemeinde in Pergamus dazu: „Ich weiß, wo du wohnst: wo der Thron des Satans ist“ (Off 2,13). Satan ist der Oberste dieser Welt, und die Gemeinde in Pergamus wohnt da, wo der Thron Satans steht. Sie wohnt auf dem Terrain der Welt. Dort hat sie sich einen sicheren, angenehmen Platz bereitet. So ist es gegangen, als die Kaiser das Christentum annahmen, als ganz Europa eigentlich christianisiert und vom Christentum überflügelt wurde. Da haben sich die Christen einen sicheren Platz erwählt und wurden irdisch gesinnt. Sie sahen auf die Segnungen dieser Erde und nahmen sie als Segnungen aus der Hand Gottes entgegen, als Dinge, die Gott gegeben hat, und haben das himmlische Teil verloren. Wir sehen das auch bei dem größten Licht der damaligen Zeit, bei Augustinus.

Es war ein Blick auf die irdischen Segnungen, die Gott gab. Die Kaiser wurden als Instrumente aus Gottes Hand betrachtet, um Zeiten von Wohlstand zu bringen. Aber die Gemeinde machte sich in der Welt breit, was immer schlecht ausgehen muss, weil die Kirche die Welt nicht verbessern kann, aber die Welt kann die Kirche sehr wohl verschlechtern. Und so ist es geschehen.

Wisst ihr, was nach Pergamus geschieht? Danach kommt die Zeit von Thyatira. Da geht es dann genau anders herum: Da hat die Kirche nicht mehr ihren geschützten Platz in der Welt, da sucht sie nicht mehr den Schutz dieser Welt, sondern sie regiert über diese Welt. In Thyatira sehen wir dann das große römische System, das die ganze Welt überflügelt. Nicht mehr so wie im 4. Jahrhundert eine Kirche, die bei der Obrigkeit Schutz sucht, sondern die Kirche selbst wird die Machtinstanz auf der Erde. Im 12. Jahrhundert kann kein Fürst in Europa einen Finger rühren ohne die Macht der Päpste. Das ist der Kampf von Sinear, denn Sinear ist Babel, und Babel hat sich in den Jahrhunderten nie geändert.

Verse 10-12

1Mo 14,10-12: Das Tal Siddim war aber voll von Asphalt-Quellen; und die Könige von Sodom und Gomorra flohen und fielen dort, und die Übrigen flohen ins Gebirge. Und sie nahmen alle Habe von Sodom und Gomorra und alle ihre Speise und zogen davon. Und sie nahmen Lot, den Sohn von Abrams Bruders, und seine Habe und zogen davon; denn er wohnte in Sodom.

Babel gegen Sodom

Babel erobert hier, und der Kampf, den Gott hier erzählt, ist eine Eroberung Sodoms und Lots – von beiden! Bitte beachtet das! So hat das christliche System, das römische System des Mittelalters das heidnisch wilde Europa, das aufständische Sodom, christianisiert. Sodom war aufständisch, wie es hier steht, indem es sich gegen Kedorlaomer und seine Bundesgenossen empörte.

Nun, wir sind keine Heiden und wilden Germanen mehr wie früher, die ihre Frauen „verzockt“ haben. Das Christentum hat hier Einfluss genommen, und wir sind ein ordentliches und nettes Volk geworden. Die europäischen Völker wurden besiegt, und äußerlich würden wir sagen, dass Sinear einen guten Einfluss ausübt. Sodom ist unterworfen. Dieses aufständische, böse Land ist in den gesegneten Einfluss des Christentums gekommen. So sah es im Mittelalter aus, und so war es auch. Aber Lot ist auch durch den Geist von Sinear und Babel in Beschlag genommen worden.

Im Mittelalter sind auch die wahren Gläubigen in der Macht des bösen Systems. Und wie werden sie darin verfolgt! Babel hat auch Lot in seine Klauen genommen. Selbst die wahren Gläubigen kommen im Mittelalter nicht von dem Einfluss Babels los, von diesen äußerlichen, weltlichen Einflüssen und menschlichen Ritualen in den Kirchen. Lot, der Gläubige, und das heidnische, böse Sodom in der Macht desselben großen römischen, namenschristlichen Systems.

Gläubige in Sodom – von Babel überwältigt

Wie ist es nun möglich, dass dieser Lot so in Beschlag genommen wird, so kraftlos ist, dass er so einfach durch Sinear überwältigt wird? Weil keine Kraft in Lot vorhanden war. Lot hat zwar seine gerechte Seele gequält, er litt in Sodom. Aber leiden ist nicht dasselbe wie überwinden. Es gab keine Kraft für jemanden, der so mit der Welt verschmolz, der so weltlich gesinnt war, der nicht aus den Kraftquellen schöpfen konnte, aus denen Abram schöpfen konnte – bei den Terebinthen Mamres in Gemeinschaft mit Gott.

Wenn die Gemeinde so in der Welt nestelt, wie sie das in Pergamus tat, wird sie durch Babylon überwältigt werden, wie wir das in der Gemeinde von Thyatira am Ende von Offenbarung 2 finden. So geht das mit Gläubigen. Der Grundsatz ist auch persönlich in unserem Leben wahr. Wie viele Gläubige mag es geben, die genau wie Lot mitten in diesen Kampf hineinkommen: auf der einen Seite der Kampf mit dem wahren Christentum und auf der anderen Seite mit den Einflüssen der Welt und drittens mit den Einflüssen von Sinear, den äußerlichen gottesdienstlichen Ritualen, die in der Christenheit Einzug gehalten haben. Wie kommt es, dass so viele Gläubige in dieselben Affären wie Lot verwickelt sind und sich mit den Einflüssen der Welt abmühen, wogegen sich auch der Weltkirchenrat oder der ICCC – der Grundsatz ist derselbe – aufstellt? Große Mächte, die sich gegen weltliche Mächte aufstellen. Sie sind mitten in den Streit verwickelt. Es kostet sie ihre Nachtruhe. Oder es ist ein Streit in ihrer eigenen Kirche, und dann bleiben sie als ein Überbleibsel gegenüber denen, die sich im Griff des Königs von Sinear befinden; mitten im Streit; das wäre doch gar nicht nötig gewesen!

