Psalm 91

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 17.02.2014, aktualisiert: 29.01.2018

Der Mensch, der im Schutz des Höchsten wohnt

Psalm 90 beschreibt den sterblichen Menschen im Gegensatz zu dem ewigen Gott. Psalm 91 beschreibt Christus als den vollkommen abhängigen Menschen im Gegensatz zu dem sterblichen Menschen.

Vers 1

Ps 91,1: Wer im Schutz des Höchsten sitzt, wird bleiben im Schatten des Allmächtigen.

Der 90. Psalm beginnt damit, die großartige Tatsache zu verkünden, dass der Herr in allen Generationen der Zufluchtsort seines Volkes war. Dieser Psalm beginnt damit, die Glückseligkeit dessen festzustellen, der an diesem Zufluchtsort wohnt. Wer im Schutz des Höchsten wohnt, bleibt im Schatten des Allmächtigen. Wenn Psalm 90 die Seligkeit des Wohnortes beschreibt, beschreibt Psalm 91 die Seligkeit des darin Wohnenden.

Wir erkennen gern an, dass derjenige, der im Schutz des Höchsten wohnt, im Schatten des Allmächtigen bleiben muss; aber wo können wir einen Menschen finden, der in diesem Schutz wohnt? Adam, der erste Mensch, der in Psalm 90 beschrieben wurde, blieb nicht in diesem Schutz und wurde fort getrieben, um ein Wanderer zu sein, um am Abend seines Lebens zu verwelken und schließlich zu verdorren [bzw. „abgeschnitten zu werden“ nach der englischen Übersetzung]. In diesem Psalm wird uns ein anderer Mensch vor Augen geführt, einer, von dem wir lesen: „Wer … wohnt, bleibt.“ Wer, wenn nicht Christus, kann dies sein? Derjenige, der auf seinem Weg durch diese Welt stets im Schutz des Höchsten verweilte? Er konnte sich selbst als „der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“ [Joh 3,13 nach der englischen Übersetzung] bezeichnen. Er wandelte auf Erden, wohnte aber im Himmel.

Vers 2

Ps 90,2: Ich sage von dem HERRN: Meine Zuflucht und meine Burg; mein Gott, auf ihn will ich vertrauen.

Von diesem Vers wissen wir, dass Christus der Sprecher ist, denn der Geist Gottes zitiert in Hebräer 2,13 die Aussage „Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen“ als Worte Christi. Damit akzeptiert Christus die Aussage aus Vers 1. Er antwortet mit den Worten: „Ich sage zum Herrn: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, ich vertraue auf ihn!“ Er wird Gott zu seiner Zuflucht in jedem Sturm und zu seinem Schutz vor jedem Feind machen. Die Tatsache, dass er eine „Zuflucht“ und eine „Burg“ braucht, beweist, dass Christus hier als Mensch spricht. Kein Sturm kann die Ruhe im Himmel durcheinanderbringen, kein Feind kann sie bekämpfen. Es ist ein Wüstenpsalm, und in späteren Tagen bezieht ihn der Geist Gottes auf die Umstände unseres Herrn in der Wüste (s. Lk 4,10 u. Heb 1,14).

Die Namen, mit denen Gott in den ersten beiden Versen bezeichnet wird, haben eine besondere Bedeutung. Der „Höchste“ spricht von der absoluten Souveränität und Oberhoheit Gottes (1Mo 14,18-20). Der „Allmächtige“ spricht von absoluter Macht (1Mo 17,1). Dann erfahren wir aus dem Munde Christi, dass derjenige, der die höchste Stellung innehat und absolute Macht besitzt, der Jahwe Israels ist – der ewige Gott, der „Ich Bin“. Wie sicher und wie gewiss des Segens muss also derjenige sein, der in seinem Schutz wohnt!

Verse 3-8

Ps 91,3-8: 3 Denn er wird dich erretten von der Schlinge des Vogelfängers, von der verderbenden Pest. 4 Mit seinen Fittichen wird er dich decken, und du wirst Zuflucht finden unter seinen Flügeln; Schild und Schutz ist seine Wahrheit. 5 Du wirst dich nicht fürchten vor dem Schrecken der Nacht, vor dem Pfeil, der am Tag fliegt, 6 vor der Pest, die im Finstern umgeht, vor der Seuche, die am Mittag verwüstet. 7 Tausend werden fallen an deiner Seite und zehntausend an deiner Rechten – dich wird es nicht erreichen. 8 Nur schauen wirst du es mit deinen Augen und wirst sehen die Vergeltung an den Gottlosen.

