Psalm 89

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 17.02.2014, aktualisiert: 18.10.2016

Die Gnadenerweise Jahwes, sichergestellt für Israel durch die Treue Gottes

In Psalm 88 erfährt der Gottesfürchtige stellvertretend für das Volk Israel im Angesicht Jahwes, dass die Sünde und ein Bruch des Gesetzes die Seele unter das Gericht Jahwes bringen, vor dem es keine Rettung gibt außer Jahwe selbst, auf den der Glaube schaut.

In Psalm 89 erwartet der gottesfürchtige Überrest die Rettung, also das Heil, von der Barmherzigkeit Gottes und der Treue Gottes zu seinem Bund mit David, die den Segen sicherstellt, auch wenn das Volk eine Zeitlang verstoßen ist.

Verse 2.3

Ps 89,2.3: 2 Die Gütigkeiten des HERRN will ich besingen in Ewigkeit, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund kundmachen deine Treue. 3 Denn ich sagte: In Ewigkeit wird die Güte gebaut werden; die Himmel, in ihnen wirst du feststellen deine Treue.

Die Anfangsverse stellen das große Thema des Psalms vor: die Gnadenerweise und die Treue Gottes – im Gegensatz zu der Sünde und dem Versagen des Volkes, um die es im Psalm 88 geht –, und überdies stellt uns der Psalm die großartige Tatsache vor Augen, dass nicht nur Gnade und Treue bei Gott zu finden sind, sondern dass diese segensreichen Eigenschaften durch nichts beeinträchtigt werden können, was der Mensch tun kann. Für die zerstörerische Hand des Menschen sind sie außer Reichweite. Die Gnade ist auf ewig erbaut; und die Treue ist gar im Himmel fest gegründet.

Verse 4.5

Ps 89,4.5: 4 Einen Bund habe ich mit meinem Auserwählten geschlossen, habe David, meinem Knecht, geschworen: 5 „Bis in Ewigkeit will ich feststellen deine Nachkommen, und auf alle Geschlechter hin bauen deinen Thron.“ – Sela.

Die folgenden beiden Verse geben den Bund der Gnade mit David wieder, der durch die Treue Jahwes sichergestellt ist (2Sam 23,5; Apg 13,34).

Verse 6-9

Ps 89,6-9: 6 Und die Himmel werden deine Wunder preisen, HERR, und deine Treue in der Versammlung der Heiligen. 7 Denn wer in den Wolken ist mit dem HERRN zu vergleichen? Wer ist dem HERRN gleich unter den Söhnen der Starken? 8 Er ist ein Gott, schrecklich in der Versammlung der Heiligen, und furchtbar über alle, die rings um ihn her sind. 9 HERR, Gott der Heerscharen, wer ist mächtig wie du, o Jah? Und deine Treue ist rings um dich her.

Dann preist der Psalmist die Herrlichkeit Jahwes – desjenigen, der den Bund mit David geschlossen hat. Die Himmel verkünden seine Wunder und die Heiligen seine Treue. Keine Kreatur kann mit Jahwe verglichen werden. In seiner überragenden Herrlichkeit als Gott kann niemand mit Ihm verglichen werden. In der Versammlung seiner Heiligen wird Ihm ehrerbietige Furcht entgegengebracht. Als HERR, Gott der Heerscharen, ist seine Kraft die größte im Universum, und Er handelt in Treue rings um sich her.

Verse 10.11

Ps 89,10.11: 10 Du beherrschst das Toben des Meeres; erheben sich seine Wogen – du stillst sie. 11 Du hast Rahab zertreten wie einen Erschlagenen; mit deinem starken Arm hast du deine Feinde zerstreut.

Die Gottesfürchtigen rufen sich in Erinnerung, wie Jahwe seine Macht ausgeübt hat, als Er am Roten Meer die Macht Ägyptens („Rahab“) zerbrach und seine Feinde mit seinem starken Arm zerstreute.

Verse 12-15

Ps 89,12-15: 12 Dein sind die Himmel, und dein ist die Erde; der Erdkreis und seine Fülle, du hast sie gegründet. 13 Norden und Süden, du hast sie erschaffen; Tabor und Hermon jubeln in deinem Namen. 14 Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist deine Hand, hoch deine Rechte. 15 Gerechtigkeit und Gericht sind die Grundfeste deines Thrones; Güte und Wahrheit gehen vor deinem Angesicht her.

