Psalm 71

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 15.12.2013, aktualisiert: 18.10.2016

Die Erfahrung eines gottesfürchtigen Israeliten als Veranschaulichung von Gottes Wegen mit Israel vom Beginn seiner Geschichte an, bis das Volk an einem Tag, der noch kommen wird, erneuert werden wird

Verse 1-3

Ps 71,1-3: 1 Zu dir, HERR, nehme ich Zuflucht: Lass mich niemals beschämt werden! 2 In deiner Gerechtigkeit befreie mich und errette mich! Neige dein Ohr zu mir und schaffe mir Rettung! 3 Sei mir ein Fels zur Wohnung, zu dem ich stets gehen kann! Du hast geboten, mich zu retten, denn du bist mein Fels und meine Burg.

Der Psalm beginnt mit einer Bekundung des Vertrauens auf Gott und einer Bitte an Gott, gerecht zu handeln und die Befreiung aus der Knechtschaft herbeizuführen. In Gott findet die Seele ihre unerschöpfliche Hilfsquelle; in seinen Worten ihren sicheren Grund. Wenn Gott sein Gebot gegeben hat, dass Israel gesegnet werden soll, dann kann die gläubige Seele an Gottes Gerechtigkeit appellieren, sein Wort zu erfüllen.

Verse 4-9

Ps 71,4-9: 4 Mein Gott, errette mich aus der Hand des Gottlosen, aus der Faust des Ungerechten und des Gewalttätigen! 5 Denn du bist meine Hoffnung, Herr, HERR, meine Zuversicht von meiner Jugend an. 6 Auf dich habe ich mich gestützt von Mutterschoß an, aus meiner Mutter Leib zogst du mich hervor; von dir ist stets mein Lobgesang. 7 Vielen bin ich wie ein Wunder; du aber bist meine starke Zuflucht. 8 Mein Mund ist erfüllt von deinem Lob, von deinem Ruhm den ganzen Tag. 9 Verwirf mich nicht zur Zeit des Alters; beim Schwinden meiner Kraft verlass mich nicht!

Die folgenden Verse erzählen von der Güte Gottes in der Vergangenheit. Der gottesfürchtige Mensch befindet sich in den Händen der gottlosen, ungerechten und grausamen Menschen; doch wegen Gottes Güte ihm gegenüber in der Vergangenheit ist der HERR Jahwe weiterhin seine Hoffnung. Von seiner Geburt an war Gott seine Zuflucht gewesen, und in allen Wechselfällen seiner langen Geschichte hatte Gott ihn gestützt, so dass seine Bewahrung für viele ein Wunder geworden war. Nun am Ende seiner Geschichte schaut er auf Gott und erwartet, dass er zum Lob und zum Ruhm Gottes bewahrt wird und nicht in der Zeit seiner Schwäche verworfen wird.

Wie genau bezeugen doch diese Erfahrungen Gottes Wege mit Israel! In seiner ganzen langen Geschichte hatte es immer einen „Überrest nach Auswahl der Gnade“ [Röm 11,5] gegeben; den beständigen Beweis dafür, dass Gott das Volk nicht verworfen hatte. Seine Bewahrung als von den Heiden abgesondertes Volk, obwohl es aufgrund seiner Sünden von den Mächten der Welt geknechtet wurde, ist ein andauerndes Wunder für die Welt.

Verse 10-13

Ps 71,10-13: 10 Denn meine Feinde haben von mir geredet, und die auf meine Seele lauern, haben miteinander beraten; 11 und sie sagen: Gott hat ihn verlassen; verfolgt und greift ihn, denn kein Erretter ist da! 12 O Gott, sei nicht fern von mir; mein Gott, eile zu meiner Hilfe! 13 Lass beschämt werden, lass vergehen, die gegen meine Seele sind! Lass mit Hohn und Schande bedeckt werden, die mein Unglück suchen!