Vers 13

1Mo 14,13: Und es kam ein Entronnener und berichtete es Abram, dem Hebräer. Er wohnte aber unter den Terebinthen Mamres, des Amoriters, des Bruders von Eskol und des Bruders von Aner, und diese waren Abrams Bundesgenossen.

Abram – uninteressant für die Angreifer aus Sinear und Sodom

Abram hatte doch keinen Kampf! Wie kommt es nun, dass Abram der Macht aller Könige entkommt? Er hat von den Königen Sodoms und Gomorras nichts zu fürchten. Er hat auch von den Königen von Sinear nichts zu fürchten, von Ellasar und von Elam und von den Nationen. Wie kommt es, dass Abram davon ganz frei bleibt, den Streit gar nicht kennt und glücklich ist in der Gemeinschaft mit dem Herrn in Hebron? Weil Abram nichts zu verlieren hat! Das himmlische Erbteil konnte ihm nicht genommen werden, weder durch den König von Sodom noch durch den König von Sinear. Das himmlische Erbteil genoss er in Gemeinschaft mit Gott, und daran hatten die Könige kein Interesse. Hätten die Gläubigen sich mit dem himmlischen Erbteil beschäftigt und sich hier auf Erden keinen Platz und Namen gemacht, wären sie einerseits von den Einflüssen Sodoms – der heidnischen Welt – frei geblieben und andrerseits von Sinear oder Babel. Abram hatte nichts zu verlieren. Abram hatte in Sodom kein Haus und keine Besitztümer. Abram war keine interessante Beute für die Feinde, die ins Land einfielen. Abram war dort in aller Ruhe an seinem Platz. Und doch wurde auch Abram in den Streit verwickelt, jedoch nicht durch eigene Schuld.

Abram – der Durchziehende

„Abram, der Hebräer.“ Das steht hier einfach so dabei. Ich habe euch schon mehrfach erzählt, was Hebräer sind. Ein Hebräer ist ein Nachkomme von Heber. Wir haben das gesehen: Gott ist der Gott Sems und Sem ist der Vater der Söhne Hebers (1Mo 10,12). Das ist das meist Kennzeichnende, was man von Heber sagen kann. Heber bedeutet: der Durchziehende. Das ist der Mann, der hier auf der Erde nicht in einem Haus in Sodom wohnt, sondern der ein Pilger, ein Fremdling, ein Durchziehender ist. Gerade jetzt, wo Lot in die große Widerwärtigkeit gekommen ist, weil er kein Pilger, sondern irdisch gesinnt war, steht hier so fein dazwischen: „Abram, der Hebräer“, Abram der Pilger, Abram der Durchziehende; Abram, der kein Teil auf dieser Erde zu verlieren hatte, weil er sich kein Teil auf dieser Erde angeeignet hatte. Aber als Abram das hört, der bei den Terebinthen von Mamres wohnte … Lasst mich als Erstes etwas dazu sagen.

Abrams Wohnort

Er wohnt dort an dem glückseligen Platz in Hebron. Wir finden da noch mehr Bundesgenossen. Abram war nicht einfach so an einem Ort, wo er in Gemeinschaft mit dem Herrn war. Er war dort auch ein Zeugnis. Es ging ein guter Einfluss auf seine Umgebung von ihm aus. Die Fürsten, die um ihn her wohnten, waren seine Bundesgenossen geworden.

Welch ein glücklicher Platz war dies: Eskol bedeutet Traube und Aner bedeutet Wasserfall und Mamre bedeutet Lebenskraft, und das alles in der Nähe von Hebron. Alles, was von Freude und Frische spricht, war dort in der glücklichen Gemeinschaft von Abram und seinen Freunden, seinen Bundesgenossen und in Gemeinschaft mit Gott, an seinem Altar, unberührt vom Kampf und dem Gewühl um sie herum.

Verse 14.15

1Mo 14,14.15: Und als Abram hörte, dass sein Bruder gefangen weggeführt worden war, ließ er seine Geübten, seine Hausgeborenen, ausrücken, 318 Mann, und jagte ihnen nach bis Dan Und in der Nacht teilte er sich gegen sie, er und seine Knechte, und schlug sie und jagte ihnen nach bis Hoba, das links von Damaskus liegt.

Abram – der Bruder für die Drangsal

Aber dann kommt eine Botschaft. In Vers 14 steht sehr schön: „Als Abram hörte, dass sein Bruder gefangen weggeführt war …“ Es war eigentlich der Sohn seines Bruders. Aber die Schrift sagt das absichtlich so, um uns darauf hinzuweisen, dass es eine besondere Beziehung zwischen Abram und Lot gab: Er war doch immer noch sein Bruder. Wie schön ist es, wenn man nicht notwendigerweise in den Kampf einbezogen wird, sondern freiwillig in den Kampf zieht, um einen Bruder zu retten.

Kennen wir etwas davon, so ein Abram zu sein, um einen Bruder wie Lot aus dem Platz, an dem er sich befindet, zu erretten? Paulus war so ein Abram. Paulus sagt zu den Galatern, dass er ihretwegen in Geburtswehen ist. Er war in großem Kampf für sie, um die Galater aus der Macht Sinears zu erretten, aus der Macht der Gesetzlichkeit, in der sie sich befanden.

Und Paulus sagt zu den Kolossern in Kapitel 2, dass sie wissen sollten, in welch großem Kampf er für sie und die in Laodizea war (Kol 2,1). In großen Kampf war er verwickelt, nicht seinetwegen, denn er hatte keinen Kampf für sich selbst nötig. Paulus war im Kampf verwickelt, um die Kolosser aus dem Einfluss Sodoms, aus der Weltförmigkeit zu ziehen und aus dem Einfluss von Sinear, der gottesdienstlich falschen Gesetzlichkeit.

