Der Prophet Habakuk
Eine kurze Betrachtung über den Propheten Habakuk

Hamilton Smith

© bibelkreis.ch, online seit: 31.01.2001, aktualisiert: 16.10.2018

Einleitung

Die Prophezeiung Habakuks unterscheidet sich insofern von anderen Prophezeiungen, als sie sich nicht direkt an Israel oder an die Nationen richtet. Auch finden wir keine genauere Zeitangabe, wann die Prophezeiung geäußert wurde. Jedoch ist deutlich ersichtlich, dass Habakuk in einer Zeit lebte, als das Volk Gottes völlig versagt hatte, mit der Folge, dass nach den Regierungswegen Gottes seine Hand im Gericht über seinem Volke lastete.

Die Prophezeiung ist in der Form eines Zwiegesprächs zwischen dem Propheten und Gott abgefasst, in dem der Prophet, überwältigt in seinem Geist durch all das Versagen unter dem Volk Gottes, seine Last auf Gott wirft und dadurch erfährt, dass er in seiner Not nicht nur erhalten wird durch Gott (Ps 55,22), sondern dass er dazu geführt wird, in Gott zu frohlocken und auf den Höhen einherzuschreiten (Hab 3,18.19).

Kapitel 1

Hab 1,1-4: 1 Der Ausspruch, den Habakuk, der Prophet, geschaut hat. 2 Wie lange, HERR, habe ich gerufen, und du hörst nicht! Ich schreie zu dir: Gewalttat!?, und du rettest nicht. 3 Warum lässt du mich Unheil sehen und schaust Mühsal an? Und Verwüstung und Gewalttat sind vor mir, und Streit entsteht, und Hader erhebt sich. 4 Darum wird das Gesetz kraftlos, und das Recht kommt niemals hervor; denn der Gottlose umzingelt den Gerechten: Darum kommt das Recht verdreht hervor.

In den Anfangsversen lernen wir die Seelennot des Propheten kennen, wenn er Gott den tiefen geistlichen Zustand des Volkes Gottes bekennt. Sein Geist ist erschüttert, nicht nur wegen der Gottlosigkeit der Nationen, sondern wegen des Bösen unter dem Volk Gottes. Gerade in dem Kreis, der durch Güte, Gerechtigkeit, Friede und Eintracht hätte gekennzeichnet sein sollen, entdeckt er Gewalttat, Verwüstung, Streit und Hader.

Außerdem muss er feststellen, dass unter dem Volk Gottes keine Kraft anwesend ist, um mit dem Bösen zu handeln. Sie versagen darin, das Wort Gottes anzuwenden, denn er muss feststellen, dass das Gesetz kraftlos ist und das Recht nimmermehr hervorkommt. Der Gesetzlose umzingelt den Gerechten: Darum kommt das Recht verdreht hervor (Hab 1,4). Ferner machte es bei rein äußerlicher Betrachtung den Anschein, als ob Gott den Schrei des Gottesfürchtigen nicht erhören noch sein Volk von dessen Mühsal erretten würde.

Angesichts all dieser Nöte seufzt der Prophet im Geist, denn Gottes Wort gestattet einen Seufzer, jedoch niemals ein Murren (Röm 8,22-27). Zudem richtet der Prophet seinen Seufzer an Gott. Nur zu oft – leider! – besteht bei uns Gläubigen die Neigung, über das Versagen des Volkes Gottes untereinander zu diskutieren, und zwar in einem solchen Geist der Bitterkeit, dass das Seufzen zu einem regelrechten Murren wird, oder wir beklagen uns darüber, was Gott in seinen Regierungswegen mit seinem Volk zulässt.

Worte der Klage, die wir aneinander richten, können somit entweder einen verborgenen Geist der Auflehnung gegen Gott offenbaren, oder sie können auch ein Versuch sein, uns selbst zu erheben, indem wir andere geringachten. Wie gut ist es deshalb für uns, diesen Fallstricken zu entkommen, indem wir den Schmerz unseres Geistes und die Übungen unserer Seelen vor Gott ausgießen.

In den folgenden Versen haben wir die Antwort Gottes auf den Schrei dieser beängstigten Seele. Diese Antwort zeigt uns das, was in der Prophezeiung Habakuks so vorherrschend ist, nämlich das Handeln Gottes in seinen Regierungswegen sowohl mit seinem Volk, das versagt hat, als auch mit einer bösen Welt.

Gott kann dem Bösen gegenüber nicht gleichgültig sein. Wenn sein Volk in einen tiefen moralischen Zustand gefallen ist, so muss Gott sie entweder aufgeben oder in Züchtigung mit ihnen handeln. Wir leben in der Gnadenzeit; doch die Gnade setzt die Regierung Gottes nicht beiseite. Wie in den Tagen Habakuks, so ist auch heute das Volk Gottes gefallen, und die Kirche, als ein verantwortliches Zeugnis für Gott, ist ruiniert. Die Folge davon finden wir im ersten Petrusbrief (1Pet 4,17) erwähnt, wo uns der Apostel Petrus erinnert: „Denn die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange bei dem Haus Gottes; wenn aber zuerst bei uns, was wird das Ende derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht gehorchen!“ Diese Regierung Gottes wird nicht die Form eines direkten Eingreifens annehmen, denn wir haben heute den Tag der langmütigen Gnade Gottes, und Christus wartet, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt sind. Trotzdem kann Gott dem Bösen gegenüber nicht gleichgültig sein, und es bleibt somit völlig wahr, dass was irgend ein Mensch sät, er auch ernten wird.

