Ehre und Anerkennung nach tiefster Erniedrigung
Philipper 2,9-11

Willem Johannes Ouweneel

© Heijkoop-Verlag, online seit: 13.12.2001, aktualisiert: 01.08.2016

Leitverse: Philipper 2,9-11

Phil 2,9-11: Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters.

Das ist das Ende des Weges des Herrn Jesus gewesen und doch nicht das Ende. Glaubst du, dass, als Gott Ihn dort an dem tiefsten Platz sah, wo der Herr Jesus selbst klagen musste: „In den Staub des Todes legst du mich“ (Ps 22,15), Er Ihn dort lassen konnte? Meinst du, dass Gott Ihn im Grab lassen konnte, nachdem Er drei Tage darin gelegen hatte? Unmöglich. Hätte Gott damit nicht gesagt, dass der Herr Jesus das Kreuz und den Tod verdient hatte oder dass sein Werk auf dem Kreuz unzureichend war? Wenn Gott gerecht war – und Gott ist gerecht –, dann musste Er seine Gerechtigkeit beweisen, indem Er den Herrn Jesus aus dem Tod auferweckte, und Er hat das getan.

„Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben [ja, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden!] und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist“ (Phil 2,9). Der Name ist in der Schrift der Ausdruck des Wesens einer Person. Gott hat in dem Namen, den Er Christus gegeben hat, ausgedrückt, was Er in Ihm fand, und Ihm darin zugleich Autorität über alles gegeben. Dieser Mensch, der dort in der tiefsten Tiefe war, umringt von der feindlichen Welt, von einem gottlosen Volk, von Satan und seinen Engeln, die glaubten, dass sie den Sieg haben würden, dieser Mensch ist über alle erhoben. Erhoben über die Welt und die Völker, die Ihn ans Kreuz gebracht haben; erhoben über Satan, denn nun ist der Fürst der Welt hinausgeworfen (Hiob 12,31); erhoben über die Himmel und die Erde, über alle geschaffenen Wesen. Und warum? Weil Er sich so tief erniedrigte, hat Gott Ihn auch hoch erhoben. Sogar darin liegt noch eine praktische Belehrung für uns. Wenn diese Gesinnung in uns ist, werden wir nicht nur mit Ihm leiden, sondern auch mit Ihm verherrlicht werden (Röm 8,17). Wenn wir ausharren, so werden wir auch mit Ihm herrschen (2Tim 2,12). Doch zuerst kommt das Ausharren und das Leiden; die Schrift ist sehr deutlich in diesem Punkt. Je mehr von dieser Gesinnung in uns ist, die in Ihm war, je mehr wir den Platz der Erniedrigung gekannt haben, desto mehr werden wir den Platz der Erhöhung mit dem Herrn Jesus kennen.

Er, der die tiefste Tiefe kennengelernt hat, ist zu der höchsten Höhe erhoben. Gott hat Ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge. Der Name Jesus ist der Name des verachteten, erniedrigten Menschen auf der Erde. Hier steht nicht: Christus [das ist der Titel, den Gott Ihm gegeben hat als der über Zion gesalbte König; Ps 2,6], sondern: Jesus. Und doch: Dieser niedrige Name ist gleichzeitig ein Name, der seine erhabene Gottheit ausdrückt. Bevor der Herr Jesus geboren wurde, sagte der Engel zu Joseph: „Du sollst seinen Namen Jesus heißen; denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“ (Mt 1,21). Sein Volk würde Er erlösen, das ist das Volk Jehovas. Jesus bedeutet: Jehova ist Heiland [oder: Erretter]. Jehova selbst kam zu seinem Volk: „Gott mit uns“, Immanuel (Jes 7,14). Gott kam zu seinem Volk, um es von seinen Sünden zu erretten.

Jehova, der Heiland seines Volkes, nahm seinen Platz in ihrer Mitte als der niedrige, verachtete Jesus von Nazareth ein. Doch in diesem selben Namen Jesus wird jedes Knie sich beugen. Die Knie werden sich nicht nur vor Ihm beugen um deswillen, was Er als Christus ist, wie wahr das auch ist, d.h., weil Er von Gott als König über Zion gesalbt ist (Ps 2,6). Die Knie werden sich vor Ihm beugen um deswillen, was Er als Jesus gewesen ist, als dieser niedrige Mensch, dessen Gesinnung so vollkommen war, dass Er schließlich in den Tod des Kreuzes ging. Das war Jesus. In diesem Namen, der gleichzeitig ausdrückt, dass Er Gott ist [denn wenn Er nicht Gott gewesen wäre, hätte Er sich nicht so erniedrigen können], werden alle Knie sich beugen.

Wie wunderbar sind die Worte Jesajas in diesem Zusammenhang. In Jesaja 42,8 sagt Gott zu seinem Volk: „Ich bin Jehova, das ist mein Name; und meine Ehre gebe ich keinem anderen“ (vgl. Jes 48,11). Doch hier – welch ein scheinbarer Widerspruch! – gibt Gott seine Ehre wohl einem „anderen“. Hier ist Gott, der sich selbst der ewige Heiland nennt (Jes 43,11), und Er gibt seine Ehre dem, der genannt wird „Jehova ist Heiland“, nämlich Jesus. Wie kann das geschehen? Weil dieser Jesus von Nazareth – den wir für nichts geachtet haben, denn Er hatte keine Gestalt, dass wir Ihn begehrt hätten (Jes 53,2.3) – Gott selbst ist: Gott, geoffenbart im Fleisch (1Tim 3,16). Gott mit uns. In Jesaja 45,21-23 sagt Gott: Vor Mir, dem einzigen Gott, den es gibt, wird jedes Knie sich beugen. Hier sehen wir einen Menschen, von Gott erhoben und verherrlicht über alle Dinge, für den Gott von allen Menschen, allen Engeln und dem Teufel und seinen Dämonen fordert, dass sie ihre Knie vor Ihm beugen. Wie ist das möglich? Weil dieser Mensch Gott selbst ist, Gott, der Sohn, der im Schoß des Vaters ist, doch zugleich – welch ein Geheimnis! – als Mensch von dem dreieinen Gott über die ganze Schöpfung verherrlicht ist.

