Was bedeutet Gehorsam der Kinder gegenüber ihren Eltern?
Epheser 6,1-7

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 26.11.2014, aktualisiert: 29.11.2017

Leitverse: Epheser 6,1-7

Eph 6,1-7: 1 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn, denn das ist recht. 2 „Ehre deinen Vater und deine Mutter“, welches das erste Gebot mit Verheißung ist, 3 „damit es dir wohl ergehe und du lange lebest auf der Erde.“ 4 Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern zieht sie auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn. 5 Ihr Knechte, gehorcht den Herren nach dem Fleisch mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; 6 nicht mit Augendienerei, als Menschengefällige, sondern als Knechte Christi, indem ihr den Willen Gottes von Herzen tut 7 und mit Gutwilligkeit dient, als dem Herrn und nicht den Menschen.

[…] In den zwei Beziehungen, die wir jetzt hier vor uns haben – Kinder und Eltern, Knechte und Herren –, da ist das anders. Da haben wir nämlich sehr wohl zu tun mit Befehlen von denjenigen, die in der Stellung der Autorität sind (den Eltern, den Herren), und mit Gehorsam derjenigen, die in der Stellung der Unterwürfigkeit sind (der Kinder beziehungsweise der Knechte). Die Kinder beziehungsweise Knechte müssen dem gehorsam sein, was ihnen befohlen wird. 

Der Herr Jesus ist Herr

Darin sehen wir, […] was es bedeutet, dass der Herr Jesus Herr ist. Der Herr Jesus ist nicht nur […] Haupt, sondern auch Herr. Und wir können sehr wohl sagen, dass jede irdische Beziehung von Autorität und Unterwürfigkeit ein Widerspiegeln der Stellung ist, die der Herr Jesus gegenüber dem Gläubigen hat. Zwar ist Er das Haupt seiner Gemeinde, aber Er ist auch gleichzeitig der Herr eines jeden Gläubigen. Der Leib als Ganzes ist dem Herrn untergeordnet, er schuldet Ihm Hingabe und Respekt. Der einzelne Gläubige aber ist dem Herrn Jesus absoluten und bedingungslosen Gehorsam schuldig. Er ist unser Herr, […] so wie ein Sklave das absolute, untrennbare Eigentum seines Herrn ist. Er hat uns um einen Preis erkauft und darum sind wir sein absolutes Eigentum. Wenn wir an den Platz eines Sklaven vor seinem Herrn denken, dann ist klar, dass wir nicht mehr auf dem Boden der Gemeinde sind. Dann finden wir uns auf dem Boden des Reiches Gottes. Denn dort haben wir mit dem Verhalten eines Herrn seinen Untertanen gegenüber zu tun. Ich denke, dass es sehr wichtig ist, sowohl für Kinder als auch für Arbeitnehmer. […]

„Im Herrn“ gehorchen

Neben der Tatsache, dass wir dem Herrn Gehorsam schuldig sind, hat der Herr Jesus uns hier auf der Erde in bestimmte Autoritätsstrukturen hineingesetzt. Und wir können darin nur insoweit gut funktionieren, wenn wir bedenken, dass die Autoritätsstrukturen nur abgeleitete Autorität von Ihm sind. Was bedeutet das nun? Das bedeutet, dass Kinder nur dann gut lernen können, gehorsam zu sein, wenn sie das „im Herrn“ tun, so wie es hier in Vers 1 heißt. Hier steht nicht „in Jesus“ oder „in Christus“, sondern „im Herrn“. Das heißt: Kinder müssen bedenken, dass ihre Eltern Autorität über sie haben, aber dass diese Autorität abgeleitete Autorität ist. Die Eltern haben keine Autorität in sich, sondern die Autorität, die sie haben, haben sie empfangen. Es ist gegebene Autorität; sie haben die Autorität vom Herrn bekommen. Und daher müssen die Kinder den Eltern gehorsam sein. Sie müssen den Eltern nicht gehorsam sein, weil die Eltern sich selbst der Autorität würdig erweisen. Wobei natürlich die Eltern die Pflicht haben, sich ihren Kindern gegenüber so zu verhalten, dass sie es den Kindern leichtmachen, ihnen gehorsam zu sein; das ist ihre Pflicht. Aber das Kind hat sehr wohl zu bedenken, dass seine Eltern in einer Stellung der Autorität sind, weil der Herr ihnen diese Autorität gegeben hat. Und daher ist die Unterwürfigkeit den Eltern gegenüber, der Gehorsam gegenüber den Eltern indirekt eine Form von Gehorsam gegenüber dem Herrn, so wie wir als Untertanen im Reich diesen Gehorsam dem Herrn gegenüber schuldig sind.