Hab 1,5: Seht unter den Nationen und schaut und erstaunt, staunt; denn ich wirke ein Werk in euren Tagen – ihr würdet es nicht glauben, wenn es erzählt würde.

Zur Zeit Habakuks war das Volk Gottes im Verfall begriffen, und die Nationen waren durch Gewalttat und Verderben gekennzeichnet. In all dem Bösen wird der Prophet dazu berufen, das ernste Werk Gottes im Gericht zu sehen. Hinter allem, was die Menschen erlebten, war Gott am Werk, und der Mann Gottes sollte über das Tun des Menschen hinausschauen, um das Werk Gottes zu erkennen (Hab 1,5).

Heute leben wir in den letzten Tagen, die der Apostel Paulus als Tage beschreibt, in denen die bekennende Christenheit mit Riesenschritten auf das Niveau des Heidentums herabsinkt, wie dies durch einen Vergleich von 2. Timotheus 3,1-5 mit Römer 1,21-32 deutlich ersichtlich wird. In diesen gefahrenvollen Zeiten ist es die Pflicht des Gläubigen, zu erkennen, was Gott zur Züchtigung seines Volkes und in seiner Regierung im Gericht über die Welt wirkt.

In den Tagen Habakuks hatte Gott die Chaldäer erweckt, um dieses Werk des Gerichts gemäß seinen Regierungswegen auszuführen. Trotzdem wird uns mitgeteilt, dass aufgrund des niedrigen Zustandes des Volkes Gottes dieses das Zeugnis Gottes über sein Werk nicht glauben würde. Sie weigerten sich, die Hand Gottes hinter ihren Feinden, die zu ihrer Züchtigung gebraucht wurden, zu erkennen. Wir wissen, dass der Apostel diese Stelle zitierte, als er das Evangelium in Antiochien predigte. Er verkündigte die Gnade Gottes, die Vergebung durch Christus beinhaltet und dass alle, die glauben würden, von allem gerechtfertigt werden. Daran anschließend zitiert er den Propheten Habakuk, um sie vor der Verachtung des Werkes der Gnade durch Unglauben zu warnen, so wie ihre Vorväter das Werk der Regierung durch Unglauben verachtet hatten (Apg 13,41).

Jedoch trotz des Unglaubens des Menschen geht das Werk Gottes weiter, sei es in Gnade oder in Regierung. So wird dem Propheten in seinen Tagen gesagt, dass Gott die Babylonier erweckt habe, um sein Werk der Regierung auszuführen. Die Babylonier werden kaum daran gedacht haben, dass sie zum Höhepunkt ihrer Macht gelangten, nur um ein Instrument in der Hand Gottes zu sein zur Züchtigung seines Volkes und zur Eindämmung des Bösen unter den Nationen. Doch so war es in den Tagen des Propheten, und so ist es stets in der Geschichte dieser Welt gewesen, wenn skrupellosen Tyrannen für eine Zeit erlaubt wurde, ihre Laufbahn der Aggression über die umliegenden Völker zu verfolgen.

Hab 1,6-10: 6 Denn siehe, ich erwecke die Chaldäer, das grimmige und ungestüme Volk, das die Breiten der Erde durchzieht, um Wohnungen in Besitz zu nehmen, die ihm nicht gehören. 7 Es ist schrecklich und furchtbar; sein Recht und seine Hoheit gehen von ihm aus. 8 Und schneller als Leoparden sind seine Pferde und rascher als Abendwölfe; und seine Reiter sprengen daher, und seine Reiter kommen von fern, fliegen herbei wie ein Adler, der zum Fraß eilt. 9 Sie kommen allesamt zur Gewalttat; das Streben ihrer Angesichter ist vorwärts gerichtet, und Gefangene rafft es zusammen wie Sand. 10 Und es verspottet Könige, und Fürsten sind ihm ein Gelächter; es lacht jeder Festung, und es schüttet Erde auf und nimmt sie ein.

Die Nation der Chaldäer wird als eine grimmige und ungestüme Nation beschrieben, die durch Grausamkeit und Gewalttätigkeit gekennzeichnet ist. Mit aggressiver Gewalt durchziehen sie die Erde, um Wohnungen in Besitz zu nehmen, die ihnen nicht gehören (Hab 1,6). Sie flößten Furcht und Schrecken ein durch ihre schrecklichen Taten. Sie waren sich selbst ein Gesetz und ließen sich durch nichts einschränken, indem sie keinerlei Achtung vor den Gewohnheiten der Nationen hatten (Hab 1,7). Weil sie unter das Niveau von natürlichen Menschen gesunken waren, mussten wilde und grausame Tiere als Bilder gebraucht werden, um die unmenschliche Grausamkeit, mit der sie die Nationen plündern würden, darzustellen (Hab 1,8). Eine Zeitlang würden sie alle wegraffen (Hab 1,9); Könige und Fürsten würden beseitigt werden und jede Festung würde eingenommen werden (Hab 1,10).

