Psalm 6

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 15.06.2012, aktualisiert: 18.10.2016

Die Übungen der Seele eines gottesfürchtigen Menschen, der sich mit der Strafe identifiziert, die über Gottes Volk gekommen ist, wenngleich sich dadurch, dass er sich selbst demütigt, seine moralische Trennung von dem Volk zeigt

Vers 2

Ps 6,2: HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm!

Im vorherigen Psalm hat der gottesfürchtige Mensch anerkannt, dass Gott keinen Gefallen an der Gottlosigkeit und Bosheit hat; jetzt erkennt er, dass das Volk den „Zorn“ und das „Missfallen“ des Herrn auf sich geladen hat. Während er sich unter den Tadel und die Strafen Gottes beugt, die so gerechterweise erlitten werden, betet er um Abwendung des Missfallens des Herrn und sucht seine Gnade. Die folgenden Verse geben die Erfahrungen der gottesfürchtigen Seele wieder, wie sie den Sonnenschein von Gottes Gunst erreicht.

Verse 3.4

Ps 6,3.4: 3 Sei mir gnädig, HERR, denn ich bin dahingewelkt. Heile mich, HERR, denn meine Gebeine sind bestürzt. 4 Und sehr bestürzt ist meine Seele und du, HERR, bis wann?

Nachdem er die Gerechtigkeit von Gottes Strafgericht anerkannt hat, fleht der Gottesfürchtige um Gottes Eingreifen: erstens um der Barmherzigkeit willen und zweitens aufgrund der Tatsache, dass Gott den Nöten der Seinen nicht gleichgültig gegenüberstehen kann, sondern dieser Not eine Obergrenze setzen wird. Daher kann der Glaube fragen: „Oh Herr, wie lange?“

Verse 5.6

Ps 6,5.6: 5 Kehre um, HERR, befreie meine Seele; rette mich um deiner Güte willen! 6 Denn im Tod erinnert man sich nicht an dich; im Scheol, wer wird dich preisen?

Mit wachsender Zuversicht erwartet der Gottesfürchtige, dass der Herr zum Segen umkehren und seine Seele davor bewahren wird, in den Tod und in das Grab zu gehen, damit er auf Erden leben kann, um den Herrn zu preisen.

Verse 7.8

Ps 6,7.8: 7 Müde bin ich durch mein Seufzen; jede Nacht schwemme ich mein Bett, lasse durch meine Tränen mein Lager zerfließen. 8 Verfallen ist mein Auge vor Kummer, gealtert wegen all meiner Bedränger.

Obwohl er sich der Strafe des Herrn unterwirft, erkennt der Gottesfürchtige, dass die unbußfertige Masse des Volkes ihm in Feindschaft gegenübersteht. Allein inmitten eines feindlichen Volkes zu stehen wie Jeremia in seinen Tagen, verursacht der Seele heftigen Schmerz.

Verse 9-11

Ps 6,9-11: 9 Weicht von mir alle, die ihr Frevel tut! Denn der HERR hat die Stimme meines Weinens gehört. 10 Der HERR hat mein Flehen gehört; mein Gebet nahm der HERR an. 11 Alle meine Feinde werden beschämt und sehr bestürzt werden; sie werden umkehren, sie werden plötzlich beschämt werden.

Durch diese Übungen gelangt die Seele des Gottesfürchtigen zur Wahrnehmung des persönlichen Wohlwollens des Herrn. Er erkennt, dass der Herr seine Tränen nicht missachtet; Er hat sein Flehen gehört und sein Gebet angenommen. Dies, so sieht er voraus, wird jedoch die Beschämung und die Niederlage seiner Feinde nach sich ziehen.

Während die Übungen dieser gottesfürchtigen Seele prophetisch die Erfahrungen des Überrestes inmitten des schuldigen Volks der Juden an einem kommenden Tag beschreiben, haben sie eine leuchtende Ausprägung in dem Überrest, der sich der Taufe Johannes’ des Täufers unterzog. Dort erkannte der Herr an, indem Er sich mit dem Überrest identifizierte, dass das Volk unter dem Tadel und der Strafe des Herrn stand. Sogleich öffnete sich der Himmel, und die Stimme des Vaters bekundete sein unendliches Wohlgefallen an dem Herrn. Der bußfertige Überrest, der mit Christus identifiziert wird, genießt dieses Wohlgefallen und entgeht dem Missfallen, das auf dem Volk liegt.

Das Prinzip, die Strafe von Gottes Volk anzuerkennen und uns der Barmherzigkeit Gottes anzubefehlen, ist an jedem Tag des Scheiterns gut und richtig; und doch ist die Erfahrung des Psalmes eindeutig die eines irdischen Heiligen. Der Christ erwartet seinen Segen in der Auferstehung, jenseits des Todes, im Himmel. Der Psalmist erwartet den Segen auf Erden, ohne in den Tod zu gehen.

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Übersetzung: S. Bauer


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