Psalm 10

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 19.09.2012, aktualisiert: 18.10.2016

Der Ausdruck des Vertrauens in Gott seitens des jüdischen Überrestes in der Zeit ihrer größten Not unter der Herrschaft des Antichristen

Prophetisch beschreibt der Psalm die Stellung der gottesfürchtigen Juden im Land Israel inmitten eines vom Glauben abgefallenen Volkes unter der Herrschaft des Antichristen am Ende des Zeitalters.

Vers 1

Ps 10,1: Warum, HERR, stehst du fern, verbirgst dich in Zeiten der Drangsal?

Es ist nicht nur die Sündhaftigkeit des Antichristen, wie sie ihren Höhepunkt erreicht, die die Qual des Überrestes verursacht, sondern auch die Tatsache, dass es ihm dabei äußerst gut geht, während Gott zulässt, dass die Gottesfürchtigen leiden. Überdies verbirgt Gott scheinbar sein Gesicht, als ob Er gleichermaßen ungerührt wäre von dem Wohlergehen der Gottlosen und dem Leiden der Gottesfürchtigen.

Verse 2-11

Ps 10,2-11: 2 In seinem Hochmut verfolgt der Gottlose hitzig den Elenden. Sie werden gefangen werden in den Anschlägen, die sie ersonnen haben. 3 Denn der Gottlose rühmt sich der Gier seiner Seele; und der Habsüchtige segnet – er verachtet den HERRN. 4 Der Gottlose spricht in seinem Hochmut: Er wird nicht nachforschen. Alle seine Gedanken sind: Es ist kein Gott! 5 Seine Wege gelingen allezeit; hoch sind deine Gerichte, weit von ihm entfernt; alle seine Widersacher – er bläst sie an. 6 Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nicht wanken; von Geschlecht zu Geschlecht werde ich in keinem Unglück sein. 7 Sein Mund ist voller Fluch und Trug und Bedrückung; unter seiner Zunge ist Mühsal und Unheil. 8 Er sitzt im Hinterhalt der Gehöfte, in Verstecken ermordet er den Unschuldigen; seine Augen spähen dem Unglücklichen nach. 9 Er lauert im Versteck wie ein Löwe in seinem Dickicht; er lauert, um den Elenden zu fangen; er fängt den Elenden, indem er ihn in sein Netz zieht. 10 Er duckt sich, bückt sich, und in seine starken Klauen fallen die Unglücklichen. 11 Er spricht in seinem Herzen: Gott vergisst; er verbirgt sein Angesicht, niemals sieht er es!

Eine Beschreibung des Gottlosen, seiner Bosheit und seines Wohlergehens. Das Wort „Gottlose“ steht in diesem gesamten Textabschnitt in der Einzahl. Die Verwendung der Einzahl scheint zu zeigen, dass die gegebene Beschreibung jeden Gottlosen kennzeichnet, wenngleich sie zweifellos ihre volle Ausprägung in einem Menschen haben wird: dem Antichristen. So ist dieser Textabschnitt eine Beschreibung des Charakters des Antichristen, ohne eine eindeutige Prophezeiung über ihn persönlich zu sein:

  1. Seine Haltung gegenüber den Menschen. Der Gottlose verfolgt den Armen bzw. Elenden, der Gott fürchtet. Andererseits segnete er den Habgierigen, den der Herr verabscheut [nach der englischen Übersetzung von Vers 3b] (Ps 10,2.3).
  2. Seine Haltung Gott gegenüber. Er hat keine Gottesfurcht; in all seinen Gedanken existiert Gott nicht (Ps 10,4).
  3. Seine Wege kennen kein Bewusstsein des Richtigen oder Falschen. Gottes Gerichte, was richtig und was falsch ist, sind hoch oben, weit von ihm entfernt (Ps 10,5).
  4. Sein Erfolg über alle seine Feinde führt ihn zu der Einbildung, er führe ein sicheres Leben auf der Sonnenseite, so dass er niemals wanken oder in Not kommen würde (Ps 10,6).
  5. Seine Sprache ist gekennzeichnet durch Gewalt, Hinterlist und Unheil (Ps 10,7).
  6. Seine Handlungen sind gekennzeichnet durch List, hinter der die Gewalttätigkeit eines wilden Tieres lauert. Seine Opfer sind die Gottesfürchtigen – die Unschuldigen und die Armen (Ps 10,8-10).
  7. Sein Triumph über all diese Feinde und die anscheinend schutzlosen Leute Gottes verleiten ihn dazu, zu denken: „Gott hat es vergessen; er verbirgt sein Gesicht; er wird es nimmermehr sehen“ (Ps 10,11).

Verse 12-15

Ps 10,12-15: 12 Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand! Vergiss nicht die Elenden! 13 Warum verachtet der Gottlose Gott, spricht in seinem Herzen: Du wirst nicht nachforschen? 14 Du hast es gesehen, denn du schaust auf Mühsal und Kummer, um zu vergelten durch deine Hand. Dir überlässt es der Unglückliche. Der Helfer der Waise bist du. 15 Zerbrich den Arm des Gottlosen; und der Böse ahnde seine Gottlosigkeit, damit du sie nicht mehr findest.

Der Glaube der Gottesfürchtigen ist in dieser schrecklichen Prüfung. Sie wenden sich an Gott, Er möge seine Hand zeigen: „Erhebe deine Hand.“ Sie flehen um Gottes Eingreifen; zum einen wegen des Leidens seines gequälten Volkes; zum anderen, weil Gott selbst verdammt worden ist. Denn der Gottlose hat in seinem Herzen gesagt: „Gott wird doch nicht danach fragen.“ Das Leiden von Gottes Volk und die Rechtfertigung von Gottes Charakter schreien laut nach Gottes Eingreifen mit Gericht (Ps 10,12.13). Trotz allem äußeren Anschein weiß der Glaube, dass Gott alles Böse gesehen hat; Er wird es mit seiner Hand vergelten; Gott ist der Helfer der Schutzlosen (Ps 10,14). [Vers 14 lautet in der englischen Übersetzung: „Du hast es gesehen; denn du siehst Unheil und Bosheit, um es mit deiner Hand zu vergelten …“ (Anm. d. Übers.).] Daher die direkte Bitte an Gott, den Gottlosen zu zerbrechen und all seine Bosheit mit der Wurzel auszureißen (Ps 10,15).

Verse 16-18

Ps 10,16-18: 16 Der HERR ist König immer und ewig; die Nationen sind umgekommen aus seinem Land. 17 Den Wunsch der Sanftmütigen hast du gehört, HERR; du befestigtest ihr Herz, ließest dein Ohr aufmerken, 18 um Recht zu verschaffen der Waise und dem Unterdrückten, damit der Mensch, der von der Erde ist, fortan nicht mehr Schrecken verbreite.

Gottes Eingreifen vorhersehend, loben und preisen die Gottesfürchtigen seine Antwort auf ihre Bitte. Als Folge dieser Antwort wird das Gericht über die Gottlosen, das im Antichristen zusammengefasst wird, das ewigwährende Reich des Herrn einleiten: „Der Herr ist König für immer und ewig.“ Was die Gottesfürchtigen betrifft, so wird Gott ihr Gebet erhören und ihr Herz fest und gewiss machen; ihr Leiden wird vorüber sein, und künftig wird „der Mensch der Erde“ sie nicht mehr in Angst und Schrecken versetzen (JNDs Übersetzung).

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Übersetzung: S. Bauer


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