Überdies ist Jahwe durch seine Rechte als Schöpfer der Eigentümer des Himmels und der Erde, und wenn Er die Macht der Welt, dargestellt durch Ägypten, niederwirft, geschieht das, um durch seinen gewaltigen Arm seinen Thron zu errichten, den Gerechtigkeit und Recht, Gnade und Treue (bzw. Wahrheit) kennzeichnen.

Verse 16-19

Ps 89,16-19: 16 Glückselig das Volk, das den Jubelschall kennt! HERR, im Licht deines Angesichts wandeln sie. 17 In deinem Namen frohlocken sie den ganzen Tag, und durch deine Gerechtigkeit werden sie erhöht. 18 Denn die Zierde ihrer Stärke bist du; und durch deine Gunst wird unser Horn erhöht werden. 19 Denn der HERR ist unser Schild, und der Heilige Israels ist unser König.

Überdies wird sein Thron errichtet, damit Er in der Mitte eines Ihn preisenden Volkes wohnen kann, das sich seiner Gunst erfreut und das in Gerechtigkeit erhöht wird. Ein Volk, für das Jahwe die Zierde ist, die Stärke, der Schutz (bzw. Schild) und der König.

Verse 20-29

Ps 89,20-29: 20 Einst redetest du im Gesicht zu deinen Frommen und sagtest: Hilfe habe ich auf einen Mächtigen gelegt, ich habe einen Auserwählten erhöht aus dem Volk. 21 Ich habe David gefunden, meinen Knecht – mit meinem heiligen Öl habe ich ihn gesalbt –, 22 mit dem meine Hand fest bleiben soll, und mein Arm soll ihn stärken. 23 Nicht soll ihn drängen der Feind, und der Sohn der Ungerechtigkeit ihn nicht bedrücken; 24 und ich will seine Bedränger vor ihm zerschmettern, und seine Hasser will ich schlagen. 25 Und meine Treue und meine Güte werden mit ihm sein, und durch meinen Namen wird sein Horn erhöht werden. 26 Und ich will seine Hand an das Meer legen, und seine Rechte an die Ströme. 27 Er wird mir zurufen: Mein Vater bist du, mein Gott, und der Fels meiner Rettung! 28 So will auch ich ihn zum Erstgeborenen machen, zum Höchsten der Könige der Erde. 29 Ewig will ich ihm meine Güte bewahren, und mein Bund soll ihm fest bleiben.

Die folgenden Verse beschreiben ausführlich den mit David geschlossenen Bund und die Zusage von Gottes Treue seinem Bund gegenüber. Gott hatte in einer Vision zu Nathan über David gesprochen (2Sam 7,4-17), über denjenigen, der aus dem Volk erwählt und erhöht wurde; gesalbt als Knecht des Herrn (Ps 89,21); siegreich über all seine Feinde (Ps 89,22-24); gefestigt durch Gottes Treue und Gnade, um über das Land in vollem Umfang, wie es Abraham gegeben wurde, zu herrschen, nämlich vom Meer (dem Mittelmeer) bis zu den Strömen (dem Euphrat und dem Nil); über denjenigen, der dazu bestimmt war, in Abhängigkeit von Gott, seiner Stärke und seinem Heil (Ps 89,27) zu herrschen und so der Höchste unter den Königen der Erde zu sein (Ps 89,28). Ihm würde Gott seine Gnade ewig bewahren; und ihm sollte Gottes Bund fest bleiben (Ps 89,29).

In dieser schönen Beschreibung der Herrlichkeiten Davids sollen wir sicherlich Christus, den wahren gesalbten König Israels, sehen, für den David nur ein Bild war.

Verse 30-38

Ps 89,30-38: 30 Und ich will seinen Samen einsetzen auf ewig, und seinen Thron wie die Tage der Himmel. 31 Wenn seine Söhne mein Gesetz verlassen und nicht wandeln in meinen Rechten, 32 wenn sie meine Satzungen entweihen und meine Gebote nicht halten, 33 so werde ich ihre Übertretung mit der Rute heimsuchen, und ihre Ungerechtigkeit mit Schlägen. 34 Aber meine Güte werde ich nicht von ihm weichen lassen und meine Treue nicht verleugnen. 35 Nicht werde ich entweihen meinen Bund und nicht ändern, was hervorgegangen ist aus meinen Lippen. 36 Einmal habe ich geschworen bei meiner Heiligkeit: Wenn ich David belüge! 37 Sein Same wird ewig sein und sein Thron wie die Sonne vor mir; 38 ewig wird er feststehen wie der Mond; und der Zeuge in den Wolken ist treu. – Sela.

