Der Tag des Herrn
Matthäus 24; Daniel 2; 7; Joel 2

G. Gardner

© J. Das, online seit: 04.10.2003, aktualisiert: 31.01.2018

Leitvers: Matthäus 24,30

Mt 24,30: Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit.

Der Tag des Herrn steht im Gegensatz zum Tag des Menschen. Er ist, wie der Name schon sagt, verbunden mit dem Herrn Jesus Christus, wenn Seine Rechte, Seine Ansprüche und Seine Herrlichkeit verwirklicht werden. Dann wird Er die ganze Welt beherrschen und für Gott wirken als der Zweite Mensch, der Letzte Adam, als das wahre Gegenbild zu David und Salomo. Sein Thron steht zu jener Zeit, wie die Bibel es viele Male voraussagt, in Jerusalem und Sein Herrschaftsgebiet reicht bis an die Enden der Erde. Alle müssen sich vor Ihm beugen und Ihn anerkennen, und Seines Reiches wird kein Ende sein. Der Herr hat keinen Nachfolger, wie es noch bei Nebukadnezar der Fall war. Als der König der Könige und Herr der Herren wird Er Seine vollkommene und gesegnete Herrschaft feierlich über diese schon so lange misshandelte Erde aufrichten, festigen und ausüben und am Ende das Reich Seinem Gott und Vater übergeben. Zu jener Zeit hat Er alle Herrschaft, Gewalt und Macht weggetan, damit Gott alles und in allem sei (1Kor 15,24-28). Das beendet den Tag des Herrn. Die Psalmen, Propheten und das Neue Testament offenbaren diese Wahrheiten eindeutig und beziehen sie auf den Christus Gottes, den Sohn des Menschen. Seine zukünftige Herrlichkeit auf dieser Erde ist genauso gewiss wie Seine Leiden und Sein Tod in der Vergangenheit und Seine momentane Erhöhung und Herrlichkeit zur Rechten Gottes. Dieser schon lange vorhergesagte wunderbare Tag der Herrlichkeit für diese durch die Sünde geschlagene Welt wartet auf den großen Erlöser, damit jenes Zeitalter eingeführt und verwirklicht werde. Ausschließlich diese Zeit wird als der „Tag des Herrn“ bezeichnet. 

Wie dieser Tag eingeführt wird, ist eine Frage, welche die Bibel eindeutig beantwortet. Es geschieht durch ein göttliches Gericht und nicht durch den Menschen oder die Predigt des Evangeliums der Gnade Gottes, wie so viele Christen voraussetzen und allgemein lehren. Die einführenden Prophezeiungen von Jesaja und Joel sprechen ausdrücklich vom Tag des Herrn als der Zeit eines ernsten Gerichts. An jenem Tag wird der Mensch in all seinem Stolz und seiner Größe erniedrigt und ausschließlich Jahwe erhöht werden. Jesaja 2 erklärt zweimal, dass die (wie die Fürsten und Edelleute Belsazars) von Entsetzen erfüllten Menschen „sich in Felsenhöhlen und in Löcher der Erde verkriechen vor dem Schrecken des HERRN und vor der Pracht seiner Majestät, wenn er sich aufmacht, die Erde zu schrecken“ (Jes 2,19). Dann werden alle Götzen von Silber und Gold, welche der Mensch sich hergestellt hat, um sie anzubeten, den Maulwürfen und Fledermäusen hingeworfen. Ein noch viel schrecklicheres Zittern und Beben wird über die Menschen kommen als am Feste Belsazars. Joel 2 versichert: „Denn es kommt der Tag Jehovas, denn er ist nahe: ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und der Wolkennacht“ (Joel 2,1.2). „Denn groß ist der Tag des HERRN und sehr furchtbar, und wer kann ihn ertragen?“ (Joel 2,11).

