Psalm 68

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 15.12.2013, aktualisiert: 29.01.2018

Gott macht sich in allen Königreichen auf der Erde bekannt durch den Erweis seiner Güte in der gesamten Geschichte Israels.

Verse 2-4

Ps 68,2-4: 2 Möge Gott aufstehen! Mögen seine Feinde sich zerstreuen und seine Hasser vor ihm fliehen! 3 Wie Rauch vertrieben wird, so wirst du sie vertreiben; wie Wachs vor dem Feuer zerschmilzt, so werden die Gottlosen umkommen vor dem Angesicht Gottes. 4 Aber freuen werden sich die Gerechten, sie werden frohlocken vor dem Angesicht Gottes und jubeln in Freude.

Der Psalm beginnt damit, zu beschreiben, wie Gott seinen Platz an der Spitze seines Volkes einnimmt; wie Er seine Feinde zerstreut; wie die Gottlosen vor seinem Angesicht umkommen, während die Gerechten vor Ihm jubeln. Er beginnt mit den rituellen Worten, die Mose sprach, wenn das Lager der Israeliten auf seinen Reisen durch die Wüste weiterzog (4Mo 10,35).

Verse 5-7

Ps 68,5-7: 5 Singt Gott, besingt seinen Namen! Macht Bahn dem, der einherfährt durch die Steppen, Jah ist sein Name, und frohlockt vor ihm! 6 Ein Vater der Waisen und ein Richter der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung. 7 Gott lässt Einsame in einem Haus wohnen, führt Gefangene hinaus ins Glück; die Widerspenstigen aber wohnen in der Dürre.

Dann wird sehr schön der Charakter desjenigen, der sein Volk führt, beschrieben. Er handelt als ein liebender Vater und als ein gerechter Richter. Den Armen, den Unterdrückten, den Einsamen und den Gefangenen gilt eine Fürsorge; aber die Widerspenstigen werden zurückgelassen, um die Folgen ihrer eigenen Torheit zu ernten; sie kommen in der Wüste um.

Verse 8-15

Ps 68,8-15: 8 Gott, als du auszogst vor deinem Volk, als du einherschrittest durch die Wüste – Sela –, 9 da bebte die Erde – auch troffen die Himmel vor Gott –, jener Sinai vor Gott, dem Gott Israels. 10 Reichlichen Regen gossest du aus, o Gott; dein Erbteil – wenn es ermattet war, richtetest du es auf. 11 Deine Schar hat darin gewohnt; du hast in deiner Güte für den Elenden zubereitet, o Gott! 12 Der Herr erlässt das Wort; die Schar der Siegesbotinnen ist groß. 13 Die Könige der Heere fliehen, sie fliehen, und die Hausbewohnerin verteilt die Beute. 14 Wenn ihr zwischen den Hürden liegt, werdet ihr sein wie die Flügel einer Taube, die mit Silber überzogen sind und ihre Schwingen mit grüngelbem Gold. 15 Wenn der Allmächtige Könige darin zerstreut, wird es schneeweiß auf dem Zalmon.

Die Geschichte Israels wird rekapituliert, nicht um sein Versagen, sondern um Gottes Güte aufzuzeigen. Gott führte sein Volk durch die Wüste und offenbarte seine Gegenwart am Sinai (Ps 68,8.9). Er brachte seine Schar zu dem Land, um darin zu wohnen, und in seiner Güte versorgte Er sein ermattetes Volk und sorgte für die Armen und Elenden (Ps 68,10.11). Der Herr gab die Anweisungen und führte das Volk zum Sieg über all seine Feinde, so dass Könige flohen und Beute gemacht wurde, an der alle einen Anteil bekamen (Ps 68,12.13). Das siegreiche Israel, das einst in Elend und Armut darniederlag, zeigt sich nun in der ganzen Schönheit, die Gott auf es gelegt hat (vgl. Hes 16,1-14), während die Feinde im Land zerstreut werden (Ps 68,14.15).

Verse 16-20

Ps 68,16-20: 16 Der Berg Basans ist ein Berg Gottes, ein gipfelreicher Berg ist der Berg Basans. 17 Warum blickt ihr neidisch, ihr gipfelreichen Berge, auf den Berg, den Gott zu seinem Wohnsitz begehrt hat? Auch wird der HERR dort für immer wohnen. 18 Die Wagen Gottes sind zwei Mal Zehntausende, Tausende und aber Tausende; der Herr ist unter ihnen – ein Sinai an Heiligkeit. 19 Du bist aufgefahren in die Höhe, du hast die Gefangenschaft gefangen geführt; du hast Gaben empfangen im Menschen, und selbst für Widerspenstige, damit Jah, Gott, eine Wohnung habe. 20 Gepriesen sei der Herr! Tag für Tag trägt er unsere Last; Gott ist unsere Rettung. – Sela.

Nachdem Israel in dem Land sesshaft geworden ist, wird gezeigt, wie Gott Zion als seinen Wohnort auswählte. Die Mächte der Welt, dargestellt durch gipfelreiche Berge, mögen voller Neid auf Zion schauen. Doch es ist Zion, das der Herr sich als Zentrum der irdischen Herrschaft ausgesucht hat, um dort für immer zu wohnen, und dort werden Heerscharen von Engeln Ihm dienen, um seinen Willen auszuführen.