Kampf von Abram, Kampf von Paulus – um einen Bruder, der in solche Mächte geraten ist, weil er irdisch gesinnt war, dort herauszuziehen. Abram hatte Kraft! Er hatte geistliche Kraft in Gemeinschaft mit dem Herrn. Abram hatte einen Haushalt mit Menschen, die in der Lage waren, den Kampf aufzunehmen. Sind unsere Hausfamilien so?

Abram hatte zu Hause 318 kampffähige Männer. Das war etwas! Vier Könige waren ins Land eingefallen, und es waren große Reiche, die die Könige hinter sich hatten, und sie werden zweifellos mit großen Heeren gekommen sein. Sie hatten viele Völker erobert, was in 1. Mose 14,5-7 extra erwähnt wird. Viele Völker hatten sie überwunden. Darüber hinaus sehen wir, dass sie diese fünf Könige aus Sodom und Gomorra erobert und gefangen genommen hatten. Zu diesen kommt ein Abram mit 318 Männern.

Von Kampf ist da gar keine Rede, sondern er schlägt sie und jagt ihnen nach, bis dass er sie geschlagen hat und bis dass er auch alle Einwohner der Städte mit Lot und alle Habe aus der Macht des Feindes entwendet hat. Das wird dort mit wenigen Worten gesagt. Das lässt uns mal eben sehen, wer Abram war, oder besser gesagt: wie Gott war. Das lässt uns sehen, Geschwister, was geistliche Kraft ist, die an einem Platz der Absonderung von dem Bösen und der Gemeinschaft mit Gott erworben wird.

Es ist etwas, ein Haus zu haben, wo wir zum Kampf geübt werden. Ist das für uns als Eltern so? Sind nur wir im Kampf geübt oder üben wir unsere Hausgenossen für den Kampf – so wie das hier steht: Hausgeborene, die Eingeborenen seines Hauses? Keiner von uns hat 318 Leute zu Hause, aber wir haben doch alle die, die in unserem Haus geboren sind oder die uns auf welche Weise auch immer anvertraut sind, für die wir Verantwortung haben, um sie im Kampf zu üben. So, wie Gott das später in 1. Mose 18 zu Abraham sagt, wo Er ihm geboten hat, seinem Haus den Weg der Gerechtigkeit vorzuhalten. Abraham sollte seinem Haus befehlen, auf diesem Weg zu gehen. Abraham sollte sie unterweisen, „üben“ zum Kampf. Und was war das Resultat? Dass es keine einzige Macht auf dieser Erde gab, die Abraham überwinden konnte – und es gibt kaum eine größere Macht zu erdenken als diese vier Könige und ihr Heer. Aber es war nichts für Abraham. Das ist eine Lektion für uns als Gläubige. Keine erdenkliche Macht dieser Welt könnte uns überwinden, wenn wir ihr in Abhängigkeit von Gott und in geistlicher Kraft entgegentreten. Dabei müssen wir aber an die Bedingungen denken: abgesondert bleiben vom Einfluss Sodoms, der Welt, auch abgesondert bleiben von dem Einfluss von Sinear, von Babel, vom menschlichen, falschen Gottesdienst, der das Etikett „christlich“ trägt, aber in Wirklichkeit aus dem Menschen, aus dem Fleisch ist. Wenn wir wirklich von diesen zwei Einflüssen frei sind, können wir in geistlicher Kraft den Kampf führen. Dann können wir Überwinder sein.

So ist das in Thyatira und in Pergamus und all den anderen Gemeinden in Offenbarung 2 und 3. Man liest immer am Ende der sieben Briefe, dass der Herr Jesus dort den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem werde ich geben usw. Und wer sind diese Überwinder? Das sind also diejenigen, die den Charakter Abrams haben? Wer sind diejenigen, die überwinden? Lest jeden Brief zu Hause mal nach, und dann werdet ihr sehen, dass die Überwinder diejenigen sind, die sich getrennt gehalten haben von diesen bösen Einflüssen oder den Schwachheiten, die in jeder Gemeinde wirksam waren. So ist das in der Versammlung oder an dem Ort, wo du bist, auch. Es gibt Schwierigkeiten und Schwachheiten an dem Platz, wo du wohnst. Wir stehen alle verschiedenen Gefahren gegenüber. Nun, Überwinder sind diejenigen, die nicht in diese Gefahren fallen, die sich von den verkehrten Einflüssen um sie her getrennt halten. Und was steht dort von Thyatira?

Von Thyatira wird gesagt, dass die Frau Isebel am Werk ist. Dort wird uns das große Babel vorgestellt, das wir später in Offenbarung 17 und 18 ausführlicher finden und das dort durch den Herrn verurteilt wird. So wird das in der Zukunft mit Babel passieren.

Was steht nun dort von denen, die in Thyatira überwinden? Das sind diejenigen, die vom bösen Einfluss des großen Babel, vom menschlichen Götzendienst und von dem Einfluss der Welt frei bleiben. Davon lesen wir in Offenbarung 2, wo der Herr Jesus zu ihnen sagt: „Wer überwindet und meine Werke bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben; und er wird sie weiden mit eiserner Rute“ (Off 2,26). Für uns als Gläubige wird das Wirklichkeit, wenn wir mit dem Herrn Jesus über diese Erde regieren werden. Aber es ist in gewisser Hinsicht sittlich jetzt auch schon wahr, und wir sehen dies bei Abram. Abram war ein Überwinder. Er war vom Einfluss von Sodom und von Sinear abgesondert, und deswegen hatte er Macht von Gott über die Nationen bekommen, um in Abhängigkeit von Ihm den Kampf gegen die Nationen aufzunehmen und sie zu überwinden.

Vers 16

1Mo 14,16: Und er brachte alle Habe zurück; und auch Lot, seinen Bruder, und dessen Habe brachte er zurück, und auch die Frauen und das Volk.

