Der gläubige Mensch im Tausendjährigen Reich
Eine veränderte Haltung zur Schöpfung

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 21.12.2005, aktualisiert: 10.10.2016

Einleitung

Die Berufung der Gläubigen hier auf der Erde während des Tausendjährigen Reiches wird völlig verschieden sein von der Berufung der Gläubigen, die jetzt auf der Erde sind. Der offensichtliche Grund dafür ist, dass die Haushaltung des Tausendjährigen Reiches, was die Gläubigen auf der Erde betrifft, eine Haushaltung des Gerichts sein wird.

Gesetz und Gnade

In einem gewissen Sinn gab es Gnade für die Juden. In gewisser Weise gab es sogar im Paradies Gnade. Es kann auch überhaupt kein Handeln mit dem Sünder geben außer in Gnade. Aber die jüdische Haushaltung ist nicht von Gnade geprägt, sondern von Gesetz. Das Gesetz hat mit Werken zu tun, die Gnade jedoch nicht. Es kann niemals ein Abweichen geben von dem Grundsatz, auf dem die Seele vor Gott stehen kann. Doch die Art der Verwaltung, die für eine spezielle Zeit bestimmt ist, ist etwas ganz anderes. Die Haushaltung der Gemeinde [Anm. d. Red.: Darby spricht hier von „Haushaltung“ in einem allgemeineren Sinn. An anderer Stelle hat er darauf hingewiesen, dass genau genommen die Gemeinde keine Haushaltung im engeren Sinne ist] ist in sich selbst Gericht. Die Gemeinde besteht aus Personen, die durch innere Heiligkeit von dem Rest der Welt abgesondert sind. In das äußere Gebilde der Kirche können andere Personen eintreten, aber vom Wesen her ist die Gemeinde eine Versammlung von abgesonderten Personen. In dem Moment, wo sie das nicht ist, hört sie auf, Gemeinde zu sein. Sie besteht aus solchen, die Gott aus der Welt herausgerufen hat. In dem Tausendjährigen Reich wird das nicht so sein, insofern als der Herr Jesus öffentlich die Welt nach einem anderen Grundsatz regieren wird. Bis Satan wieder freigelassen wird, wird es keine Notwendigkeit geben zu zeigen, wer von der Welt ist und wer nicht. Aber der Charakter der Gemeinde ist völlig anders.

Gemeinde im Verfall

Wenn Leute von einer unsichtbaren Gemeinde reden, bedeutet das eigentlich, dass sie vom Abfall sprechen, denn der Herr sagt von der Gemeinde: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Nun, was ist der Nutzen eines unsichtbaren Lichtes? „Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, stellt sie ins Verborgene, noch unter den Scheffel, sondern auf das Lampenständer gestell, damit die Hereinkommenden den Schein sehen“ (Lk 11,33). Ich sage nicht, dass es nicht unsichtbare Gläubige als Einzelpersonen gibt. Aber der Ausdruck „unsichtbare Gemeinde“ bringt mir keinen anderen Gedanken in den Sinn als den von Abfall und dass die Gemeinde aufgehört hat, das zu sein, wofür der Herr sie gesetzt hat – nämlich Licht der Welt zu sein. Die Gemeinde sollte ein deutlich sichtbarer, offenbarter und versammelter „Körper“ sein, während die Welt unter der Herrschaft Satans ist. Und während der heutigen Haushaltung [Anm. d. Red.: siehe unsere Anmerkung oben] besteht diese besondere Offenbarung der Gemeinde. Der Herr hat sich selbst gegeben, um die zerstreuten Kinder Gottes auf dem Erdboden in eins zu versammeln (Joh 11). Diese Einheit kann nur bewahrt werden durch die Kraft und Energie des Heiligen Geistes. Wo immer der Heilige Geist betrübt worden ist, hat die Gemeinde aufgehört, das in der Welt zu erfüllen, wozu sie gesandt war. Und das, obwohl Gottes Pläne sich nicht geändert haben. Dann ist die Gemeinde nicht eins, und die Welt glaubt nicht, dass der Vater Jesus gesandt hat. Die Kirche wird in der Herrlichkeit, die ihr gegeben worden ist, offenbar werden, damit dadurch, dass sie eins sind, die Welt wisse, dass der Vater sie geliebt hat, wie Er Jesus geliebt hat. Das wird im Tausendjährigen Reich bekannt sein. Dann wird der Heilige Geist nicht mehr im Verborgenen wirken, wie Er es jetzt tut, sondern es wird sich in der Welt die Herrschaft Gottes in Gerechtigkeit offenbaren.