Überdies kommt all diese Güte für Israel daher, dass Christus zur Höhe hinaufgestiegen ist. Zweifellos verstand der Psalmist nur wenig von der tiefen Bedeutung seiner eigenen Worte (vgl. 1Pet 1,11); dennoch hatte der Geist Gottes, wie wir aus der Verwendung dieser Worte in Epheser 4,8 wissen, Christus im Blick. An seinem Ehrenplatz empfing Er Gaben für die Menschen. Im Epheserbrief wird von den Gaben in Verbindung mit der Gemeinde gesprochen; hier geschieht es in Verbindung mit Israel, auch wenn Israel widerspenstig gewesen war. So erwirbt Gott durch seine Gnadengaben ein Volk, in dessen Mitte Er wohnen kann. Im Psalm 22,3.4 lesen wir, wie Christus am Kreuz verlassen wurde, damit Gott inmitten eines Ihn lobenden Volkes wohnen konnte. In diesem Psalm steigt Er zu Höhe hinauf, um ein lobendes Volks zu erwerben. Daher sagt das Volk: „Gepriesen sei der Herr, der uns täglich Wohltaten auflädt; ja, der Gott unseres Heils.“ [Zitat nach der englischen Übersetzung, die allerdings mittels Kursivdruck kenntlich macht, dass das Wort „Wohltaten“ bei der Übersetzung hinzugefügt wurde, um einen vollständigen Satz zu erzeugen. Zwei völlig andere Übersetzungen finden sich in Luthers Übersetzung und in der Elberfelder Übersetzung. (Anm. d. Übers.)]

Verse 21-24

Ps 68,21-24: 21 Gott ist uns ein Gott der Rettungen, und bei dem HERRN, dem Herrn, stehen die Ausgänge vom Tod. 22 Ja, Gott wird das Haupt seiner Feinde zerschmettern, den Haarscheitel dessen, der in seinen Vergehungen wandelt. 23 Der Herr sprach: Ich werde aus Basan zurückbringen, zurückbringen aus den Tiefen des Meeres, 24 damit du deinen Fuß in Blut badest und die Zunge deiner Hunde von den Feinden ihr Teil habe.

Der Segen seines Volks Israel wird mit der Vernichtung seiner Feinde einhergehen. Der Herr wird sein Volk wieder aus der Welt herausbringen, die hier sinnbildlich durch Baschan dargestellt wird; während seine Feinde völlig niedergeworfen werden als Kadaver auf dem Schlachtfeld.

Verse 25-28

Ps 68,25-28: 25 Sie haben deine Züge gesehen, o Gott, die Züge meines Gottes, meines Königs im Heiligtum. 26 Voran gingen Sänger, danach Saitenspieler, inmitten Tamburin schlagender Jungfrauen: 27 „Preist Gott, den Herrn, in den Versammlungen, die ihr aus der Quelle Israels seid!“ 28 Da sind Benjamin, der Jüngste, ihr Herrscher, die Fürsten Judas, ihre Schar, die Fürsten Sebulons, die Fürsten Naphtalis.

Nach der Vernichtung aller Feinde wird der König willkommen geheißen, wenn Er seinen Platz im Heiligtum inmitten seines jubelnden Volkes einnimmt, das nach seiner langen Teilung endlich wieder versammelt sein wird (s. Jes 52,8).

Verse 29-32

Ps 68,29-32: 29 Geboten hat dein Gott deine Stärke. Stärke, o Gott, was du für uns gewirkt hast! 30 Um deines Tempels in Jerusalem willen werden Könige dir Geschenke bringen. 31 Schilt das Tier des Schilfs, die Schar der Stiere mit den Kälbern der Völker! Jeder wird sich dir unterwerfen mit Silberbarren. Zerstreue die Völker, die Lust haben am Krieg! 32 Die Großen aus Ägypten werden kommen; Äthiopien wird eilends seine Hände ausstrecken zu Gott.

Nachdem der König seine rechtmäßige Stellung inmitten seines wiedervereinten Volkes eingenommen hat, wird es nun dadurch gestärkt, dass die ganze Welt unterworfen wird. Die Könige der Erde werden mit ihren Geschenken kommen und sich dem König unterwerfen und ihre Hände ausstrecken in Abhängigkeit von Gott.

Verse 33-36

Ps 68,33-36: 33 Ihr Königreiche der Erde, singt Gott, besingt den Herrn – Sela –, 34 den, der einherfährt auf den Himmeln, den Himmeln der Vorzeit! Siehe, er lässt seine Stimme erschallen, eine mächtige Stimme. 35 Gebt Gott Stärke! Seine Hoheit ist über Israel, und seine Macht in den Wolken. 36 Furchtbar bist du, Gott, aus deinen Heiligtümern her; der Gott Israels, er ist es, der dem Volk Stärke und Kraft gibt. Gepriesen sei Gott!

Schließlich werden alle Königreiche der Erde dazu aufgerufen, den Herrn zu preisen, der über allem Geschaffenen steht, der mächtig ist in Wort und Tat und seine Macht an seinem Volk Israel erwiesen hat.

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Übersetzung: S. Bauer


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