Psalm 34

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 31.12.2012, aktualisiert: 29.01.2018

Die Erfahrungen des gottesfürchtigen Überrestes, ausgedrückt durch den Psalmisten, durch die sie [d.i. der Überrest] lernen, sich Gott in allen Umständen zu unterwerfen und so den Herrn allezeit zu preisen

Der Lobpreis dieses Psalms kommt von einem Heiligen, dessen Wille gebrochen worden ist. Er hat Ängsten ins Auge gesehen (Ps 34,5); sein Weg mag dunkel gewesen sein (Ps 34,6) [Vers 6a lautet in der englischen Übersetzung: „Sie blickten auf ihn und wurden erhellt/erleuchtet.“ (Anm. d. Übers.)]; er war umgeben gewesen von Bedrängnissen (Ps 34,7.8) und sogar Mangel (Ps 34,10.11), doch weil er einen zerbrochenen und zerschlagenen bzw. reuevollen Geist hatte [Ps 34,19], war sein Wille nicht am Werk, um insgeheim in Gedanken gegen sein hartes Los aufzubegehren. Daher finden wir keine Gereiztheit und keinen Ärger – sichere Zeichen des Eigenwillens. So erkennt er, dass der Herr größer ist als all seine Ängste.

Verse 2-4

Ps 34,2-4: 2 Den HERRN will ich preisen allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Mund sein. 3 In dem HERRN soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die Sanftmütigen und sich freuen. 4 Erhebt den HERRN mit mir, und lasst uns miteinander erhöhen seinen Namen! 

Die ersten drei Verse des eigentlichen Psalmtextes geben das Thema des Psalms an. Der gottesfürchtige Mensch preist den Herrn, rühmt sich des Herrn und erhebt den Herrn, und zwar „allezeit“. Dieser Lobpreis zu jeder Zeit ist der kennzeichnende Gedanke in diesem Psalm. Es ist leicht, den Herrn zu preisen, wenn die Umstände günstig sind, wenn keine Ängste auf einen einstürmen und keine Wolken am Himmel stehen; wenn es keine Bedrängnisse gibt, die einen erdrücken, und man keiner Gefahr gegenübersteht. Den Herrn „allezeit“ zu preisen – an dunklen oder heiteren Tagen –, ist eine Erfahrung, die nur ein Heiliger mit einem zerbrochenen und demütigen Herzen (Ps 34,19) kennen kann. Dies ist es, was der Psalm so bewegend darlegt.

Verse 5-8

Ps 34,5-8: 5 Ich suchte den HERRN, und er antwortete mir; und aus allen meinen Beängstigungen errettete er mich. 6 Sie blickten auf ihn und wurden erheitert, und ihre Angesichter wurden nicht beschämt. 7 Dieser Elende rief, und der HERR hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn. 8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und er befreit sie. 

Die folgenden Verse beschreiben die Umstände, unter denen der Psalmist gelernt hat, den Herrn allezeit zu preisen. „Ängste“ stürmten auf ihn ein; die Furcht vor anscheinend unmittelbar bevorstehendem Unheil bedrängte ihn. Doch er suchte den Herrn und empfing Rettung aus all diesen Ängsten (Ps 34,5).

Dunkelheit schien den Weg von Gottes Volk einzuhüllen, aber es blickte auf Ihn und wurde erhellt (Ps 34,6). „Bedrängnisse“ setzten „diesem Elenden“ zu, doch er „rief, und der Herr hörte, und aus allen seinen Bedrängnissen rettete er ihn“ (Ps 34,7). Gefahren bedrängen das Volk Gottes. Alle unsichtbaren Mächte des Bösen sind gegen sein Volk; aber trotzdem stellen sie fest, dass der Engel des Herrn sich um die her lagert, die Ihn fürchten, und sie befreit.

Verse 9-11

Ps 34,9-11: 9 Schmeckt und seht, dass der HERR gütig ist! Glückselig der Mann, der zu ihm Zuflucht nimmt! 10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn keinen Mangel haben, die ihn fürchten. 11 Junge Löwen darben und hungern, aber die den HERRN suchen, ermangeln keines Guten. 

Nachdem er erfahren hat, was für einen innigen Freund er inmitten seiner Bedrängnisse gefunden hat, und auf diese Weise eine auf Erfahrung beruhende Bekanntschaft mit dem Herrn erlangt hat, kann er nun andere dazu aufrufen, zu schmecken und zu sehen, dass der Herr gütig ist; er kann andere aufrufen, den Herrn zu fürchten und den Herrn zu suchen und so selbst die Erfahrung zu machen, dass diejenigen, die den Herrn zu ihrer Kraftquelle machen, kein Gut entbehren.