Abrams Sieg

Wir sehen die Folge: „Er brachte alle Habe zurück; und auch Lot, seinen Bruder, und dessen Habe brachte er zurück, und auch die Frauen und das Volk.“ Sogar die Welt profitiert davon, wenn wir in geistlicher Kraft ausgehen, um einen Bruder zu retten. Paulus sagt das den Galatern auch als Beispiel: „Ringt ihr, die Geistlichen, den schwachen Bruder zurecht im Geist der Sanftmut, indem du auf dich selbst siehst, dass nicht auch du versucht werdest“ (Gal 6,1). Jakobus sagt am Ende seines Briefes, dass, wenn jemand einen Sünder von seinem Irrweg zurückbringt, er wissen sollte, dass das eine segensreiche Folge hat, wenn er wiederhergestellt wird von einem Weg, der zum Tod führte, und wenn eine Menge von Sünden dadurch vergeben wird.

Es gibt einen großen Segen dafür, einen Bruder zurückbringen zu dürfen. Wir haben geistliche Kraft nötig, um von dem Einfluss der Welt abgesondert zu bleiben. Wir haben aber auch geistliche Kraft nötig, um einen Bruder, der abgeirrt ist, zurückzubringen aus dem Einfluss Sodoms und aus dem Einfluss Sinears.

Aber dann kann es uns so gehen wie Abram. Wenn die Welt wie ein brüllender Löwe kommt, können wir widerstehen. Wir können Sinear überwinden.

Verse 17-20

1Mo 14,17-20: Und als er zurückgekehrt war, nachdem er Kedorlaomer und die Könige, die mit ihm gewesen, geschlagen hatte, zog der König von Sodom aus, ihm entgegen, in das Tal Schawe, das ist das Königstal. Und Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein heraus; und er war Priester Gottes, des Höchsten. Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abram von Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde besitzt! Und gepriesen sei Gott, der Höchste, der deine Feinde in deine Hand geliefert hat! – Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.

Abrams Königsbegegnungen

Es kann aber auch sein, dass wir der Welt in einem ganz anderen Charakter begegnen; dann nicht als brüllender Löwe, sondern als Engel des Lichts. Wir lesen hier in Vers 17: „Und als er zurückgekehrt war, nachdem er Kedorlaomer und die Könige, die mit ihm gewesen, geschlagen hatte, zog der König von Sodom aus, ihm entgegen, in das Tal Schawe, das ist das Königstal.“ Was hatte der König von Sodom vor? Wir lesen in Vers 21, dass der König von Sodom ihm sagen wollte, dass er Abram die Habe – also die Beute – geben wollte (1Mo 14,21). Das war eine große Versuchung. Abram hätte wie Lot ein frommes Argument gebrauchen können: „Nun, das kann ich aus der Hand des Herrn nehmen. Das ist ein Anteil, den der Herr mir gibt, um schon mal einen Teil des Segens aus dem Land entgegenzunehmen.“ Und vielleicht wäre Abram dieser Versuchung erlegen, wenn Gott nicht etwas anderes vorgesehen hätte.

Wenn da in Vers 17 steht, dass der König von Sodom ihm entgegenkam – das steht eben schon in Vers 17, was sehr schön zu sehen ist –, dann sehen wir, dass Gott zwischen beide kommt, denn Abram hat zuerst eine Begegnung mit einem anderen König.

Nachdem er den König von Sinear geschlagen hatte, kommen zwei andere Könige auf ihn zu: der König von Sodom und der König von Salem, Melchisedek.

Das Königstal

Und wo? Im Königstal. Im Tal, wo er dem König begegnet, an einem niedrigen Ort. An dem Platz, auf den es ankam; nicht nur, ob Abram geistliche Kraft hatte, um einen Feind zu schlagen, sondern ob er auch die geistliche Kraft haben würde, die Verführungen und die verlockenden Angebote der Welt abzuweisen. Dieser niedrige Platz muss von uns selbst entdeckt werden, Geschwister.

Dieser Platz kommt nur noch an einer anderen Stelle in der Bibel vor, in 2. Samuel 18, in der Geschichte von Absalom. Da befindet sich dasselbe Königstal. Und wisst ihr, was Absalom dort als Königssohn machte? Er baute dort im Königstal ein großes Monument für sich. Das sind die zwei Fälle, in denen über das Königstal gesprochen wird.

Bauen wir für uns ein großes Denkmal, durch das wir selbst geehrt werden, oder haben wir in Niedrigkeit und Demut eine Begegnung mit dem König der Gerechtigkeit, dem König des Friedens, Melchisedek? Welch eine Gnade, dass Gott diesen Mann zu ihm schickt, bevor er ein Gespräch mit dem König von Sodom hat. Welch eine Gnade, dass Gott uns in unserem Leben, wenn da solche Prüfungen kommen und der König von Sodom uns solche Angebote macht, in Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus Christus bringt.

Wer ist Melchisedek?

Denn Melchisedek, dieser Mann, der so plötzlich auf der Bildfläche erscheint und dann plötzlich wieder von der Bildfläche verschwindet – dieser Mann ist ein Bild von dem Herrn Jesus Christus selbst. Nirgends sind wir auf so heiligem Boden, um dies zu behaupten wie hier, weil die Schrift es selbst ausdrücklich in Hebräer 7 erwähnt, dass dieser Mann, hier vorgestellt ohne Vater und ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, ohne Lebensanfang und -ende, ein Gleichnis, ein Abbild von dem Sohn Gottes und Ihm ähnlich ist. Eine der merkwürdigsten Figuren des Alten Testaments, so plötzlich auf der Bildfläche erscheinend und wieder verschwindend.

Wir finden ihn allerdings später in Psalm 110 wieder. Dieser Psalm spricht von dem Moment, wenn der Herr Jesus sich zur Rechten Gottes als Messias setzt. Als Lohn seines Werkes erhält Er den Platz an Gottes rechter Hand. Danach sehen wir dort, wie Er von Gott ausgesandt wird, um von Zion aus über die Schöpfung, über die Erde und über sein Volk zu regieren. Das Zepter seines Königtums geht von Zion aus. Wenn wir den Herrn Jesus da als König sehen, durch Gott verherrlicht und über sein Volk regierend – nicht nur als König, sondern als Priesterkönig –, sagt Gott von Ihm, dass Er Priester ist; nicht nach der alten Ordnung Aarons, sondern Priester gemäß dieser Ordnung, gemäß dieser Regel, gemäß dieses Modells, des Modells Melchisedeks.