Hab 1,11: Dann fährt es daher wie der Wind und zieht weiter und macht sich schuldig: Diese seine Kraft ist sein Gott!

Dann, auf dem Höhepunkt ihrer Eroberungslaufbahn, würden sich ihre Gedanken ändern; und sie würden, nicht zufrieden mit der skrupellosen Zerstörung von Menschen, weiter fortfahren und gegen Gott übeltun (Hab 1,11). In völliger Missachtung dessen, dass sie lediglich Instrumente in der Hand Gottes waren, und aufgeblasen durch ihre eigenen Erfolge, würden sie den wahren Gott verwerfen und einen eigenen Gott nach ihren Gedanken errichten und ihre eigene Macht anbeten. So geschah es, wie wir wissen, als Nebukadnezar sagte: „Ist das nicht das große Babel, das ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Dan 4,30). Wie jeder andere Tyrann im Lauf der Geschichte hatte er zu lernen, dass der Gott, der ihn erweckt hatte, um die Übeltäter zu bestrafen, derselbe ist, der ihn auch erniedrigen wird, wenn er gegen den wahren Gott übeltut und selbst göttliche Verehrung beansprucht.

Der Prophet hat seine Klage vor Gott ausgeschüttet (Hab 1,2-4); und dieser ist seiner Seelennot begegnet, indem Er ihm versichert hat, dass hinter der „schrecklichen und furchtbaren“ Grausamkeit des Feindes gegenüber dem Volk Gottes und den Nationen Er selbst in seinen Regierungswegen ein Werk der Züchtigung wirkte (Hab 1,5-11).

In den folgenden Versen (Hab 1,12-17) hören wir den Propheten wieder zu Gott reden. Diesmal jedoch nicht, um seine Seelennot wegen des tiefen Zustands des Volkes Gottes vor Ihm auszuschütten, sondern um Gott dringend anzurufen wegen der Bosheit derer, denen erlaubt wurde, das Volk Gottes zu züchtigen. Die abschließenden Worte Gottes geben deutlich zu verstehen, dass diese gottlose Nation, der es gestattet wurde, andere Länder zu überrennen, in der Beiseitesetzung des wahren Gottes und der Errichtung eines falschen Gottes als das Produkt ihrer eigenen Macht enden würde.

Hab 1,12: Bist du nicht von alters her, HERR, mein Gott, mein Heiliger? Wir werden nicht sterben. HERR, zum Gericht hast du es gesetzt, und, o Fels, zur Züchtigung es bestellt.

Zugleich greift der Prophet diese Lästerung auf, um das Gericht über diese gottlose Nation vonseiten Gottes anzurufen. Sie mögen den wahren Gott leugnen, aber, so fragt der Prophet, „bist du nicht von alters her, Gott, mein Gott, mein Heiliger“? Kann Gott in Übereinstimmung mit seiner eigenen Herrlichkeit und Heiligkeit gleichgültig der Gottlosigkeit derer sein, die Ihn herausfordern, indem sie sich selbst göttliche Macht anmaßen? Unmöglich! Der Prophet beugt sich unter das, was Gott gesagt hat, und bekennt, dass das Volk Gottes zu ihrer Zurechtweisung unter die Zucht Gottes gekommen ist, doch kann er hinzufügen: „Wir werden nicht sterben.“ Wenn Gott sein Volk züchtigt, so deshalb, damit es in Übereinstimmung mit Ihm lebt. Wenn Er seine Feinde richtet, so bedeutet dies ihr ewiges Verderben, entsprechend dem Lohn, den sie verdient haben (vgl. Jer 46,28). Der Prophet erkennt somit klar, dass sie trotz der augenscheinlichen überwältigenden Erfolge der Chaldäer in Wirklichkeit auf dem Weg ins Gericht waren, selbst wenn sie in der Zwischenzeit von Gott zum Gericht anderer gebraucht wurden.

Hab 1,13: Du bist zu rein von Augen, um Böses zu sehen, und Mühsal vermagst du nicht anzuschauen. Warum schaust du Räubern zu, schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er, …

Der Prophet gründet seine Schlussfolgerung nicht nur auf die Gottlosigkeit des Feindes, sondern auch auf die Heiligkeit Gottes. Gott ist zu rein von Augen, um Böses zu sehen, und Mühsal vermag Er nicht anzuschauen. Kann Gott schweigen, wenn Er sieht, wie der Feind Ihn lästert, wie er trügerisch mit den Nationen umgeht und wie er mit noch größerer Ungerechtigkeit handelt als diejenigen, für die er zur Züchtigung gebraucht worden ist?

