Der Jünger, der „uns nicht nachfolgt“
Markus 9,38-41; 4. Mose 11,26-29

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 10.12.2001, aktualisiert: 26.09.2016

Leitverse: Markus 9,38-41

Mk 9,38-41: Johannes sprach zu ihm: Lehrer, wir sahen jemand, [der uns nicht nachfolgt,] Dämonen austreiben in deinem Namen; und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgte. Jesus aber sprach: Wehrt ihm nicht, denn niemand wird ein Wunderwerk in meinem Namen tun und bald darauf übel von mir reden können; denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns. Denn wer irgend euch einen Becher Wasser zu trinken gibt in meinem Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren.

In Markus 9,38-41 erzählt Johannes von einem Mann, der im Namen Christi Dämonen austrieb. Es mutet nicht sehr sympathisch an, wenn er zweimal sagt, dass dieser Mann „uns“ nicht nachfolgt und dass „wir“ – wie er sagt – sogar versucht haben, ihn daran zu hindern. Warum sagte er nicht lieber, dass das Problem dieses Mannes darin lag, dass er dem Herrn nicht nachfolgte? Was macht es schon, dass er uns nicht nachfolgt? Hätte Johannes nicht etwas bescheidener sein können, zumal die Jünger kurz vorher selbst keine Kraft gehabt hatten, Dämonen auszutreiben, was der Herr ihnen in deutlichen Worten vorgehalten hatte (Mk 9,14-19)?

Ist das nicht eine Geisteshaltung, die wir auch heute sehr gut wiedererkennen? Auch wir sind imstande, jemanden an seiner geistlichen Arbeit zu hindern, nur weil er „uns“ nicht nachfolgt. Lesen wir 4. Mose 11,27-29, wo Josua zwei Männer am Weissagen hindern will und Mose antwortet: „Mögen doch alle im Volk des Herrn Propheten sein, dass der Herr seinen Geist auf sie lege!“ Auch hier taten einige ein geistliches Werk außerhalb des angewiesenen Ortes. Das war an sich nicht korrekt, aber darum noch kein Grund, sie daran zu hindern. Im Gegenteil, so scheint Mose zu meinen, es ist immer noch besser, auf nicht ganz korrekte Weise zu weissagen, als überhaupt nicht zu weissagen.

Das ist ein ähnliches Argument wie das, was wir vom Herrn Jesus hören: Ihr sollt einem anderen bei seinem Dienst nie im Weg stehen, denn er steht oder fällt seinem eigenen Herrn (vgl. Röm 14,4). – Wenn es sich um einen wirklichen Mitknecht handelt, müssen wir, auch wenn wir bestimmte Einwände gegen ihn haben, als Regel davon ausgehen, dass, wer nicht gegen den Herrn ist, für ihn ist. Dieser Mann, der Dämonen austrieb, folgte zwar nicht dem Herrn, aber er war auch nicht gegen ihn, denn er trieb in seinem Namen Dämonen aus (vgl. Matthäus 12,30, wo der Herr nicht von echten, wenn auch schwachen Knechten Gottes spricht, sondern von falschen). Wir sehen hier (Mk 9,41) den Herrn als niedrigen Knecht, der selbst die geringste Tat eines Mitknechtes zu schätzen weiß. Als niedrige Knechte müssen wir Ihm darin nachfolgen.


Aus Bode van het heil in Christus, 141 (1998) 3, S. 24

Übersetzung: Michael Schneider

Weitere Artikel des Autors Willem Johannes Ouweneel (61)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...