Paulus schließt im Hebräerbrief dort an, um uns klarzumachen, in welcher Hinsicht der Herr Jesus Christus Priester ist, gemäß welcher Regel, gemäß welcher Ordnung – nach der Ordnung Melchisedeks. Das hat eine große Bedeutung, denn in erster Linie scheint daraus hervor, dass der Herr Jesus als Hoherpriester höher ist als Aaron, denn Melchisedek war höher als Aaron. Paulus benutzt dafür eine eigenartige Argumentation. Er sagt: Melchisedek segnet hier Abram, und das Geringere wird durch das Bessere gesegnet. In Abrams Lenden war Levi, und Levi war der Großvater Aarons. So war Aaron in den Lenden von Abram und wurde indirekt durch Melchisedek gesegnet. Melchisedek war höher und nicht nur deswegen, weil er Abram segnete. Wir sehen bei Aaron, dass es ein schwaches Hohepriestertum war, in dem viele Hohepriester nötig waren, weil die Hohenpriester jedes Mal starben, so dass ein Ersatz gefunden werden musste.

Aber hier sagt Paulus, dass wir in Melchisedek einen Hohenpriester ohne Abstammung, ohne Vater und ohne Mutter, sehen. Natürlich hat Melchisedek Eltern gehabt, aber die Weise, auf die die Schrift ihn vorstellt, ihn auf die Bildfläche bringt, ohne Abstammung, ohne Geschlechtsregister und ohne Nachkommen, als einen Einzelnen in dieser Priesterschaft, als Königspriester des allerhöchsten Gottes – dieses Modell finden wir in dem Herrn Jesus Christus wieder. Er ist nicht das Haupt eines Priestergeschlechts in dem Sinn, dass ein anderer nach seiner Priesterschaft Hoherpriester werden würde, denn Er ist Hoherpriester bis in Ewigkeit. Er hat ein unvergängliches Priestertum, in dem es keine Nachfolge gibt. Sein Priestertum wird bis in Ewigkeit bleiben.

Das Werk des wahren Melchisedek

Aber der Herr Jesus ist als Hoherpriester nicht nur höher als Aaron, sondern Paulus macht uns auch klar, dass Er als Hoherpriester eine ganz andere Aufgabe hat als Aaron. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Hohenpriestertum Aarons und dem des Melchisedek.

Was war die Aufgabe Aarons? Aarons Aufgabe war, Gott Opfer zu bringen, insbesondere am großen Versöhnungstag. Das war die Aufgabe des Hohenpriesters schlechthin. Zweitens, um Fürsprache für das Volk bei Gott einzulegen. Bei Melchisedek findet man weder das eine noch das andere. Man findet keinen Altar, den Abram hier baut, keinen Opferdienst, und man findet auch keine Fürsprache aufseiten Melchisedeks. Was sieht man bei Melchisedek? Man findet hier das, was man in Psalm 110 findet: den Königspriester. Melchisedek weist uns auf die Zeit hin, von der Hebräer 7 sagt: Der Herr Jesus ist König des Friedens, denn Salem bedeutet „Friede“, und König der Gerechtigkeit, denn Melchisedek bedeutet „König der Gerechtigkeit“. Der Herr Jesus wird das Priestertum Melchisedeks ausüben, wenn Er als König der Gerechtigkeit und König des Friedens über die Erde, über die Schöpfung regieren wird. Dann aber nicht, um Fürbitte zu tun und Opfer zu bringen – das tut Melchisedek auch nicht –, sondern um zu segnen, um von Gottes Wegen priesterlichen Segen den Seinen auszuteilen und Abram, der hier ein Bild von den treuen Gläubigen und insbesondere von Israel ist, das in der Zukunft auch überwinden wird und dann durch den Königspriester gesegnet werden wird. Man findet das auch – und das ist die dritte Stelle im Alten Testament, auf die ich hinweisen will – in Sacharja 6,13, wo wir von dem Messias, dem Spross lesen, der auf dem Thron gleichzeitig als König und Priester sitzen wird. Josua und Serubbabel waren Vorbilder davon: Josua vom Priester und Serubbabel vom König. Aber es waren getrennte Personen. Im Messias werden sie vereinigt sein. Er wird der König und der Priester sein, der von Gottes Wegen kommen wird, um in Frieden und Gerechtigkeit zu regieren und um priesterlichen Segen den Nationen, den Seinen, auszuteilen.

Der wahre Melchisedek tut das Werk Aarons

Aber der Hebräerbrief zeigt uns noch etwas. Wenn wir das gut verstanden haben, haben wir einen der wichtigsten Schlüssel, um den Charakter des Hebräerbriefes zu verstehen: Das ist, dass der Herr Jesus zwar Priester nach der Ordnung Melchisedeks ist – Er kann kein Priester nach der Ordnung Aarons sein, weil Er nicht aus dem Stamm Levi ist; Er ist nicht aus der priesterlichen Familie von Aaron geboren, Er ist eben Priester nach der Ordnung Melchisedeks –, aber dass der Herr Jesus das Priestertum Melchisedeks noch nicht ausübt. Das wird Er erst ausüben, wenn Er aus dem Himmel zurückkehren wird. Hebräer 2 sagt, dass das zukünftige Erdreich seinen Füßen unterworfen ist. Und wenn Er zurückkehren wird, werden Ihm alle Dinge unterworfen werden, und dann wird Er als der Königspriester die Segnungen Melchisedeks an die Seinen, an sein Volk hier auf der Erde austeilen. Aber jetzt ist der Herr Jesus im Himmel und ist jetzt schon Priester nach der Ordnung Melchisedeks, übt aber jetzt ein Werk aus, das nicht dem Melchisedeks gleicht, sondern dem Aarons. Das ist oft das, was so viele Gläubige in Verwirrung bringt. Der Herr Jesus ist Priester nach der Ordnung Melchisedeks, aber die eigentliche Aufgabe Melchisedeks übt Er noch nicht aus. Das wird Er tun, wenn Er über die Erde regiert. Das Werk, das Er ausführt, ist das von Aaron.