Dennoch findet sich der gottesfürchtige Mensch inmitten von Feinden wieder, die sich ohne Furcht vor Folgen gegen ihn verschworen haben, denn sie sagen: „Gott hat ihn verlassen.“ So werden die Heiden in den letzten Tagen das jüdische Volk verfolgen, ohne Gott zu fürchten. Die Umstände werden tatsächlich den Anschein erwecken, Gott hätte es verlassen.

Verse 14-16

Ps 71,14-16: 14 Ich aber will beständig harren und all dein Lob vermehren. 15 Mein Mund soll deine Gerechtigkeit erzählen, den ganzen Tag deine Rettung; denn ich weiß sie nicht zu zählen. 16 Ich werde mit den Machttaten des Herrn, HERRN, kommen, werde mich an deine Gerechtigkeit erinnern, an dich allein.

Diese Zeit der Prüfung wird den Glauben der Gottesfürchtigen anregen, die auf Gott schauen und von Ihm erwarten werden, ihnen zu Hilfe zu eilen, indem Er ihre Feinde zuschanden macht. Die Prüfungszeit wird dazu führen, dass Gottes Lob vermehrt und seine Gerechtigkeit den ganzen Tag lang als etwas unzählbar Großes verkündet werden wird. Also greift der gottesfürchtige Mensch, wenn seine eigene Kraft schwindet, auf die Kraft Gottes zurück.

Verse 17.18

Ps 71,17.18: 17 Gott, du hast mich gelehrt von meiner Jugend an, und bis hierher habe ich deine Wundertaten verkündet. 18 Und auch bis zum Alter und bis zum Greisentum verlass mich nicht, o Gott, bis ich deinen Arm dem künftigen Geschlecht verkünde, allen, die kommen werden, deine Macht!

Die Geschichte dieses gottesfürchtigen Menschen bezeugt Gottes „Wundertaten“. In seinem hohen Alter hat er immer noch das Verlangen, für zukünftige Generationen ein Zeuge von Gottes starkem Arm und seiner Macht zu sein. Genauso hat die Geschichte Israels durch lange Zeitalter hindurch Gottes wunderbare Werke der Gerechtigkeit bezeugt; und im hohen Alter des Volkes wird es durch seine Rettung und Wiederherstellung ein Zeuge der mächtigen Kraft Gottes sein.

Verse 19.20

Ps 71,19.20: 19 Und deine Gerechtigkeit, o Gott, reicht bis zur Höhe; du, der du große Dinge getan hast, o Gott, wer ist wie du? 20 Du, der du uns viele Bedrängnisse und Übel hast sehen lassen, du wirst uns wieder beleben und uns wieder heraufführen aus den Tiefen der Erde.

Die Gerechtigkeit Gottes, die über das Böse in seinem Volk nicht hinweggehen konnte, erwies sich in den notvollen Prüfungen, durch die Gott es schickte. Seine lebendig machende Macht wird zu sehen sein, wenn Er das Volk wiederbeleben und es wieder heraufführen wird aus den Tiefen der Erde, wo es so lang unter den Heidenvölkern vergraben war.

Verse 21-24

Ps 71,21-24: 21 Du wirst meine Größe mehren, und du wirst dich wenden und mich trösten. 22 Auch will ich dich preisen mit der Harfe, ja, deine Wahrheit, mein Gott! Ich will dir Psalmen singen mit der Laute, du Heiliger Israels! 23 Jubeln werden meine Lippen, wenn ich dir Psalmen singe, und meine Seele, die du erlöst hast; 24 auch meine Zunge wird von deiner Gerechtigkeit reden den ganzen Tag; denn beschämt, denn mit Scham sind bedeckt worden, die mein Unglück suchen.

Die Größe und die Pracht des wiederhergestellten Israels wird die frühere Größe des Volkes übersteigen. Nach seinen notvollen Prüfungen wird es umfassenden Trost erfahren. Von seinen Feinden befreit, wird es zum Preis Gottes, des Heiligen Israels, da sein; desjenigen, der es in Gerechtigkeit erlöst und all seine Feinde mit Scham bedeckt hat.

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Übersetzung: S. Bauer


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