Hab 1,14-16: 14 … und machst die Menschen den Fischen des Meeres gleich, dem Gewürm, das keinen Herrscher hat? 15 Er hebt sie alle mit der Angel herauf, er zieht sie herbei mit seinem Netz und sammelt sie in sein Garn; darum freut er sich und frohlockt. 16 Darum opfert er seinem Netz und räuchert seinem Garn, denn durch sie ist sein Teil fett und seine Speise feist.

Diese gottlose Nation behandelte die Menschen, als ob sie nur Fische des Meeres oder Gewürm wären, die keinen Herrscher haben, der sie leitet und beschützt. Nachdem sie sich der Schwachen und Hilflosen bemächtigt haben, gebrauchen sie sie, um sich ein angenehmes Leben und Überfluss zu verschaffen. Außerdem besteht ihre Hauptsünde darin, dass sie aus ihrer Macht, durch die sie ihre Erfolge errungen haben, einen Gott bilden und damit den wahren Gott beiseitesetzen.

Hab 1,17: Soll er deshalb sein Netz ausleeren und beständig darauf ausgehen, Nationen schonungslos hinzumorden?

Der Prophet fasst seinen Einwand mit der Frage zusammen, ob dem Feind erlaubt werden soll, dass er fortfährt, die Nationen zu erschlagen und seine Netze anzubeten.

Kapitel 2

Hab 2,1: Auf meine Warte will ich treten und auf den Turm mich stellen und will spähen, um zu sehen, was er mit mir reden wird und was ich erwidern soll auf meine Klage.

Nachdem der Prophet seinen Appell an Gott beendigt hat, nimmt er seinen Platz auf seiner Warte ein, um zu sehen und zu hören, was Gott tun und sagen wird. Er handelt gemäß der Ermahnung, die uns zur Wachsamkeit und zum Gebet auffordert (Lk 21,36; Eph 6,18). Er wacht nicht nur, um das Tun des Menschen zu sehen, was gleichbedeutend mit einem Wandel durch Schauen ist, sondern er wacht, um zu sehen, was Gott sagen wird, was somit einem Wandel durch Glauben entspricht (2Kor 5,7).

In Habakuk 2,2-20 haben wir die Antwort Gottes auf den Appell des Propheten; eine Antwort, die voller Trost ist für das Volk Gottes in allen Prüfungszeiten. Das Wort Gottes stellt uns ein Gesicht des kommenden Gerichts über die Feinde des Volkes Gottes vor und zeigt uns den Segen, zu dem diese Gerichte den Weg bereiten werden, wenn die Erde erfüllt sein wird von der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken (Hab 2,14).

Hab 2,2: Da antwortete mir der HERR und sprach: Schreibe das Gesicht auf, und grabe es in Tafeln ein, damit man es geläufig lesen könne[1];

Der Prophet wird angewiesen, das Gesicht so klar wie nur möglich aufzuschreiben, damit derjenige, der es liest, motiviert werden soll, den vor uns liegenden Wettlauf mit Ausharren zu laufen – um unsere neutestamentliche Ermahnung zu gebrauchen. Dies ist sicherlich die Bedeutung dieser Worte und nicht, wie es oft angenommen wird, „dass der Läufer lesen könne, sondern eher, dass der Leser laufen könne“ (W. Kelly*).

Hab 2,3: … denn das Gesicht geht noch auf die bestimmte Zeit, und es strebt zum Ende hin und lügt nicht. Wenn es sich verzögert, so harre darauf; denn kommen wird es, es wird nicht ausbleiben.

Zweitens wird uns versichert, dass das Gesicht völlig gewiss ist. Es besteht eine festgesetzte Zeit für das Gericht des Gottlosen und für die Befreiung des Volkes Gottes. Bis zu dieser Zeit haben wir zu warten, doch wird sie sicherlich kommen und keinen Augenblick die festgesetzte Zeit überschreiten.

Hab 2,4: Siehe, aufgeblasen, nicht aufrichtig ist in ihm seine Seele. Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.[2]

Wie immer, wenn Gott in seiner Barmherzigkeit die Ausübung des Gerichts aufschiebt, so benützt der Gottlose dies als Gelegenheit, sich selbst zu erheben und seinen eigenen Lüsten nachzugehen. Deshalb werden wir auch gewarnt, dass in diesen letzten Tagen Spötter sein werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft?“ (2Pet 3,3.4). Im Gegensatz zum Gottlosen wird der Gottesfürchtige in dieser Aufschiebung eine Gelegenheit zur Ausübung des Glaubens finden, denn „der Gerechte wird durch seinen Glauben leben“ – eine Stelle, die durch den Apostel im Hebräerbrief zitiert wird, um die Gläubigen zu ermuntern, mit Glauben und Ausharren zu laufen, indem sie sehen, dass es nur eine geringe Zeit dauert, und der Kommende wird kommen und nicht verziehen (Heb 10,36-38; 12,1). Das Volk Gottes sowohl in den Tagen des Propheten als auch in unseren Tagen wird somit ermahnt, mit geistlicher Energie zu laufen, mit Ausharren zu warten und durch Glauben zu leben.