In erster Linie ist es das, dass Er Opfer gebracht hat, indem Er sich selbst als Opfer auf dem Kreuz von Golgatha geopfert hat, wie Hebräer 2 sagt: Er hat für das Volk das Versöhnungswerk vollbracht und tritt jetzt im Himmel als Hoherpriester zwischen beide. Das ist nicht die Aufgabe Melchisedeks. Das ist die Aufgabe Aarons. Er übt also jetzt im Himmel die Aufgabe Aarons aus, ist aber Priester nach der Ordnung Melchisedeks. Das verursacht oft die Schwierigkeit.

Das eigentliche Werk des wahren Melchisedek

Die Aufgabe Melchisedeks wird der Herr erst ausüben, wenn Er wiederkommt, wenn Er – wie wir das hier finden – mit Brot und Wein, mit den Segnungen, die Er denen, die überwunden haben, austeilen wird; so wie das in Offenbarung 15 steht, wo die Macht dieser Könige, die auch in der Endzeit auftreten werden, überwunden werden; das große Babel der Endzeit; Kilian, der König der Nationen, den wir später in dem Römischen Reich wiederfinden. All diese Mächte werden anwesend sein. Und es werden solche da sein, die wie Abram überwinden und mit dem Lamm auf dem gläsernen Meer stehen und dann die Segnungen aus der Hand des wahren Melchisedek entgegennehmen werden. Das werden die Treuen sein, die überwunden haben und die mit ihm das Lied des Lammes singen werden. Melchisedek weist uns auf den Herrn Jesus, der dann sein Zepter von Zion ausgehen lassen wird und über die ganze Schöpfung regieren wird. Wie schön finden wir das hier in den Worten wieder, wie über Melchisedek gesprochen wird. Sein Name bedeutet „König der Gerechtigkeit“, und er ist König von Salem, das heißt König des Friedens, und er brachte Brot und Wein. Der Herr Jesus wird hier auf die Erde mit den Segnungen zurückkehren, um sie an die Seinen auszuteilen. Er wird eine Mahlzeit für sie bereiten mit Brot und Wein.

Brot und Wein

Das ist eine ganze andere Mahlzeit als die, die Er jetzt für die Seinen bereitet. Er bereitet jetzt auch eine Mahlzeit mit Brot und Wein beim Abendmahl zu. Jetzt dürfen wir auch schon mit dem Herrn Jesus Gemeinschaft haben. Aber wenn wir Ihn jetzt sehen, dann nicht als den, der über die Erde regiert, sondern als denjenigen, der zur Rechten Gottes sitzt. Wir sehen Ihn als den Hohenpriester, der die Aufgabe von Aaron ausübt und dort für uns zwischen beide tritt. Er hat sich selbst an dem Kreuz geopfert, und wir dürfen zum Altar, an den Tisch des Herrn, mit unseren Opfern kommen, an den Platz, wo wir durch Brot und Wein an Ihn denken.

Später wird Er selbst wiederkommen und wird dann selbst Brot und Wein austeilen, Wein wegen der Freude im Friedensreich und Brot, das von Ihm selbst spricht. Er wird die Seinen mit sich selbst ernähren. Er wird in Wahrheit sagen, dass Er der Priester Gottes des Höchsten ist.

Gott der Höchste

Gott der Höchste ist der Name, den Gott im Tausendjährigen Reich hat. Überall in den Psalmen, wo auf das Friedensreich hingewiesen wird, hat Gott den Namen: Gott der Höchste. Das ist der Name, den Er haben wird, wenn Er wirklich sichtbar der Höchste sein wird, wenn alle Mächte ausgerottet sind, die gegen Ihn waren, und wo Gott über alles erhaben sein wird. So wie das hier steht: „Gott der Höchste, der Himmel und Erde besitzt“.

Gott wird praktisch und tatsächlich alles von Satan wiedergewinnen, der jetzt der Fürst der Welt und der Fürst dieses Zeitlaufs ist. Dann wird Gott praktisch auch Herr des Himmels und der Erde sein und in der Person des Herrn Jesus Christus regieren. Dann wird der wahre Melchisedek mit Segen kommen: „Gesegnet sei Abram von Gott dem Höchsten.“ Und wie wunderbar: Es gibt nicht nur Segen für Abraham. Melchisedek preist Gott selbst. In 1. Mose 14,20 steht buchstäblich dasselbe Wort: „Gepriesen sei der Gott, der Höchste.“[1] So wird es im Friedensreich sein. Gott wird Segen über die Erde und über die Seinen ausstreuen und Jubel und Lob wird von den Menschen emporsteigen – auch in Christus, denn Er selbst wird inmitten der Seinen das Loblied anstimmen: „Inmitten der Versammlung will ich dich loben.“ – „Verkünden will ich deinen Namen meinen Brüdern“, das ist das Erste. Das ist Melchisedek, der seinen Brüdern, dem Volk Gottes, den Namen des Allerhöchsten, der Himmel und Erde besitzt, verkündigt. Aber er wird auch in ihrer Mitte den Herrn preisen, so wie es hier steht: „Gepriesen sei Gott, der Höchste, der deine Feinde in deine Hand geliefert hat.“