Offensichtlich sehen diese Bibelstellen, wie es die Propheten üblicherweise tun, den Tag des Herrn in einer besonderen Beziehung zur jüdischen Nation und ihrem Messias. Doch im Buch Daniel werden in den ersten Kapiteln mit ihren Erklärungen Aufstieg und Fall der heidnischen Königreiche in ihrer Verantwortlichkeit vor dem Gott des Himmels vorausgesagt. Diese Ausführungen sprechen nicht nur von dem Gericht und der Wegnahme des Königreichs Nebukadnezars, sondern auch von der endgültigen Vernichtung des großen Standbildes durch den Stein, welcher alles in Stücke zerschlägt, so dass von ersterem nichts mehr gefunden wird. Dieser Stein blieb nicht länger verborgen, sondern wurde „zu einem großen Berge und füllte die ganze Erde“ (Dan 2,35). Dass diese Voraussagen sich auf Christus und Sein zukünftiges Königreich beziehen, sollte jedem Untersucher der Prophetie klar sein. Es wird aufgerichtet durch das Gericht des Herrn über die lebenden Menschen auf der Erde als das Vorspiel einer alles umfassenden Segnung unter Seiner Regierung. Davon liefert uns das 7. Kapitel ein unmissverständliches Zeugnis. Dieses stellt uns die beiden Titel Christi als der „Alte an Tagen“ und der „Sohn des Menschen“ vor. „Ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird“ (Dan 7,14). 

Unser Herr spricht, indem Er den Titel „Sohn des Menschen“ annimmt, in Matthäus 24 offen von Seinem Kommen „auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit“ (Mt 24,30), um Gericht auszuüben und Seine Auserwählten (Israel) für Sein herrliches Reich zu sammeln. So antwortete Jesus auch auf die Frage des Hohenpriesters, ob Er der Christus, der Sohn Gottes, sei: „Du hast es gesagt. Doch ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels“ (Mt 26,64). Er musste jedoch vor der Einführung der zukünftigen Herrlichkeit verworfen werden und „nichts haben“ (Dan 9,26; vgl. Joh 1,11). Der Mensch teilte Ihm als „König der Juden“ (Mt 27,37) das Kreuz zu. Aber selbst dort wurde ein sterbender Übeltäter dazu geführt, von Seiner herrlichen Person und Seinem kommenden Königreich Zeugnis abzulegen. Dafür durfte er die Gnade und die Liebe im Herzen des Herrn erfahren, welche ihn durch den Tod Jesu und Sein vergossenes Blut passend machten, mit Ihm im himmlischen Paradies zu sein. Der Sohn des Menschen, der verworfene König, wurde von Gott im Himmel verborgen (vgl. Off 12,5), um daselbst den Augenblick zu erwarten, an dem Er Sein Reich empfangen und zurückkehren darf, damit Er den Tag des Herrn eröffne. 

In der Zwischenzeit wird schon seit fast zweitausend Jahren durch den vom Himmel gesandten Heiligen Geist das Evangelium verkündigt. Seine Mission besteht darin, aus einer verurteilten Welt ein Volk für das Heil Gottes zu sammeln, welches als Erbe Gottes und Miterbe Christi die Herrlichkeit mit dem himmlischen Menschen Christus Jesus teilen soll. Diesen Erlösten ist es als Gottes Geliebte gegeben, am Tag der angemaßten Rechte und Ehre des Menschen auf der Erde um Seines Namens willen zu leiden. Dabei wissen wir, dass wir am Tag Seiner kommenden Regierung mit Ihm herrschen werden. 

Die beiden Briefe an die Thessalonicher behandeln in auffallender und unmissverständlicher Weise die Rückkehr des Herrn Jesus und offenbaren uns Sein Kommen in der Luft, um Seine Heiligen aufzunehmen, damit sie bei Ihm seien und Ihm gleich werden in der himmlischen Herrlichkeit. Desgleichen wird Er sie mitbringen, wenn Er am Tag der Herrlichkeit zur Erde kommt, um die Herrschaft anzutreten. Diese Heiligen wurden bekehrt, um Gottes Sohn vom Himmel zu erwarten. Das war eine Hoffnung, welche so strahlend vor den Seelen der Thessalonicher stand, dass sie ihre Verwirklichung unbedingt vor ihrem eigenen Tod erwarteten. Darum waren sie sehr beunruhigt, als einige von ihnen durch den Tod weggenommen wurden. Sie fragten sich, ob jene an der zukünftigen Herrschaft überhaupt noch teilnehmen konnten. Dieses Problem löste der Herr durch den Apostel gnädig auf, indem Paulus durch den Heiligen Geist schrieb, dass solche Entschlafenen ganz gewiss mit Christus kommen werden, wenn Gott Ihn vom Himmel her zurück auf die Erde führt, um in Seinem aufgerichteten Reich und Seiner Herrlichkeit zu regieren. Darum sollten sie sich nicht beunruhigen wie jene, die keine Hoffnung haben; „denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die durch Jesum Entschlafenen mit ihm bringen“ (1Thes 4,14). Wie das geschehen kann, wird in der kostbaren und bedeutsamen Einfügung geoffenbart, die unmittelbar folgt: „Denn dieses sagen wir euch im Worte des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel“ (1Thes 4,15.16). Dann werden die toten und die lebenden Heiligen zusammen in Wolken ihrem Herrn entgegengerückt, um Ihm in der Luft zu begegnen und allezeit bei Ihm zu sein. 

