Psalm 31

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 31.12.2012, aktualisiert: 18.10.2016

Die Zuversicht des gottesfürchtigen Menschen, wenn er von tiefer Not bedrängt wird, dass er durch die Gerechtigkeit Gottes von all seinen Feinden errettet wird

Der Psalm drückt das Vertrauen aus, das der gottesfürchtige Überrest inmitten seiner Not in den letzten Tagen zu Jahwe hat, wenn Gott für eine Weile zu dessen Ruf schweigt und er den Händen seiner Feinde überlassen zu sein scheint. In dieses Leid ist Christus vollständig eingetreten, und daher gibt es hier Ausdrücke, die der Herr verwendete, auch wenn es hier keinen wörtlichen Bezug zu dem Herrn gibt.

Verse 2-6

Ps 31,2-6: 2 Zu dir, HERR, nehme ich Zuflucht. Lass mich niemals beschämt werden; errette mich in deiner Gerechtigkeit! 3 Neige zu mir dein Ohr, eilends errette mich! Sei mir ein Fels der Zuflucht, ein befestigtes Haus, um mich zu retten! 4 Denn mein Fels und meine Burg bist du; und um deines Namens willen führe mich und leite mich. 5 Zieh mich aus dem Netz, das sie mir heimlich gelegt haben; denn du bist meine Stärke. 6 In deine Hand befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Wahrheit!

Der gottesfürchtige Mensch erwartet von dem Herrn die Errettung vor all seinen Feinden, weil er auf die Gerechtigkeit Gottes vertraut. Gott wird durch seine vollkommene Gerechtigkeit zu einem Felsen, auf den der Glaube bauen kann; zu einer Zuflucht vor dem Feind, auf die sich der Glaube verlassen kann. Da Gott sein Fels und seine Zuflucht ist, blickt der Gottesfürchtige auf Gott, um von Ihm seinem Namen entsprechend geleitet und geführt zu werden, um von der Kraft Gottes aus jedem heimlich gelegten Netz gezogen zu werden und um seinen Geist bewahrt zu bekommen, da er einer von Gottes Erlösten ist.

Verse 7-9

Ps 31,7-9: 7 Gehasst habe ich die, die auf nichtige Götzen achten, und ich habe auf den HERRN vertraut. 8 Ich will frohlocken und mich freuen in deiner Güte; denn du hast mein Elend angesehen, hast Kenntnis genommen von den Bedrängnissen meiner Seele 9 und hast mich nicht überliefert in die Hand des Feindes, hast in weiten Raum gestellt meine Füße.

Der Gottesfürchtige vertraut keinem sinnlosen Aberglauben der Menschen, sondern nur dem Herrn selbst und seiner Gnade: dem, der seine Not gesehen und die Bedrängnisse seiner Seele erkannt hat. In seinem Vertrauen erkennt er, dass er mitnichten in die Hand des Feindes überliefert [englisch: eingeschlossen] ist, sondern vielmehr vor Gott an einem Ort der Freiheit für die Seele steht.

Verse 10-14

Ps 31,10-14: 10 Sei mir gnädig, HERR! Denn ich bin in Bedrängnis; vor Gram verfällt mein Auge, meine Seele und mein Bauch. 11 Denn vor Kummer schwindet mein Leben dahin, und meine Jahre vor Seufzen; meine Kraft wankt durch meine Ungerechtigkeit, und es verfallen meine Gebeine. 12 Mehr als allen meinen Bedrängern bin ich auch meinen Nachbarn sehr zum Hohn geworden, und zum Schrecken meinen Bekannten; die mich auf der Straße sehen, fliehen vor mir. 13 Vergessen bin ich im Herzen wie ein Gestorbener; ich bin geworden wie ein zertrümmertes Gefäß. 14 Denn ich habe die Verleumdung vieler gehört, Schrecken ringsum; indem sie zusammen gegen mich berieten, sannen sie darauf, mir das Leben zu nehmen.