Hab 2,5: Und überdies: Der Wein ist treulos; der übermütige Mann, der bleibt nicht, er, der seinen Schlund weit aufsperrt wie der Scheol, und er ist wie der Tod und wird nicht satt; und er rafft an sich alle Nationen und sammelt zu sich alle Völker.

Nach dieser Ermahnung an die Gläubigen folgt die formelle Ankündigung des Gerichts seitens Gottes, das über die Feinde seines Volkes kommen würde und das uns in fünf „Wehe“ vorgestellt wird (Hab 2,5-19). Zuerst finden wir das hervorstechendste Böse erwähnt, das zu diesen Regierungshandlungen Gottes führt. Berauscht durch seine eigenen Einbildungen und seinen eigenen Stolz ist dieser ruhelose Feind nicht zufrieden damit, in seinem eigenen Land zu bleiben. Seine unbefriedigte Begierde nach Macht über andere führt ihn dazu, mit einem teuflischen Verlangen alle Nationen unter seine Kontrolle zu bringen.

Hab 2,6-8: 6 Werden nicht diese alle über ihn einen Spruch und eine Spottrede anheben, Rätsel über ihn? Und man wird sagen: Wehe dem, der aufhäuft, was nicht sein ist – bis wann? –, und der Pfandlast auf sich lädt! 7 Und werden nicht plötzlich aufstehen, die dich beißen, und aufwachen, die dich fortscheuchen werden? Und du wirst ihnen zur Beute werden. 8 Denn du hast viele Nationen beraubt; und so werden alle übrig gebliebenen Völker dich berauben wegen des Blutes der Menschen und der Gewalttat an Land und Stadt und an allen ihren Bewohnern.

Die Unterdrückung und Ungerechtigkeit dieser Nation schreit laut zu Gott nach Gericht. So wie Gott die Chaldäer gebraucht hatte, um sein Volk und die Nationen zu züchtigen, so gebraucht Er nun die Nationen dazu, die Chaldäer zu richten. Denn es sind die Nationen, die gebraucht werden, eine Spottrede über diese Unterdrücker anzuheben und diese Wehe über sie auszusprechen. Das erste Wehe wird durch die Habgier hervorgerufen, die den Feind dazu anleitet, seine Besitztümer zu vermehren, indem er sich trotz der „Pfandlast“, die er nicht einhält, Länder aneignet, die ihm nicht gehören. Solche Bosheiten haben zur Folge, dass sich die Nationen vereinigen und sich plötzlich gegen ihn erheben, wodurch er beunruhigt und gequält wird und schließlich denen zur Beute wird, die er bis zur Blutvergießung mit Gewalttat ausgebeutet hat.

Hab 2,9-11: 9 Wehe dem, der bösen Gewinn macht für sein Haus, um sein Nest hoch zu setzen, um sich zu retten aus der Hand des Unglücks! 10 Du hast Schande für dein Haus geplant, die Vertilgung vieler Völker, und hast dein Leben verwirkt. 11 Denn der Stein wird schreien aus der Mauer, und der Sparren aus dem Holzwerk ihm antworten.

Das zweite Wehe wird durch die Habsucht hervorgerufen, die ihn dazu verleitete, andere zu berauben, um sein eigenes Haus zu befestigen mit dem Ziel, „sein Nest hoch zu setzen“. Er trachtete somit danach, über die Nationen erhaben zu sein und sich selbst vor Angriffen in Sicherheit zu bringen. Um dieses Ziel zu erreichen, zögert er nicht, sich herabzulassen, um „viele Völker zu erniedrigen“. Völker mögen vernichtet werden und Millionen von Menschen geschlachtet werden, wenn er dadurch nur seine Begierde nach Macht befriedigen kann. Doch er hat die Erfahrung zu machen, dass all diese skrupellose Gottlosigkeit sich zu seiner eigenen Schande wenden wird. Gerade die Steine und Balken der Häuser, die er zerstört hat, werden gegen ihn zeugen und sein Gericht ankündigen.

Hab 2,12-14: 12 Wehe dem, der Städte mit Blut baut und Städte mit Ungerechtigkeit gründet! 13 Siehe, ist es nicht von dem HERRN der Heerscharen, dass Völker sich fürs Feuer abmühen und Völkerschaften sich vergebens plagen? 14 Denn die Erde wird voll der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN sein, so wie die Wasser den Meeresgrund bedecken.

Das dritte Wehe, das über diese Nation ausgesprochen wird, die sich selbst, auf der Grundlage von Blutvergießen und Ungerechtigkeit, zu befestigen versucht hat, zeigt uns, dass diese Menschen unter das Feuer des Gerichts kommen werden, gegen das sie sich vergeblich wehren. Die allgemeine Herrschaft über die Nationen ist Gott vorbehalten. „Denn die Erde wird voll werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des HERRN, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken“ (Hab 2,14).