Nachdem diese Wahrheit erst einmal eindeutig klargestellt war, wird im folgenden Kapitel (1Thes 5) das Kommen  mit Christus besprochen. Darin geht es ebenfalls um den Tag des Herrn und in welcher Weise er eingeführt wird. Darüber sollten die Heiligen gut Bescheid wissen; denn ihre Aufgabe ist es, diese Wahrheit genau so unzweideutig zu erklären wie die Schrift an der Wand beim Fest des Belsazar (Dan 5). Letztere erschien plötzlich zur Bestürzung des Königs und seiner Gäste, als scheinbar alles von Ausgelassenheit und Frieden zeugte. Geradeso wird der Tag des Herrn wie ein Dieb in der Nacht kommen. „Wenn  sie [nicht: „wir“] sagen: Friede und Sicherheit! dann kommt ein plötzliches Verderben über sie“ (1Thes 5,3). Die arme Welt blieb in der Finsternis zurück, als das „Licht der Welt“ (Joh 8,12) sie verließ. Sie ist, wie es das Kreuz Christi verkündet, zum Gericht verdammt, welches bei Seiner Rückkehr vollzogen wird. Damals begann die Nacht der Welt; und ihre Schwärze hat bis heute angehalten. Die Dunkelheit wurde nur noch vertieft, als sich Namenskirche und Welt die Hand reichten. Erstere erhob nur dann laut ihre Stimme, wenn sie mit ihren gegenwärtigen Reichtümern und Herrlichkeiten prahlte. Sie besitzt jedoch nicht das Gold, welches im Feuer geläutert ist. Sie hat den Namen, dass sie lebt, und ist doch tot (Off 3). 

Für die Menschen mag es ausreichen, wenn Kirche und Staat mit verlockenden goldenen Gefäßen sich unter dem Namen und Banner des Kreuzes sammeln. Sie werden im Namen des Christentums irregeführt. Solche stehen im prahlerischen Gegensatz zu den Heiden ohne Gott. Aber Gott lässt Sich nicht spotten. Er hat einen Tag festgesetzt, an dem Er die gegenwärtige bewohnte Welt in Gerechtigkeit richten wird. Doch auch für die bekennende Kirche in der Gestalt Babylons der Großen mit all dem Rühmen ihrer Schätze wird in  einer Stunde die Verwüstung kommen (Off 18). 

