Welche Stadt erwartete Abraham?
Hebräer 11,10

William Kelly

© SoundWords, online seit: 26.11.2005, aktualisiert: 17.10.2018

Leitvers: Hebräer 11,10

Heb 11,10: Abraham erwartete die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer {o. Werkmeister} Gott ist.

Heb 11,16: Jetzt aber trachten sie nach einem besseren, das ist himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden, denn er hat ihnen eine Stadt bereitet.

Heb 12,22: Ihr seid gekommen zum Berge Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln,

Gal 4,26: Das Jerusalem droben ist frei, welches unsere Mutter ist.

Off 21,2: Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Auch wenn das Wort „Stadt“ im Hebräerbrief und in der Offenbarung vorkommt, symbolisiert es nicht notwendigerweise dieselbe Wahrheit an beiden Stellen. Das muss uns nicht erst der Begriff „Lade“ (englisch ark in 1. Mose 6; 2. Mose 2 u. 25) klarmachen, wo der Begriff einmal für die Bundeslade, einmal für das Schilfrohr-Kästlein und einmal für die Arche von Noah gebraucht wird (im Englischen und dem Hebräischen handelt es sich in allen Fällen um dasselbe Wort).

In Hebräer 11 wird das Wort gebraucht, um uns eine eingerichtete und dauerhafte Bleibe im Himmel vorzustellen, nach der die Gläubigen des Alten Testamentes Ausschau hielten im Gegensatz zu ihrer zeitlichen und unsicheren Wohnung auf der Erde. Abraham erwartete die Zeit, wo er sein Zelt gegen eine Stadt eintauschen würde. Und das taten auch die anderen Erzväter. Aber in Offenbarung 21 symbolisiert die Stadt die Gläubigen selbst. Das ist auch so in Offenbarung 17 und 18 mit einer anderen Stadt, nämlich Babylon, die uns die verdorbene Christenheit in den letzten Tagen vorstellt. Hier, in Offenbarung 21, ist die Braut die Stadt.

Anmerkung von R.A Huebner: Keine von diesen Städten ist eine wörtliche Stadt. Wenn man das nicht sieht, führt das zu Irrtümern. Betreffs der heiligen Stadt Jerusalem sagt uns der Text ausdrücklich, dass der Engel Johannes die Braut zeigte und dass er die Stadt sah (Off 21,9.10). Diese Stadt ist symbolisch. Wir müssen auch das himmlische Jerusalem von der Versammlung der Erstgeborenen (Heb 12,22) unterscheiden, obwohl das himmlische Jerusalem die (bildliche) Heimat aller himmlischen Gläubigen ist. Es ist das Jerusalem droben (Gal 4,26). Die jüdischen Gläubigen hofften, in einer Stadt zu sein, sie warteten darauf, einen herrlichen Wohnplatz droben zu haben. Aber die heilige Stadt, die Johannes sieht, scheint viel mehr den Sitz der Regierung vorzubilden als eine Wohnstätte. (Bible Treasury NS, Bd. 1, S. 126)

Und es ist immer eine große Frage unter den Theologen gewesen, ob der zukünftige Zustand des Segens bedeutet, auf der Erde zu sein, die dann in ein himmlischen Zustand verwandelt ist, oder ob das Volk Gottes in seinem Auferstehungs-Zustand im Himmel ist.

Nun, ich sage: Beides ist wahr – natürlich nicht, dass aus der Erde jemals Himmel wird, aber dass alle Gläubigen, die gelitten haben von Anbeginn der Welt an bis der Herr wiederkommt, von Abel an, ein himmlisches Volk sein werden. Deswegen ist es auch ein totaler Fehler anzunehmen, dass, weil die Kirche nun mal himmlisch ist in ihrer Berufung, deswegen auch die [Anm. d. Red.: anderen] Gläubigen nicht auch himmlisch sein können. Selbstverständlich war ihnen die himmlische Berufung nicht offenbart. Und sie waren nicht gesegnet, so wie wir es sind, mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus. Aber sie sind die Heiligen der höchsten Örter. Sie sind auch Heilige des Himmels. Sie werden die Welt richten. Sie werden Engel richten, genau so wie wir. Sie werden auch aufgenommen werden, um dem Herrn zu begegnen und wir werden mit ihnen zusammen sein, und sie mit uns, in der Gegenwart Gottes. Damit will ich natürlich nicht sagen, dass es keine Unterschiede gibt. Das ist auch wieder ein anderer Fehler. Aber ich möchte daran festhalten, dass dies die einfache Wahrheit der Schrift ist.


Lessons on the book of Chronicles, S. 60–61

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