Verse 12-19

Ps 34,12-19: 12 Kommt, ihr Söhne, hört mir zu: Die Furcht des HERRN will ich euch lehren. 13 Wer ist der Mann, der Lust zum Leben hat, der Tage liebt, um Gutes zu sehen? 14 Bewahre deine Zunge vor Bösem, und deine Lippen, damit sie nicht Trug reden. 15 Weiche vom Bösen und tue Gutes, suche Frieden und jage ihm nach! 16 Die Augen des HERRN sind auf die Gerechten gerichtet und seine Ohren auf ihr Schreien. 17 Das Angesicht des HERRN ist gegen die, die Böses tun, um ihr Gedächtnis von der Erde auszurotten. 18 Sie schreien, und der HERR hört, und aus allen ihren Bedrängnissen errettet er sie. 19 Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er. 

Die Segnungen jedoch, von denen der Psalmist spricht, verlangen eine ganz bestimmte Art des Lebenswandels (Ps 34,12-18) und eine richtige Seelenverfassung (Ps 34,19). Dies führt den Psalmisten dazu, den Weg des Friedens durch eine Welt in Aufruhr hindurch abzustecken. Wenn wir diesen Weg kennen wollen, dann müssen wir

  • unsere Zunge vor Bösem bewahren
  • die Lippen vor betrügerischer Rede bewahren – davor, schöne Worte mit bösen Hintergedanken zu machen
  • abgesondert vom Bösen wandeln
  • Gutes tun
  • Frieden suchen und ihm nachjagen.

Diejenigen, die diesen Weg betreten, werden erkennen, dass die Augen des Herrn auf seinem Volk ruhen und dass seine Ohren für ihr Schreien offen sind. Er ist nicht blind und taub ihrem Leid und ihren Schmerzen gegenüber: Er sieht es alles. Ihm ist ihr Schreien nicht gleichgültig; Er hört das schwächste Flüstern (Ps 34,16).

Überdies weiß der Herr um alles Böse, denn das Angesicht des Herrn steht denen entgegen, die Böses tun (Ps 34,17), und am Ziel von Gottes Wegen wird die Erinnerung an die Übeltäter von der Erde getilgt werden, während die Gerechten aus all ihren Bedrängnissen errettet werden (Ps 34,16-19).

Des Weiteren gibt es nicht nur einen richtigen Weg, den man gehen soll, sondern auch eine richtige Seelenverfassung, die dem Weg angemessen ist. Diese findet sich in einem „zerbrochenen Herzen“ und einem „zerschlagenen [bzw. ,reuevollen‘ nach der englischen Übersetzung] Geist“. Gleichgültig wie korrekt der äußerliche Weg sein mag, so ist das nicht genug, wenn wir an einem Tag der Bedrängnis wahren Segen finden wollen. Wenn wir inmitten einer Prüfung gereizt und zornig werden, sei es auch nur in Gedanken, ist das das sichere Zeichen dafür, dass Eigenwille am Werk ist. Der Geist mag in der Prüfung aufbegehren und sich an der Verderbtheit der Menschen reiben, die den Weg des Bösen einschlagen und das Richtige ablehnen. Die gottesfürchtige Seele, die sich wünscht, es wäre anders, mag ungeduldig und im Geist verstört werden, weil der Weg, von dem sie weiß, dass er der Richtige ist, nicht gewählt wird. Wenn jedoch das Herz wegen des Bösen zerbrochen ist und sich vollständig allem unterwirft, was Gott in seiner Herrschaft erlaubt, dann – wenn der Wille nicht länger am Werk ist – wird es in der Prüfung großen Segen empfangen und den Herrn „allezeit“ preisen.

Verse 20-23

Ps 34,20-23: 20 Zahlreich sind die Widerwärtigkeiten des Gerechten, aber aus ihnen allen errettet ihn der HERR. 21 Er bewahrt alle seine Gebeine, nicht eins von ihnen wird zerbrochen. 22 Den Gottlosen wird das Böse töten; und die den Gerechten hassen, werden büßen. 23 Der HERR erlöst die Seele seiner Knechte; und alle, die zu ihm Zuflucht nehmen, werden nicht büßen.

Wenn der Gerechte auf diese Weise großen geistlichen Segen empfängt, folgt daraus allerdings nicht, dass er in einer bösen Welt nicht leiden muss. Denn „vielfältig ist das Unglück des Gerechten“. Dennoch wird der Herr zu seiner Zeit und auf seine Weise den Gottesfürchtigen aus seinem Leid erretten. In der Zwischenzeit wird Er seine Heiligen bewahren – „er bewahrt alle seine Gebeine“. Das Gericht wird die Gottlosen einholen, und sie werden ihre Schuld tragen müssen (nach Darbys Übersetzung von Vers 22b); der Herr wird seine Knechte erlösen, und alle, die auf Ihn trauen, werden frei werden von Schuld (nach Darbys Übersetzung von Vers 23 b).

Vorheriger Teil Nächster Teil


Übersetzung: S. Bauer


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...