Gott sei Dank! Die Gnade wirkt weiterhin an den Seelen, so dass diese fühlen, wie sehr sie Leben, Errettung und Frieden durch den Glauben an den Tod und das vergossene Blut des alleinigen Heilands benötigen. Er, der beim ersten Mal in diese Welt kam, um ein für alle Mal die Frage der Sünde durch das gewaltige Opfer Seiner Selbst zu entscheiden, wird zum zweiten Mal denen ohne Sünde zur Seligkeit erscheinen, welche glauben und Ihn erwarten (Heb 9,28). Diese gehören als Kinder des Lichts und des Tages zum zukünftigen Tag der Herrlichkeit (1Thes 5,5). Darum werden sie aufgefordert, nicht zu schlafen wie der arme Weltmensch und der Namenschrist, sondern nüchtern zu sein, indem sie den Brustharnisch des Glaubens und der Liebe und als Helm die Hoffnung der Seligkeit anziehen. „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gesetzt, sondern zur Erlangung der Seligkeit durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, auf dass wir, sei es, dass wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben“ (1Thes 5,9.10). Der Apostel Jakobus erklärt, dass „die Ankunft des Herrn nahe gekommen ist“ (Kap. 5,8); darum sollen wir in Geduld warten, indem wir unsere Herzen befestigen. So bestätigt auch Petrus in Übereinstimmung mit dem, was Paulus an die Thessalonicher schreibt, nachdrücklich, dass der Herr die Verheißung nicht verzieht (2Pet 3,9), was immer auch die Weltmenschen oder ungläubigen Skeptiker über die Beständigkeit aller Dinge sagen mögen. Der Herr ist nämlich langmütig und – gepriesen sei Sein Name! – ein Heiland-Gott, der nicht will, „dass irgendwelche verlorengehen, sondern dass alle zur Buße kommen“.  Anders als die Schrift an der Wand in Daniel 5, welche von Gericht ohne Schonung sprach, zögert die Gnade heute noch. „Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst“ (Off 22,17) und werde so errettet. 

Trotzdem wird der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht. Dabei bezeugen die Apostel nicht nur seinen eröffnenden Gerichtstag für die Lebenden (Mt 25,31-46), sondern auch seinen schrecklichen Abschluss, „an welchem die Himmel vergehen werden mit gewaltigem Geräusch, die Elemente aber im Brande werden aufgelöst und die Erde und die Werke auf ihr verbrannt werden“ (2Pet 3,10). Danach folgt, wie wir aus einer anderen Bibelstelle erfahren (Off 20,11-15), das Gericht der Toten vor dem großen weißen Thron. So redet das sich nie irrende Wort Gottes mit einer Sprache, die noch viel ernster ist als die am Fest Belsazars. Alle, die es nicht beachten, werden nicht entfliehen. Sei es das Gericht am Anfang, sei es das Endgericht – es gibt kein Entkommen. Zuletzt stehen die Toten, die großen und die kleinen, vor dem Thron, wo sie erfahren, dass ihre Namen nicht im Buch des Lebens stehen. Dann werden sie gerichtet nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben ist, „nach ihren Werken“. Alle wahren Gläubigen hingegen besitzen ewiges Leben in Christus und sind jetzt schon frei vom Gericht. Sie haben eine lebendige Hoffnung in der Erwartung der Rückkehr ihres Herrn, der sie zu sich nimmt. Anstatt uns vor der Auflösung von Himmel und Erde zu fürchten, können wir, die wir glauben, mit Gewissheit sagen: „Wir erwarten aber, nach seiner Verheißung, neue Himmel und eine neue Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt“ (2Pet 3,13). 

Diese klaren biblischen Aussagen sollten ihre Stimme in unseren Herzen ertönen lassen, während wir auf ihre Erfüllung warten, damit wir bei Seinem Kommen „ohne Flecken und tadellos von ihm erfunden … werden in Frieden“ (2Pet 3,14). Die weltförmigen Namenschristen heutiger Tage jedoch werden in den heiligen Schriften unfehlbar im voraus beschrieben als solche, die mehr das Vergnügen lieben als Gott und eine Form der Gottseligkeit haben, deren Kraft sie verleugnen (2Tim 3,4.5). Dessen ungeachtet bitten wir Gott inständig, dass die ernsten Warnungen, die sich im Fest Belsazars und in seinem heutigen Gegenbild, bestehend aus religiösem Stolz und menschlicher Herrlichkeit, zeigen, an diesem Tag der Langmut und des Heils noch ihren Zweck erfüllen. Er möge die Sorglosen und Gleichgültigen zu wahrer Buße vor Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus aufwecken. Indem sie so zu dem einzigen Zufluchtsort fliehen, entgehen sie dem kommenden Zorn „bei der Offenbarung des Herrn Jesus vom Himmel, mit den Engeln seiner Macht, in flammendem Feuer, wenn er Vergeltung gibt denen, die Gott nicht kennen, und denen, die dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen“ (2Thes 1,7.8). „Siehe,  jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ (2Kor 6,2).


Mit freundlicher Genehmigung des Übersetzers J. Das;
übersetzt aus „Belshazzar’s Feast and the Day of the Lord“

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