Gemeinschaft mit Melchisedek, dem Besseren

Abram erkennt, dass Melchisedek der Bessere ist. Aus zwei Dingen geht das hervor: Erstens, weil er Abram segnet, und zweitens, weil Abram ihm den Zehnten von allem gibt. So werden die Gläubigen dann von allem, was Gott ihnen gegeben hat, eine herrliche Antwort in den Opfern des Lobes und Dankes geben, die sie Ihm bringen werden. Welch ein Platz! Welch eine herrliche Angelegenheit, dass wir diesen Melchisedek jetzt schon kennen dürfen. Für den Überrest Israels, der errettet werden wird, wird dann erst der Moment kommen, dass sie den Herrn Jesus sehen und erkennen und die Gemeinschaft mit Ihm empfinden werden, nämlich dann, wenn Melchisedek aus dem Himmel wiedergekehrt ist und hier auf Erden als Königspriester auf dem Thron sitzen und einen Segen für sein Volk bereiten wird. Wir brauchen nicht so lange zu warten. Hebräer 2,8 sagt: „Wir sehen ihm noch nicht alles unterworfen“, dem wahren Melchisedek. Aber wir sehen Jesus mit dem Auge des Glaubens sitzend zur Rechten Gottes und dürfen jetzt mit Ihm Gemeinschaft haben. Jedes Mal, wenn wir auch persönlich in unserem Leben überwunden haben, unsere Gemeinschaft mit unserem Herrn in Absonderung von Sodom und Sinear bewahrt haben und wenn wir einen Bruder von einem Irrweg zurückgebracht haben, können wir auf diese kostbare Weise Gemeinschaft genießen mit dem wahren Melchisedek, der uns mit sich selbst ernährt, der herauskommt mit Brot und Wein, damit wir uns an seiner Person erquicken können und damit wir bestehen können gegen die Verlockungen der Welt, wenn sie mit ihren verlockenden Angeboten kommt, so wie wir das hier bei dem König von Sodom haben.

Melchisedek hat Abram verkündet, dass Gott der Allerhöchste ist, der Himmel und Erde besitzt. Und wenn ich als Kind mit dem Gott verbunden bin, der alles besitzt, wie wird mein Herz die Dinge dieser Welt verlangen? Seht ihr, wie wichtig dies auch für uns persönlich ist, dass wir die Gemeinschaft mit dem wahren Melchisedek kennen? Mit demjenigen, der uns mit sich selbst ernährt? Mit Brot und Wein? Der sein Fleisch als Speise für uns gibt und sein Blut als Trank? Nicht nur, um ewiges Leben zu empfangen, wie Johannes 6 uns zeigt, sondern auch, um in dem ewigen Leben gestärkt zu werden und uns jedes Mal wieder daran zu erinnern, dass unser Gott alle Dinge besitzt und dass alle Dinge in Ihm, in seiner Hand, sind. Wie wird unser Herz nach etwas verlangen, was der König von Sodom uns anbieten könnte? Gebe der Herr Gnade in unserem Leben, dass Er uns immer zuerst mit dem König von Salem in Verbindung bringt, bevor wir dem König von Sodom begegnen.

Verse 21-23

1Mo 14,21-23: Und der König von Sodom sprach zu Abram: Gib mir die Seelen, und die Habe nimm für dich. Und Abram sprach zum König von Sodom: Ich hebe meine Hand auf zu dem HERRN, zu Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde besitzt: Wenn vom Faden bis zum Schuhriemen, ja, wenn ich irgendetwas nehme von dem, was dein ist! – Auf dass du nicht sagst: Ich habe Abram reich gemacht.

Keine Belohnung aus Sodom

Der König von Sodom hat sich noch nie geändert, damals nicht und in unserer Zeit auch nicht! Der König von Sodom ist der Oberste dieser Welt, der Oberste des Terrains, auf dem die bösen, aufständischen Sünder gegen Gott sind und wo Lot hingekommen war. Dieser König von Sodom sagt immer noch: „Gib mir die Seelen und die Habe nimm für dich.“ Wenn Abram darauf eingegangen wäre, hätte der König von Sodom zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Feind, der Fürst dieser Welt sagt immer noch: „Gib mir die Seelen.“ Er will immer noch die Seelen für sich haben, um seinen Einfluss auszuüben. Er versucht, die wahren Gläubigen immer noch mit der Habe dieser Welt zu erreichen. Auf diese Weise hat er zweierlei Erfolge: Erstens bekommt er die Macht über die Seelen. Satan will immer seine Macht, die er über die Seelen dieser Welt hat und ihm angehören, konsolidieren, und andrerseits versucht er, Einfluss im Leben von uns als Gläubige zu bekommen, indem er uns die Habe dieser Welt geben will.

Sind wir dafür nicht empfänglich, uns der Welt zu verpflichten, indem wir auf diese Angebote eingehen? Wie viele Gläubige sind in ihrem geistlichen Leben lahmgelegt, weil sie Verpflichtungen der Welt gegenüber haben? Sie sind der Welt gegenüber bestimmte Verpflichtungen schuldig, aus denen sie nicht herauskommen können. Dadurch sind sie lahmgelegt und haben nicht verstanden, warum Abram sagte, dass niemand von ihm sagen können sollte: „Ich habe Abram reich gemacht.“ Abram verstand, was der tiefste Gedanke des Königs von Sodom war. Er wollte einen moralischen Einfluss auf Abram haben und sagen: „Ich habe Abram reich gemacht.“ Aber Abram hatte soeben Bekanntschaft mit Gott dem Höchsten gemacht und sagt nun selbst: „Ich hebe meine Hand auf zu dem HERRN, zu Gott, dem Höchsten, der Himmel und Erde besitzt.“ Das umfasst auch alles, was der König von Sodom ihm anbieten könnte, und darüber hinaus den Himmel, über den der König von Sodom nichts zu bestimmen hat. Diese Dinge sind alle in den Händen Gottes, des Höchsten. Ich habe mit diesem Gott einen Bund gemacht, ich habe sozusagen meine Hand zu diesem Gott aufgehoben, um einen Eid zu schwören. Ich habe meine Hand gehoben und mich an ein feierliches Gelöbnis gebunden, nur diesem Gott zu gehören und mich nur diesem Gott anzuvertrauen und nur die Segnungen aus der Hand dieses Gottes anzunehmen.