Hab 2,15-17: 15 Wehe dem, der seinem Nächsten zu trinken gibt, indem du deinen Zorn beimischst und sie auch betrunken machst, um ihre Blöße anzuschauen! 16 Du hast dich mit Schande gesättigt anstatt mit Ehre: Trinke auch du und zeige dein Unbeschnittensein; der Becher der Rechten des HERRN wird sich zu dir wenden, und schimpfliche Schande wird über deine Herrlichkeit kommen. 17 Denn die Gewalttat am Libanon wird dich bedecken, und die Zerstörung der Tiere, die sie in Schrecken versetzte: wegen des Blutes der Menschen und der Gewalttat an Land und Stadt und an allen ihren Bewohnern.

Ein viertes Wehe wird durch ein Gesicht über das Verderben, gefolgt durch Gewalttat, hervorgerufen, was kennzeichnend ist für die Taten des Feindes. Mit Betrug und List verleiten sie die Nationen in eine hilflose Lage, was ihnen den Weg bereitet, um sie gewalttätig anzugreifen, nur ihre eigene Ehre suchen. Doch zuletzt werden sie mit Schande anstatt mit Ehre gesättigt werden, wenn sie gezwungen werden, den Kelch des Gerichts aus der Hand Gottes zu trinken. Sie sollten durch die Gewalttat, die sie anderen zugefügt hatten, überwältigt werden.

Hab 2,18.19: 18 Was nützt ein geschnitztes Bild, dass sein Bildner es geschnitzt hat, ein gegossenes Bild und das Lügen lehrt, dass der Bildner seines Bildes darauf vertraut, um stumme Götzen zu machen? 19 Wehe dem, der zum Holz spricht: Wache auf!, zum schweigenden Stein: Erwache!? – Er sollte lehren? Siehe, er ist mit Gold und Silber überzogen, und gar kein Odem ist in seinem Innern.

Das letzte Wehe über diese gottlose Nation wird durch ihre größte Sünde hervorgerufen – eine Sünde, die direkt gegen Gott gerichtet ist. Der Götzendienst und der Lügenlehrer, die die Menschen dazu verleiten, einem falschen Gott zu vertrauen und somit zur Leugnung des wahren Gottes führt, sollte das überwältigende Gericht über diese gottlose Nation bringen.

Hab 2,20: Aber der HERR ist in seinem heiligen Palast: Schweige vor ihm, ganze Erde!

Das Gericht, das diese gottlose Nation überrascht, befestigt die große und gesegnete Tatsache, dass trotz all des Versagens des Volkes Gottes und der zunehmenden Gottlosigkeit der Welt Gott in seinem heiligen Palast ist. In seiner Gegenwart wird schließlich jeder Mund, der in Auflehnung geöffnet wurde, um seinen heiligen Namen zu lästern, gestopft werden. Angesichts der dann kommenden Gerichte über die Gottlosen geziemt es sich für die ganze Erde, vor Gott zu schweigen!

In der Antwort Gottes auf den Aufruf des Propheten wird uns somit versichert, dass Gott zu seiner Zeit mit all dem Bösen in der Welt ins Gericht gehen wird. Bis zu dieser Zeit mag eine kürzere oder längere Wartezeit entstehen, die den Glauben in Tätigkeit setzt. Doch der Glaube wird durch die Gewissheit gestützt, dass Gott als die nie versiegende Quelle seines Volkes in seinem heiligen Palast ist, was auch immer unter den Menschen stattfinden mag.

Kapitel 3

Hab 3,1: Gebet Habakuks, des Propheten. Nach Schigjonot.

Nachdem der Prophet auf seiner Warte gestanden hat und die Antwort Gottes auf seinen Aufruf gehört hat, beugt er nun seine Knie zum Gebet. Inmitten all seiner Übungen und Prüfungen stärkt er sich selbst in den nie versiegenden Hilfsquellen, die wir in Gott, der in seinem Palast ist, besitzen. Er naht dem Thron der Gnade, um Hilfe zu finden in der Zeit der Not.

Hab 3,2: HERR, ich habe deine Kunde vernommen, ich fürchte mich; HERR, belebe dein Werk inmitten der Jahre, inmitten der Jahre mache es kund; im Zorn gedenke des Erbarmens!

Der Prophet hatte das Versagen des Volkes Gottes und das Werk des Feindes in ihrer Mitte gesehen. Mit einem Herzen voll heiliger Gottesfurcht betet er, dass Gott sich wirksam erweisen möge. Er kann sagen: „Gott, belebe dein Werk.“ Er betet nicht für eine große öffentliche Belebung unter dem Volk Gottes, die es nur in den Vordergrund stellen würde, sondern er verlangt danach, das Wirken Gottes inmitten ihrer Prüfungen zu sehen. Er begehrt zu sehen, wie Gott in Barmherzigkeit gegenüber denen tätig ist, die durch ihr Versagen die Züchtigung Gottes auf sich selbst gebracht haben.