In diesen Versen spricht der Geist Gottes Christus an und enthüllt die Segnungen, die demjenigen zufließen, der im Schutz des Höchsten wohnt. Ein solcher wird die Macht Gottes erfahren, die ihn aus den Schlingen des Feindes und von der zerstörerischen Pest des Bösen befreit. Überdies wird er die wachsame Fürsorge der Liebe genießen, denn „mit seinen Schwingen deckt er dich, und du findest Zuflucht unter seinen Flügeln“. Daraus folgt, dass derjenige, der an diesem Zufluchtsort wohnt, keine Angst vor geheimen Angriffen haben wird („vor dem Schrecken der Nacht“) und auch nicht vor offener Feindschaft („vor dem Pfeil, der am Tag fliegt“). Tausend sollen an seiner Seite fallen, aber die Vernichtung soll den nicht erreichen, der auf Jahwe vertraut. Er soll nicht in das Gericht über die Gottlosen geraten außer in der Rolle des Betrachters.

Verse 9-13

Ps 91,9-13: 9 Weil du den HERRN, meine Zuflucht, den Höchsten, gesetzt hast zu deiner Wohnung, 10 so wird dir kein Unglück widerfahren und keine Plage deinem Zelt nahen; 11 denn er wird seinen Engeln über dir befehlen, dich zu bewahren auf allen deinen Wegen. 12 Auf den Händen werden sie dich tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. 13 Auf Löwen und Ottern wirst du treten, junge Löwen und Schlangen wirst du niedertreten.

Der Geist Gottes hat gesprochen; nun wird einer der Gottesfürchtigen aus Israel, mit denen Christus sich identifiziert hat, durch den Geist dazu geführt, Christus anzusprechen. Dieser Gottesfürchtige kann Jahwe als seine Zuflucht bezeichnen und so voller Zuversicht zu Christus sagen: „Du hast den Höchsten zu deiner Wohnung gesetzt; so begegnet dir kein Unglück.“ Das Unglück und die Seuchen, die unter den gefallenen Menschen so verbreitet sind, sollen sich seinem Zelt nicht nähern, wobei der Begriff „Zelt“ deutlich zeigt, dass diese Aussage seine Pilgerreise auf der Erde im Blick hat. Überdies stehen Ihm auf seinem gesamten irdischen Weg die Mittel des Himmels zur Verfügung. Die Engel haben den Auftrag, Ihn auf allen seinen Wegen zu bewahren. Des Weiteren wird Er über die gesamte Macht des Teufels triumphieren, ob sie Ihm nun als Löwe, als Schlange oder als Drache [nach der englischen Übersetzung bzw. nach Luther] gegenübertritt. Als Löwe hat der Teufel eine zerstörerische Macht über den Menschen; als Schlange verführt er den Menschen (2Kor 11,3); als Drache verfolgt er (Off 12).

So kann das Unheil dieser Erde auf dem Weg dieses vollkommen abhängigen Menschen nicht in seine Nähe kommen, die himmlischen Heerscharen dienen Ihm, und die Kräfte der Hölle sind unter Ihm gebändigt.

Verse 14-16

Ps 91,14-16: 14 Weil er Wonne an mir hat, will ich ihn erretten; ich will ihn in Sicherheit setzen, weil er meinen Namen kennt. 15 Er wird mich anrufen, und ich werde ihm antworten, ich werde bei ihm sein in der Bedrängnis; ich werde ihn befreien und ihn verherrlichen. 16 Ich werde ihn sättigen mit Länge des Lebens und ihn schauen lassen meine Rettung.

Der Geist, der Ihn führte, hat gesprochen; die Stimme der Übriggebliebenen, mit denen Er verbunden ist, ist zu hören gewesen; nun haben wir das Vorrecht, Gott selbst zu hören, wie Er ein Zeugnis über den Menschen ablegt, an dem Er Freude hat. Gott hat schließlich in Christus einen Menschen, der sich in der Wüste befindet, gefunden, von dem Er sagen kann: „Er liebt mich“ [nach der englischen Übersetzung bzw. nach Luther], „Er kennt meinen Namen“, und: „Er ruft mich an.“ Wir haben – Gott sei’s geklagt – unser Herz an alles Mögliche außer Gott gehängt; uns war die Anbetungswürdigkeit Gottes, wie sie durch seinen Namen dargestellt wird, gleichgültig; wir taten unseren eigenen Willen, statt in Abhängigkeit von Ihm zu wandeln. Hier ist nun endlich der vollkommene Mensch, der, während Er hier auf der Erde wandelt, sein Herz gänzlich an Jahwe hängt, der die Anbetungswürdigkeit seines Namens kennt und Freude daran hat; der stets seine vollkommene Abhängigkeit von Jahwe dadurch ausdrückt, dass Er seinen Namen anruft. Auf die persönliche Vollkommenheit dieses vollkommenen Menschen wird Gott eine vollkommene Antwort geben. Gott kann von Christus sagen:

  • Ich will Ihn erretten.
  • Ich will Ihn schützen [bzw. „erheben“ nach der englischen Übersetzung].
  • Ich antworte Ihm.
  • Ich bin bei Ihm.
  • Ich bringe Ihn zu Ehren.
  • ich sättige Ihn mit langem Leben.
  • Ich lasse Ihn mein Heil schauen.

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Übersetzung: S. Bauer


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