Er wird diese Ehre von denen empfangen, die im Himmel sind, das sind die Gläubigen, die nun im Paradies sind, und die Engel, die den Thron Gottes umgeben. Sie alle jubeln Ihm zu, der von Gott erhöht ist, und werden das in Ewigkeit tun. Und auch alle, die auf der Erde sind, werden ihre Knie beugen. Vielleicht ist ein Ungläubiger in diesem Saal, der sagt: Wie übertreibt ihr in Bezug auf jemanden, der vor zweitausend Jahren gestorben ist. Doch ich sage dir: Du wirst deine Knie vor Jesus von Nazareth beugen! Wenn du dich heute Abend zu Gott bekehrst und den Herrn Jesus als deinen Erlöser annimmst, kannst du nun freiwillig deine Knie beugen. Wenn du das nicht tust, wird eine Zeit kommen, wo du deine Knie vor Ihm beugen musst. Wenn du die Zeit erleben solltest, dass der Herr Jesus wiederkommt, dann wirst du deine Knie hier auf der Erde beugen müssen. Dann werden die Feinde des Herrn ihre Schlösser verlassen und zitternd vor Ihm niederfallen (Mich 7,17). Dann werden Fremde kommen und sich Ihm mit Schmeichelei unterwerfen (Ps 18,44.45; 66,3; 81,15). Mit Schmeichelei, ja, aber sie werden ihre Knie gezwungenermaßen beugen, sogar die Könige (Ps 72,10.11).

Drittens ist hier die Rede von allen, die unter der Erde sind; wörtlich steht hier: die Unterirdischen, das sind die Bewohner des Totenreiches. All die Hunderte Menschen, die in diesem Augenblick ungerettet in die Ewigkeit eingehen, werden an dem Ort des Weinens und des Zähneknirschens sein. Es wird eine Zeit kommen, dass auch sie ihre Knie beugen, wenn sie ihre Augen in der Auferstehung der Ungerechten aufschlagen werden. Dann werden sie vor dem großen weißen Thron stehen. Und wen werden sie dort sitzen sehen? Jesus von Nazareth! Denn das ganze Gericht ist Ihm von dem Vater gegeben (Joh 5,22.27; Apg 17,31). Sie werden dort diesen verachteten Jesus von Nazareth sitzen sehen, und in dem Namen dieses Jesus werden sie ihre Knie beugen müssen. Willst du zu diesen gehören, unbekehrte Seele, die hier heute Abend noch ist? Willst du nicht jetzt deine Knie vor Gott beugen und deine Sünden bekennen und sagen, dass du auch diesen Jesus nötig hast, diesen verachteten Jesus, und dass du das verachtete Kreuz nötig hast, um errettet zu werden? Dann wirst du jetzt deine Knie freiwillig und dankend vor Ihm beugen, der uns alles wert ist und für den wir alles wert waren.

Doch wir werden unsere Knie nicht nur vor Ihm beugen, weil Er Gott ist, nicht nur, weil Er Jehova, der Heiland und Richter ist, sondern hier ist auch dieser zweite Gedanke (Phil 2,11): Gott will auch, dass jede Zunge einmal bekennen wird, dass Jesus Christus Herr ist. Gott hat Ihn auch zum Herrn und zum Christus gemacht, sagt Petrus in Apostelgeschichte 2,36 zu dem Volk. Herr und Christus. Das ist nicht „Herr“ in der Bedeutung von Jehova, denn Jesus ist nicht zu Jehova gemacht. Er ist von Ewigkeit Jehova. Doch als Mensch ist Er von Gott zum Herrn gemacht worden über alle Dinge. Alle Dinge, die im Himmel und auf der Erde sind, werden unter seine Füße gestellt werden. Das ist der Ratschluss Gottes (Eph 1,9.10). Zum Herrn und zum Christus hat Gott Ihn gemacht (Apg 2,36). Nicht nur vor Gott, dem Sohn, sondern auch vor dem Menschen Jesus Christus wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge bekennen müssen, dass Er Herr ist. Wenn du ein Gläubiger bist, dann darfst du Ihn jetzt schon jeden Tag als deinen Herrn bekennen und mit Ihm deinen Weg gehen. Wenn du noch ein Ungläubiger bist, dann wird eine Zeit kommen, wo deine Zunge bekennen muss, dass Er Herr ist, Herr über alle Dinge und über dich. Dann wird Gott, der Vater, doch mit dir zu seinem Ziel kommen und seine Ehre in dir empfangen, der du nun Gott seine Ehre nicht geben willst. Gott wird immer in dem Menschen verherrlicht werden, wenn nicht durch die Erlösung, dann durch das Gericht (vgl. Röm 3,4f.).


Aus Christus unser Leben. Die Briefe an die Philipper und Kolosser, S. 48–52
Heijkoop-Verlag

Weitere Artikel in der Kategorie Anbetung (33)

Weitere Artikel des Autors Willem Johannes Ouweneel (61)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüft aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...