Dennoch ist die Seele des Gottesfürchtigen dem äußeren Schein nach von der Macht des Feindes eingeschlossen. Die Umstände dieser Drangsal werden vor dem Herrn ausgebreitet. Sein ganzer Körper ist von der Drangsal betroffen; sein Leben verbringt er mit Kummer; seine Jahre mit Seufzen. Seine Kraft wankt durch seine Not („Schuld“ kann besser übersetzt werden mit „Elend“ oder „Not“).

Was seine Beziehung zu anderen betrifft, so ist er vor seinen Bedrängern zum Hohn [englisch: „Tadel“] geworden. Seine Nachbarn und Bekannten meiden ihn aus Angst, seinen Tadel und seine Drangsal zu teilen. Sie ziehen es vor, ihn zu vergessen und ihn wie ein zerbrochenes Gefäß zu behandeln, das für nutzlos erachtet und weggeschleudert wird. Viele verleumden ihn; er verursacht Schrecken bei allen Menschen um ihn herum, während manche sich beraten und danach trachten, ihn zu vernichten.

Verse 15-19

Ps 31,15-19: 15 Ich aber, ich habe auf dich vertraut, HERR; ich sprach: Du bist mein Gott! 16 In deiner Hand sind meine Zeiten; errette mich aus der Hand meiner Feinde und von meinen Verfolgern! 17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, rette mich in deiner Güte! 18 HERR, lass mich nicht beschämt werden, denn ich habe dich angerufen! Lass beschämt werden die Gottlosen, lass sie schweigen im Scheol! 19 Lass verstummen die Lügenlippen, die in Hochmut und Verachtung Freches gegen den Gerechten reden!

Ungeachtet dieser tiefen Not vertraut die Seele auf den Herrn und weiß ihre Zeit in den Händen des Herrn. Daher erwartet sie von Gott die Errettung vor ihren Feinden und dass die Gunst Gottes über ihr leuchte. Sie betet, dass sie, wenn sie den Herrn anruft, nicht zuschanden wird und dass die Gottlosen, die den Gerechten mit Verachtung behandelt haben, in Schande zum Schweigen gebracht werden.

Verse 20-23

Ps 31,20-23: 20 Wie groß ist deine Güte, die du aufbewahrt hast denen, die dich fürchten, gewirkt für die, die Zuflucht zu dir nehmen angesichts der Menschenkinder! 21 Du verbirgst sie im Schirm deiner Gegenwart vor den Verschwörungen der Menschen; du birgst sie in einer Hütte vor dem Gezänk der Zungen. 22 Gepriesen sei der HERR! Denn wunderbar hat er seine Güte an mir erwiesen in einer festen Stadt. 23 Ich zwar sagte in meiner Bestürzung: „Ich bin abgeschnitten von deinen Augen!“; dennoch hörtest du die Stimme meines Flehens, als ich zu dir schrie.

Die Schlussverse liefern die Antwort auf den Schrei der gottesfürchtigen Seele. Der Gottesfürchtige entdeckt, dass, gleichgültig wie dunkel die Umstände sein mögen, Gott seine Güte „bereithält“ für diejenigen, die Ihn fürchten, auch wenn es eine Zeit lang den Anschein hat, dass die Menschen ihren Willen durchsetzen dürfen. Doch wie auch immer die äußeren Umstände aussehen mögen: Gott kann seine Leute im Schutz seines Angesichts behüten und sie vor dem Gezänk der Zungen bewahren und schließlich seine wunderbare Gnade an ihnen erweisen. Unter dem Druck der Umstände hatte die Seele in ihrer Bestürzung gesagt: „Ich bin weggenommen aus deinen Augen.“ Dennoch ist in der Zeit der größten Drangsal, als Gott anscheinend schwieg, die Stimme ihres Flehens gehört worden.

Verse 24.25

Ps 31,24.25: 24 Liebt den HERRN, ihr seine Frommen alle! Die Treuen behütet der HERR und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt. 25 Seid stark, und euer Herz fasse Mut, alle, die ihr auf den HERRN harrt!

Als Folge ihrer Erfahrung ruft die Seele alle Gottesfürchtigen dazu auf, den Herrn zu lieben, Mut zu fassen und auf den Herrn zu harren bzw. zu hoffen.

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Übersetzung: S. Bauer


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