Eine veränderte Haltung zur Schöpfung im Tausendjährigen Reich

Die eigentliche Pflicht der Gläubigen heute ist, durch verborgene Verbindung mit Christus dem Bösen zu widerstehen, so dass durch Leiden und Gnade Christus an ihnen sichtbar wird. Alle die schönen Charakterzüge der Gemeinschaft mit Christus werden sichtbar, „damit die Bewährung eures Glaubens, viel kostbarer als die des Goldes, das vergeht, aber durch Feuer erprobt wird, befunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“ (1Pet 1,7). Das Gefäß auf der Erde wird in den Ofen gebracht, und wenn es herauskommt, strahlt es all das aus, was in den Gedanken des Meisters war. Im Tausendjährigen Reich werden wir scheinen wie die Sonne im Reich des Vaters, und die Regierung wird von dem Sohn des Menschen ausgehen. Eine neue Natur ist immer notwendig, um Gemeinschaft mit Gott zu haben. Derjenige, der von Gott belehrt ist, weiß, dass seine alte Natur schlecht ist, und er lernt durch Erfahrung, „dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“ (Röm 7,18). Die Erkenntnis dieses Grundsatzes hatte der Gläubige aus den Juden, wie ich glaube, und er hatte eine neue Natur, die über der Haushaltung an sich stand. Wenn er sagen konnte: Ich habe „Wohlgefallen“ an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen“  (Röm 7,22), dann hatte er eine neue Natur und den Geist Christi, wie der Apostel sagt, obwohl er nicht über die Stellung der Haushaltung, in der er war, hinauskommen konnte. Aber im Tausendjährigen Reich wird es so sein, dass nicht nur der von neuem geborene Mensch ein neues Geschöpf sein wird, sondern die Schöpfung selbst wird neu sein. Satan wird dann nicht die Möglichkeit haben, durch unsere Lüste Verderben hineinzubringen. In der jetzigen Zeit ist die ganze Schöpfung der Nichtigkeit unterworfen. Dann wird das nicht mehr so sein. Immer noch wird dann der Mensch in seinem natürlichen Dasein existieren, aber die ganze Schöpfung wird nicht mehr tatsächlich auch der Nichtigkeit unterworfen sein. Wir sind der Nichtigkeit unterworfen. Das bringt der Wille des Menschen und die Herrschaft Satans über diesen Willen mit sich. Wenn es ihm erlaubt wird, kann Satan einen großen Wind über Hiobs Haus bringen. Wenn der Herr einmal als der letzte Adam kommt, wird der Gläubige frei sein aus der ganzen gegenwärtigen Unterwerfung unter Nichtigkeit – sie wird vorbei sein, weil Satan gebunden sein wird.

Durch unsere gefallene Natur und die Lüste ist die Schöpfung völlig unter Satans Macht. Das heißt natürlich nicht, dass er auch nur ein bisschen mehr tun kann, als ihm erlaubt wird. Je gesegneter ein Mensch ist und desto mehr Segen er einmal haben wird, desto mehr wird er Gott genießen. Heute ist das nicht so. Ich glaube, dass sie dann einen Genuss von natürlichem Glück haben werden, von dem wir uns heute kaum eine Vorstellung machen können. Gott hat die Nichtigkeit auf alles gelegt, was unter der Sonne ist. Was immer wir uns als Gegenstand aussuchen, es zieht uns von Gott ab. Deswegen müssen wir Zurückhaltung üben in Bezug auf Freude an den Dingen der Natur, so wie die Sicherheit des Totschlägers in der Zufluchtstadt lag, obwohl wir Freiheit haben durch andere Hoffnungen. Es wird einen großen Unterschied geben zwischen der Stellung der Gläubigen auf der Erde und unserer in dieser Hinsicht. Die Zuneigung ihrer Herzen können sich voll entfalten auf alles, was um sie herum ist. Das Glück der Gläubigen auf der Erde wird darin bestehen, die Fülle an Freude und Segen durch Christus einander zu bringen: ihre Freude wird nicht nur darin bestehen, selbst gesegnete Empfänger zu sein, sondern indem sie den Sinn und die Freude des Segenspenders haben. Wer Verwalter in der Regierung ist, wird Segensdiener sein. Dann wird die Verheißung erfüllt: „Sie werden nicht bauen und ein anderer es bewohnen, sie werden nicht pflanzen und ein anderer essen; denn gleich den Tagen der Bäume sollen die Tage meines Volkes sein, und meine Auserwählten werden das Werk ihrer Hände verbrauchen“ (Jes 65,22).

Wenn Christus regiert

Heute gilt ein anderer Grundsatz: „Der eine sät, der andere erntet.“ Einer ist es, der sät, und ein anderer, der erntet (Joh 4,37). Weil es dann keine Versuchung gibt, der sie widerstehen müssen, werden sie nicht nur ihre Herzen nicht bewachen müssen gegen das Fleisch, sondern wenn Christus dann die Welt regiert, werden die Menschen auf eine gesetzmäßige Art und Weise alles genießen, was in der Welt ist. Wenn dann einmal die Versuchung kommt, dann werden solche, die keinen Glauben haben, versagen. Kein Heuchler kann die natürlichen Dinge in Bezug auf Gott genießen; aber weil es keine Versuchung gibt, um sein Böses herauszubringen, bleibt es ihm unbekannt. „Der aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es alsbald mit Freuden aufnimmt“ (Mt 13,20). Dieser Mensch war kein Heuchler, aber als die Versuchung kam, da ärgerte er sich, weil sein Glaube nicht gegründet war.


Auszug aus „The Value of Scripture Knowledge“ aus Collected Writings, Bd. 32, S. 276–278

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