Wenn wir Gott als denjenigen kennen, in dessen Hand alle Dinge sind, ist es nicht nötig, Geschwister, um etwas aus der Hand des Königs von Sodom anzunehmen, weder einen Faden noch einen Schuhriemen. Es geht nicht darum, ob es große oder kleine Dinge sind. Es geht um den Grundsatz, und wenn es nur ein Faden, ein Schuhriemen ist. Es ist kaum etwas Geringeres denkbar als das, was wir aus der Hand des Königs von Sodom annehmen könnten. Aber es schafft Verbindlichkeiten, wenn du deine Hand für die verlockenden Angebote dieser Welt aufhältst. Dann bist du der Welt gegenüber etwas schuldig und bist nicht frei, um alles nur aus der Hand des Herrn anzunehmen, was Er dir geben will. Das ist das, was Abram gewählt hat. Nichts wollte er nehmen, damit niemand sagen könne: „Ich habe Abram reich gemacht.“

Vers 24

1Mo 14,24: Nichts für mich! Nur was die Knaben verzehrt haben, und der Anteil der Männer, die mit mir gezogen sind: Aner, Eskol und Mamre, die mögen ihren Anteil nehmen!

Abrams Bundesgenossen steht die Beute zu

Er gönnt das Teil nur seinen Bundesgenossen. Wenn wir als Gläubige eine gewisse geistliche Kraft haben, diese Dinge zu verweigern und nur von dem Herrn abhängig zu sein … Ich will nicht, dass wir keine Arbeit tun und in diesem Sinn nicht abhängig sein sollen, denn wir sind auch in unserer Arbeit vom Herrn abhängig. Auch in unseren gewöhnlichen Beziehungen, in allem, was wir tun, sind wir, wenn es in Ordnung ist, von dem Herrn abhängig.

Aber wenn wir selbst eine geistliche Unterscheidung haben, können wir das nicht von unseren Brüdern verlangen! Abram konnte nicht sagen: Meinen Bundesgenossen darfst du auch nichts geben. Er sagt von seinen Bundesgenossen, dass sie ihr Teil nehmen sollen, weil sie ein Recht darauf haben. Das ist ein schöner Grundsatz. Was der Herr mich gelehrt hat, kann ich nicht einfach so von einem anderen verlangen, weil der Herr ihm das Licht nicht gibt.

Es gab ein Recht auf Beute. Es war ein gewöhnlicher Brauch, dass, wenn die Menschen aus der Hand des Feindes gerettet waren, die Beute ihnen gehörte. Für die anderen erkennt Abram dieses Recht! Sie sollten selbst die geistliche Kraft aufbieten, von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen. Er erkannte für sie dieses Recht, kannte aber auch Gott den Allerhöchsten und wollte für sich selbst von dem Recht keinen Gebrauch machen. Er nahm Abstand davon.

Kraft aus der Gemeinschaft mit Melchisedek

Das war für Abram nicht einfach. Wir werden – so der Herr will – nächstes Mal sehen, dass Gott in der Nacht zu ihm kommt, wie wir das am Anfang von 1. Mose 15 finden. Da sagt Gott zu ihm: Fürchte dich nicht Abram. Gott sagt das nicht umsonst. Wir können nicht in das Herz von jemandem sehen. Wir sehen nur die Außenseite und bewundern Abram und sagen von ihm: Welch ein Mann Gottes, der so freimütig die Dinge beiseitesetzen konnte und Abstand davon nehmen konnte. Aber so einfach war das nicht! Wenn man so lange auf die Verheißung Gottes warten muss … Wenn du so lange warten musst, dass dir Gott etwas gibt von dem, was Er dir versprochen hat, wie einfach sagen wir dann: Ich nehme diese Gelegenheit aus der Hand Gottes an, um etwas von dem Erbteil zu erhalten?

So wie Jakob. Jakob wusste, was Gott ihm versprochen hatte. Er vertraute darauf, legte jedoch selbst Hand an, indem er das Erstgeburtsrecht von Esau erschlich und dem Vater Isaak den Segen entwendete. So können wir Gott anfassen helfen, indem wir selbst mitarbeiten. Es ist sehr schwierig, um wirklich wie Abram sagen zu können, es nur aus der Hand Gottes annehmen zu wollen. Wir können uns vorstellen, dass ein Gläubiger in schwierige Prüfungen kommt, wenn er so vollkommen von Gott abhängig sein will. Ist es dann nicht herrlich, wenn Gott zu dir kommt und sagt: Fürchte dich nicht, Abram? Ich habe dein Herz gesehen, fürchte dich nicht, Ich bin dein Schild, dein sehr großer Lohn. – Das ist derselbe Gott, den wir immer noch haben. Derselbe Gott sagt zu uns: Ich weiß, was in deinem Herzen ist. Ich weiß, dass du auch Mühe damit hast, um denselben Platz wie Abram einzunehmen, und dass du es auch schwierig findest, um dich von der Welt getrennt zu halten und nur aus Meiner Hand anzunehmen, was Ich dir geben will. Ich weiß, dass du Mühe damit hast und dass du wie Lot geneigt bist, die Hand des Herrn darin zu entdecken, was aus deiner Sicht wie der Garten des Herrn aussieht. Ich weiß, Abram, wie schwer es für dich ist, dich zu verweigern und es nur aus Meiner Hand anzunehmen. Aber fürchte dich nicht, Ich bin dein Schild, dein sehr großer Lohn.

Welch ein Segen, diesen Herrn zu kennen. Welch ein Segen, diesen Melchisedek zu kennen. Wir brauchen nicht darauf zu warten, Ihm zu begegnen, so wie der Überrest von Israel darauf wird warten müssen, bis Er wiederkommt. Wir kennen Ihn jetzt als denjenigen, der als der wahre Aaron für uns bei Gott zwischen beide tritt, der in all unsere Schwachheiten, in all unsere Prüfungen eintreten kann und der unsere Herzen kennt und uns bei Gott vertritt.

Welch ein Segen, diesen Melchisedek zu kennen, diese Gemeinschaft mit Ihm zu genießen, wenn Er zu uns kommt, um uns mit Brot und Wein, ja mit sich selbst zu erquicken.

 

Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Das hebräische Wort kann man mit „segnen“ und „preisen“ übersetzen.


Aus einem vor vielen Jahren gehaltenen Vortrag.

Übersetzung: Stephan Winterhoff

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