Die folgenden Verse beschreiben die Nachkommen Davids. Bei seinen Nachkommen besteht die Möglichkeit des Versagens und der sich daraus ergebenden Konsequenzen durch Gottes Herrschaftshandeln (Ps 89,31-33). Dennoch wird Gott seine Gnade nicht völlig von ihnen abziehen und auch seine Treue nicht verleugnen. Gott wird seinen Bund nicht brechen und das Wort nicht ändern, das über seine Lippen gekommen ist (Ps 89,34-35). Die Heiligkeit Gottes ist ein Zeuge dafür, dass Gott sein Wort nicht ändern kann, durch das Er David und seinen Nachkommen den Segen zusichert.

Verse 39-46

Ps 89,39-46: 39 Du aber hast verworfen und verstoßen, bist sehr zornig gewesen gegen deinen Gesalbten; 40 du hast verworfen den Bund deines Knechtes, hast zu Boden entweiht seine Krone; 41 du hast niedergerissen alle seine Mauern, hast seine Festungen in Trümmer gelegt. 42 Alle, die auf dem Weg vorübergehen, haben ihn beraubt; er ist zum Hohn geworden seinen Nachbarn. 43 Du hast die Rechte seiner Bedränger erhöht, hast alle seine Feinde erfreut; 44 auch hast du zurückgewandt die Schärfe seines Schwertes und hast ihn nicht bestehen lassen im Kampf; 45 du hast aufhören lassen seinen Glanz und zur Erde gestürzt seinen Thron; 46 du hast die Tage seiner Jugend verkürzt, mit Schmach hast du ihn bedeckt. – Sela.

Doch leider scheiterten die Nachkommen Davids völlig und wurden niedergerissen. Sie verließen das Gesetz und wandelten nicht in Gottes Rechtsbestimmungen; sie brachen seine Ordnungen und hielten seine Gebote nicht (Ps 89,31.32). So kam die angedrohte Rute (Ps 89,33) über das Volk. Es wurde verworfen und allem Anschein nach wurde der Bund aufgehoben. Sein Land wurde verwüstet und es selbst wurde zum Sport gemacht; seine Feinde wurden über es erhöht; sein Ruhm verging; sein Thron wurde gestürzt und es wurde mit Schmach bedeckt.

Verse 47-53

Ps 89,47-53: 47 Bis wann, HERR, willst du dich immerfort verbergen, soll wie Feuer brennen dein Grimm? 48 Gedenke, was meine Lebensdauer ist, zu welcher Nichtigkeit du alle Menschenkinder erschaffen hast! 49 Welcher Mann lebt und wird den Tod nicht sehen, wird seine Seele befreien von der Gewalt des Scheols? – Sela. 50 Wo sind, o Herr, deine früheren Gütigkeiten, die du David zugeschworen hast in deiner Treue? 51 Gedenke, Herr, des Hohnes deiner Knechte, dass ich in meinem Innern trage den Hohn all der vielen Völker, 52 womit deine Feinde verhöhnt haben, HERR, womit sie verhöhnt haben die Fußstapfen deines Gesalbten! 53 Gepriesen sei der HERR in Ewigkeit! Amen, ja, Amen!

Doch inmitten aller Schmach leuchtet der Glaube des Überrestes auf. Die Übriggebliebenen erkennen, dass die Züchtigung des HERRN eine Grenze hat. Daher fragen sie: „Bis wann, Jahwe?“ Sie bitten Gott darum, an die menschliche Gebrechlichkeit zu denken (Ps 89,48.49). Sie berufen sich auf die frühere Gnade, die Gott David erwiesen hatte. Sie machen den Hohn ihrer Feinde geltend. So groß ihr Versagen auch ist, sagen sie, sind sie doch Gottes Knechte, und ihre Feinde sind seine Feinde, und sie haben Gottes Gesalbten verhöhnt.

Sie warten auf eine Antwort, auf die Erhörung ihres Gebets, aber in dem Wissen, dass diese kommen muss, da Gottes Treue nicht enden kann, sagen sie: „Gepriesen sei der Herr ewig! Amen, ja Amen.“

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Übersetzung: S. Bauer


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