Hab 3,3-6: 3 Gott kommt von Teman her und der Heilige vom Gebirge Paran. – Sela. Seine Pracht bedeckt die Himmel, und die Erde ist voll seines Ruhmes. 4 Und es entsteht ein Glanz wie das Licht der Sonne; Strahlen sind zu seinen Seiten, und dort ist die Hülle seiner Macht. 5 Vor ihm her geht die Pest, und die Seuche zieht aus, seinen Füßen nach. 6 Er stand da und machte die Erde schwanken, er schaute und machte die Nationen aufbeben; und es zerbarsten die Berge der Vorzeit, es senkten sich die ewigen Hügel; seine Wege sind die Wege vor alters.

Im Folgenden ruft er in erhabener Sprache die verschiedenen Wege in Erinnerung, in denen Gott in der Vergangenheit zu seiner eigenen Herrlichkeit und zum Segen seines Volkes gewirkt hatte. Er verweist auf Teman und Paran, wo die eindruckvollste Offenbarung der göttlichen Macht und Herrlichkeit stattgefunden hatte, wie wir aus 5. Mose 33,2 wissen. „Vor ihm“ werden die Feinde seines Volkes zersprengt und zerstreut und jede feindliche Macht besiegt werden.

Hab 3,7-12: 7 Unter Trübsal sah ich die Zelte Kuschans, es zitterten die Zeltbehänge des Landes Midian. 8 Ist der HERR gegen die Ströme entbrannt? Richtet sich etwa dein Zorn gegen die Ströme, dein Grimm gegen das Meer, dass du einherziehst auf deinen Rossen, deinen Wagen der Rettung? 9 Entblößt, entblößt ist dein Bogen – Zuchtruten, geschworen durch dein Wort! – Sela. 10 Zu Strömen spaltest du die Erde. Es sahen dich, es zitterten die Berge; eine Wasserflut fuhr daher, die Tiefe ließ ihre Stimme erschallen, zur Höhe erhob sie ihre Hände. 11 Sonne und Mond traten in ihre Wohnung beim Licht deiner Pfeile, die daherschossen, beim Glanz deines blitzenden Speeres. 12 Im Grimm durchschreitest du die Erde, im Zorn stampfst du die Nationen.

Die Wohnungen der Nationen waren in Trübsal, und ihre Länder zitterten, als „die Zuchtruten“ auf Geheiß Gottes auf sie niederschlugen (Hab 3,9). Die gesamten Mächte der Natur – die Flüsse, die Berge, die Sonne und der Mond – waren nutzlos, um dem Werk Gottes im Gericht Einhalt zu gebieten, als Er in Entrüstung über die Erde schritt, um die Nationen in seinem Grimm niederzutreten.

Hab 3,13-15: 13 Du zogst aus zum Heil deines Volkes, zum Heil deines Gesalbten: Du zerschmettertest das Haupt vom Haus des Gottlosen, entblößtest den Grund bis zum Hals. ? Sela. 14 Du durchbohrtest mit seinen eigenen Spießen die Häupter seiner Scharen, die heranstürmten, um mich zu zerstreuen, deren Frohlocken war, den Elenden im Verborgenen zu verschlingen. 15 Du betratest das Meer mit deinen Rossen, den Schwall großer Wasser. –

In dieser Weise handelte der Herr nicht nur mit der Gottlosigkeit der Nationen, sondern auch zum Heil seines Volkes – seines Gesalbten. Deshalb wurden die Anführer in der Gottlosigkeit, die wie ein Wirbelwind heranstürmten, um die Bedrängten zu zerstreuen und zu verschlingen, durch die gewaltige Macht Gottes überwältigt.

Hab 3,16: Ich vernahm es, und es zitterte mein Leib; bei der Stimme bebten meine Lippen; Morschheit drang in meine Gebeine, und wo ich stand, erzitterte ich: Ich werde ruhen am Tag der Drangsal, wenn derjenige gegen das Volk heranzieht, der es angreifen wird.

Dieses ernste Handeln Gottes im Gericht mit den Nationen in der Vergangenheit lässt den Propheten tatsächlich erkennen, wie schwach und arm Gottes Volk ist, und als Folge davon zittert er angesichts der göttlichen Offenbarungen. Nichtsdestoweniger sollte der Prophet dazu geführt werden, „zu ruhen am Tag der Drangsal, wenn derjenige gegen das Volk heranzieht, der es angreifen wird“.

Hab 3,17-19: 17 Denn der Feigenbaum wird nicht blühen, und kein Ertrag wird an den Reben sein; und es trügt die Frucht des Olivenbaumes, und die Getreidefelder tragen keine Speise; aus der Hürde ist verschwunden das Kleinvieh, und kein Rind ist in den Ställen. – 18 Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils. 19 Der HERR, der Herr, ist meine Kraft und macht meine Füße denen der Hirschkühe gleich und lässt mich einherschreiten auf meinen Höhen. Dem Vorsänger. Mit meinem Saitenspiel.

