Psalm 86

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 05.02.2014, aktualisiert: 29.01.2018

Die Bitte eines Gottesfürchtigen an Jahwe, seinen Ruf zu erhören (Ps 86,1), auf sein Flehen zu horchen (Ps 86,6), ihn den Weg des Herrn zu lehren (Ps 86,11) und ihn vor bösen Menschen zu retten (Ps 86,16)

In diesem Psalm kommt die Anrede „Herr“ (oder „Adonai“) siebenmal vor. Dies weist auf die Herrschaft Christi über alles hin und setzt voraus, dass der Sprechende den Platz eines Dieners einnimmt, der auf seinen Herrn schaut (Ps 86,2.4.16).

Verse 1-5

Ps 86,1-5: 1 Ein Gebet von David. Neige, HERR, dein Ohr! Erhöre mich, denn ich bin elend und arm! 2 Bewahre meine Seele, denn ich bin fromm; rette du, mein Gott, deinen Knecht, der auf dich vertraut! 3 Sei mir gnädig, Herr, denn zu dir rufe ich den ganzen Tag! 4 Erfreue die Seele deines Knechtes, denn zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele! 5 Denn du, Herr, bist gut und zum Vergeben bereit und groß an Güte für alle, die dich anrufen.

Der Psalm beginnt mit einem Ruf an Jahwe, dem Ruf eines Beters zuzuhören, der sich seiner Bedürftigkeit bewusst ist und geltend machen kann, dass er „fromm“ bzw. heilig [nach der englischen Übersetzung] ist – d.h., dass er Gott fürchtet und auf Gott vertraut.

Der Gottesfürchtige spürt, dass er täglicher Gnade und Vergebung bedarf, und erkennt, dass der Herr groß an Gnade ist gegen alle, die Ihn anrufen.

Verse 6-10

Ps 86,6-10: 6 Nimm zu Ohren, HERR, mein Gebet, und horche auf die Stimme meines Flehens! 7 Am Tag meiner Bedrängnis werde ich dich anrufen, denn du wirst mich erhören. 8 Keiner ist wie du, Herr, unter den Göttern, und nichts ist deinen Werken gleich. 9 Alle Nationen, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen verherrlichen. 10 Denn du bist groß und tust Wunder, du bist Gott, du allein.

In den folgenden Versen betet der Bittende, Gott möge noch mehr tun, als seinen Ruf zu hören. Er wünscht sich, dass Gott auf sein Flehen „horchen“ und seine Anrufung „erhören“ möge. Er fühlt, dass Gott am Tag der Bedrängnis sein Volk erhören muss. Hier beruft sich der Gottesfürchtige auf die Größe und die Macht des Herrn, wie er sich zuvor auf die Gnade des Herrn berufen hatte. Keiner ist wie der Herr; nichts gleicht seinen Werken. Er hat alle Völker zu seiner eigenen Herrlichkeit gemacht. Er ist groß und tut Wunder. Er allein ist Gott.

Verse 11-13

Ps 86,11-13: 11 Lehre mich, HERR, deinen Weg: Ich werde wandeln in deiner Wahrheit; einige mein Herz zur Furcht deines Namens. 12 Ich will dich preisen, Herr, mein Gott, mit meinem ganzen Herzen, und deinen Namen verherrlichen in Ewigkeit. 13 Denn deine Güte ist groß gegen mich, und du hast meine Seele aus dem untersten Scheol errettet.

Des Weiteren wünscht sich der Psalmist nicht nur eine Erhörung seines Rufs am Tag der Bedrängnis, sondern er begehrt auch, den Weg Jahwes gelehrt zu werden, um in der Wahrheit wandeln und denjenigen verherrlichen zu können, der in seiner Gnade seine Seele aus dem tiefsten Totenreich errettet hat.

Verse 14-17

Ps 86,14-17: 14 Gott, Übermütige sind gegen mich aufgestanden, und die Rotte der Gewalttätigen trachtet nach meinem Leben! Und sie haben dich nicht vor sich gestellt. 15 Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit. 16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig! Gewähre deinem Knecht deine Kraft, und rette den Sohn deiner Magd! 17 Erweise mir ein Zeichen zum Guten, dass meine Hasser es sehen und beschämt werden, weil du, HERR, mir geholfen und mich getröstet hast.

Zum Schluss ruft der Gottesfürchtige wegen seiner Feinde zu Gott. Er ist von Übermütigen umgeben, die gegen ihn aufgestanden sind; von Gewalttätigen, die ihn bekämpfen; und von Gesetzlosen, die ohne Gottesfurcht leben.

Dennoch – wenn auch die Gottlosen gegen den Psalmisten sind, so ist Gott doch für ihn. Und der Gott, der für ihn ist, ist barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Gnade und Wahrheit. Daher bittet er, wenn sich die Menschen auch gegen ihn wenden, dass Gott sich ihm zuwenden möge, ihn kräftigen und vor seinen Feinden retten möge. So würde das offenkundige Wohlwollen des Herrn diejenigen beschämen, die ihn hassen, und alle würden sehen, dass Jahwe ihm geholfen und ihn getröstet hat.

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Übersetzung: S. Bauer


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