Den Eltern gehorchen „als dem Christus“

Wir haben über das Reich in Epheser 5,5 gelesen, dass wir alle ein Erbe in dem Reich des Christus und Gottes haben. Dieses Erbteil empfangen wir bald. Aber wir können uns daran nicht richtig erfreuen, wenn wir nicht zur gleichen Zeit heute schon unseren heute passenden Platz im Reich einnehmen. Und so müssen wir auch bedenken – nicht allein als Kinder gegenüber unseren Eltern –, dass wir dadurch, dass wir unseren Eltern gehorsam sind, indirekt dem Herrn gehorsam sind, so wie wir das als Untertanen dem Herrn gegenüber schuldig sind. Aber so gilt das auch für die Knechte. Und hier steht ganz ausdrücklich: „Ihr Knechte, gehorcht euren Herren als dem Christus“ (Eph 5,5). Das meint: Indirekt sind sie damit dem Herrn gehorsam, und Epheser 5,6 sagt es aufs Neue: „als Knechte Christi“. Epheser 5,7 sagt es wieder: „Und mit Gutwilligkeit dient, als dem Herrn und nicht den Menschen.“ Das geht sehr weit. Das bedeutet: Auch wenn die Eltern verkehrte Dinge von ihren Kindern fordern, dann müssen die Kinder doch gehorsam sein, denn sie haben sich nicht darum zu kümmern, ob die Eltern zu aller Zeit das Vorbild von Christus richtig widerspiegeln. Es kann sehr wohl sein, dass die Eltern Dinge von ihren Kindern wollen, die überhaupt nicht von dem Herrn gewollt sind, dass sie ein verkehrtes Vorbild sind, verkehrte Dinge fordern. Aber es ist nicht Sache der Kinder, sich darum zu kümmern und herauszufinden, wann die Eltern Dinge fordern, die der Herr von ihnen will, und wann sie das nicht tun. 

Kurz gesagt, sie müssen nicht deswegen gehorchen, weil die Eltern zu aller Zeit wirklich die Autorität des Herrn vollkommen widerspiegeln, sondern weil die Eltern in einer Stellung der Autorität sind, müssen die Kinder den Eltern gehorchen als dem Herrn selber, auch wenn die Eltern Dinge fordern, die den Kindern merkwürdig erscheinen oder die sie sich nicht erklären können. Und dann können die Kinder immer noch sagen, dass sie noch nicht erwachsen sind, dass sie nicht gut beurteilen können, was gut ist und was nicht gut ist von dem, was die Eltern fordern (obwohl sie es oft ganz gut beurteilen können). Aber bei dem Knecht ist es noch viel deutlicher. Der Knecht hat eine Meinung von sich selber, er ist ein Bruder in Christus, er kennt die Wahrheit, er ist erwachsen, er kann allzu gut feststellen, ob sein Herr Dinge von ihm fordert, die in Übereinstimmung sind mit dem Willen des Herrn oder nicht. Und doch hat er sich nicht darum zu kümmern, ob dasjenige, was der Herr fordert, nach Gottes Willen ist oder nicht. Er kann es für sich selbst beurteilen, aber das hat mit der Autorität nichts zu tun. Er muss gehorchen, weil sein Herr in der Stellung der Autorität ist, und der Herr Jesus hat ihm diese Stellung gegeben. Er hat das nicht getan mit der Garantie, dass der Herr unfehlbar ist, so wie auch unsere Eltern nicht unfehlbar sind, sondern weil sie in einer Stellung der Autorität sind. Deswegen müssen wir gehorchen. Es ist ein großer Irrtum, Autorität mit Unfehlbarkeit zu verwechseln. […] 

Wir unterwerfen uns den Formen abgeleiteter Autorität. Hierbei handelt es sich um indirekte Autorität des Herrn und dieser Gehorsam ist ein Aspekt unseres Gehorsams als Untertanen im Reich Gottes. So unterwerfen wir uns auch unseren Eltern, weil wir Untertanen unseres Herrn sind. Und Gläubige sind den Arbeitgebern untertan, weil sie Untertanen ihres Herrn sind. So lesen wir auch in Vers 1: „Denn das ist recht.“ Das ist die richtige Ordnung, so wie Gott sie für die Familie eingerichtet hat.

Vater und Mutter ehren

„Ehre deinen Vater und deine Mutter.“ Ich denke, dass das ein außerordentlich wichtiges Wort ist. Ganz bestimmt in einer Zeit wie heute. Wir wissen: Es ist ein Kennzeichen der letzten Tage nach 2. Timotheus 3, dass die Kinder den Eltern ungehorsam sind. Und so ist das auf jedem Lebensgebiet heute. Die Menschen sind den Obrigkeiten gegenüber ungehorsam, sie sind den Eltern ungehorsam, sie sind den Arbeitgebern ungehorsam; es ist ein fundamentaler Grundsatz. Davon bin ich überzeugt. Es ist ein Grundsatz, der durchschlägt durch das ganze Zusammenleben, der auch durchschlägt in die Mitte der Gläubigen, wo man nicht mehr bereit ist, sich zu beugen vor einer Autorität, die der Herr gibt – es sei moralische Autorität von Brüdern oder auch formale Autorität. […] Der Grundsatz des Ungehorsams, des Nicht-gehorchen-Wollens ist eine zerstörerische Kraft für die Gesellschaft im Allgemeinen wie auch für das Christentum. […] Hier sehen wir, in welch einen Rahmen der Gehorsam der Kinder gestellt wird, nämlich in den Rahmen der Ehre gegenüber den Eltern. Die Eltern zu ehren bedeutet, Respekt vor ihnen zu haben. Natürlich liegt darin unmittelbar ein Auftrag für die Eltern. Wir haben die ernste Pflicht, uns so zu verhalten, dass unsere Kinder Respekt vor uns haben. Aber umgekehrt, für die Kinder ist es die ernste Pflicht, Respekt vor den Eltern zu haben, auch da, wo die Eltern sich dessen in jeder Hinsicht unwürdig machen. Denn sie haben Respekt vor den Eltern allein aufgrund der Tatsache, dass es der Mann und die Frau sind, die, auf der natürlichen Ebene gesehen, ihnen das Leben geschenkt haben. Das ist genügend Grund, Ehrerbietung vor den Eltern zu haben […] Natürlich – ich sage es noch mal –, der Respekt muss immer da sein, aber wir haben natürlich auch die Pflicht, uns dieses Respekts unserer Kinder würdig zu erweisen.


Der Artikel ist ein Auszug aus einem Vortrag, der in Holland gehalten wurde.

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