Das Ergebnis der Erfahrungen des Propheten ist in dem erhabenen Lobpreis zusammengefasst, der seine Prophezeiung abschließt. Er hatte die Wege Gottes in seiner Regierung kennengelernt, und zwar sowohl in der Züchtigung seines Volkes als auch im Gericht über dessen Feinde. Er hatte ein Gesicht gesehen, das ihm klarmachte, dass alle Werke Gottes in Züchtigung und im Gericht zum ewigen Heil seines Volkes führen würden und dass dadurch vor allem die Erde mit der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn erfüllt würde. Er mag bis zur Erfüllung des Gesichts zu warten haben. Doch indem er durch Glauben an diese herrliche Zukunft und an den lebt, der sie einführen wird, wird er zubereitet, sich allen Prüfungen auf seinem Weg zu stellen. Die Not mag ihm ins Gesicht starren; denn die Früchte des Erdbodens mögen ausbleiben, die Felder mögen keine Speise liefern und die Herden keine Nahrung geben. Trotzdem ist der Herr in seinem heiligen Palast, und der Prophet will in Ihm frohlocken und angesichts seines Heils Gott zujubeln. Schwach in sich selbst würde er im Herrn seine Stärke finden, der ihn befähigen würde, auf den Höhen einherzuschreiten, also weit über den Verwirrungen und Sorgen dieser Erde.

Wie ermunternd ist es, den Weg dieses gottesfürchtigen Mannes zu verfolgen, den er geführt wurde. Beginnend mit der Seelennot, die ihn auf sein Angesicht vor Gott warf wegen des Versagens des Volkes Gottes. Dann zu sehen, wie er auf die Warte tritt, um die Worte Gottes zu hören, und schließlich, als er die Gedanken Gottes gelernt hat, Ihn auf seinen Knien im Gebet zu sehen mit dem Resultat, dass er schlussendlich mit Freude seines Herzens und Lob auf seinen Lippen auf den Höhen einherschreitet.

Wir leben in den schwierigen Zeiten der letzten, abschließenden Tagen, in denen die Kirche in ihrer Verantwortlichkeit als Zeugnis Christi versagt hat und das Gericht am Hause Gottes anfängt; in Tagen, in denen die Welt in ihrer Verantwortlichkeit bezüglich der Ausübung der Regierung versagt hat und deshalb mit Gewalttat und Verderben erfüllt ist. Während sie dem Gericht des Tages Gottes entgegeneilt, hat sie jetzt schon bereits mit Sorgen zu ernten, was sie in ihrer Gottlosigkeit gesät hat. In solchen Tagen, wo das Ende aller Dinge bevorsteht, geziemt es uns sicherlich, die Belehrungen Habakuks zu beherzigen und „besonnen und nüchtern zu sein zum Gebet“ (1Pet 4,7).

Für Gläubige aus der Gnadenzeit ist es nicht angebracht, das Gericht über ihre Feinde anzurufen, sondern so wie der Prophet in seinen Tagen haben auch wir in all den Nöten, die uns sowohl unter dem Volk Gottes als auch in der Welt um uns herum begegnen mögen, eine unversiegbare Quelle in dem Wissen, dass Gott in seinem heiligen Palast ist. Christus bleibt derselbe, gestern und heute und in Ewigkeit. Er ist in den Himmel selbst eingegangen, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen (Heb 9,24). Wie der Prophet in seinen Tagen können auch wir die Übungen unserer Seelen vor Ihm ausschütten. Wir können wachen, um seine Hand am Werk zu sehen; wir können Ihm alle unsere Bedürfnisse im Gebet sagen, und wir können jetzt sogar über all den Stürmen im Geist auf den Höhen einhergehen, um im Herrn zu frohlocken und zu jubeln in dem Gott unseres Heils.

Möge es so sein, dass wir zu rechten Zeit auf unserem Angesicht liegen mögen in Bekenntnis; auf der Warte, um die Gedanken des Herrn kennenzulernen; auf unseren Knien im Gebet; und auf den Höhen in Anbetung.

 

Anmerkungen

[1] Zu Habakuk 2,2: Im Gegensatz zur deutschen Elberfelder-Übersetzung heißt es in der englischen New Translation von J.N. Darby: „that he may run that readeth it.“ (Anm. d. Üb.)

[2] Zu Habakuk 2,3.4: In der Septuaginta werden diese Verse folgendermaßen wiedergegeben (vgl. Heb 10,37b.38): „[Er] der (oder: [das] was) kommt, wird kommen und nicht verziehen. Wenn er sich zurückzieht, hat meine Seele kein Wohlgefallen an ihm; der Gerechte aber wird aus (aufgrund von) meinem Glauben (= Glauben an mich) leben.“ Die gebräuchliche Auffassung ist, dass in Habakuk der Gegenstand des „Kommens“ das Gesicht des Propheten ist, das er geschaut hat. In der Septuaginta muss der Gegenstand des „Kommens“ der Messias oder Gott sein. Spätere jüdische Ausleger wandten diese Stelle auch auf den Messias an, und so finden wir es auch in Heb 10,37.38 erwähnt. „Der Kommende“ war eine bekannte Andeutung auf den Messias (vgl. Mt 11,2; 21,9; Ps 118,26). (Anm. d. Üb.)


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